Helaba-Finanzplatzstudie „In der Pole-Position für Brexit-Banker“

Wie die heute vorgestellte Finanzplatzstudie des Helaba-Bereichs Volkswirtschaft/Research zeigt, ist das deutsche Finanzzentrum im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position. So haben sich bereits zahlreiche Banken dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlagern, was sich in den Beschäftigtenzahlen niederschlagen wird: „Wir erwarten, dass mindestens die Hälfte der aus London abwandernden Finanzjobs nach Frankfurt verlegt wird. Dies entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern. Bis Ende 2019 sehen wir deshalb einen Beschäftigungsanstieg um 4 Prozent auf rund 65.000 Mitarbeiter in den Frankfurter Bankentürmen (Ende 2016: 62.400). Und das, obwohl parallel die Konsolidierung am heimischen Bankenmarkt anhält“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Ein Novum des langjährigen Finanzplatz-Researchs der Helaba ist in der vorliegenden Studie das eigens kreierte regionale Beschäftigungsaggregat: die Zahl der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft in „BIG FFM“. Hierzu wurde die räumliche Abgrenzung von Greater London auf das Gebiet rund um Frankfurt übertragen. Dieser Vergleich ergibt folgendes Bild: Ende letzten Jahres arbeiteten in BIG FFM rund 118.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, in Greater London knapp 360.000. Mit Blick auf die Beschäftigungsdichte (bezogen auf die Bevölkerungszahl) liegen allerdings beide Großräume mit jeweils gut 4 Prozent auf gleichem Niveau.

Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas. Hinsichtlich der Arbeitsplatzverlagerungen von der Themse an den Main kommen insbesondere folgende Standortqualitäten zum Tragen: die Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB mit ihrer Doppelfunktion Aufsichtsbehörde und Notenbank, das Rhein-Main-Gebiet als Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, die relativ günstigen Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland.

„Seit unserem Finanzplatz-Ranking Mitte 2016 hat sich die relative Attraktivität Frankfurts weiter erhöht“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Dagegen ist eine Schwächung der Londoner City schon jetzt unübersehbar. Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien lassen die Stadt in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist die abgesagte Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange positiv für Frankfurt, da die starke Frankfurter Börse nun erhobenen Hauptes ihren eigenen Weg weitergehen kann. Darüber hinaus könnte die Main-Metropole in ihrer Rolle als europäische Aufsichtsmetropole weiter gestärkt werden, sollte die länderübergreifende Bankenaufsichtsbehörde EBA nach Frankfurt verlegt werden.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt rückt insbesondere den regionalen Immobilienmarkt und die Bildungsinfrastruktur der Stadt in den Fokus. „Am Büromarkt dürfte die Zusatznachfrage angesichts des noch immer reichlichen Leerstands und einer Reihe von Projektentwicklungen problemlos zu bewältigen sein“, erwartet Helaba-Immobilienanalyst Dr. Stefan Mitropoulos. Am Wohnungsmarkt besteht dagegen kein nennenswerter Leerstand. Die deutlich erhöhte Neubauaktivität, die Planungen für die nächsten Jahre sowie die umfangreichen Flächenreserven im Umland sprechen aber gegen eine deutliche Verschärfung der Lage am Frankfurter Wohnungsmarkt durch den Brexit. Neben dem Immobilienmarkt ist auch das Schulangebot ist ein zentrales Standortkriterium. Die Frankfurter Finanzplatz-Region bietet bereits ein breites Spektrum internationaler Bildungseinrichtungen, das in den vergangenen Jahren sichtlich gewachsen ist. Angesichts der hohen Nachfrage nach Bildungsangeboten bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungsarchitektur für Kinder jeden Alters, der alle Schulformen umfasst und über den Brexit-bedingten Bedarf hinausgeht.

Traud zieht ein positives Fazit: „Trotz der Herausforderungen durch den bevorstehenden Mitarbeiterzustrom von der Themse an den Main ist der Brexit für den Finanzstandort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb.“

Die komplette Studie von Helaba können Sie hier herunterladen.

 

Brexit bringt bis zu 88 Tausend neue Stellen in der Rhein-Main-Region

Studie der WHU beziffert die Brexiteffekte auf den Arbeitsmarkt.

