CFS-Umfrage: Ein Jahr nach dem Brexit-Referendum

Finanzbranche sieht Frankfurt unverändert als größten Gewinner / London wird auch zukünftig einer der Top 3-Finanzstandorte bleiben / CFS warnt vor Euphorie

Nach einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies erwartet die deutsche Finanzindustrie ein Jahr nach dem Brexit-Referendumunverändert deutlich (86%), dass Frankfurt als Standort innerhalb der Europäischen Union am meisten vom Brexit profitieren wird. Und London wird weiterhin, auch 10 Jahre nach dem Brexit,zu den Top 3-Finanzstandorten weltweit gehören. Darin sind sich gut zwei Drittel der befragten Unternehmen (69%) einig. Lediglich jeweils 14% der Befragten erwarten, dass einer der anderen konkurrierenden Finanzstandorte der größte Gewinnersein wird. Paris und Dublin trauen die Befragten in dieser Hinsicht mehr zu als Luxemburgund Amsterdam, für die kaum größere Standortvorteile zu erwarten seien.

„Die Umfrage verdeutlicht, wie hoch die Erwartungen am Finanzplatz Frankfurt sind, vom Brexit profitieren zu können. Ich warne jedoch vor zu viel Euphorie. Denn der Wettbewerb insbesondere mit Paris ist sehr intensiv. Es bedarf erheblicher Anstrengungen seitens des Bundesund der hessischen Landesregierung, aber auch der Stadt Frankfurt, dieses Potenzial auch tatsächlich realisieren zu können“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die deutsche Finanzbranche sieht auch geschlossen optimistisch in die Zukunft, wenn es um die konkrete Frage geht, mit wie vielen zusätzlichen Arbeitsplätzen der Finanzplatz Frankfurt im Finanzsektor durch den Brexit im Laufe der nächsten 5 Jahre rechnen kann. 21% der Befragten erwarten, dass mehr als zehntausend zusätzliche Stellen entstehen werden. Frankfurt Main Finance hält diese Größe schon seit dem Tag des Referendums im Vereinigten Königreich für realistisch und rechnet mit tausend angekündigten Arbeitsplätzen bereits im laufenden Jahr. Der größere Teil der Befragten (45%) erwartet jedoch, dass man sich eher in einer Größenordnung von fünf- bis zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen bewegen wird. Und 33% erwarten ein- bis fünftausend neue Stellen. Nur 1% rechnet mit weniger als eintausend Arbeitsplätzen.

„Auch wenn Frankfurt gut im Rennen liegt, so gibt es rund 100 Banken alleine in London, die sich nach einer neuen europäischen Heimat umsehen. Erst rund 20 haben sich entschieden. Es gibt noch viel zu tun“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Finanzinstitute in London bereiten sich darauf vor, Geschäftsbereiche von London auf den europäischen Kontinent zu verlagern. Auf die Frage, aus welchem Gebiet stammend Finanzinstitutionen am meisten Arbeitsplätze verlagern werden, wird Nordamerika von 37% der Befragten genannt. 30% sind der Meinung, dass europäische Firmen am meisten Arbeitsplätze zurückverlagern werden. 19% nennen UK und 14% den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum (APAC).

Dabei rechnet die Finanzbranche mehrheitlich (71%) damit, dass es zu einer substantiellen Verlagerung im Geschäftsbereich Wertpapierhandel und -abwicklung kommt, gefolgt vom Bereich Corporate Finance und Corporate Banking (49%). Des Weiteren nennen 40% der Befragten den Bereich Risikomanagement und Compliance. Eine substantielle Verlagerung im Geschäftsbereich Asset Management halten 30% der Befragten für realistisch.

„Vielfach wird die mögliche Verlagerung der europäischen Bankenaufsicht EBA nach Frankfurt als wichtiges Signal gesehen. Abgesehen davon, dass die räumliche Nähe zur EZB für eine solche Standortentscheidung sprechen würde, wird die Bedeutung des künftigen Sitzes der EBA für die Standortentscheidungen von Finanzinstituten überschätzt. Hier spielen Fragen des Marktzugangs und der Infrastruktur eine viel wichtigere Rolle“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

CFS-Index sinkt um 2,0 Punkte

Umsatz- und Ertragswachstum der Finanzinstitute rückläufig – Dienstleister erwarten selbiges für das laufende Quartal / Finanzbranche baut Investitionsvolumen weiter aus
Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt um 2,0 Punkte auf 111,6 Punkte. Das rückläufige Wachstumsniveau ist vor allem das Ergebnis gesunkener Umsatz- und Ertragszuwächse bei den Finanzinstituten. Selbiges erwarten die Dienstleister für das laufende Quartal. Dem stehen jedoch, besonders bei den Dienstleistern, positive Investitionszuwächse entgegen. Auch reduzieren die Finanzinstitute weiter ihren Stellenabbau und signalisieren, nach erheblichen personellen Einschnitten in den vorangegangenen Quartalen, nun mit 99 Punkten eine nahezu neutrale Stimmungslage.

„Noch ist es vielleicht zu früh, um von einem Trend zu sprechen – aber es festigt sich der Eindruck einer „Rückkehr der Finanzinstitute“. Denn wir sehen nun über mehrere Quartale ein konstantes Muster: Zunehmend positive Erwartungen bei den Finanzinstituten und sinkende Werte bei den Dienstleistern – und das für alle vier Indexkomponenten: Umsatz, Ertrag, Investitionen und Mitarbeiter“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird noch positiver beurteilt als unmittelbar nach dem Brexit-Votum vor einem Jahr

Die seit dem Brexit-Votum sehr positiv eingeschätzte zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland stieg im dritten Quartal 2017 um weitere 3,7 Punkte und liegt nun mit 138,7 Punkten über dem bisherigen Höchststand (136,8 Punkte), welcher letztes Jahr kurz nach dem Brexit-Votum erreicht wurde.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Durch gemeinsame Anstrengungen wurde schon viel erreicht. Das koordinierte Vorgehen der Landesregierung hat maßgeblich dazu beigetragen.“

Finanzinstitute verzeichnen verschärften Wachstumsrückgang der Umsätze, Dienstleister erwarten selbiges für das laufende Quartal

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der Finanzbranche ist rückläufig, befindet sich aber noch auf einem positiven Niveau. Besonders bei den Finanzinstituten sinkt der Sub-Index erheblich um 7,5 Punkte auf 106,4 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen einen schwächeren Rückgang um 2,1 Punkte und stehen mit 124,5 Punkten unverändert auf einem sehr guten Niveau. Für das laufende Quartal erwarten sie jedoch einen verschärften Wachstumsrückgang, die Finanzinstitute hingegen erwarten wieder ein steigendes Umsatzwachstum.

Ertragswachstum der Finanzinstitute sinkt wieder auf das Niveau des ersten Quartals

Die befragten Finanzinstitute können ihr Ertragswachstum nach der starken Entwicklung des zweiten Quartals nicht halten. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 7,1 Punkte auf 105,4 Punkte. Für das laufende Quartal wird jedoch wieder mit einem Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern bleibt das Ertragswachstum nahezu unverändert. Der Sub-Index steigt um 0,7 Punkte auf 118,6 Punkte, jedoch wird für das laufende Quartal mit einem stärkeren Rückgang gerechnet.

