CFS Index

CFS-Index zeigt gegensätzliche Entwicklung auf

Finanzinstitute begrenzen Stellenabbau und steigern Ertragszuwächse – Dienstleister melden verlangsamte Wachstumsdynamik ihrer Umsätze, Erträge und Investitionen

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt leicht um 0,7 Punkte auf 113,6 Punkte. Der im Ergebnis nahezu unverändert hohe Stand beruht auf gegensätzlichen Entwicklungen: Die Finanzinstitute melden unerwartet hohe Ertragszuwächse, und es werden deutlich weniger Stellen abgebaut. Die Dienstleister hingegen verzeichnen einen stärkeren Umsatz- und Ertragsrückgang, befinden sich aber nach wie vor auf hohem Niveau. Das Investitionsvolumen beider Gruppen bleibt auch weiterhin positiv, kann sich jedoch nicht auf den zuvor erreichten Höchstständen halten.
„Die stabilisierte wirtschaftliche Entwicklung der Finanzinstitute äußert sich insbesondere in einer langsam ansteigenden Ertragserwartung bei gleichzeitig stark gestiegenem realisiertem Ertrag im ersten Quartal. Das ist eine gute Nachricht, denn es kann die Voraussetzung für ein dringend benötigtes Kapitalwachstum der Banken schaffen, und damit die Finanzstabilität erhöhen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die Beurteilung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland erreicht den historisch zweithöchsten Stand

Die schon seit dem Brexit-Votum enorm positiv eingeschätzte zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland liegt im zweiten Quartal 2017 nur knapp unter dem historischen Höchststand des letzten Jahres von 136,8 Punkten. Der entsprechende Wert steigt um 4,0 Punkte auf 135 Punkte.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Umfrage zeigt sehr klar, dass der aufsteigende Trend intakt ist: Die Finanzbranche sieht eine zunehmende Bedeutung des Finanzplatzes Frankfurt. Das ist ein erfreuliches Ergebnis und Resultat der verstärkten Zusammenarbeit aller relevanten Akteure am Finanzstandort.“

Dienstleister verzeichnen stärkeren Wachstumsrückgang der Umsätze, jedoch auf solidem hohem Niveau

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der Finanzbranche ist leicht rückläufig, befindet sich aber auf solidem hohem Niveau. Bei den Finanzinstituten steigt der Sub-Index nur leicht um 0,9 Punkte auf 113,9 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen einen stärkeren Rückgang um 4,0 Punkte, stehen aber nach wie vor mit 126,6 Punkten auf einem sehr guten Level. Für das laufende Quartal erwarten beide Gruppen einen weiteren Wachstumsrückgang.

Erträge der Finanzinstitute entwickeln sich unerwarteterweise sehr positiv – Dienstleister hingegen verzeichnen einen deutlichen Rückgang

Die befragten Finanzinstitute können ihre Erträge nach der schwachen Entwicklung der letzten Quartale deutlich ausbauen. Der entsprechende Sub-Index steigt unerwarteterweise um 8,0 Punkte auf 112,5 Punkte, im Vorjahresvergleich lag der Sub-Index noch bei 97,9 Punkten. Hingegen melden die Dienstleister einen Rückgang des Ertragswachstums um 5,5 Punkte, befinden sich aber nach wie vor mit 117,9 Punkten auf hohem Niveau. Beide Gruppen, besonders die Finanzinstitute, rechnen mit einem Rückgang für das laufende Quartal.

Deutlich abgeschwächter Stellenabbau bei den Finanzinstituten

Der Trend bei den Finanzinstituten, den Stellenabbau seit Beginn des Jahres zu begrenzen, hält weiter an. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt deutlich um 7,2 Punkte auf 97,6 Punkte, befindet sich somit aber immer noch unter der neutralen Grenze von 100 Punkten. Die Finanzinstitute gehen für das laufende Quartal davon aus, dass sich der Stellenabbau wieder leicht erhöht. Hingegen stellen die Dienstleister nahezu unverändert Mitarbeiter ein. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 0,1 Punkte auf 113,6 Punkte. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister optimistischer.

Investitionsvolumen weiterhin sehr positiv, kann sich jedoch nicht auf den zuvor erreichten Höchstständen halten

Trotz eines Wachstumsrückgangs befindet sich das Investitionsvolumen in Produkt- und Prozessinnovationen beider Gruppen nach wie vor auf einem guten Niveau. Der Sub-Index der Finanzinstitute sinkt um 2,6 Punkte auf 113,5 Punkte. Der Sub-Index der Dienstleister sinkt deutlicher um 6,1 Punkte auf 111,8 Punkte. Beide Gruppen rechnen für das laufende Quartal mit weiteren Rückgängen.

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung unter rund 400 Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Konferenz zum Comeback Griechenlands und zur Zukunft der Eurozone am 31. Mai

Unter dem Titel „Greece: A comeback to the financial markets – A glimpse into Europe’s financial landscape?” veranstalten die Deutsch-Griechische Handelskammer (AHK) sowie das Wirtschaftsmagazin The Economist am 31.05.2017 in der IHK Frankfurt eine Konferenz zur Zukunft Griechenlands im Kontext regionaler und globaler Entwicklungen.

