Brexit Frankfurt Finance Summit

Meilensteine des ersten Jahrs nach dem Brexit und Ausblick auf Jahr 2 seit dem Referendum

1 Jahr seit dem Brexit-Votum

Vor genau einem Jahr überraschte das britische Votum für den Austritt aus der Europäischen Union die weltweite Öffentlichkeit. Seitdem ist in der Politik und an den Finanzmärkten deutliche Verunsicherung spürbar, besonders da Entwicklung und Ergebnis der Austritts-Verhandlungen sowie die darauffolgenden Reaktionen der Finanzmärkte bisher weitestgehend unvorhersehbar sind.

1 Jahr Brexit-Referendum – Zeit für einen Rückblick: Was ist bereits passiert, welche Wendepunkte prägten das vergangene Jahr und welche Auswirkungen sind daraufhin zu beobachten? Zeit auch für einen Ausblick auf Jahr 2 nach dem Referendum: Welche Schritte sieht der Zeitplan der Verhandlungen vor, welche Meilensteine werden das kommende Jahr beeinflussen und welche Folgen und Konsequenzen sind zu erwarten?

Überraschende Entscheidung und Machtwechsel

Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union. Am nächsten Tag folgte hierauf ein Einbruch an den Aktienmärkten in Europa und Asien. David Cameron verkündete am 13. Juli seinen Rücktritt, die konservative Politikerin Theresa May, bis dahin Innenministerin, die vor dem Referendum als EU-Befürworterin galt, wurde seine Nachfolgerin und Boris Johnson, einer der Wortführer der Brexit-Kampagne, britischer Außenminister.

Trotz Hindernissen nimmt der harte Brexit Formen an

Am 2. Oktober kündigte May an, den Austrittsprozess aus der Europäischen Union offiziell Ende März 2017 in Gang zu setzen. Mitte Januar 2017 veröffentlichte Mays ihren Zwölf-Punkte-Plan, in dem sie deutlich einen sogenannten „harten“ Brexit anstrebt. Die Weltöffentlichkeit ist vom Schrecken des harten Brexit einmal mehr in Unruhe versetzt. Neben der politischen Gemeinschaft will Großbritannien auch den europäischen Binnenmarkt sowie die Zollunion verlassen. Allerdings urteilte das höchste britische Gericht am 24. Januar, dass das Parlament dem Brexit zustimmen müsse.

Parlamentarische Unterstützung und hohe EU-Verbindlichkeiten

Die Europäische Union stellte London am 7. Februar in Aussicht, milliardenschwere Ausstände Großbritanniens bei der EU nach dem Brexit geltend zu machen. Einen Tag später stimmte das britische Unterhaus dem sogenannten Brexit-Gesetz zu, welches das Ausscheiden Großbritanniens gemäß Artikel 50 des Vertrags von Lissabon ermöglicht. Am 13. März gab dann das Oberhaus seinen Widerstand gegen den Brexit auf, das Brexit-Gesetzt wurde verabschiedet und die schottische Regierung kündigte an, über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erneut ein Referendum abhalten zu wollen.

Artikel 50: Der Countdown läuft

Am 29. März reichte Großbritannien die offizielle Austrittserklärung bei EU-Ratspräsident Donald Tusk in Brüssel ein und eröffnete somit nach Artikel 50 formal den zweijährigen Zeitraum für die Austrittsverhandlungen, der mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union im März 2019 endet. EU-Ratspräsident Donald Tusk äußerte sich am 31. März 2017. Er will, dass die Verhandlungen in zwei aufeinander folgenden Schritten ablaufen: Zunächst sollen die Bedingungen des Austritts verhandelt werden, gefolgt von denen der zukünftigen Partnerschaft. Tusk lehnt damit die Forderung Londons nach deren paralleler Verhandlung ab. Am 5. April legte das Parlament der Europäischen Union mit breiter Mehrheit einen gemeinsamen Standpunkt für die Brexit-Verhandlungen fest.

Theresa May fordert Neuwahlen

Am 18. April, erreichte der Brexit-Prozess dann erneut an einen Wendepunkt: Premierministerin Theresa May kündigte überraschend Neuwahlen des britischen Unterhauses für den 8. Juni an, die sie zuvor wiederholt ausgeschlossen hatte. Als Grund für die Neuwahlen gelten gemäß Medienberichten die Kritiker des Brexit-Kurses, deren politischem Aufwind in der öffentlichen Debatte durch den erhofft hohen Wahlsieg ein Ende gesetzt werden sollte. Die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen bedürfen aus Sicht von May eines stabilen politischen Umfelds. Von den Neuwahlen versprachen sich May und die Konservativen Einheit, Geschlossenheit und starke Führung für die britische Regierung.

Rahmenbedingungen für die Brexit-Verhandlungen

Die 27 Staats- und Regierungschef bekannten sich auf dem Brexit-Gipfel am 29. April in Brüssel einstimmig zu den Leitlinien der Verhandlungen, die bereits mehrere Wochen zuvor ausgearbeitet worden waren und zweiteilige Verhandlungen vorsahen: zuerst die Einzelheiten des Austritts und erst danach die zukünftigen Beziehungen. Michel Barnier, ehemaliger französischer Außenminister und ehemaliger EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, erhielt das Mandat, als Chefunterhändler die Verhandlungen zu leiten. Die dann im Mai aus den Leitlinien entwickelten EU-Richtlinien statten Barnier mit den rechtlichen Grundlagen für die Verhandlungen aus.

May und die Konservativen verlieren absolute Mehrheit

Am 8. Juni fanden die vorgezogenen Wahlen des britischen Unterhauses, dem „House of Commons“, statt und endeten in einer herben Enttäuschung für die Konservativen, die zwar die meisten Stimmen für sich verzeichnen konnten, aber die absolute Mehrheit verloren. Mays Plan einer starken Verhandlungsposition war damit gescheitert. Mit diesem Ergebnis wurde auch die Hoffnung begraben, eine gestärkte Premierministerin May zeichne sich durch neue Kompromissbereitschaft oder gar durch höhere Verlässlichkeit und Berechenbarkeit aus. Anstelle dessen entstanden neue Unsicherheiten: Die Niederlage bringt die Möglichkeit des soft Brexits zurück ins Spiel.

