Helaba Finanzplatzstudie: Koffer packen bei Brexit-Banken

Der Brexit rückt näher und viele Banken treffen Vorbereitungen, um ihre Geschäftsaktivitäten von London an andere Standorte zu verlagern. Frankfurt ist dabei der Favorit, und die Liste von Zuzüglern an das deutsche Bankenzentrum wird zusehends länger. „Nach und nach werden die Koffer bei Brexit-Banken gepackt und viele davon gehen künftig in Richtung Rhein-Main. So haben bisher 25 Brexit-Banken den Finanzplatz Frankfurt auserkoren, darunter viele namhafte Institute. Erst mit Abstand folgen Paris und dahinter Luxemburg, Dublin sowie Amsterdam. Dies ist das Ergebnis unserer aktuellen Brexit-Map“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Einige große Konzerne haben die Main-Metropole als ihren in Zukunft wichtigsten EU-Hub benannt und damit eine strategische Grundsatzentscheidung pro Frankfurt getroffen. Diese wird sich auch in der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen niederschlagen. Teilweise wird es Jobverlagerungen geben, die bei den betroffenen Mitarbeitern entweder mit einem privaten Umzug oder einem Pendeln zwischen den beiden Finanzmetropolen einhergehen. Teilweise werden Rekrutierungen in Frankfurt stattfinden, oder es werden deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei Banken im Ausland tätig waren, für die neuen Jobs in Frankfurt gewonnen. Seit Jahresbeginn konkretisieren sich die Geschäftsverlagerungen bei immer mehr Brexit-Banken. Weitere Institute befinden sich noch im Dialog mit den hiesigen Aufsichtsbehörden. Insgesamt ist in Frankfurt eine Akkumulation von Brexit-Banken zu beobachten, die in Europa ihresgleichen sucht.

„Unser Ranking der großen europäischen Finanzzentren gilt grundsätzlich weiterhin: London vor Frankfurt vor Paris“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Lediglich die Abstände dieser relativen Standortattraktivität haben sich mittlerweile verringert. Dabei konnte Frankfurt seine Wettbewerbsposition stärker verbessern als Paris. Mit Blick auf die zuweilen sehr offensive Vermarktung anderer Standorte ist ein selbstbewusstes, konzertiertes Auftreten des deutschen Finanzzentrums wichtig. So begleitet die hessische Landesregierung den Brexit-Prozess seit dem Referendum mit vielen Aktivitäten. Darüber hinaus gibt es ein Netzwerk der verschiedenen Akteure in der Region. Auch seitens der Bundesregierung erfährt Frankfurt zunehmend verbale Rückendeckung. Jetzt gilt es, angesichts der knappen Zeit bis zum Brexit beispielsweise die angekündigte Lockerung des Kündigungsschutzes für Top-Banker zügig umzusetzen.

Der Frankfurter Büromarkt präsentiert sich kurz vor Abschluss der Brexit-Verhandlungen in guter Verfassung. Der Leerstand ist deutlich gesunken und die Mieten nähern sich früheren Höchstständen – sie liegen aber noch deutlich unter dem Niveau konkurrierender Finanzplätze. Die zusätzliche Nachfrage durch Brexit-Zuzügler und das Stellenwachstum in anderen Branchen dürften dank einer Reihe von Projektentwicklungen nicht zu Engpässen führen. Dagegen bleibt die Lage am Wohnungsmarkt trotz erhöhter Bautätigkeit angespannt. Die Wohnungsknappheit kann daher nur gemeinsam mit dem Umland überwunden werden.

Die Frankfurter Brexit-Banken stammen aus zehn Ländern. Die meisten haben bereits eine Zweigstelle in der Main-Metropole oder sind über Tochtergesellschaften vor Ort präsent. Darüber hinaus möchten sich etliche Banken in Frankfurt neu ansiedeln. Zusammen hatten die Frankfurter Brexit-Banken ausländischer Herkunft Ende 2017 hier schätzungsweise rund 2.500 Mitarbeiter. Im Rahmen ihrer Brexit-bedingten Anpassungen dürften sie diesen Bestand bis Ende 2020 nahezu verdoppeln.

Dr. Traud weist darauf hin, dass die Helaba seit dem Referendum an ihrer Brexit-Prognose festhält: „Im Laufe der nächsten Jahre werden mindestens 8.000 Finanzjobs in Frankfurt geschaffen.“ Bis Ende 2020 sollte sich dieser Effekt deutlich positiv in der hiesigen Beschäftigung bemerkbar machen und die konsolidierungsbedingten Stellenstreichungen im deutschen Bankwesen schließlich überkompensieren. Insgesamt lässt dies dann einen Stand von rund 65.000 Bankbeschäftigten in der Main-Metropole erwarten – ein Zuwachs von 3 Prozent bzw. fast 1.800 Bankern.

Die komplette Studie finden Sie hier als Download.

Brexit

Deutsches Aktieninstitut – Brexit: es ist fünf vor zwölf!