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Schon am 24. Juni 2016, am Tag nach dem Referendum, hat Frankfurt Main Finance das Potenzial eines Brexit auf bis zu zehn Tausend neue Arbeitsplätze für Frankfurt im Finanz- und unmittelbar zugehörigen Dienstleistungssektor geschätzt. Heute scheint die Zahl manchen sogar zu konservativ. Das Jobwachstum wartet aber auch an anderer Stelle, so die Ergebnisse einer Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance. „Es sind die Multiplikatoreffekte auf viele Bereiche des täglichen Lebens, die zu einem signifikanten Stellenzuwachs vor allem in der Rhein-Main-Region führen werden“, erklärt Professor Lutz Johanning, der die Studie zusammen mit Moritz C. Noll vom Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung durchgeführt hat. Im Interview geben beide tiefere Einblicke in die zugrundeliegenden Berechnungen.

Herr Prof. Johanning, was genau wird in Ihrer Studie untersucht?

Lutz Johanning: Wir haben erhoben, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet. Dabei lag unser Fokus auf den Multiplikatoreffekten, also welches Wachstum für andere Branchen zieht ein Plus an Bankarbeitsplätzen nach sich. Und die Studie zeigt: Dieser Effekt ist – je nach Betrachtungsraum – 2,1 bis 8,8 Mal so hoch. Wenn wir also von zehn Tausend neuen Bankstellen ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Stellen entstehen.

Professor Lutz Joahnning: „Die Verlegung von Arbeitsplätzen geschieht nicht isoliert. Menschen verlagern ihr Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört.“

Eine gigantische Zahl. Wie kommen Sie zu dem Ergebnis?

Moritz Noll: Wir haben die bestehenden statistischen Daten zum Arbeitsmarkt in Frankfurt und der Region mittels eines empirischen Modells in die Zukunft fortgeschrieben und dabei die Brexiteffekte berücksichtigt. Um für die weitere Planung aussagekräftige Zahlen zu erheben, haben wir auf zwei Faktoren großen Wert gelegt: Zum einen war uns eine valide Datengrundlage sehr wichtig. So basiert unsere Studie auf Arbeitsmarkt-Daten der Bundesagentur für Arbeit der vergangenen neun Jahre. Zum anderen haben wir nach statistischen Modellen gesucht, die in der Wissenschaft bereits eingesetzt wurden.

Moritz C. Noll: „Auch wenn der Brexit ein neues Ereignis ist, gibt es wissenschaftlich etablierte Modelle, mit denen sich die Folgen auf den Arbeitsmarkt schätzen lassen.“

Wo sind Sie fündig geworden? Der Brexit ist ja ein bislang beispielloses Ereignis.

Noll: Der Brexit ja, nicht aber die Tatsache, dass aufgrund veränderter Rahmenbedingungen Arbeitsplätze an einen neuen Standort verlagert werden. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen gibt es beispielsweise für den Energiesektor in den USA – Stichwort Fracking. In diesem Kontext ist das Umsiedeln von Arbeitsplätzen an neue Standorte durchaus geläufig. Welche Effekte sich daraus nicht nur für den primär betroffenen Sektor ergeben, sondern wie sich eine Region dadurch insgesamt verändert, wurde in den vergangenen Jahren häufig untersucht. Aus diesen Modellen lassen sich Annahmen ableiten, die wir unserer Untersuchung zugrunde gelegt haben.

Johanning: Mit diesem Ansatz lassen sich die indirekten Effekte quantifizieren. Wenn ein Arbeitsplatz bei Bank X von London nach Frankfurt verlegt wird, dann geschieht das ja nicht isoliert. Vielmehr verlagert der Mensch, der diesen Arbeitsplatz füllt, sein Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört. Er oder sie kommen meist mit Familie; folglich müssen alle dazugehörenden Bedarfe erfüllt werden. Das fängt bei den ganz einfachen Themen wie Wohnen, Schule, Ausbildung, Konsum an. Es hat aber auch strukturelle Folgen. Infrastruktur, Bildungssystem, Häuser- und Wohnungsmarkt sind hier Stichworte.

Professor Lutz Johanning: „Vor allem die Rhein-Main-Region wird vom Stellenzuwachs profitieren. Die meisten zusätzlichen Jobs außerhalb der Finanzindustrie entstehen eher im Umland Frankfurts.“

Was macht Sie so sicher, dass die betroffenen Banker ihren Lebensmittelpunkt nach Frankfurt verlagern? Schließlich ist London ja nicht so weit weg.

Johanning: Die gleiche Diskussion gab es vor einigen Jahren für Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank. Auch hier war die Frage: Kommen die Menschen wirklich in die Rhein-Main-Region, oder sind sie nur hier, um zu arbeiten. Die Erfahrung zeigt: Sie kommen, um hier zu arbeiten und zu leben. Daher gibt es aus diesem Kontext seit vielen Jahren ein Best-Practice-Beispiel, und daran haben wir uns in der Studie orientiert.