Beginn der Brexit-Verhandlungen in Büssel

EU-Chef-Unterhändler Michel Barnier und der britische Brexit-Minister David Davies verhandeln seit dem 19. Juni 2017 die Bedingungen der Austrittsvereinbarung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien. Bis März 2019 bleibt dafür Zeit, dann wird Großbritannien die Europäischen Union verlassen. Den Erwartungen zufolge werden sich die Verhandlungen ausgesprochen schwierig gestalten, und es bleibt unklar, ob diese im Zeitraum von 2 Jahren abgeschlossen werden können. Am Beginn der Verhandlungen stehen zunächst drei Punkte: die Rechte der rund 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien sowie der rund 1 Million britischen Staatsbürger in den verbleibenden 27 EU-Staaten, die Abschlussrechnung der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens und Ausgleichzahlungen im Hinblick auf die Kosten des Brexits an die EU sowie die Durchlässigkeit der Grenze zwischen der EU und Großbritannien an der irisch-nordirischen Grenze.

Ausblick: Die Einhaltung des Zeitplans gilt nahezu als aussichtslos

Für Ende 2017 wird das Ende der ersten Verhandlungsrunde mit den Punkten Ausgleichszahlungen an die EU, Rechte von EU-Bürgern und Briten sowie der Grenze zwischen Irland und Nordirland angestrebt. Ebenso sollen Fragen der Wirksamkeit von Urteilen des EU-Gerichtshofs in Großbritannien geklärt werden. Der Abschluss der gesamten Verhandlungen ist für Oktober beziehungsweise November 2018 geplant, wobei die Einhaltung des Termins aufgrund der Vielzahl von Problemfeldern als so gut wie unmöglich und eine Verlängerung der Frist, die mit Zustimmung aller EU-Staaten möglich ist, als wahrscheinlich gilt. Im März 2019 sollen sowohl die 27 verbleibenden EU-Staaten als auch die Parlamente in Straßburg und London das Austrittsabkommen ratifizieren. Am 29. März 2019 endet gemäß Planung die EU Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs nach 46 Jahren und 3 Monaten. Für die Verhandlungen der zukünftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU gibt es bislang keinen Zeitplan.

Ein Jahr Referendum in Großbritannien – eine Brexit-Bilanz

Die Überraschung kam über Nacht, und es gab ein böses Erwachen. Um zwei Uhr in der Nacht, als die ersten Hochrechnungen eintrafen, sah alles noch nach dem Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union aus, doch beim nächsten Blick auf die Nachrichten um 6.20 Uhr, war klar: Die Briten hatten sich für einen Austritt entschieden, wenn auch nur mit einer 52:48 Mehrheit. Ein Jahr ist es her, als einen ganzen Tag lang die TV-Kameras aus aller Welt vor der EZB standen und Journalisten wissen wollten, was denn nun geschehen werde und wie Frankfurt dazu stünde. London, Brüssel und Berlin berieten sich. Nigel Farage, der Kopf der UKIP Partei, die sich den Brexit zum Ziel gesetzt hatte, trat zurück. Bald danach auch der Britische Premierminister David Cameron.

Unsere Botschaft war: Der Brexit ist schlecht für Großbritannien, er ist schlecht für Europa und er ist schlecht für Deutschland. Frankfurt Main Finance (FMF), die Stimme des Finanzplatzes, hatte auf einen anderen Ausgang des Referendums gehofft, war aber auch für diesen Fall vorbereitet. Nun war der Moment gekommen, den Schalter umzulegen. Die Kampagne für den Standort am Main war vorbereitet: Mit Veröffentlichung des amtlichen Referendumsergebnisses ging eine Informationswebsite zu Frankfurt online, eine Telefon-Hotline für Fragen zum Brexit wurde scharf geschaltet, auf der Internetseite von FMF fand sich eine Stellungnahme zum Ereignis, über Twitter und auf LinkedIn startete zeitgleich eine Kampagne und warb mit den Vorzügen des Finanzplatzes Frankfurt. Die Botschaft: „Welcome to Frankfurt“

Jahrhundertchance für Frankfurt

Interviewanfragen gingen am 24. Juni aus aller Welt ein. Die Medien rangen darum zu verstehen, was geschehen war und wie das die Welt verändern würde.  Im 15 Minuten-Takt gab FMF Interviews: am Telefon, ins Mikrophon, vor der Kamera und wieder am Telefon… Der Brexit bestimmte die Nachrichten rund um den Globus. Sprechfähig gewesen zu sein, als andernorts noch Abstimmungsschleifen gedreht wurden, brachte Frankfurt von Beginn an in Vorteil.

Für die Stadt Frankfurt und die Region – bei allen offensichtlichen negativen Folgen – eröffnet der Brexit eine Jahrhundertchance. Die Finanzarchitektur der Europäischen Union war und ist bislang auf London ausgerichtet. Der Ausstieg der Briten aus der EU, so viel war sofort klar, würde zu einer Verlagerung von Verantwortlichkeiten und Geschäft in die EU führen, die Finanzwelt mithin multipolarer werden. London würde ohne Zweifel bedeutender Finanzplatz bleiben, Finanzzentren in der EU jedoch an Einfluss gewinnen – Frankfurt vor allen anderen. Dabei wurden wir von Frankfurt Main Finance nicht müde zu betonen: Es geht bei allen Bemühungen nicht darum, London als Finanzplatz zu schwächen, es geht in erster Linie darum, eine stabile Finanzindustrie innerhalb der EU zu installieren, eine Brücke zwischen London und der EU zu bauen, die von Frankfurt aus Ihren Ausgang nimmt.

EBA und Euro Clearing kommen in den Blick

Schon am Tag 1 nach dem Referendum wagte sich FMF mit der begründeten Schätzung von 10.000 Arbeitsplätzen hervor, die Frankfurt binnen 5 Jahren durch den Brexit gewinnen könnte – unter zwei wesentlichen Voraussetzungen: Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) kommt nach Frankfurt, ebenso wie das Euro-Clearing. Während der Sitz der EBA recht schnell zum allgemeinen Thema wurde, brauchte es Monate, bis die herausragende Bedeutung des Euro-Clearings einer breiteren Öffentlichkeit klar wurde, ein auf den ersten Blick eher sperriges Thema.

