On The Move – die Digitalisierung der Finanzwirtschaft

Top Master Studenten von umliegenden Business Schools waren eingeladen den Frankfurt Finance Summit zu besuchen. Mariam Abdelhady, Master of Finance Studentin an der Frankfurt School of Finance & Management, reflektiert hier ihre Eindrücke.

Am 12. Mai 2016 hatte ich die großartige Gelegenheit, bei dem 6. Frankfurt Finance Summit dabei zu sein. Dieser wird von Frankfurt Main Finance e.V. (FMF) in Kooperation mit dem Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) organisiert.

Der jährliche Summit hebt die wichtige Rolle Frankfurts als Zentrum für finanzielle Stabilität und Bankenregulierung in der Eurozone hervor. Es versammeln sich Zentralbänker, Regulatoren, Repräsentanten von Aufsichtsbehörden, Akademiker, Finanzpolitiker und Fachleute, um gemeinsam finanzielle Problemstellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

Der Fokus des Summit 2016 war die Digitalisierung und deren Auswirkung auf die verschiedenen Akteure des Finanzmarktes. Die Diskussionen und Reden waren in vier Teile unterteilt:

Digitalisierung – Das Erwachen der FinTechs

Der Sprecher des FMF Präsidiums, Dr. Lutz R. Raettig, hielt die Eröffnungsrede des Summit, worin er seine Freude über das Bestehen des mittlerweile 6. Summit in Folge zum Ausdruck brachte. Weiterhin griff er den Titel des Summit auf und machte klar: Wir sind immer „On The Move“, entweder freiwillig oder weil wir in diese Richtung geschoben werden. Im Rahmen der Digitalisierung, die den Hauptschwerpunkt des diesjährigen Summits setzte, machte er deutlich, dass die Anzahl der FinTech-Unternehmen in der Region, vor allem in Frankfurt, ansteige. Der Grund dafür sei, dass Frankfurt die idealen Konditionen für FinTechs liefere: Zum einen durch die Nähe zu Regulatoren, zum anderen biete die Stadt eine geeignete Umgebung, um sich im Business international aufzustellen.

Der hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung Tarek Al-Wazir unterstützte diese Ansicht. Er hob in seiner Rede hervor, dass die Stadt Frankfurt ihr FinTech-Zentrum in vier Monaten eröffne mit dem Ziel, die Kommunikation zwischen Start-ups, Banken und Regulatoren zu verbessern. Dies wiederum ziehe Investoren an und würde die Positionierung der Stadt als „innovative Lokation für IT-getrieben Start-ups im Finanzsektor“ verbessern. Darüber hinaus sagte Al-Wazir, dass sich der Finanzsektor aufgrund der ökonomischen und regulatorischen Konditionen und der Digitalisierung, die den Fokus des Summit darstellte, fundamental verändere.

SWIFT CEO Gottfried Leibrandt erklärte die Konzepte Blockchain und Bitcoin sowie deren mögliche Auswirkungen auf den Bankensektor und SWIFT. Dennoch glaubt er, dass Banken dies überstehen werden, genau wie in den 90er Jahren während der ersten Welle der FinTech-Branche, des Aufstiegs von Online-Banking und des elektronischen Handels. Der Schlüssel für Banken sei, diese Innovationen zu nutzen, um sich die Arbeit zu erleichtern und FinTechs nicht zu erlauben, ihre Arbeit zu übernehmen. Hierbei scheine die größte Gefahr Cyber Security zu sein. Hauke Stars, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse AG, glaubt, dass nur die Institutionen überleben werden, die sich an die verändernde Umwelt anpassen können. In Übereinstimmung mit dieser Sichtweise ist Roland Boekhout, Vorstand der ING-DiBA AG, der Meinung, dass die Kooperation mit FinTechs essenziell ist, da deren Technologie und Services für ihre Kunden interessant sein könnten.

Die Neudefinition des Banking – Regulatorische und wirtschaftliche Herausforderungen

Ein weiteres interessantes, heiß diskutiertes Thema des Summit war die Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange. Carsten Kengeter, CEO der Deutschen Börse, erklärte alle Schritte bis zum Fusionsprozess sowie die Auswirkungen des Abkommens am Kapitalmarkt und die damit verbundenen Vorteile.

