Frankfurt Finance Summit 2016: Herausforderung Digitalisierung

Am 12. Mai 2016 trafen sich bereits zum sechsten Mal die Topvertreter aus Politik und Finanzbranche zum Frankfurt Finance Summit 2016. Der diesjährige Gipfel stand unter dem Titel: „On the Move – The Future of Finance“. Thematisch ging es in diesem Jahr um die Zukunft des Finanzwesens und die Auswirkungen der Digitalisierung auf Industrie und Regulierungsbehörden. Über 200 Teilnehmer besuchten die Konferenz im Kap Europa, dem ersten Kongresszentrum der Welt, welches ein Platin-Zertifikat von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. erhalten hat.

Von besonderem Interesse während des Frankfurt Finance Summit 2016 waren junge Finanztechnologieunternehmen, kurz FinTechs. Neben anderen Themen waren die regulatorischen Implikationen der Digitalisierung zentrale Punkte auf dem ersten Panel des Tages. Auf dem zweiten Panel des Tages Digitalization – the Dawning of FinTechs, welches von der Bloomberg TV-Moderatorin Caroline Hyde gehosted wurde, ging es sehr dezidiert um das Thema FinTechs. Ebenfalls um Digitalisierung ging es im Gespräch zwischen Prof. Dr. Andreas Pfingsten und Diwakar Gupta. Diese stellten vor allem die Digitalisierung in den Fokus, da diese bei dem sich rasant entwickelnden Thema Financial Inclusion eine große Rolle spielt. Gerade die Bedeutung für die sich entwickelnden Märkte Asiens, in welchen Millionen von Menschen immer noch keinen Zugang zu den Institutionen des Finanzwesens haben und in denen der Zugang zu Bargeld fehlt, ist nicht zu unterschätzen.
In seiner Eröffnungsrede des Frankfurt Finance Summit hob Tarek Al-Wazir, der hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Bedeutung eines FinTech-Zentrums für die hessische Landesregierung hervor. Ziel sei es, FinTechs in Frankfurt ein attraktives Umfeld zu bieten. FinTech-Neugründungen sollen begünstigt und etablierte FinTechs langfristig am Standort gehalten werden. Minister Al-Wazir nutzte den Frankfurt Finance Summit 2016, um die aktuellen Pläne für den geplanten FinTech-Hub in Frankfurt zu skizzieren.

The Future of Finance
Im Hinblick auf die Zukunft des Finanzsektors diskutierte Carsten Kengeter, der CEO der Deutsche Börse Group, seine Ansichten in einem Gespräch mit Prof. Dr. Uwe Stegemann, dem Direktor von McKinsey & Company. Neben Themen wie einem möglichen Brexit oder den Fusionsplänen zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange lag es Herrn Kengeter besonders am Herzen, über die enorme Bedeutung des Themas FinTech und der Unterstützung von FinTechs durch seine Organisation zu sprechen. Dabei verwies er auf das von der Deutschen Börse eingerichtete Venture Network, das kürzlich in Frankfurt gegründete FinTech-Hub und das damit einhergehende Engagement. Gemeinsam mit Initiativen wie dem Dialogforum FinTech Frankfurt Rhein-Main: „Mit unserem FinTech-Hub als Teil der hessischen FinTech-Initiative wollen wir jungen Unternehmen im Finanzsektor Starthilfe geben. Damit tragen wir zur Entstehung und Entwicklung einer FinTech-Szene am Finanzplatz Frankfurt bei. Frankfurt soll Deutschlands führendes FinTech-Zentrum werden.“

Zudem machte das Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, Hauke Stars, deutlich, dass die Deutsche Börse selbst 1990 als FinTech-Unternehmen begann, als sie die Digitalisierung auf das Börsenparkett brachte. Das Panel Redefining Banking – Regulatory and Economic Challenges konnte mit einigen der europäischen Topnamen aus den Bereichen Regulierung und Aufsicht punkten. Hier wurden besonders die Rolle der Kapitalmarktunion für das Wachstum der europäischen Wirtschaft und die Rolle der Regulatoren im Bereich der Digitalisierung in den Fokus gestellt. Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), machte deutlich, dass die BaFin die gleichen Regularien für FinTechs und etablierte Banken etabliere, um für faire Bedingungen zu sorgen. Gabriel Bernardino, Vorsitzender der European Insurance and Occupational Pensions Authority, erläuterte, dass es essentiell sei, Firmen sowohl die Möglichkeit für Innovationen zu geben, als auch Grenzen zum Schutz der Verbraucher zu ziehen.

Sylvie Matherat, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank, Innovation Labs, sagte mit Blick auf zukünftige Entwicklungen in der Finanzindustrie: „Die Digitalisierung hat fundamentale Auswirkungen auf die Finanzindustrie und die Geschäftsmodelle von Banken. Die Deutsche Bank arbeitet unter anderem durch ihre Innovation Labs erfolgreich mit FinTech-Unternehmen zusammen. Wir sehen technologische Innovationen als eine Chance, unseren Kunden zukünftigen Mehrwert zu bieten. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von FinTech-Unternehmen ist es jedoch wichtig, sie angemessen zu regulieren. Die Aufsichtsbehörden müssen dabei die richtige Balance zwischen der Förderung von Innovationen und der Sicherheit für Kunden und das Finanzsystem finden.“

In der ersten Grundsatzrede der Veranstaltung erläuterte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, aktuelle Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und die europäische Strategie bei der Schaffung eines Digital Single Market. Er stellte grundlegend und eindrucksvoll heraus, wie zentral der Schutz der persönlichen Daten von Konsumenten und Investoren ist. Zudem zeigte Kommissar Oettinger eindrucksvoll auf, dass gerade jetzt die Zeit für einen offenen Dialog zur Digitalen Transformation gekommen sei und er ging ebenfalls auf Details des für Ende 2016 geplanten Aktionsplans und die Ergebnisse aus Diskussionen zwischen führenden Vertretern aus Politik und Wirtschaft in ganz Europa ein.