Für Griechenland wird das Jahr 2017 als entscheidender Meilenstein betrachtet. Werden die Reformen weiterhin erfolgreich sein und damit die Stabilisierung der Wirtschaft gelingen? Kann das Land somit Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum wiedererlangen? Und wann kann diese Rückkehr an die Märkte stattfinden?

Darüber hinaus sollen aber auch regionale und globale Entwicklungen Beachtung finden. In Europa entstanden durch den Brexit, den Aufstieg des Populismus sowie wegweisende Wahlen neue Herausforderungen. Auf der anderen Seite des Atlantiks steht die US Regierung unter genauer Beobachtung der Weltöffentlichkeit.

Die Zukunft der Eurozone, Griechenlands Comeback an den Märkten sowie neue Investmentmöglichkeiten diskutieren unter anderem Pierre Moscovici, europäischer Wirtschaftskommissar, Euclid Tsakalotos, griechischer Finanzminister, und Yannis Stournaras, Präsident der griechischen Nationalbank. Für Frankfurt Main Finance wird Dr. Jochen Biedermann am Panel „Strengthening economic and business ties with Greece“ teilnehmen.

Agenda und Anmeldung finden Sie hier.

Wendepunkte des Brexits: vom Referendum bis zur Ankündigung der Neuwahlen

10 Monate seit dem Brexit-Referendum

Vor 10 Monaten überraschte die Entscheidung  des britischen Referendums für den Austritt aus der Europäischen Union die weltweite Öffentlichkeit. Seitdem ist in der Politik und an den Finanzmärkten deutliche Verunsicherung spürbar, besonders da Entwicklung und Ergebnis der Austritts-Verhandlungen sowie die darauffolgende Reaktion der Finanzmärkte bisher weitestgehend unvorhersehbar sind. Der folgende Beitrag beschäftigt sich daher mit dem Verlauf des Brexit-Prozesses seit dem Referendum und die neue Unsicherheitsdimension durch Theresa Mays Ankündigung der Neuwahlen Anfang der Woche.

Überraschende Entscheidung und Machtwechsel

Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union. Am nächsten Tag folgte hierauf ein Einbruch an den Aktienmärkten in Europa und Asien. David Cameron verkündete am 13. Juli seinen Rücktritt, die konservative Politikerin Theresa May, bis dahin Innenministerin, die vor dem Referendum als EU-Befürworterin galt, wurde seine Nachfolgerin und Boris Johnson, Wortführer der Brexit-Kampagne, britischer Außenminister.

Trotz Hindernissen nimmt der harte Brexit Formen an

Am 2. Oktober 2016 kündigte May an, den Austrittsprozess aus der Europäischen Union offiziell Ende März 2017 in Gang zu setzen. Mitte Januar 2017 wurde klar, es wird einen „harten Brexit“ geben, da Großbritannien auch den europäischen Binnenmarkt sowie die Zollunion verlassen wird. Allerdings urteilte das höchste britische Gericht am 24. Januar, dass das Parlament dem Brexit zustimmen müsse.

Parlamentarische Unterstützung und hohe EU-Verbindlichkeiten

Die Europäische Union stellte London am 7. Februar in Aussicht, die milliardenschweren Ausstände Großbritanniens bei der EU nach dem Brexit gelten zu machen. Einen Tag später stimmte das britische Unterhaus dem sogenannten Brexit-Gesetz zu, welches das Ausscheiden Großbritanniens gemäß Artikel 50 des EU-Vertrages ermöglicht. Am 13. März gab dann das Oberhaus seinen Widerstand gegen den Brexit auf, das Brexit-Gesetzt wurde verabschiedet und die schottische Regierung kündigte an, über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erneut ein Referendum abzuhalten.

Artikel 50: Der Countdown läuft

Am 14. März 2017 reichte Großbritannien die offizielle Austrittserklärung bei der Europäischen Union in Brüssel ein und eröffnete somit den zweijährigen Zeitraum für die Austrittsverhandlungen, der mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union im März 2019 enden soll. EU-Ratspräsident Donald Tusk legte am 31. März 2017 fest, dass die Verhandlungen in zwei aufeinander folgenden Schritten ablaufen soll, die Bedingungen des Austritts gefolgt von denen der zukünftigen Partnerschaft, und lehnt damit die Forderung Londons nach deren paralleler Verhandlungen ab. Am 5. April legte das Parlament der Europäischen Union mit breiter Mehrheit einen gemeinsamen Standpunkt für die Brexit-Verhandlungen fest. Am Dienstag, 18. April, gelangte der Brexit-Prozess dann erneut an einen Wendepunkt.

Mays Neuwahlforderung: eine neue Unbekannte in den Brexit-Verhandlungen

Premierministerin Theresa May kündigte am 18. April überraschend Neuwahlen des britischen Unterhauses für den 8. Juni an, die sie zuvor wiederholt ausgeschlossen hatte. Die notwendige parlamentarische Zweidrittelmehrheit, von Beobachtern als reine Formsache betrachtet, da sich Labour-Parteichef Jeremy Corbyn ebenfalls für die Neuwahlen aussprach, wurde dementsprechend am 19. April erteilt.

