Brexit

Deutsche Wirtschaftsverbände veröffentlichen Brexit-Kompendium

Um die Anliegen der deutschen Wirtschaft für die Brexit-Verhandlungen zu bündeln, haben namhafte deutsche Wirtschaftsverbände heute branchen-übergreifend ein digitales „Brexit-Kompendium“ veröffentlicht. Auf der zugehörigen Webseite www.brexit-kompendium.de können die Positionspapiere der teilnehmenden Wirtschaftsverbände zum Brexit nach relevanten Themen-bereichen sortiert eingesehen werden.

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wird zu weitreichenden Folgen für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft führen. Die konkreten Auswirkungen hängen vom Ausgang der Verhandlungen ab.

Ziel des Brexit-Kompendiums ist es, die aus Sicht der Wirtschaft relevanten Themenbereiche in einem Nachschlagewerk zusammenzufassen. Hierfür werden die Positionspapiere der teilnehmenden Wirtschaftsverbände an einem Ort zusammengeführt. Den Verhandlungsführern und der interessierten Öffentlichkeit steht damit ein einfacher Zugang zu Problemanalysen und Lösungs-vorschlägen zur Verfügung.

Die Verbände bringen jeweils ihre fachspezifischen Themen und ihre Expertise in das Projekt ein. Sie bleiben dabei inhaltlich unabhängig und sind für ihre je-weiligen Themenbereiche und Veröffentlichungen selbst verantwortlich.

Die Webseite des Brexit-Kompendiums finden Sie hier.

Bundesfinanzminister Altmaier und Ministerpräsident Bouffier zum EBA-Standort

Die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung sind davon überzeugt, dass der Finanzplatz Frankfurt dank seiner herausragenden Qualitäten gestärkt aus dem Brexit hervorgehen wird. Sie werben zugleich dafür, dass Frankfurt nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union Sitz der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) wird. Gemeinsam mit Bundesfinanzminister Peter Altmaier und dem Sonderbeauftragten für die EBA-Bewerbung, dem früheren Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, trat der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Dienstag in Brüssel nachdrücklich für die deutsche Bewerbung um die Europäische Bankenaufsicht ein.

„Frankfurt ist der wichtigste Finanzplatz auf dem Kontinent. Und dort, wo das Geld bewegt wird, gehört auch die Aufsicht hin“, sagte der hessische Regierungschef bei der Veranstaltung in der Vertretung des Landes Hessen. „Ich bedaure den Brexit ausdrücklich und bin überzeugt, dass er weder für Großbritannien noch für Europa positiv zu bewerten ist. Wir sind aber entschlossen, die sich daraus ergebenen Chancen für unser Land zu nutzen.“

Neue Struktur des europäische Finanzmarktes

Die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung sind davon überzeugt, dass der Finanzplatz Frankfurt dank seiner herausragenden Qualitäten gestärkt aus dem Brexit hervorgehen wird. Sie werben zugleich dafür, dass Frankfurt nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union Sitz der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) wird. Gemeinsam mit Bundesfinanzminister Peter Altmaier und dem Sonderbeauftragten für die EBA-Bewerbung, dem früheren Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, trat der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Dienstag in Brüssel nachdrücklich für die deutsche Bewerbung um die Europäische Bankenaufsicht ein.

„Frankfurt ist der wichtigste Finanzplatz auf dem Kontinent. Und dort, wo das Geld bewegt wird, gehört auch die Aufsicht hin“, sagte der hessische Regierungschef bei der Veranstaltung in der Vertretung des Landes Hessen. „Ich bedaure den Brexit ausdrücklich und bin überzeugt, dass er weder für Großbritannien noch für Europa positiv zu bewerten ist. Wir sind aber entschlossen, die sich daraus ergebenen Chancen für unser Land zu nutzen.“

Der europäische Finanzmarkt werde durch den Brexit eine neue Struktur erhalten, erläuterte Peter Altmaier, Bundesfinanzminister und Chef des Bundeskanzleramts. London werde in jedem Fall ein internationaler Finanzplatz von großer Bedeutung bleiben, andere Standorte in Europa aber aufgewertet werden. Zum Beispiel benötigten Banken, die ihre Produkte in der Europäischen Union anbieten wollen, auch eine Niederlassung in der EU und seien deshalb auf Standortsuche. Die deutsche EBA-Bewerbung Frankfurt sende ein deutliches Signal an die anderen EU-Mitgliedstaaten für eine Entscheidung, die in die Zukunft gerichtet sei und für Stabilität stehe.

„Frankfurt bietet in der Mitte Europas eine hervorragende Infrastruktur, ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure der Finanzwirtschaft und ein international geprägtes Umfeld“, betonte Bouffier. Dazu gehörten internationale Schulen, 34 Hochschulen im Umkreis einer Autostunde und 100.000 Menschen, die in der Finanzwirtschaft arbeiten und ein hohes Potenzial an Fachwissen mitbringen. „Das sind beste Voraussetzungen, damit eine internationale Behörde wie die EBA gut und schnell und reibungslos umziehen und sofort effizient arbeiten kann. Alle sachlichen und fachlichen Argumente sprechen klar für Frankfurt“, sagte der Ministerpräsident.

„Für Stabilität und Verlässlichkeit sorgen“

„Die Finanzmärkte reagieren traditionell sehr empfindlich auf Veränderungen. Der Brexit ist eine Veränderung von gewaltiger Dimension. Umso wichtiger ist es, dass mit einer Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt in diesem für Europa wichtigen Wirtschaftszweig für Stabilität und Verlässlichkeit gesorgt wird“, sagte der frühere Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, der die deutsche EBA-Bewerbung als Sonderbeauftragter unterstützt. „Frankfurt ist objektiv der geeignetste Ort für die Europäische Bankenaufsicht, weil mit der Europäischen Zentralbank und der Versicherungsaufsicht EIOPA räumlich und persönlich eine notwendige enge Zusammenarbeit ermöglicht wird.“

„Frankfurt ist aus unserer Sicht der logische Standort der Europäischen Bankenaufsicht“, betonte auch die hessische Europaministerin Lucia Puttrich. Diese Einschätzung höre sie auch in vielen Gesprächen mit Vertretern aus den anderen EU-Mitgliedstaaten. Gleichwohl sei die Bewerbung Frankfurts kein Selbstläufer, denn neben rein fachlichen Kriterien könnten auch politische Überlegungen bei der Entscheidung, die am 20. November fallen soll, eine Rolle spielen.

Chance zu mehr Effizienz und Schlagkraft

Die Ansiedlung der EBA in Frankfurt biete aber neben vielen anderen Vorteilen auch die Chance zu mehr Effizienz und Schlagkraft, weil mit der Europäischen Zentralbank, dem EU-einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus SSM und der Versicherungsaufsicht EIOPA weitere europäische Finanzinstitutionen vor Ort seien, mit denen es Überschneidungen gebe. Ferner haben die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin ihren Sitz in Frankfurt.

„Die Landesregierung und alle relevanten Partner in Frankfurt und der Region Rhein-Main arbeiten beim Thema Brexit zielgerichtet und konstruktiv zusammen“, betonte Puttrich außerdem. Frankfurt werde durch den Brexit in jedem Fall profitieren. Etliche Banken und andere Institute der Finanzwirtschaft hätten bereits angekündigt, ihren Standort dorthin zu verlegen oder den vorhandenen Standort auszubauen. Weitere werden mit Sicherheit folgen. „Deshalb gehen wir selbstbewusst und positiv an die Aufgaben heran, die uns erwarten.“

Hintergrund

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) muss aufgrund des Brexits aus London an einen anderen Standort in der Europäischen Union umziehen. Neben der deutschen Bewerbung für Frankfurt gibt es sieben weitere Bewerbungen anderer EU-Mitgliedstaaten. Die Entscheidung über den künftigen EBA-Standort soll am 20. November fallen.