Sie haben in der Studie differenziert – Frankfurt, direktes Umland und Region. Was zeigt diese Differenzierung?

Johanning: Frankfurt profitiert unmittelbar von den neuen Stellen im Bankensektor. Das ist kein regionales Thema. Die zentralen Büroflächen werden in der Innenstadt zu finden sein. Deshalb ist der Effekt auf andere Branchen hier auch überschaubar, liegt etwa beim 2,1 bis 3,4-fachen. Dienstleistungen rund um die Banken werden im Zuge des Aufbaus ebenfalls profitieren; diese haben ihren Standort oft aber nicht unmittelbar in der City, sondern im direkten Umland wie Eschborn, Offenbach oder anderen benachbarten Städten. Hinzu kommt, dass viele Menschen ihren Wohnort etwas außerhalb Frankfurts suchen. Davon profitieren wiederum die benachbarten Städte wie auch die gesamte Region. Je größer der Radius gezogen wird, umso differenzierter sind die Auswirkungen, und umso größer wird der Multiplikatoreffekt. Zehn Tausend neue Bankjobs in der City können im  optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Jobs in der Rhein-Main-Region mit sich bringen.

Die Studie spricht von zwei Modellen. Was steckt im Detail dahinter?

Noll: Wir haben zwei Modelle eingesetzt, um die Auswirkungen der zehn Tausend neuen Stellen im Finanzbereich auf alle anderen Branchen zu schätzen. In Modell eins ist ein Faktor berücksichtigt, der den Wachstumseffekt stärker abdämpft. Modell zwei hingegen ist dieser Faktor nicht enthalten, dadurch wird das Wachstum insgesamt höher geschätzt. Uns war es wichtig, die Bandbreite der möglichen Ergebnisse in der Studie darzustellen.

Sie kennen die Statistiken im Detail. Auf welche Branche wirken sich die Effekte am stärksten aus?

Johanning: Zunächst muss man sagen: Frankfurt ist insgesamt eine sehr wachstumsstarke Region – auch ohne Brexit. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten wir in den vergangenen Jahren in den Sektoren Logistik, Immobilien und wirtschaftliche Dienstleistungen. Diese Wachstumsbranchen werden durch den Brexiteffekt zusätzliche Impulse erfahren. Was sich aus unserem quantitativen Modell aber nicht ableiten lässt, ist, welche strukturellen Veränderungen innerhalb der einzelnen Branchen in den nächsten Jahren zu mehr oder weniger Wachstum führen werden.

Noll: Mit unseren Modellen haben wir in einem weiteren Schritt untersucht, wie sich die langfristigen Job-Wachstumsraten im Fall mit und ohne Brexit unterscheiden. Damit haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Das heißt, dass das Job-Wachstum im gesamten Arbeitsmarkt in der langen Frist im Brexit-Fall wesentlich höher liegen kann als in einem Fall ohne zusätzliche Brexit-Jobs. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.

Moritz C. Noll: „Wenn wir zusätzlich langfristige Effekte berücksichtigen, haben die Ergebnisse noch Luft nach oben.“

Im Ergebnis also noch mehr Wachstum für eine ohnehin prosperierende Region. Haben Sie in der Studie auch quantifiziert, wie sich dadurch das kommunale Steueraufkommen verändert?

Johanning: Mit einer simplen Projektion haben wir versucht, auch diesen Effekt zu schätzen, zumindest für Frankfurt Stadt. Man muss allerdings auch diesen Ergebnissen vorwegnehmen, dass sie mit Vorsicht zu betrachten sind, da sie auf den vorherigen Ergebnissen aus den Arbeitsmarkt-Vorhersagen basieren und somit zusätzliche Ungenauigkeit entsteht. Betrachtet haben wir den kommunalen Anteil an der Einkommensteuer, die Umsatzsteuer sowie die Gewerbesteuer. Verkürzt gesagt schätzen wir, dass die Stadt Frankfurt durch die zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätze in allen Branchen jährlich zwischen 136,2 und 191,9 Millionen Euro an Einnahmen durch die drei genannten Steuerarten erzielen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

Bildnachweis: fritzphilipp photography 

„Wir nutzen alle Möglichkeiten, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen“

Der Finanzplatz Frankfurt sieht einem starken Einwohnerwachstum entgegen. Wie kann in dieser Situation ausreichend Wohnraum geschaffen werden? Ein Interview mit Stadtplanungsdezernent Mike Josef.

