Helaba-Finanzplatzstudie „In der Pole-Position für Brexit-Banker“

Wie die heute vorgestellte Finanzplatzstudie des Helaba-Bereichs Volkswirtschaft/Research zeigt, ist das deutsche Finanzzentrum im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position. So haben sich bereits zahlreiche Banken dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlagern, was sich in den Beschäftigtenzahlen niederschlagen wird: „Wir erwarten, dass mindestens die Hälfte der aus London abwandernden Finanzjobs nach Frankfurt verlegt wird. Dies entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern. Bis Ende 2019 sehen wir deshalb einen Beschäftigungsanstieg um 4 Prozent auf rund 65.000 Mitarbeiter in den Frankfurter Bankentürmen (Ende 2016: 62.400). Und das, obwohl parallel die Konsolidierung am heimischen Bankenmarkt anhält“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Ein Novum des langjährigen Finanzplatz-Researchs der Helaba ist in der vorliegenden Studie das eigens kreierte regionale Beschäftigungsaggregat: die Zahl der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft in „BIG FFM“. Hierzu wurde die räumliche Abgrenzung von Greater London auf das Gebiet rund um Frankfurt übertragen. Dieser Vergleich ergibt folgendes Bild: Ende letzten Jahres arbeiteten in BIG FFM rund 118.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, in Greater London knapp 360.000. Mit Blick auf die Beschäftigungsdichte (bezogen auf die Bevölkerungszahl) liegen allerdings beide Großräume mit jeweils gut 4 Prozent auf gleichem Niveau.

Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas. Hinsichtlich der Arbeitsplatzverlagerungen von der Themse an den Main kommen insbesondere folgende Standortqualitäten zum Tragen: die Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB mit ihrer Doppelfunktion Aufsichtsbehörde und Notenbank, das Rhein-Main-Gebiet als Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, die relativ günstigen Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland.

„Seit unserem Finanzplatz-Ranking Mitte 2016 hat sich die relative Attraktivität Frankfurts weiter erhöht“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Dagegen ist eine Schwächung der Londoner City schon jetzt unübersehbar. Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien lassen die Stadt in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist die abgesagte Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange positiv für Frankfurt, da die starke Frankfurter Börse nun erhobenen Hauptes ihren eigenen Weg weitergehen kann. Darüber hinaus könnte die Main-Metropole in ihrer Rolle als europäische Aufsichtsmetropole weiter gestärkt werden, sollte die länderübergreifende Bankenaufsichtsbehörde EBA nach Frankfurt verlegt werden.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt rückt insbesondere den regionalen Immobilienmarkt und die Bildungsinfrastruktur der Stadt in den Fokus. „Am Büromarkt dürfte die Zusatznachfrage angesichts des noch immer reichlichen Leerstands und einer Reihe von Projektentwicklungen problemlos zu bewältigen sein“, erwartet Helaba-Immobilienanalyst Dr. Stefan Mitropoulos. Am Wohnungsmarkt besteht dagegen kein nennenswerter Leerstand. Die deutlich erhöhte Neubauaktivität, die Planungen für die nächsten Jahre sowie die umfangreichen Flächenreserven im Umland sprechen aber gegen eine deutliche Verschärfung der Lage am Frankfurter Wohnungsmarkt durch den Brexit. Neben dem Immobilienmarkt ist auch das Schulangebot ist ein zentrales Standortkriterium. Die Frankfurter Finanzplatz-Region bietet bereits ein breites Spektrum internationaler Bildungseinrichtungen, das in den vergangenen Jahren sichtlich gewachsen ist. Angesichts der hohen Nachfrage nach Bildungsangeboten bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungsarchitektur für Kinder jeden Alters, der alle Schulformen umfasst und über den Brexit-bedingten Bedarf hinausgeht.

Traud zieht ein positives Fazit: „Trotz der Herausforderungen durch den bevorstehenden Mitarbeiterzustrom von der Themse an den Main ist der Brexit für den Finanzstandort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb.“

Die komplette Studie von Helaba können Sie hier herunterladen.

 

Brexit bringt bis zu 88 Tausend neue Stellen in der Rhein-Main-Region

Studie der WHU beziffert die Brexiteffekte auf den Arbeitsmarkt.

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Schon am 24. Juni 2016, am Tag nach dem Referendum, hat Frankfurt Main Finance das Potenzial eines Brexit auf bis zu zehn Tausend neue Arbeitsplätze für Frankfurt im Finanz- und unmittelbar zugehörigen Dienstleistungssektor geschätzt. Heute scheint die Zahl manchen sogar zu konservativ. Das Jobwachstum wartet aber auch an anderer Stelle, so die Ergebnisse einer Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance. „Es sind die Multiplikatoreffekte auf viele Bereiche des täglichen Lebens, die zu einem signifikanten Stellenzuwachs vor allem in der Rhein-Main-Region führen werden“, erklärt Professor Lutz Johanning, der die Studie zusammen mit Moritz C. Noll vom Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung durchgeführt hat. Im Interview geben beide tiefere Einblicke in die zugrundeliegenden Berechnungen.

