Deutsche Börse AG wird 25

Im Dezember 1992, auf den heutigen Tag vor 25 Jahren, wurde Deutsche Börse als Aktiengesellschaft gegründet. Dies war der Startpunkt für die Elektronisierung der gesamten börslichen Wertschöpfungskette.

11. Dezember 2017. Frankfurt (Börse Frankfurt). Das Unternehmen Deutsche Börse AG feiert am heutigen Montag auf dem Parkett der Frankfurter Börse seinen 25. Geburtstag. Kunden, Regulatoren, ehemalige Vorstände, Aufsichtsräte und Mitarbeiter waren der Einladung zum Läuten der Handelsglocke anlässlich des Jubiläums gefolgt.

Am 11. Dezember 1992 hatten die damaligen Eigentümer der drei unabhängigen Gesellschaften Frankfurter Wertpapierbörse AG, DTB Deutsche Terminbörse GmbH und der Deutsche Kassenverein AG den Zusammenschluss beschlossen, der zum 1. Januar 1993 wirksam wurde – die Geburtsstunde der Deutsche Börse AG. Dadurch entstand in Frankfurt und Deutschland erstmals ein integrierter Anbieter von Börsendienstleistungen.

„Europäische Harmonisierung plus Elektronisierung waren und sind die beiden Flügel, die den Aufstieg des Finanzplatzes Frankfurt getragen haben. In den 1990er Jahren wurden mit der Gründung der Deutschen Börse als AG die Basis gelegt, um den Finanzplatz zu der internationalen Bedeutung zu verhelfen, die dem Gewicht der deutschen Realwirtschaft im europäischen Maßstab entspricht“, resümiert Lutz Raettig, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Morgan Stanley Deutschland und langjähriger Vorsitzender des FWB-Börsenrats, in seiner Laudatio zum Jubiläum.

„Die Deutsche Börse hat sich in den vergangenen 25 Jahren zur mit Abstand bedeutendsten Betreiberin von Finanzmarktinfrastruktur in Europa entwickelt. Maßgeblich hierfür war und ist unser vertikal integriertes Geschäftsmodell, das auf leistungsfähiger Technologie in allen Geschäftsbereichen basiert. Darauf aufbauend konnten wir international expandieren und unser Geschäft auf eine Vielzahl von Anlageklassen ausweiten“, bilanziert Andreas Preuß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG.
Die wichtigen Meilensteinen der Unternehmensgeschichte

  • die Einführung des elektronischen Handels mit Xetra als Aktienhandelsplattform im Jahr 1997,
  • die Gründung der Eurex im Jahr 1998 durch die Fusion der DTB mit der Schweizer Terminbörse Soffex und Ausbau zu Europas größtem Terminmarkt,
  • der Börsengang der Deutsche Börse AG im Februar 2001 und die Aufnahme in den deutschen Bluechip-Index DAX 2002,
  • die Einführung des zentralen Kontrahenten, zunächst am Terminmarkt in den 1990er Jahren und 2003 für Xetra,
  • Fusion des deutschen Nachhandelsbereichs mit der Luxemburger Cedel und die spätere vollständige Übernahme der Clearstream im Jahr 2002,
  • Gründung des Indexanbieters STOXX mit Partnern und vollständige Übernahme im Jahr 2015,
  • Einstieg in den Währungshandel durch die Übernahme von Deutschlands erfolgreichstem Fintech 360T im Jahr 2015.

Foto Quelle: Deutsche Börse

Financial Centre Frankfurt

Spahn fordert mehr Elan für Frankfurt

Bereits 24 Banken wollen ihr Frankfurt-Geschäft vor dem anstehenden Brexit ausbauen – aber ausruhen können sich die Akteure nicht, mahnt CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Vor allem gegenüber Paris müssten sich Hessen und Berlin anstrengen. Am Main seien noch viele Hausaufgaben zu erledigen.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für besondere Aufgaben, Jens Spahn, hat am Mittwoch auf einer Veranstaltung der hessischen CDU betont, wie wichtig die Fortentwicklung des Finanzplatzes Frankfurt für die Berliner Regierung sei. Die Politik müsse noch härter dafür arbeiten, dass die gute Stellung der Metropole erhalten bleibe, sagte er. Spahn verwies auf den gescheiterten Versuch Deutschlands, die EU-Bankenaufsicht EBA von London nach Frankfurt zu holen. Stattdessen erhielt im November Paris den Zuschlag. Mit Blick auf den Brexit und eine daraus möglicherweise folgende Verlagerung des Euro-Clearing müsse Frankfurt „erfolgreicher abschließen als bei der EBA“, sagte der bis Oktober noch als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium agierende 37-Jährige.

Um den Finanzplatz Frankfurt attraktiver zu machen, müssten aber auch „einige Dinge vor Ort erledigt werden“, sagte er und erinnerte dabei an den Wohnungsbau und arbeitsrechtliche Anpassungen insbesondere für Investmentbanker. Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten sei der Bundesregierung weiter daran gelegen, dass das künftige Verhältnis zu den Briten eng bleibe. Allerdings sei noch nicht klar, für welchen Zugang zum Finanzmarkt sich die Briten entscheiden: London könne wie Singapur ein Finanzplatz werden, der mit geringer Regulierung locke, oder aber an die Regeln des EU-Raums andocken.