Das Deutsche Aktieninstitut appelliert an die europäischen und britischen Verhandlungspartner, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich endlich auf eine neue tragfähige Grundlage zu stellen. In seinem dritten Positionspapier zu den Brexit-Verhandlungen wird an den Beispielen Zölle und Produktzulassungen sowie Derivate und Datenschutz gezeigt, dass die Unternehmen nicht alle durch den Brexit auftretenden Probleme durch eigene Maßnahmen lösen können.

„Die aktuelle Hängepartie zwischen der EU und dem Vereinigtem Königreich bei der Ausarbeitung eines Handelsabkommens ist ein Trauerspiel. Die Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals stehen vor der unzumutbaren Aufgabe, Lösungen für ihre Geschäftsbeziehungen zu finden, ohne zu wissen, welche Regeln am Tage des Austritts gelten werden,“ betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Nach wie vor sind wichtige Themen ungeklärt, und ein harter, ungeordneter Brexit im März nächsten Jahres scheint kaum noch abwendbar. „Den Unternehmen bleibt nur, sich auf das schlechteste Szenario, einen harten Brexit, vorzubereiten. Aber auch für diesen Fall bedarf es dringend der Unterstützung durch den Gesetzgeber und die Aufsicht,“ so Bortenlänger.

In seinem dritten Positionspapier zum Brexit nimmt das Deutsche Aktieninstitut zu den bei einem harten Brexit drohenden Problemen bei den Themen Zölle und Produktzulassungen sowie Datenschutz und Derivate Stellung. Das Aktieninstitut zeigt anhand dieser Beispiele, was die Unternehmen zur Lösung der Probleme selbst tun können. Es stellt allerdings klar, dass insbesondere im Falle eines harten Brexit die Unternehmen auf die Unterstützung seitens des europäischen bzw. deutschen Gesetzgebers sowie der Aufsicht angewiesen sind. Ohne staatliche Begleitmaßnahmen wird der Übergang in die Nach-Brexit-Ära nicht reibungsfrei zu schaffen sein.

Beispielsweise müssen praktikable Lösungen für die Zollabwicklung und Grenzkontrollen gefunden werden, die der Dimension der EU-UK-Handelsströme Rechnung tragen. So betont Dr. Ralf Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG, „Siemens unterstützt fairen und offenen Handel weltweit. Dies gilt auch im Falle eines Brexit. Die Frage, zu welchen Zöllen und Abfertigungsverfahren es an den Grenzen kommen könnte, muss so schnell wie möglich beantwortet werden. Nur wenn Unternehmen Planungssicherheit haben, werden sie auch das Vertrauen haben zu investieren.“

Um Marktverwerfungen und Nachteile für europäische Marktteilnehmer im Derivatebereich zu vermeiden, bedarf es einer Übergangszeit mit Bestandsschutzregelung für bestehende Derivategeschäfte. „Wichtig ist, dass bestehende Absicherungsgeschäfte mit britischen Handelspartnern wahlweise (i) fortgeführt oder (ii) auf deren kontinentaleuropäische Konzerngesellschaften übertragen werden können, ohne dass das Hedge Accounting unter IFRS gefährdet wird,“ unterstreicht Dr. Wolfgang Bohner, Leiter Finanzen und Treasury bei der Deutschen Bahn.

„Aufgrund des hohen Zeitdrucks sowie der vielen offenen Fragen haben wir uns von Anfang an für Übergangsregelungen eingesetzt, um die durch den Brexit drohenden dramatischen Schäden für die europäische Volkswirtschaft abzuwenden,“ so Bortenlänger. Das Deutsche Aktieninstitut fordert die Verhandlungspartner deshalb einmal mehr auf, konstruktive und praxisnahe Lösungen anzustreben, um die negativen Auswirkungen des Brexit zu minimieren.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet. Die interdisziplinär besetzte Brexit-Projektgruppe beschäftigt sich mit den wesentlichen finanz- und kapital­marktbezogenen sowie weiteren hochrelevanten Themen, die im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen ein besonderes Augenmerk erfordern. Das aktuelle Positionspapier ergänzt die ersten beiden Positionspapiere aus dem Jahr 2017. Die Projektgruppe wird die Austrittsverhandlungen weiter kritisch begleiten und gegebenenfalls erneut Stellung nehmen.

Das dritte Positionspapier zu den Brexit-Verhandlungen finden Sie hier, die englische Version hier.

Frankfurt Main Finance – zehn Jahre für den Finanzplatz

Frankfurt Main Finance (FMF) hat Grund zu feiern. Vor zehn Jahren wurde die Finanzplatzinitiative gegründet und ihre Bedeutung nimmt stetig zu. Seit dem Brexit-Referendum und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft ist FMF weiter gewachsen und hat heute mehr als 50 renommierte Mitglieder. Gegründet im Jahr 2008 als Reaktion auf die Finanzkrise und auf Betreiben des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und der früheren Oberbürgermeisterin Frankfurts, Petra Roth, gibt FMF der Finanzbranche in Frankfurt und der Region eine weltweit vernehmbare Stimme.