Herr Prof. Johanning, was genau wird in Ihrer Studie untersucht?

Lutz Johanning: Wir haben erhoben, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet. Dabei lag unser Fokus auf den Multiplikatoreffekten, also welches Wachstum für andere Branchen zieht ein Plus an Bankarbeitsplätzen nach sich. Und die Studie zeigt: Dieser Effekt ist – je nach Betrachtungsraum – 2,1 bis 8,8 Mal so hoch. Wenn wir also von zehn Tausend neuen Bankstellen ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Stellen entstehen.

Professor Lutz Joahnning: „Die Verlegung von Arbeitsplätzen geschieht nicht isoliert. Menschen verlagern ihr Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört.“

Eine gigantische Zahl. Wie kommen Sie zu dem Ergebnis?

Moritz Noll: Wir haben die bestehenden statistischen Daten zum Arbeitsmarkt in Frankfurt und der Region mittels eines empirischen Modells in die Zukunft fortgeschrieben und dabei die Brexiteffekte berücksichtigt. Um für die weitere Planung aussagekräftige Zahlen zu erheben, haben wir auf zwei Faktoren großen Wert gelegt: Zum einen war uns eine valide Datengrundlage sehr wichtig. So basiert unsere Studie auf Arbeitsmarkt-Daten der Bundesagentur für Arbeit der vergangenen neun Jahre. Zum anderen haben wir nach statistischen Modellen gesucht, die in der Wissenschaft bereits eingesetzt wurden.

Moritz C. Noll: „Auch wenn der Brexit ein neues Ereignis ist, gibt es wissenschaftlich etablierte Modelle, mit denen sich die Folgen auf den Arbeitsmarkt schätzen lassen.“

Wo sind Sie fündig geworden? Der Brexit ist ja ein bislang beispielloses Ereignis.

Noll: Der Brexit ja, nicht aber die Tatsache, dass aufgrund veränderter Rahmenbedingungen Arbeitsplätze an einen neuen Standort verlagert werden. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen gibt es beispielsweise für den Energiesektor in den USA – Stichwort Fracking. In diesem Kontext ist das Umsiedeln von Arbeitsplätzen an neue Standorte durchaus geläufig. Welche Effekte sich daraus nicht nur für den primär betroffenen Sektor ergeben, sondern wie sich eine Region dadurch insgesamt verändert, wurde in den vergangenen Jahren häufig untersucht. Aus diesen Modellen lassen sich Annahmen ableiten, die wir unserer Untersuchung zugrunde gelegt haben.

Johanning: Mit diesem Ansatz lassen sich die indirekten Effekte quantifizieren. Wenn ein Arbeitsplatz bei Bank X von London nach Frankfurt verlegt wird, dann geschieht das ja nicht isoliert. Vielmehr verlagert der Mensch, der diesen Arbeitsplatz füllt, sein Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört. Er oder sie kommen meist mit Familie; folglich müssen alle dazugehörenden Bedarfe erfüllt werden. Das fängt bei den ganz einfachen Themen wie Wohnen, Schule, Ausbildung, Konsum an. Es hat aber auch strukturelle Folgen. Infrastruktur, Bildungssystem, Häuser- und Wohnungsmarkt sind hier Stichworte.

Professor Lutz Johanning: „Vor allem die Rhein-Main-Region wird vom Stellenzuwachs profitieren. Die meisten zusätzlichen Jobs außerhalb der Finanzindustrie entstehen eher im Umland Frankfurts.“

Was macht Sie so sicher, dass die betroffenen Banker ihren Lebensmittelpunkt nach Frankfurt verlagern? Schließlich ist London ja nicht so weit weg.

Johanning: Die gleiche Diskussion gab es vor einigen Jahren für Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank. Auch hier war die Frage: Kommen die Menschen wirklich in die Rhein-Main-Region, oder sind sie nur hier, um zu arbeiten. Die Erfahrung zeigt: Sie kommen, um hier zu arbeiten und zu leben. Daher gibt es aus diesem Kontext seit vielen Jahren ein Best-Practice-Beispiel, und daran haben wir uns in der Studie orientiert.

Sie haben in der Studie differenziert – Frankfurt, direktes Umland und Region. Was zeigt diese Differenzierung?