Frankfurter Büroimmobilienmarkt erreicht durch Brexit-Pläne der Banken neue Rekorde

Nachfrage und Spitzenmieten bei Büroimmobilien in Frankfurt erreichen neue Rekordhöhen. Das zeigen Analysen der führenden Immobilienunternehmen und -investoren. Gleichzeitig ist der Leerstand so gering wie seit Jahren nicht mehr. Fast 16 Monate nach dem Brexit-Referendum spiegelt die Entwicklung des Frankfurter Büromarktes klar die Beliebtheit des Finanzplatzes unter Banken, die Großbritannien verlassen oder zumindest wichtige Teile der Geschäftstätigkeit an den Main verlagern. In den nächsten vier Jahren erwartet Frankfurt Main Finance die Verlagerung von 10.000 Arbeitsplätzen von London nach Frankfurt. Zahlreiche Bauprojekte werden die damit einhergehende Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen decken.

Die steigende Nachfrage stärkt das Investorenvertrauen: Analysten berichten von einem bemerkenswerten Anstieg des Transaktionsvolumens im Vergleich zu 2016. Unternehmen sind außerdem auf der Suche nach größeren zusammenhängenden Büroflächen von mehr als 10.000 qm2, um die Geschäfts- und Personalverlagerung stemmen zu können. Trotz zunehmender Nachfrage und steigender Höchstmieten bleibt der Finanzplatz Frankfurt im Vergleich zu anderen europäischen Finanzzentren preisgünstig.

Diese Entwicklungen diskutieren die Niederlassungsleiter des Frankfurt Main Finance-Mitgliedes BNP Paribas Real Estate José Martinez und Oliver Barth. Zusätzliche Einschätzungen geben Immobilienexperten von KGAL, Savills Investment Management und Jones Lang LaSalle (JLL).

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF herunterladen

José Martinez und Oliver Barth, beide Geschäftsführer und Frankfurter Niederlassungsleiter der BNP Paribas Real Estate

Der Frankfurter Büromarkt gibt weiter Gas. Mit 477.000 m² wurde das beste Ergebnis der letzten 15 Jahre aufgestellt. Mit dem herausragenden Resultat belegt die Mainmetropole hinter Berlin und München den dritten Platz. Bemerkenswert ist, dass sich die Nachfrage relativ gleichmäßig über alle Größenklassen und Marktsegmente verteilt, dies unterstreicht die breite Nachfragebasis. Besonders erfreulich: Endlich sind auch wieder mehrere Großdeals mit mehr als 10.000 m² am Flächenumsatz beteiligt. In den vergangenen Jahren mangelte es an großen Abschlüssen, aktuell liegt ihr Anteil bei 20 %. Einen der größten Verträge schloss die Helaba in Kaiserlei mit rund 27.500 m² ab.

Die Angebotssituation spiegelt die gute Nachfrage der letzten zwei Jahre wider: Aktuell stehen 1,51 Mio. m² Bürofläche leer, das sind 10 % weniger als im dritten Quartal 2016. Aber: Nur etwa die Hälfte davon, also 749.000 m², verfügen über die von den Nutzern präferierte hochwertige, moderne Ausstattung. Im gesamten Marktgebiet hat die Leerstandsquote mit 9,8 % die 10-%-Schwelle mittlerweile nach unten durchbrochen. Wie groß der Einfluss des Brexit auf die weitere Entwicklung des Frankfurter Gewerbeimmobilienmarkts sein wird, ist noch nicht abzusehen. Fakt ist: Der Brexit ist auf dem Frankfurter Markt spürbar, dominiert ihn aber nicht. BNP Paribas Real Estate ist in ersten, guten und vielversprechenden Gesprächen mit potenziellen Zuzüglern. Dass sich etwas tut, zeigen auch die Deals von Morgan Stanley oder Goldman Sachs, die sich bereits größere Büroflächen in Frankfurt gesichert haben. Sollten auf einmal alle aktuellen Gesuche im Markt und die Unterschriften von Brexit-Banken zeitlich aufeinander fallen, könnte es theoretisch einen Flächenengpass in der Frankfurter Innenstadt geben, wo derzeit nur knapp 120.000 m² moderne Büroflächen zu haben sind; im Bankenviertel stehen sogar nur gut 66.000 m² leer. Für die prognostizierten 10.000 Arbeitnehmer, die zusätzlich nach Frankfurt kommen würden, werden geschätzte 150.000 m² benötigt. Betrachtet man sich die insgesamt leerstehenden Büroflächen, hätte Frankfurt im Fall der Fälle jedoch kein Problem, geeignete Büroflächen zu finden – nur eben nicht alle in zentraler Citylage. Entspannung bringen einige attraktive Projektentwicklungen, die gegenwärtig im Bau sind, etwa im Bankenviertel die Projekte WINX, Omniturm und Marienturm, die rechtzeitig 2018/2019 fertiggestellt werden und in denen es noch freie Flächen gibt.

Aus heutiger Sicht spricht alles dafür, dass die lebhafte Nachfrage sich bis zum Jahreswechsel fortsetzen wird, sodass im Gesamtjahr ein Flächenumsatz zwischen 750.000 und 800.000 m² und damit eines der besten Ergebnisse aller Zeiten möglich erscheint. Wir gehen gleichzeitig von weiter rückläufigen Leerständen aus, deshalb werden die Mieten wahrscheinlich weiter steigen.

Gert Waltenbauer, CEO der KGAL GmbH & Co. KG

„Frankfurt kann seine Rolle als führender Finanzplatz durch den Brexit stärken und seine Attraktivität weiter ausbauen, wie die Entscheidungen einiger Londoner Banken für diesen Standort als EU-Zentrale zeigen. Der verkehrsgünstig und innenstadtnah gelegene Flughafen ist ein echtes Frankfurter Asset, dessen Bedeutung mit Wachstum von Handel und europäischer Integration weiter zunehmen wird. Vor allem Büroimmobilien in Frankfurt erleben dadurch eine deutliche Wertsteigerung. Wir registrieren aber auch, dass die Wohnqualität in Frankfurt in den letzten Jahren zugenommen hat mit wiederum positiven Effekten auf die Werthaltigkeit von Wohnimmobilien.“

Andreas Trumpp, Savills Investment Management

„Aus unserer Sicht bietet Frankfurt ein großes Spektrum erschwinglicher Büroflächen sowohl in zentralen Innenstadtlagen als auch in B-Lagen und könnte ohne weiteres 10.000 Büroangestellte beherbergen. Lediglich durch den Mangel an verfügbarem Wohnraum könnte der Zustrom limitiert werden. Der Einzelhandel- und Gastronomiesektor würde in jedem Fall von dem Zuzug von gut verdienenden Bankangestellten profitieren. Als eines der wichtigsten Finanzzentren weltweit punktet Frankfurt nicht zuletzt mit seiner hervorragenden Erreichbarkeit, sprich dem stadtnahen und optimal an das Verkehrsnetz angebundenen Flughafen sowie den kurzen Wegen innerhalb der Stadt und der gesamten Region. Die ansässigen Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen wirken anziehend für hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt und fördern damit die Vielfalt vor Ort.“

Markus Kullman, Associate Director Office Leasing Frankfurt am Main, JLL

„Der Brexit ist in Frankfurt angekommen. Erste Abschlüsse konnten in den vergangenen Wochen registriert werden.

JLL steht im konstanten Austausch mit sehr vielen Unternehmen, die aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU mit Auswirkungen auf einige ihrer Geschäftsfelder rechnen. Auch mit dem Finanzsektor verbundene Dienstleister sondieren den Markt nach adäquaten Flächen. Den meisten Interessenten ist der Frankfurter Büroimmobilienmarkt aber keine unbekannte Größe – sie sind mindestens mit einer kleinen Repräsentanz in der Mainmetropole vertreten.

Neben einer verfügbaren Auswahl an potenziellen Flächenalternativen von hoher Qualität wird von ihnen vor allem die gute Infrastruktur, wie beispielsweise der Flughafen, sehr geschätzt.

Bereits letztes Jahr war erkennbar –  und das hat sich in unseren laufenden Gesprächen bestätigt: es geht nicht um Komplettverlagerungen einer Vielzahl von Arbeitsplätzen aus London nach Frankfurt, sondern es werden schrittweise notwendige Kapazitäten aufgebaut. Und das in den wichtigsten Metropolen Europas. Neben Frankfurt spielen Paris, Amsterdam, Dublin und auch Luxemburg eine Rolle. In der Bankenstadt Frankfurt rechnen wir mit rund 100.000 m² Bürofläche, die im Zuge des Bexits über den marktüblichen Bedarf hinaus absorbiert werden.