„Der Finanzplatz Frankfurt spielt bei der Bewältigung der großen Herausforderungen, die der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union für die Finanzindustrie mit sich bringt, eine bedeutende Rolle“, sagt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. „In diesen Zeiten ist es wichtig, dass Frankfurt Main Finance die Interessen der Finanzwirtschaft in Hessen und in der Bundesrepublik bündelt und vernehmbar macht. Davon profitieren auch Handel und Industrie und damit das ganze Land.“

„Frankfurt ist eine weltoffene, lebenswerte und internationale Stadt. Die Finanzmetropole ist ein herausragender und attraktiver Wirtschaftsstandort. Die zentrale Lage in Europa, die passende Infrastruktur und auch die Nähe zur Zentralbank sind weitere Aspekte, die für Frankfurt sprechen“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Frankfurt kann einen wichtigen Beitrag zur Finanzstabilität in Europa leisten und Frankfurt Main Finance kommuniziert die Leistungsfähigkeit der Stadt seit Jahren weltweit mit offensichtlichem Erfolg.“

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance, sagt: „Wir sind stolz, all die Jahre das Vertrauen unserer Mitglieder zu genießen, deren Zahl immer weiter zunimmt. Für uns ist das Ansporn, die vor uns liegenden Aufgaben mit Energie anzugehen und weiterhin Verantwortung für den Finanzplatz zu übernehmen. Dabei bauen wir darauf, dass die exzellente Zusammenarbeit mit dem Land Hessen, der Hessen Trade & Invest sowie den Städten Frankfurt und Eschborn und deren Wirtschaftsförderungen fortgeführt wird.“

Derzeit ist die Positionierung Frankfurts und der Region im Werben um die Verlagerung von Arbeitsplätzen aus London in die Europäische Union eine der vordringlichsten Aufgaben von Frankfurt Main Finance. Seit dem frühen Morgen nach der Referendumsentscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, steht der Finanzplatz am Main im Zentrum weltweiter Aufmerksamkeit. Schon von der ersten Stunde an vorbereitet und sprechfähig gewesen zu sein, hat Frankfurt einen erheblichen medialen Vorteil verschafft, den FMF seitdem nutzt, um die Vorteile Frankfurts auch dort zu platzieren, wo gegenüber der Mainmetropole Skepsis oder Unkenntnis vorherrscht.

Seit März 2016, als das Thema Brexit auf der medialen Landkarte Gestalt gewann, wurde Frankfurt Main Finance allein mit diesem Thema in mehr als 2.323 verschiedenen Medien in 96 Ländern erwähnt, es wurden rund 850 Interviews geführt und somit etwa 10 Milliarden potenzielle Leser erreicht. Vertreter von FMF waren auf einschlägigen Veranstaltungen in den USA, in Japan, Korea, im Nahen Osten, selbstverständlich immer wieder in London, in Berlin und in Brüssel, um die Position des Finanzplatzes zu vertreten.

Brexit

Das Risiko eines „harten Brexit“ bringt Unternehmen unter Zugzwang – Heißer Herbst steht bevor

Die Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals erhoffen sich bis zum EU Gipfel im Oktober, allerspätestens zum möglichen Sondergipfel im November, Klarheit über die Ausprägung des Brexit und die Auswirkungen auf ihr Geschäft. Ob im Herbst klar sein wird, inwieweit es zu einer Übergangsregelung kommen wird, die den Status-Quo bis Ende Dezember 2020 festschreibt, bleibt bislang offen. Zwar ist diese Übergangsfrist grundsätzlich vorgesehen, aber an noch unerfüllte Bedingungen geknüpft. Diese Bedingungen stellen sich als erhebliche Hürden dar. Das gilt vor allem für die Frage des Umgangs mit der Grenze in Irland.

Ob es also bald Klarheit dann geben wird, ist nicht ausgemacht. Ab September erwartet die Geschäftsführung von Frankfurt Main Finance daher einen heißen Herbst. Banken werden in den nächsten Wochen wesentliche Entscheidungen über Ihren Set-Up treffen müssen, denn die Zeit zur Vorbereitung auf den Brexit Ende März 2019 wird sonst zu knapp. Wenige Monate vor dem Termin für den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union ist das Risiko eines relativ harten Brexit noch immer nicht gebannt. Das bringt Handel, Industrie und Finanzdienstleister gleichermaßen unter Zeitdruck und Zugzwang.

Finanzinstitute rechnen in den nächsten Wochen nicht nur mit vermehrten Anfragen ihrer Kunden, sondern müssen auch für sich selbst konkret entscheiden, auf welches der Szenarien sie sich nun vorbereiten. „Die Zeit wird knapp“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „Wir erwarten einen heißen Herbst: Industrie- und Handelsunternehmen, aber auch die Asset Management-Branche müssen unbedingt jetzt das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern suchen, um die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Es gilt, die Finanzierung und Anlagen Brexit-fest zu machen. Das geht nicht auf Knopfdruck. Wir laufen auf einen Massenstart zu, der bei verspätetem Beginn zu einem Nadelöhr führen kann.“

Daher rät Frankfurt Main Finance den Unternehmen aus Handel und Industrie, aber auch den Asset Managern jetzt aktiv das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern zu suchen, um ihre Finanzierung Brexit-fest zu machen. Das gilt gerade auch für das Clearing für in Euro denominierte Zinsderivate. „Die Unternehmen müssen selbst aktiv werden und auf die Banken zugehen“, sagt Väth. „Es ist in ihrem eigenen Interesse, beispielsweise ihre Finanzierungen und die Absicherung Ihrer Zinsrisiken selbst für einen harten Brexit abzusichern. Leider ist dieser Fall noch immer nicht auszuschließen. Je früher sie mit ihren Banken sprechen, umso besser wird die Vorbereitung sein, denn die Unternehmen werden im Zweifel die Hauptleidtragenden sein.“

Frankfurt Main Finance sieht den Finanzplatz Frankfurt als logische erste Wahl bei der Neuordnung und -orientierung der Finanzbranche nach dem Brexit. Diese Chancen unter zunehmend stärkerem internationalen Wettbewerb zu nutzen, bedarf es aber weiterer erheblicher Kraftanstrengung.