Experten gehen von 6.000 bis 10.000 neuen Arbeitsplätzen aus, die im Zuge der Standortverlagerung vieler Unternehmen von London nach Frankfurt allein in der Bankenbranche entstehen werden. Wie geht die Stadt Frankfurt mit dem Bedarf an Wohnraum um, der daran geknüpft ist?

Mike Josef: Wir kurbeln den Wohnungsbau an, indem wir in erster Linie Flächen für neue Baugebiete ausweisen. Denn Frankfurt am Main erwartet in den kommenden Jahren ohnehin ein starkes Bevölkerungswachstum. Je nachdem, welcher Vorausberechnung man glaubt, gehen die erwarteten Zahlen für das Jahr 2030 auf über 840.000 Einwohner, weichen aber um mehr als 100.000 Einwohner voneinander ab. Das zeigt, mit welcher Unsicherheit solche Prognosen behaftet sind. Zudem relativiert sich die geschätzte Zahl der Arbeitsplätze, die nach Frankfurt verlagert werden könnten. Für die Menschen, die wegen des Brexit nach Frankfurt kommen, haben wir gerade in diesem Segment in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Angebot geschaffen. Es geht jetzt vorrangig darum, die breite Mittelschicht mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen und ihr in Frankfurt eine Zukunft zu bieten. Daher engagiere ich mich stärker für den Bau von preiswerten Wohnungen, die in den vergangenen Jahren unterproportional entstanden sind.

Bei Steinbach ist ein neues Stadtviertel geplant. Ist dies – mit Blick auf den entstehenden Wohnraum und den zeitlichen Rahmen für das Projekt – ausreichend?

Josef: Ein Baustein alleine reicht freilich nicht aus, um ausreichend Wohnraum für das wachsende Frankfurt zu schaffen. Deshalb nutzen wir alle Möglichkeiten, um zusätzliche Wohnungen zu schaffen. Hierzu zählt die Innenentwicklung, also die Konversion von Bürogebäuden oder ganzen Arealen, wie wir es beispielsweise in der früheren Bürostadt Niederrad betreiben oder am Römerhof anstoßen, Nachverdichtung, wo für Umfeld und Umwelt verträglich, und die Arrondierung bestehender Stadtteile. Weil das nicht ausreicht, müssen wir in die Außenentwicklung, also auch bislang unbebaute Flächen bebauen.

Welche weiteren Punkte gilt es bei der Infrastruktur rund um dieses Projekt zu beachten?

Josef: Wichtig ist, dass die Infrastruktur fertig und nutzbar ist, noch bevor die die ersten Bewohner einziehen: Straßen, Plätze, Parks und öffentlicher Nahverkehr müssen genauso vorhanden sein wie soziale Infrastruktur, also Kitas, Schulen, Jugend- oder Senioreneinrichtungen sowie Gastronomie- und Nahversorgungseinrichtungen. In welchem genauen Umfang wir Infrastruktureinrichtungen in dem neuen Stadtteil brauchen, das müssen wir nun im Zuge der fortschreitenden Planungen eruieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildnachweis: Stadt Frankfurt am Main, Dezernat IV – Planen und Wohnen

Brexit-Banker bringen mehr Wohlfahrtseffekte für Stadt und Region als die eigenen Jobs

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Gut begründete Schätzungen sprechen von rund Zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen innerhalb der nächsten vier Jahre. Das insgesamt mit dem Brexit verbundene Jobwachstum liegt wesentlich höher, weil Multiplikatoreffekte Wachstum auch in anderen Branchen hervorrufen, so die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance.

„Wir haben untersucht, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Prof. Dr. Lutz Johanning, einer der Autoren der Studie. „Unsere Untersuchung zeigt: Der Multiplikatoreffekt liegt – je nach Betrachtungsraum und Region – bei 2,1 bis 8,8. Wenn wir von zehn Tausend neuen Arbeitsplätzen im Bankgewerbe ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in Frankfurt City bei vorsichtiger Schätzung weitere 21 Tausend und in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu weiteren 88 Tausend neue Stellen entstehen.“

Moritz C. Noll, Co-Autor der Studie, sagt: „Mit unseren Modellen haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt: „Der Stellenzuwachs bringt das wirtschaftlich starke Frankfurt und die Region weiter voran. Ein echter Erfolg für alle Beteiligten. Wichtig ist nun, dieses Wachstum positiv aufzunehmen und zu gestalten. Das ist eine Herausforderung. Die zusätzlichen Arbeitsplätze bringen aber auch die Mittel zu investieren und die Herausforderung zu meistern.“