Investitionsvolumen der Dienstleister erreicht höchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Dienstleister steigt um 11,7 Punkte auf den historisch höchsten Stand von 123,5 Punkten, es wird aber auch wieder mit einer starken Abschwächung für das laufende Quartal gerechnet. Auch der Sub-Index der Finanzinstitute steigt um 3,1 Punkte auf 116,7 Punkte, und es wird mit einem weiteren, nochmal verstärkten Anstieg für das laufende Quartal gerechnet. Beide Gruppen befinden sich somit auf einem sehr guten Investitionsniveau.

Die Abschwächung des Stellenabbaus bei den Finanzinstituten hält weiter an

Der Trend bei den Finanzinstituten, den Stellenabbau seit Beginn des Jahres zu begrenzen, hält weiter an. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt um 1,5 Punkte auf 99,0 Punkte und befindet sich somit nur noch knapp unter dem neutralen Stand von 100 Punkten. Die Finanzinstitute gehen für das laufende Quartal davon aus, dass sich der Stellenabbau wieder leicht erhöht. Hingegen stellen die Dienstleister unverändert stark Mitarbeiter ein. Der entsprechende Sub-Index steigt um 5,0 Punkte auf 118,6 Punkte. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister jedoch pessimistisch und erwarten ein abgeschwächtes Wachstum bei den Neueinstellungen.

Forschungskonferenz: Systemische Risiken messen

Wissenschaftler und Praktiker diskutieren über unterschiedliche Ansätze: Die Forschungskonferenz des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) hat sich in diesem Jahr im Schwerpunkt mit der Frage beschäftigt, mit welchen Ansätzen sich systemische Risiken erkennen und messen lassen. Mehr als 50 Vertreter aus Wissenschaft und Praxis diskutierten am 22. Juni in Mainz über neue Modelle aus der Forschung und verprobten diese mit den Anforderungen aus der Arbeitspraxis in den Banken.

Prof. Dr. Günter Franke, Vorsitzender des Beirats von FIRM, ist Organisator der Konferenz. Er hat Professoren unterschiedlicher Universitäten und Fachrichtungen nach Mainz eingeladen. „Mit dieser Konferenz wollen wir zum einen den Praktikern einen Einblick in aktuelle Forschungsansätze geben, die zum Teil noch in der Entwicklungsphase stecken. Zum anderen bekommen die Forscher ein direktes Feedback von erfahrenen Praktikern zur Umsetzbarkeit ihrer Modelle“, erläutert Franke.

Prof. Dr. Günter Franke: „Neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen und mit Praktikern diskutieren, das ist Ziel der Forschungskonferenz.“

Günter Franke, Organisator der Forschungskonferenz

Den Auftakt macht Prof. Dr. Gunter Löffler von der Universität Ulm. Seine Fragestellung: Können aus systemischen Risikomaßen verlässliche Informationen gewonnen werden? Seinen Ansatz skizziert er an zwei Beispielen – CoVaR und MES (Marginal expected shortfall) –, zwei unter Experten gängige Risikomaße, bei deren Einsatz aber einige Fallstricke zu beachten sind. Einer davon: Die Maße vereinfachen zu sehr. Das Risiko des Finanzsystems wird im Schätzmodell teilweise allein auf eine Bank zurückgeführt. Auch wird nicht analysiert, wer in einem System ein Risiko auslöst. Beides könne zu Fehlinterpretationen führen, worauf bei der Anwendung in der Risikomessung und -steuerung geachtet werden müsse, gibt Löffler den Praktikern mit auf den Weg.

Prof. Dr. Gunter Löffler: „Systemische Risikomaße dürfen nicht einfach unreflektiert angewendet werden, sind aber zum Beispiel eine sinnvolle Ergänzung zu Stresstests.“

Prof. Dr. Thilo Meyer-Brandis, Mathematikprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, entwickelt ein netzwerkbasiertes Maß, das die Risikotragfähigkeit großer Finanzsysteme in Bezug auf Ansteckungseffekte  abbildet. Dazu stellt er die Frage, ob man in Abhängigkeit der Netzwerkstruktur Kapitalanforderungen so stellen kann, dass sich daraus eine Widerstandsfähigkeit des Systems gegen Risiken ableiten lässt. Seine Modellanalyse geht von einem Initialschock aus und berechnet, welche Auswirkungen sich hieraus für welche Bank im Netzwerk ergeben und wie sich der Schock im System ausbreitet. Eines seiner Ergebnisse: Wenn ein System nicht resilient ist, reicht selbst ein kleiner Schock, und der Zusammenbruch ist vorprogrammiert. Auf Basis des Modells könne aber jede Bank für sich nachvollziehen, welche Kapitalanforderung sie erfüllen müsse, um das Netzwerk widerstandsfähig zu machen, erläutert Meyer-Brandis.

Prof. Dr. Thilo Meyer-Brandis: „Wir können explizite Kriterien herleiten, die die Widerstandsfähigkeit eines Netzwerks aufzeigen.“

Wissenschaftler im Dialog: Gunter Löffler, Thilo Meyer-Brandis und Simon Rother

Alle Vorträge werden im Anschluss jeweils von einem Vertreter der Praxis und einem der Wissenschaft diskutiert. So erläutert Prof. Dr. Christian Koziol von der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, wie sich Meyer-Brandis mathematischer Ansatz um eine ökonomische Perspektive ergänzen ließe. Jochen Peppel von Oliver Wyman zeigt am Abhängigkeitenmodell von Meyer-Brandis, welche Faktoren neben den direkt finanziellen sonst noch für die Stabilität von Netzwerken herangezogen werden können und wie sich solche Faktoren miteinander verknüpfen lassen. „Dieser Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis erweist sich als sehr fruchtbar, weil er die vielfach unterschiedlichen Sichtweisen verdeutlicht. Das macht es den Teilnehmern am Ende einfacher, die neuen Erkenntnisse aus der Forschung in ihr Bankenmanagement einzubringen“, erklärt Franke.

Wenn über systemische Risiken gesprochen wird, geht es auch um die Auswirkungen so genannter Asset Price Bubbles. Mit der Frage, wie Preisblasen zu systemischen Risiken werden können, setzt sich eine empirische Analyse auseinander, die von Simon Rother (Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn) vorgestellt wird. Die anschließende Diskussion macht deutlich, dass das systemische Risiko schon im Aufbau einer solchen Blase entstehe und sich die meisten Akteure darüber auch bewusst seien. Die Analyse könne dabei helfen, ein Bauchgefühl quantifizierbar zu machen.

Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen von der Goethe Universität Frankfurt widmet sich in seinem Vortrag der Interbank Intermediation in Deutschland. Er entwickelt ein Bild von den Interbanken-Forderungen und Verbindlichkeiten, gegliedert nach unterschiedlichen Fristen. Es stehe außer Frage, dass der Interbankenmarkt ein Instrument sein könne, um Zinsrisiken einer Bank zu managen. Prof. Dr. Lutz Johanning von der WHU diskutiert intensiv, welche Rolle der Interbankenmarkt in Zukunft für das Risikomanagement überhaupt noch spielen könne. Mag. Rab von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien macht deutlich, dass in Österreich seit der letzten Krise die Interbank Intermediation weitgehend durch Repo-Geschäfte geprägt ist.

Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen: „Wir wollen einen mikroskopischen Blick auf die Interbankenmärkte in Deutschland werfen. Haben sie in der Zukunft noch eine Bedeutung und – wenn ja – welche?“

Jan Pieter Krahnen zur Rolle des Interbankenmarktes

Abgerundet wird die Veranstaltung durch einen Vortrag aus der Praxis. Florian Roßwog von der DZ Bank beschäftigt sich am Beispiel seines Hauses mit der Liquiditätssteuerung in extremen Marktsituationen. Seine Untersuchung zeigt, dass Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken erheblich an Bedeutung gewonnen haben, unbesicherte Finanzierung in den Bankbilanzen – abgesehen von Kundeneinlagen – entfallen ist und die vertraglich vereinbarten Laufzeiten auf der Passivseite verkürzt wurden.

Florian Rosswog referiert über Liquiditätssteuerung in der Praxis

Franke zieht am Ende der Forschungskonferenz ein positives Fazit: „Die Vorträge zum systemischen Risiko haben die unterschiedlichen Ansätze zur Messung sehr klar herausgearbeitet, ebenso deren Stärken und Schwächen. Darüber hinaus wurden neue Einsichten in die Treiber des Interbanken-Geschäfts vermittelt.“ Für die Teilnehmer also ein echter Erkenntnisgewinn.

Copyright: FIRM

Deutsche Börse startet neue Online-Plattform für Kapitalmarkt-Wissen

Komplexe Sachverhalte rund um die Börse genauer erläutern – dieses Ziel verfolgt die Deutsche Börse nun mit verbrauchernahen Videos für Anfänger und Fortgeschrittene.

Viele Deutsche schrecken vor einer Geldanlage in Aktien zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevölkerungsrepräsentative Studie zum Thema Aktienkultur in Deutschland, die im Januar 2017 durchgeführt wurde. Als Gründe hierfür lassen sich neben fehlenden finanziellen Mitteln sowie einem hohen Sicherheitsbedürfnis insbesondere der geringe Wissensstand beim Thema Aktien anführen. Dieses Manko hat auch die Deutsche Börse erkannt und hat nun zehn kurze Grundlagenvideos auf ihrer Internetseite veröffentlicht, die Wissen rund um das Thema Börse vermitteln sollen. „Deutschland ist ökonomisches Entwicklungsland, wenn es um das Verständnis von Börsenhandel und Wertpapieranlage geht“, sagte Nicolas Nonnenmacher, der als Leiter Community Development bei der Deutschen Börse auch die Capital Markets Academy verantwortet. „Die breite Öffentlichkeit fremdelt bei der Vermögensbildung mit Aktien und Wertpapieren, ohne sich mit dem Thema ausreichend auseinandergesetzt zu haben. Unser neues Portal begleitet Einsteiger auf dem Weg zur Börse und bietet fortgeschrittenen Anlegern hochwertige Inhalte, um Börsenprofis zu werden.“

In den Erklärvideos zeigen die beiden Akteure Anna und Michael den Nutzern zum Beispiel, wie ein Depot eröffnet wird, worauf man bei der Aktienauswahl achten sollte und wie der Börsenhandel funktioniert. Die Filme dauern zwischen 20 und 30 Minuten. In den Video-Vorlesungen erläutern ausgewiesene Börsenexperten die Grundlagen der Finanzmärkte und des Börsenhandels. Im Bereich „Börsenprodukte im Detail“ lernen erfahrene Anleger in umfangreichen Online-Lehrgängen über Exchange Traded Funds (ETFs) und Strukturierte Produkte die Funktionen und Besonderheiten von einzelnen Wertpapieren kennen. Mit der kostenfreien Anmeldung wird ein persönliches Lernkonto erstellt, das den individuellen Lernfortschritt dokumentiert; Lerneinheiten können dort fortgeführt werden, wo sie beendet wurden. Partner bei der Entwicklung des Portals war der TÜV Rheinland.

Michael Rüdiger neuer Vorsitzender des Börsenrats

Michael Rüdiger ist neuer Vorsitzender des Börsenrats. Der Vorstandsvorsitzende der DekaBank übernimmt das Amt von Lars Hille, DZ Bank.

Michael Rüdiger wurde am 1. Juni einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse gewählt. Rüdiger ist Vorstandsvorsitzender der DekaBank Deutsche Girozentrale und gehört dem Gremium seit 1. Dezember 2016 an; er vertritt dort die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. Rüdiger übernimmt das Amt von Lars Hille, der als Vorstand der DZ Bank im Januar 2017 die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden, Lutz Raettig, angetreten war. Da Hille die DZ Bank aber auf eigenen Wunsch im Oktober 2017 verlassen wird, war eine Neubesetzung dieses wichtigen Amts im Börsenrat erforderlich.

Im Börsenrat werden die wesentlichen Fragen und Entwicklungen an der Frankfurter Wertpapierbörse erörtert; für alle Entscheidungen, die von grundsätzlicher Bedeutung sind, bedarf es seiner der Zustimmung. So ist er unter anderem für die Bestellung, Abberufung und Überwachung der Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse zuständig, erlässt die Börsen- und Gebührenordnung sowie die Bedingungen für die Geschäfte an der Börse. Der Börsenrat besteht aus 18 Mitgliedern, die zuletzt am 1. Dezember 2016 für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt wurden.

Japanische Investmentbank Nomura wählt Frankfurt als Standort

Eine weitere japanische Bank beantragt eine Banklizenz in Deutschland und wählt Frankfurt als Sitz der neuen Geschäftseinheit. Frankfurt Main Finance (FMF) freut sich, dass mit Nomura nun eine weitere japanische Bank ihre Entscheidung für Frankfurt nun offiziell gemacht hat. „Es waren gerade auch japanische Banken, die schon früh vor den Konsequenzen des Brexit gewarnt hatten und nun zu den ersten zählen, die sich entschieden haben“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance.

„Wir danken Nomura für das Vertrauen und freuen uns auf die neuen Kolleginnen und Kollegen. Nomura ist bereits Mitglied von FMF. Wir sehen in der Wahl Frankfurts ein Signal; weitere Entscheidungen namhafter Institute werden in den nächsten Wochen folgen.“

Vor wenigen Tagen hatte sich die japanische Daiwa Securities Group für den Standort Frankfurt entschieden.

Der Link zur Pressemitteilung der Nomura Bank.

 

Brexit Frankfurt Finance Summit

Meilensteine des ersten Jahrs nach dem Brexit und Ausblick auf Jahr 2 seit dem Referendum

1 Jahr seit dem Brexit-Votum

Vor genau einem Jahr überraschte das britische Votum für den Austritt aus der Europäischen Union die weltweite Öffentlichkeit. Seitdem ist in der Politik und an den Finanzmärkten deutliche Verunsicherung spürbar, besonders da Entwicklung und Ergebnis der Austritts-Verhandlungen sowie die darauffolgenden Reaktionen der Finanzmärkte bisher weitestgehend unvorhersehbar sind.