Zwar verzeichnen wir in manchen Stadtteilen Frankfurts mittlerweile eine gewisse Flächenknappheit. Zum Beispiel können wir in der Bankenlage aktuell nur eine geringe Auswahl Bestandsliegenschaften anbieten. Das gilt besonders für hochwertige, zusammenhängende Flächen mit mehr als 5.000 m². Aufgrund der Vielzahl von Neubauprojekten, wie z.B.  OmniTurm, MarienTurm oder das Four-Projekt auf dem ehemaligen Deutsche Bank Areal, die in den Jahren 2019-2022 mehr als 250.000 m² neue Bürofläche auf Markt bringen werden, gehen wir aber nicht davon aus, dass die aktuell gestiegene Nachfrage mittelfristig zu einer massiven Preissteigerung am Frankfurter Markt führen wird. Derzeit liegt die Spitzenmiete bei 37,50 Euro/m²/Monat, die höchste unter den Big 7 und bei einer Leerstandsquote von 8,2%, ebenfalls der höchsten unter den deutschen Immobilienhochburgen. Allerdings: in den Lagen, auf denen der Fokus der nachfragenden Unternehmen liegt, sind es deutlich weniger; abhängig von Teilmarkt und Qualität können es aktuell nur 4-6% sein.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer, Frankfurt Main Finance e.V.

„Das Angebot an Gewerbeimmobilien ist die geringste Sorge in Frankfurt. Es entstehen 250.000 Quadratmeter an neuer Bürofläche in mehreren neuen Hochhäuser im Verlauf von 5 Jahren. Aktuell in Frankfurt sind 19 Hochhäuser im Bau und 26 stehen in der Planung. Handlungsbedarf bestand schon zuvor und besteht nun noch mehr bei Wohnimmobilien. Im Bereich Microapartements für Pendler und dem Segment Hochhauswohnen sieht es dabei besser aus als bei erschwinglichem Wohnraum für die Breite der Interessierten. Da das Problem erkannt ist und man einen Vorlauf hat, sollte aber auch das mit vereinten Kräften machbar sein.“

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität. Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF herunterladen.

Deutsches Aktieninstitut veröffentlicht zweites Positionspapier zum Brexit und fordert: Übergangsregelungen jetzt!

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat sein zweites Positionspapier zum Brexit vorgestellt. Darin fordert es angesichts der fortgeschrittenen Verhandlungszeit von den Verhandlungsführern, Übergangsregelungen zu treffen, die verhindern, dass es beim Brexit zu einem Cliff Edge Szenario kommt. Unter dem Titel „Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich: Brexit-Risiken minimieren und den europäischen Kapitalmarkt stärken“ sollen die Ausführungen zu finanz- und kapitalmarktrechtlichen Fragestellungen und konkrete Beispiele aus der unternehmerischen Praxis, u.a. Clearing, Rating und Benchmarks die Politik bei den anstehenden Verhandlungen fachlich unterstützen.

„Die deutsche Wirtschaft ist äußerst beunruhigt, dass es zum offiziellen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union Ende März 2019 kein Handelsabkommen gibt, das die gemeinsamen Wirtschaftsbeziehungen auf eine neue Grundlage stellt. Allein die Unsicherheit darüber, wie es weitergehen soll, ist Gift für die Wirtschaft“, betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Da der Abschluss eines Handelsabkommens in der verbleibenden Zeit realistischer Weise nicht mehr zu schaffen ist, brauchen wir jetzt Übergangsregelungen“, fordert Bortenlänger.

Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, sagt: „Das Deutsche Aktieninstitut hat eine sehr hilfreiche Erläuterung der zentralen Konsequenzen des Brexit für Unternehmen vorgelegt – unter anderem für die zentrale Frage des Clearings über eine Central Counter Party (CCP). Einmal mehr wird deutlich, dass die bestehenden Drittstaatenregelungen und das Äquivalenzprinzip als Grundlage für den Fortbestand des eurodenominierten Derivate Clearings in London unzureichend sind. Frankfurt kann mit Eurex Clearing eine echte Alternative bieten.“

Die derzeit im Finanz- und Kapitalmarktrecht vorgesehenen Drittstaatenregelungen bieten, wie im Positionspapier gezeigt wird, keine ausreichende Grundlage, um die zukünftigen Beziehungen zwischen den EU27-Staaten und dem Vereinigten Königreich zu regeln. Ein neues, möglichst umfassendes Handelsabkommen wird deshalb benötigt. Damit es im Interesse der europäischen Wirtschaft zu einer entsprechenden Einigung kommen kann, bedarf es ab März 2019 einer befristeten Übergangsregelung. Diese regelt im Idealfall die Fortgeltung möglichst aller bisherigen Vorgaben – bis neue Regelungen greifen.

Nach Abschluss eines Handelsabkommens werden weitere Übergangsregelungen benötigt, so die Autoren des Positionspapiers. Diese müssen den betroffenen Akteuren ausreichend Zeit für die Anpassung an den neuen Status quo einräumen. In diesem Kontext sollte auch über einen Bestandsschutz für bestehende Geschäfte und Verträge nachgedacht werden.

Die Notwendigkeit von Übergangsregelung zeigt sich beispielsweise am Derivate-Clearing. Über 90 Prozent der Zinsderivate werden bisher in London gecleart. Da die EU nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs die Aufsicht über das Clearing nicht verlieren will, diskutieren die europäischen Institutionen, ob es zu einer Verlagerung des Clearings in die EU kommen muss.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet. Die interdisziplinär besetzte Brexit- Projektgruppe beschäftigt sich mit den wesentlichen finanz- und kapital- marktbezogenen Themen, die im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen ein besonderes Augenmerk verdienen. Das aktuelle Positionspapier ergänzt das erste Positionspapier vom Februar 2017 und deckt mit Ausführungen zu Clearing, Benchmarks und Rating weitere wichtige Themenbereiche ab.

Den Download des Brexit-Positionspapiers des Deutschen Aktieninstituts finden Sie hier.

CFS-Index: Dienstleister erwarten enormes Umsatzwachstum im vierten Quartal

Dienstleister erwarten enormes Umsatzwachstum im vierten Quartal trotz eines zuvor starken Rückgangs. Erneut stärkerer Stellenabbau bei Finanzinstituten

CFS-Index steigt um 2,5 Punkte bei starker Dynamik der Sub-Indizes

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, steigt um 2,5 Punkte auf 114,1 Punkte. Die positive Entwicklung ist primär auf die ungewöhnlich hohen Umsatzerwartungen der Dienstleister für das vierte Quartal zurückzuführen. Des Weiteren melden die Finanzinstitute eine positive Entwicklung ihrer Umsätze, Erträge und Investitionen im dritten Quartal, die Dienstleister hingegen verzeichnen hier sinkende Zuwächse. Auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen ist rückläufig. Die Finanzinstitute erhöhen nach einer kurzen Pause im zweiten Quartal nun wieder ihren Stellenabbau und die Dienstleister begrenzen ihre Neueinstellungen.

„Bei den Banken lassen sich Indizien für eine Produktivitätsverbesserung erkennen; dabei hat der Kostenabbau Vorrang, was die Dienstleister zu spüren bekommen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird noch positiver beurteilt als unmittelbar nach dem Brexit-Votum vor einem Jahr

Seit dem Brexit-Votum wird die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland sehr positiv eingeschätzt. Im vierten Quartal 2017 sinkt der entsprechende Index um 3,2 Punkte und liegt mit 135,5 Punkten nur leicht unter dem bisherigen Höchststand, der im letzten Quartal erreicht wurde.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen sehr gut, dass der angespannten Lage der heimischen Finanzindustrie eine zunehmend positive Erwartung für den Finanzplatz Frankfurt entgegensteht. In dieser Hinsicht herrscht seltene Einigkeit unter den Marktteilnehmern.“

Umsatz- und Ertragswachstum positiv bei den Finanzinstituten und rückläufig bei den Dienstleistern

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der befragten Finanzinstitute und Dienstleister entwickelt sich gegensätzlich. Die Finanzinstitute melden einen deutlichen Anstieg um 5,1 Punkte auf 111,5 Punkte und erwarten, dass diese Entwicklung im laufenden Quartal anhält. Hingegen melden die Dienstleister einen starken Wachstumsrückgang ihres Geschäftsvolumens, der aber nicht so stark ausfällt wie im letzten Quartal erwartet wurde. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 7,3 Punkte auf 117,2 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten die Dienstleister jedoch einen enormen Anstieg ihrer Umsätze.