Aber die Abwicklung von Derivategeschäften über zentrale Gewährleistungsinstanzen, sogenannten Central Counterparties, und deren Beaufsichtigung durch den Regulator ist eine der wesentlichen Konsequenzen aus der Finanzkrise. Als damals die Finanzwelt in die Krise geriet, herrschte zum Teil völlige Unklarheit, wo sich die Risiken befinden, also, wer zum aktuellen Zeitpunkt das Risiko in seinen Büchern hat – diese Unsicherheit führte zu Angst und so drohte der vollständige Kollaps des Systems, weil das Vertrauen verloren ging.

Euro-Clearing: Frankfurt derzeit einzige echte Alternative zu London

Mittlerweile ist die Entscheidung über den Sitz Euro-Clearings als eine der wesentlichen Weichenstellung für die Ausgestaltung der künftigen Finanzarchitektur der EU und Europas erkannt und entsprechend diskutiert. Und wieder kann sich Frankfurt berechtigte Hoffnung machen, als Standort der Wahl durchzusetzen. Stand heute besitzt innerhalb der EU neben London nur Frankfurt mit Eurex Clearing der Deutschen Börse AG eine gültige Lizenz und die im täglichen Betrieb bewiesenen technischen Voraussetzungen, das Euro-Clearing vom Standort London zu übernehmen. Schon heute ist Frankfurt Marktführer beim Clearing börsengehandelter Derivate. London führt mit weitem Abstand beim Clearing von außerbörslich gehandelten Derivaten in Euro.

Dieses lukrative Geschäft wird so nicht in London bleiben können. Das hatten und haben wir seither immer wieder betont. Denn die Europäische Zentralbank wollte schon unmittelbar nach Ihrer Gründung die Aufsicht über eine so entscheidende Schlüsselfunktion für die Stabilität des europäischen Finanzmarkts und des Euro innerhalb ihres Einfluss- und Überwachungsbereichs. Schon jetzt wandert erstes Geschäft nach Frankfurt, und Unternehmen testen in wachsender Zahl die Clearing-Möglichkeiten am Main.

Größere Unsicherheit nach Wahlen in UK

Seit jenem 23. Juni vor einem Jahr ist viel geschehen. Daher seien nur einige Wegmarken genannt: Der damalige britische Premierminister David Cameron ist zurückgetreten. Theresa May folgte ihm nach. Sie, die eigentlich dem Lager derjenigen zugerechnet wurde, die sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark machten, überraschte in ihrer ersten Grundsatzrede mit der Formulierung, die seit dem häufig bemüht wurde, um zu veranschaulichen, mit welcher Haltung die Briten in die anstehenden Verhandlungen mit Brüssel treten würden: „No Deal is better than a bad Deal.“

Der sogenannte Cliff-Edge-Brexit, ein Ablaufen der auf zwei Jahre terminierten Verhandlungen über den Austritt ohne eine Einigung, kam in den Blick und wurde wahrscheinlichstes Ergebnis. Am 29. März 2017 beantragte das Vereinigte Königreich gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union offiziell den Austritt. Damit löste Theresa May den Countdown für die zweijährige Verhandlungszeit aus. Wenige Wochen später überraschte sie mit der Ansetzungen von Neuwahlen zum Unterhaus in Großbritannien für Anfang Juni abermals. Kommuniziertes Ziel war ein starkes Mandat für die Verhandlungen mit Brüssel. Das Kalkül ging nicht auf. May und ihre Partei stehen heute geschwächt da, mit schwer abzuschätzenden Folgen für den Brexit-Prozess, für die Finanzmarktteilnehmer und die Finanzplätze.

Frankfurt und Deutschland bieten Stabilität

Interpretiert man aus europäischer Sicht das Resultat der Unterhauswahl als „halbvolles Glas“, dann ist jetzt wieder Vieles möglich: sogar ein neuerliches Referendum mit offenem Ausgang. Und damit ist selbst ein Verbleib Großbritanniens in der EU nicht mehr gänzlich ausgeschlossen, wenn auch kaum wahrscheinlich.

Interpretiert man das „Glas als halb leer“, dann haben wir es mit einer schwachen Regierung zu tun, die nur wenige Kompromisse in den anstehenden Verhandlungen machen kann, weil ihr das breite Mandat und eine robuste Mehrheit im Parlament fehlt. Ein Abbruch der Verhandlungen und selbst eine abermalige Neuwahl innerhalb der Zweijahresfrist werden denkbar. Das ohnehin ambitionierte Verhandlungsprogramm scheint schlicht unmöglich zu absolvieren. Verlängerungen, Übergangslösungen und Fristen dürften das Ergebnis sein.

Nur eines ist heute sicher: Die Entscheidungen der Unternehmen, der Finanz- wie auch der Realwirtschaft, diesseits und jenseits des Kanals, werden nun unter noch größerer Unsicherheit zu treffen sein. Das spricht für Frankfurt und unterstreicht die Stärke von Deutschland und Frankfurt als Hort der Stabilität und Berechenbarkeit.

Frankfurt nutzt Pole Position

Bis heute ist Frankfurt in vielen Geldhäusern und in der Finanzindustrie insgesamt immer wieder diskutierter Kandidat für die Ansiedlung von Unternehmen oder Teilen von Unternehmen. Der Standort am Main punktet vor allem mit einer stabilen Wirtschaft und stabilen pro-europäischen politischen Verhältnissen, mit einer herausragenden Infrastruktur, einer großen Zahl gut ausgebildeter Arbeitskräfte gerade auch aus der Finanzbranche, verhältnismäßig günstigen Mietpreisen und Lebenshaltungskosten sowie hoher Lebensqualität.

All das hat Frankfurt, um ein Bild zu verwenden, im Rennen um die Chancen, die sich nach dem Brexit ergeben, in die Pole Position gebracht. Und die Hessen-Metropole wird dieser herausgehobenen Rolle bislang gerecht. Das zeigen die bislang erzielten Erfolge. Bereits heute haben sich eine chinesische, eine japanische, eine indische, eine koreanische und eine schweizerische Bank fest für Frankfurt als Hauptstandort in der EU entschieden, Goldman Sachs will seine Belegschaft in Frankfurt verdoppeln, Standard Chartered hatte jüngst angekündigt, ihr Büro in Frankfurt wegen des Brexits ausbauen zu wollen. Aktuell sind rund 20 Banken in fortgeschrittenen Gespräch über eine Ansiedlung oder einen Ausbau in Frankfurt.