CFS-Umfrage: Deutsche Finanzbranche sieht ICOs kritisch, stärkere Regulierung wird gefordert

ICOs (Initial Coin Offerings) werden insbesondere von jungen Start-up-Unternehmen zur Unternehmensfinanzierung durch die Ausgabe von Kryptowährungen, den sogenannten „Tokens“, genutzt. Diese können im Austausch gegen staatlich emittierte Währungen oder gegen virtuelle Währungen wie Bitcoin oder Ether erworben werden. Anders als bei IPOs werden Tokens ohne Beachtung strenger kapitalmarktrechtlicher Regeln ausgegeben, obwohl diese der Unternehmensfinanzierung dienen. Die BaFin verhält sich auf dem Gebiet der Kryptowährungen und ICOs eher abwartend, dennoch stuft sie ICOs als hochspekulative Finanzanlagen ein.

Die deutsche Finanzbranche spricht sich angesichts der enormen Risiken eindeutig (70%) für eine stärkere Regulierung von ICOs aus und wünscht sich eine aktivere Rolle der BaFin auf diesem Gebiet (60%). Das ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies.

„Der Markt wird derzeit von ICOs regelrecht überschwemmt. In Deutschland sehen wir hier zwar erst die Anfänge, aber die Welle neuer Tokens wird bald auch Deutschland erfassen. Die Umfrage verdeutlicht, dass auf dem Gebiet der ICOs dringender Handlungsbedarf besteht. Es bedarf eines klaren regulatorischen Rahmens mit einem entsprechenden Mandat für die Finanzaufsicht“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Angesichts des Betrugsrisikos von ICOs auf unregulierten Tauschplattformen sind 50% der Befragten der Meinung, dass etablierte Börsen eigene Handelsplattformen für Kryptowährungen als sicherere Alternative entwickeln sollten.

„ICO-Plattformen an etablierten Börsen könnten durch transparente und standardisierte Abläufe zu mehr Vertrauen bei den Anlegern führen, wovon auch ausgebende Unternehmen profitieren könnten“, erläutert Brühl weiter.

Lediglich 12% der Befragten sehen in diesem bislang weitgehend unregulierten Feld Chancen für den Finanzplatz Deutschland.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „ICOs sind ohne Zweifel eine Innovation für die Finanzindustrie mit erheblichem Potential. Der Wunsch der Branche nach stärkerer Regulierung ist der verständliche und begrüßenswerte Wunsch, dieses Potential zu nutzen und zugleich die Risiken im Griff zu behalten.“

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

CFS-Index leicht gestiegen

  • Finanzinstitute melden starken Rückgang der Ertragszuwächse trotz unverändert positivem Umsatzwachstum
  • Investitionsvolumen der Dienstleister erreicht zweithöchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, steigt im zweiten Quartal 2018 um 1,8 Punkte und befindet sich mit 118,5 Punkten auf einem guten Stand. Der leichte Anstieg ist auf eine durchweg positive Entwicklung der Umsätze, Erträge, Investitionen und Mitarbeiterzahlen der Dienstleister zurückzuführen. Hingegen melden die Finanzinstitute einen deutlichen Rückgang der Ertragszuwächse trotz eines unverändert positiven Umsatzwachstums. Für das laufende Quartal wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet, ebenso beim Umsatzwachstum. Auch haben die Finanzinstitute kurzfristig Stellen im zweiten Quartal abgebaut, für das laufende Quartal sind sie diesbezüglich jedoch wieder optimistischer. Das Investitionsvolumen der Finanzbranche befindet sich stabil auf einem hohen Niveau.

„Im Bankensektor kann man den erhöhten Wettbewerbs- und insbesondere auch Innovationsdruck aus den Umfragewerten ablesen: Die Erträge sind rückläufig bei gleichzeitig erhöhten Investitionen und etlichen Neueinstellungen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird weiterhin sehr positiv beurteilt

Mit einem leichten Rückgang um 0,5 Punkte auf 131,3 Punkte liegt der Unternehmensstandort-Index, der die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland bewertet, kaum verändert auf einem sehr hohen Stand, welcher seit dem Brexit-Votum in 2016 gehalten wird.

