„Zuzug nach Frankfurt – Chancen für Wirtschaftsstandort, Finanzplatz und Großstadt“

Frankfurt wird vom Umzug vieler Banker von der Themse an den Main profitieren. Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen mit Dr. Rolf E. Stokburger, der als Managing Partner Germany der international tätigen Personalberatung Boyden auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisiert ist.

 

Menschen, die in der Londoner Finanzbranche arbeiten, sind zunehmend zu einem Umzug nach Frankfurt bereit. Was sind die Gründe hierfür?

Dr. Rolf E. Stokburger: Die zunehmende Relevanz der Brexit-Entscheidung und die damit einhergehende Entscheidung einiger Banken, ihren Standort für etwaige Finanzdienstleistungen und -produkte nach Frankfurt zu verlagern, veranlasst vermehrt Londoner Banker über einen Umzug gen Frankfurt nachzudenken. Insbesondere amerikanische und japanische Banken, wie beispielsweise Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citi, Nomura, Daichi oder auch die Schweizer UBS, haben eine Standortverlagerung bereits angekündigt. Wir sehen aktuell vor allem zwei Gruppen von Bankern. Nämlich diejenigen, die eine Standortverlagerung als Karrierechance sehen und daher als „first mover“ mit dabei sein wollen. Und auf der anderen Seite haben wir eine Menge Professionals, die als Teil ihres Geschäftsbereiches nach Frankfurt wechseln sollen – und denen schlicht nichts anderes übrig bleibt als „take it or leave it“.

Worin bestehen die Chancen, wenn diese Menschen künftig in Frankfurt leben und arbeiten? Was sind die Herausforderungen?

Stokburger: Kommt die erste Welle Londoner Banker nach Frankfurt, wird der hiesige Finanzplatz weiter wachsen und die Stadt international an Bedeutung gewinnen. Der Ausbau der bestehenden Präsenzen ausländischer Banken sowie die Gründung von Banken nach deutschem Recht schafft aber auch für heimische Banker neue Stellen, insbesondere in den Bereichen Risikomanagement, Compliance und Verwaltung. Außerdem wird der Ausbau des Finanzplatzes Frankfurt sicher weitere Marktteilnehmer anziehen, wie etwa Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Anwaltssozietäten und Private Equity Fonds. Die derzeit in London ansässigen Banken werden aber sicher nicht umhinkommen, passende Incentive-Pläne für den Standort Frankfurt zu erarbeiten, um ihre Mitarbeiter und Führungskräfte für einen Wechsel und einen Verbleib an der Mainmetropole zu motivieren. Und die Stadt Frankfurt ihrerseits wird sich der Herausforderung stellen müssen, ausreichend Wohnraum sowie internationale Schulen und Kitas anbieten zu können.

Wie kann sich die Rhein-Main-Region am besten auf diesen Zuzug einstellen?

Stokburger: Die aktuell angekündigten Verlagerungen von Kapazitäten nach Frankfurt muss man in einem längeren zeitlichen Kontext sehen. Es ist anzunehmen, dass dem jetzt angekündigten Auf- und Ausbau einzelner Häuser noch einige andere folgen werden – eine große Chance für Frankfurt als Wirtschaftsstandort, Finanzplatz, aber eben auch als Großstadt. Mit Blick auf diesen bevorstehenden Zuzug sowie weiterer Ansiedlungen sollten Stadt und Region geschlossener auftreten und für Frankfurt als Top-Standort offensiv werben. Frankfurt und das Umland mit seinen zahlreichen Städten und Gemeinden haben viele Vorzüge gegenüber einer Millionenstadt wie London. Diese gilt es proaktiv zu bewerben. Ein Blick auf die zahlreichen aktuellen Bauvorhaben in der Stadt Frankfurt zeigt ja bereits, dass zumindest die Immobilienbranche klar auf Wachstum setzt. Um eine bestmögliche Integration der neuen Banker in Stadt- und Sozialleben zu gewährleisten, stehen Stadtmarketing und Entwicklungsplanung nun in der Pflicht, kulturelle Stärken und Vorzüge Frankfurts sowie die lebendige Vielfältigkeit besser zu kommunizieren, um das Image des teilweise als zu provinziell wahrgenommenen Stadtbilds aufzupolieren.

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Bildnachweis: Boyden

Frankfurt baut Position als internationaler Talent-Pool aus

Nach dem Brexit-Entscheid der Briten steht inzwischen fest, dass viele Finanzdienstleister ihren EU-Standort aus London nach Frankfurt verlegen werden. Ganz praktisch bedeutet das: Viele Menschen sehen sich in absehbarer Zeit mit einem Umzug von der Themse an den Main konfrontiert. Diese bevorstehende Veränderung beeinflusst das Stimmungsbild in der Branche.