Geld für Glühbirne

Bei der Digitalisierung des Finanzsektors sei die Phase der Konfrontation vorbei: Fintechs hätten erzwungenermaßen auf Kooperation mit etablierten Adressen eingeschwenkt – wofür Spahn selbst einige Initiativen losgetreten hat und dazu beitrug, die Banken in den Dialog mit Fintechs zu bringen. Sein Motto: „Miteinander reden ist die halbe Miete.“ Mehrfach angesprochen auf das Thema Blockchain, ließ Spahn erkennen, dass er durch die Technik, die Transaktionen nachvollziehbar und ohne zentrale Instanz festhält, weitreichende Umwälzungen für möglich hält. „Die Blockchain kann das Geschäftsmodell von Intermediären komplett überflüssig machen.“ Dank digitalem Identitätsmanagement könne ein Investor dann auch Geld „an eine Glühbirne in Malaysia“ überweisen, sagte Spahn schmunzelnd. Handlungsbedarf sieht er bei der Ansiedelung von Blockchain-Gesellschaften in Deutschland. Zwar seien sehr viele Software-Entwickler in Berlin zu Hause, die Gesellschaften selbst dann aber (in der Regel über Stiftungskonstruktionen) in der Schweiz – dort gibt es das sogenannte „Cryptovalley“ in Zug.

Nach der Finanzplatz-Veranstaltung machte Spahn Station beim erstmals stattfindenden Portfoliotag der Deutschen Bundesbank. Die Bundesregierung steht seiner Ansicht nach beim nachhaltigen Investieren („Sustainable Finance“) noch am Anfang. „Es ist alles noch sehr zaghaft im Vergleich zu den Anforderungen und Wünschen“, sagte er. „Mit aller Kraft Richtung Green Finance ist sicherlich nicht unser Motto.“ Bei den Jamaika-Sondierungen sei Green Finance ein Thema gewesen, allerdings im Wirtschafts- und nicht im Finanzressort. „Es ging aber nur um ein allgemeines Bekenntnis dazu.“

Spahn zeigte drei Felder auf, in denen sich der Bund bereits für nachhaltige Anlagen starkmache: So soll der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, in den die Kernkraftbetreiber rund 24 Mrd. Euro eingezahlt haben, nach ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) gemanagt werden. Zweitens sei Nachhaltigkeit für die von Bund und Ländern gehaltene KfW ein Thema: „2016 flossen 44 % des KfW-Fördervolumens in Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen.“ Außerdem sei die KfW deutschlandweit größter und weltweit zweitgrößter Emittent von grünen Anleihen sowie wichtiger Investor. Drittens habe Deutschland in seiner Zeit der gerade zu Ende gegangenen G 20-Präsidentschaft dafür gekämpft, das Thema nachhaltiges Investieren verstärkt in den Blick zu nehmen.

Öffentliche Träger haben laut Spahn oft unterschiedliche Vorstellungen davon, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. „Dass in Unternehmen, die auf Kinderarbeit setzen, nicht investiert werden sollte, ist sicherlich Konsens. Schwieriger wird es bei Klimathemen wie Kernkraft oder Kohle.“ Er selbst hält Kernkraft für eine wichtige Brückentechnologie. „Sollte man die Frage, wie der Staat anlegt, tatsächlich politisieren?“ Er hält mehr von einer Regulierung des Marktes: Der Staat müsse etwa für Transparenz sorgen. „Das wäre vergleichbar mit dem Strombereich: Da kann sich auch nur Ökostrom nennen, was Ökostrom ist.“

Spahn machte außerdem deutlich, dass für ihn nachhaltiges Investieren nicht nur aus der grünen Kapitalanlage und ESG-Kriterien bestehe. Auch die Sicherheit der Anlage und die Finanzmarktstabilität zählten dazu. „So waren die eigenheimfördernden Maßnahmen der Regierung George W. Bush als soziale Maßnahme gedacht, haben aber letztlich mit zur Finanzkrise beigetragen.“ Auch die Rendite sei ein wichtiger Aspekt. Spahn plädiert schon länger für einen höheren Aktienanteil bei vom Bund verantworteten Mitteln wie dem Pflegevorsorgefonds.

Quelle: Börsen-Zeitung, Ausgabe 235 vom 07.12.2017.

CFS-Diskussionsabend zur Entwicklung des deutschen Kapitalmarkts

Das Center for Financial Studies (CFS) feiert den 80. Geburtstag von Dr. Rolf-E. Breuer mit einem Diskussionsabend zu den Zukunftsperspektiven des Kapitalmarkts in Deutschland. Am Donnerstag, dem 30.November, würdigte das Institut den Geburtstag seines Vorstandsvorsitzenden und ehemaligen Vorstandssprecher und Aufsichtsratsvorsitzendem der Deutschen Bank nicht in der üblichen Form mit einer ausführlichen Laudatio, sondern auf Wunsch Breuers mit einem Diskussionsabend. Die Professoren Jan Pieter Krahnen, Direktor des CFS, Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, und Otmar Issing, Präsident des CFS, dankten in ihren Eröffnungsworten für Breuers langjährige und tatkräftige Unterstützung des Instituts, die maßgeblich zu der erfolgreichen Entwicklung des CFS und der Goethe-Universität Frankfurt beigetragen habe.

Im Mittelpunkt der Feier stand aber die Entwicklung des Kapitalmarktes in Deutschland und Frankfurt. Prof. Bernd Rudolph, ehemaliger CFS-Direktor, beleuchtete in einem Themenvortrag die Entwicklung der deutschen Börsenlandschlaft aus wissenschaftlicher Perspektive.

