Hubertus Väth im Interview mit efinancialcareers

Im Interview mit efinancialcareers spricht Frankfurt Main Finance Geschäftsführer Hubertus Väth über die anstehende Verlagerungen von Arbeitsplätzen an den Finanzplatz Frankfurt. Besonders den großen US-Banken, aber auch schweizer und asiatischen Banken komme in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. In all diesen Regionen sieht Väth Frankfurt deutlich in der Pole Position und dementsprechend würden in Kürze erste Banken ihre Entscheidungen öffentlich kommunizieren. Neben den Regulieungsinstitutionen wie BaFin und der EZB sei vor allem die hervorragende Infrastruktur Frankfurts, die Wettbewerbsfähigkeit und der große Talentpool am Standort Frankfurt grundlegend für die Entscheidung der Banken. Die Wechselwelle erwartet Väth dabei in drei Schritten: zuerst die Investmentbanken, gefolgt von Commercial Banks und schließlich Asset Managern und Dienstleistern, welche in einem dritten Schritt wechseln würden.

Das vollständige Interview lesen Sie hier.

Brexit und die Folgen

Der vielfach befürchtete post-Brexit-Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen London und Frankfurt ist kein Grund zur Sorge. Das ist das Ergebnis des Podiumsgesprächs zum Thema Brexit und dessen möglichen Folgen, das die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main und das Frankfurter Chapter der Socitey for International Development (SID) am 31.01.2017 veranstalteten. Neben Moderator und SID-Vorstandsmitglied Klaus Zorbach nahmen Mark Weinmeister, Staatssekretär für Europaangelegenheiten der Hessischen Staatkanzlei, Dr. Jürgen Ratzinger, Geschäftsführer für das Geschäftsfeld International der IHK Frankfurt am Main sowie der Botschaftsrat Nick Leake, welcher die Abteilung EU und Wirtschaft der Britischen Botschaft in Berlin leitet, an der Diskussionsrunde teil. Das Gespräch untergliederte sich in drei Hauptteile: Den Auswirkungen des Brexits im Allgemeinen, den konkreten Auswirkungen auf das Land Hessen und die Rhein-Main-Region sowie das post-Brexit Bild von Europa und die Frage nach einer Krise Europas.

Auf besonderes Interesse des zahlreichen erschienen Frankfurter Publikum stieß die Frage nach den Veränderungen in der Rhein-Main-Region in Folge des Brexits. An dieser Stelle galt es für die Diskutanten einen schwierigen Bogen zu spannen, vom Brexit „als großem europäischen Unfall“ einerseits, der für Frankfurt und die gesamte Rhein-Main-Region andererseits wiederrum große Vorteile mit sich bringen könne, wie Dr. Ratziger den Gegensatz zusammenfasste. Allerdings gehe es in diesem Zusammenhang gar nicht darum Großbritannien und insbesondere London etwas zu nehmen, sondern sich anzubieten und in dieser Hinsicht habe die Rhein-Main-Region viel zu bieten. Unabhängig davon jedoch, welche Institutionen, Banken und Finanzdienstleister Geschäftsteile nach Frankfurt verlagerten, werde London in jedem Fall ein wichtiger Finanzplatz bleiben. Staatssekretär Weinmeister ergänzte das Argument des großen Potenzials der Rhein-Main-Region, indem er auf die gut strukturierte Bankenlandschaft Frankfurts, die hier ansässigen Regulierungsinstitutionen, wie beispielsweise die EZB, die BaFin oder die EIOPA sowie auf das generelle Know-How in Frankfurt und der Rhein-Main-Region verwies, welche vor diesem Hintergrund optimale Bedingungen für Finanzdienstleister aufweise. Auch könne der Finanzplatz Frankfurt den sogenannten Finanzpass ermöglichen, welcher Finanzdienstleistungen ohne erneute Registrierung in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union erlaubt. Die Negativargumente, mit denen Frankfurt als europäischem Finanzplatz häufig konfrontiert wird – zu wenig Wohn- und Büroraum sowie internationale Schulen – bezeichnete er als nichtzutreffend und bot vor diesem Hintergrund den betroffenen Institutionen und Unternehmen Gespräche zur Klärung von Missverständnissen an. Einen interessanten Aspekt in der Frage, ob Frankfurt zukünftig für London eher Konkurrenz oder Brücke in die EU darstelle, ergänzte Nick Leake, der betonte, dass intelligent gestalteter Wettbewerb positiv zu bewerten sei, da er alle beteiligten Akteure erheblich stärke.