Der Finanzplatz Frankfurt wird an internationaler Bedeutung zulegen, daran zweifelt die Finanzbranche nicht, wie der Indikator belegt. Wichtig wird sein, wie viel der sich bietenden Chancen die für den Standort Verantwortlichen nutzen können. Davon hängt ab, wie stark die Bedeutung Frankfurts zulegen wird.“ kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Umsätze der Finanzbranche auf hohem Niveau / Ertragswachstum rückläufig bei den Finanzinstituten und positiv bei den Dienstleistern

Das Wachstum der Umsätze der befragten Finanzinstitute bleibt nahezu unverändert mit +0,2 Punkten auf einem guten Niveau von 118,8 Punkten, was im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 12,4 Punkten entspricht. Bei den Dienstleistern steigt der entsprechende Sub-Index sogar um 7,6 Punkte auf 128,9 Punkte und befindet sich somit 4,4 Punkte über dem Vorjahresstand. Es wird ein weiterer Anstieg erwartet. Hingegen erwarten die Finanzinstitute für das laufende Quartal einen etwas stärkeren Wachstumsrückgang ihrer Umsätze.

Das Ertragswachstum beider Gruppen entwickelt sich stark gegenläufig. Die Finanzinstitute befinden sich mit einem Rückgang des Sub-Index um 9,3 Punkte auf 101,8 Punkte auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren und erwarten für das laufende Quartal einen weiteren, ebenso starken Rückgang. Die Dienstleister andererseits verzeichnen einen Anstieg um 5,4 Punkte und liegen mit 127,6 Punkten auf dem zweithöchsten Niveau seit 2007. Auch das laufende Quartal wird optimistisch eingeschätzt.

Investitionsvolumen der Dienstleister erreicht zweithöchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Dienstleister steigt um 9,8 Punkte auf 122,4 Punkte und erreicht somit den zweithöchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007. Es wird allerdings wieder mit einer Abschwächung für das laufende Quartal gerechnet. Auch der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute steigt leicht um 1,3 Punkte auf 116,1 Punkte, hier wird ein weiterer Anstieg erwartet.

Erneut kurzfristig Stellenabbau bei den Finanzinstituten

Nach dem anhaltenden Stellenabbau der Vorquartale meldeten die Finanzinstitute im ersten Quartal 2018 erstmalig wieder einen Mitarbeiterzuwachs. Dieser wird nun kurzfristig unterbrochen. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter sinkt um 6,2 Punkte auf 96.4 Punkte. Für das laufende Quartal sind die Finanzinstitute jedoch wieder optimistischer. Die Entwicklung bei den Dienstleistern ist positiv, es werden verstärkt Mitarbeiter eingestellt. Der Sub-Index steigt um 3,3 Punkte auf 126,3 Punkte. Für das laufende Quartal wird mit einem leicht abgeschwächten Mitarbeiterzuwachs gerechnet.

 

 

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Finanzplatz Frankfurt, Fincite, FinTech, Ralf Heim

„The Next Best Step“- Interview mit Ralf Heim, Co-CEO von Fincite

Wie sieht die Geldanlage der Zukunft aus? Ralf Heim, FinTech Pionier und Co-CEO bei Fincite, spricht im Interview über die Arbeit des Frankfurter B2B FinTechs und wirft einen Blick in die digitale Zukunft des Asset Managements. Weiterlesen

Sustainable Finance, Frankfurt

Von der Nischenstrategie zum Mainstream der Finanzmärkte: Was ist Sustainable Finance?

Zunehmende Umweltbelastungen, geschädigte Ökosysteme und Umweltveränderungen stellen globale Herausforderungen dar. Die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den Finanzsektor kann bei der Erreichung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDGs) und des Pariser Klimaabkommens eine wichtige Rolle spielen. Bei der Bewältigung der Herausforderungen, die durch zunehmende Umweltveränderungen entstehen, ist Nachhaltigkeit im Finanzsystem also unerlässlich – dazu gehört vor allem der Aufbau von Finanzmarktstrukturen, die Anreize für eine nachhaltige Verschiebung von Großinvestitionen hin zu zukunftsfähigen Kapitalallokationen schaffen.

Das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Wandels in der Finanzindustrie ist bereits gewachsen – der Ansatz Sustainable Finance gewinnt immer mehr an Aufmerksamkeit bei globalen Akteuren aus der Finanzindustrie und Politik sowie der breiten Öffentlichkeit. Aber worum geht es bei dabei genau?

Sustainable Finance integriert ökologische, soziale oder Governance-Kriterien (ESG) in Finanzdienstleistungen. Demnach sollen bei Kapitalallokationen und Investitionsentscheidungen ESG-Kriterien berücksichtigt werden und dabei sowohl für den Investor als auch die Gesellschaft einen Mehrwert schaffen. Auch Nachhaltigkeitsrisiken, die sich negativ auf die Stabilität des internationalen Finanzsystems auswirken könnten, sollen transparent dargestellt werden. Die zukunftsorientierten Anlagestrategien basieren dabei auf validen Daten sowie der Berücksichtigung von mittel- bis langfristigen Risiken und Gewinnen. War dieser Ansatz bisher eine Nischenanlagestrategie, so erreicht er zunehmend den Mainstream der internationalen Finanzmärkte.