Weiterhin thematisierte dieses Panel die potenziellen Auswirkungen der Kapitalmarktunion auf den Bankensektor, zukünftige Regulierungen und die Auswirkungen von einem voraussichtlichen Basel 4 sowie die Zukunft einiger Finanzinstitute, die Änderungen von Vorschriften und die sich entfaltende Digitalisierung. Obwohl die Regulierungen in der Vergangenheit im Bankensektor zu mehr Belastbarkeit geführt haben, könnten neue Regulierungen die Durchführung von Aktivitäten erschweren, da Banken verhindern, angestrebten Profit zu realisieren. Bezüglich der Auswirkungen auf die Digitalisierung und FinTechs auf den Bankensektor wird vermutet, dass diese die Geschäftsmodelle von Banken grundlegend verändern werden. Aufgrund dessen ist es wesentlich, für Kontrollbehörden die richtige Balance zu finden zwischen der Förderung von Innovationen und dem Schutz von Kunden innerhalb des gesamten Finanzsystems.

Tektonische Verschiebung – Wohin wird sich die Finanzwelt entwickeln?

Die Rede des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble konzentrierte sich auf das vorgeschlagene Referendum für den Brexit und dessen Auswirkungen auf die Zukunft der Finanzwirtschaft in der EU. Weiterhin steht er dafür ein, dass Großbritannien in der EU bleiben sollte, aufgrund der großen Bedeutung des Landes für die Union. Sollte das Ergebnis des Referendums anders ausfallen, würde die Exit Phase sofort beginnen. Herr Schäuble glaubt, dass der Prime Minister David Cameron einen guten Deal verhandelt hat und kein weiteres Entgegenkommen und keine Rückverhandlungen möglich seien im Fall einer mehrheitlichen Wahl für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Er stellte fest: „In means in, and out means out“, mit allen Konsequenzen, die die Entscheidung haben könnte. Darüber hinaus hob Bundesfinanzminister Schäuble hervor, dass es zusätzlich zu den einzelnen Kontrollmechanismen, weiterhin andere Bereiche der Bankregulation gibt sowie Staatshaushalt, Politik und Sicherheit, die in Zukunft weiterhin verbessert werden sollen, mit oder ohne Großbritannien.

 Finanzielle Eingliederung

In einer Diskussion über die Bedeutung der Technologie des Finanzsektors erklärte Mr. Diwakar Gupta, Vizepräsident der Asian Development Bank, mit Indien als Beispiel, dass neue Technologien wie Mobile Banking dem Großteil der Bevölkerung in den ländlichen Gebieten ermögliche, auf Finanzdienstleistungen zuzugreifen. Darüber hinaus sollten Regierungen solche Technologien verwenden, beispielsweise um sicherzustellen, dass Subventionen auch wirklich die armen Menschen erreichen. Herr Gupta glaubt, dass die größte Herausforderung für technologiebasierte Finanzdienstleistungen darin liegt, die Menschen zu motivieren, es zum ersten Mal zu verwenden.

Insgesamt war der Summit eine tolle Erfahrung, denn er zeigte die Hauptthemen auf, die den Finanzsektor sowie seine Hauptakteure in naher Zukunft betreffen. Darunter waren Erkenntnisse von erstklassigen Fachleuten sowie Finanzpolitikern und Regulatoren des Bereichs. Solche einzigartigen Erfahrungen, die die Frankfurt School ihren Studenten bietet, zusammen mit akademischer Exzellenz ist es, was sie von anderen Schulen und Universitäten unterscheidet.

Britisches EU-Referendum: „Wichtigste Weichenstellung seit Jahrzehnten“

Die Briten stehen beim EU-Referendum aus Sicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor der wichtigsten Weichenstellung seit Jahrzehnten. Dies betonte der Politiker während seiner Rede beim Frankfurt Finance Summit. Er plädiere für einen Verbleib der Briten in der EU, weitere Zugeständnisse würde es aber nicht geben. Sollte sich die britische Bevölkerung für den Austritt entscheiden, beginne unmittelbar die Exit-Phase. Darüber hinaus stellte er klar, dass sich die Bundespolitik im Falle eines Zusammenschlusses der Deutschen Börse mit der London Stock Exchance (LSE) nicht für einen Sitz der fusionierten Gesellschaft in Deutschland einsetzen werde. Dies gelte auch für den Fall eines Austritts Großbritanniens aus der EU.

Den gesamten Beitrag von Wolfgang Schäuble sehen Sie im Video.