Das Bild des Rennens macht aber auch das Folgende klar: Bevor nicht die Ziellinie überschritten ist, steht der große Gewinner nicht fest. Frankfurt wird weiter mit vorhandenen Vorzügen werben und an seinen Schwächen arbeiten müssen, um der sich bietenden Jahrhundertchance gerecht zu werden. Am Ende werden sicher mehrere Finanzstandorte vom Brexit profitieren, Frankfurt aber hat alle Möglichkeiten, die Finanzmetropole der Europäischen Union zu werden.

„Besser vorbereitet“ – Brexit-Verantwortliche der Rhein-Main-Region im Gespräch

Vor einem Jahr ist der Startschuss gefallen: Am 23. Juni 2016 hat sich das britische Volk in einem Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union entschieden und damit einen Prozess in Gang gesetzt, den man schon jetzt als historisch bezeichnen kann. Die Folgen sind so weitreichend, dass selbst versierte Experten kaum abschätzen können, wie sich das Zusammenspiel zwischen der Insel und den Ländern in der EU verändern wird. Klar ist nur: Vieles, was bislang als sicher galt, wird auf den Prüfstand gestellt werden.

Dies gilt nicht zuletzt für die Frage, wo in Zukunft das Finanzzentrum der Europäischen Union zu finden sein wird. Place to be ist bislang London. Das Rennen um die Nachfolge ist längst eröffnet und die Konkurrenz ist hart: Amsterdam, Brüssel, Dublin, Frankfurt, Luxemburg, Paris und Warschau geben – jede Stadt auf ihre Weise – ihr Bestes, um zum Hotspot der internationalen Finanzindustrie zu werden.

Lange bevor die Entscheidung der Briten gefallen ist, hat Frankfurt erste Vorbereitungen getroffen: Sprachfähig sein, Interessenten fundierte Antworten bieten, den Dialog suchen – so lässt sich umschreiben, was Vertreter der Hessischen Landesregierung und der Hessen Agentur / Hessen Trade & Invest sowie von Frankfurt Rhein Main und Frankfurt Main Finance von Beginn an erreichen wollten. Mit Erfolg, wie das Gespräch mit deren Vertretern zeigt: Wolf-Dieter Adlhoch, Leiter der Stabsstelle Brexit in der Wiesbadener Staatskanzlei, Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer von Hessen Agentur/Hessen Trade & Invest, Eric Menges, Geschäftsführer der Frankfurt Rhein Main GmbH, und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Nach einem Jahr intensiver Diskussionen über den Brexit: Wie hat sich Frankfurt aufgestellt, um im Wettbewerb der europäischen Finanzplätze zu punkten?

Dr. Rainer Waldschmidt: Kommunikation war von Beginn an das Entscheidende. Wir haben schon während der Diskussionen über das Referendum begonnen, die wichtigen Vertreter von Stadt und Land zu Round Table-Gesprächen zusammenzubringen, damit wir uns sehr frühzeitig auf ein konzertiertes Vorgehen einigen.  Ein wichtiger Punkt war beispielsweise, dass wir uns nicht auf Frankfurt als Stadt fokussieren, sondern über die Rhein-Main-Region sprechen, weil sich viele Aspekte zu den Themen Talente, Infrastruktur, Lebensqualität aus den Gegebenheiten in dieser Region erschließen.

Eric Menges: Sehr geholfen hat uns, dass wir schon vor der Brexit-Entscheidung eine komplette Website programmiert hatten, die wir am Morgen der Ergebnisverkündung live schalten konnten. Das war ein gewisses Risiko, der Aufwand hätte auch vergebens sein können. Aber so haben wir auf das richtige Pferd gesetzt, auch wenn wir uns ein anderes Votum gewünscht hätten. Das Interesse an aktuellen Informationen war – wie Sie sich vorstellen können – von diesem Punkt an massiv. Für unser schnelles Handeln gab es vor allem in den sozialen Medien viel positive Resonanz. Der schönste Kommentar: Da gibt es eine Region, die scheint besser vorbereitet, als der Rest von England. Da haben wir schon geschmunzelt.

Hubertus Väth: Neben der Webseite gab es auch eine Twitter- und eine LinkedIn-Kampagne mit einer klaren und knappen Botschaft: Willkommen. Bereits um 6.20 Uhr waren die Medien am Telefon, die wissen wollten, ob und wie Frankfurt vorbereitet ist. Seither gab es rund 500 Anfragen von Journalisten aus über 40 Ländern. Selbst jetzt noch vergeht keine Woche ohne zwei bis drei Anfragen.

Was sind die zentralen Botschaften? Was haben Frankfurt und die Region zu bieten?

Wolf-Dieter Adlhoch: Zweifellos gibt es viele harte Fakten, die für die Rhein-Main-Region sprechen. Wir sind ja schon heute eines der weltweit wichtigsten Finanzzentren. Alle deutschen Großbanken, mehr als 150 Auslandsbanken sind in und um Frankfurt präsent. Die wichtigsten Regulierungsbehörden und allen voran die EZB sind hier zuhause. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine starke Wirtschaft und – in diesen Zeiten wichtiger denn je – eine hohe politische Stabilität vorweisen können. Die Steuern sind hierzulande nicht so hoch, wie mitunter angenommen; durchschnittlich 30 Prozent für Unternehmen, da sind wir wettbewerbsfähig. Das Arbeitsrecht ist flexibel, fair und vor allem effizient. In Sachen Infrastruktur sind wir durch unseren Flughafen unschlagbar…

Menges: Ich sage immer gerne, der ist so nah wie der City Airport in London und so leistungsfähig wie Heathrow.

Adlhoch: Wichtig ist uns aber: Wir wollen nicht laut trommeln, sondern sachlich argumentieren.