Eine wichtige Teilkomponente von Sustainable Finance ist Green Finance: Ein Ansatz, der Investition in Unternehmen, Dienstleistungen, Produkte und Projekte, welche die Entwicklung einer umweltfreundlichen und klimabeständigen Wirtschaft beschleunigen, umfasst – ein Unterfangen, bei dem gerade technologische Innovationen und Digital Finance eine große Rolle spielen. Unter der Einbeziehung von Big Data, künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge, bieten Green FinTechs dabei innovative und effiziente Möglichkeiten, Nachhaltigkeit im Finanzsystem voranzutreiben und gleichzeitig das Konzept von Green Finance in den Mainstream zu rücken, da auch der Zugang zu nachhaltigen Finanzdienstleistungen vereinfacht wird.

 

Frankfurter Büromarkt boomt im ersten Halbjahr – starker Ausblick

Der Büromarkt am Finanzplatz Frankfurt knüpft nahtlos an die Rekorde des letzten Jahres an. Im ersten Halbjahr erreichte der Flächenumsatz den dritthöchsten Wert der letzten 10 Jahre. Die ersten drei Monate des Jahres waren das beste erste Quartal seit dem Jahr 2000. Nach Angaben von BNP Paribas Real Estate, CBRE, Savills Investment Management und Jones Lang LaSalle hat die starke Vermietungsdynamik in Frankfurt zur niedrigsten Leerstandsquote seit 15 Jahren geführt – Tendenz für das zweite Halbjahr weiter fallend.

Im Zuge der Brexitverhandlungen haben 25 Finanzdienstleister bereits angekündigt, Geschäftsbereiche oder Kapazitäten an den Finanzplatz Frankfurt zu verlagern. Frankfurt Main Finance erwartet, dass es bis zum Jahreswechsel 2018/19 zur Brexit bedingten Schaffung von rund 2.000 Arbeitsplätzen kommen wird und hält an seiner Potentialschätzung von mittelfristig bis zu 10.000 Arbeitsplätzen fest, die jedoch noch nicht am Immobilienmarkt sofort vollumfänglich nachfragewirksam werden.

Die vom Brexit betroffenen Finanzdienstleistungsunternehmen dürfen weiterhin erwarten, dass sie im Stadtzentrum ausreichend moderne und im internationalen Vergleich kostengünstige Büroräume vorfinden werden. Trotz der sinkenden Leerstandsquote, die laut BNP Paribas Real Estate 8,3% beträgt und dem damit verbundenen Anstieg der Spitzenmiete auf zuletzt 43 EUR/m2/Monat, ist Frankfurt im internationalen Vergleich weiterhin günstig. Die Mieten betragen nur einen Bruchteil der Spitzenmieten in London und Paris, die im zweiten Quartal auf 118 bzw. 71 EUR/m2/Monat anstiegen. In beiden Städten liegt die Leerstandsquote bei unter 6%.

Diese Entwicklungen kommentieren José Martínez, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH, und Carsten Ape, Managing Director bei CBRE, Andreas Trumpp, Head of Research Deutschland bei Savills Investment Management sowie Markus Kullmann, Team Leader Office Leasing von Jones Lang LaSalle (JLL), und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V..

Die Abweichungen bei Daten zum Leerstand, Flächenumsatz oder den Mietpreisen zwischen den beteiligten Immobiliengesellschaften ergeben sich aus den jeweils unterschiedlichen Erhebungsmethoden bzw. Grundgesamtheiten. Frankfurt Main Finance unternimmt keine Gewichtung oder Wertung der jeweiligen Methoden, sondern stellt sie transparent dar.

José Martínez, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Frankfurter Niederlassungsleiter

„Der Aufwärtstrend auf dem Frankfurter Büromarkt hält weiter an. Mit einem Flächenumsatz von 273.000 m² im ersten Halbjahr liegt das Resultat knapp 14 % über dem zehnjährigen Schnitt. Im bundesweiten Vergleich fiel der Flächenumsatz nur in München und Berlin höher aus.

In keiner anderen Stadt verteilt sich das Ergebnis so ausgeglichen über die verschiedenen Branchengruppen wie in Frankfurt. Knapp an der Spitze liegen Banken/Finanzdienstleister (14,5 %). Platz zwei entfällt auf Coworking-Anbieter (12 %), die in Frankfurt an Bedeutung gewinnen. Komplettiert wird das Spitzentrio von der Gruppe Medien und Werbung (12 %). Auf den Rängen vier bis sechs folgen Kopf-an-Kopf gleich drei Branchengruppen mit jeweils knapp 11 % Umsatzanteil: die öffentliche Verwaltung, die Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Beratungsgesellschaften. Diese homogene Verteilung unterstreicht eindrucksvoll die sehr breite Nachfragebasis und das lebhafte Marktgeschehen. Zu den wichtigsten Verträgen in der Mainmetropole gehörten die Anmietung von 24.000 m² der FAZ im Europaviertel, 8.300 m² der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland in Heddernheim/Mertonviertel sowie 8.000 m² der Bethmann Bank im Bankenviertel.