Auch die Erträge entwickeln sich gegensätzlich. Bei den Finanzinstituten steigt der Sub-Index um 2 Punkte auf 107,4 Punkte. Die Dienstleister andererseits verzeichnen einen starken Rückgang um 12 Punkte und liegen mit 106,7 Punkten auf dem niedrigsten Niveau seit 5 Jahren, sehen jedoch das laufende Quartal deutlich optimistischer.

Investitionsvolumen der Dienstleister wieder rückläufig nach zuvor erreichtem Höchststand

Nachdem der Sub-Index Investitionen der Dienstleister im letzten Quartal den höchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007 erreicht hatte, sinkt er nun um 6,9 Punkte auf 116,7. Punkte und befindet sich somit wieder eher auf dem Niveau der Vorquartale. Im Gegensatz dazu steigt der Sub-Index der Finanzinstitute um 2,3 Punkte auf 118,9 Punkte. Beide Gruppen erwarten, ihr Niveau im laufenden Quartal zu halten.

Wieder verstärkter Stellenabbau bei den Finanzinstituten

Nach dem abgeschwächten Stellenabbau in den letzten zwei Quartalen, nimmt dieser bei den Finanzinstituten wieder zu. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter sinkt um 3,7 Punkte auf 95,3 Punkte. Auch bei den Dienstleistern hat sich der Trend, Mitarbeiter einzustellen, abgeschwächt. Der Sub-Index sinkt um 5,3 Punkte auf 113,3 Punkte. Beide Gruppen erwarten, dass sich der Abwärtstrend im vierten Quartal weiter fortsetzt.

CFS-Umfrage: Finanzbranche hält Blasenbildung auf den europäischen Finanzmärkten für wahrscheinlich

Finanzbranche hält Blasenbildung auf den europäischen Finanzmärkten durch QE-Maßnahmen und Nullzinspolitik der EZB für wahrscheinlich. Rascher Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik wird befürwortet, jedoch nicht erwartet. Das ist ein Alarmsignal!

Nach einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies besteht in der deutschen Finanzbranche geschlossen Einigkeit darüber (92%), dass sich Blasen auf den europäischen Finanzmärkten durch die expansive Geldpolitik der EZB (z.B. Aktienmärkte, Immobilienmärkte) gebildet haben bzw. sich bilden werden, wenn diese Politik fortgesetzt wird.

Seit 2015 verfolgt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Politik des Quantitative Easing (QE). Zudem wird der Leitzins der Eurozone – also der Hauptrefinanzierungssatz, den die Banken zahlen, wenn sie von der EZB Geld leihen – seit März 2016 bei null Prozent belassen. Ob mit diesen Maßnahmen, abgesehen von den befürchteten negativen Auswirkungen, die gesetzten Ziele mit Blick auf die Erhöhung der Inflationsrate und die Förderung des Wirtschaftswachstums erreicht worden sind, wird von der Finanzindustrie differenziert betrachtet. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer (49%) halten die expansive Geldpolitik der EZB zum Teil für wirksam. 38% hingegen sind der Meinung, dass die Ziele nicht erreicht wurden. Lediglich 12% der Befragten halten die expansive Geldpolitik klar für wirksam.

„Die Umfrage verdeutlicht die Skepsis der Marktteilnehmer gegenüber der Wirksamkeit der geldpolitischen Strategie der EZB. Insbesondere die Befürchtung einer Blasenbildung in bestimmten Assetklassen sollte die EZB sehr ernst nehmen“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse. „Alarmierend ist auch die überwiegende Einschätzung der Marktteilnehmer, dass zwar ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik geboten ist, aber nicht erwartet wird. Denn dies kann bedeuten, dass die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn die EZB entgegen den Markterwartungen doch eine Kehrtwende einleitet. Hier ist eine klare, rechtzeitige Kommunikation seitens der EZB wesentlich,“ so Brühl weiter.

Am 26. Oktober 2017 wird Mario Draghi die nächste Leitzinsentscheidung bekanntgeben, mit der die zukünftige Richtung in der Geldpolitik für 2018 festgelegt wird. Die Finanzbranche befürwortet dabei mehrheitlich (78%) einen Beschluss zu einem raschen Ausstieg (spätestens Q1 2018) aus der expansiven Geldpolitik. Jedoch rechnet kaum jemand damit (2%), dass es dazu kommen wird.

„Die Differenz zwischen dem Wunsch nach einem Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik und der niedrigen Erwartung, dass dieser Wunsch erfüllt werden wird, ist für sich genommen ein deutliches Warnsignal. Seit geraumer Zeit fehlen echte Marktpreise“, kommentiert Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Das Rhein-Main Gebiet entwickelt sich zur florierenden Startup-Region

Am 27. September 2017 beginnt die erste Startup SAFARI Frankfurt/Rhein-Main. An zwei Tagen zeigen über 100 Startups, Acceleratoren, Inkubatoren, Innovation Labs und CoWorking-Anbieter ihr Unternehmen. In den Städten Darmstadt, Frankfurt am Main, Mainz, Offenbach und Wiesbaden können Interessierte hinter die Kulissen schauen und an diversen Programmpunkten teilnehmen. Zum Beispiel zeigen dabei die jungen Gründer mit welcher Idee sie am Markt erfolgreich sind. Drei Stationen gibt es in Mainz, jeweils fünf in Darmstadt und Wiesbaden, und über 40 Gastgeber in Frankfurt. Der Ostpol Gründercampus bündelt in Offenbach vier Programmpunkte. Damit gibt die Startup SAFARI erstmalig einen umfassenden Überblick über Produkte und Unternehmen, die in der Region entwickelt wurden und zum Teil schon weltweit erfolgreich sind.

Startup SAFARI Frankfurt/Rhein-Main feiert Premiere

Die Startup SAFARI ist eine Premiere für die Region. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit an beiden Tagen in allen fünf Städten an den Programmpunkten teilzunehmen. Die Teilnehmer können sich ihren eigenen Ablaufplan zusammenstellen. So können sie Themenschwerpunkte setzen und zum Beispiel gezielt Startups und Unternehmen aus den Branchen FinTech, InsureTech, PropTech, LifeScience, Big Data, Logistics, Mobility, Virtual Reality, neue Medien und viele mehr, besuchen. Mehrere Community-Events in Frankfurt fördern auf der Startup SAFARI den Austausch und die Vernetzung zwischen den Teilnehmern und vertretenen Unternehmern.

Ziel der ersten Startup SAFARI

Mit der ersten Startup SAFARI gibt es zum ersten Mal die Chance über 80 erfolgreiche Gründer persönlich kennenzulernen. Carolin Wagner, Kuratorin der Startup SAFARI Frankfurt/Rhein-Main beschreibt das Ziel so: “Es ist schier unvorstellbar, wie viele verschiedene Ideen in der Region
geboren wurden und wie lebhaft die Szene ist. Das fängt bei FinTech an und geht über künstliche Intelligenz und reicht bis in die Gesundheitswirtschaft. Kaum jemandem ist bekannt, welche einzigartigen Ideen aus der Region kommen. Zu oft wird auf andere große Städte geschaut, ohne zu sehen, was wir hier in der Region schon hervorgebracht haben.” Die Startup SAFARI schafft an zwei Tagen eine Bühne für innovative Jungunternehmern aus der Region. Gleichzeitig haben sich schon über 600 Teilnehmer für die Safari angemeldet. “Das Interesse an der SAFARI ist riesig”, sagt Carolin Wagner, die das Programm zusammengestellt hat.