Ein anschließendes Podiumsgespräch mit dem Titel „Reflektion zur Kapitalmarktentwicklung in Deutschland“ schlug die Brücke von der Wissenschaft zur Praxis. Unter der Moderation von Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, diskutierten Dr. Lutz Raettig, Aufsichtsratsvorsitzender der Morgan Stanley Bank, Jürgen Fitschen, ehemaliger Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, Roland Koch, Aufsichtsratsvorsitzender der UBS Deutschland, und Friedrich von Metzler vom Bankhaus Metzler, die Entwicklung des Kapitalmarktes aus der Sicht der Praxis und der Politik.

Im Fokus der Diskussion, die sich Breuer anstelle vieler Gratulations- und Dankesworte gewünscht hatte, stand unter anderem die deutsche Aktienkultur. Mit Blick auf die Zukunft des Kapitalmarkts in Deutschland stellte die Gesprächsrunde fest, dass bestehende Hindernisse für Bürgerinnen und Bürger am Kapitalmarkt einzusteigen, weiter abgebaut werden müssten.

In seiner anschließenden Ansprache dankte Rolf-E. Breuer den Teilnehmern des Podiumsgesprächs. Das Gespräch sei genau so lebhaft verlaufen und von bleibendem Wert gewesen, wie er es sich gewünscht habe.

Im Namen des CFS überreichte der Otmar Issing dem Jubilar eine Urkunde für dessen besondere Verdienste am CFS.

Seinen Geburtstag, der bereits am 3.November war, hatte Breuer im privaten Rahmen gefeiert.

Breuers Karriere begann mit einer Lehre bei der Deutschen Bank, der ein Studium der Rechtswissenschaften folgte. 1966 arbeitete er für die Deutsche Bank in Karlsruhe; später in der Börsenabteilung in Frankfurt am Main, dessen Leitung er 1974 übernahm. Knapp 10 Jahre später wurde Breuer in den Vorstand gewählt und übernahm von 1997 bis 2002 das Amt des Vorstandssprechers. Von 2002 bis 2006 war Rolf Breuer Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank.

Das Center for Financial Studies ist ein an die Goethe-Universität Frankfurt angegliedertes Forschungsinstitut, das von der Gesellschaft für Kapitalmarktforschung e.V. getragen wird.

Europäischer Rat beschließt EBA-Verlagerung nach Paris

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) zieht von London nach Paris. Das hat der Europäische Rat für allgemeine Angelegenheiten in einer geheimen Abstimmung am 20. November entschieden. Die Bundesregierung hatte sich ebenfalls um die Ansiedlung der EBA in Frankfurt am Main beworben. Die Verlagerung der EBA aus London heraus in ein anderes EU-Land ist Folge der Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen.

„Wir gratulieren Paris zur Ansiedlung der EBA, hätten uns allerdings einen anderen Ausgang der Entscheidung gewünscht, weil wir der Auffassung sind, Frankfurt erfüllt in der Summe die Kriterien der Vergabe am besten“, sagt Dr. Lutz Raettig, Präsident der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „Die Vergabe nach Paris bedeutet eine stärkere Dezentralisierung der Finanzmarktregulierung und ist aus unserer Sicht vor allem eine politische Entscheidung zugunsten des Prinzips einer EU-weiten Verteilung von Institutionen. Für die künftige Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt bleiben wir optimistisch.“

Neben der Mainmetropole und Paris hatten sich sechs weitere Städte um den Sitz der Institution beworben. Zu den Entscheidungskriterien des Europäischen Rates gehörten die reibungslose Fortführung des Betriebs, die rechtzeitige Bereitstellung des Gebäudes, die Verkehrsinfrastruktur und internationale Erreichbarkeit, die Verfügbarkeit von Wohnimmobilien, sowie das Job-, Schul- und Gesundheitsangebot für die Familien der Beschäftigten.

Green Finance Cluster Frankfurt nimmt Arbeit auf

Der Übergang zu einer klimaschonenden und nachhaltigen Ökonomie findet auch in der Finanzbranche statt. Um Initiativen zu bündeln und Grundlagenarbeit zu leisten, hat in Frankfurt das Green Finance Cluster seine Arbeit aufgenommen, wie das Hessische Witschaftsministerium im November mitteilte. „Eine nachhaltige Ausrichtung des Finanzsystems ist unverzichtbar; gleichzeitig bedürfen die Energiewende und der Transformationsprozess unserer Wirtschaft passender Unterstützung durch die Finanzindustrie“, sagte der Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir auf dem Green Finance Forum vergangenen Monat in Frankfurt. „Es ist wichtig, dass Frankfurt dabei eine international wahrnehmbare Stimme artikuliert, denn derzeit dominieren Städte wie Paris und London die Diskussion.“

Gründungsmitglieder und Förderer
Das auf Initiative des Wirtschaftsministeriums entstandene Cluster ist ein Projekt des Integrierten Klimaschutzplans Hessen 2025. Gründungsmitglieder sind das Wirtschaftsministerium, die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank), die KfW Bankengruppe, das Center for Financial Studies mit Sitz an der Frankfurter Goethe-Universität, die Frankfurt School of Finance and Management, der Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten (VfU) und das Gründerzentrum TechQuartier. Im Rahmen eines Sponsorings werden die Deutsche Bank AG, die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen Girozentral, die Deutsche Börse AG, die KfW Bankengruppe, die Commerzbank AG, die Dekabank Deutsche Girozentrale, die DZ BANK AG sowie die Metzler Asset Management GmbH finanzielle Unterstützer sein. Sitz des Clusters ist die Frankfurt School of Finance and Management.