Väth: Drei Botschaften sind klar angekommen: Europa braucht weiter die internationale Strahlkraft des Finanzplatzes London, daher wollen wir dem Finanzplatz London nicht schaden. Wir wollen Brücken bauen und nicht abreißen. Und wir wollen auch in Zukunft gut zusammenarbeiten können.

Menges: Ja, wir machen keine oberflächliche Werbekampagne, wie dies andere Finanzplätze tun. Wir gehen mit den Entscheidern in den Unternehmen ins Gespräch. Und da kommen viele, sehr konkrete Fragen auf, die wir zunächst gar nicht so im Fokus hatten. Ein Beispiel: internationale Schulen. Sie können sich vorstellen, dass dies für die Mitarbeiter, die künftig mit ihren Familien nach Frankfurt kommen sollen, ein wichtiges Thema ist. Also haben wir alle in der Region ansässigen internationalen Schulen – über 30 in und um Frankfurt – an einen Tisch geholt und mit ihnen diskutiert, ob sie in ihrer Struktur, in ihrer Kapazitätsplanung darauf eingestellt sind, eine größere Menge neuer Schüler aufzunehmen. Die Antwort: ja. Auch die Vielfalt des schulischen Angebots ist beachtlich. Mit diesen Informationen gehen wir dann wieder auf unsere Gesprächspartner zu, können deren Fragen in aller Regel im Detail beantworten.

Waldschmidt: Verfügbarer Büroraum ist auch so ein Thema, das in Gesprächen immer wieder aufkommt. Deshalb haben wir bei den ansässigen Maklern die Verfügbarkeit und Qualität der Flächen erhoben. Konkret: Wir haben im bevorzugten Innenstadtbereich 750 Tausend Quadratmeter freie Bürofläche auf dem erforderlichen Qualitätslevel. Zudem zeigen die Projektentwicklungspläne einen weiteren Zuwachs dieser A-Flächen. Wir können also alle Menschen aufnehmen, die solide Prognosen der ersten durch den Brexit initiierten Zuwanderung zuschreiben. Wenn wir über solche Veränderungen sprechen, dann passiert das auch nicht von heute auf morgen. Wir gehen vielmehr von drei Wellen aus, die sich regional unterschiedlich auswirken. Die erste wird den Finanzplatz unmittelbar betreffen und damit Frankfurt und die unmittelbare Umgebung im Kern. Bei der zweiten Welle geht es um die Verlagerung europäischer Hauptquartiere, also auch Distribution und Back-Office. Da wird sich der Radius auf den Gürtel um Frankfurt erweitern. Erst in der dritten Welle wird die Industrie betroffen sein, und hier ist ganz Hessen interessant.

Nach einem Jahr, was sind die wichtigsten Erkenntnisse und worauf muss zukünftig das Augenmerk liegen?

Väth: Wir sind zwar in der Poleposition, aber das Rennen ist noch nicht zu Ende.  Es ist zu früh, eine Verschnaufpause einzulegen. Exogene Faktoren, wie eine mögliche US-amerikanische Steuerreform, können noch entscheidende Parameter zu unseren Ungunsten verändern. Auch müssen wir konstatieren, dass die Wettbewerber gute Arbeit machen und Erfolge erzielen. Zum Beispiel im Bereich Versicherungen und Asset Manager. Von großer Bedeutung wird sicher die Frage der Zukunft des Euro Clearings werden, da stehen uns spannende Tage und Wochen bevor. Auch hier haben wir bereits viel Aufklärungsarbeit geleistet. Es ist aber auch die Zeit, einmal Danke zu sagen. Seien es BaFin oder Bundesbank, die Landesregierung oder der Bund. Wenn es darauf ankommt wird hier hervorragende Arbeit geleistet, das bleibt nicht unbemerkt. Bemerkenswert war auch, wie viele unserer Mitglieder uneigennützig angerufen haben und gefragt haben: Können wir etwas für euch tun. Da haben wir natürlich nicht nein gesagt und konnten so vieles anstoßen. Und auch bemerkenswert, wie aktiv neue Mitglieder auf uns zugekommen sind und gesagt haben, jetzt verstehe ich, warum ihr wichtig seid und warum es Sinn macht, mitzumachen.

Adlhoch: Wir nehmen das Feedback aus den vielen Einzelgesprächen, die wir als Vertreter der Landesregierung, von Hessen Agentur, Frankfurt Rhein Main und Frankfurt Main Finance führen, sehr ernst. Was gut ankommt: Der vertrauliche Dialog, und deshalb wird darauf auch künftig unser Schwerpunkt liegen. Was wir verstärkt tun: Den unmittelbaren Austausch mit Experten organisieren. Hier in der Region sitzen ja nicht nur die Banken und Regulierer, sondern all jene Juristen und Beratungsgesellschaften, die für die Finanzindustrie erforderlich sind. Detailfragen zu Arbeitsrecht, zu Steuern, zu regulatorischen Aspekten klären wir, indem wir Kontakte vermitteln und Experten vernetzen. Was wir nicht tun werden: mit kurzfristigen Geschenken – also Vergünstigungen oder Zulagen – für den Standort werben. Wir sind fest überzeugt, dass wir als Region das zu bieten haben, was Unternehmen bei der strategischen Standortentscheidung überzeugen kann. Das gilt nicht zuletzt für die Lebensqualität. Darüber haben wir heute wenig gesprochen. Aber jeder, der das Rhein-Main-Gebiet kennt, weiß, dass das Freizeit- und Kulturangebot sich durchaus sehen lassen kann.

Hessische Delegation auf Brexit-Tour in London – ein Reisebericht

Die Vertreter des hessischen Wirtschaftsministeriums sind seit Monaten im Brexit-Modus. Kommunikation über alle Kanäle und am liebsten im persönlichen Gespräch – wenn es darum geht, für die Vorteile Frankfurts als Finanzzentrum der EU zu werben, wird jeder Anlass genutzt. So auch die Delegationsreise des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir nach London. Die im Ursprung für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft initiierte Reise war der ideale Rahmen für eine kleine Finanzdelegation des Ministeriums. Armin Winterhoff, Referatsleiter Finanzplatz Frankfurt, war Teil dieses Teams und kennt die Details und Hintergründe der dreitägigen London-Tour.