FinTechGermany Award

CFS-Umfrage: Das Drei-Säulen-Modell der deutschen Kreditwirtschaft hat sich bewährt

Insgesamt ist sich die Finanzbranche weitgehend darüber einig (62%), dass sich das Drei-Säulen-Modell der deutschen Kreditwirtschaft (Geschäftsbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken) bewährt hat. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies unter Finanzinstituten und Dienstleistungsunternehmen am Finanzplatz Deutschland. Hingegen sind 29% eher unentschieden und halten das System für fraglich, 8% vertreten die Ansicht, dass sich das Model nicht bewährt hat.

Für die Finanzierung des deutschen Mittelstands sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken entscheidend

Bei der Frage, wie wichtig jeweils die drei Säulen für die Finanzierung des deutschen Mittelstands sind, besteht in der Finanzbranche bei über 40% der Befragten Einigkeit darüber, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken gleichermaßen den entscheidenden oder zumindest einen wichtigen Beitrag leisten. Die Geschäftsbanken werden nur von 20% der Befragten als entscheidend, aber von 57% als wichtig eingeschätzt. 17% halten sie hingegen für weniger wichtig.

„Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind für die Finanzierung des deutschen Mittelstands unverzichtbar“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Bankensektors im internationalen Vergleich wird differenziert beurteilt – Weitere Konsolidierungsprozesse werden erwartet

Die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Bankensektors im internationalen Vergleich wird von der Finanzindustrie skeptisch beurteilt. Weniger als 25% der Befragten halten den deutschen Bankensektor im internationalen Vergleich für gut aufgestellt. „Der Bankensektor steht wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes, erhöhten regulatorischen Anforderungen und der Digitalisierung unter einem hohen Anpassungsdruck. Die deutschen Banken müssen ihr Restrukturierungstempo erhöhen, um im internationalen Vergleich nicht weiter an Boden zu verlieren“, meint Professor Brühl. Vor diesem Hintergrund besteht Einigkeit in der Finanzindustrie (95%), dass es in den kommenden Jahren zu weiteren Konsolidierungsprozessen im Bankensektor kommen wird.

Hinzu kommt, dass ausländische Banken verstärkt in Deutschland auf den Markt drängen. Bei den Befragten besteht weitgehend Einigkeit darüber (60%), dass diese weiter an Bedeutung gewinnen werden.

„Die Umfrage macht überdeutlich, wie attraktiv der Finanzstandort Deutschland für ausländische Banken ist. Dies ist vor allem langfristig ein Ansporn für uns“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V. die Umfrageergebnisse.

CFS-Index legt deutlich zu

Umsätze und Erträge der Dienstleister steigen kräftig an und Investitionen der Finanzinstitute erreichen einen – seit Beginn der CFS-Index Befragungen im Jahr 2007 – historischen Höchststand

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, legt im letzten Quartal 2016 deutlich zu. Er steigt um 3,7 Punkte auf 114,3 Punkte und erreicht damit den höchsten Wert seit knapp 2 Jahren. Der Anstieg ist vor allem auf eine sehr positive Entwicklung von Umsätzen und Erträgen der Dienstleister am Finanzplatz Deutschland zurückzuführen. Nur zu Beginn der Index-Befragungen im Jahr 2007 wurde dieses Niveau noch übertroffen. Aber auch die Finanzinstitute haben einen soliden Anstieg ihrer Umsätze bei konstanten Erträgen zu verzeichnen. Die Investitionen der Finanzbranche erhöhen sich ebenfalls merklich und erreichen erstmalig wieder Höchststände wie selten zuvor. Trotz dieser positiven Entwicklung halten die Finanzinstitute an ihrem Stellenabbau, wenn auch etwas abgeschwächt, weiter fest, wohin gegen die Dienstleister, auch leicht abgeschwächt, weiterhin Personal aufbauen.