Als Grund für die Neuwahlen gelten die Kritiker des Brexit-Kurses, deren politischem Aufwind in der öffentlichen Debatte durch den erhofft hohen Wahlsieg ein Ende gesetzt werden soll. Die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen bedürfen aus Sicht von May eines stabilen politischen Umfelds. Kritiker, zähe parlamentarische Prozesse und politische Spielchen sollen in den zweijährigen Verhandlungen nicht die Verhandlungsposition Großbritanniens untergraben. Von den Neuwahlen versprechen sich May und die Konservativen Einheit, Geschlossenheit und starke Führung für die britische Regierung. Für das bestmögliche Ergebnis in den Brexit-Verhandlungen braucht May ein starkes Mandat sowie den uneingeschränkten Rückhalt ihrer Partei. Auf beides lassen die Wahlprognosen sie hoffen. 44 Prozent würden aktuell die Konservativen wählen, während die Labour-Partei momentan nur auf 23 Prozent käme. Mays Kontrahenten von der Labour-Partei zeigen sich schwächer denn je. Nur 14 Prozent können sich Corbyn als Premier vorstellen. Die Liberaldemokraten wiederum setzen dennoch große Hoffnungen in die Neuwahlen und verweisen auf die Chance, das Ausscheiden Großbritannien aus dem Binnenmarkt zu verhindern sowie dem Land eine neue Richtung zu geben.

Eine Reihe neuer Unsicherheiten drängen nach der Ankündigung der Neuwahlen in die öffentliche Diskussion. Wird May gemäß den Prognosen, der zu erwartende hohe Sieg gelingen? Wie wird sich diese gestärkte Verhandlungsposition in den Brexit-Verhandlungen niederschlagen: in zusätzlicher Härte, in neuer Kompromissbereitschaft oder gar in höherer Verlässlichkeit und Berechenbarkeit? Durch die Neuwahlen weckt der Brexit-Prozess erneut Verunsicherung. Die ohnehin unabsehbaren Verhandlungen werden durch die verstärkte Unklarheit über Mays zukünftige Rolle um einen weiteren Unsicherheitsfaktor erweitert Die Finanzmärkte reagieren auf die Ankündigung der Neuwahlen dementsprechend uneinheitlich. Während das Pfund-Sterling im Vergleich zu Dollar und Euro zulegte, verzeichnete der Londoner Aktienindex Verluste. Nicht nur Großbritannien, sondern ganz Europa und mit ihm die Finanzmärkte stehen am Scheideweg. Der Frankfurt Finance Summit widmet sich unter dem Motto Europe Reloaded und besonders im Verlauf des ersten Panels „Europe after Brexit“ diesen bedeutenden Fragen.

Brexit Frankfurt Finance Summit

Brexit: Finanzzentren steht eine neue Realität bevor

Nur sechs Wochen vor dem Brexit Referendum beschrieb Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen, diese politische Entscheidung auf dem Frankfurt Finance Summit 2016 als die wahrscheinlich schwerwiegendste der vergangenen 30 Jahre. „Ich glaube, dass sowohl die EU, als auch das Vereinigte Königreich mit einem Verbleiben Großbritanniens in der EU besser bedient sind“, so Schäuble. „Großbritanniens Verhältnis zu Europa sollte nicht durch eine Splendid Isolation, sondern eine Splendid Integration gekennzeichnet sein.“ Die schlimmsten Befürchtungen des vergangenen Jahres wurden in diesem Jahr Realität. Artikel 50 wurde am 29. März 2017 ausgelöst, die offiziellen Verhandlungen stehen unmittelbar bevor und die Zeit läuft. Den produktiven Dialog darüber zu fördern, wie Europa nach dem Brexit vorankommen kann, ist Ziel des diesjährigen Summits am 26. April in Frankfurt unter dem Motto Europe Reloaded – Challenges for the Financial Sector.

Mit der formellen Austrittserklärung der britischen Regierung tritt der Brexit nun in eine neue und entscheidende Phase. „Der Beginn der Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich steht nun unmittelbar bevor. Damit betreten die Verhandlungspartner Neuland. Wir halten es für wichtig, die Maxime zu beherzigen: Stabilität des Finanzsystems kommt vor dem Einzelinteresse. Beide Seiten werden die Balance finden müssen, einen ungeordneten Bruch zu vermeiden und zugleich die Attraktivität der Mitgliedschaft in der EU erkennbar zu belassen“, so Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V.