Christopher Schmitz, Partner bei Ernst & Young (EY)

„In unseren Gesprächen mit Betroffenen nehmen wir wahr, dass ein Umzug zunächst mit Unsicherheit verbunden ist“, sagt zum Beispiel Christopher Schmitz, Partner bei der international tätigen Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) und verantwortlich für den Bereich Financial Services. „Man hat sich London ja bewusst ausgesucht und sich dort auch teilweise über viele Jahre wohl gefühlt. Nun steht der Wechsel in andere europäische Standorte an – verbunden mit einer anderen Landessprache, Kultur, Wohnsituation und vieles mehr.“

Die Multi-Kulti-Szene wächst

Während die Unterhändler der Europäischen Union (EU) und Großbritanniens im Zuge der Austrittsverhandlungen über die Rechte von Millionen EU-Bürgern in Großbritannien und Briten in der EU diskutieren, erleben Unternehmen wie EY eine stetig zunehmende Zahl von Initiativbewerbungen aus London für Frankfurt. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

„Frankfurt steht bei der Lebensqualität im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen keinesfalls schlecht da“, so Schmitz. Die Rhein-Main-Region mit ihrer zentralen Lage in Deutschland biete eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur und einen effizienten internationalen Flughafen. Die unmittelbare Umgebung überzeuge durch landschaftlich reizvolle Gegenden und die Stadt selbst mit einem umfassenden Kulturangebot. „Frankfurt ist bereits heute eine Multi-Kulti-Szene, dazu tragen auch die schnell wachsenden internationalen Communities der hier ansässigen IT- und Bankenbranchen bei“, ist Schmitz überzeugt.

„Die Sekundäreffekte des Zuzugs wie Kaufkraft, Übernachtungen und Steueraufkommen dürften in der Region zunehmen.“

Ein Blick auf das Portfolio an Bewerbern, die in Frankfurt leben und arbeiten wollen, zeigt ein überraschendes Bild. So sind es nicht unbedingt nur Bürger europäischer Staaten, die die Rhein-Main-Region als Standort wählen. Stattdessen bewerben sich auch hochqualifizierte Kandidaten anderer Nationalitäten aus London.

„Frankfurt verspricht mit der EU Blue Card Regelung, also dem EU-Arbeitsvisum, freizügiges Reisen und Arbeiten in der EU – etwas, das ein UK Arbeitsvisum nach dem Brexit möglicherweise nicht mehr bieten kann“, erklärt Schmitz die Situation. Tatsächlich ist die Anzahl an Indern mit einer Blue Card in Frankfurt der Orbis-Datenbank zufolge bereits zwischen 2013 und 2016 um 566 Prozent gestiegen, während der durchschnittliche Zuwachs deutschlandweit 80 Prozent betrug.

Frankfurt ist bevorzugtes Ziel für Inder

Generell ist die Stadt am Main besonders für indische Fachkräfte ein bevorzugtes Ziel. So verzeichnete Frankfurt ebenfalls zwischen 2013 und 2016 einen Anstieg der indischen Bevölkerung von 4.720 Menschen oder 37 Prozent. Im Vergleich dazu stieg der Zuzug anderer Nationalitäten im Allgemeinen nur um 14 Prozent.

Schmitz sieht in dieser Entwicklung die Möglichkeit, von Talent-Pools zu profitieren, zu denen bisher kein oder nur ein beschränkter Zugang bestand: „Frankfurt kann sich als Standort für internationale Talente etablieren und damit auch für weitere Arbeitgeber, etwa aus dem Tech-Bereich, interessant werden“, sagt der Experte von EY. Als größten Profiteur dieser Entwicklung sieht er die Finanzdienstleistungsbranche, betont aber auch die Sekundäreffekte des Zuzugs wie Kaufkraft, Übernachtungen und Steueraufkommen, die in der Region zunehmen dürften.

„Frankfurt verspricht mit der EU Blue Card Regelung, also dem EU-Arbeitsvisum, freizügiges Reisen und Arbeiten in der EU.“

Der Zuzug so vieler Menschen mit all den positiven Effekten stellt aber auch eine Herausforderung dar. Es gilt, an einer gelungenen Integration zu arbeiten. Dazu tragen Schmitz zufolge auf lange Sicht deutsche Sprachkenntnisse bei, aber auch Plätze an internationalen Schulen für Kinder internationaler Mitarbeiter sowie ausreichend Wohnraum. „Zudem könnten Politik und Wirtschaft zum Beispiel ein Welcome-Package mit Informationen zur Region oder einer vergünstigten Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in den ersten Monaten zur Verfügung stellen. Ebenso hilfreich könnte eine mehrsprachige Betreuung neu zugezogener Menschen sowie eine administrative Unterstützung bei der Beantragung etwa der Blue Card sein“, sagt Schmitz.