Rhein-Main Region bei Startups und Gründern beliebt

Der Organisator der Startup SAFARI Rhein-Main, Daniel Putsche, beschreibt die Region als prosperierend. Bei der Vorbereitung der Veranstaltung klang immer wieder an, wie beliebt die Region für Gründer ist. “Die Frankfurt/Rhein-Main Startup-Szene ist rasant gewachsen. Bisher gab es allerdings wenig Überblick was die Branchen und jungen Unternehmen anbelangt. Die Startup SAFARI setzt genau da an und ermöglicht nun allen Interessierten erstmalig einen umfassenden Einblick in das Ökosystem. Mit allen relevanten Playern wie zum Beispiel Co-Working Spaces, Innovation Labs und natürlich Startups selbst.” Putsche hat selbst vor vier Jahren die Firma Candylabs gegründet. Candylabs begleitet Unternehmen und Konzerne durch Innovationsprozesse.

Auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat erkannt, wie wichtig es ist, dass das Rhein-Main Gebiet und insbesondere Frankfurt als Startup-Region wahrgenommen wird. Die Bedeutung der ersten Startup SAFARI beschreibt das Stadtoberhaupt so: „Frankfurt entwickelt sich als beliebter Startup- und Gründerstandort. Die Startup SAFARI Frankfurt/Rhein-Main ist eine herausragende Veranstaltung von motivierten jungen Gründern, die genauso – wie viele – überzeugt von Frankfurt und der Region als Standort sind! Ich begrüße das Engagement, die Begeisterung und die Leidenschaft aus der Szene sehr.”

In den fünf Städten gibt es 60 unterschiedliche Programmpunkte. Über 80 Startups, zehn CoWorking-Spaces, acht unternehmensinterne Innovation Labs und Initiativen, sechs Acceleratoren, und drei Inkubatoren stellen sich vor. Bislang haben sich zur Safari über 600 Teilnehmer registriert, die Vorträge, Präsentationen und Pitches in den unterschiedlichen Orten besuchen. Während der zwei Tage sind über 26 Stunden Programm dicht durchgetaktet.

Möglich wurde die Startup SAFARI durch das finanzielle Engagement der Sponsoren PwC, DB Systel, Industriepark Höchst, Merck, die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain, Aurelis, eprimo, EY, Provadis Hochschule, The Office Frankfurt, und die Wirtschaftsförderung Frankfurt. Zudem haben adaptive Balancing Power, Climate-KIC, Hogan Lovells, Infraserv Höchst, Innovectis, Sanofi, Science4life und Technologieland Hessen die Startup SAFARI finanziell unterstützt.

Weitere Informationen zur Startup SAFARI Frankfurt/Rhein-Main finden Sie hier.

 

Felix Hufelds Ansprache an den Verband der Auslandsbanken in Deutschland

Felix Hufeld, Präsident der BaFin, thematisiert in dem Auszug seiner Rede anlässlich des Jubiläums „35 Jahre Verband der Auslandsbanken in Deutschland“ am 30. August 2017 in Frankfurt am Main u.a. den Brexit und den damit einhergehenden Umzug von Finanzdienstleistungen. Die komplette Rede finden Sie hier.

Meine Damen und Herren,

die Entscheidung für den Brexit ist jetzt etwas mehr als ein Jahr alt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber ich habe den Brexit als eine Zäsur erlebt, als den vielleicht größten Rückschlag bei der europäischen Einigung seit der Gründung der Montanunion im Jahr 1951. Lange Zeit sah es ja so aus, als habe der frühere Kommissionspräsident Jacques Delors mit seinem Satz „Europa ist wie ein Fahrrad. Hält man es an, fällt es um“ die politische Richtung quasi unumkehrbar vorgegeben. Immer mehr Staaten traten der Europäischen Union bei, immer mehr Kompetenzen fielen in die Zuständigkeit des Europäischen Parlaments und der Kommission.

Und das nicht aus Plaisir oder weil den politischen Entscheidern danach war, sondern weil eine stärker vernetzte Welt nach europäischen, wenn nicht sogar globalen Antworten verlangt hat. Das galt besonders für die Finanzregulierung, die ohne jeden Zweifel inzwischen zu den am dichtesten und stärksten europäisierten Rechtsmaterien überhaupt gehört. Auch das nicht ohne Grund. In einem Umfeld mit komplexen und global aufgestellten Märkten ist Finanzregulierung auf starke europäische Akteure angewiesen. Das Gleiche gilt für die Mitgliedstaaten der EU, die ein Höchstmaß an Harmonisierung sowie Schutz in einem einheitlichen Wirtschaftsraum benötigen. Außerdem braucht Europa eine starke, gemeinsame Stimme im Konzert der globalen Standardsetzung – denken Sie nur an das Stichwort Basel. Erst recht, wenn die USA tatsächlich einen Weg gehen sollten, der da lautet: mehr Deregulierung und weniger internationale Zusammenarbeit.

So notwendig die Europäisierung in der Sache ist, sie erzeugt auch Friktionen. Es hat nicht erst des Brexits bedurft, um vielerorts anschwellende Klagelieder über eine vermeintliche Dominanz internationaler Gremien über die nationalen Interessen wahrzunehmen.
Es wäre falsch, dabei nur auf andere Länder oder andere Kontinente zu schauen – oder bloß die Filterblasen bei Twitter zu betrachten. Ähnliche politische Willens- und Unmutsbekundungen gibt es auch in Deutschland, und das sowohl online als auch analog. Aus meiner Sicht ist das auch nicht verwunderlich. Was in manchen Reden „Zusammenwachsendes Europa“ und „Europäische Harmonisierung“ genannt wird, bedeutet im nationalen Alltag schlicht Souveränitätsverlust.

Dies wird dann besonders relevant, wenn einzelne europäische Regulierungen und ihre nationale Umsetzung zu öffentlichen Debatten führen, wie es kürzlich beispielsweise bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie zu sehen war. Hier tritt eine europäische Richtlinie, deren wesentliche Intention die Sicherung der Finanzstabilität ist, in ein deutliches Spannungsverhältnis mit den Wünschen, Ängsten und Sorgen einzelner Bürger, beispielsweise junger Familien, die eben diese Sorgen gegenüber ihren Abgeordneten des nationalen Parlaments, sprich des Deutschen Bundestages, zum Ausdruck bringen.

Soll heißen: Auch das Zusammenwachsen Europas verlangt nach einer ständigen Kalibrierung zwischen zu viel und zu wenig, zwischen kühner Vision, Machbarkeit und Folgenabschätzung, vor allem mit Blick auf die unterschiedlichen Grade der Betroffenheit verschiedener Interessensgruppen. Und vielleicht muss die Haltung, im Streben nach größtmöglicher Einheitlichkeit, jedes Detail ausbuchstabieren zu wollen, einer neuen europäischen Überzeugung weichen, sich stärker auf Prinzipien zu fokussieren. Um es in der Radsportsprache zu sagen: Die Tour d´ Europe muss weiter vorankommen. Kurs und Tempo müssen aber so gewählt werden, dass das Peloton nicht Gefahr läuft, den Anschluss zu verlieren. Oder schlimmer noch, dass einige den Anschluss verpassen wollen.

Meine Damen und Herren,

so sehr ich den Brexit bedauere, so wenig hilft es, verpassten Chancen nachzutrauern oder Briten-Bashing zu betreiben. Wir sollten nach vorne denken und ein Fundament für die Zeit nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union legen. Das wird natürlich keine einfache Aufgabe sein. Über allem schwebt die Frage nach dem künftigen gegenseitigen Marktzugang im Verhältnis von Vereinigtem Königreich und den EU 27-Staaten. Derzeit müssen wir davon ausgehen, dass UK nach dem Brexit zum Drittstaat wird. Und genau das wird eine extrem spannende Herausforderung werden, für die Politiker ebenso wie für die Finanzregulierer und -aufseher.

Es ist klar, dass die bestehenden Bausteine für einen Marktzugang auf der Basis von Äquivalenz, wie wir sie etwa aus dem Verhältnis zur Schweiz oder den Bermuda-Inseln kennen, nicht auf die Trennung des Vereinigten Königreichs angewendet werden können. Dagegen sprechen alleine schon die Größe des dortigen Finanzmarkts und die enorme wechselseitige wirtschaftliche Abhängigkeit, die sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat.