Frankfurt Main Finance bedauert auch weiterhin den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und rechnet mit dem Wegfall der Rechte unter dem Passporting. „Der Finanzplatz Frankfurt ist hervorragend aufgestellt, um eine Brückenfunktion für London in die EU zu übernehmen. Als Standort der Europäischen Zentralbank, der europäischen Versicherungsaufsicht, der größten europäischen Börse und dem größten Internet-Knoten für Datentransfer bietet Frankfurt die beste Infrastruktur für europaweit tätige Kreditinstitute und Finanzdienstleister. Mit dem TechQuartier und dem dynamischen, wachsenden Fintech-Ökosystem ist Frankfurt von der Bundesregierung auch als Digital Hub für die Finanzindustrie ausgezeichnet worden. Deshalb rechnen wir weiterhin mit einer Verlagerung von rund 10.000 Arbeitsplätzen über die kommenden Jahre“, sagt Geschäftsführer Väth weiter.

Diese Zahlen sind nicht nur vage Schätzungen. Am 20. März berichtete Väth in der Financial Times, dass es starke Anzeichen dafür gibt, dass drei der fünf größten US Banken sowie auch Schweizer, japanische, koreanische und indische Banken bereits entschieden haben, ihre Geschäftstätigkeit nach Frankfurt zu verlagern oder sich im Entscheidungsprozess befinden. Frankfurt liegt unter den Profiteuren des Brexits eindeutig vorne, steht aber auch nicht alleine unter den europäischen Finanzzentren. Jedes Finanzzentrum zeichnen spezifische Merkmale für die Aufnahme der verschiedenen Funktionen und Geschäftsbereiche aus. Luxemburg und Dublin liegen beispielsweise im Asset Management vorne. Warschaus relativ kostengünstige und gut ausgebildete Talente könnten einen Zuzug der Backoffice-Funktionen begünstigen. Es scheint sicher, dass Geschäftsbereiche aus London verlagert, aber über Europas Finanzzentren verstreut werden.

Wichtige Fragen bleiben noch offen. Wie wird die neue Verteilung der Finanzzentren aussehen? Wird das Euro-Clearing unter die Jurisdiktion der EZB fallen? Und wenn, wer wird diesen 500 Milliarden Euro-Markt gewinnen? Wird die neue European Banking Authority den anderen europäischen Regulierungsfunktionen in Frankfurt zugeordnet? Die Zukunft Europas und seiner Finanzzentren wird Thema der ersten Keynote und Panel Diskussion auf dem Frankfurt Finance Summit 2017.

cybersecurity

Digitalisierung stellt den Finanzsektor vor neue Herausforderungen bei Cybersecurity

Die Wirtschaft ist begeistert von der Idee der Digitalisierung: technische Geräte gehören zu unserem privaten und beruflichen Alltag. Cybersicherheit wird deswegen immer wichtiger – auch im Finanzsektor. Der Fokus des diesjährigen Frankfurt Finance Summit mit dem Titel „Europe Reloaded – Challenges for the financial sector“ liegt daher auch auf den Themen Cybersecurity und Innovation. Denn Cyberangriffe können erheblichen Schaden anrichten: Im Februar 2016 versuchten Cyberkriminelle 951 Mio. Dollar von der Bangladesh Bank zu stehlen, sie flüchteten mit 101 Mio. Dollar. Kaspersky Labs berichtet, dass die Carbanak Gruppe Computer von mehr als 100 Finanzinstituten mit Viren infizierte, was zur Manipulation von Kontoständen, Überweisungen und Fernsteuerung von Geldautomaten führte. Insgesamt richtete die Aktion einen Schaden von einer Milliarde Dollar an. Solche Attacken auf Organisationen und Regierungen werden immer häufiger und komplexer. Cybersecurity steht daher vor neue Herausforderungen.

Diebstahl von Geldern verursacht nicht die einzigen konkreten Kosten eines solchen Angriffes. Datenschutzverletzungen können Kundendaten, Geschäftsgeheimnisse, Industrieanlagen und Personal gefährden. Laut Schätzungen von Cybersecurity Ventures kostete Cyber-Kriminalität 2015 weltweit 3 Billionen Dollar. Bis 2021 werden diese Kosten auf 6 Billionen Dollar steigen. Das Thema wird aufgrund dieser massiven Kosten in den Vorstandsetagen der Welt heiß diskutiert. Cybersecurity Ventures berichtet außerdem, dass 2017 insgesamt 120 Milliarden Dollar für Produkte und Dienstleistungen im Bereich Cybersecurities ausgeben werden. Auch diese Ausgaben werden voraussichtlich bis 2021 ansteigen: auf eine Billion Dollar. Eine starke Mauer wird aber gegen immer komplexer werdende Angriffe und die gleichzeitig stärkere Vernetzung von Geschäftsprozessen nicht ausreichen.