1 Jahr Brexit-Referendum – Zeit für einen Rückblick: Was ist bereits passiert, welche Wendepunkte prägten das vergangene Jahr und welche Auswirkungen sind daraufhin zu beobachten? Zeit auch für einen Ausblick auf Jahr 2 nach dem Referendum: Welche Schritte sieht der Zeitplan der Verhandlungen vor, welche Meilensteine werden das kommende Jahr beeinflussen und welche Folgen und Konsequenzen sind zu erwarten?

Überraschende Entscheidung und Machtwechsel

Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union. Am nächsten Tag folgte hierauf ein Einbruch an den Aktienmärkten in Europa und Asien. David Cameron verkündete am 13. Juli seinen Rücktritt, die konservative Politikerin Theresa May, bis dahin Innenministerin, die vor dem Referendum als EU-Befürworterin galt, wurde seine Nachfolgerin und Boris Johnson, einer der Wortführer der Brexit-Kampagne, britischer Außenminister.

Trotz Hindernissen nimmt der harte Brexit Formen an

Am 2. Oktober kündigte May an, den Austrittsprozess aus der Europäischen Union offiziell Ende März 2017 in Gang zu setzen. Mitte Januar 2017 veröffentlichte Mays ihren Zwölf-Punkte-Plan, in dem sie deutlich einen sogenannten „harten“ Brexit anstrebt. Die Weltöffentlichkeit ist vom Schrecken des harten Brexit einmal mehr in Unruhe versetzt. Neben der politischen Gemeinschaft will Großbritannien auch den europäischen Binnenmarkt sowie die Zollunion verlassen. Allerdings urteilte das höchste britische Gericht am 24. Januar, dass das Parlament dem Brexit zustimmen müsse.

Parlamentarische Unterstützung und hohe EU-Verbindlichkeiten

Die Europäische Union stellte London am 7. Februar in Aussicht, milliardenschwere Ausstände Großbritanniens bei der EU nach dem Brexit geltend zu machen. Einen Tag später stimmte das britische Unterhaus dem sogenannten Brexit-Gesetz zu, welches das Ausscheiden Großbritanniens gemäß Artikel 50 des Vertrags von Lissabon ermöglicht. Am 13. März gab dann das Oberhaus seinen Widerstand gegen den Brexit auf, das Brexit-Gesetzt wurde verabschiedet und die schottische Regierung kündigte an, über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erneut ein Referendum abhalten zu wollen.

Artikel 50: Der Countdown läuft

Am 29. März reichte Großbritannien die offizielle Austrittserklärung bei EU-Ratspräsident Donald Tusk in Brüssel ein und eröffnete somit nach Artikel 50 formal den zweijährigen Zeitraum für die Austrittsverhandlungen, der mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union im März 2019 endet. EU-Ratspräsident Donald Tusk äußerte sich am 31. März 2017. Er will, dass die Verhandlungen in zwei aufeinander folgenden Schritten ablaufen: Zunächst sollen die Bedingungen des Austritts verhandelt werden, gefolgt von denen der zukünftigen Partnerschaft. Tusk lehnt damit die Forderung Londons nach deren paralleler Verhandlung ab. Am 5. April legte das Parlament der Europäischen Union mit breiter Mehrheit einen gemeinsamen Standpunkt für die Brexit-Verhandlungen fest.

Theresa May fordert Neuwahlen

Am 18. April, erreichte der Brexit-Prozess dann erneut an einen Wendepunkt: Premierministerin Theresa May kündigte überraschend Neuwahlen des britischen Unterhauses für den 8. Juni an, die sie zuvor wiederholt ausgeschlossen hatte. Als Grund für die Neuwahlen gelten gemäß Medienberichten die Kritiker des Brexit-Kurses, deren politischem Aufwind in der öffentlichen Debatte durch den erhofft hohen Wahlsieg ein Ende gesetzt werden sollte. Die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen bedürfen aus Sicht von May eines stabilen politischen Umfelds. Von den Neuwahlen versprachen sich May und die Konservativen Einheit, Geschlossenheit und starke Führung für die britische Regierung.

Rahmenbedingungen für die Brexit-Verhandlungen

Die 27 Staats- und Regierungschef bekannten sich auf dem Brexit-Gipfel am 29. April in Brüssel einstimmig zu den Leitlinien der Verhandlungen, die bereits mehrere Wochen zuvor ausgearbeitet worden waren und zweiteilige Verhandlungen vorsahen: zuerst die Einzelheiten des Austritts und erst danach die zukünftigen Beziehungen. Michel Barnier, ehemaliger französischer Außenminister und ehemaliger EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, erhielt das Mandat, als Chefunterhändler die Verhandlungen zu leiten. Die dann im Mai aus den Leitlinien entwickelten EU-Richtlinien statten Barnier mit den rechtlichen Grundlagen für die Verhandlungen aus.

May und die Konservativen verlieren absolute Mehrheit

Am 8. Juni fanden die vorgezogenen Wahlen des britischen Unterhauses, dem „House of Commons“, statt und endeten in einer herben Enttäuschung für die Konservativen, die zwar die meisten Stimmen für sich verzeichnen konnten, aber die absolute Mehrheit verloren. Mays Plan einer starken Verhandlungsposition war damit gescheitert. Mit diesem Ergebnis wurde auch die Hoffnung begraben, eine gestärkte Premierministerin May zeichne sich durch neue Kompromissbereitschaft oder gar durch höhere Verlässlichkeit und Berechenbarkeit aus. Anstelle dessen entstanden neue Unsicherheiten: Die Niederlage bringt die Möglichkeit des soft Brexits zurück ins Spiel.

Beginn der Brexit-Verhandlungen in Büssel

EU-Chef-Unterhändler Michel Barnier und der britische Brexit-Minister David Davies verhandeln seit dem 19. Juni 2017 die Bedingungen der Austrittsvereinbarung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien. Bis März 2019 bleibt dafür Zeit, dann wird Großbritannien die Europäischen Union verlassen. Den Erwartungen zufolge werden sich die Verhandlungen ausgesprochen schwierig gestalten, und es bleibt unklar, ob diese im Zeitraum von 2 Jahren abgeschlossen werden können. Am Beginn der Verhandlungen stehen zunächst drei Punkte: die Rechte der rund 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien sowie der rund 1 Million britischen Staatsbürger in den verbleibenden 27 EU-Staaten, die Abschlussrechnung der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens und Ausgleichzahlungen im Hinblick auf die Kosten des Brexits an die EU sowie die Durchlässigkeit der Grenze zwischen der EU und Großbritannien an der irisch-nordirischen Grenze.