Johanning: Frankfurt profitiert unmittelbar von den neuen Stellen im Bankensektor. Das ist kein regionales Thema. Die zentralen Büroflächen werden in der Innenstadt zu finden sein. Deshalb ist der Effekt auf andere Branchen hier auch überschaubar, liegt etwa beim 2,1 bis 3,4-fachen. Dienstleistungen rund um die Banken werden im Zuge des Aufbaus ebenfalls profitieren; diese haben ihren Standort oft aber nicht unmittelbar in der City, sondern im direkten Umland wie Eschborn, Offenbach oder anderen benachbarten Städten. Hinzu kommt, dass viele Menschen ihren Wohnort etwas außerhalb Frankfurts suchen. Davon profitieren wiederum die benachbarten Städte wie auch die gesamte Region. Je größer der Radius gezogen wird, umso differenzierter sind die Auswirkungen, und umso größer wird der Multiplikatoreffekt. Zehn Tausend neue Bankjobs in der City können im  optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Jobs in der Rhein-Main-Region mit sich bringen.

Die Studie spricht von zwei Modellen. Was steckt im Detail dahinter?

Noll: Wir haben zwei Modelle eingesetzt, um die Auswirkungen der zehn Tausend neuen Stellen im Finanzbereich auf alle anderen Branchen zu schätzen. In Modell eins ist ein Faktor berücksichtigt, der den Wachstumseffekt stärker abdämpft. Modell zwei hingegen ist dieser Faktor nicht enthalten, dadurch wird das Wachstum insgesamt höher geschätzt. Uns war es wichtig, die Bandbreite der möglichen Ergebnisse in der Studie darzustellen.

Sie kennen die Statistiken im Detail. Auf welche Branche wirken sich die Effekte am stärksten aus?

Johanning: Zunächst muss man sagen: Frankfurt ist insgesamt eine sehr wachstumsstarke Region – auch ohne Brexit. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten wir in den vergangenen Jahren in den Sektoren Logistik, Immobilien und wirtschaftliche Dienstleistungen. Diese Wachstumsbranchen werden durch den Brexiteffekt zusätzliche Impulse erfahren. Was sich aus unserem quantitativen Modell aber nicht ableiten lässt, ist, welche strukturellen Veränderungen innerhalb der einzelnen Branchen in den nächsten Jahren zu mehr oder weniger Wachstum führen werden.

Noll: Mit unseren Modellen haben wir in einem weiteren Schritt untersucht, wie sich die langfristigen Job-Wachstumsraten im Fall mit und ohne Brexit unterscheiden. Damit haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Das heißt, dass das Job-Wachstum im gesamten Arbeitsmarkt in der langen Frist im Brexit-Fall wesentlich höher liegen kann als in einem Fall ohne zusätzliche Brexit-Jobs. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.

Moritz C. Noll: „Wenn wir zusätzlich langfristige Effekte berücksichtigen, haben die Ergebnisse noch Luft nach oben.“

Im Ergebnis also noch mehr Wachstum für eine ohnehin prosperierende Region. Haben Sie in der Studie auch quantifiziert, wie sich dadurch das kommunale Steueraufkommen verändert?

Johanning: Mit einer simplen Projektion haben wir versucht, auch diesen Effekt zu schätzen, zumindest für Frankfurt Stadt. Man muss allerdings auch diesen Ergebnissen vorwegnehmen, dass sie mit Vorsicht zu betrachten sind, da sie auf den vorherigen Ergebnissen aus den Arbeitsmarkt-Vorhersagen basieren und somit zusätzliche Ungenauigkeit entsteht. Betrachtet haben wir den kommunalen Anteil an der Einkommensteuer, die Umsatzsteuer sowie die Gewerbesteuer. Verkürzt gesagt schätzen wir, dass die Stadt Frankfurt durch die zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätze in allen Branchen jährlich zwischen 136,2 und 191,9 Millionen Euro an Einnahmen durch die drei genannten Steuerarten erzielen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

Bildnachweis: fritzphilipp photography 

Studie beziffert Jobwachstum in Frankfurt durch Brexit

Wie hoch ist das gesamte, durch den Brexit ausgelöste Jobwachstum in Frankfurt und Umgebung? Diese und weitere Fragen diskutierten Journalisten mit Vertretern der WHU, der Wirtschaftsförderung Frankfurt und Frankfurt Main Finance. Anlass war die Veröffentlichung der Studie „Winning Frankfurt: Brexit Bankers Bring More Welfare To Frankfurt Than Just Their Jobs“.

Insgesamt 13 Journalisten kamen in den Räumlichkeiten von Frankfurt Main Finance zusammen, wo Professor Lutz Johanning und Moritz C. Noll vom Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung der WHU – Otto Beisheim School of Management, Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt sowie Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance am 24. August die aktuelle Studie „Winning Frankfurt: Brexit Bankers Bring More Welfare To Frankfurt Than Just Their Jobs“ vorstellten.