Cameron Brown (@AnalyticalCyber) gilt als zuverlässiger Cyberabwehr-Berater und Stratege für Informationssicherheit. Er berät EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Brown beobachtet einen Paradigmenwechsel innerhalb der Unternehmen: „Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen schwächen das Vertrauen der Konsumenten, erzeugen einen irreparablen Image-Schaden und führen zu Aktienabstürzen über Nacht. Unternehmen, die diese neue Realität erkennen, investieren intensiv in  Security Operations Centres und Threat Intelligence. So ist eine frühzeitige Erkennung möglich und Schwachstellen können proaktiv erkannt werden. Brown beobachtet, dass „Vorstände immer empfänglicher für die Nutzung ganzheitlicher Strategien zum Schutz ihres Informations- und Datenbestandes werden. Die eigenen Sicherheitsteams werden mit Instrumenten ausgestattet, um mehr Überblick über die Umgebung zu erhalten und eine effektivere Zusammenarbeit bei globalen Zwischenfällen zu erreichen.“ Laut Brown stellen die Risiken, die mit Drittanbietern verbunden sind, eine weitere Schwachstelle dar. Er fügt hinzu: „Unternehmen, die ihren Wettbewerbsvorteil halten wollen, sollten in Technologie investieren, um Bedrohungen erkennen und abwenden zu können. Mitarbeiter müssen widerstandsfähiger werden, um dieser Bedrohung standzuhalten und sie auszumerzen.“

Cybersicherheit ist besonders für FinTechs relevant

Betrachtet man die Abermillionen täglichen Transaktionen, Handelsgeschäfte und sensiblen Daten, so wird die immense Bedeutung von Cybersicherheit deutlich. Gleichzeitig schreitet die Digitalisierung in noch nie dagewesenem Tempo voran. Cybersicherheit mit neuen, innovativen Anwendungen und Systemen zu vereinen, stellt ein gewaltiges Unterfangen dar. Allgemeine Praxis ist es, Services und Anwendungen von Drittanbietern in Anspruch zu nehmen. Diese Einbindung kann aber zur potentiellen Schwachstelle werden. Solche Überlegungen sind besonders relevant für FinTech-Unternehmen, da ihre Anwendungen häufig durch Programmierschnittstellen (APIs) der Banken verbunden sind. Brown weiter: „Manche Akteure integrieren robuste Sicherheit in ihre Lösungen, während andere Maßnahmen zu kurz greifen. Der Entwicklungszyklus ist aggressiv, teuer und hoch dynamisch.“. Der Berater erklärt, dass viele Produkte zu schlecht ausgestattet sind, um gezielten und andauernden Cyberattacken standzuhalten. Außerdem müssen Unternehmer und Innovatoren ihre Prioritäten ändern, um einen zu schnellen Markteinstritt ohne ausreichendes Produktesting und Bewertung zu vermeiden.

Dennoch: Einige FinTechs tragen zur Verbesserung der Cybersicherheit bei, wie etwa der Gewinner der „Golden Garage“ im vergangenen Jahr, WebID Solutions. Das FinTech erleichtert sichere Online-Identifikation. Brown fügt hinzu, dass „anhaltender und proaktiver Dialog zwischen Unternehmern und Regulatoren entscheidend für gegenseitiges Bewusstsein ist. Das ruft ein Verständnis über die Technologie hervor, was die Fintechlösungen untermauert“. Die Entwicklung des Regulierungsrahmens soll zu einer Verbesserung beitragen und nicht Kreativität und Einfallsreichtum verhindern. „Offene Kommunikationskanäle kommen Unternehmern zugute, da sie helfen, Fragen rund um Datenschutz, Verbraucherschutz und die Auswirkung von grenzüberschreitender Komplexität zu beantworten“, erklärt Brown. Außerdem empfiehlt er dringend vor dem Markteintritt des FinTechs eine umfassende Risikobewertung der Datenschutzbestimmungen. Wichtig ist hier zu erkennen, wo sich die Daten befinden und welchen Verlauf sie nehmen, insbesondere ob sie durch dritte Hände gehen.

Geschäftsbereiche und Mitarbeiter sind die vorderste Verteidigungslinie für Cybersicherheit

Da Unternehmen in Technologie und Personal investieren, um potentielle Risiken zu minimieren, ist es wichtig den Mitarbeitern zu verdeutlichen, welchen Unterschied sie machen können. Cameron Brown erklärt, dass eine der größten Hürden der Unternehmen die Sensibilisierung der Mitarbeiter und des Vorstandes für Cybersicherheit sei. „Der CIO ist der Dreh- und Angelpunkt eines Unternehmens. Er muss die Organisation durch gefährdetes Terrain führt und die Datenbewegung zur Maximierung des Umsatzes unterstützen. Um diese Aufgabe zu erfüllen benötigt der CIO vielfältige Kompetenzen, um operative, rechtliche, regulatorische Themen und Compliance-Fragen aufnehmen zu können, die sowohl IT als auch das Geschäftsumfeld beeinflussen. CIOs müssen Gefahren vorhersehen und sich für die Einführung neuer Risikomodelle starkmachen können.“ Schulungen der Mitarbeiter im Umgang mit potentiellen Risiken helfen teure Angriffe zu vermeiden; unabhängig von der Unternehmensgröße. Cybersicherheit betrifft das gesamte Unternehmen. Daher bedarf es auch eines Lösungsansatzes im gesamten Unternehmen. Er betont, dass „Sicherheitsbewusstsein und Schulungen für Mitarbeiter, inklusive Betriebskontinuitätsplänen wesentliche Bestandteile zur Stärkung der Mitarbeiter und Geschäftsbereiche sein sollten.“

Beim diesjährigen Frankfurt Finance Summit wird sich das zweite Panel und der Hauptredner Eugene Kaspersky auf Cybersicherheit und Innovation fokussieren. Neben Kaspersky werden Felix Hufeld, Präsident der BaFin, Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und Daniel Domscheit-Berg, Autor und früherer WikiLeaks-Sprecher teilnehmen. Moderiert wird das Panel von der Volkswirtin Cornelia Meyer.