Studenten des WHU Master in Finance über die Zukunft des Finanzwesens

Top Master Studenten von regionalen Business Schools waren zu Gast beim Frankfurt Finance Summit eingeladen. John Offermann und Xavier Hilderbrand, Studenten des Finance Masterstudiengangs an der WHU-Otto Beisheim School of Management, schildern hier ihre Eindrücke über das Event.

Die Welt der Finanzstudien ist voll von Theorien und Ideen. Rationale Wirtschaftsakteure, ökonometrische Methoden und verschiedene Preismodelle prägen dieses Universum. Eine Frage, die stetig in Business Schools widerhallt, ist, wie diese Ideen tatsächlich den Finanzsektor beeinflussen und dann wiederum die Realwirtschaft. Aufgrund dessen schätzen wir Studenten des Finance-Masterprogramms der WHU-Otto Beisheim School of Management die Möglichkeit, am Frankfurt Finance Summit 2016 teilzunehmen und zu sehen, wie sich die Finanztheorie in der Praxis auswirkt.

Während der vergangenen sechs Jahre hat der Frankfurt Finance Summit führende Stakeholder der europäischen Finanzindustrie zusammengebracht, um die gegenwärtigen Themen in den verschiedenen Bereichen der Branche zu diskutieren. Dieses Jahr lautete das Thema On the Move, wobei sich ein großer Teil um den Mega-Trend Digitalisierung drehte sowie um dessen zukünftige Rolle in der Umgestaltung des Finanzsektors. Der Summit wird jährlich von Frankfurt Main Finance organisiert, einer Initiative, die ins Leben gerufen wurde, um den Standort Frankfurt aktiv als einen der führenden Finanzplätze Europas zu fördern. Mitglieder der Organisation sind unter anderem das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und andere prominente Finanzinstitute in Europa. Lebhafte und fesselnde Reden sowie Dialoge mit außergewöhnlichen Referenten wie Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen, Carsten Kengeter, CEO der Deutschen Börse und Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, klärten das ausgewählte Publikum auf.

Das Publikum bestand aus einer inspirierenden Mischung von rund 200 Persönlichkeiten aus Politik, Regulierungsbehörden, führenden Finanzinstituten und FinTech Start-ups. Die Atmosphäre während der Veranstaltung war durchweg angenehm und es gab viele Möglichkeiten zu Vernetzung und Meinungsaustausch. Wir genossen die Möglichkeit, mit verschiedenen Vertretern von Banken, Versicherungen und ausländischen Botschaften zu sprechen und deren Meinungen zu aktuellen Problematiken zu hören, denen der Finanzmarkt zurzeit gegenübersteht.

Der Summit begann mit einer Einführung von Dr. Lutz Raettig, Vorsitzender von Frankfurt Main Finance, Wolfgang Marzin, Geschäftsführer der Messe Frankfurt und Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Aufbauend auf der Frankfurter Historie als Handelszentrum betonte jeder Sprecher die Qualitäten, die Frankfurt zu einem der einflussreichsten Finanzzentren machen. Institutionen, wie die europäische Zentralbank sowie strategische Investments des Landes Hessen in die Messe und in verschiedene FinTech-Inkubatoren wurden hervorgehoben.

Trotz der herzlichen Begrüßung sprach Tarek Al-Wazir eine deutliche Warnung an das Publikum aus: Der Finanzsektor versage derzeit bei der Unterstützung des Wachstums in der Realwirtschaft. Er forderte Finanzinstitute auf, ihren Service zu verbessern, um Unternehmen in ganz Europa zu unterstützen. Der Minister betonte auch, dass ein „Brexit“ nicht im strategischen Interesse von Frankfurt und Hessen ist, dass dieser trotzdem eine unvermeidliche Verschiebung der Finanzkraft von London nach Frankfurt bedeuten würde. Dies stellt eine immer wiederkehrende Ansicht von verschiedenen Rednern über den ganzen Tag verteilt dar.

Nach der Einführung kam Carsten Kengeter auf die Bühne. Am Vortag hat er als Vorsitzender seine erste Hauptversammlung absolviert und gab einen umfassenden Einblick in die laufende Fusion zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange. In einer Art Zugeständnis an seine Kritiker erreichte Kengeter die Emotionen des Publikums durch eine solide Business-Logik. Diese beruht auf den Vorteilen, die das Geschäft der Deutschen Börse, die deutsche Finanzwelt und die europäische Wirtschaft als Ganzes mit sich bringt. Für die Deutsche Börse beginnt damit ein neues Kapitel.