Bereits im Vorfeld war klar, dass der Brexit zu Verlagerungen von Arbeitsplätzen in der Finanzbranche von London nach Frankfurt führen würde. Gut begründete Schätzungen gingen von rund zehn Tausend Jobs innerhalb der nächsten vier Jahre aus. Doch das gesamte, durch den Brexit ausgelöste Jobwachstum ist viel höher, so das Ergebnis der Studie. Der Fokus der Untersuchung lag auf den Multiplikatoreffekten und damit auf der Frage, welches Wachstum für andere Branchen ein Plus an Bankarbeitsplätzen nach sich zieht. Das Ergebnis zeigt, dass dieser Effekt – je nach Betrachtungsraum – 2,1 bis 8,8 Mal so hoch liegt. Geht man von zehn Tausend neuen Bankstellen aus, können folglich in den folgenden vier Jahren in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Stellen entstehen.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers’ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs [Herunterladen]

„Wir nutzen alle Möglichkeiten, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen“

Der Finanzplatz Frankfurt sieht einem starken Einwohnerwachstum entgegen. Wie kann in dieser Situation ausreichend Wohnraum geschaffen werden? Ein Interview mit Stadtplanungsdezernent Mike Josef.

Experten gehen von 6.000 bis 10.000 neuen Arbeitsplätzen aus, die im Zuge der Standortverlagerung vieler Unternehmen von London nach Frankfurt allein in der Bankenbranche entstehen werden. Wie geht die Stadt Frankfurt mit dem Bedarf an Wohnraum um, der daran geknüpft ist?

Mike Josef: Wir kurbeln den Wohnungsbau an, indem wir in erster Linie Flächen für neue Baugebiete ausweisen. Denn Frankfurt am Main erwartet in den kommenden Jahren ohnehin ein starkes Bevölkerungswachstum. Je nachdem, welcher Vorausberechnung man glaubt, gehen die erwarteten Zahlen für das Jahr 2030 auf über 840.000 Einwohner, weichen aber um mehr als 100.000 Einwohner voneinander ab. Das zeigt, mit welcher Unsicherheit solche Prognosen behaftet sind. Zudem relativiert sich die geschätzte Zahl der Arbeitsplätze, die nach Frankfurt verlagert werden könnten. Für die Menschen, die wegen des Brexit nach Frankfurt kommen, haben wir gerade in diesem Segment in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Angebot geschaffen. Es geht jetzt vorrangig darum, die breite Mittelschicht mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen und ihr in Frankfurt eine Zukunft zu bieten. Daher engagiere ich mich stärker für den Bau von preiswerten Wohnungen, die in den vergangenen Jahren unterproportional entstanden sind.

Bei Steinbach ist ein neues Stadtviertel geplant. Ist dies – mit Blick auf den entstehenden Wohnraum und den zeitlichen Rahmen für das Projekt – ausreichend?

Josef: Ein Baustein alleine reicht freilich nicht aus, um ausreichend Wohnraum für das wachsende Frankfurt zu schaffen. Deshalb nutzen wir alle Möglichkeiten, um zusätzliche Wohnungen zu schaffen. Hierzu zählt die Innenentwicklung, also die Konversion von Bürogebäuden oder ganzen Arealen, wie wir es beispielsweise in der früheren Bürostadt Niederrad betreiben oder am Römerhof anstoßen, Nachverdichtung, wo für Umfeld und Umwelt verträglich, und die Arrondierung bestehender Stadtteile. Weil das nicht ausreicht, müssen wir in die Außenentwicklung, also auch bislang unbebaute Flächen bebauen.

Welche weiteren Punkte gilt es bei der Infrastruktur rund um dieses Projekt zu beachten?

Josef: Wichtig ist, dass die Infrastruktur fertig und nutzbar ist, noch bevor die die ersten Bewohner einziehen: Straßen, Plätze, Parks und öffentlicher Nahverkehr müssen genauso vorhanden sein wie soziale Infrastruktur, also Kitas, Schulen, Jugend- oder Senioreneinrichtungen sowie Gastronomie- und Nahversorgungseinrichtungen. In welchem genauen Umfang wir Infrastruktureinrichtungen in dem neuen Stadtteil brauchen, das müssen wir nun im Zuge der fortschreitenden Planungen eruieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildnachweis: Stadt Frankfurt am Main, Dezernat IV – Planen und Wohnen

Brexit-Banker bringen mehr Wohlfahrtseffekte für Stadt und Region als die eigenen Jobs

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Gut begründete Schätzungen sprechen von rund Zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen innerhalb der nächsten vier Jahre. Das insgesamt mit dem Brexit verbundene Jobwachstum liegt wesentlich höher, weil Multiplikatoreffekte Wachstum auch in anderen Branchen hervorrufen, so die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance.