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Bildnachweise: Ernst & Young, AnastasiiaUsoltceva / fotolia.de / Back Lit Business People Traveling

Kommt die EBA nach Frankfurt?

Im Zuge des Brexit muss die Europäische Bankenaufsicht umziehen.

Lange wurde über den Brexit gesprochen – jetzt folgen Fakten. Immer mehr Banken entscheiden sich, Aktivitäten von London nach Frankfurt zu verlagern. Deutsche Bank und Citigroup sind zwei prominente Beispiele. Aber auch bei den großen Institutionen wie der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) steht die Wahl eines neuen Standorts unmittelbar bevor. Schließlich muss sie ihren Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben.

Der Bewerbungsprozess um die EBA hat längst begonnen und seit Ende Juli stehen auch fest, wer seinen Hut in den Ring geworfen hat: Acht Städte, Frankfurt und Paris, sowie Brüssel, Dublin, Prag, Luxemburg, Wien und Warschau, wollen die neue Heimat der Behörde werden. Denn eine solch bedeutende Institution hat für einen Standort eine enorme Strahlkraft.

Acht Kandidaten im Rennen

Entsprechend engagiert präsentieren sich die acht Kandidaten: mit vielen Fakten rund um den Standort wie Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Arbeitsbedingung und Schulen. Zum Teil aber auch mit konkreten Versprechungen. So bieten Luxemburg und Wien etwa mietfreie Büroflächen.

Frankfurt will mit harten Fakten überzeugen und nicht nur Ministerpräsident Volker Bouffier ist sicher: „Trotz vielzähliger Konkurrenz haben wir gute Karten.“ Warum das so ist, hat die Landesregierung in einem umfangreichen Dossier zusammengestellt. Hier werden alle Aspekte beleuchtet, die bei einer Standortauswahl von Bedeutung sind. Weil sich viele der atmosphärischen Besonderheiten rund um die Main-Metropole auf Papier aber schlecht transportieren lassen, präsentiert sich Frankfurt mit einem Film, der zeigt, was es heißt, ein Frankfurter zu sein.

Frankfurt kann in jeder Hinsicht punkten

Entscheidend ist die Kombination der vielen unterschiedlichen Elemente, da ist sich auch Ministerpräsident Bouffier sicher. Schließlich könne Frankfurt mit sehr guter Infrastruktur und vielen internationalen Banken und Versicherungen aufwarten und sei deshalb das bedeutendste Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Die bestehende Aufsichtstruktur aus der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht EIOPA sowie der Deutschen Bundesbank, der BaFin, dem Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und dem europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) runde das einzigartige Netzwerk der relevanten Akteure an einem Ort ab.

Dass die Ansiedelung der EBA ein logischer nächster Schritt wäre und Synergien schaffen würde, steht für Bouffier außer Frage. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betont zudem, dass es bei all den Unsicherheiten und Risiken, mit denen die Europäische Union im Zuge des Brexits konfrontiert wird, jetzt wichtig sei, rechtzeitig für Planungssicherzeit zu sorgen: „Dies gilt auch im Hinblick auf die Frage des künftigen Sitzes der EBA. Es ist meine feste Überzeugung, dass Frankfurt am Main aus vielen Gründen die beste Lösung hierfür wäre.“

Attraktives Angebot für Unternehmen und Institutionen

Die Bewerbung Frankfurts wurde von zahlreichen Experten intensiv vorbereitet. Einer von ihnen ist Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI). Er kennt Frankfurt und die Region wie kaum ein zweiter und weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen und politischen Entscheidern in London, was die brennenden Fragen sind, die bei einer Standortverlagerung aufkommen.

Nicht laut trommeln, sondern mit substanziellen Fakten überzeugen, das ist nach seiner Erfahrung der beste Weg, um den Entscheidungsprozess zu unterstützen. „Viele Unternehmen suchen nach der Brexit-Entscheidung einen sicheren Hafen in der EU. Ihnen wollen wir ein attraktives Angebot machen. Wir bieten ihnen ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure“, so Waldschmidt.

Gemeinsam mit vielen weiteren Vertretern aus Stadt und Land wirbt er für Hessen als einem ausgezeichneten Standort in der EU – nicht zuletzt für eine der zentralen Behörden wie die EBA.
Seit 1. August sind alle Bewerbungen für die künftigen Standorte der EBA auf der Website des Europäischen Rats veröffentlicht. Die Bewerbung der Bundesregierung für die Bundesrepublik Deutschland und den Standort Frankfurt am Main kann auf der Website des Bundesfinanzministeriums eingesehen werden.

