Potential für weiteres Wachstum der Deutschen-Start-up-Szene

Die deutsche Start-up-Szene hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Allerdings bleibt im internationalen Vergleich mit Israel, dem Vereinigten Königreich und Kalifornien weiter Raum  zur Verbesserung von Gründergeist und Rahmenbedingungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine EY-Studie, die in Kooperation mit der Deutschen Börse zu der Attraktivität von Start-up Ökosystemen, erstellt wurde. Luft nach oben gibt es insbesondere bei den regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig loben die Autoren das Potential für künftiges Wachstum und Fortschritte, sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingung in Deutschland. Deutschland und insbesondere die Region Frankfurt Rhein-Main punktet mit guter Infrastruktur und moderaten Immobilienpreisen.

Besonders positiv wird das Vorantreiben der Digitalisierung der Finanzbranche am Finanzplatzt Frankfurt am Main erwähnt. Insgesamt sieben Inkubatoren in der Region Rhein-Main (FinTech Hub der Deutschen Börse, Unibator der Goethe Universität, Accelerator Frankfurt, Main Incubator, FinTech Headquarter, Digitalfabrik der Deutschen Bank, Tech Quartier, FinTech Lab VABN) fördern die Entwicklung noch junger Fintechs und deren Geschäftsideen. Als einen Anreiz für die Verbesserung der Fintechszene in Deutschland schlägt die Studie den Ausbau von Co-Working-Büroräume vor. Auch hier geht der Finanzplatz Frankfurt bereits mit guten Beispiel voran: Der Inkubator Tech Quartier beispielsweise bietet Arbeitsraum für Fintechs jeglicher Größe. Business Angels FrankfurtRheinMain – mit rund 100 Business Angels Deutschlands größte Organisation – bringt Start-ups mit Business Angels zusammen.

Lobend erwähnt wird in der Studie außerdem die „Digital Hub Initiative“ der Bundesregierung. Im Rahmen dieser Initiative zur Stärkung Deutschlands als führende Industrienation zeichnete die Bundesregierung im November 2016 den Finanzplatz Frankfurt als Digital Hub für FinTechs und Finanzdienstleistung aus. Der Finanzplatz Frankfurt bietet also zahlreiche Möglichkeiten für aufstrebende Fintechs.

InsurTech gewinnt weiter an Bedeutung in Deutschland

Deutsche InsurTech Start-ups wachsen stetig und ziehen verstärkt Geldmittel an. Eine kürzlich veröffentlichte EY-Studie zeigt die InsurTech Branche als neuen Shooting-Star in der FinTech-Gemeinschaft. InsurTechs sind finanztechnologische Start-ups. Sie versuchen im Rahmen der Digitalisierung, die Versicherungsbranche und den Zugang der Kunden zu Versicherungsprodukten zu modernisieren. Während andere FinTech-Sektoren bereits seit mehreren Jahren wachsen, befindet sich die InsurTech-Branche vergleichsweise noch in einer frühen Entwicklungsphase.

Der EY-Studie zufolge konzentrieren sich derzeit lediglich vier sogenannte Unicorns, Start-ups mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar, auf die Versicherungsbranche. InsurTechs konnten zwischen 2008 und 2015 weltweit 4,36 Milliarden US-Dollar Wagniskapital einsammeln. In Deutschland erreichten die Investitionen zwischen 2012 und dem ersten Quartal 2016 einen Wert von 53,52 Millionen Euro. Die meisten Mittel wurden im Jahr 2015 investiert. EY wertet diese Finanzierungswelle im vorangegangenen Jahr als Indikator für die zunehmende Bedeutung von InsurTechs. Beachtenswerte Beispiele der deutschen InsurTech-Branche sind die Unternehmen Friendsurance, Finanzchef24, Clark, Knip und Schutzklick – alle erreichten bereits 2015 die Serie B Finanzierungsrunde. Diese fünf Unternehmen vereinigen 88 Prozent aller bekanntgegebenen Investitionen der deutschen InsurTech-Branche auf sich.