„Zahlreiche Banken befinden sich derzeit in einer Transformationsphase, die einen erheblichen Investitionsbedarf vor allem im IT Bereich zur Folge hat. Davon profitieren insbesondere die Dienstleister”, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Finanzbranche beurteilt die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland enorm positiv

Die Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland erreichte im Zuge des Brexit-Votums im letzten Jahr den Höchststand von 136,8 Punkten, hatte sich dann im dritten Quartal etwas abgeschwächt und steigt jetzt wieder um 2,7 Punkte auf 131,0 Punkte.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Bemühungen um den Finanzplatz Frankfurt tragen Früchte. Gerade die positiven Ergebnisse im Hinblick auf die internationale Bedeutung des Finanzplatzes zeigen, dass Frankfurt gut aufgestellt ist und alle Chancen hat, auch in diesem Feld weiter an Bedeutung zu gewinnen.”

Umsätze, Erträge und Investitionen der Finanzbranche steigen

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister können ihre Umsätze bzw. ihr Geschäftsvolumen im letzten Quartal 2016 stark ausbauen. Der entsprechende Sub-Index steigt bei den Finanzinstituten um 3,4 Punkte auf 113,0 Punkte. Den größten Anstieg haben jedoch Dienstleister mit 11,3 Punkten auf 130,6 Punkte zu verzeichnen. Nur zu Beginn der Index-Befragungen im Jahr 2007 wurde dieses Niveau noch übertroffen. Die Erwartungen für das laufende Quartal sind bei beiden Gruppen positiv, jedoch etwas verhaltener als die aktuellen Werte.

Die Erträge der Dienstleister entwickeln sich im vierten Quartal 2016 besonders positiv und übertreffen die Erwartungen aus dem Vorquartal deutlich. Der entsprechende Sub-Index erreicht bei den Dienstleistern nach einem Anstieg um 8,1 Punkte einen Wert von 123,4 Punkten. Im Gegensatz dazu verweilen die Finanzinstitute unverändert mit einem geringen Anstieg um 0,5 Punkte auf dem niedrigen Niveau von 104,5 Punkten, und es werden keine Änderungen für das laufende Quartal erwartet. Die Dienstleister gehen davon aus, dass sich ihre enorm positive Ertragsdynamik vom Jahresende 2016 für das laufende Quartal etwas abschwächen wird.

Der Sub-Index Investitionen in Produkt- und Prozessinnovationen erhöht sich bei beiden Gruppen entgegen den Erwartungen aus dem Vorquartal recht ordentlich. Bei den Finanzinstituten steigt der Sub-Index um 6,0 Punkte auf 116,1 Punkte und erreicht damit einen – seit Beginn der Index-Befragungen im Jahr 2007 – historischen Höchststand. Bei den Dienstleistern steigt der Wert um 5,8 Punkte auf 117,9 Punkte. Auch hier wurde dieses Niveau nur in den Jahren 2007 und 2014 noch übertroffen. Für das laufende Quartal erwarten beide Gruppen nur eine leichte Absenkung in der Wachstumsrate.

Weniger Stellenkürzungen bei Finanzinstituten – Leicht abgeschwächter Stellenaufbau bei den Dienstleistern

Der enorme Stellenabbau, den die Finanzinstitute im dritten Quartal zu verzeichnen hatten, hat sich abgeschwächt, hält jedoch im vierten Quartal weiter an. Der Sub-Index Mitarbeiter der Finanzinstitute steigt um 4,4 Punkte auf 90,4 Punkte. Die Finanzinstitute gehen für das laufende Quartal davon aus, dass es weiterhin einen Stellenabbau geben wird. Hingegen bleibt die Lage bei den Dienstleistern positiv, wenn auch mit leicht abgeschwächter Wachstumsrate. Der entsprechende Sub-Index verweilt mit 3,3 Punkten auf dem Stand von 113,6 Punkten. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister noch optimistischer.

Weihnachtsgrüße von Frankfurt Main Finance

Liebe Freunde und Mitglieder,

während sich 2016 dem Ende nähert, ist es an der Zeit, das vergangene Jahr, unsere Leistungen und die von uns gemeisterten Herausforderungen Revue passieren zu lassen. Dabei können wir mit den Fortschritten, die Frankfurt Main Finance bei der Förderung unseres Finanzplatzes innerhalb Deutschlands und rund um den Globus gemacht hat, recht zufrieden sein. Wir sind weiter gewachsen und haben unsere internationalen Partnerschaften – u. a. durch Reisen in die Finanzzentren Asiens und Osteuropas – ausgebaut und gepflegt. Bei unseren Finanzplatz-Frühstücken haben wir Gespräche mit Arundhati Bhattacharya, CEO der State Bank of India, und François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, genossen. Beide gewährten uns großartige Einblicke in die Herausforderungen, vor denen die Finanzinstitute in ihren Ländern stehen, insbesondere die Digitalisierung.