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Happy Birthday Deutsche Bundesbank!

Die Zentralbank Deutschlands mit Hauptsitz in der Bankenstadt Frankfurt am Main feiert ihr 60-jähriges Jubiläum.

Fast 13 Milliarden Deutsche Mark (DM) sind immer noch in Umlauf – zum Beispiel, weil viele Deutschen die Münzen oder Geldscheine der alten Währung als Erinnerung aufbewahren. Umtauschen lässt sich das Geld auch weiterhin in den Filialen der Deutschen Bundesbank, die über Jahrzehnte hinweg als Währungshüter über die Stabilität der DM wachte.

Mit der Einführung des Euro hat diese Aufgabe zwar die Europäische Zentralbank (EZB) übernommen. Doch die Deutsche Bundesbank mit ihren knapp 10.000 Mitarbeitern versorgt nach wie vor Banken mit frischem Bargeld, sortiert Falschgeld aus, wickelt Zahlungsverkehr im In- und Ausland ab und beaufsichtigt einen Großteil der Banken in Deutschland. Zudem verwaltet sie die Goldreserven des Landes.

In diesem Jahr feiert die Deutsche Bundesbank ihr 60-jähriges Bestehen und hat anlässlich dieses Jubiläums alles Wissenswerte rund um ihre Gründung und Entwicklung in kurzen, informativen Filmen festgehalten. Auf der Webseite der Deutschen Bundesbank können Interessierte zudem wichtige Zahlen, Daten und Fakten sowie historisches Bildmaterial finden.

Bildnachweis: Deutsche Bundesbank

Frankfurt Main Finance begrüßt Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um Sitz der EBA in Frankfurt

Das Bundesfinanzministerium bewirbt sich um die Ansiedlung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) am Finanzzentrum Frankfurt. Nach der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die Europäische Union zu verlassen, braucht die EBA, die bislang ihren Sitz in London hat, einen neuen Standort innerhalb der EU. Bis zum 31. Juli mussten Bewerbungen vorgelegt werden. Eine Entscheidung über den künftigen Sitz der Behörde wird voraussichtlich im November 2017 fallen.

Frankfurt Main Finance begrüßt die Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt. „Schon heute ist Frankfurt das Zuhause von drei der fünf Säulen der Europäischen Finanzaufsicht. Die EBA nach Frankfurt zu holen, wäre der nächste logische Schritt und wurde schon vor vielen Jahren von den europäischen Abgeordneten unterstützt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Etliche Banken haben bereits angekündigt als Reaktion auf den Brexit Geschäft in Frankfurt anzusiedeln oder Geschäftsbereiche auszuweiten: die Silicon Valley Bank, Standard Chartered, Daiwa, Nomura, Sumitomo Mitsui Financial Group, Mizuho Bank, Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Deutsche Bank. „Die Banken haben mit den Füßen für Frankfurt votiert, nun ist es an Europa, sich für die Finanzmarktstabilität und für Frankfurt zu entscheiden“, sagt Väth. Frankfurt Main Finance erwartet, dass sich 2017 mindestens 12, möglicherweise sogar 20 Banken für Frankfurt entscheiden werden.

Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität.

Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Frankfurt wird Ziel internationaler Bewerber – Personalberater sehen deutlichen Anstieg des Interesses

Der Brexit nimmt Fahrt auf. Zeitgleich mit den ersten offiziellen Ankündigungen von Finanzinstituten, Geschäftseinheiten von der Themse an den Main zu verlegen, kommt Bewegung in den Arbeitsmarkt. „Wir erleben gerade einen nie gesehenen Ansturm von Initiativbewerbungen aus London für Frankfurt“, sagt Christopher Schmitz, Partner, EMEIA Financial Services von EY. „Das gilt sowohl für Bewerbungen von Consultants aus dem eigenen Haus aber, auch von außen und verstärkt von Personen mit indischen Wurzeln. Das Interesse an Frankfurt ist groß.“

Ähnliches beobachtet Dr. Rolf E. Stokburger, Managing Partner Germany der international tätigen Personalberatung Boyden mit Spezialisierung auf Führungskräfte: „Unter den vermehrt proaktiven Bewerbern sind es gerade Senior Banker, die die Erfolgsgeschichte in Frankfurt von Anfang mitgestalten und dazu die Chancen des frühen Einstiegs nutzen wollen.“

Thomas Deininger, Geschäftsführer von Deininger Consulting, der ebenfalls global tätigen Beratungsgesellschaft mit Hauptsitz in Frankfurt und Büros u.a. in London, Dehli, Mumbai und Pune sagt: „In London agieren die Banken zunehmend zögerlich. Unsere Aufträge dort gehen dramatisch zurück. Die Rekrutierungen dort sind um 30 bis 50 Prozent rückläufig. Umgekehrt verzeichnen wir in Frankfurt verstärktes Interesse. Die Zahl der uns unaufgefordert zugesandten Lebensläufe hat um bestimmt ein Fünftel zugelegt. Viele Akteure in der Finanzbranche gehen derzeit mit uns in Sondierungsgespräche.