„Wir haben untersucht, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Prof. Dr. Lutz Johanning, einer der Autoren der Studie. „Unsere Untersuchung zeigt: Der Multiplikatoreffekt liegt – je nach Betrachtungsraum und Region – bei 2,1 bis 8,8. Wenn wir von zehn Tausend neuen Arbeitsplätzen im Bankgewerbe ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in Frankfurt City bei vorsichtiger Schätzung weitere 21 Tausend und in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu weiteren 88 Tausend neue Stellen entstehen.“

Moritz C. Noll, Co-Autor der Studie, sagt: „Mit unseren Modellen haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt: „Der Stellenzuwachs bringt das wirtschaftlich starke Frankfurt und die Region weiter voran. Ein echter Erfolg für alle Beteiligten. Wichtig ist nun, dieses Wachstum positiv aufzunehmen und zu gestalten. Das ist eine Herausforderung. Die zusätzlichen Arbeitsplätze bringen aber auch die Mittel zu investieren und die Herausforderung zu meistern.“

Ausgehend von der Annahme, dass Zehntausend Stellen in Frankfurts Finanzbereich durch den Brexit nach Frankfurt verlagert werden, ergeben sich auch zusätzliche Steuereinnahmen für die Stadt Frankfurt. Im konservativen Szenario beläuft sich das Plus aus Einkommens-, Umsatz- und Gewerbesteuer auf rund 136 Millionen Euro jährlich, im optimistischen Szenario auf circa 191 Millionen Euro.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

 

„Zuzug nach Frankfurt – Chancen für Wirtschaftsstandort, Finanzplatz und Großstadt“

Frankfurt wird vom Umzug vieler Banker von der Themse an den Main profitieren. Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen mit Dr. Rolf E. Stokburger, der als Managing Partner Germany der international tätigen Personalberatung Boyden auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisiert ist.

 

Menschen, die in der Londoner Finanzbranche arbeiten, sind zunehmend zu einem Umzug nach Frankfurt bereit. Was sind die Gründe hierfür?

Dr. Rolf E. Stokburger: Die zunehmende Relevanz der Brexit-Entscheidung und die damit einhergehende Entscheidung einiger Banken, ihren Standort für etwaige Finanzdienstleistungen und -produkte nach Frankfurt zu verlagern, veranlasst vermehrt Londoner Banker über einen Umzug gen Frankfurt nachzudenken. Insbesondere amerikanische und japanische Banken, wie beispielsweise Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citi, Nomura, Daichi oder auch die Schweizer UBS, haben eine Standortverlagerung bereits angekündigt. Wir sehen aktuell vor allem zwei Gruppen von Bankern. Nämlich diejenigen, die eine Standortverlagerung als Karrierechance sehen und daher als „first mover“ mit dabei sein wollen. Und auf der anderen Seite haben wir eine Menge Professionals, die als Teil ihres Geschäftsbereiches nach Frankfurt wechseln sollen – und denen schlicht nichts anderes übrig bleibt als „take it or leave it“.

Worin bestehen die Chancen, wenn diese Menschen künftig in Frankfurt leben und arbeiten? Was sind die Herausforderungen?

Stokburger: Kommt die erste Welle Londoner Banker nach Frankfurt, wird der hiesige Finanzplatz weiter wachsen und die Stadt international an Bedeutung gewinnen. Der Ausbau der bestehenden Präsenzen ausländischer Banken sowie die Gründung von Banken nach deutschem Recht schafft aber auch für heimische Banker neue Stellen, insbesondere in den Bereichen Risikomanagement, Compliance und Verwaltung. Außerdem wird der Ausbau des Finanzplatzes Frankfurt sicher weitere Marktteilnehmer anziehen, wie etwa Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Anwaltssozietäten und Private Equity Fonds. Die derzeit in London ansässigen Banken werden aber sicher nicht umhinkommen, passende Incentive-Pläne für den Standort Frankfurt zu erarbeiten, um ihre Mitarbeiter und Führungskräfte für einen Wechsel und einen Verbleib an der Mainmetropole zu motivieren. Und die Stadt Frankfurt ihrerseits wird sich der Herausforderung stellen müssen, ausreichend Wohnraum sowie internationale Schulen und Kitas anbieten zu können.

Wie kann sich die Rhein-Main-Region am besten auf diesen Zuzug einstellen?