Einflussfaktoren, die die Entwicklung von InsurTechs beschleunigen, sind laut Studie die Vernetzung und Big Data, der in infolge der Finanzkrise erhöhte Druck auf Zinssätze sowie die Unzufriedenheit der Kunden mit den niedrigen Zinsen.

Mit Blick auf die Studie erklärte Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V.: „Das Wachstum der FinTech- und InsurTech-Investments ist eine Entwicklung, die Mut macht. Diese Unternehmer gestalten die Finanzindustrie neu und entwickeln dabei Technologien, die nicht nur für den Endkunden, sondern auch für etablierte Akteure Wertsteigerung und Erhöhung der Effizienz bedeuten. Finanzinstitutionen tun gut daran, die Bedeutung dieser Start-ups zu erkennen. Frankfurt Main Finance hat sich an der Entwicklung des FinTech Ökosystems aktiv beteiligt, die Entstehung von FinTech Hubs gefördert und trägt durch das Sponsoring des FinTechGermany Awards dazu bei, die Aufmerksamkeit auf junge und erfolgreiche Unternehmen zu lenken.“

Im Rahmen der Studie wird weiter ausgeführt, dass InsurTechs unter anderem auch wegen regulatorischer Gründe weder in Deutschland noch international bisher in der Lage sind, eigenständige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Allerdings befinde sich die InsurTech-Branche noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium, das volle Entwicklungspotential könne noch nicht benannt werden. Viele im Ausland bereits bestehende Geschäftsmodelle seien zudem in Deutschland noch nicht reproduziert worden. Vor diesem Hintergrund erwartet EY die Entwicklung neuer Modelle vor allem in drei Bereichen: Big Data und Analyse, datenfokussierte Produkte sowie in der Unterstützung von Backoffice-Funktionen.

Dazu sagt Christopher Schmitz, Partner bei EY und einer der Studienautoren: „Die Digitalisierung wird die Versicherungsbranche nachhaltig verändern und das Tempo dieser Veränderungen für die Unternehmen wird in Zukunft noch zunehmen. Sie müssen sich stärker auf digitale Geschäftsmodelle konzentrieren und eigene Kapazitäten in-house aufbauen. Mit eigenen Innovation Labs oder Acceleratoren-Programmen werden sie innovativ und flexibel neue Geschäftsmodelle testen.“

Konkrete Herausforderungen für etablierte Versicherer sind bereits jetzt beobachtbar und werden zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen. Die Studie verdeutlicht die Notwendigkeit für Versicherer, ihre Digitalisierungsbemühungen zu verstärken und selbst entsprechende Fähigkeiten aufzubauen. Vor allem jedoch warnt die Studie etablierte Versicherer vor einem Verlust der Kundenbeziehungen. Die Studie kommt zu dem Fazit: „Obwohl das ‚Monopol‘ versicherungstechnischer Garantien und dementsprechender Risiken vorläufig bei den Versicherern bleiben wird, wird ein anhaltender Mangel an kundenzentrierten Produkten und Dienstleitungen früher oder später Versicherern ihre ertragsreichsten Dienstleistungen entziehen.“

Die InsurTech Studie können Sie auf der EY-Website herunterladen.