Ausgehend von der Annahme, dass Zehntausend Stellen in Frankfurts Finanzbereich durch den Brexit nach Frankfurt verlagert werden, ergeben sich auch zusätzliche Steuereinnahmen für die Stadt Frankfurt. Im konservativen Szenario beläuft sich das Plus aus Einkommens-, Umsatz- und Gewerbesteuer auf rund 136 Millionen Euro jährlich, im optimistischen Szenario auf circa 191 Millionen Euro.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

 

Happy Birthday Deutsche Bundesbank!

Die Zentralbank Deutschlands mit Hauptsitz in der Bankenstadt Frankfurt am Main feiert ihr 60-jähriges Jubiläum.

Fast 13 Milliarden Deutsche Mark (DM) sind immer noch in Umlauf – zum Beispiel, weil viele Deutschen die Münzen oder Geldscheine der alten Währung als Erinnerung aufbewahren. Umtauschen lässt sich das Geld auch weiterhin in den Filialen der Deutschen Bundesbank, die über Jahrzehnte hinweg als Währungshüter über die Stabilität der DM wachte.

Mit der Einführung des Euro hat diese Aufgabe zwar die Europäische Zentralbank (EZB) übernommen. Doch die Deutsche Bundesbank mit ihren knapp 10.000 Mitarbeitern versorgt nach wie vor Banken mit frischem Bargeld, sortiert Falschgeld aus, wickelt Zahlungsverkehr im In- und Ausland ab und beaufsichtigt einen Großteil der Banken in Deutschland. Zudem verwaltet sie die Goldreserven des Landes.

In diesem Jahr feiert die Deutsche Bundesbank ihr 60-jähriges Bestehen und hat anlässlich dieses Jubiläums alles Wissenswerte rund um ihre Gründung und Entwicklung in kurzen, informativen Filmen festgehalten. Auf der Webseite der Deutschen Bundesbank können Interessierte zudem wichtige Zahlen, Daten und Fakten sowie historisches Bildmaterial finden.

Bildnachweis: Deutsche Bundesbank

Frankfurt Main Finance begrüßt Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um Sitz der EBA in Frankfurt

Das Bundesfinanzministerium bewirbt sich um die Ansiedlung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) am Finanzzentrum Frankfurt. Nach der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die Europäische Union zu verlassen, braucht die EBA, die bislang ihren Sitz in London hat, einen neuen Standort innerhalb der EU. Bis zum 31. Juli mussten Bewerbungen vorgelegt werden. Eine Entscheidung über den künftigen Sitz der Behörde wird voraussichtlich im November 2017 fallen.

Frankfurt Main Finance begrüßt die Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt. „Schon heute ist Frankfurt das Zuhause von drei der fünf Säulen der Europäischen Finanzaufsicht. Die EBA nach Frankfurt zu holen, wäre der nächste logische Schritt und wurde schon vor vielen Jahren von den europäischen Abgeordneten unterstützt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Etliche Banken haben bereits angekündigt als Reaktion auf den Brexit Geschäft in Frankfurt anzusiedeln oder Geschäftsbereiche auszuweiten: die Silicon Valley Bank, Standard Chartered, Daiwa, Nomura, Sumitomo Mitsui Financial Group, Mizuho Bank, Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Deutsche Bank. „Die Banken haben mit den Füßen für Frankfurt votiert, nun ist es an Europa, sich für die Finanzmarktstabilität und für Frankfurt zu entscheiden“, sagt Väth. Frankfurt Main Finance erwartet, dass sich 2017 mindestens 12, möglicherweise sogar 20 Banken für Frankfurt entscheiden werden.

Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität.

Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Frankfurt wird Ziel internationaler Bewerber – Personalberater sehen deutlichen Anstieg des Interesses

Der Brexit nimmt Fahrt auf. Zeitgleich mit den ersten offiziellen Ankündigungen von Finanzinstituten, Geschäftseinheiten von der Themse an den Main zu verlegen, kommt Bewegung in den Arbeitsmarkt. „Wir erleben gerade einen nie gesehenen Ansturm von Initiativbewerbungen aus London für Frankfurt“, sagt Christopher Schmitz, Partner, EMEIA Financial Services von EY. „Das gilt sowohl für Bewerbungen von Consultants aus dem eigenen Haus aber, auch von außen und verstärkt von Personen mit indischen Wurzeln. Das Interesse an Frankfurt ist groß.“

Ähnliches beobachtet Dr. Rolf E. Stokburger, Managing Partner Germany der international tätigen Personalberatung Boyden mit Spezialisierung auf Führungskräfte: „Unter den vermehrt proaktiven Bewerbern sind es gerade Senior Banker, die die Erfolgsgeschichte in Frankfurt von Anfang mitgestalten und dazu die Chancen des frühen Einstiegs nutzen wollen.“

Thomas Deininger, Geschäftsführer von Deininger Consulting, der ebenfalls global tätigen Beratungsgesellschaft mit Hauptsitz in Frankfurt und Büros u.a. in London, Dehli, Mumbai und Pune sagt: „In London agieren die Banken zunehmend zögerlich. Unsere Aufträge dort gehen dramatisch zurück. Die Rekrutierungen dort sind um 30 bis 50 Prozent rückläufig. Umgekehrt verzeichnen wir in Frankfurt verstärktes Interesse. Die Zahl der uns unaufgefordert zugesandten Lebensläufe hat um bestimmt ein Fünftel zugelegt. Viele Akteure in der Finanzbranche gehen derzeit mit uns in Sondierungsgespräche.

„Wir erleben gerade die Frühphase einer sich entwickelnden, einschneidenden Verschiebung am Arbeitsmarkt in Frankfurt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „In den Banken werden jetzt Gespräche mit den Teams geführt, wie die Verlagerungen nach Frankfurt umgesetzt werden kann“, so Väth weiter. „Diese muss man abwarten und die dort getroffenen Entscheidungen von langer Hand vorbereiten. Davon sind nicht nur die Arbeitnehmer selbst betroffen, sondern auch deren Familien.“

Bemerkenswert, aber keine Überraschung ist das große Interesse an Frankfurt aus Indien. Nach Zahlen der Stadt Frankfurt lebt die mit weitem Abstand größte indische Community innerhalb Deutschlands in der Rhein-Main-Region, die Orbis Datenbank verzeichnet 2017 mehr als 130 indische Unternehmen in der Region. Sie ist damit das bevorzugte Investitionsziel Indiens im Schengen-Raum. Und nicht zuletzt haben mehr als 40 indische IT-Unternehmen, neun davon aus den Top 20 der indischen IT-Companies, hier ihren Sitz. „In unseren Büros in Delhi, Mumbai und Pune steigt das Interesse an einem Arbeitsplatz in Frankfurt“, sagt Thomas Deininger. „Der Global Innovation Index 2016 sieht Frankfurt als führendes deutsches Innovationscluster auf Platz 12 weltweit, es führt deutlich vor London (21) und Berlin (30). Für innovative Unternehmen ist der Standort Frankfurt daher besonders attraktiv“, ergänzt Hubertus Väth.

Mizuho bestätigt als vierte japanische Bank ihren Umzug nach Frankfurt

Die japanische Investmentbank Mizuho Securities Co. Ltd, eine Hauptgruppe der Mizuho Financial Group, Inc. bewirbt sich für eine Lizenz, um seine Präsenz am Finanzplatz Frankfurt auszubauen. Neben Daiwa, Nomura, and Sumitomo Mitsui Financial Group hat nun die vierte japanische Großbank entschieden, ihren Standort in Frankfurt am Main auszubauen.

„Frankfurt e yokoso, herzlich willkommen in Frankfurt Mizuho! Die Wahl Mizuhos sehen wir als großen Vertrauensbeweis für den Finanzplatz“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „Die Vorteile des Standorts überzeugen als Gesamtpaket. Jetzt haben vier der fünf führenden japanischen Banken und Kapitalgesellschaften nach umfangreicher und sorgfältiger Prüfung Frankfurt als ihren europäischen Standort gewählt. Wir freuen uns, die Banken in der Ansiedlung ihrer Geschäftseinheiten unterstützen zu können.“

„Die Entscheidungen der Banken für die Verlagerung von Geschäftseinheiten von der Themse an den Main in den vergangenen Tagen stärken Frankfurt als wichtiges Finanzzentrum in Europa und weltweit“, erklärt Väth weiter. Frankfurt Main Finance erwartet, dass mindestens 12 Banken ihren Umzug nach Frankfurt in diesem Jahr verkünden werden. „Wir sind einen Schritt näher an unserem Ziel, dass sich in diesem Jahr bis zu 20 Banken für den Finanzplatz Frankfurt entscheiden. Die vergangenen Wochen sollten alle Zweifel gegenüber Frankfurts Attraktivität für global agierende Investmentbanken zerstört haben“, sagt Väth.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität. Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Zur Pressemitteilung der Mizuho Financial Group.