„Wir erleben gerade die Frühphase einer sich entwickelnden, einschneidenden Verschiebung am Arbeitsmarkt in Frankfurt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „In den Banken werden jetzt Gespräche mit den Teams geführt, wie die Verlagerungen nach Frankfurt umgesetzt werden kann“, so Väth weiter. „Diese muss man abwarten und die dort getroffenen Entscheidungen von langer Hand vorbereiten. Davon sind nicht nur die Arbeitnehmer selbst betroffen, sondern auch deren Familien.“

Bemerkenswert, aber keine Überraschung ist das große Interesse an Frankfurt aus Indien. Nach Zahlen der Stadt Frankfurt lebt die mit weitem Abstand größte indische Community innerhalb Deutschlands in der Rhein-Main-Region, die Orbis Datenbank verzeichnet 2017 mehr als 130 indische Unternehmen in der Region. Sie ist damit das bevorzugte Investitionsziel Indiens im Schengen-Raum. Und nicht zuletzt haben mehr als 40 indische IT-Unternehmen, neun davon aus den Top 20 der indischen IT-Companies, hier ihren Sitz. „In unseren Büros in Delhi, Mumbai und Pune steigt das Interesse an einem Arbeitsplatz in Frankfurt“, sagt Thomas Deininger. „Der Global Innovation Index 2016 sieht Frankfurt als führendes deutsches Innovationscluster auf Platz 12 weltweit, es führt deutlich vor London (21) und Berlin (30). Für innovative Unternehmen ist der Standort Frankfurt daher besonders attraktiv“, ergänzt Hubertus Väth.

Mizuho bestätigt als vierte japanische Bank ihren Umzug nach Frankfurt

Die japanische Investmentbank Mizuho Securities Co. Ltd, eine Hauptgruppe der Mizuho Financial Group, Inc. bewirbt sich für eine Lizenz, um seine Präsenz am Finanzplatz Frankfurt auszubauen. Neben Daiwa, Nomura, and Sumitomo Mitsui Financial Group hat nun die vierte japanische Großbank entschieden, ihren Standort in Frankfurt am Main auszubauen.

„Frankfurt e yokoso, herzlich willkommen in Frankfurt Mizuho! Die Wahl Mizuhos sehen wir als großen Vertrauensbeweis für den Finanzplatz“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „Die Vorteile des Standorts überzeugen als Gesamtpaket. Jetzt haben vier der fünf führenden japanischen Banken und Kapitalgesellschaften nach umfangreicher und sorgfältiger Prüfung Frankfurt als ihren europäischen Standort gewählt. Wir freuen uns, die Banken in der Ansiedlung ihrer Geschäftseinheiten unterstützen zu können.“

„Die Entscheidungen der Banken für die Verlagerung von Geschäftseinheiten von der Themse an den Main in den vergangenen Tagen stärken Frankfurt als wichtiges Finanzzentrum in Europa und weltweit“, erklärt Väth weiter. Frankfurt Main Finance erwartet, dass mindestens 12 Banken ihren Umzug nach Frankfurt in diesem Jahr verkünden werden. „Wir sind einen Schritt näher an unserem Ziel, dass sich in diesem Jahr bis zu 20 Banken für den Finanzplatz Frankfurt entscheiden. Die vergangenen Wochen sollten alle Zweifel gegenüber Frankfurts Attraktivität für global agierende Investmentbanken zerstört haben“, sagt Väth.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität. Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Zur Pressemitteilung der Mizuho Financial Group.

 

 

Do you have any questions?

Im Zuge des Brexit werden einige Banken ihren Standort verlagern. Da kommen viele Fragen auf – politische und auch ganz praktische.

Die Suche nach der Standortalternative zu London treibt derzeit die global agierenden Banken um. Einige haben sich schon für Frankfurt entschieden und siedeln derzeit um. Andere wägen die Vor- und Nachteile der Alternativen in der Europäischen Union (EU) noch ab. Frankfurt hat in diesen Vergleichen einige Pluspunkte.

Als internationales Finanzzentrum hat Frankfurt vieles zu bieten. Allein schon der Sitz der europäischen Zentralbank verleiht dem Standort eine Sonderstellung. Aber es gibt noch mehr handfeste Argumente. Deshalb wird – nicht erst seit der finalen Brexit-Entscheidung – von Stadt und Land, von Politikern und Interessensvertretungen mit größtem Engagement daran gearbeitet, die Entscheider in den Banken mit fundierten Informationen zu versorgen.