Für die Finanzmärkte erleichtert ein fusioniertes Börsenunternehmen den Kapitalfluss zwischen London und Frankfurt, das weltweit größte Finanzzentrum der Welt und der führende Business Gateway für Europas größte Volkswirtschaft, Deutschland. Letztendlich profitiert die Realwirtschaft in Europa von einer effizienteren Kapitalallokation bei konsolidierten und nicht fragmentierten Börsen; eine natürliche Entwicklung der europäischen Kapitalmarktunion.

Anschließend wurde der Summit mit der ersten Podiumsdiskussion fortgesetzt – eine Debatte über die Finanzregulierung und ihre Zukunft in Europa. Die Teilnehmer des Panels repräsentierten Staaten, Regulatoren und führende Finanzinstitutionen. Es bestand Einigkeit über die meisten übergeordneten Punkte. Die Panelteilnehmer waren sich weitgehend einig darüber, dass Überregulierung die Branche gefährden könnte und in dem Zuge auch die Vorbereitung der Branche als Ganzes für künftige Erschütterungen, wie beispielsweise im Jahr 2008. Der Konsens brach ein wenig zusammen, als die Details thematisiert wurden; eine beträchtliche Mischung von Ansichten über die weiteren Entwicklungen der Basel Regulationen und den Effekt neuer Regulationen auf wichtige Finanzprodukte des Privatkundengeschäfts, wie Hypotheken.

Die Teilnehmer des Panels stimmten zu, dass künftige Bemühungen von Aufsichtsorganen sich auf die Umsetzung ordnungsgemäßen Verhaltens von Finanzprofis anstatt auf vergangene Probleme konzentrieren sollten. Gegen Ende der Diskussion zeigte Herr Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die drei zentralen Punkte, denen sich die Industrie stellen muss auf: niedrige Zinsen, FinTech und Regulierung.

Der zweite Teil des Summit 2016 wurde wiederaufgenommen, nachdem die Teilnehmer die Chance hatten, während eines hervorragenden Mittagessens die ersten Reden und Debatten zu diskutieren. Die zweite Hälfte drehte sich um das Thema FinTech Chancen. Günther Oettinger war der erste Sprecher zu dieser Thematik. Er wies darauf hin, dass die Digitalisierung einen enormen Einfluss darauf hat, wie Menschen und Unternehmen heute kommunizieren. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Europäische Kommission versucht, „gemeinsame Standards in einem kohärenten Markt“ zu fördern, um Technologie-Unternehmen zu ermöglichen, sich nahtlos in Europa zu bedienen.

Das darauffolgende Interview mit Gottfried Leibbrandt, CEO von SWIFT, als auch die zweite Podiumsdiskussion wurden von Caroline Hyde, Korrespondentin bei Bloomberg Television für European Business, moderiert. Die Diskussion handelte von FinTechs und der Frage, wie Unternehmertum in der Finanztechnologie die etablierten Banken und Versicherungen berührt. Der allgemeine Konsensus war, dass FinTechs zunehmend mehr traditionelle Akteure zwingen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, sie aber nicht obsolet machen. Die meisten sagten, dass FinTechs oft ihren größeren Kontrahenten helfen, Innovationen in ihren Unternehmen schneller zu integrieren.

Der nächste Hauptredner war der Finanzminister von Deutschland, Dr. Wolfgang Schäuble. In einer direkten und punktgenauen Rede konzentrierte sich der Minister auf die Folgen des „Brexit“-Referendums im Vereinigten Königreich. Ähnlich wie Herr Al-Wazir argumentierte Dr. Schäuble mit Nachdruck, dass jeder Gewinn für Frankfurt auf Kosten der breiteren europäischen Finanzbranche und Wirtschaft sein würde. Dr. Schäuble wies darauf hin, dass der Zugang zum europäischen Binnenmarkt seinen Preis hat und mit diesem Zugang auch Verantwortung verbunden sei. Weitere Themen in der Rede sowie in der Frage- und Antwort-Sitzung waren die aktuelle Politik der EZB, die relativen Erfolge der Finanzaufsicht seit der GFC und die Verdienste der Deutschen Börse.

Am Ende des Summit sprach Mr. Diwakar Gupta, Vorsitzender der Asian Development Bank, darüber, inwiefern FinTechs eine Hilfe für benachteiligte Menschen in Kenia und Indien aufgrund vorteilhafter Banking Services darstellen.