 

 

CFS-Umfrage: Ein Jahr nach dem Brexit-Referendum

Finanzbranche sieht Frankfurt unverändert als größten Gewinner / London wird auch zukünftig einer der Top 3-Finanzstandorte bleiben / CFS warnt vor Euphorie

Nach einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies erwartet die deutsche Finanzindustrie ein Jahr nach dem Brexit-Referendumunverändert deutlich (86%), dass Frankfurt als Standort innerhalb der Europäischen Union am meisten vom Brexit profitieren wird. Und London wird weiterhin, auch 10 Jahre nach dem Brexit,zu den Top 3-Finanzstandorten weltweit gehören. Darin sind sich gut zwei Drittel der befragten Unternehmen (69%) einig. Lediglich jeweils 14% der Befragten erwarten, dass einer der anderen konkurrierenden Finanzstandorte der größte Gewinnersein wird. Paris und Dublin trauen die Befragten in dieser Hinsicht mehr zu als Luxemburgund Amsterdam, für die kaum größere Standortvorteile zu erwarten seien.

„Die Umfrage verdeutlicht, wie hoch die Erwartungen am Finanzplatz Frankfurt sind, vom Brexit profitieren zu können. Ich warne jedoch vor zu viel Euphorie. Denn der Wettbewerb insbesondere mit Paris ist sehr intensiv. Es bedarf erheblicher Anstrengungen seitens des Bundesund der hessischen Landesregierung, aber auch der Stadt Frankfurt, dieses Potenzial auch tatsächlich realisieren zu können“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die deutsche Finanzbranche sieht auch geschlossen optimistisch in die Zukunft, wenn es um die konkrete Frage geht, mit wie vielen zusätzlichen Arbeitsplätzen der Finanzplatz Frankfurt im Finanzsektor durch den Brexit im Laufe der nächsten 5 Jahre rechnen kann. 21% der Befragten erwarten, dass mehr als zehntausend zusätzliche Stellen entstehen werden. Frankfurt Main Finance hält diese Größe schon seit dem Tag des Referendums im Vereinigten Königreich für realistisch und rechnet mit tausend angekündigten Arbeitsplätzen bereits im laufenden Jahr. Der größere Teil der Befragten (45%) erwartet jedoch, dass man sich eher in einer Größenordnung von fünf- bis zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen bewegen wird. Und 33% erwarten ein- bis fünftausend neue Stellen. Nur 1% rechnet mit weniger als eintausend Arbeitsplätzen.

„Auch wenn Frankfurt gut im Rennen liegt, so gibt es rund 100 Banken alleine in London, die sich nach einer neuen europäischen Heimat umsehen. Erst rund 20 haben sich entschieden. Es gibt noch viel zu tun“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Finanzinstitute in London bereiten sich darauf vor, Geschäftsbereiche von London auf den europäischen Kontinent zu verlagern. Auf die Frage, aus welchem Gebiet stammend Finanzinstitutionen am meisten Arbeitsplätze verlagern werden, wird Nordamerika von 37% der Befragten genannt. 30% sind der Meinung, dass europäische Firmen am meisten Arbeitsplätze zurückverlagern werden. 19% nennen UK und 14% den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum (APAC).

Dabei rechnet die Finanzbranche mehrheitlich (71%) damit, dass es zu einer substantiellen Verlagerung im Geschäftsbereich Wertpapierhandel und -abwicklung kommt, gefolgt vom Bereich Corporate Finance und Corporate Banking (49%). Des Weiteren nennen 40% der Befragten den Bereich Risikomanagement und Compliance. Eine substantielle Verlagerung im Geschäftsbereich Asset Management halten 30% der Befragten für realistisch.