Stokburger: Die aktuell angekündigten Verlagerungen von Kapazitäten nach Frankfurt muss man in einem längeren zeitlichen Kontext sehen. Es ist anzunehmen, dass dem jetzt angekündigten Auf- und Ausbau einzelner Häuser noch einige andere folgen werden – eine große Chance für Frankfurt als Wirtschaftsstandort, Finanzplatz, aber eben auch als Großstadt. Mit Blick auf diesen bevorstehenden Zuzug sowie weiterer Ansiedlungen sollten Stadt und Region geschlossener auftreten und für Frankfurt als Top-Standort offensiv werben. Frankfurt und das Umland mit seinen zahlreichen Städten und Gemeinden haben viele Vorzüge gegenüber einer Millionenstadt wie London. Diese gilt es proaktiv zu bewerben. Ein Blick auf die zahlreichen aktuellen Bauvorhaben in der Stadt Frankfurt zeigt ja bereits, dass zumindest die Immobilienbranche klar auf Wachstum setzt. Um eine bestmögliche Integration der neuen Banker in Stadt- und Sozialleben zu gewährleisten, stehen Stadtmarketing und Entwicklungsplanung nun in der Pflicht, kulturelle Stärken und Vorzüge Frankfurts sowie die lebendige Vielfältigkeit besser zu kommunizieren, um das Image des teilweise als zu provinziell wahrgenommenen Stadtbilds aufzupolieren.

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Bildnachweis: Boyden

Frankfurt baut Position als internationaler Talent-Pool aus

Nach dem Brexit-Entscheid der Briten steht inzwischen fest, dass viele Finanzdienstleister ihren EU-Standort aus London nach Frankfurt verlegen werden. Ganz praktisch bedeutet das: Viele Menschen sehen sich in absehbarer Zeit mit einem Umzug von der Themse an den Main konfrontiert. Diese bevorstehende Veränderung beeinflusst das Stimmungsbild in der Branche.

Christopher Schmitz, Partner bei Ernst & Young (EY)

„In unseren Gesprächen mit Betroffenen nehmen wir wahr, dass ein Umzug zunächst mit Unsicherheit verbunden ist“, sagt zum Beispiel Christopher Schmitz, Partner bei der international tätigen Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) und verantwortlich für den Bereich Financial Services. „Man hat sich London ja bewusst ausgesucht und sich dort auch teilweise über viele Jahre wohl gefühlt. Nun steht der Wechsel in andere europäische Standorte an – verbunden mit einer anderen Landessprache, Kultur, Wohnsituation und vieles mehr.“

Die Multi-Kulti-Szene wächst

Während die Unterhändler der Europäischen Union (EU) und Großbritanniens im Zuge der Austrittsverhandlungen über die Rechte von Millionen EU-Bürgern in Großbritannien und Briten in der EU diskutieren, erleben Unternehmen wie EY eine stetig zunehmende Zahl von Initiativbewerbungen aus London für Frankfurt. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

„Frankfurt steht bei der Lebensqualität im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen keinesfalls schlecht da“, so Schmitz. Die Rhein-Main-Region mit ihrer zentralen Lage in Deutschland biete eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur und einen effizienten internationalen Flughafen. Die unmittelbare Umgebung überzeuge durch landschaftlich reizvolle Gegenden und die Stadt selbst mit einem umfassenden Kulturangebot. „Frankfurt ist bereits heute eine Multi-Kulti-Szene, dazu tragen auch die schnell wachsenden internationalen Communities der hier ansässigen IT- und Bankenbranchen bei“, ist Schmitz überzeugt.

„Die Sekundäreffekte des Zuzugs wie Kaufkraft, Übernachtungen und Steueraufkommen dürften in der Region zunehmen.“

Ein Blick auf das Portfolio an Bewerbern, die in Frankfurt leben und arbeiten wollen, zeigt ein überraschendes Bild. So sind es nicht unbedingt nur Bürger europäischer Staaten, die die Rhein-Main-Region als Standort wählen. Stattdessen bewerben sich auch hochqualifizierte Kandidaten anderer Nationalitäten aus London.

„Frankfurt verspricht mit der EU Blue Card Regelung, also dem EU-Arbeitsvisum, freizügiges Reisen und Arbeiten in der EU – etwas, das ein UK Arbeitsvisum nach dem Brexit möglicherweise nicht mehr bieten kann“, erklärt Schmitz die Situation. Tatsächlich ist die Anzahl an Indern mit einer Blue Card in Frankfurt der Orbis-Datenbank zufolge bereits zwischen 2013 und 2016 um 566 Prozent gestiegen, während der durchschnittliche Zuwachs deutschlandweit 80 Prozent betrug.

Frankfurt ist bevorzugtes Ziel für Inder

Generell ist die Stadt am Main besonders für indische Fachkräfte ein bevorzugtes Ziel. So verzeichnete Frankfurt ebenfalls zwischen 2013 und 2016 einen Anstieg der indischen Bevölkerung von 4.720 Menschen oder 37 Prozent. Im Vergleich dazu stieg der Zuzug anderer Nationalitäten im Allgemeinen nur um 14 Prozent.