Ausblick: Die Einhaltung des Zeitplans gilt nahezu als aussichtslos

Für Ende 2017 wird das Ende der ersten Verhandlungsrunde mit den Punkten Ausgleichszahlungen an die EU, Rechte von EU-Bürgern und Briten sowie der Grenze zwischen Irland und Nordirland angestrebt. Ebenso sollen Fragen der Wirksamkeit von Urteilen des EU-Gerichtshofs in Großbritannien geklärt werden. Der Abschluss der gesamten Verhandlungen ist für Oktober beziehungsweise November 2018 geplant, wobei die Einhaltung des Termins aufgrund der Vielzahl von Problemfeldern als so gut wie unmöglich und eine Verlängerung der Frist, die mit Zustimmung aller EU-Staaten möglich ist, als wahrscheinlich gilt. Im März 2019 sollen sowohl die 27 verbleibenden EU-Staaten als auch die Parlamente in Straßburg und London das Austrittsabkommen ratifizieren. Am 29. März 2019 endet gemäß Planung die EU Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs nach 46 Jahren und 3 Monaten. Für die Verhandlungen der zukünftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU gibt es bislang keinen Zeitplan.

Ein Jahr Referendum in Großbritannien – eine Brexit-Bilanz

Die Überraschung kam über Nacht, und es gab ein böses Erwachen. Um zwei Uhr in der Nacht, als die ersten Hochrechnungen eintrafen, sah alles noch nach dem Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union aus, doch beim nächsten Blick auf die Nachrichten um 6.20 Uhr, war klar: Die Briten hatten sich für einen Austritt entschieden, wenn auch nur mit einer 52:48 Mehrheit. Ein Jahr ist es her, als einen ganzen Tag lang die TV-Kameras aus aller Welt vor der EZB standen und Journalisten wissen wollten, was denn nun geschehen werde und wie Frankfurt dazu stünde. London, Brüssel und Berlin berieten sich. Nigel Farage, der Kopf der UKIP Partei, die sich den Brexit zum Ziel gesetzt hatte, trat zurück. Bald danach auch der Britische Premierminister David Cameron.

Unsere Botschaft war: Der Brexit ist schlecht für Großbritannien, er ist schlecht für Europa und er ist schlecht für Deutschland. Frankfurt Main Finance (FMF), die Stimme des Finanzplatzes, hatte auf einen anderen Ausgang des Referendums gehofft, war aber auch für diesen Fall vorbereitet. Nun war der Moment gekommen, den Schalter umzulegen. Die Kampagne für den Standort am Main war vorbereitet: Mit Veröffentlichung des amtlichen Referendumsergebnisses ging eine Informationswebsite zu Frankfurt online, eine Telefon-Hotline für Fragen zum Brexit wurde scharf geschaltet, auf der Internetseite von FMF fand sich eine Stellungnahme zum Ereignis, über Twitter und auf LinkedIn startete zeitgleich eine Kampagne und warb mit den Vorzügen des Finanzplatzes Frankfurt. Die Botschaft: „Welcome to Frankfurt“

 

Jahrhundertchance für Frankfurt

Interviewanfragen gingen am 24. Juni aus aller Welt ein. Die Medien rangen darum zu verstehen, was geschehen war und wie das die Welt verändern würde.  Im 15 Minuten-Takt gab FMF Interviews: am Telefon, ins Mikrophon, vor der Kamera und wieder am Telefon… Der Brexit bestimmte die Nachrichten rund um den Globus. Sprechfähig gewesen zu sein, als andernorts noch Abstimmungsschleifen gedreht wurden, brachte Frankfurt von Beginn an in Vorteil.

Für die Stadt Frankfurt und die Region – bei allen offensichtlichen negativen Folgen – eröffnet der Brexit eine Jahrhundertchance. Die Finanzarchitektur der Europäischen Union war und ist bislang auf London ausgerichtet. Der Ausstieg der Briten aus der EU, so viel war sofort klar, würde zu einer Verlagerung von Verantwortlichkeiten und Geschäft in die EU führen, die Finanzwelt mithin multipolarer werden. London würde ohne Zweifel bedeutender Finanzplatz bleiben, Finanzzentren in der EU jedoch an Einfluss gewinnen – Frankfurt vor allen anderen. Dabei wurden wir von Frankfurt Main Finance nicht müde zu betonen: Es geht bei allen Bemühungen nicht darum, London als Finanzplatz zu schwächen, es geht in erster Linie darum, eine stabile Finanzindustrie innerhalb der EU zu installieren, eine Brücke zwischen London und der EU zu bauen, die von Frankfurt aus Ihren Ausgang nimmt.

EBA und Euro-Clearing kommen in den Blick

Schon am Tag 1 nach dem Referendum wagte sich FMF mit der begründeten Schätzung von 10.000 Arbeitsplätzen hervor, die Frankfurt binnen 5 Jahren durch den Brexit gewinnen könnte – unter zwei wesentlichen Voraussetzungen: Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) kommt nach Frankfurt, ebenso wie das Euro-Clearing. Während der Sitz der EBA recht schnell zum allgemeinen Thema wurde, brauchte es Monate, bis die herausragende Bedeutung des Euro-Clearings einer breiteren Öffentlichkeit klar wurde, ein auf den ersten Blick eher sperriges Thema.

Aber die Abwicklung von Derivategeschäften über zentrale Gewährleistungsinstanzen, sogenannten Central Counterparties, und deren Beaufsichtigung durch den Regulator ist eine der wesentlichen Konsequenzen aus der Finanzkrise. Als damals die Finanzwelt in die Krise geriet, herrschte zum Teil völlige Unklarheit, wo sich die Risiken befinden, also, wer zum aktuellen Zeitpunkt das Risiko in seinen Büchern hat – diese Unsicherheit führte zu Angst und so drohte der vollständige Kollaps des Systems, weil das Vertrauen verloren ging.

Euro-Clearing: Frankfurt derzeit einzige echte Alternative zu London

Mittlerweile ist die Entscheidung über den Sitz Euro-Clearings als eine der wesentlichen Weichenstellung für die Ausgestaltung der künftigen Finanzarchitektur der EU und Europas erkannt und entsprechend diskutiert. Und wieder kann sich Frankfurt berechtigte Hoffnung machen, als Standort der Wahl durchzusetzen. Stand heute besitzt innerhalb der EU neben London nur Frankfurt mit Eurex Clearing der Deutschen Börse AG eine gültige Lizenz und die im täglichen Betrieb bewiesenen technischen Voraussetzungen, das Euro-Clearing vom Standort London zu übernehmen. Schon heute ist Frankfurt Marktführer beim Clearing börsengehandelter Derivate. London führt mit weitem Abstand beim Clearing von außerbörslich gehandelten Derivaten in Euro.

Dieses lukrative Geschäft wird so nicht in London bleiben können. Das hatten und haben wir seither immer wieder betont. Denn die Europäische Zentralbank wollte schon unmittelbar nach Ihrer Gründung die Aufsicht über eine so entscheidende Schlüsselfunktion für die Stabilität des europäischen Finanzmarkts und des Euro innerhalb ihres Einfluss- und Überwachungsbereichs. Schon jetzt wandert erstes Geschäft nach Frankfurt, und Unternehmen testen in wachsender Zahl die Clearing-Möglichkeiten am Main.