Erste Projekte des Clusters
Angesichts vieler internationaler Absichtserklärungen und Empfehlungen sei nun konkretes Handeln zur Umsetzung erforderlich, sagte Al-Wazir: „Dafür brauchen wir Strukturen, die ein echtes Zusammenwirken der Finanzwirtschaft untereinander, aber auch mit Politik und Wissenschaft ermöglichen.“

Erste Projekte gelten unter anderem der Suche nach Methoden, um den Zusammenhang von Finanzierungen und Klimazielen und die damit verbundenen Risiken besser zu verstehen. „Mir scheint es besonders wichtig, dass das Green Finance Cluster Frankfurt den Auftrag angenommen hat, substanzielle Arbeit zu leisten, und dabei Methoden und Instrumente für die praktische Anwendung entwickeln wird“, sagte der Minister.

 

 

Brexit

Deutsche Wirtschaftsverbände veröffentlichen Brexit-Kompendium

Um die Anliegen der deutschen Wirtschaft für die Brexit-Verhandlungen zu bündeln, haben namhafte deutsche Wirtschaftsverbände heute branchen-übergreifend ein digitales „Brexit-Kompendium“ veröffentlicht. Auf der zugehörigen Webseite www.brexit-kompendium.de können die Positionspapiere der teilnehmenden Wirtschaftsverbände zum Brexit nach relevanten Themen-bereichen sortiert eingesehen werden.

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wird zu weitreichenden Folgen für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft führen. Die konkreten Auswirkungen hängen vom Ausgang der Verhandlungen ab.

Ziel des Brexit-Kompendiums ist es, die aus Sicht der Wirtschaft relevanten Themenbereiche in einem Nachschlagewerk zusammenzufassen. Hierfür werden die Positionspapiere der teilnehmenden Wirtschaftsverbände an einem Ort zusammengeführt. Den Verhandlungsführern und der interessierten Öffentlichkeit steht damit ein einfacher Zugang zu Problemanalysen und Lösungs-vorschlägen zur Verfügung.

Die Verbände bringen jeweils ihre fachspezifischen Themen und ihre Expertise in das Projekt ein. Sie bleiben dabei inhaltlich unabhängig und sind für ihre je-weiligen Themenbereiche und Veröffentlichungen selbst verantwortlich.

Die Webseite des Brexit-Kompendiums finden Sie hier.

Bundesfinanzminister Altmaier und Ministerpräsident Bouffier zum EBA-Standort

Die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung sind davon überzeugt, dass der Finanzplatz Frankfurt dank seiner herausragenden Qualitäten gestärkt aus dem Brexit hervorgehen wird. Sie werben zugleich dafür, dass Frankfurt nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union Sitz der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) wird. Gemeinsam mit Bundesfinanzminister Peter Altmaier und dem Sonderbeauftragten für die EBA-Bewerbung, dem früheren Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, trat der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Dienstag in Brüssel nachdrücklich für die deutsche Bewerbung um die Europäische Bankenaufsicht ein.

„Frankfurt ist der wichtigste Finanzplatz auf dem Kontinent. Und dort, wo das Geld bewegt wird, gehört auch die Aufsicht hin“, sagte der hessische Regierungschef bei der Veranstaltung in der Vertretung des Landes Hessen. „Ich bedaure den Brexit ausdrücklich und bin überzeugt, dass er weder für Großbritannien noch für Europa positiv zu bewerten ist. Wir sind aber entschlossen, die sich daraus ergebenen Chancen für unser Land zu nutzen.“

Neue Struktur des europäische Finanzmarktes

Die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung sind davon überzeugt, dass der Finanzplatz Frankfurt dank seiner herausragenden Qualitäten gestärkt aus dem Brexit hervorgehen wird. Sie werben zugleich dafür, dass Frankfurt nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union Sitz der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) wird. Gemeinsam mit Bundesfinanzminister Peter Altmaier und dem Sonderbeauftragten für die EBA-Bewerbung, dem früheren Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, trat der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Dienstag in Brüssel nachdrücklich für die deutsche Bewerbung um die Europäische Bankenaufsicht ein.

„Frankfurt ist der wichtigste Finanzplatz auf dem Kontinent. Und dort, wo das Geld bewegt wird, gehört auch die Aufsicht hin“, sagte der hessische Regierungschef bei der Veranstaltung in der Vertretung des Landes Hessen. „Ich bedaure den Brexit ausdrücklich und bin überzeugt, dass er weder für Großbritannien noch für Europa positiv zu bewerten ist. Wir sind aber entschlossen, die sich daraus ergebenen Chancen für unser Land zu nutzen.“

Der europäische Finanzmarkt werde durch den Brexit eine neue Struktur erhalten, erläuterte Peter Altmaier, Bundesfinanzminister und Chef des Bundeskanzleramts. London werde in jedem Fall ein internationaler Finanzplatz von großer Bedeutung bleiben, andere Standorte in Europa aber aufgewertet werden. Zum Beispiel benötigten Banken, die ihre Produkte in der Europäischen Union anbieten wollen, auch eine Niederlassung in der EU und seien deshalb auf Standortsuche. Die deutsche EBA-Bewerbung Frankfurt sende ein deutliches Signal an die anderen EU-Mitgliedstaaten für eine Entscheidung, die in die Zukunft gerichtet sei und für Stabilität stehe.