Mit knapp der Hälfte der Gesamtexporte ist die Europäische Union der weltweit größte Absatzmarkt des Vereinigten Königreichs. Bei den Importen sieht es ähnlich aus. Im Finanzsektor ist die Angelegenheit noch komplexer, weil historisch bedingte Skalen- und Größenvorteile London zu dem Hub für Kapitalflüsse in Richtung EU gemacht haben. Mit einer Situation wie dem Brexit angemessen umzugehen, stellt eine Branche, die derart grenzüberschreitend verflochten ist und in der virtuell Billionen bewegt werden, nun vor einen echten Kraftakt. Und es gibt weder Masterplan noch Notfallhandbuch, die Unternehmen oder Regulierer einfach aus der Tasche ziehen können. Wir alle betreten Neuland und müssen den Weg, der zu gehen ist, pflastern, während wir voranschreiten.

Wenn man das regulatorische Große und Ganze auf seine Einzelaspekte herunterbricht, dann schaut die Lage auf den ersten Blick beherrschbarer aus. In Wahrheit steckt aber an vielen Stellen der Teufel im Detail. Zahlreiche Banken beabsichtigen, ihren Standort unter anderem nach Deutschland zu verlagern, weil sie infolge des Brexits ihren Europäischen Pass verlieren, mit dem sie in den EU-Staaten Geschäfte betreiben können.
Da es einer in der EU zugelassenen Bank bedarf, um den Pass nutzen zu können, werden sicher einige Zweigstellen in den EU 27-Ländern in Tochtergesellschaften umgewandelt. Hinzu kommen Neuansiedlungen. Unser Ziel ist es, diesen Banken Hilfestellungen bei ihren Vorhaben in Deutschland zu geben, Rechtssicherheit zu bieten und zugleich die Stabilität des deutschen Finanzplatzes zu wahren. Außerdem müssen wir sicherstellen, dass die Institute überall im Euro-Währungsgebiet nach denselben Standards beaufsichtigt und reguliert werden. Allerdings ist auch klar: Was wir tun, das tun wir als Aufsichtsbehörden, nicht als Agentur für Standortpolitik. Was wir daher definitiv nicht akzeptieren werden, sind leere Hüllen, in denen es nur einen Briefkasten und ein Telefon mit Rufumleitung nach London gibt.

Zwischen Briefkasten und Komplettumzug sind allerdings viele Möglichkeiten denkbar. Wir schauen uns daher jedes Geschäftsmodell genau an und wägen jede rechtlich mögliche Option ab. Wir schauen auch genau hin, wie es mit dem Vorschlag der EU-Kommission weitergeht, „Intermediate EU Parent Undertakings (IPU)“ zu schaffen, also einheitliche Muttergesellschaften, in denen Banken aus Drittstaaten künftig ihre EU-Töchter bündeln sollen.

Diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Zunächst ist der europäische Gesetzgeber gefordert, bei der Überprüfung der Eigenkapitalrichtlinie CRD die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen auf den Weg zu bringen. Als Aufsicht würden wir es zudem begrüßen, in diesem Zusammenhang auch die bislang rein nationalen Regelungen über Drittstaatenzweigstellen EU-weit zu harmonisieren.

Dient es der Finanzstabilität, im Frühjahr 2019 möglicherweise auftretende Klippeneffekte wirksam zu minimieren? Ich meine ja! Deshalb sind wir beispielsweise bereit, Banken bei kurzfristig kaum leistbarem Aufwand zu entlasten. So haben wir uns – im Einklang mit der EZB – dazu entschieden, für eine begrenzte Zeit auch die internen Modelle zur Kapitalberechnung bei Schwesterinstituten zuzulassen, die bereits von der britischen Aufsicht, der Prudential Regulation Authority (PRA), genehmigt wurden – sofern bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Allerdings müssen die Institute ihre hierfür erforderlichen Anträge, inklusive Aktionsplan, erst einmal bei uns einreichen. Und selbstverständlich muss es verbindliche Absprachen über konkrete, weiterführende Aktivitäten geben.

In der Regel sind mehrere Aufsichtsgespräche und Workshops nötig, in denen Schritt für Schritt geklärt wird, welche Modelle die Institute bisher verwendet haben und wie mögliche Übergangsprozesse aussehen. Erst nach mehreren Checks kann die Bank ihr internes Modell in der Praxis anwenden. Sie bleibt aber auf dem Radar der laufenden Modelleaufsicht mit dem Ziel, – innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens – eine unsererseits geprüfte Modellwelt zu etablieren.

Mit einigen Instituten haben wir bereits erste Workshops durchgeführt und dabei sehr positive Erfahrungen gemacht. Andere lassen sich mehr Zeit damit, uns ihre Absichten mitzuteilen. Sie alle kennen den Spruch, dass diejenigen, die zu spät kommen, das Leben bestraft. Die Aufsicht ist da nicht ganz so gnadenlos. Ich möchte aber schon darauf hinweisen, dass auch unsere Ressourcen begrenzt sind. Institute tun gut daran, Zulassungserweiterungs- oder Lizenzanträge eher früher als später zu stellen – und möglicherweise fehlende Details im Rahmen eines dialogorientierten Antragsverfahrens nachzuarbeiten. Ansonsten laufen sie Gefahr, an das Ende der Schlange zu geraten.

Meine Damen und Herren,

ein anderes Hot Topic sind die Back-to-back-Modelle. Unter Back-to-back verstehen wir, dass EU-Unternehmen ein Geschäft in Finanzinstrumenten abschließen – und gleichzeitig entgegengesetzte Handelsgeschäfte mit einer in London ansässigen Gesellschaft eingehen, um die Marktpreisrisiken zu transferieren. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wir erwarten aber, dass die Institute für solche Geschäfte ausreichend geschultes Personal vorhalten, das auch beurteilen kann, wie viele und welche Risiken – auch Marktrisiken – tatsächlich nach Großbritannien abgegeben werden – bzw. anders herum, wie viele in der EU verbleiben sollen. Die Banken müssen in der Lage sein, die verbleibenden Risiken jederzeit sinnvoll zu managen – auch dann, wenn ein Back-to-back plötzlich nicht mehr möglich sein sollte oder Störungen ausgesetzt ist. Eine Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Mentalität wäre gefährlich.

Vielen Instituten ist auch daran gelegen, Back-office-Tätigkeiten und interne Kontrollfunktionen wie Risikocontrolling, Compliance oder Interne Revision weitestgehend von einer in London ansässigen Gesellschaft ausüben zu lassen. Auch hier gilt: Grundsätzlich, wie auch in vielen anderen Fällen, sind Auslagerungen möglich.

Wie überall kommt es aber auf das richtige Maß an. Übertreibt es ein Institut mit der Auslagerung sensibler Bereiche, dann könnten die Kontrollsysteme vor Ort soweit ausgedünnt werden, dass sich eine unverhältnismäßig große Abhängigkeit von Partnern in UK oder anderswo entwickelt. Ein ausschließliches Andocken an Gruppenstrukturen wird es daher nicht geben können. Entsprechende Kontrolleinheiten müssen innerhalb der EU-Unternehmen vorgehalten werden. Alle Unternehmen, die sich neu in der EU ansiedeln wollen, sollten sich deshalb darauf einstellen, dass diese Funktionen in einem Institut in den EU 27-Ländern zu verbleiben haben. Dies entspricht der Linie des Einheitlichen Europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM), der sich hierzu bereits grundsätzlich positioniert hat – und wir teilen diese Einschätzung natürlich. Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings bei solchen Tochterunternehmen denkbar, die unter Risikogesichtspunkten als unwesentlich gelten.

Auslagerungen werden vor allem dort Grenzen gesetzt, wo es um Kernbereiche des Bankings sowie Kontrollfunktionen geht. Und wenn wir bei den Kernbereichen und Kontrollfunktionen genau hinschauen, dann tun wir das bei den Geschäftsleitern erst recht. Die Aufgaben eines Geschäftsleiters kann man nicht erfüllen, indem man „mal vorbeischaut“.
Es muss sichergestellt sein, dass auch die Führungskräfte ihren Aufgaben vor Ort in vollem Umfang nachkommen können. Fly & Drive mag hierbei in Einzelfällen und für eine Übergangszeit akzeptabel sein, auf Dauer erwarten wir aber auch vom Spitzenmanagement, dass es mit mehr als nur einem Türschild in den EU 27-Staaten präsent ist.