„Vielfach wird die mögliche Verlagerung der europäischen Bankenaufsicht EBA nach Frankfurt als wichtiges Signal gesehen. Abgesehen davon, dass die räumliche Nähe zur EZB für eine solche Standortentscheidung sprechen würde, wird die Bedeutung des künftigen Sitzes der EBA für die Standortentscheidungen von Finanzinstituten überschätzt. Hier spielen Fragen des Marktzugangs und der Infrastruktur eine viel wichtigere Rolle“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

CFS-Index sinkt um 2,0 Punkte

Umsatz- und Ertragswachstum der Finanzinstitute rückläufig – Dienstleister erwarten selbiges für das laufende Quartal / Finanzbranche baut Investitionsvolumen weiter aus
Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt um 2,0 Punkte auf 111,6 Punkte. Das rückläufige Wachstumsniveau ist vor allem das Ergebnis gesunkener Umsatz- und Ertragszuwächse bei den Finanzinstituten. Selbiges erwarten die Dienstleister für das laufende Quartal. Dem stehen jedoch, besonders bei den Dienstleistern, positive Investitionszuwächse entgegen. Auch reduzieren die Finanzinstitute weiter ihren Stellenabbau und signalisieren, nach erheblichen personellen Einschnitten in den vorangegangenen Quartalen, nun mit 99 Punkten eine nahezu neutrale Stimmungslage.

„Noch ist es vielleicht zu früh, um von einem Trend zu sprechen – aber es festigt sich der Eindruck einer „Rückkehr der Finanzinstitute“. Denn wir sehen nun über mehrere Quartale ein konstantes Muster: Zunehmend positive Erwartungen bei den Finanzinstituten und sinkende Werte bei den Dienstleistern – und das für alle vier Indexkomponenten: Umsatz, Ertrag, Investitionen und Mitarbeiter“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird noch positiver beurteilt als unmittelbar nach dem Brexit-Votum vor einem Jahr

Die seit dem Brexit-Votum sehr positiv eingeschätzte zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland stieg im dritten Quartal 2017 um weitere 3,7 Punkte und liegt nun mit 138,7 Punkten über dem bisherigen Höchststand (136,8 Punkte), welcher letztes Jahr kurz nach dem Brexit-Votum erreicht wurde.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Durch gemeinsame Anstrengungen wurde schon viel erreicht. Das koordinierte Vorgehen der Landesregierung hat maßgeblich dazu beigetragen.“

Finanzinstitute verzeichnen verschärften Wachstumsrückgang der Umsätze, Dienstleister erwarten selbiges für das laufende Quartal

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der Finanzbranche ist rückläufig, befindet sich aber noch auf einem positiven Niveau. Besonders bei den Finanzinstituten sinkt der Sub-Index erheblich um 7,5 Punkte auf 106,4 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen einen schwächeren Rückgang um 2,1 Punkte und stehen mit 124,5 Punkten unverändert auf einem sehr guten Niveau. Für das laufende Quartal erwarten sie jedoch einen verschärften Wachstumsrückgang, die Finanzinstitute hingegen erwarten wieder ein steigendes Umsatzwachstum.

Ertragswachstum der Finanzinstitute sinkt wieder auf das Niveau des ersten Quartals

Die befragten Finanzinstitute können ihr Ertragswachstum nach der starken Entwicklung des zweiten Quartals nicht halten. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 7,1 Punkte auf 105,4 Punkte. Für das laufende Quartal wird jedoch wieder mit einem Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern bleibt das Ertragswachstum nahezu unverändert. Der Sub-Index steigt um 0,7 Punkte auf 118,6 Punkte, jedoch wird für das laufende Quartal mit einem stärkeren Rückgang gerechnet.

Investitionsvolumen der Dienstleister erreicht höchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Dienstleister steigt um 11,7 Punkte auf den historisch höchsten Stand von 123,5 Punkten, es wird aber auch wieder mit einer starken Abschwächung für das laufende Quartal gerechnet. Auch der Sub-Index der Finanzinstitute steigt um 3,1 Punkte auf 116,7 Punkte, und es wird mit einem weiteren, nochmal verstärkten Anstieg für das laufende Quartal gerechnet. Beide Gruppen befinden sich somit auf einem sehr guten Investitionsniveau.

Die Abschwächung des Stellenabbaus bei den Finanzinstituten hält weiter an

Der Trend bei den Finanzinstituten, den Stellenabbau seit Beginn des Jahres zu begrenzen, hält weiter an. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt um 1,5 Punkte auf 99,0 Punkte und befindet sich somit nur noch knapp unter dem neutralen Stand von 100 Punkten. Die Finanzinstitute gehen für das laufende Quartal davon aus, dass sich der Stellenabbau wieder leicht erhöht. Hingegen stellen die Dienstleister unverändert stark Mitarbeiter ein. Der entsprechende Sub-Index steigt um 5,0 Punkte auf 118,6 Punkte. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister jedoch pessimistisch und erwarten ein abgeschwächtes Wachstum bei den Neueinstellungen.