„Frankfurt bietet in der Mitte Europas eine hervorragende Infrastruktur, ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure der Finanzwirtschaft und ein international geprägtes Umfeld“, betonte Bouffier. Dazu gehörten internationale Schulen, 34 Hochschulen im Umkreis einer Autostunde und 100.000 Menschen, die in der Finanzwirtschaft arbeiten und ein hohes Potenzial an Fachwissen mitbringen. „Das sind beste Voraussetzungen, damit eine internationale Behörde wie die EBA gut und schnell und reibungslos umziehen und sofort effizient arbeiten kann. Alle sachlichen und fachlichen Argumente sprechen klar für Frankfurt“, sagte der Ministerpräsident.

„Für Stabilität und Verlässlichkeit sorgen“

„Die Finanzmärkte reagieren traditionell sehr empfindlich auf Veränderungen. Der Brexit ist eine Veränderung von gewaltiger Dimension. Umso wichtiger ist es, dass mit einer Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt in diesem für Europa wichtigen Wirtschaftszweig für Stabilität und Verlässlichkeit gesorgt wird“, sagte der frühere Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, der die deutsche EBA-Bewerbung als Sonderbeauftragter unterstützt. „Frankfurt ist objektiv der geeignetste Ort für die Europäische Bankenaufsicht, weil mit der Europäischen Zentralbank und der Versicherungsaufsicht EIOPA räumlich und persönlich eine notwendige enge Zusammenarbeit ermöglicht wird.“

„Frankfurt ist aus unserer Sicht der logische Standort der Europäischen Bankenaufsicht“, betonte auch die hessische Europaministerin Lucia Puttrich. Diese Einschätzung höre sie auch in vielen Gesprächen mit Vertretern aus den anderen EU-Mitgliedstaaten. Gleichwohl sei die Bewerbung Frankfurts kein Selbstläufer, denn neben rein fachlichen Kriterien könnten auch politische Überlegungen bei der Entscheidung, die am 20. November fallen soll, eine Rolle spielen.

Chance zu mehr Effizienz und Schlagkraft

Die Ansiedlung der EBA in Frankfurt biete aber neben vielen anderen Vorteilen auch die Chance zu mehr Effizienz und Schlagkraft, weil mit der Europäischen Zentralbank, dem EU-einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus SSM und der Versicherungsaufsicht EIOPA weitere europäische Finanzinstitutionen vor Ort seien, mit denen es Überschneidungen gebe. Ferner haben die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin ihren Sitz in Frankfurt.

„Die Landesregierung und alle relevanten Partner in Frankfurt und der Region Rhein-Main arbeiten beim Thema Brexit zielgerichtet und konstruktiv zusammen“, betonte Puttrich außerdem. Frankfurt werde durch den Brexit in jedem Fall profitieren. Etliche Banken und andere Institute der Finanzwirtschaft hätten bereits angekündigt, ihren Standort dorthin zu verlegen oder den vorhandenen Standort auszubauen. Weitere werden mit Sicherheit folgen. „Deshalb gehen wir selbstbewusst und positiv an die Aufgaben heran, die uns erwarten.“

Hintergrund

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) muss aufgrund des Brexits aus London an einen anderen Standort in der Europäischen Union umziehen. Neben der deutschen Bewerbung für Frankfurt gibt es sieben weitere Bewerbungen anderer EU-Mitgliedstaaten. Die Bewerbungsunterlagen von Frankfurt sind im Internet unter www.ready-to-host-eba.de einzusehen. Die Entscheidung über den künftigen EBA-Standort soll am 20. November fallen.

Frankfurter Büroimmobilienmarkt erreicht durch Brexit-Pläne der Banken neue Rekorde

Nachfrage und Spitzenmieten bei Büroimmobilien in Frankfurt erreichen neue Rekordhöhen. Das zeigen Analysen der führenden Immobilienunternehmen und -investoren. Gleichzeitig ist der Leerstand so gering wie seit Jahren nicht mehr. Fast 16 Monate nach dem Brexit-Referendum spiegelt die Entwicklung des Frankfurter Büromarktes klar die Beliebtheit des Finanzplatzes unter Banken, die Großbritannien verlassen oder zumindest wichtige Teile der Geschäftstätigkeit an den Main verlagern. In den nächsten vier Jahren erwartet Frankfurt Main Finance die Verlagerung von 10.000 Arbeitsplätzen von London nach Frankfurt. Zahlreiche Bauprojekte werden die damit einhergehende Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen decken.

Die steigende Nachfrage stärkt das Investorenvertrauen: Analysten berichten von einem bemerkenswerten Anstieg des Transaktionsvolumens im Vergleich zu 2016. Unternehmen sind außerdem auf der Suche nach größeren zusammenhängenden Büroflächen von mehr als 10.000 qm2, um die Geschäfts- und Personalverlagerung stemmen zu können. Trotz zunehmender Nachfrage und steigender Höchstmieten bleibt der Finanzplatz Frankfurt im Vergleich zu anderen europäischen Finanzzentren preisgünstig.

Diese Entwicklungen diskutieren die Niederlassungsleiter des Frankfurt Main Finance-Mitgliedes BNP Paribas Real Estate José Martinez und Oliver Barth. Zusätzliche Einschätzungen geben Immobilienexperten von KGAL, Savills Investment Management und Jones Lang LaSalle (JLL).

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF herunterladen

José Martinez und Oliver Barth, beide Geschäftsführer und Frankfurter Niederlassungsleiter der BNP Paribas Real Estate

Der Frankfurter Büromarkt gibt weiter Gas. Mit 477.000 m² wurde das beste Ergebnis der letzten 15 Jahre aufgestellt. Mit dem herausragenden Resultat belegt die Mainmetropole hinter Berlin und München den dritten Platz. Bemerkenswert ist, dass sich die Nachfrage relativ gleichmäßig über alle Größenklassen und Marktsegmente verteilt, dies unterstreicht die breite Nachfragebasis. Besonders erfreulich: Endlich sind auch wieder mehrere Großdeals mit mehr als 10.000 m² am Flächenumsatz beteiligt. In den vergangenen Jahren mangelte es an großen Abschlüssen, aktuell liegt ihr Anteil bei 20 %. Einen der größten Verträge schloss die Helaba in Kaiserlei mit rund 27.500 m² ab.