Der diesjährige Frankfurt Finance Summit konzentrierte sich auf diesen aktuellen Trend der Digitalisierung im Finanzsektor und die Frage, wie die wichtigsten Akteure die damit verbundenen Herausforderungen angehen. Wir fühlten uns geehrt, dass Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, eine Grundsatzrede zur einheitlichen europäischen Digitalisierungsstrategie gehalten hat. Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble äußerte sich in seinem Vortrag über die künftige Richtung der Finanzbranche und forderte die Unternehmen auf, innovative Modelle zu finden, die in unsere neue Welt passen.

Zum Zeitpunkt des Summit schien das Ergebnis des UK-Referendums zur EU-Mitgliedschaft nahezu unvorstellbar. Sechs Monate später können wir sicher sagen, dass dies nur die erste von vielen Überraschungen im Jahr 2016 war. Aber das Brexit-Votum hat dem Finanzplatz Frankfurt die Möglichkeit geboten, sich als Vermittler zu etablieren, zu wachsen und mehr Einrichtungen in unserer Stadt willkommen zu heißen. Der Brexit hat unsere Initiative Frankfurt Main Finance in den Mittelpunkt des internationalen Interesses gerückt. Zwischen hunderten von Interviews mit internationalen Pressestellen, Reden und Podiumsdiskussionen sowie Delegationsreisen hat Frankfurt Main Finance emsig daran gearbeitet, über unseren Finanzplatz und unseren kooperativen Ansatz, eine neue „London Bridge“ zu bilden, zu berichten.

Große Institutionen für Frankfurt zu gewinnen ist sicherlich wichtig, aber viele unserer Anstrengungen im vergangenen Jahr waren den kleinsten Akteuren gewidmet. Anfang 2016 arbeitete Frankfurt Main Finance mit dem Dialogforum FinTech Frankfurt Rhein-Main intensiv daran, unsere Region als Top-Standort für Startup-Unternehmen im Bereich Finanztechnologie zu bewerben. Das vergangene Jahr brachte eine Explosion von Aktivitäten im FinTech-Ökosystem mit sich und gipfelte in der Eröffnung eines weiteren FinTech-Hubs, des so genannten Tech Quartiers, in Frankfurt.

Während wir die ruhigen Tage um Weihnachten und das neue Jahr einleiten, können wir zufrieden mit dem Ergebnis unserer Bemühungen im Jahr 2016 sein, unseren Finanzplatz voranzubringen. Wir blicken optimistisch auf unsere zukünftige Entwicklung und freuen uns auf die Chancen und Herausforderungen, die 2017 bringen wird. Aber bis es so weit ist, wünschen wir Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Mögen Ihre Ferien erholsam, inspirierend und voller Freude sein!

Herzliche Grüße

Ihr Frankfurt Main Finance-Team

Finanzplatz Fokus: „Brexit – Let’s go Frankfurt“

Finanzplatz Frankfurt ist bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen

Unter den europäischen Finanzplätzen ist Frankfurt die klare Nr. 2 hinter London. Mit zahlreichen Standortqualitäten ist die Main-Metropole ein attraktiver Finanzplatz für in- und ausländische Player und kann die bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen werden. Folgende Assets sind dabei besonders hervorzuheben: Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität. Zu diesem Ergebnis kommen die Helaba-Volkswirte in ihrer Finanzplatz Studie „Brexit – Let’s go Frankfurt“. Doch mit Paris, Dublin, Luxemburg oder auch Amsterdam gibt es ernstzunehmende Konkurrenten.

Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleiterin Volkswirtschaft/Research, betont: „Damit Frankfurt tatsächlich zum vorrangigen Brexit-Gewinner wird, bedarf es neben mehr Selbstbewusstsein auch einem konzertierten Eintreten auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.“

Prognose Bankbeschäftigung Ende 2018: stabil bei rund 62.000 Stellen

Darüber hinaus ist eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen wesentlich für den Erfolg. Angesichts der in mehreren Studien belegten herausragenden Positionierung Frankfurts im europäischen Finanzplatzgefüge stehen nach Ansicht der Helaba-Volkswirte die Chancen gut, dass mindestens die Hälfte der zur Disposition stehenden Finanzjobs in einem mehrjährigen Umstrukturierungsprozess von der Themse an den Main verschoben wird. Frankfurt steht damit vor der Aufgabe, die notwendigen Voraussetzungen z.B. auf dem Wohnungsmarkt zu schaffen. Unter sehr vorsichtigen Annahmen kämen über einen Zeitraum von mehreren Jahren insgesamt mindestens 8.000 Mitarbeiter nach Frankfurt. Da die Unternehmen nicht den Ausgang der Verhandlungen abwarten können, ist schon bis Ende 2018 mit einem Zuwachs von mehr als 2.000 Stellen zu rechnen.

„Dieser Brexit-induzierte Arbeitsmarkteffekt wirkt der Konsolidierung in den hiesigen Bankentürmen entgegen“, sagt die Autorin der Studie Ulrike Bischoff. Beide Effekte dürften sich innerhalb des Prognosehorizontes mehr oder minder aufheben. Am deutschen Finanzzentrum sind zum Jahresende 2018 gut 62.000 Bankbeschäftigte zu erwarten.

Die komplette Studie von Helaba können Sie hier herunterladen.

Digital Hub Initiative

Bundesregierung ernennt Finanzplatz Frankfurt zum Digital Hub für FinTechs

Auf dem Nationalen IT-Gipfel am 17. November 2016 stellten Wirtschaftsminister Gabriel und Bitkom Präsident Thorsten Dirks die ersten fünf Digital Hubs in Deutschlands vor. Dem Finanzplatz Frankfurt wurde in diesem Zusammenhang die Bezeichnung Digital Hub für Finanzdienstleitungen und FinTech zugesprochen. Der hessische Wirtschaftsminister und Frankfurt Main Finance Präsidiumsmitglied Tarek Al-Wazir rühmte die Digital Hub Initiative bei der Eröffnung des neuen Frankfurter FinTech Hub, dem Tech Quartier. Die Bedeutung von FinTechs für die Region erläuternd, sagte er: „Der führende Finanzplatz des Kontinents muss auch in der hochinnovativen FinTech-Branche die Führungsposition übernehmen.“ Das Tech Quartier stellt den Höhepunkt eines Jahres der Zusammenarbeit des hessischen Wirtschaftsministeriums und des FinTech Dialogforums, das von Frankfurt Main Finance ins Leben gerufen wurde, dar.

Die Digital Hub Initiative, kurz de:hub, gegründet vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, zielt darauf ab, Deutschlands als führende Industrienation zu stärken und das Land als attraktives Ziel für Unternehmer, Investoren und hochqualifizierte Arbeitskräfte aus der ganzen Welt zu etablieren. Bitkom Präsident Thorsten Dirks erläuterte hinsichtlich des Hubs: „Künftig sollen Vorstände von etablierten Unternehmen von Start-ups lernen können, ohne nach Kalifornien fliegen zu müssen.“ Weitere Digital Hubs sind Dortmund und Hamburg für Logistik, München für Mobilität und Berlin, dessen Fokus auf dem Internet der Dinge liegt.

Trotz des Digitalzeitalters ist die Zusammenarbeit zwischen Start-ups, etablierten Unternehmen sowie Wissenschaft und Forschung in geografischer Nähe erfolgsversprechender, sodass diese Innovation und Entwicklung direkt fördert. Mit dem Silicon Valley als Vorbild versucht das Bundeswirtschaftsministerium Digital Hubs in Deutschland zu schaffen, die Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringen, um innovative Ideen und Produkt zu entwickeln. Grundlegend für Hubs ist eine funktionale Infrastruktur im Sinne globaler Relevanz im entsprechenden Sektor, führenden Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen sowie einem Netzwerk von Unterstützern, von Mentoren bis hin zu Venture Capital Investoren.