Der Rückgang des Leerstands hat sich fortgesetzt und ist auf aktuell 1,28 Mio. m² gesunken – das geringste Volumen der letzten 15 Jahre. Vom Gesamtleerstand verfügen aber nur noch knapp 48 % (611.000 m²) über die von den Nutzern bevorzugte moderne Qualität. Die Leerstandsrate im Gesamtmarkt ist auf 8,3 % gesunken. Das größte Problem: Die Flächenknappheit in den zentralen, stark nachgefragten Lagen. Aufgrund der guten Nachfrage und dem geringen Angebot hat die Bautätigkeit angezogen. Insgesamt befinden sich 592.000 m² im Bau, dem Markt steht davon jedoch nur etwa die Hälfte zur Verfügung; der Rest ist vorvermietet. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass sich ein Großteil des Angebots auf wenige Projekte konzentriert, die darüber hinaus teilweise erst 2023 verfügbar sein werden. Als Ergebnis der skizzierten Nachfrage-/Angebotssituation hat die Spitzenmiete um 12 % auf 43 €/m² zugelegt. Auch bei den Durchschnittsmieten, die auf 18,30 €/m² gestiegen sind, ist eine ähnlich dynamische Aufwärtstendenz zu verzeichnen.

Die gute Nachfragesituation sowie das für die Nutzermärkte weiterhin stützende konjunkturelle Umfeld werden den Flächenumsatz auch im zweiten Halbjahr beflügeln. Dies gilt umso mehr, da der Anteil der Großabschlüsse zulegen dürfte. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für das Gesamtjahr erneut ein überdurchschnittlicher Flächenumsatz ab, der die 600.000-m²-Schwelle überschreiten sollte. Da sich gleichzeitig der Leerstandsabbau, wenn auch verlangsamt, noch fortsetzen wird, ist von weiter steigenden Mietpreisniveaus auszugehen.“

Carsten Ape, Managing Director, CBRE

„Der Standort Frankfurt präsentiert sich dank der weiter gut laufenden Konjunktur in einer dynamischen Verfassung. So beobachten wir am Bürovermietungsmarkt eine ungebrochen hohe Nachfrage. Das erste Halbjahr lag mit einem Büroflächenumsatz von 253.700 m² rund 13% über dem bereits starken Vorjahreszeitraum. Und der positive Schwung zu Jahresbeginn hält an.

Während das erste Quartal dieses Jahres noch durch einzelne Großprojekte wie etwa die Anmietung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von rund 24.000 m² geprägt war, speist sich das Wachstum nun vor allem aus der traditionell stark in Frankfurt vertretenen Finanzbranche: neben Kreditinstituten und Beratungsunternehmen und Rechtsanwaltskanzleien sind es aber auch Unternehmen aus der Immobilienbranche, die Flächen suchen.

Im Fokus stehen zunehmend auch kleinteilige Flächen bis 1.500 m². So fielen allein von dem im zweiten Quartal umgesetzten 106.800 m² rund 53 % auf diese Segmente. Für zusätzliche Belebung sorgt das Coworking: Der Flächenumsatz ist binnen weniger Jahre von 1.100 m² im Jahr 2015 auf 24.800 m² allein im ersten Halbjahr dieses Jahres gestiegen. Vor allem Start-ups fragen diese gemeinschaftlich genutzten Büroräume nach. Dieses innovative Segment erschließt dem Frankfurter Büromarkt neue Wachstumsmöglichkeiten und sorgt für zusätzliche Flexibilität.

Die Leerstandsrate ist in Frankfurt auf 8,5 % gesunken. Dies hat neben der hohen Nachfrage mit der Umnutzung und dem Abriss bestehender Büroflächen wie auch einer überschaubaren Anzahl von Fertigstellungen neuer Immobilien zu tun. Die Bautätigkeit liegt indes weiter auf einem hohen Niveau. Die Pipeline ist gut gefüllt. Bis Ende 2018 sollen 114.000 m² Bürofläche in Frankfurt fertiggestellt werden, davon sind allerdings nur noch gut 16 % verfügbar. Das Angebot schränkt sich immer weiter ein, der Markt kann aber noch atmen.

Der Brexit dürfte vor allem mittelfristig eine große Rolle spielen. Im Moment lässt sich die politische Entwicklung in Großbritannien noch nicht absehen, sodass viele Marktteilnehmer eine gespannte Warteposition einnehmen. Es ist aber absehbar, dass Frankfurt einer der Gewinner des Brexits sein wird.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die positive Entwicklung am Frankfurter Bürovermietungsmarkt fortsetzen. Die anhaltend hohe Nachfrage in Verbund mit der Knappheit an zentral gelegenen Objekten könnte zu einem weiteren Anstieg der Spitzenmieten führen. Dennoch sind nationale wie internationale Investoren auf der Suche nach attraktiven Investitionsmöglichkeiten im Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt steht weiter im Fokus.“

Andreas Trumpp MRICS, Head of Research Deutschland, Savills Investment Management