Größere Unsicherheit nach Wahlen in UK

Seit jenem 23. Juni vor einem Jahr ist viel geschehen. Daher seien nur einige Wegmarken genannt: Der damalige britische Premierminister David Cameron ist zurückgetreten. Theresa May folgte ihm nach. Sie, die eigentlich dem Lager derjenigen zugerechnet wurde, die sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark machten, überraschte in ihrer ersten Grundsatzrede mit der Formulierung, die seit dem häufig bemüht wurde, um zu veranschaulichen, mit welcher Haltung die Briten in die anstehenden Verhandlungen mit Brüssel treten würden: „No Deal is better than a bad Deal.“

Der sogenannte Cliff-Edge-Brexit, ein Ablaufen der auf zwei Jahre terminierten Verhandlungen über den Austritt ohne eine Einigung, kam in den Blick und wurde wahrscheinlichstes Ergebnis. Am 29. März 2017 beantragte das Vereinigte Königreich gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union offiziell den Austritt. Damit löste Theresa May den Countdown für die zweijährige Verhandlungszeit aus. Wenige Wochen später überraschte sie mit der Ansetzungen von Neuwahlen zum Unterhaus in Großbritannien für Anfang Juni abermals. Kommuniziertes Ziel war ein starkes Mandat für die Verhandlungen mit Brüssel. Das Kalkül ging nicht auf. May und ihre Partei stehen heute geschwächt da, mit schwer abzuschätzenden Folgen für den Brexit-Prozess, für die Finanzmarktteilnehmer und die Finanzplätze.

Frankfurt und Deutschland bieten Stabilität

Interpretiert man aus europäischer Sicht das Resultat der Unterhauswahl als „halbvolles Glas“, dann ist jetzt wieder Vieles möglich: sogar ein neuerliches Referendum mit offenem Ausgang. Und damit ist selbst ein Verbleib Großbritanniens in der EU nicht mehr gänzlich ausgeschlossen, wenn auch kaum wahrscheinlich.

Interpretiert man das „Glas als halb leer“, dann haben wir es mit einer schwachen Regierung zu tun, die nur wenige Kompromisse in den anstehenden Verhandlungen machen kann, weil ihr das breite Mandat und eine robuste Mehrheit im Parlament fehlt. Ein Abbruch der Verhandlungen und selbst eine abermalige Neuwahl innerhalb der Zweijahresfrist werden denkbar. Das ohnehin ambitionierte Verhandlungsprogramm scheint schlicht unmöglich zu absolvieren. Verlängerungen, Übergangslösungen und Fristen dürften das Ergebnis sein.

Nur eines ist heute sicher: Die Entscheidungen der Unternehmen, der Finanz- wie auch der Realwirtschaft, diesseits und jenseits des Kanals, werden nun unter noch größerer Unsicherheit zu treffen sein. Das spricht für Frankfurt und unterstreicht die Stärke von Deutschland und Frankfurt als Hort der Stabilität und Berechenbarkeit.

Frankfurt nutzt Pole Position

Bis heute ist Frankfurt in vielen Geldhäusern und in der Finanzindustrie insgesamt immer wieder diskutierter Kandidat für die Ansiedlung von Unternehmen oder Teilen von Unternehmen. Der Standort am Main punktet vor allem mit einer stabilen Wirtschaft und stabilen pro-europäischen politischen Verhältnissen, mit einer herausragenden Infrastruktur, einer großen Zahl gut ausgebildeter Arbeitskräfte gerade auch aus der Finanzbranche, verhältnismäßig günstigen Mietpreisen und Lebenshaltungskosten sowie hoher Lebensqualität.

All das hat Frankfurt, um ein Bild zu verwenden, im Rennen um die Chancen, die sich nach dem Brexit ergeben, in die Pole Position gebracht. Und die Hessen-Metropole wird dieser herausgehobenen Rolle bislang gerecht. Das zeigen die bislang erzielten Erfolge. Bereits heute haben sich eine chinesische, eine japanische, eine indische, eine koreanische und eine schweizerische Bank fest für Frankfurt als Hauptstandort in der EU entschieden, Goldman Sachs will seine Belegschaft in Frankfurt verdoppeln, Standard Chartered hatte jüngst angekündigt, ihr Büro in Frankfurt wegen des Brexits ausbauen zu wollen. Aktuell sind rund 20 Banken in fortgeschrittenen Gespräch über eine Ansiedlung oder einen Ausbau in Frankfurt.

Das Bild des Rennens macht aber auch das Folgende klar: Bevor nicht die Ziellinie überschritten ist, steht der große Gewinner nicht fest. Frankfurt wird weiter mit vorhandenen Vorzügen werben und an seinen Schwächen arbeiten müssen, um der sich bietenden Jahrhundertchance gerecht zu werden. Am Ende werden sicher mehrere Finanzstandorte vom Brexit profitieren, Frankfurt aber hat alle Möglichkeiten, die Finanzmetropole der Europäischen Union zu werden.

„Besser vorbereitet“ – Brexit-Verantwortliche der Rhein-Main-Region im Gespräch

Vor einem Jahr ist der Startschuss gefallen: Am 23. Juni 2016 hat sich das britische Volk in einem Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union entschieden und damit einen Prozess in Gang gesetzt, den man schon jetzt als historisch bezeichnen kann. Die Folgen sind so weitreichend, dass selbst versierte Experten kaum abschätzen können, wie sich das Zusammenspiel zwischen der Insel und den Ländern in der EU verändern wird. Klar ist nur: Vieles, was bislang als sicher galt, wird auf den Prüfstand gestellt werden.

Dies gilt nicht zuletzt für die Frage, wo in Zukunft das Finanzzentrum der Europäischen Union zu finden sein wird. Place to be ist bislang London. Das Rennen um die Nachfolge ist längst eröffnet und die Konkurrenz ist hart: Amsterdam, Brüssel, Dublin, Frankfurt, Luxemburg, Paris und Warschau geben – jede Stadt auf ihre Weise – ihr Bestes, um zum Hotspot der internationalen Finanzindustrie zu werden.

Lange bevor die Entscheidung der Briten gefallen ist, hat Frankfurt erste Vorbereitungen getroffen: Sprachfähig sein, Interessenten fundierte Antworten bieten, den Dialog suchen – so lässt sich umschreiben, was Vertreter der Hessischen Landesregierung und der Hessen Agentur / Hessen Trade & Invest sowie von Frankfurt Rhein Main und Frankfurt Main Finance von Beginn an erreichen wollten. Mit Erfolg, wie das Gespräch mit deren Vertretern zeigt: Wolf-Dieter Adlhoch, Leiter der Stabsstelle Brexit in der Wiesbadener Staatskanzlei, Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer von Hessen Agentur/Hessen Trade & Invest, Eric Menges, Geschäftsführer der Frankfurt Rhein Main GmbH, und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Nach einem Jahr intensiver Diskussionen über den Brexit: Wie hat sich Frankfurt aufgestellt, um im Wettbewerb der europäischen Finanzplätze zu punkten?