Das Frankfurter FinTech Ökosystem ist in den vergangenen Jahren zunehmend gewachsen. Im Jahr 2016 ist die Zahl der FinTech Unternehmen in der Region Rhein-Main um 45 % auf 81 angestiegen. Frankfurt befindet sich nun deutschlandweit dicht hinter Berlin mit 87 FinTechs an zweiter Stelle. Ebenso sind Investitionen in FinTechs in Deutschland auf dem Vormarsch, sodass 2015 bereits 524 Millionen Euro in den Sektor flossen. Trotz des weltweiten Rückgangs an FinTech-Investitionen, konnte Deutschland dennoch eine Steigerung um 186 US-Dollar im dritten Quartal verbuchen und damit Großbritannien überholen. Während sich das Frankfurter FinTech Ökosystem noch in einer Etablierungsphase befindet, entstand bereits eine breite Basis institutioneller Unterstützung und Incubators. Neben dem neu eröffneten Tech Quartier haben sich bereits einige andere Incubators und Accelerators in Frankfurt angesiedelt, hierzu zählen das FinTech Hub der Deutschen Börse, Unibator der Goethe Universität, Accelerator Frankfurt, Main Incubator, FinTech Headquarter und die Digitalfabrik der Deutschen Bank. In diesem Zusammenhang wird Frankfurt Main Finance das Frankfurter Ökosystem auch weithin aktiv unterstützen und fördern und beglückwünscht das Bundeswirtschaftsministerium zu seiner Entscheidung Frankfurt im Rahmen der Digital Hubs Initiative zum Digital Hub für FinTechs zu ernennen. Außerdem sollte die von Frankfurt Main Finance kürzlich begründete FinTech Mitgliedschaft es lokalen FinTech Unternehmen erleichtern, mit etablierten Akteuren in Kontakt zu treten.

Krümel oder Kuchen? Wie stark profitiert Frankfurts Immobilienmarkt vom Brexit?

Eine aktuelle Studie von Deutschen Bank Research analysiert potenzielle Auswirkungen des Brexits auf den Frankfurter Immobilienmarkt. Im Rahmen der Analyse werden der Büro- und Wohnimmobilienmarkt im Finanzzentrum Frankfurt im Hinblick auf aktuelle und zukünftige Preistrends ebenso wie Nachfrage- und Verfügbarkeitstrends untersucht. Außerdem vergleicht die Studie der Deutschen Bank verschiedene europäische Finanzplätze und zeigt auf, dass Frankfurt in mehrerlei Hinsicht eine naheliegende und finanziell tragbare Wahl für die Verlegung finanzieller Dienstleistungen aus Großbritannien darstellt.

Executive Summary

„Angesichts der hohen politischen Unsicherheit rund um das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union wird auch die Größe des Brexit- Kuchens, also der Abwanderung von Unternehmen und Arbeitnehmern, erst in einigen Jahren bestimmt werden können. Unabhängig von dem endgültigen Verhandlungsergebnis zwischen Großbritannien und der EU dürfte die Stadt Frankfurt einer der Profiteure sein.

Frankfurt ist bereits heute der Hauptfinanzplatz Kontinentaleuropas und kann dabei gegenüber anderen europäischen Städten auf eine Reihe weiterer Vorzüge verweisen: niedrige Mieten und Wohnungspreise, gute Infrastruktur, hohe wirtschaftliche Dynamik. Angesichts der Stärke der europäischen und auch außereuropäischen Wettbewerber wird Frankfurt aber wohl nur einen Teil des Brexit-Kuchens verbuchen.

Frankfurts Immobilienmarkt würde schon durch relativ wenige abwandernde britische Unternehmer und Arbeitnehmer deutlich an Dynamik gewinnen. Ein Beschäftigungsaufbau im Zuge des Brexits dürfte die Büronachfrage ankurbeln und zu einem Abbau des Leerstands und Mietsteigerungen im Büroimmobilienmarkt in erster Linie in innenstadtnahen Lagen beitragen. Nach dem Brexit-Referendum haben wir unsere erwarteten durchschnittlichen Mieterhöhungen im Spitzensegment auf über 2% pro Jahr bis zum Jahr 2020 angehoben (ein doppelt so starker Anstieg wie bisher in den Jahren 2018-2020).