Die Angebotssituation spiegelt die gute Nachfrage der letzten zwei Jahre wider: Aktuell stehen 1,51 Mio. m² Bürofläche leer, das sind 10 % weniger als im dritten Quartal 2016. Aber: Nur etwa die Hälfte davon, also 749.000 m², verfügen über die von den Nutzern präferierte hochwertige, moderne Ausstattung. Im gesamten Marktgebiet hat die Leerstandsquote mit 9,8 % die 10-%-Schwelle mittlerweile nach unten durchbrochen. Wie groß der Einfluss des Brexit auf die weitere Entwicklung des Frankfurter Gewerbeimmobilienmarkts sein wird, ist noch nicht abzusehen. Fakt ist: Der Brexit ist auf dem Frankfurter Markt spürbar, dominiert ihn aber nicht. BNP Paribas Real Estate ist in ersten, guten und vielversprechenden Gesprächen mit potenziellen Zuzüglern. Dass sich etwas tut, zeigen auch die Deals von Morgan Stanley oder Goldman Sachs, die sich bereits größere Büroflächen in Frankfurt gesichert haben. Sollten auf einmal alle aktuellen Gesuche im Markt und die Unterschriften von Brexit-Banken zeitlich aufeinander fallen, könnte es theoretisch einen Flächenengpass in der Frankfurter Innenstadt geben, wo derzeit nur knapp 120.000 m² moderne Büroflächen zu haben sind; im Bankenviertel stehen sogar nur gut 66.000 m² leer. Für die prognostizierten 10.000 Arbeitnehmer, die zusätzlich nach Frankfurt kommen würden, werden geschätzte 150.000 m² benötigt. Betrachtet man sich die insgesamt leerstehenden Büroflächen, hätte Frankfurt im Fall der Fälle jedoch kein Problem, geeignete Büroflächen zu finden – nur eben nicht alle in zentraler Citylage. Entspannung bringen einige attraktive Projektentwicklungen, die gegenwärtig im Bau sind, etwa im Bankenviertel die Projekte WINX, Omniturm und Marienturm, die rechtzeitig 2018/2019 fertiggestellt werden und in denen es noch freie Flächen gibt.

Aus heutiger Sicht spricht alles dafür, dass die lebhafte Nachfrage sich bis zum Jahreswechsel fortsetzen wird, sodass im Gesamtjahr ein Flächenumsatz zwischen 750.000 und 800.000 m² und damit eines der besten Ergebnisse aller Zeiten möglich erscheint. Wir gehen gleichzeitig von weiter rückläufigen Leerständen aus, deshalb werden die Mieten wahrscheinlich weiter steigen.

Gert Waltenbauer, CEO der KGAL GmbH & Co. KG

„Frankfurt kann seine Rolle als führender Finanzplatz durch den Brexit stärken und seine Attraktivität weiter ausbauen, wie die Entscheidungen einiger Londoner Banken für diesen Standort als EU-Zentrale zeigen. Der verkehrsgünstig und innenstadtnah gelegene Flughafen ist ein echtes Frankfurter Asset, dessen Bedeutung mit Wachstum von Handel und europäischer Integration weiter zunehmen wird. Vor allem Büroimmobilien in Frankfurt erleben dadurch eine deutliche Wertsteigerung. Wir registrieren aber auch, dass die Wohnqualität in Frankfurt in den letzten Jahren zugenommen hat mit wiederum positiven Effekten auf die Werthaltigkeit von Wohnimmobilien.“

Andreas Trumpp, Savills Investment Management

„Aus unserer Sicht bietet Frankfurt ein großes Spektrum erschwinglicher Büroflächen sowohl in zentralen Innenstadtlagen als auch in B-Lagen und könnte ohne weiteres 10.000 Büroangestellte beherbergen. Lediglich durch den Mangel an verfügbarem Wohnraum könnte der Zustrom limitiert werden. Der Einzelhandel- und Gastronomiesektor würde in jedem Fall von dem Zuzug von gut verdienenden Bankangestellten profitieren. Als eines der wichtigsten Finanzzentren weltweit punktet Frankfurt nicht zuletzt mit seiner hervorragenden Erreichbarkeit, sprich dem stadtnahen und optimal an das Verkehrsnetz angebundenen Flughafen sowie den kurzen Wegen innerhalb der Stadt und der gesamten Region. Die ansässigen Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen wirken anziehend für hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt und fördern damit die Vielfalt vor Ort.“

Markus Kullman, Associate Director Office Leasing Frankfurt am Main, JLL

„Der Brexit ist in Frankfurt angekommen. Erste Abschlüsse konnten in den vergangenen Wochen registriert werden.

JLL steht im konstanten Austausch mit sehr vielen Unternehmen, die aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU mit Auswirkungen auf einige ihrer Geschäftsfelder rechnen. Auch mit dem Finanzsektor verbundene Dienstleister sondieren den Markt nach adäquaten Flächen. Den meisten Interessenten ist der Frankfurter Büroimmobilienmarkt aber keine unbekannte Größe – sie sind mindestens mit einer kleinen Repräsentanz in der Mainmetropole vertreten.