Knackpunkt Arbeitsrecht

Einer der Knackpunkte, der in Gesprächen immer wieder aufkommt, ist der Kündigungsschutz im deutschen Arbeitsrecht. Dieser fordert, dass Alternativbeschäftigungen ausgelotet werden müssen. Verliert ein Händler Geld für seinen Arbeitgeber, will der ihn nicht anderweitig beschäftigen müssen. Denn in den Handelsräumen läuft das Spiel anders. Dort finden die Händler zwar weniger Sicherheit, werden dafür aber weit besser bezahlt. Rund 80 Prozent der Einkommensmillionäre aus den Banken der EU sitzen in London. Die meisten davon sind im Handel beschäftigt. Dieser Deal geht für beide auf: Will ein Arbeitgeber sich von einem Mitarbeiter trennen, bekommt der eine einfach zu bestimmende Abfindung.

Wie wichtig dieser Aspekt ist, weiß auch die Politik. Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer hat sich dem Thema schon länger verschrieben: „An unserer Zielsetzung, den Kündigungsschutz bei Mitarbeitern von Kredit- und Finanzdienstleistungsunternehmen mit sehr hohem Einkommen zu lockern, hat sich nichts geändert“, betonte er dieser Tage erneut. Er weiß sich mit der Mehrzahl der Menschen einig, dass ein Händler mit hohem Gehalt weniger schutzbedürftig ist, als der normale Bankangestellte. Und damit trifft er bei den Standortentscheidern in den Großbanken auch ins Schwarze.

Pauschal am Einkommen könne eine Lösung aber nicht festgemacht werden, ist sich der Finanzminister sicher: „Es hat sich gezeigt, dass eine passgenau auf die Kredit- und Finanzierungsunternehmen zugeschnittene Lösung im Arbeitsrecht deutlich größere Unterstützung findet.“ Gemeint ist damit, einen eng definierten Personenkreis der Risikoträger vom rigiden Kündigungsschutz auszunehmen – und damit einem der Hauptkritikpunkte am Standort die Grundlage zu entziehen. Die hessische Landesregierung hält diese gesetzliche Änderung für realisierbar und rechnet nach der Bundestagswahl – im Herbst 2018 – mit einer Vorlage.

Dr. Thomas Schäfer, Finanzminister Hessen: „Wir wollen den Kündigungsschutz für den Personenkreis der Risikoträger in Kredit- und Finanzdienstleistungsunternehmen lockern.“

Go Frankfurt Tax

Fragen gibt es auf der Insel aber auch zum erklärungsbedürftigen deutschen Steuerrecht. Eine große Hürde ist dabei nicht nur die Auslegung des Gesetzes, sondern auch die deutsche Sprache. Um all jenen zu helfen, die als Brexit-Zuzügler nach Frankfurt kommen wollen, hat das hessische Finanzministerium deshalb eine englischsprachige Homepage und Hotline eingerichtet. Es ist ein Angebot für die ganz praktischen Fragen, die aufkommen, wenn Mitarbeiter und ihre Familien in ein anderes Land, eine neue Stadt mit einer fremden Sprache ziehen. Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland hat den Service Mitte Juni freigeschaltet: „Rufen Sie uns an, schreiben Sie eine Mail oder besuchen Sie uns online. Wir helfen gerne auf Englisch weiter.“

Dr. Bernadette Weyland, Hessens Finanzstaatssekretärin: „Bürgerservice hat bei uns eine lange Tradition. Diesen Service bieten wir nun auch auf Englisch an.“

Frankfurt findet Gehör

Von der großen politischen Entscheidung bis zur kleinen Hilfe in alltäglichen Fragen – es ist derzeit vieles in Bewegung, um Frankfurt zu einem attraktiven und auch sympathischen Standort für Mitarbeiter der Banken aus aller Welt zu machen. Das Richtige tun ist in einem solchen Standortwettbewerb die unabdingbare Voraussetzung. Darüber zu reden, die unverzichtbare Kür. Das ist auch das Motto von Hubertus Väth, der als Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance seit dem Brexit-Entscheid über 600 Gespräche mit Journalisten aus aller Welt geführt hat: „Wir haben erreicht, dass die Welt über Frankfurt spricht. Wir sind in der Poleposition für die Ansiedlung von Europazentralen von großen Banken nach dem Brexit und können schon zahlreiche Erfolge verbuchen.“ Deshalb trifft er sich nicht nur mit den Vertretern großer, renommierter Medien, sondern beispielsweise auch mit der japanischen Yomiuri Shimbun, mit dem neuseeländischen Sender Newstalk ZB und auch mit der russischen Online-Plattform Vestnik Kavkaza. So gelingt es, die Botschaften von Frankfurt Main Finance in die entlegensten Ecken der Welt zu transportieren. Dass er damit Gehör findet, zeigt die große Medienresonanz: Seit dem Brexit-Entscheid wurde von über 200 Medien aus 31 Ländern in 525 Artikeln berichtet, was einer Reichweite von über 2,6 Mrd. Lesern entspricht.