Zehn Banken, zwei Verbände, drei Tage. Das Programm der Finanzdelegation um Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir war vollgepackt, als es vom 9. bis 11. Mai nach London ging. Da liegt es auf der Hand, dass schon im Vorfeld im Detail festgelegt wurde, wer mit welchem Schwerpunkt an welchem Termin teilnimmt. „Wir suchen das persönliche Gespräch zu den Verantwortlichen in den Banken und bei den Verbänden. Wir wollen für Frankfurt werben, indem wir informieren und Austausch mit Spezialisten anbieten. Der Finanzplatz Frankfurt soll zum ‚Gateway to the EU‘ werden.“, erklärt Armin Winterhoff die grundlegende Zielsetzung. Fakten sprächen für die Vorteile der Mainmetropole und deshalb wird er nicht müde zu betonen, wie wichtig es sei, fundierte Informationen an der richtigen Stelle zu hinterlegen – also insbesondere bei den großen international tätigen Banken, die aufgrund des Brexit aller Voraussicht nach ihren Zugang zum EU-Finanzmarkt verlieren werden.

Informationen an der richtigen Stelle hinterlegen: Die Finanzdelegation besuchte 10 Banken und zwei Verbände in London. (Canary Wharf, Quelle: fotolia)

Die Tage sind durchgetaktet, Working Lunches und Hessen Abend inklusive. Umso wichtiger, dass das kleine Kernteam – bis zu 10 Spezialisten aus dem Wirtschaftsministerium, der Stabsstelle Brexit bei der hessischen Staatskanzlei, dem hessischen Finanzministerium, der Bundesbank sowie Einrichtungen wie dem Verband der Auslandsbanken in Deutschland e. V., Frankfurt Rhein Main GmbH und Frankfurt Main Finance e. V. – gut eingespielt ist. „Mit den meisten Adressen waren wir auch vor der Reise schon in engem Kontakt“, erläutert Winterhoff. Es sei aber unverzichtbar, vor Ort und im persönlichen Gespräch aufzuzeigen, was den Finanzplatz Frankfurt besonders ausmache.

Hessen Abend: Auf Einladung des Landes Hessen trafen sich rund 150 Teilnehmer im 100 Wardor St im Herzen von Soho. Minister Tarek Al-Wazir wirbt für Frankfurt. Quelle: twitter.com/hmwevl

Auch Vorbehalte müssten aus der Welt geschafft werden: „Wer mit globaler Perspektive auf Frankfurt schaut, wird oft schon bei der Einwohnerzahl von 700.000 stutzig. Dass im Einzugsgebiet Frankfurt Rhein Main 5,6 Mio. Menschen leben, viele davon hochqualifiziert mit internationalem Background, muss erklärt werden.“ Winterhoff kann zahlreiche solcher Beispiele nennen – weil sich letztlich alle mit den gleichen Fragen beschäftigen. Deshalb gehört auf solchen Reisen die „Welcome to the Financial Centre Frankfurt“-Broschüre zum Handgepäck. Diese bringt  „10 Punkte für Frankfurt“ auf den Punkt.

Download Broschüre Welcome to the Financial Centre

Auffallend ist nach Winterhoffs Beobachtung, wie offen und konstruktiv die Delegation aus Frankfurt allerorten empfangen wurde: „Für uns ist das ein Indiz, dass in dieser Phase alle internationalen Häuser größtes Interesse an einer inhaltlich tiefgehenden Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Finanzplätzen in der EU haben.“ Sicher hätte jede Bank eigene Analysen, aber diese zu unterfüttern mit Informationen aus erster Hand habe offensichtlich hohen Stellenwert. „Da sind wir als die offiziellen Vertreter des Landes durchaus gefragte Gesprächspartner“, so der Referatsleiter.

Auch wenn das Informieren über und das Werben für den Standort an erster Stelle stehen – auf Seiten der hessischen Vertreter ist eine solche Reise ebenso immer wieder ein Erkenntnisgewinn. „So bekommen wir hautnah mit, worüber in London diskutiert wird und wo die Knackpunkte für die Unternehmen liegen“, sagt Winterhoff. Das seien im Übrigen nicht nur die harten Fakten vor allem mit Blick auf bestehende Regulatorik. Großes Interesse fänden auch Softskills wie das Vorhandensein von Ressourcen in der Region sowie Freizeitangebote und Kulturprogramm. Denn wer erwäge, mit seinem Unternehmen und seiner Familie von der Themse an den Main zu ziehen, wolle wissen, was ihn erwartet. „Wir messen diesen Fakten einen hohen Stellenwert bei, weil letztlich nicht nur Steuern und Arbeitsrecht darüber entscheiden, wo Menschen sich wohl fühlen“, ist Winterhoff sicher. Im persönlichen Gespräch falle es leichter zu erzählen, wie es sich in und um Frankfurt lebt. Deshalb werden die hessischen Vertreter weiter jede Gelegenheit suchen, die Mainmetropole zu präsentieren.

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Neues Angebot: Seminar Banking Business in Germany

„Banking Business in Germany – Relocating from London to Frankfurt“ ist der Titel einer Informationsveranstaltung, die Finanzdienstleistern wertvolle Unterstützung bei der Verlagerung von Geschäftseinheiten (aus London) an den Finanzplatz Frankfurt am Main bieten soll. Namhafte Referenten wie z. B. Dr. Oliver Wagner (Verband der Auslandsbanken in Deutschland e.V.), Olaf Atja Lemmingson (Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH) und Eric Menges (FrankfurtRheinMain GmbH) decken dabei ein breites Themenspektrum ab: Fragen zu Aufsicht und Regulierung werden ebenso adressiert wie arbeitsrechtliche Aspekte und allgemeine Themen wie Wohnungsmarkt und Schulangebote. Organisator der zweitägigen Veranstaltung ist Management Circle, in deren Flyer und auf deren Website sich weitere Details und Termine finden.

Frankfurt Finance Summit 2017: Themen am Puls der Zeit

Cybersecurity ist ein Thema, dessen Brisanz immer dann offensichtlich wird, wenn Unternehmen und Institutionen zum Opfer von Hackern werden – zuletzt gesehen Mitte Mai, als die erpresserische Schadsoftware „WannaCry“ sich stündlich millionenfach weiterverbreitete und in Behörden, Unternehmen und bei Einzelpersonen erhebliche Schäden anrichtete. In Großbritannien wurde das Gesundheitssystem lahmgelegt, bei Renault standen die Bänder still, in Deutschland waren beispielsweise die Deutsche Bahn und verschiedene Krankenhäuser betroffen.