Nicht ohne Grund steht aktuell das Euro-Clearing im Fokus. Immerhin werden mehr als 95 % aller Zinsswaps in Euro bislang über London abgewickelt. Läuft dabei etwas schief, könnten schnell Hilferufe an die Notenbanken laut werden, Liquidität beizusteuern. Vor wenigen Wochen hat deshalb die EU-Kommission ihre Vorstellungen für eine strengere Aufsicht über Zentrale Gegenparteien mit Sitz außerhalb der Europäischen Union veröffentlicht. Klar ist, dass Clearing-Aktivitäten in Euro außerhalb der Europäischen Union nicht einfach mit einem Achselzucken begegnet werden kann, sondern EU-Maßstäben der Finanzregulierung und -aufsicht in der einen oder anderen Weise Geltung verschafft werden muss.

Die spannende Frage lautet aber: Wie genau? Die EU-Kommission hat dies im Ergebnis offen gelassen und dafür allerdings ein abgestuftes Verfahren vorgeschlagen. Ich halte das grundsätzlich für richtig. Vor einer Entscheidung sollten wir uns allerdings die Zeit nehmen, um systemische Risiken umfassend zu analysieren und mögliche Reaktionen und Konsequenzen abzuwägen, inklusive möglicher Reaktionen von dritter Seite.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass heutzutage nahezu alle Geschäftsprozesse im Finanzsektor von funktionierenden IT-Infrastrukturen abhängen. Und so liegt es in der Natur der Sache, dass gerade die Banken, die eine intensive Arbeitsteilung zwischen Betriebseinheiten in Großbritannien und der EU planen, ein besonderes Augenmerk auf ihre IT-Systeme legen müssen. Hier geht es um hochkomplexe Plattformen, und Plattform heißt nicht nur IT. Wir reden über Know-how, Prozesse und Menschen, die über viele Jahre, quasi als Gesamtkunstwerk, zusammengefunden haben – und nun aufgespalten werden müssen.

Die Aufsicht weiß um die Bedeutung dieses Themas und ist bereit, alte IT-Ökosysteme zunächst temporär weiterlaufen zu lassen, bevor völlig neue Strukturen aufgebaut werden können und diese sich als ausreichend stabil erwiesen haben. In der Vergangenheit mussten wir des Öfteren erleben, dass es bei großen IT-Migrationsprojekten zu Verzögerungen und unerwarteten Problemen kam. Einfach, weil die Komplexität unterschätzt wurde. Theoretisch wäre es denkbar, solche Plattformen ganz am alten Standort zu belassen. Ob dies in der Praxis tatsächlich etwas bringt, daran habe ich meine Zweifel. Neue Standorte müssen so oder so an existierende Infrastrukturen angeschlossen werden, deshalb dürften Umstellungsprozesse unvermeidbar bleiben.

Die Institute müssen also sorgfältig abwägen, welche Strategie sie verfolgen wollen: Teil- oder Komplettumzug. Jeder, der schon privat umgezogen ist, weiß, dass das zwar lästig ist, gleichzeitig aber Chancen zum Entrümpeln bietet. So wie sich Privatleute dann vielleicht von Oma Ernas Transistorradio trennen, können Banken den Anlass nutzen, um veraltete und heterogen gewachsene IT-Systeme und Prozesse zu modernisieren.

Aus der Perspektive einer beispielsweise New Yorker Zentrale könnte entrümpeln aber auch bedeuten, sich bei allzu langwierigen Streitigkeiten zwischen UK und den EU 27-Staaten gleich ganz in Richtung USA oder Fernost zu orientieren.

Helaba-Finanzplatzstudie „In der Pole-Position für Brexit-Banker“

Wie die heute vorgestellte Finanzplatzstudie des Helaba-Bereichs Volkswirtschaft/Research zeigt, ist das deutsche Finanzzentrum im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position. So haben sich bereits zahlreiche Banken dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlagern, was sich in den Beschäftigtenzahlen niederschlagen wird: „Wir erwarten, dass mindestens die Hälfte der aus London abwandernden Finanzjobs nach Frankfurt verlegt wird. Dies entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern. Bis Ende 2019 sehen wir deshalb einen Beschäftigungsanstieg um 4 Prozent auf rund 65.000 Mitarbeiter in den Frankfurter Bankentürmen (Ende 2016: 62.400). Und das, obwohl parallel die Konsolidierung am heimischen Bankenmarkt anhält“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Ein Novum des langjährigen Finanzplatz-Researchs der Helaba ist in der vorliegenden Studie das eigens kreierte regionale Beschäftigungsaggregat: die Zahl der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft in „BIG FFM“. Hierzu wurde die räumliche Abgrenzung von Greater London auf das Gebiet rund um Frankfurt übertragen. Dieser Vergleich ergibt folgendes Bild: Ende letzten Jahres arbeiteten in BIG FFM rund 118.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, in Greater London knapp 360.000. Mit Blick auf die Beschäftigungsdichte (bezogen auf die Bevölkerungszahl) liegen allerdings beide Großräume mit jeweils gut 4 Prozent auf gleichem Niveau.

Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas. Hinsichtlich der Arbeitsplatzverlagerungen von der Themse an den Main kommen insbesondere folgende Standortqualitäten zum Tragen: die Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB mit ihrer Doppelfunktion Aufsichtsbehörde und Notenbank, das Rhein-Main-Gebiet als Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, die relativ günstigen Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland.

„Seit unserem Finanzplatz-Ranking Mitte 2016 hat sich die relative Attraktivität Frankfurts weiter erhöht“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Dagegen ist eine Schwächung der Londoner City schon jetzt unübersehbar. Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien lassen die Stadt in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist die abgesagte Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange positiv für Frankfurt, da die starke Frankfurter Börse nun erhobenen Hauptes ihren eigenen Weg weitergehen kann. Darüber hinaus könnte die Main-Metropole in ihrer Rolle als europäische Aufsichtsmetropole weiter gestärkt werden, sollte die länderübergreifende Bankenaufsichtsbehörde EBA nach Frankfurt verlegt werden.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt rückt insbesondere den regionalen Immobilienmarkt und die Bildungsinfrastruktur der Stadt in den Fokus. „Am Büromarkt dürfte die Zusatznachfrage angesichts des noch immer reichlichen Leerstands und einer Reihe von Projektentwicklungen problemlos zu bewältigen sein“, erwartet Helaba-Immobilienanalyst Dr. Stefan Mitropoulos. Am Wohnungsmarkt besteht dagegen kein nennenswerter Leerstand. Die deutlich erhöhte Neubauaktivität, die Planungen für die nächsten Jahre sowie die umfangreichen Flächenreserven im Umland sprechen aber gegen eine deutliche Verschärfung der Lage am Frankfurter Wohnungsmarkt durch den Brexit. Neben dem Immobilienmarkt ist auch das Schulangebot ist ein zentrales Standortkriterium. Die Frankfurter Finanzplatz-Region bietet bereits ein breites Spektrum internationaler Bildungseinrichtungen, das in den vergangenen Jahren sichtlich gewachsen ist. Angesichts der hohen Nachfrage nach Bildungsangeboten bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungsarchitektur für Kinder jeden Alters, der alle Schulformen umfasst und über den Brexit-bedingten Bedarf hinausgeht.

Traud zieht ein positives Fazit: „Trotz der Herausforderungen durch den bevorstehenden Mitarbeiterzustrom von der Themse an den Main ist der Brexit für den Finanzstandort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb.“

Die komplette Studie von Helaba können Sie hier herunterladen.

 

Brexit bringt bis zu 88 Tausend neue Stellen in der Rhein-Main-Region

Studie der WHU beziffert die Brexiteffekte auf den Arbeitsmarkt.

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Schon am 24. Juni 2016, am Tag nach dem Referendum, hat Frankfurt Main Finance das Potenzial eines Brexit auf bis zu zehn Tausend neue Arbeitsplätze für Frankfurt im Finanz- und unmittelbar zugehörigen Dienstleistungssektor geschätzt. Heute scheint die Zahl manchen sogar zu konservativ. Das Jobwachstum wartet aber auch an anderer Stelle, so die Ergebnisse einer Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance. „Es sind die Multiplikatoreffekte auf viele Bereiche des täglichen Lebens, die zu einem signifikanten Stellenzuwachs vor allem in der Rhein-Main-Region führen werden“, erklärt Professor Lutz Johanning, der die Studie zusammen mit Moritz C. Noll vom Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung durchgeführt hat. Im Interview geben beide tiefere Einblicke in die zugrundeliegenden Berechnungen.