Durch die Verwendung von biometrischen Identifikationstechnologien und kostengünstigen Handys können mehr und mehr Menschen Zugang zum Finanzsystem bekommen. Es ist nun möglich, für Menschen in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer Bankkonten zu eröffnen und Mobile-Banking-Zahlungen zu vernünftigen Preisen abzuwickeln.

Schließlich wollen wir Frankfurt Main Finance für die tolle Gelegenheit danken, ein Teil des Frankfurt Finance Summit 2016 gewesen zu sein. Die Diskussionen waren ungeheuer inspirierend und wir haben die Chance genossen zuzuhören und mit so vielen brillanten Referenten und Teilnehmern zu sprechen. Wir empfehlen den Frankfurt Main Finance Summit jedem, der die Möglichkeit hat, ein Teil davon zu sein. Sie werden nicht enttäuscht sein!

FinTechs verändern Finanzbranche

„FinTechs werden die Banken nicht vernichten, aber sie werden ihre Erscheinungsform verändern“, sagte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, während des Frankfurt Finance Summit. Aufgabe der Regulierer sei es, die jungen Unternehmen nicht zu behindern, sondern Raum für Innovationen zu schaffen. „Die Zeit ist reif für einen neuen Dialog über digitale Transformation“, so der Politiker.

Den gesamten Beitrag von Günther Oettinger sehen Sie im Video.

Frankfurt Finance Summit 2016: Herausforderung Digitalisierung

Am 12. Mai 2016 trafen sich bereits zum sechsten Mal die Topvertreter aus Politik und Finanzbranche zum Frankfurt Finance Summit 2016. Der diesjährige Gipfel stand unter dem Titel: „On the Move – The Future of Finance“. Thematisch ging es in diesem Jahr um die Zukunft des Finanzwesens und die Auswirkungen der Digitalisierung auf Industrie und Regulierungsbehörden. Über 200 Teilnehmer besuchten die Konferenz im Kap Europa, dem ersten Kongresszentrum der Welt, welches ein Platin-Zertifikat von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. erhalten hat.

Von besonderem Interesse während des Frankfurt Finance Summit 2016 waren junge Finanztechnologieunternehmen, kurz FinTechs. Neben anderen Themen waren die regulatorischen Implikationen der Digitalisierung zentrale Punkte auf dem ersten Panel des Tages. Auf dem zweiten Panel des Tages Digitalization – the Dawning of FinTechs, welches von der Bloomberg TV-Moderatorin Caroline Hyde gehosted wurde, ging es sehr dezidiert um das Thema FinTechs. Ebenfalls um Digitalisierung ging es im Gespräch zwischen Prof. Dr. Andreas Pfingsten und Diwakar Gupta. Diese stellten vor allem die Digitalisierung in den Fokus, da diese bei dem sich rasant entwickelnden Thema Financial Inclusion eine große Rolle spielt. Gerade die Bedeutung für die sich entwickelnden Märkte Asiens, in welchen Millionen von Menschen immer noch keinen Zugang zu den Institutionen des Finanzwesens haben und in denen der Zugang zu Bargeld fehlt, ist nicht zu unterschätzen.
In seiner Eröffnungsrede des Frankfurt Finance Summit hob Tarek Al-Wazir, der hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Bedeutung eines FinTech-Zentrums für die hessische Landesregierung hervor. Ziel sei es, FinTechs in Frankfurt ein attraktives Umfeld zu bieten. FinTech-Neugründungen sollen begünstigt und etablierte FinTechs langfristig am Standort gehalten werden. Minister Al-Wazir nutzte den Frankfurt Finance Summit 2016, um die aktuellen Pläne für den geplanten FinTech-Hub in Frankfurt zu skizzieren.