Cyberattacken stellen Finanzsektor vor Herausforderungen

Dieses Mal nicht im Fokus: der Finanzsektor. Doch die Frage liegt nahe, wie gut Banken und Finanzdienstleiter eigentlich gegen kriminelle Cyberattacken gewappnet sind. „Die Aufsichtsbehörden BaFin und Deutsche Bundesbank lassen den Banken einen großen Spielraum, was den Schutz vor Cyberattacken angeht. Den Aussagen der Experten zufolge ist allerdings klar, dass der Finanzsektor eventuellen Angriffen sehr ausgesetzt ist. Das ist auch dem Alter der IT-Strukturen und dem Aufsetzen immer neuer Elemente geschuldet, die den Schutz schwieriger machen“, sagt Unternehmensberaterin und Moderatorin Cornelia Meyer, die beim diesjährigen Frankfurt Finance Summit das Panel „Cybersecurity & Innovation“ unter anderem mit einem Gespräch zwischen dem russischen Computerviren-Experten Eugene Kaspersky und dem deutschen Informatiker und ehemaligen Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Daniel Domscheit-Berg, leitete.

Brexit-Verhandlungen: Positionen verhärten sich

Ein weiterer Schwerpunkt des Frankfurt Finance Summit 2017 unter dem Motto „Europe Reloaded – Challenges for the Financial Sector“ waren die Folgen des Brexit. „Bei diesem Thema überschlagen sich die Ereignisse, seit die britische Premierministerin Theresa May das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union formal beantragt hat“, sagt Dr. Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance. Die Ankündigung der EU, zuerst die Bedingungen für den Austritt und nachgelagert ein EU-Freihandelsabkommen verhandeln zu wollen, sowie die Diskussion, ob Großbritannien gegebenenfalls bis zu 100 Milliarden Euro Austrittsentschädigung zahlen muss, stößt bei den Briten auf Ablehnung. „Die Premierministerin muss aufpassen, wie sich die Verhandlungen auf die Wirtschaft und die langfristigen Folgen für den Finanzplatz London auswirken“, kommentiert die in London und der Schweiz lebende Meyer, die das Geschehen vor Ort verfolgt.

Auf einen harten Brexit hofft sie nicht und ruft mit Blick auf die strikte Position der britischen Premierministerin die im Juni stattfindenden Wahlen in Erinnerung: „Bei den jüngsten Lokalwahlen hat die konservative Partei von Theresa May sehr gut abgeschnitten, während die UKIP Partei, die ursprünglich hinter dem Brexit-Referendum stand, Stimmenanteile verloren hat. May wird nun auf Teufel komm raus Wahlkampf betreiben. Und je härter sie sich gibt, desto mehr Stimmen kann sie gewinnen.“

Persönlicher Austausch gefragt

Mit Themen, die nah am Puls der Zeit sind, sowie der Möglichkeit zum Networking stieß der siebte Frankfurt Finance Summit wieder auf eine positive Resonanz bei den rund 200 Teilnehmern. „Auch im digitalen Zeitalter kann der persönliche Kontakt nicht ersetzt werden. Das persönliche One-on-One-Gespräch findet ohne Medienbruch oder Interpretation statt. Alleine deswegen ist der Frankfurt Main Finance Summit eine hervorragende Gelegenheit des Gedankenaustausches“, sagt Dr. Carsten Lehr, Geschäftsführer der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH. „Mit Frankfurt als Standort findet der Summit an einem zentralen und effizient erreichbaren Ort statt, der gleichzeitig der führende deutsche sowie kontinentaleuropäische Finanzplatz ist. Besonders freut es mich, dass das Themenspektrum der Konferenz inzwischen auch die Digitalisierung umfasst und in diesem Rahmen die Verleihung des FintechGermany-Awards stattfindet“, betont Andreas Lukic, Vorsitzender von Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.

Impressionen zum Frankfurt Finance Summit finden Sie hier.

Financial Centre Report

Neuer Finanzstandortbericht: BUILDING BRIDGES – Frankfurt in Zeiten des Brexit

Der Brexit und seine Folgen – es vergeht kaum ein Tag ohne neue Nachrichten über die Chancen und Risiken, die Gewinner und Verlierer des EU-Austritts Großbritanniens. Während man sich auf der Insel auf Neuwahlen vorbereitet, um das politische Fundament für die Ausstiegsverhandlungen zu festigen, wird hierzulande vor allem über die Auswirkungen für das wirtschaftliche Zusammenspiel und den Finanzmarkt in der Europäischen Union diskutiert. London ist bislang der zentrale Platz für Finanzakteure aus aller Welt. Dies dürfte sich sehr bald ändern, und andere Finanzplätze in Europa werden an Bedeutung gewinnen. Dabei wird Frankfurt als das Finanzzentrum der stärksten Wirtschaftsnation in Europa eine besondere Rolle spielen.

Der neue Finanzstandortbericht zeigt auf, was Frankfurt zu bieten hat: von Infrastruktur und Institutionen bis Wissenschaft und Kultur in „Mainhattan“. Teil 2 des Berichts analysiert detailliert volkswirtschaftliche Fragen und wirft einen Blick auf die Chancen des Finanzplatzes nach dem britischen Brexit-Votum.

BUILDING BRIDGES ist ab sofort als Download verfügbar.

Eschborn for Business

Im Aufwind: Eschborn for Business

Die neueste Ausgabe des Magazins Eschborn for Business ist nun erhältlich. Das jährliche, englisch-deutsche Magazin setzt die mehr als 30.000 Angestellten und über 4.000 Unternehmen mit Sitz in Eschborn in den Fokus und berichtet über kommerzielle und wirtschaftliche Entwicklungen der Stadt.