Herr Prof. Johanning, was genau wird in Ihrer Studie untersucht?

Lutz Johanning: Wir haben erhoben, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet. Dabei lag unser Fokus auf den Multiplikatoreffekten, also welches Wachstum für andere Branchen zieht ein Plus an Bankarbeitsplätzen nach sich. Und die Studie zeigt: Dieser Effekt ist – je nach Betrachtungsraum – 2,1 bis 8,8 Mal so hoch. Wenn wir also von zehn Tausend neuen Bankstellen ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Stellen entstehen.

Professor Lutz Joahnning: „Die Verlegung von Arbeitsplätzen geschieht nicht isoliert. Menschen verlagern ihr Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört.“

Eine gigantische Zahl. Wie kommen Sie zu dem Ergebnis?

Moritz Noll: Wir haben die bestehenden statistischen Daten zum Arbeitsmarkt in Frankfurt und der Region mittels eines empirischen Modells in die Zukunft fortgeschrieben und dabei die Brexiteffekte berücksichtigt. Um für die weitere Planung aussagekräftige Zahlen zu erheben, haben wir auf zwei Faktoren großen Wert gelegt: Zum einen war uns eine valide Datengrundlage sehr wichtig. So basiert unsere Studie auf Arbeitsmarkt-Daten der Bundesagentur für Arbeit der vergangenen neun Jahre. Zum anderen haben wir nach statistischen Modellen gesucht, die in der Wissenschaft bereits eingesetzt wurden.

Moritz C. Noll: „Auch wenn der Brexit ein neues Ereignis ist, gibt es wissenschaftlich etablierte Modelle, mit denen sich die Folgen auf den Arbeitsmarkt schätzen lassen.“

Wo sind Sie fündig geworden? Der Brexit ist ja ein bislang beispielloses Ereignis.

Noll: Der Brexit ja, nicht aber die Tatsache, dass aufgrund veränderter Rahmenbedingungen Arbeitsplätze an einen neuen Standort verlagert werden. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen gibt es beispielsweise für den Energiesektor in den USA – Stichwort Fracking. In diesem Kontext ist das Umsiedeln von Arbeitsplätzen an neue Standorte durchaus geläufig. Welche Effekte sich daraus nicht nur für den primär betroffenen Sektor ergeben, sondern wie sich eine Region dadurch insgesamt verändert, wurde in den vergangenen Jahren häufig untersucht. Aus diesen Modellen lassen sich Annahmen ableiten, die wir unserer Untersuchung zugrunde gelegt haben.

Johanning: Mit diesem Ansatz lassen sich die indirekten Effekte quantifizieren. Wenn ein Arbeitsplatz bei Bank X von London nach Frankfurt verlegt wird, dann geschieht das ja nicht isoliert. Vielmehr verlagert der Mensch, der diesen Arbeitsplatz füllt, sein Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört. Er oder sie kommen meist mit Familie; folglich müssen alle dazugehörenden Bedarfe erfüllt werden. Das fängt bei den ganz einfachen Themen wie Wohnen, Schule, Ausbildung, Konsum an. Es hat aber auch strukturelle Folgen. Infrastruktur, Bildungssystem, Häuser- und Wohnungsmarkt sind hier Stichworte.

Professor Lutz Johanning: „Vor allem die Rhein-Main-Region wird vom Stellenzuwachs profitieren. Die meisten zusätzlichen Jobs außerhalb der Finanzindustrie entstehen eher im Umland Frankfurts.“

Was macht Sie so sicher, dass die betroffenen Banker ihren Lebensmittelpunkt nach Frankfurt verlagern? Schließlich ist London ja nicht so weit weg.

Johanning: Die gleiche Diskussion gab es vor einigen Jahren für Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank. Auch hier war die Frage: Kommen die Menschen wirklich in die Rhein-Main-Region, oder sind sie nur hier, um zu arbeiten. Die Erfahrung zeigt: Sie kommen, um hier zu arbeiten und zu leben. Daher gibt es aus diesem Kontext seit vielen Jahren ein Best-Practice-Beispiel, und daran haben wir uns in der Studie orientiert.

Sie haben in der Studie differenziert – Frankfurt, direktes Umland und Region. Was zeigt diese Differenzierung?

Johanning: Frankfurt profitiert unmittelbar von den neuen Stellen im Bankensektor. Das ist kein regionales Thema. Die zentralen Büroflächen werden in der Innenstadt zu finden sein. Deshalb ist der Effekt auf andere Branchen hier auch überschaubar, liegt etwa beim 2,1 bis 3,4-fachen. Dienstleistungen rund um die Banken werden im Zuge des Aufbaus ebenfalls profitieren; diese haben ihren Standort oft aber nicht unmittelbar in der City, sondern im direkten Umland wie Eschborn, Offenbach oder anderen benachbarten Städten. Hinzu kommt, dass viele Menschen ihren Wohnort etwas außerhalb Frankfurts suchen. Davon profitieren wiederum die benachbarten Städte wie auch die gesamte Region. Je größer der Radius gezogen wird, umso differenzierter sind die Auswirkungen, und umso größer wird der Multiplikatoreffekt. Zehn Tausend neue Bankjobs in der City können im  optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Jobs in der Rhein-Main-Region mit sich bringen.

Die Studie spricht von zwei Modellen. Was steckt im Detail dahinter?

Noll: Wir haben zwei Modelle eingesetzt, um die Auswirkungen der zehn Tausend neuen Stellen im Finanzbereich auf alle anderen Branchen zu schätzen. In Modell eins ist ein Faktor berücksichtigt, der den Wachstumseffekt stärker abdämpft. Modell zwei hingegen ist dieser Faktor nicht enthalten, dadurch wird das Wachstum insgesamt höher geschätzt. Uns war es wichtig, die Bandbreite der möglichen Ergebnisse in der Studie darzustellen.

Sie kennen die Statistiken im Detail. Auf welche Branche wirken sich die Effekte am stärksten aus?

Johanning: Zunächst muss man sagen: Frankfurt ist insgesamt eine sehr wachstumsstarke Region – auch ohne Brexit. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten wir in den vergangenen Jahren in den Sektoren Logistik, Immobilien und wirtschaftliche Dienstleistungen. Diese Wachstumsbranchen werden durch den Brexiteffekt zusätzliche Impulse erfahren. Was sich aus unserem quantitativen Modell aber nicht ableiten lässt, ist, welche strukturellen Veränderungen innerhalb der einzelnen Branchen in den nächsten Jahren zu mehr oder weniger Wachstum führen werden.

Noll: Mit unseren Modellen haben wir in einem weiteren Schritt untersucht, wie sich die langfristigen Job-Wachstumsraten im Fall mit und ohne Brexit unterscheiden. Damit haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Das heißt, dass das Job-Wachstum im gesamten Arbeitsmarkt in der langen Frist im Brexit-Fall wesentlich höher liegen kann als in einem Fall ohne zusätzliche Brexit-Jobs. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.

Moritz C. Noll: „Wenn wir zusätzlich langfristige Effekte berücksichtigen, haben die Ergebnisse noch Luft nach oben.“

Im Ergebnis also noch mehr Wachstum für eine ohnehin prosperierende Region. Haben Sie in der Studie auch quantifiziert, wie sich dadurch das kommunale Steueraufkommen verändert?

Johanning: Mit einer simplen Projektion haben wir versucht, auch diesen Effekt zu schätzen, zumindest für Frankfurt Stadt. Man muss allerdings auch diesen Ergebnissen vorwegnehmen, dass sie mit Vorsicht zu betrachten sind, da sie auf den vorherigen Ergebnissen aus den Arbeitsmarkt-Vorhersagen basieren und somit zusätzliche Ungenauigkeit entsteht. Betrachtet haben wir den kommunalen Anteil an der Einkommensteuer, die Umsatzsteuer sowie die Gewerbesteuer. Verkürzt gesagt schätzen wir, dass die Stadt Frankfurt durch die zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätze in allen Branchen jährlich zwischen 136,2 und 191,9 Millionen Euro an Einnahmen durch die drei genannten Steuerarten erzielen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

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