The Future of Finance
Im Hinblick auf die Zukunft des Finanzsektors diskutierte Carsten Kengeter, der CEO der Deutsche Börse Group, seine Ansichten in einem Gespräch mit Prof. Dr. Uwe Stegemann, dem Direktor von McKinsey & Company. Neben Themen wie einem möglichen Brexit oder den Fusionsplänen zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange lag es Herrn Kengeter besonders am Herzen, über die enorme Bedeutung des Themas FinTech und der Unterstützung von FinTechs durch seine Organisation zu sprechen. Dabei verwies er auf das von der Deutschen Börse eingerichtete Venture Network, das kürzlich in Frankfurt gegründete FinTech-Hub und das damit einhergehende Engagement. Gemeinsam mit Initiativen wie dem Dialogforum FinTech Frankfurt Rhein-Main: „Mit unserem FinTech-Hub als Teil der hessischen FinTech-Initiative wollen wir jungen Unternehmen im Finanzsektor Starthilfe geben. Damit tragen wir zur Entstehung und Entwicklung einer FinTech-Szene am Finanzplatz Frankfurt bei. Frankfurt soll Deutschlands führendes FinTech-Zentrum werden.“

Zudem machte das Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, Hauke Stars, deutlich, dass die Deutsche Börse selbst 1990 als FinTech-Unternehmen begann, als sie die Digitalisierung auf das Börsenparkett brachte. Das Panel Redefining Banking – Regulatory and Economic Challenges konnte mit einigen der europäischen Topnamen aus den Bereichen Regulierung und Aufsicht punkten. Hier wurden besonders die Rolle der Kapitalmarktunion für das Wachstum der europäischen Wirtschaft und die Rolle der Regulatoren im Bereich der Digitalisierung in den Fokus gestellt. Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), machte deutlich, dass die BaFin die gleichen Regularien für FinTechs und etablierte Banken etabliere, um für faire Bedingungen zu sorgen. Gabriel Bernardino, Vorsitzender der European Insurance and Occupational Pensions Authority, erläuterte, dass es essentiell sei, Firmen sowohl die Möglichkeit für Innovationen zu geben, als auch Grenzen zum Schutz der Verbraucher zu ziehen.

Sylvie Matherat, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank, Innovation Labs, sagte mit Blick auf zukünftige Entwicklungen in der Finanzindustrie: „Die Digitalisierung hat fundamentale Auswirkungen auf die Finanzindustrie und die Geschäftsmodelle von Banken. Die Deutsche Bank arbeitet unter anderem durch ihre Innovation Labs erfolgreich mit FinTech-Unternehmen zusammen. Wir sehen technologische Innovationen als eine Chance, unseren Kunden zukünftigen Mehrwert zu bieten. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von FinTech-Unternehmen ist es jedoch wichtig, sie angemessen zu regulieren. Die Aufsichtsbehörden müssen dabei die richtige Balance zwischen der Förderung von Innovationen und der Sicherheit für Kunden und das Finanzsystem finden.“

In der ersten Grundsatzrede der Veranstaltung erläuterte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, aktuelle Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und die europäische Strategie bei der Schaffung eines Digital Single Market. Er stellte grundlegend und eindrucksvoll heraus, wie zentral der Schutz der persönlichen Daten von Konsumenten und Investoren ist. Zudem zeigte Kommissar Oettinger eindrucksvoll auf, dass gerade jetzt die Zeit für einen offenen Dialog zur Digitalen Transformation gekommen sei und er ging ebenfalls auf Details des für Ende 2016 geplanten Aktionsplans und die Ergebnisse aus Diskussionen zwischen führenden Vertretern aus Politik und Wirtschaft in ganz Europa ein.

The Dawning of FinTechs
Das zweite Gespräch und das zweite Panel der Veranstaltung standen unter dem Titel Digitalization – the Dawning of FinTechs und wurden großartig von Caroline Hyde von Bloomberg Television moderiert. Frau Hyde führte ein spannendes und sehr informatives Gespräch mit Gottfried Leibbrandt, dem CEO von SWIFT, in welchem die Bedeutung der Cybersicherheit und die Bedeutung der Digitalisierung bei der Schaffung neuer Schwachstellen diskutiert wurden. Herr Leibbrandt stellte heraus, dass Banken mit FinTechs kooperieren sollten und deren Technologie ihnen und den Konsumenten nutzen werde.
Auf dem Panel wurde dieses Gespräch fortgeführt und diskutiert, inwieweit FinTechs Veränderungen im Bereich der Backoffice-Funktionen der Banken, für die Endverbraucher und Konsumenten herbeiführen. Gerade beim Thema Blockchain hob Hauke Stars von der Deutschen Börse das enorme Veränderungspotenzial für die Finanzindustrie hervor. Sie erläuterte, dass gerade im B2B-Bereich und nicht im Konsumentenbereich die größten Veränderungen zu erwarten seien, vor allem im Hinblick auf die Kosten der Banken im Bereich des Backoffice und bei den Infrastrukturkosten. Denn gerade in diesen Bereichen biete der Einsatz neuer Technologien einen bedeutenden Effizienzgewinn. Roland Boekhout, der Vorstandsvorsitzende der ING-DiBa AG, machte vor allem die Anstrengungen deutlich, mit welchen seine Organisation die Zusammenarbeit mit FinTechs vorantreibe und hob das Ziel hervor, die führende digitale Bank Deutschlands zu werden. Zudem werde intern die Entwicklung der digitalen Dienstleistungen vorangetrieben und ein Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit FinTechs gelegt, da sie neue Technologien entwickeln und kundenrelevant sind.