Neben einer verfügbaren Auswahl an potenziellen Flächenalternativen von hoher Qualität wird von ihnen vor allem die gute Infrastruktur, wie beispielsweise der Flughafen, sehr geschätzt.

Bereits letztes Jahr war erkennbar –  und das hat sich in unseren laufenden Gesprächen bestätigt: es geht nicht um Komplettverlagerungen einer Vielzahl von Arbeitsplätzen aus London nach Frankfurt, sondern es werden schrittweise notwendige Kapazitäten aufgebaut. Und das in den wichtigsten Metropolen Europas. Neben Frankfurt spielen Paris, Amsterdam, Dublin und auch Luxemburg eine Rolle. In der Bankenstadt Frankfurt rechnen wir mit rund 100.000 m² Bürofläche, die im Zuge des Bexits über den marktüblichen Bedarf hinaus absorbiert werden.

Zwar verzeichnen wir in manchen Stadtteilen Frankfurts mittlerweile eine gewisse Flächenknappheit. Zum Beispiel können wir in der Bankenlage aktuell nur eine geringe Auswahl Bestandsliegenschaften anbieten. Das gilt besonders für hochwertige, zusammenhängende Flächen mit mehr als 5.000 m². Aufgrund der Vielzahl von Neubauprojekten, wie z.B.  OmniTurm, MarienTurm oder das Four-Projekt auf dem ehemaligen Deutsche Bank Areal, die in den Jahren 2019-2022 mehr als 250.000 m² neue Bürofläche auf Markt bringen werden, gehen wir aber nicht davon aus, dass die aktuell gestiegene Nachfrage mittelfristig zu einer massiven Preissteigerung am Frankfurter Markt führen wird. Derzeit liegt die Spitzenmiete bei 37,50 Euro/m²/Monat, die höchste unter den Big 7 und bei einer Leerstandsquote von 8,2%, ebenfalls der höchsten unter den deutschen Immobilienhochburgen. Allerdings: in den Lagen, auf denen der Fokus der nachfragenden Unternehmen liegt, sind es deutlich weniger; abhängig von Teilmarkt und Qualität können es aktuell nur 4-6% sein.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer, Frankfurt Main Finance e.V.

„Das Angebot an Gewerbeimmobilien ist die geringste Sorge in Frankfurt. Es entstehen 250.000 Quadratmeter an neuer Bürofläche in mehreren neuen Hochhäuser im Verlauf von 5 Jahren. Aktuell in Frankfurt sind 19 Hochhäuser im Bau und 26 stehen in der Planung. Handlungsbedarf bestand schon zuvor und besteht nun noch mehr bei Wohnimmobilien. Im Bereich Microapartements für Pendler und dem Segment Hochhauswohnen sieht es dabei besser aus als bei erschwinglichem Wohnraum für die Breite der Interessierten. Da das Problem erkannt ist und man einen Vorlauf hat, sollte aber auch das mit vereinten Kräften machbar sein.“

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität. Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF herunterladen.

Deutsches Aktieninstitut veröffentlicht zweites Positionspapier zum Brexit und fordert: Übergangsregelungen jetzt!

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat sein zweites Positionspapier zum Brexit vorgestellt. Darin fordert es angesichts der fortgeschrittenen Verhandlungszeit von den Verhandlungsführern, Übergangsregelungen zu treffen, die verhindern, dass es beim Brexit zu einem Cliff Edge Szenario kommt. Unter dem Titel „Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich: Brexit-Risiken minimieren und den europäischen Kapitalmarkt stärken“ sollen die Ausführungen zu finanz- und kapitalmarktrechtlichen Fragestellungen und konkrete Beispiele aus der unternehmerischen Praxis, u.a. Clearing, Rating und Benchmarks die Politik bei den anstehenden Verhandlungen fachlich unterstützen.

„Die deutsche Wirtschaft ist äußerst beunruhigt, dass es zum offiziellen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union Ende März 2019 kein Handelsabkommen gibt, das die gemeinsamen Wirtschaftsbeziehungen auf eine neue Grundlage stellt. Allein die Unsicherheit darüber, wie es weitergehen soll, ist Gift für die Wirtschaft“, betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Da der Abschluss eines Handelsabkommens in der verbleibenden Zeit realistischer Weise nicht mehr zu schaffen ist, brauchen wir jetzt Übergangsregelungen“, fordert Bortenlänger.

Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, sagt: „Das Deutsche Aktieninstitut hat eine sehr hilfreiche Erläuterung der zentralen Konsequenzen des Brexit für Unternehmen vorgelegt – unter anderem für die zentrale Frage des Clearings über eine Central Counter Party (CCP). Einmal mehr wird deutlich, dass die bestehenden Drittstaatenregelungen und das Äquivalenzprinzip als Grundlage für den Fortbestand des eurodenominierten Derivate Clearings in London unzureichend sind. Frankfurt kann mit Eurex Clearing eine echte Alternative bieten.“

Die derzeit im Finanz- und Kapitalmarktrecht vorgesehenen Drittstaatenregelungen bieten, wie im Positionspapier gezeigt wird, keine ausreichende Grundlage, um die zukünftigen Beziehungen zwischen den EU27-Staaten und dem Vereinigten Königreich zu regeln. Ein neues, möglichst umfassendes Handelsabkommen wird deshalb benötigt. Damit es im Interesse der europäischen Wirtschaft zu einer entsprechenden Einigung kommen kann, bedarf es ab März 2019 einer befristeten Übergangsregelung. Diese regelt im Idealfall die Fortgeltung möglichst aller bisherigen Vorgaben – bis neue Regelungen greifen.