Hubertus Väth, Geschäftsführer Frankfurt Main Finance: „Wir sind in der Poleposition für die Ansiedlung von Europazentralen von großen Banken nach dem Brexit.“

Bildnachweise: bilder-bibliothek.blogspot.de / Skyline – Frankfurt am Main, HMdF / Sabrina Feige

CFS-Umfrage: Ein Jahr nach dem Brexit-Referendum

Finanzbranche sieht Frankfurt unverändert als größten Gewinner / London wird auch zukünftig einer der Top 3-Finanzstandorte bleiben / CFS warnt vor Euphorie

Nach einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies erwartet die deutsche Finanzindustrie ein Jahr nach dem Brexit-Referendumunverändert deutlich (86%), dass Frankfurt als Standort innerhalb der Europäischen Union am meisten vom Brexit profitieren wird. Und London wird weiterhin, auch 10 Jahre nach dem Brexit,zu den Top 3-Finanzstandorten weltweit gehören. Darin sind sich gut zwei Drittel der befragten Unternehmen (69%) einig. Lediglich jeweils 14% der Befragten erwarten, dass einer der anderen konkurrierenden Finanzstandorte der größte Gewinnersein wird. Paris und Dublin trauen die Befragten in dieser Hinsicht mehr zu als Luxemburgund Amsterdam, für die kaum größere Standortvorteile zu erwarten seien.

„Die Umfrage verdeutlicht, wie hoch die Erwartungen am Finanzplatz Frankfurt sind, vom Brexit profitieren zu können. Ich warne jedoch vor zu viel Euphorie. Denn der Wettbewerb insbesondere mit Paris ist sehr intensiv. Es bedarf erheblicher Anstrengungen seitens des Bundesund der hessischen Landesregierung, aber auch der Stadt Frankfurt, dieses Potenzial auch tatsächlich realisieren zu können“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die deutsche Finanzbranche sieht auch geschlossen optimistisch in die Zukunft, wenn es um die konkrete Frage geht, mit wie vielen zusätzlichen Arbeitsplätzen der Finanzplatz Frankfurt im Finanzsektor durch den Brexit im Laufe der nächsten 5 Jahre rechnen kann. 21% der Befragten erwarten, dass mehr als zehntausend zusätzliche Stellen entstehen werden. Frankfurt Main Finance hält diese Größe schon seit dem Tag des Referendums im Vereinigten Königreich für realistisch und rechnet mit tausend angekündigten Arbeitsplätzen bereits im laufenden Jahr. Der größere Teil der Befragten (45%) erwartet jedoch, dass man sich eher in einer Größenordnung von fünf- bis zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen bewegen wird. Und 33% erwarten ein- bis fünftausend neue Stellen. Nur 1% rechnet mit weniger als eintausend Arbeitsplätzen.

„Auch wenn Frankfurt gut im Rennen liegt, so gibt es rund 100 Banken alleine in London, die sich nach einer neuen europäischen Heimat umsehen. Erst rund 20 haben sich entschieden. Es gibt noch viel zu tun“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Finanzinstitute in London bereiten sich darauf vor, Geschäftsbereiche von London auf den europäischen Kontinent zu verlagern. Auf die Frage, aus welchem Gebiet stammend Finanzinstitutionen am meisten Arbeitsplätze verlagern werden, wird Nordamerika von 37% der Befragten genannt. 30% sind der Meinung, dass europäische Firmen am meisten Arbeitsplätze zurückverlagern werden. 19% nennen UK und 14% den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum (APAC).

Dabei rechnet die Finanzbranche mehrheitlich (71%) damit, dass es zu einer substantiellen Verlagerung im Geschäftsbereich Wertpapierhandel und -abwicklung kommt, gefolgt vom Bereich Corporate Finance und Corporate Banking (49%). Des Weiteren nennen 40% der Befragten den Bereich Risikomanagement und Compliance. Eine substantielle Verlagerung im Geschäftsbereich Asset Management halten 30% der Befragten für realistisch.