Im Wohnungsmarkt gibt es bereits seit einigen Jahren Engpässe. Ein großer Nachfrageüberhang, es fehlen mehrere 10.000 Wohnungen, und zu wenig Bauland sind die Hauptursachen für die Preissteigerungen von rund 25% seit dem Jahr 2009. Ein zusätzlicher Brexit-Effekt könnte die Preise kräftig erhöhen. Als Daumenregel gilt dabei: 1.000 fehlende Wohnungen erhöhen die Quadratmeterpreise um 25 Euro. Unterstellt man eine zusätzliche Nachfrage von 5.000 Wohnungen, steigen die Wohnungspreise um 125 Euro oder rund 4% relativ zu aktuellen Niveaus.“

Die komplette Studie von Deutsche Bank Research können Sie hier herunterladen.

 

Banking Business in Germany – Ein Wegweiser durch das deutsche Bankgeschäft

Finanzkrise, umfangreiche aufsichtsrechtliche Vorgaben und der drohende Brexit stellen das internationale und nationale Bankgewerbe vor weitreichende Herausforderungen. In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld bietet sich der deutsche Markt nach wie vor für Banken und Investoren aus dem Ausland an, die hier mit einer Tochtergesellschaft oder einer Filiale vertreten sein wollen.

Insbesondere an diese Zielgruppe von Entscheidungsträgern richtet sich das englischsprachige Buch Banking Business in Germany, wenngleich es auch für interessierte Beobachter und die bereits hier etablierten Bankenvertreter und deren Konzernzentralen im Herkunftsland eine wertvolle Informationsquelle ist.

In der aktuellen, nunmehr fünften Auflage des über 400 Seiten umfassenden Leitfadens tragen die Branchenexperten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC gemeinsam mit dem Verband der Auslandsbanken nicht nur den vielfältigen Änderungen und Besonderheiten auf regulatorischer Ebene Rechnung, sondern geben auch einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im deutschen Bankensystem, in der Einlagensicherung sowie im Arbeits- und Steuerrecht.

Einen zusätzlichen Nutzwert bietet darüber hinaus das Glossar, das nicht nur Abkürzungen wie „GroMiKV“ für englischsprachige Bankenvertreter entschlüsselt („Großkredit- und Millionenkreditverordnung“), sondern auch gleich die Übersetzung („Large Exposure Regulation“) liefert. Der besseren Orientierung dient außerdem ein umfangreiches Stichwortregister.

Zur Buchpräsentation am 14. Oktober 2016 sprach Dr. Andreas Dombret, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank, vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Verbands der Auslandsbanken zum Thema Banken und Bankenaufsicht: „Welche Rolle spielt der Brexit?“.

Dies unterstreicht die Relevanz der von den Autoren dargestellten Themen für die internationalen Entscheidungsträger, die Deutschland auch oder vor allem in der Zukunft als wichtigen Finanzstandort sehen.

Die fünfte Ausgabe des Buches Banking Business in Germany können Sie auf dieser Website bestellen.

Brexit Library

Eine rechtliche und regulatorische Bewertung des UK-Referendums

Eine wertvolle und gelungene Analyse rund um das Referendum in Großbritannien haben die führende Anwaltssozietät Clifford Chance und AFME herausgegeben: Den Bericht mit einer rechtlichen und regulatorischen Bewertung finden Sie unter: „UK-Referendum: Herausforderungen für die europäischen Kapitalmärkte: Eine rechtliche und regulatorische Bewertung“. Der Bericht enthält eine detaillierte, auf Fakten basierende Analyse, welche Probleme auf die europäischen Kapitalmärkte zukommen, falls das Vereinigten Königreich die EU verlässt. Gerade die Ausgestaltung der Regelungen eines möglichen Austrittsabkommens sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Besonders spannend macht den Bericht eine Schwerpunktsetzung zum Thema „Passporting“. Mit dem Passporting wird hier ein Mechanismus umschrieben, den viele Firmen mit Sitz in Großbritannien nutzen, um in der ganzen EU Geschäfte zu machen. Im Konkreten funktioniert der Mechanismus so: Firmen, die ihren Sitz lediglich in London haben, können dank Passporting in der ganzen EU ihre Dienstleistungen anbieten, und das ohne Geschäftsstellen in einezlen Mitgliedstaaten zu eröffnen.