Schmitz sieht in dieser Entwicklung die Möglichkeit, von Talent-Pools zu profitieren, zu denen bisher kein oder nur ein beschränkter Zugang bestand: „Frankfurt kann sich als Standort für internationale Talente etablieren und damit auch für weitere Arbeitgeber, etwa aus dem Tech-Bereich, interessant werden“, sagt der Experte von EY. Als größten Profiteur dieser Entwicklung sieht er die Finanzdienstleistungsbranche, betont aber auch die Sekundäreffekte des Zuzugs wie Kaufkraft, Übernachtungen und Steueraufkommen, die in der Region zunehmen dürften.

„Frankfurt verspricht mit der EU Blue Card Regelung, also dem EU-Arbeitsvisum, freizügiges Reisen und Arbeiten in der EU.“

Der Zuzug so vieler Menschen mit all den positiven Effekten stellt aber auch eine Herausforderung dar. Es gilt, an einer gelungenen Integration zu arbeiten. Dazu tragen Schmitz zufolge auf lange Sicht deutsche Sprachkenntnisse bei, aber auch Plätze an internationalen Schulen für Kinder internationaler Mitarbeiter sowie ausreichend Wohnraum. „Zudem könnten Politik und Wirtschaft zum Beispiel ein Welcome-Package mit Informationen zur Region oder einer vergünstigten Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in den ersten Monaten zur Verfügung stellen. Ebenso hilfreich könnte eine mehrsprachige Betreuung neu zugezogener Menschen sowie eine administrative Unterstützung bei der Beantragung etwa der Blue Card sein“, sagt Schmitz.

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Bildnachweise: Ernst & Young, AnastasiiaUsoltceva / fotolia.de / Back Lit Business People Traveling

Kommt die EBA nach Frankfurt?

Im Zuge des Brexit muss die Europäische Bankenaufsicht umziehen.

Lange wurde über den Brexit gesprochen – jetzt folgen Fakten. Immer mehr Banken entscheiden sich, Aktivitäten von London nach Frankfurt zu verlagern. Deutsche Bank und Citigroup sind zwei prominente Beispiele. Aber auch bei den großen Institutionen wie der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) steht die Wahl eines neuen Standorts unmittelbar bevor. Schließlich muss sie ihren Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben.

Der Bewerbungsprozess um die EBA hat längst begonnen und seit Ende Juli stehen auch fest, wer seinen Hut in den Ring geworfen hat: Acht Städte, Frankfurt und Paris, sowie Brüssel, Dublin, Prag, Luxemburg, Wien und Warschau, wollen die neue Heimat der Behörde werden. Denn eine solch bedeutende Institution hat für einen Standort eine enorme Strahlkraft.

Acht Kandidaten im Rennen

Entsprechend engagiert präsentieren sich die acht Kandidaten: mit vielen Fakten rund um den Standort wie Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Arbeitsbedingung und Schulen. Zum Teil aber auch mit konkreten Versprechungen. So bieten Luxemburg und Wien etwa mietfreie Büroflächen.

Frankfurt will mit harten Fakten überzeugen und nicht nur Ministerpräsident Volker Bouffier ist sicher: „Trotz vielzähliger Konkurrenz haben wir gute Karten.“ Warum das so ist, hat die Landesregierung in einem umfangreichen Dossier zusammengestellt. Hier werden alle Aspekte beleuchtet, die bei einer Standortauswahl von Bedeutung sind. Weil sich viele der atmosphärischen Besonderheiten rund um die Main-Metropole auf Papier aber schlecht transportieren lassen, präsentiert sich Frankfurt mit einem Film, der zeigt, was es heißt, ein Frankfurter zu sein.

Frankfurt kann in jeder Hinsicht punkten

Entscheidend ist die Kombination der vielen unterschiedlichen Elemente, da ist sich auch Ministerpräsident Bouffier sicher. Schließlich könne Frankfurt mit sehr guter Infrastruktur und vielen internationalen Banken und Versicherungen aufwarten und sei deshalb das bedeutendste Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Die bestehende Aufsichtstruktur aus der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht EIOPA sowie der Deutschen Bundesbank, der BaFin, dem Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und dem europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) runde das einzigartige Netzwerk der relevanten Akteure an einem Ort ab.