The Dawning of FinTechs
Das zweite Gespräch und das zweite Panel der Veranstaltung standen unter dem Titel Digitalization – the Dawning of FinTechs und wurden großartig von Caroline Hyde von Bloomberg Television moderiert. Frau Hyde führte ein spannendes und sehr informatives Gespräch mit Gottfried Leibbrandt, dem CEO von SWIFT, in welchem die Bedeutung der Cybersicherheit und die Bedeutung der Digitalisierung bei der Schaffung neuer Schwachstellen diskutiert wurden. Herr Leibbrandt stellte heraus, dass Banken mit FinTechs kooperieren sollten und deren Technologie ihnen und den Konsumenten nutzen werde.
Auf dem Panel wurde dieses Gespräch fortgeführt und diskutiert, inwieweit FinTechs Veränderungen im Bereich der Backoffice-Funktionen der Banken, für die Endverbraucher und Konsumenten herbeiführen. Gerade beim Thema Blockchain hob Hauke Stars von der Deutschen Börse das enorme Veränderungspotenzial für die Finanzindustrie hervor. Sie erläuterte, dass gerade im B2B-Bereich und nicht im Konsumentenbereich die größten Veränderungen zu erwarten seien, vor allem im Hinblick auf die Kosten der Banken im Bereich des Backoffice und bei den Infrastrukturkosten. Denn gerade in diesen Bereichen biete der Einsatz neuer Technologien einen bedeutenden Effizienzgewinn. Roland Boekhout, der Vorstandsvorsitzende der ING-DiBa AG, machte vor allem die Anstrengungen deutlich, mit welchen seine Organisation die Zusammenarbeit mit FinTechs vorantreibe und hob das Ziel hervor, die führende digitale Bank Deutschlands zu werden. Zudem werde intern die Entwicklung der digitalen Dienstleistungen vorangetrieben und ein Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit FinTechs gelegt, da sie neue Technologien entwickeln und kundenrelevant sind.

Eine ganz besondere Ehre in diesem Jahr war es, dass der deutsche Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, mit dem Thema: Tectonic Shift – Where will finance move to? eine entscheidende Grundsatzrede hielt. In dieser herausragenden Rede griff Dr. Schäuble auch einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU auf. Vor allem machte er die Vorteile eines Verbleibs Großbritanniens innerhalb der Europäischen Union deutlich: “Great Britain’s relationship with Europe should not be defined by splendid isolation, but by splendid integration.” Weiter erläuterte er die überragende Bedeutung Europas für die Zukunft des Finanzwesens insgesamt. Zudem lobte er die Regulatoren, indem er auf die Erfolge hinwies, Risiken zu minimieren. Darüber hinaus stellte der deutsche Finanzminister heraus, wie wichtig es ist, die Bankenunion zu stärken. Auch für Herrn Dr. Schäuble war die Digitalisierung das zentrale Thema. Schließlich brachte er zu den Themen Digitalisierung und Innovation zum Ausdruck, wie wichtig es ist, dass alle Branchen innovativ sind, um passende Business-Modelle für die neue Welt zu finden. Im Anschluss an seine Rede hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Herrn Dr. Schäuble einige Fragen zu stellen.

Vor dem krönenden Abschluss der Konferenz durch das Schlusswort von Wolfgang Hartmann, Chairman of the Executive Committee, Frankfurt Institute for Risk Management and Regulation (FIRM), kam in der letzten Conversation des Tages ein spannendes Thema zum Tragen: die Financial Inclusion.

Hier diskutierten Prof. Dr. Andreas Pfingsten, Director Finance Center Münster, Universität Münster, und Diwakar Gupta, Vice President der Asian Development Bank (ADB), über die finanzielle Eingliederung, einen weiten Bereich, welcher sowohl gesellschaftlich als auch politisch höchst spannend ist. Herr Gupta erklärte die Herausforderungen der finanziellen Eingliederung in den Bereichen, in denen ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt. Ganz oben auf der Liste sind Menschen, die nur begrenzten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben und die, die sie zum ersten Mal verwenden. Er stellte die These auf, dass die Regierungen eine zentrale Rolle dabei spielen, Crafting-Technologie zu unterstützen sowie bei der Förderung und der finanziellen Eingliederung zu helfen. Die Erfolgsgeschichten von Mobile-Banking-Netzwerken in Afrika beweise die Notwendigkeit für den Ausbau der FinTechs und die Unterstützung dieser Ziele.

In seinem sechsten Jahr war der Frankfurt Finance Summit erneut ein voller Erfolg. Nicht nur durch die mediale Resonanz, die ausgezeichneten Referenten und Diskussionsteilnehmer, sondern auch durch die hochkarätigen Teilnehmer. Zusätzlich konnte die Konferenz über einen Livestream verfolgt werden, den mehr als tausend Menschen nutzten.

Die kompletten Aufnahmen des diesjährigen Frankfurt Finance Summit 2016 finden Sie auf der folgenden YouTube Playlist:

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