Accenture Studie zu wachsenden Fintech-Investitionen

Jüngste Ergebnisse der Studie des Dienstleistungsunternehmens Accenture zeigen ein rasantes Wachstum des Investitionsvolumens in der FinTech-Branche. Venture Capitalists, Private Equity Gesellschaften, Corporates und zahlreiche andere Investoren haben enorme Summen in globale FinTech Start-ups investiert.
„Die Innovationsdynamik der Fintech-Szene reicht inzwischen weit über die traditionellen Finanzzentren der Welt hinaus“, offenbart Friederike Stradtmann, Senior Manager bei Accenture Strategy im Bereich Financial Services und Expertin für digitale Geschäftsmodelle. Aus der Studie geht hervor, dass Investitionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 22,2 Milliarden US-Dollar gestiegen sind. Der Anteil der Investitionen in Europa und Asien hat sich hierbei mit 62 Prozent fast verdoppelt. Die Accenture Analyse belegt, die wesentlichen Treiber dieses Wachstums sind Amerika, Asien und Europa. Während die Investitionen 2015 in China um 445 Prozent und damit auf 1,97 Milliarden US-Dollar gestiegen sind, folgt Indien mit 1,65 Milliarden US-Dollar Wachstum. In Deutschland legte das Investitionsvolumen um 840 Prozent auf  770 Millionen US-Dollar zu.
Obwohl es aktuell mehr disruptive als kooperative Fintech Start-ups gibt, zeigt die Analyse einen steigenden Trend zu Kooperationen zwischen Finanzinstituten und Fintechs. Während sich disruptive FinTechs als Konkurrenz zu anderen bezeichnen, bieten kooperative FinTechs innovative Lösungen für existierende Unternehmen an. Der Anteil kooperativer Fintechtransaktionen stieg von 38 Prozent im Jahr 2010 auf 44 Prozent in 2015.
In die FinTech Branche fallen alle Unternehmen, die in dem Zeitraum 2010 bis zum ersten Quartal 2016 Technologien in den Bereichen Banking, Corporate Finance, Kapitalmärkte, Finanzdatenanalyse, Zahlungsverkehr und Personal Finance Management bereitstellen.

Die Studie steht auf der Website des Unternehmens zum Download zur Verfügung.

Schätzungsweise werden in den nächsten 3-5 Jahren die Investitionen in FinTech Unternehmen die Marke von 150 Billionen $ überschreiten.

„Schätzungsweise werden in den nächsten 3-5 Jahren die Investitionen in FinTech Unternehmen die Marke von 150 Billionen $ überschreiten.“

Von: aus der PwC Studie - 2016
Fintech Studie

Rhein-Main-Neckar ist Deutschlands dynamischste FinTech-Region

Im deutschen FinTech-Sektor herrscht Gründerstimmung. Insbesondere die Region Rhein-Main-Neckar hat in jüngster Zeit deutlich an Dynamik zugelegt: So stieg die Zahl der FinTech-Unternehmen hier im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 56 Unternehmen. Im übrigen Bundesgebiet lag diese Rate bei 13 Prozent. Damit steht die Region Rhein-Main-Neckar im deutschlandweiten Vergleich auf Rang zwei und nicht mehr allzu weit hinter Berlin und deutlich vor München.

Diese Ergebnisse erzielte die Studie „German FinTech landscape: opportunity for Rhein-Main-Neckar“, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY im Auftrag von Frankfurt Main Finance im März 2016 vorlegte.

Deutschlandweit stieg die Zahl der jungen FinTechs 2015 um 32 auf 250 Unternehmen. Das Volumen an investiertem Risikokapital hat sich von rund 200 Mio. Euro 2014 auf 576 Mio. Euro fast verdreifacht. Rund 13.000 Beschäftigte sind in der jungen Branche tätig.

Auch im internationalen Vergleich hat Deutschland der Studie zufolge zuletzt stark aufgeholt. Es wird erwartet, dass Deutschland und insbesondere die Region um Frankfurt künftig eine noch größere Rolle spielen werden, wenn das geplante Frankfurter FinTech-Zentrum realisiert wird.

Download Studie

FinTech-Standort Frankfurt mit großem Wachstumspotenzial

In Kooperation mit Frankfurt Main Finance hat das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) im Oktober 2015 die Analyse „Positioning of the Rhein-Main Region as an attractive FinTech Hub“ erstellt. Erstmalig wurde eine  Bestandsaufnahme erhoben, um den Status und die Entwicklungsmöglichkeiten deutscher FinTech-Zentren zu beschreiben. Dazu wurden Vertreter etablierter Institutionen, aus der Politik, Regulatoren sowie FinTechs befragt. Das ermutigende Fazit: Frankfurt besitze großes Potenzial, das jedoch noch nicht ausgeschöpft sei.