„Der Verlauf der Austrittsverhandlungen Großbritanniens aus der Europäischen Union wird über die Zukunft alternativer Finanzstandorte, wie zum Beispiel Frankfurt, entscheiden. Bereits 2017 konnte der Frankfurter Büromarkt auch nahezu ohne brexitbedingte Umzüge ein Spitzenjahr verzeichnen. Dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr positiv fort. Immobilieninvestoren profitieren von der Dynamik Frankfurts und seiner Region. Im jüngst veröffentlichten Savills IM Dynamic Cities Index konnte sich Frankfurt nicht zuletzt deshalb um vier Plätze auf Rang 17 verbessern und gehört damit zu den 20 dynamischsten Städten Europas. Die Mainmetropole profitiert von der hervorragenden internationalen Anbindung mit Bahn und Flugzeug, dem überdurchschnittlich ausgebauten Nahverkehrsnetz sowie der digitalen Vernetzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Immobilieninvestoren werden in Frankfurt in allen Größenklassen, Immobiliensegmenten und Risikoprofilen fündig. Damit bietet die Mainmetropole eine Anlagetiefe wie kaum eine andere Stadt in Deutschland.“

Markus Kullmann, Team Leader Office Leasing, JLL

„Der Frankfurter Bürovermietungsmarkt hat bis zur Jahresmitte 2018 ein starkes Umsatzergebnis erzielt. Mit knapp 260.000 m² fallen die Vergleiche mit dem Vorjahr (+ 9 %), dem 5- und 10-Jahresschnitt (+ 28 % bzw. + 14 %) deutlich positiv aus. Frankfurt markiert damit das drittbeste Halbjahresvolumen der letzten zehn Jahre. Eine Großanmietung über 10.000 m², wie die der FAZ in den ersten drei Monaten, gibt es zwar nicht in jedem Quartal. Aber wir sind zuversichtlich, dass in der zweiten Jahreshälfte einige Topanmietungen zu sehen sein werden – auch zu Top-Preisen. Denn Unternehmen, die entsprechendes hochkarätiges Personal suchen oder halten wollen, sind bereit, hohe Mieten für Top-Objekte in Top-Lagen zu zahlen. Da die Nachfragedynamik insgesamt weiter hoch ist, bleibe ich bei der Umsatzprognose von 575.000 m² für 2018.

Ein Problem, mit dem die Akteure auf dem Frankfurter Vermietungsmarkt weiter zu kämpfen haben: Leerstand ist nicht gleich Leerstand. Flächen, die zu haben sind, entsprechen vielfach nicht den Bedürfnissen: der Lage, Ausstattungsqualität, Mietdauer oder Mietpreis. Mittlerweile liegt die Leerstandsquote bei 7,3 % mit weiter fallender Tendenz bis Ende des Jahres auf 6,8 %. Zur Erinnerung: Die höchste Quote lag bei 17,9 %, das war 2006. Ab 2011 (15 %) hat sie dann sukzessive abgenommen.

Auch im zweiten Quartal kamen die dringend benötigten freien Flächen nicht auf den Markt. Und das bleibt auch so bis zum Jahresende. Das Angebot an fertig gestellter Fläche ist in den kommenden sechs Monaten mit rund 10.000 m² auf einem mehr als bescheidenen Niveau. Von einer spürbaren Entlastung auf der Angebotsseite gehe ich aus heutiger Sicht für 2020 aus. Dann könnten bis zu 485.000 m² fertigstellt werden.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer, Frankfurt Main Finance e.V.

„Das hohe Vermietungsniveau und die sinkende Leerstandsquote zeigen, dass der Markt für Gewerbeimmobilien am Finanzplatz Frankfurt die Nachfrage gut absorbiert. Die hohe Lebensqualität, die hervorragende Infrastruktur, hohe Konzentration an ausländischen Unternehmen machen den Finanzplatz Frankfurt und die Rhein-Main-Region zu einem der beliebtesten Standorte. Frankfurt ist auf die Geschäftsverlagerungen von London nach Frankfurt in Folge des Brexit gut vorbereitet.“

Der Finanzplatz Frankfurt: Aufsichtsmetropole am Main

Für Aufsichtsbehörden der Europäischen Union ergeben sich mit dem Austritt Großbritanniens neue und komplexe Herausforderungen – daher verwundere es wenig, dass Behörden nun ihre Mitarbeiterzahlen erhöhen, schreibt Bernd Neubacher in der Börsen-Zeitung. In Teil 3 der Serie zum Finanzplatz Frankfurt diskutiert er, wie sich die erhöhte Personalzahl auf den Standort auswirkt.

In den letzten Jahren, so werde dem Finanzplatz nachgesagt, habe sich Frankfurt am Main mit der Ansässigkeit der Deutschen Bundesbank, Teilen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie der Europäische Zentralbank (EZB) und der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) zur Hauptstadt der Finanzaufsicht entwickelt.

In den ersten vier Monaten des Jahres stockte die BaFin nun die Personalzahl in Frankfurt von 50 auf 750 auf. Wird eine derzeit von der EU-Kommission geplante Reform für die der Europäische Aufsichtsbehörden realisiert, werde die am Westhafen ansässige EIOPA um 35 Mitarbeiter wachsen. Bei der Deutschen Bundesbank wolle man sich derzeit nicht zur zukünftigen Personalplanung äußern, so Neubacher.

Während EZB, EIOPA und Bundesbank zwar Steuerbefreiungen am Finanzplatz erhielten, so hätten die Aufsichtsbehörden eine positive Auswirkung auf die regionale Konjunktur und würden auch andere Institution, wie etwa das European Banking Institute (EBI), anlocken.

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