Dr. Rainer Waldschmidt: Kommunikation war von Beginn an das Entscheidende. Wir haben schon während der Diskussionen über das Referendum begonnen, die wichtigen Vertreter von Stadt und Land zu Round Table-Gesprächen zusammenzubringen, damit wir uns sehr frühzeitig auf ein konzertiertes Vorgehen einigen.  Ein wichtiger Punkt war beispielsweise, dass wir uns nicht auf Frankfurt als Stadt fokussieren, sondern über die Rhein-Main-Region sprechen, weil sich viele Aspekte zu den Themen Talente, Infrastruktur, Lebensqualität aus den Gegebenheiten in dieser Region erschließen.

Eric Menges: Sehr geholfen hat uns, dass wir schon vor der Brexit-Entscheidung eine komplette Website programmiert hatten, die wir am Morgen der Ergebnisverkündung live schalten konnten. Das war ein gewisses Risiko, der Aufwand hätte auch vergebens sein können. Aber so haben wir auf das richtige Pferd gesetzt, auch wenn wir uns ein anderes Votum gewünscht hätten. Das Interesse an aktuellen Informationen war – wie Sie sich vorstellen können – von diesem Punkt an massiv. Für unser schnelles Handeln gab es vor allem in den sozialen Medien viel positive Resonanz. Der schönste Kommentar: Da gibt es eine Region, die scheint besser vorbereitet, als der Rest von England. Da haben wir schon geschmunzelt.

Hubertus Väth: Neben der Webseite gab es auch eine Twitter- und eine LinkedIn-Kampagne mit einer klaren und knappen Botschaft: Willkommen. Bereits um 6.20 Uhr waren die Medien am Telefon, die wissen wollten, ob und wie Frankfurt vorbereitet ist. Seither gab es rund 500 Anfragen von Journalisten aus über 40 Ländern. Selbst jetzt noch vergeht keine Woche ohne zwei bis drei Anfragen.

Was sind die zentralen Botschaften? Was haben Frankfurt und die Region zu bieten?

Wolf-Dieter Adlhoch: Zweifellos gibt es viele harte Fakten, die für die Rhein-Main-Region sprechen. Wir sind ja schon heute eines der weltweit wichtigsten Finanzzentren. Alle deutschen Großbanken, mehr als 150 Auslandsbanken sind in und um Frankfurt präsent. Die wichtigsten Regulierungsbehörden und allen voran die EZB sind hier zuhause. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine starke Wirtschaft und – in diesen Zeiten wichtiger denn je – eine hohe politische Stabilität vorweisen können. Die Steuern sind hierzulande nicht so hoch, wie mitunter angenommen; durchschnittlich 30 Prozent für Unternehmen, da sind wir wettbewerbsfähig. Das Arbeitsrecht ist flexibel, fair und vor allem effizient. In Sachen Infrastruktur sind wir durch unseren Flughafen unschlagbar…

Menges: Ich sage immer gerne, der ist so nah wie der City Airport in London und so leistungsfähig wie Heathrow.

Adlhoch: Wichtig ist uns aber: Wir wollen nicht laut trommeln, sondern sachlich argumentieren.

Väth: Drei Botschaften sind klar angekommen: Europa braucht weiter die internationale Strahlkraft des Finanzplatzes London, daher wollen wir dem Finanzplatz London nicht schaden. Wir wollen Brücken bauen und nicht abreißen. Und wir wollen auch in Zukunft gut zusammenarbeiten können.

Menges: Ja, wir machen keine oberflächliche Werbekampagne, wie dies andere Finanzplätze tun. Wir gehen mit den Entscheidern in den Unternehmen ins Gespräch. Und da kommen viele, sehr konkrete Fragen auf, die wir zunächst gar nicht so im Fokus hatten. Ein Beispiel: internationale Schulen. Sie können sich vorstellen, dass dies für die Mitarbeiter, die künftig mit ihren Familien nach Frankfurt kommen sollen, ein wichtiges Thema ist. Also haben wir alle in der Region ansässigen internationalen Schulen – über 30 in und um Frankfurt – an einen Tisch geholt und mit ihnen diskutiert, ob sie in ihrer Struktur, in ihrer Kapazitätsplanung darauf eingestellt sind, eine größere Menge neuer Schüler aufzunehmen. Die Antwort: ja. Auch die Vielfalt des schulischen Angebots ist beachtlich. Mit diesen Informationen gehen wir dann wieder auf unsere Gesprächspartner zu, können deren Fragen in aller Regel im Detail beantworten.

Waldschmidt: Verfügbarer Büroraum ist auch so ein Thema, das in Gesprächen immer wieder aufkommt. Deshalb haben wir bei den ansässigen Maklern die Verfügbarkeit und Qualität der Flächen erhoben. Konkret: Wir haben im bevorzugten Innenstadtbereich 750 Tausend Quadratmeter freie Bürofläche auf dem erforderlichen Qualitätslevel. Zudem zeigen die Projektentwicklungspläne einen weiteren Zuwachs dieser A-Flächen. Wir können also alle Menschen aufnehmen, die solide Prognosen der ersten durch den Brexit initiierten Zuwanderung zuschreiben. Wenn wir über solche Veränderungen sprechen, dann passiert das auch nicht von heute auf morgen. Wir gehen vielmehr von drei Wellen aus, die sich regional unterschiedlich auswirken. Die erste wird den Finanzplatz unmittelbar betreffen und damit Frankfurt und die unmittelbare Umgebung im Kern. Bei der zweiten Welle geht es um die Verlagerung europäischer Hauptquartiere, also auch Distribution und Back-Office. Da wird sich der Radius auf den Gürtel um Frankfurt erweitern. Erst in der dritten Welle wird die Industrie betroffen sein, und hier ist ganz Hessen interessant.

Nach einem Jahr, was sind die wichtigsten Erkenntnisse und worauf muss zukünftig das Augenmerk liegen?

Väth: Wir sind zwar in der Poleposition, aber das Rennen ist noch nicht zu Ende.  Es ist zu früh, eine Verschnaufpause einzulegen. Exogene Faktoren, wie eine mögliche US-amerikanische Steuerreform, können noch entscheidende Parameter zu unseren Ungunsten verändern. Auch müssen wir konstatieren, dass die Wettbewerber gute Arbeit machen und Erfolge erzielen. Zum Beispiel im Bereich Versicherungen und Asset Manager. Von großer Bedeutung wird sicher die Frage der Zukunft des Euro Clearings werden, da stehen uns spannende Tage und Wochen bevor. Auch hier haben wir bereits viel Aufklärungsarbeit geleistet. Es ist aber auch die Zeit, einmal Danke zu sagen. Seien es BaFin oder Bundesbank, die Landesregierung oder der Bund. Wenn es darauf ankommt wird hier hervorragende Arbeit geleistet, das bleibt nicht unbemerkt. Bemerkenswert war auch, wie viele unserer Mitglieder uneigennützig angerufen haben und gefragt haben: Können wir etwas für euch tun. Da haben wir natürlich nicht nein gesagt und konnten so vieles anstoßen. Und auch bemerkenswert, wie aktiv neue Mitglieder auf uns zugekommen sind und gesagt haben, jetzt verstehe ich, warum ihr wichtig seid und warum es Sinn macht, mitzumachen.