Center for Financial Studies

Finanzregulierung in Europa – Wissenschaft oder Kunst?

Dass Finanzregulierung eine Wissenschaft darstellt – diesem Satz würden man wahrscheinlich ohne Zögern zustimmen. Aber Finanzregulierung als Kunst – dieser Zusammenhang erschließt sich nicht ohne Weiteres.

Der Vortrag des Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, am 16. März, beschäftigte sich genau mit dieser Frage, ob Finanzregulierung als Wissenschaft oder als Kunst zu verstehen ist. Genauer gesagt, welcher Teil von Regulierungsprozessen als Wissenschaft und welcher als Kunst zu bezeichnen ist. Zum Vortrag an der Goethe Universität Frankfurt eingeladen hatte das Center for Financial Studies (CFS), das für seine Vortragsreihe bereits in der Vergangenheit eine Vielzahl hochkarätiger Rednern gewinnen konnte.

Als Wissenschaft beschreibt Hufeld an der Regulierung unter anderem die Grundannahmen, Modelle und quantitativen Methoden, beleuchtet im Verlauf seines Vortrags dann aber vor allem den Teil von Regulierung, der über diese wissenschaftlichen Elemente hinausgeht und den Hufeld als Kunst bezeichnet. All jene Fragen und Entscheidungen, die sich mit Rechenmodellen nicht beantworten lassen, die Abwägungen zwischen unterschiedlichen regulatorischen Zielen nötig machen, die zudem noch in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen können. „Kurzum: Fragen, bei denen es vor allem auf das Urteilsvermögen von Menschen ankommt“, wie Felix Hufeld zusammenfasst. Was außerdem dadurch erschwert wird, dass sich Regulierung im Kontext globaler Entwicklung, dem fortschreitenden Prozess der Europäisierung sowie der Dynamik der Märkte und dem grundlegenden Wandel durch die Digitalisierung bewegt.

Anhand von vier Beispielen vertieft Hufeld dieses Verständnis von Regulierung als Kunst: Finanzstabilität vs. Profitabilität, Risikosensitivität vs. Prozyklizität, prinzipienbasierte vs. regelbasierte Regulierung sowie Verbraucherschutz vs. Handlungsfähigkeit der Kreditinstitute. Diese und weitere Spannungsfelder bedürfen einzelfallbezogener, kreativer wie pragmatischer Entscheidungen der Regulierer, die auf der Basis von Prinzipien durch Standfestigkeit und Kontinuität gestützt werden und sich im Spannungsverhältnis widerstreitender regulatorischer Ziele sowie dynamischer Entwicklungen bewegen müssen. Am Ende dieses Prozesses steht das Ziel der Regulierung, eine dauerhafte tragfähige Ordnung der Finanzmärkte zu realisieren und den Teufelskreis aus Krise – Regulierung – Deregulierung und erneuten Krisen zu verhindern.

Börse Frankfurt feiert den 3. Tag der Aktie

Frankfurt Main Finance Mitglied, die Deutsche Börse ruft für den 16. März zum mittlerweile 3. Tag der Aktie auf. Mit der Veranstaltung möchten Deutschlands führender Börsenbetreiber und die beteiligten Banken die Bedeutung der Aktie als Instrument zur Altersvorsorge in der Bevölkerung steigern. Der Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse wird an diesem Tag mit der traditionellen Handelsglocke eröffnet.

Privatanleger können gebührenfrei DAX-Aktien und DAX-ETFs kaufen

Michael Krogmann, Mitglied der Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse, sagte: „Für uns ist es von besonderer Bedeutung, Finanzwissen an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln und Aufklärungsarbeit zur Bedeutung der Börse und damit auch der Aktie zu leisten. Aktien machen aus Privatpersonen Miteigentümer eines Unternehmens. Über ihre Investitionen ermöglichen sie jungen Unternehmen neue Geschäftsideen umzusetzen, Großunternehmen sichern sie die Finanzierung von Wachstum und damit letztlich auch von Arbeitsplätzen. Seit Jahrhunderten ist die Aktie Bestandteil und wichtiges Element für Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft. Darüber hinaus können Aktien einen sehr wichtigen Beitrag zur Altersvorsorge leisten.“

Am Tag der Aktie wird über den Handelsplatz Börse Frankfurt der Kauf aller DAX-Aktien sowie von neun Exchange-Traded-Funds (ETFs) auf den DAX-Index für Privatanleger ab einem Ordervolumen von 1.000 Euro bei allen beteiligten Brokern kostenlos sein. Die Deutsche Börse und die Broker 1822direkt, Augsburger Aktienbank, comdirect, Consorsbank, DKB Deutsche Kreditbank, ING-DiBa und maxblue verzichten auf die üblicherweise anfallenden Entgelte.