Eine ganz besondere Ehre in diesem Jahr war es, dass der deutsche Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, mit dem Thema: Tectonic Shift – Where will finance move to? eine entscheidende Grundsatzrede hielt. In dieser herausragenden Rede griff Dr. Schäuble auch einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU auf. Vor allem machte er die Vorteile eines Verbleibs Großbritanniens innerhalb der Europäischen Union deutlich: “Great Britain’s relationship with Europe should not be defined by splendid isolation, but by splendid integration.” Weiter erläuterte er die überragende Bedeutung Europas für die Zukunft des Finanzwesens insgesamt. Zudem lobte er die Regulatoren, indem er auf die Erfolge hinwies, Risiken zu minimieren. Darüber hinaus stellte der deutsche Finanzminister heraus, wie wichtig es ist, die Bankenunion zu stärken. Auch für Herrn Dr. Schäuble war die Digitalisierung das zentrale Thema. Schließlich brachte er zu den Themen Digitalisierung und Innovation zum Ausdruck, wie wichtig es ist, dass alle Branchen innovativ sind, um passende Business-Modelle für die neue Welt zu finden. Im Anschluss an seine Rede hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Herrn Dr. Schäuble einige Fragen zu stellen.

Vor dem krönenden Abschluss der Konferenz durch das Schlusswort von Wolfgang Hartmann, Chairman of the Executive Committee, Frankfurt Institute for Risk Management and Regulation (FIRM), kam in der letzten Conversation des Tages ein spannendes Thema zum Tragen: die Financial Inclusion.

Hier diskutierten Prof. Dr. Andreas Pfingsten, Director Finance Center Münster, Universität Münster, und Diwakar Gupta, Vice President der Asian Development Bank (ADB), über die finanzielle Eingliederung, einen weiten Bereich, welcher sowohl gesellschaftlich als auch politisch höchst spannend ist. Herr Gupta erklärte die Herausforderungen der finanziellen Eingliederung in den Bereichen, in denen ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt. Ganz oben auf der Liste sind Menschen, die nur begrenzten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben und die, die sie zum ersten Mal verwenden. Er stellte die These auf, dass die Regierungen eine zentrale Rolle dabei spielen, Crafting-Technologie zu unterstützen sowie bei der Förderung und der finanziellen Eingliederung zu helfen. Die Erfolgsgeschichten von Mobile-Banking-Netzwerken in Afrika beweise die Notwendigkeit für den Ausbau der FinTechs und die Unterstützung dieser Ziele.

In seinem sechsten Jahr war der Frankfurt Finance Summit erneut ein voller Erfolg. Nicht nur durch die mediale Resonanz, die ausgezeichneten Referenten und Diskussionsteilnehmer, sondern auch durch die hochkarätigen Teilnehmer. Zusätzlich konnte die Konferenz über einen Livestream verfolgt werden, den mehr als tausend Menschen nutzten.

Die kompletten Aufnahmen des diesjährigen Frankfurt Finance Summit 2016 finden Sie auf der folgenden YouTube Playlist:

Hessen fördert aktiv den Ausbau eines FinTech-Zentrums in Frankfurt

Bereits im September 2016 soll das Frankfurter Fintech-Zentrum eröffnet werden, das kündigte Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Rahmen des Frankfurt Finance Summit an. Den Anstoß für dieses Zentrum hatte die hessische Landesregierung im vergangenen Dezember mit einer Ausschreibung gegeben. Ziel sei es, modernen Finanztechnologien in Frankfurt ein attraktives Umfeld zu bieten. FinTech-Neugründungen sollen begünstigt und etablierte FinTechs langfristig am Standort gehalten werden.

Den gesamten Beitrag von Tarek Al-Wazir sehen Sie im Video.