Nach Abschluss eines Handelsabkommens werden weitere Übergangsregelungen benötigt, so die Autoren des Positionspapiers. Diese müssen den betroffenen Akteuren ausreichend Zeit für die Anpassung an den neuen Status quo einräumen. In diesem Kontext sollte auch über einen Bestandsschutz für bestehende Geschäfte und Verträge nachgedacht werden.

Die Notwendigkeit von Übergangsregelung zeigt sich beispielsweise am Derivate-Clearing. Über 90 Prozent der Zinsderivate werden bisher in London gecleart. Da die EU nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs die Aufsicht über das Clearing nicht verlieren will, diskutieren die europäischen Institutionen, ob es zu einer Verlagerung des Clearings in die EU kommen muss.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet. Die interdisziplinär besetzte Brexit- Projektgruppe beschäftigt sich mit den wesentlichen finanz- und kapital- marktbezogenen Themen, die im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen ein besonderes Augenmerk verdienen. Das aktuelle Positionspapier ergänzt das erste Positionspapier vom Februar 2017 und deckt mit Ausführungen zu Clearing, Benchmarks und Rating weitere wichtige Themenbereiche ab.

Den Download des Brexit-Positionspapiers des Deutschen Aktieninstituts finden Sie hier.

CFS-Index: Dienstleister erwarten enormes Umsatzwachstum im vierten Quartal

Dienstleister erwarten enormes Umsatzwachstum im vierten Quartal trotz eines zuvor starken Rückgangs. Erneut stärkerer Stellenabbau bei Finanzinstituten

CFS-Index steigt um 2,5 Punkte bei starker Dynamik der Sub-Indizes

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, steigt um 2,5 Punkte auf 114,1 Punkte. Die positive Entwicklung ist primär auf die ungewöhnlich hohen Umsatzerwartungen der Dienstleister für das vierte Quartal zurückzuführen. Des Weiteren melden die Finanzinstitute eine positive Entwicklung ihrer Umsätze, Erträge und Investitionen im dritten Quartal, die Dienstleister hingegen verzeichnen hier sinkende Zuwächse. Auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen ist rückläufig. Die Finanzinstitute erhöhen nach einer kurzen Pause im zweiten Quartal nun wieder ihren Stellenabbau und die Dienstleister begrenzen ihre Neueinstellungen.

„Bei den Banken lassen sich Indizien für eine Produktivitätsverbesserung erkennen; dabei hat der Kostenabbau Vorrang, was die Dienstleister zu spüren bekommen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird noch positiver beurteilt als unmittelbar nach dem Brexit-Votum vor einem Jahr

Seit dem Brexit-Votum wird die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland sehr positiv eingeschätzt. Im vierten Quartal 2017 sinkt der entsprechende Index um 3,2 Punkte und liegt mit 135,5 Punkten nur leicht unter dem bisherigen Höchststand, der im letzten Quartal erreicht wurde.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen sehr gut, dass der angespannten Lage der heimischen Finanzindustrie eine zunehmend positive Erwartung für den Finanzplatz Frankfurt entgegensteht. In dieser Hinsicht herrscht seltene Einigkeit unter den Marktteilnehmern.“

Umsatz- und Ertragswachstum positiv bei den Finanzinstituten und rückläufig bei den Dienstleistern

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der befragten Finanzinstitute und Dienstleister entwickelt sich gegensätzlich. Die Finanzinstitute melden einen deutlichen Anstieg um 5,1 Punkte auf 111,5 Punkte und erwarten, dass diese Entwicklung im laufenden Quartal anhält. Hingegen melden die Dienstleister einen starken Wachstumsrückgang ihres Geschäftsvolumens, der aber nicht so stark ausfällt wie im letzten Quartal erwartet wurde. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 7,3 Punkte auf 117,2 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten die Dienstleister jedoch einen enormen Anstieg ihrer Umsätze.

Auch die Erträge entwickeln sich gegensätzlich. Bei den Finanzinstituten steigt der Sub-Index um 2 Punkte auf 107,4 Punkte. Die Dienstleister andererseits verzeichnen einen starken Rückgang um 12 Punkte und liegen mit 106,7 Punkten auf dem niedrigsten Niveau seit 5 Jahren, sehen jedoch das laufende Quartal deutlich optimistischer.

Investitionsvolumen der Dienstleister wieder rückläufig nach zuvor erreichtem Höchststand

Nachdem der Sub-Index Investitionen der Dienstleister im letzten Quartal den höchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007 erreicht hatte, sinkt er nun um 6,9 Punkte auf 116,7. Punkte und befindet sich somit wieder eher auf dem Niveau der Vorquartale. Im Gegensatz dazu steigt der Sub-Index der Finanzinstitute um 2,3 Punkte auf 118,9 Punkte. Beide Gruppen erwarten, ihr Niveau im laufenden Quartal zu halten.

Wieder verstärkter Stellenabbau bei den Finanzinstituten

Nach dem abgeschwächten Stellenabbau in den letzten zwei Quartalen, nimmt dieser bei den Finanzinstituten wieder zu. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter sinkt um 3,7 Punkte auf 95,3 Punkte. Auch bei den Dienstleistern hat sich der Trend, Mitarbeiter einzustellen, abgeschwächt. Der Sub-Index sinkt um 5,3 Punkte auf 113,3 Punkte. Beide Gruppen erwarten, dass sich der Abwärtstrend im vierten Quartal weiter fortsetzt.