Um die Rolle des Börsenhandels für jedermann verständlich zu machen, bietet die Deutsche Börse im Frankfurter Handelssaal ganzjährig kostenfreie Einführungsvorträge und Galeriebesuche an. Bis zu 40.000 Besucher aus aller Welt nehmen dieses Angebot jährlich in Anspruch. Mit www.boerse-frankfurt.de stellt die Deutsche Börse außerdem ein Internet-Portal bereit, das speziell auf die Bedürfnisse von Privatanlegern ausgerichtet ist. Auf der Webseite wird ausführlich erklärt, wie Einsteiger Aktien handeln können, welche Rolle die Börse in der Volkswirtschaft hat und wie der Börsenhandel heute funktioniert. Vertiefende Schulungen bietet die Deutsche Börse über die hauseigene Capital Markets Academy an. Interessierte können dort zum Beispiel an Grundlagenseminaren zum Finanzmarkt oder zu Börsenprodukten teilnehmen.

Finanzplatztag 2017 – building instead of burning bridges

Am 7.-8. März, 2017 fand zum zehnten Mal der Finanzplatztag in der IHK Frankfurt statt. Die Konferenz wurde von der WM Gruppe, einem Frankfurt Main Finance Mitglied und Herausgeber der Börsen-Zeitung, veranstaltet. Frankfurt Main Finance war auf dem Finanzplatztag durch seine Mitglieder wie die Deutsche Börse, die Helaba, das Bundesland Hessen und natürlich durch die WM Gruppe sehr gut vertreten.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, moderierte die Podiumsdiskussion Building Instead of Burning Bridges-the new landscape for EU financial centres. Auf dem Podium diskutierten Arnaud de Bresson, CEO von Paris Europlace, Mark Hoban, Vorsitzender der International Regulatory Strategy Group, Pat Lardner, CEO der Irischen Fund Association und Tom Theobald, stellvertretender CEO von Luxembourg for Finance. Die Vertreter der führenden Finanzzentren untersuchten, welche Veränderungen erwartet werden können, sobald Finanzdienstleister London in Folge des Brexits verlassen sollten. Über die vorrangige Bedeutung, Stabilität in Europa zu erhalten, waren die Diskussionsteilnehmer einig. Ein wichtiger Baustein dieser Stabilität wird Londons Rolle als globaler Finanzplatz sein. Die Finanzzentren in der Eurozone werden ein starkes Netzwerk aufrechterhalten müssen, um wettbewerbsfähig mit anderen globalen Zentren wie Singapur und New York City zu bleiben. Der Bau einer Brücke zwischen der Eurozone und London spielt eine entscheidende Rolle, um die Auswirkungen des Brexit zu minimieren und die Stabilität zu erhalten.

Dr. Gertrud R. Traud, Chef-Volkswirtin von der Helaba, sprach über den Strukturwandel und Frankfurts Aussicht, vom Brexit zu profitieren, dabei gab sie einen Überblick über die Stellung Frankfurts als Finanzplatz im Vergleich. Traud erklärte, warum Frankfurts besonderer Charakter, die Stadt zum Spitzenreiter des Kontinents macht und präsentierte die jüngsten Ergebnisse des Finanzplatz Fokus‘. Die Helaba Studie Brexit-Lets go Frankfurt, zeigt, dass Frankfurt in mehrfacher Hinsicht die führende Position unter den Finanzzentren der Eurozone belegt, eine Weltklasse Infrastruktur bietet, hohe Lebensqualität und die Stabilität und Stärke der deutschen Wirtschaft.

Im Anschluss an eine Keynote von Deutsche Börse CEO Carsten Kengeter, leitete Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, die Podiumsdiskussion Folgen des Brexits für den Finanzplatz Frankfurt. Teilnehmer waren Hubertus Väth, Hauke Stars, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse und Michael Reuther, Vorstandsmitglied der Commerzbank AG. Zur Eröffnung der Diskussion sagte Väth von Frankfurt Main Finance, er stehe immer noch zu seiner Schätzung vom Juni 2016, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre rund 10.000 Arbeitsplätze von London nach Frankfurt verlegt werden. Angesichts der zahlreichen Standortvorteile Frankfurts, berichtete Väth von erheblichem Interesse von Finanzdienstleistern und Banken und erwartet Ankündigungen von Verlagerungen im Laufe des Monats. Obwohl er keine Namen nennen dürfe, hätten 3 der 5 größten amerikanischen Banken beschlossen, nach Frankfurt zu ziehen, so Väth. Er bekräftigte, dass Frankfurt „in der Pole Position“ für eine Verlagerung von London in die EU bleibe. Die Ankündigungen der Umsiedelung erwartet Väth in drei Wellen, beginnend mit großen Investmentbanken, gefolgt von Geschäftsbanken und Vermögensverwaltern.