„Vielfach wird die mögliche Verlagerung der europäischen Bankenaufsicht EBA nach Frankfurt als wichtiges Signal gesehen. Abgesehen davon, dass die räumliche Nähe zur EZB für eine solche Standortentscheidung sprechen würde, wird die Bedeutung des künftigen Sitzes der EBA für die Standortentscheidungen von Finanzinstituten überschätzt. Hier spielen Fragen des Marktzugangs und der Infrastruktur eine viel wichtigere Rolle“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

CFS-Index sinkt um 2,0 Punkte

Umsatz- und Ertragswachstum der Finanzinstitute rückläufig – Dienstleister erwarten selbiges für das laufende Quartal / Finanzbranche baut Investitionsvolumen weiter aus
Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt um 2,0 Punkte auf 111,6 Punkte. Das rückläufige Wachstumsniveau ist vor allem das Ergebnis gesunkener Umsatz- und Ertragszuwächse bei den Finanzinstituten. Selbiges erwarten die Dienstleister für das laufende Quartal. Dem stehen jedoch, besonders bei den Dienstleistern, positive Investitionszuwächse entgegen. Auch reduzieren die Finanzinstitute weiter ihren Stellenabbau und signalisieren, nach erheblichen personellen Einschnitten in den vorangegangenen Quartalen, nun mit 99 Punkten eine nahezu neutrale Stimmungslage.

„Noch ist es vielleicht zu früh, um von einem Trend zu sprechen – aber es festigt sich der Eindruck einer „Rückkehr der Finanzinstitute“. Denn wir sehen nun über mehrere Quartale ein konstantes Muster: Zunehmend positive Erwartungen bei den Finanzinstituten und sinkende Werte bei den Dienstleistern – und das für alle vier Indexkomponenten: Umsatz, Ertrag, Investitionen und Mitarbeiter“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird noch positiver beurteilt als unmittelbar nach dem Brexit-Votum vor einem Jahr

Die seit dem Brexit-Votum sehr positiv eingeschätzte zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland stieg im dritten Quartal 2017 um weitere 3,7 Punkte und liegt nun mit 138,7 Punkten über dem bisherigen Höchststand (136,8 Punkte), welcher letztes Jahr kurz nach dem Brexit-Votum erreicht wurde.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Durch gemeinsame Anstrengungen wurde schon viel erreicht. Das koordinierte Vorgehen der Landesregierung hat maßgeblich dazu beigetragen.“

Finanzinstitute verzeichnen verschärften Wachstumsrückgang der Umsätze, Dienstleister erwarten selbiges für das laufende Quartal

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der Finanzbranche ist rückläufig, befindet sich aber noch auf einem positiven Niveau. Besonders bei den Finanzinstituten sinkt der Sub-Index erheblich um 7,5 Punkte auf 106,4 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen einen schwächeren Rückgang um 2,1 Punkte und stehen mit 124,5 Punkten unverändert auf einem sehr guten Niveau. Für das laufende Quartal erwarten sie jedoch einen verschärften Wachstumsrückgang, die Finanzinstitute hingegen erwarten wieder ein steigendes Umsatzwachstum.

Ertragswachstum der Finanzinstitute sinkt wieder auf das Niveau des ersten Quartals

Die befragten Finanzinstitute können ihr Ertragswachstum nach der starken Entwicklung des zweiten Quartals nicht halten. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 7,1 Punkte auf 105,4 Punkte. Für das laufende Quartal wird jedoch wieder mit einem Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern bleibt das Ertragswachstum nahezu unverändert. Der Sub-Index steigt um 0,7 Punkte auf 118,6 Punkte, jedoch wird für das laufende Quartal mit einem stärkeren Rückgang gerechnet.

Investitionsvolumen der Dienstleister erreicht höchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Dienstleister steigt um 11,7 Punkte auf den historisch höchsten Stand von 123,5 Punkten, es wird aber auch wieder mit einer starken Abschwächung für das laufende Quartal gerechnet. Auch der Sub-Index der Finanzinstitute steigt um 3,1 Punkte auf 116,7 Punkte, und es wird mit einem weiteren, nochmal verstärkten Anstieg für das laufende Quartal gerechnet. Beide Gruppen befinden sich somit auf einem sehr guten Investitionsniveau.

Die Abschwächung des Stellenabbaus bei den Finanzinstituten hält weiter an

Der Trend bei den Finanzinstituten, den Stellenabbau seit Beginn des Jahres zu begrenzen, hält weiter an. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt um 1,5 Punkte auf 99,0 Punkte und befindet sich somit nur noch knapp unter dem neutralen Stand von 100 Punkten. Die Finanzinstitute gehen für das laufende Quartal davon aus, dass sich der Stellenabbau wieder leicht erhöht. Hingegen stellen die Dienstleister unverändert stark Mitarbeiter ein. Der entsprechende Sub-Index steigt um 5,0 Punkte auf 118,6 Punkte. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister jedoch pessimistisch und erwarten ein abgeschwächtes Wachstum bei den Neueinstellungen.