Dass die Ansiedelung der EBA ein logischer nächster Schritt wäre und Synergien schaffen würde, steht für Bouffier außer Frage. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betont zudem, dass es bei all den Unsicherheiten und Risiken, mit denen die Europäische Union im Zuge des Brexits konfrontiert wird, jetzt wichtig sei, rechtzeitig für Planungssicherzeit zu sorgen: „Dies gilt auch im Hinblick auf die Frage des künftigen Sitzes der EBA. Es ist meine feste Überzeugung, dass Frankfurt am Main aus vielen Gründen die beste Lösung hierfür wäre.“

Attraktives Angebot für Unternehmen und Institutionen

Die Bewerbung Frankfurts wurde von zahlreichen Experten intensiv vorbereitet. Einer von ihnen ist Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI). Er kennt Frankfurt und die Region wie kaum ein zweiter und weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen und politischen Entscheidern in London, was die brennenden Fragen sind, die bei einer Standortverlagerung aufkommen.

Nicht laut trommeln, sondern mit substanziellen Fakten überzeugen, das ist nach seiner Erfahrung der beste Weg, um den Entscheidungsprozess zu unterstützen. „Viele Unternehmen suchen nach der Brexit-Entscheidung einen sicheren Hafen in der EU. Ihnen wollen wir ein attraktives Angebot machen. Wir bieten ihnen ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure“, so Waldschmidt.

Gemeinsam mit vielen weiteren Vertretern aus Stadt und Land wirbt er für Hessen als einem ausgezeichneten Standort in der EU – nicht zuletzt für eine der zentralen Behörden wie die EBA.
Seit 1. August sind alle Bewerbungen für die künftigen Standorte der EBA auf der Website des Europäischen Rats veröffentlicht. Die Bewerbung der Bundesregierung für die Bundesrepublik Deutschland und den Standort Frankfurt am Main kann auf der Website des Bundesfinanzministeriums eingesehen werden.

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Happy Birthday Deutsche Bundesbank!

Die Zentralbank Deutschlands mit Hauptsitz in der Bankenstadt Frankfurt am Main feiert ihr 60-jähriges Jubiläum.

Fast 13 Milliarden Deutsche Mark (DM) sind immer noch in Umlauf – zum Beispiel, weil viele Deutschen die Münzen oder Geldscheine der alten Währung als Erinnerung aufbewahren. Umtauschen lässt sich das Geld auch weiterhin in den Filialen der Deutschen Bundesbank, die über Jahrzehnte hinweg als Währungshüter über die Stabilität der DM wachte.

Mit der Einführung des Euro hat diese Aufgabe zwar die Europäische Zentralbank (EZB) übernommen. Doch die Deutsche Bundesbank mit ihren knapp 10.000 Mitarbeitern versorgt nach wie vor Banken mit frischem Bargeld, sortiert Falschgeld aus, wickelt Zahlungsverkehr im In- und Ausland ab und beaufsichtigt einen Großteil der Banken in Deutschland. Zudem verwaltet sie die Goldreserven des Landes.

In diesem Jahr feiert die Deutsche Bundesbank ihr 60-jähriges Bestehen und hat anlässlich dieses Jubiläums alles Wissenswerte rund um ihre Gründung und Entwicklung in kurzen, informativen Filmen festgehalten. Auf der Webseite der Deutschen Bundesbank können Interessierte zudem wichtige Zahlen, Daten und Fakten sowie historisches Bildmaterial finden.

Bildnachweis: Deutsche Bundesbank

Frankfurt Main Finance begrüßt Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um Sitz der EBA in Frankfurt

Das Bundesfinanzministerium bewirbt sich um die Ansiedlung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) am Finanzzentrum Frankfurt. Nach der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die Europäische Union zu verlassen, braucht die EBA, die bislang ihren Sitz in London hat, einen neuen Standort innerhalb der EU. Bis zum 31. Juli mussten Bewerbungen vorgelegt werden. Eine Entscheidung über den künftigen Sitz der Behörde wird voraussichtlich im November 2017 fallen.

Frankfurt Main Finance begrüßt die Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt. „Schon heute ist Frankfurt das Zuhause von drei der fünf Säulen der Europäischen Finanzaufsicht. Die EBA nach Frankfurt zu holen, wäre der nächste logische Schritt und wurde schon vor vielen Jahren von den europäischen Abgeordneten unterstützt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Etliche Banken haben bereits angekündigt als Reaktion auf den Brexit Geschäft in Frankfurt anzusiedeln oder Geschäftsbereiche auszuweiten: die Silicon Valley Bank, Standard Chartered, Daiwa, Nomura, Sumitomo Mitsui Financial Group, Mizuho Bank, Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Deutsche Bank. „Die Banken haben mit den Füßen für Frankfurt votiert, nun ist es an Europa, sich für die Finanzmarktstabilität und für Frankfurt zu entscheiden“, sagt Väth. Frankfurt Main Finance erwartet, dass sich 2017 mindestens 12, möglicherweise sogar 20 Banken für Frankfurt entscheiden werden.

Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität.

Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.