Frankfurt Main Finance Executive Mitglied, Hauke Stars, ergänzte Väths Aussagen, mit dem Hinweis auf Frankfurts Talent Pool und die Rolle als Drehkreuz mit vielen attraktiven Faktoren. Stars erklärte, dass Frankfurt nicht nur ein ansprechender Standort für große Finanzdienstleistungsunternehmen sei, sondern auch für kleine FinTech-Startups. Die Deutsche Börse unterstützt aktiv das Frankfurter FinTech-Ökosystems, vor allem mit seinem FinTech Hub. Des Weiteren deutete Stars auf erweiterte Aktivitäten hin, um dieses wichtige Segment voranzutreiben, welche in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden.

Die Veranstaltung wurde am ersten Tag mit einem Schlusswort von Tarek Al-Wazir, dem hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Stadt- und Landesentwicklung und Frankfurt Main Finance Executive Committee Mitglied geschlossen. Al-Wazir reflektierte über die Ereignisse von 2016 und die zehn Jahre seit dem ersten Finanzplatztag. Abgesehen davon, dass der Brexit sehr unglücklich und unerwünscht sei, sagte Al-Wazir, wir müssten das Beste für den Finanzstandort tun. Ziel sollte es sein, dem Vereinigten Königreich unsere Hand zu reichen und eine Brücke zu bauen, anstatt sie einzureißen.

Brexit-Risiken minimieren und den europäischen Kapitalmarkt stärken

In seinem heute veröffentlichten Positionspapier „Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich: Brexit-Risiken minimieren und den europäischen Kapitalmarkt stärken“ unterbreitet das Deutsche Aktieninstitut Vorschläge an die Verhandlungsführer, wie im Rahmen der anstehenden Austrittsverhandlungen Nachteile für die europäisch-britischen Wirtschaftsbeziehungen abgewendet werden können.

„Es liegt an den Verhandlungsführern, die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich so zu gestalten, dass die negativen Auswirkungen des Brexits für beide Seiten minimiert werden“, betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Mit unserem Positionspapier und den darin enthaltenen Handlungsempfehlungen tragen wir unseren Teil dazu bei, dass die Austrittsverhandlungen auf einer soliden kapitalmarktrechtlichen Grundlage beginnen können und letztlich zu guten Ergebnissen führen werden.“

Luka Mucic, Finanzvorstand der SAP SE und Mitglied des Vorstands des Deutschen Aktieninstituts, hebt die Bedeutung des Positionspapiers für die anstehenden Verhandlungen hervor. „Die Sicht des Deutschen Aktieninstituts und seiner Mitgliedsunternehmen wird in diesem Positionspapier sehr deutlich“, unterstreicht er. „Die Verhandlungsführer müssen alles daransetzen, Wettbewerbsverzerrungen durch Steuerdumping und einen Deregulierungswettlauf zwischen den britischen und EU-Märkten abzuwenden“, so Mucic.

Die zentralen Forderungen des Deutschen Aktieninstituts sind:

  • Die Nachteile für alle Beteiligten auf ein Minimum zu reduzieren und die Attraktivität der Märkte in Europa sicherzustellen;
  • Mit Übergangsregelungen Zeit zu gewinnen und den Fortbestand der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich zu sichern;
  • Mit Blick auf die Kapital- und Finanzmarktrechtssetzung die Drittstaatenregelungen zu erweitern, vereinheitlichen und effizienter auszugestalten;
  • Hinsichtlich der gesellschaftsrechtlichen Grundstrukturen die Funktionsfähigkeit bewährter und notwendiger Rechtsinstitute sicherzustellen.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet, das mit Blick auf die umfassenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich die relevanten Themen identifizierte, die bei den Austrittsverhandlungen eine Rolle spielen.

Die interdisziplinär besetzte Projektgruppe, der Vertreter von Mitgliedsunternehmen des Deutschen Aktieninstituts angehören, wird die Austrittsverhandlungen inhaltlich begleiten und zum jeweiligen Verhandlungsstand gegebenenfalls Stellung nehmen.

Hubertus Väth im Interview mit efinancialcareers

Im Interview mit efinancialcareers spricht Frankfurt Main Finance Geschäftsführer Hubertus Väth über die anstehende Verlagerungen von Arbeitsplätzen an den Finanzplatz Frankfurt. Besonders den großen US-Banken, aber auch schweizer und asiatischen Banken komme in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. In all diesen Regionen sieht Väth Frankfurt deutlich in der Pole Position und dementsprechend würden in Kürze erste Banken ihre Entscheidungen öffentlich kommunizieren. Neben den Regulieungsinstitutionen wie BaFin und der EZB sei vor allem die hervorragende Infrastruktur Frankfurts, die Wettbewerbsfähigkeit und der große Talentpool am Standort Frankfurt grundlegend für die Entscheidung der Banken. Die Wechselwelle erwartet Väth dabei in drei Schritten: zuerst die Investmentbanken, gefolgt von Commercial Banks und schließlich Asset Managern und Dienstleistern, welche in einem dritten Schritt wechseln würden.

Das vollständige Interview lesen Sie hier.