Adlhoch: Wir nehmen das Feedback aus den vielen Einzelgesprächen, die wir als Vertreter der Landesregierung, von Hessen Agentur, Frankfurt Rhein Main und Frankfurt Main Finance führen, sehr ernst. Was gut ankommt: Der vertrauliche Dialog, und deshalb wird darauf auch künftig unser Schwerpunkt liegen. Was wir verstärkt tun: Den unmittelbaren Austausch mit Experten organisieren. Hier in der Region sitzen ja nicht nur die Banken und Regulierer, sondern all jene Juristen und Beratungsgesellschaften, die für die Finanzindustrie erforderlich sind. Detailfragen zu Arbeitsrecht, zu Steuern, zu regulatorischen Aspekten klären wir, indem wir Kontakte vermitteln und Experten vernetzen. Was wir nicht tun werden: mit kurzfristigen Geschenken – also Vergünstigungen oder Zulagen – für den Standort werben. Wir sind fest überzeugt, dass wir als Region das zu bieten haben, was Unternehmen bei der strategischen Standortentscheidung überzeugen kann. Das gilt nicht zuletzt für die Lebensqualität. Darüber haben wir heute wenig gesprochen. Aber jeder, der das Rhein-Main-Gebiet kennt, weiß, dass das Freizeit- und Kulturangebot sich durchaus sehen lassen kann.

Hessische Delegation auf Brexit-Tour in London – ein Reisebericht

Die Vertreter des hessischen Wirtschaftsministeriums sind seit Monaten im Brexit-Modus. Kommunikation über alle Kanäle und am liebsten im persönlichen Gespräch – wenn es darum geht, für die Vorteile Frankfurts als Finanzzentrum der EU zu werben, wird jeder Anlass genutzt. So auch die Delegationsreise des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir nach London. Die im Ursprung für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft initiierte Reise war der ideale Rahmen für eine kleine Finanzdelegation des Ministeriums. Armin Winterhoff, Referatsleiter Finanzplatz Frankfurt, war Teil dieses Teams und kennt die Details und Hintergründe der dreitägigen London-Tour.

Zehn Banken, zwei Verbände, drei Tage. Das Programm der Finanzdelegation um Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir war vollgepackt, als es vom 9. bis 11. Mai nach London ging. Da liegt es auf der Hand, dass schon im Vorfeld im Detail festgelegt wurde, wer mit welchem Schwerpunkt an welchem Termin teilnimmt. „Wir suchen das persönliche Gespräch zu den Verantwortlichen in den Banken und bei den Verbänden. Wir wollen für Frankfurt werben, indem wir informieren und Austausch mit Spezialisten anbieten. Der Finanzplatz Frankfurt soll zum ‚Gateway to the EU‘ werden.“, erklärt Armin Winterhoff die grundlegende Zielsetzung. Fakten sprächen für die Vorteile der Mainmetropole und deshalb wird er nicht müde zu betonen, wie wichtig es sei, fundierte Informationen an der richtigen Stelle zu hinterlegen – also insbesondere bei den großen international tätigen Banken, die aufgrund des Brexit aller Voraussicht nach ihren Zugang zum EU-Finanzmarkt verlieren werden.

Informationen an der richtigen Stelle hinterlegen: Die Finanzdelegation besuchte 10 Banken und zwei Verbände in London. (Canary Wharf, Quelle: fotolia)

Die Tage sind durchgetaktet, Working Lunches und Hessen Abend inklusive. Umso wichtiger, dass das kleine Kernteam – bis zu 10 Spezialisten aus dem Wirtschaftsministerium, der Stabsstelle Brexit bei der hessischen Staatskanzlei, dem hessischen Finanzministerium, der Bundesbank sowie Einrichtungen wie dem Verband der Auslandsbanken in Deutschland e. V., Frankfurt Rhein Main GmbH und Frankfurt Main Finance e. V. – gut eingespielt ist. „Mit den meisten Adressen waren wir auch vor der Reise schon in engem Kontakt“, erläutert Winterhoff. Es sei aber unverzichtbar, vor Ort und im persönlichen Gespräch aufzuzeigen, was den Finanzplatz Frankfurt besonders ausmache.

Hessen Abend: Auf Einladung des Landes Hessen trafen sich rund 150 Teilnehmer im 100 Wardor St im Herzen von Soho. Minister Tarek Al-Wazir wirbt für Frankfurt. Quelle: twitter.com/hmwevl

Auch Vorbehalte müssten aus der Welt geschafft werden: „Wer mit globaler Perspektive auf Frankfurt schaut, wird oft schon bei der Einwohnerzahl von 700.000 stutzig. Dass im Einzugsgebiet Frankfurt Rhein Main 5,6 Mio. Menschen leben, viele davon hochqualifiziert mit internationalem Background, muss erklärt werden.“ Winterhoff kann zahlreiche solcher Beispiele nennen – weil sich letztlich alle mit den gleichen Fragen beschäftigen. Deshalb gehört auf solchen Reisen die „Welcome to the Financial Centre Frankfurt“-Broschüre zum Handgepäck. Diese bringt  „10 Punkte für Frankfurt“ auf den Punkt.

Download Broschüre Welcome to the Financial Centre

Auffallend ist nach Winterhoffs Beobachtung, wie offen und konstruktiv die Delegation aus Frankfurt allerorten empfangen wurde: „Für uns ist das ein Indiz, dass in dieser Phase alle internationalen Häuser größtes Interesse an einer inhaltlich tiefgehenden Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Finanzplätzen in der EU haben.“ Sicher hätte jede Bank eigene Analysen, aber diese zu unterfüttern mit Informationen aus erster Hand habe offensichtlich hohen Stellenwert. „Da sind wir als die offiziellen Vertreter des Landes durchaus gefragte Gesprächspartner“, so der Referatsleiter.

Auch wenn das Informieren über und das Werben für den Standort an erster Stelle stehen – auf Seiten der hessischen Vertreter ist eine solche Reise ebenso immer wieder ein Erkenntnisgewinn. „So bekommen wir hautnah mit, worüber in London diskutiert wird und wo die Knackpunkte für die Unternehmen liegen“, sagt Winterhoff. Das seien im Übrigen nicht nur die harten Fakten vor allem mit Blick auf bestehende Regulatorik. Großes Interesse fänden auch Softskills wie das Vorhandensein von Ressourcen in der Region sowie Freizeitangebote und Kulturprogramm. Denn wer erwäge, mit seinem Unternehmen und seiner Familie von der Themse an den Main zu ziehen, wolle wissen, was ihn erwartet. „Wir messen diesen Fakten einen hohen Stellenwert bei, weil letztlich nicht nur Steuern und Arbeitsrecht darüber entscheiden, wo Menschen sich wohl fühlen“, ist Winterhoff sicher. Im persönlichen Gespräch falle es leichter zu erzählen, wie es sich in und um Frankfurt lebt. Deshalb werden die hessischen Vertreter weiter jede Gelegenheit suchen, die Mainmetropole zu präsentieren.