Die Rubriken Netzwerke, Wirtschaft, Infrastruktur und Eschborn Aktiv heben verschiedenste interessante Themen hervor:

  • „Im Aufwind“ – das Titelthema diskutiert das kommerzielle Wachstum der Stadt, neue Bauvorhaben und deren Ursachen.
  • „Eine Jahrhundertchance“ – Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, erläutert die positiven Auswirkungen des Brexits auf die Region Frankfurt Rhein-Main und Eschborn.
  • „Größte Dynamik als FinTech-Hub“ -Die Region Frankfurt Rhein-Main ist Heimat eines boomenden FinTech-Ökosystems. Die Deutsche Börse mit Hauptsitz in Eschborn ist einer der größten Unterstützer dieser Entwicklung.
  • „Von London nach Eschborn“ – der südkoreanische Technologiegigant LG verlegte seinen europäischen Hauptsitz von London nach Eschborn.

Eschborn: Spitzenstandort mit hoher Lebensqualität

Dank einer einzigartigen Verbindung wichtiger Wirtschaftsfaktoren hat sich die Stadt Eschborn mit ihren 21.000 Einwohnern zu einem internationalen und modernen Geschäftsknoten entwickelt. 95 % der 4.000 dort ansässigen Unternehmen sind Dienstleister, hauptsächlich aus den Finanz-, IT-, Beratungs- und Telekommunikation-Sektoren. Etwa 80 High-Tech-Unternehmen haben sich ebenfalls in Eschborn angesiedelt und etablieren die Stadt zum wichtigen Innovationsknoten in Frankfurt Rhein-Main.

Im aktuellen Zukunftsatlas des Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos rangiert das Main-Taunus-Gebiet, angeführt von Eschborn und seinen mehr als 32.000 Angestellten, auf dem 15. Platz unter den 402 deutschen Städten und Landkreisen. Ansässige Unternehmen profitieren von der komfortablen Infrastruktur, der Nähe zum Frankfurter Flughafen und ICE-Bahnhöfen, von der unternehmensfreundlichen Steuerpolitik und Eschborns moderaten Miet- und Immobilienpreisen. Die Grünflächen um die Ausläufer des Taunusgebirges tragen zur hohen Lebensqualität bei. Es gibt attraktive Wohngebiete, gute Schulen. Für ein breites Freizeitangebot sorgen darüber hinaus die vielen Sportmöglichkeiten und Parks, kostenfreie Parkplätze und über 100 verschiedene Vereine und Kulturinstitutionen. Dank all dieser Faktoren eröffnet Eschborn vielversprechende Aussichten für Arbeit und Freizeit.

Laden Sie sich die neueste Ausgabe Eschborn for Business herunter!

 

 

Frankfurt Finance Summit 2017 – Europe Reloaded

Seit 2011 kommen in Frankfurt hochkarätige Persönlichkeiten der nationalen und internationalen Finanzwelt zusammen. Unter dem Motto „Europe Reloaded – Herausforderungen des Finanzsektors“ trafen sich am 26. April 2017 Entscheider aus Zentralbanken, Börsen, Aufsichtsbehörden, Banken, Versicherungen, Politik, Unternehmen und Wissenschaft, um sich über aktuelle Fragen rund um den europäischen Wirtschaftsraum, Regulierung und die Finanzmärkte auszutauschen. Dabei standen die Folgen des Brexits, die Herausforderungen durch Cyberkriminalität und die Veränderung der Langzeitfinanzierung im Fokus

Einen umfassenden Rückblick auf den Frankfurt Finance Summit 2017 in englischer Sprache finden Sie hier.

Financial Centre Report

Building Bridges – Frankfurt and Europe after Brexit. Der neue Standortbericht von Frankfurt Main Finance

Building Bridges – Frankfurt and Europe after Brexit, so lautet der Titel des aktuellen Finanzstandortberichts von Frankfurt Main Finance. Die ausschließlich in englischer Sprache verfügbare Publikation, widmet sich in ihrem ersten Teil den Facetten des Finanzplatzes. Gestaltet wie ein Magazin präsentiert sich die Mainmetropole aus unterschiedlichen Perspektiven und zeigt in lesefreundlicher Weise, was diese Stadt stark macht, welche Besonderheiten sie auszeichnen.

Der zweite Teil des Berichts, „Insights“, analysiert detailliert und kenntnisreich volkswirtschaftliche Fragen und wirft einen kritischen Blick auf die Chancen, die sich dem Finanzplatz nach dem britischen Brexit-Votum bieten.

Den Auftakt zum Standortbericht macht ein Grußwort des Hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir, der bereits die Hauptthemen intoniert. Der Minister erinnert an den Aufstieg Frankfurts zum wichtigsten Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Er weist auf die Vielzahl von Herausforderung hin, der sich die Finanzindustrie heute ausgesetzt sieht. Zu denken sei etwa an die Digitalisierung, die die Branche fordert, sich neu zu erfinden und neu aufzustellen. Die lebhafte FinTech-Szene in der Rhein-Main-Region sei eine Art, die Herausforderungen anzunehmen und offensiv anzugehen.

Die zweite Herausforderung dieser Tage sei es, die Neuausrichtung der europäischen Finanzbranche in der Folge des Brexit zu bewältigen und zukunftsorientiert damit umzugehen. „Building Bridges“, der Titel des Standortberichts hat hier seinen Ursprung. Der Bericht zeigt, wie Frankfurt und die Rhein-Main-Region aus einer kooperativen Grundhaltung heraus dazu beitragen, die europäische Finanzordnung zukunftstauglich zu machen und ihre Leistungsfähigkeit für die Realwirtschaft auch weiterhin sicher zu stellen.

Der vorliegende Bericht von Frankfurt Main Finance wirft Schlaglichter auf den Finanzstandort Frankfurt und eröffnet Einsichten, die in ihrer Gesamtheit ein ebenso eindrucksvolles wie stimmiges Bild ergeben. Nach den launigen und einfühlsamen Seiten des ersten Teils, gibt der zweite Teil klarer, faktenbasierter Analyse Raum. Thematisch bleibt der Blick auf die gleichen Fragen gerichtet, die schon im Magazinteil verhandelt wurden: Was bedeutet der Brexit für Frankfurt, wie ist es um das Verhältnis von Realwirtschaft und Banken bestellt, wie ist es um die ökonomisch so bedeutende Langfrist-Finanzierung bestellt und wie verhält sich die deutsche Wirtschaft zum Brexit?