Frankfurt FinTech

Frankfurt FinTech Report #3

Die Frankfurter Ortsgruppe von Startup Grind veranstaltete am 13. Oktober 2016 ihr achtes Event am Finanzplatz. Startup Grind ist eine globale Community, deren lokale Gruppen monatliche Events in Zusammenarbeit mit erfolgreichen lokalen Gründern und Erfindern veranstalten, um auf diese Weise Lessons Learned auf dem Weg zur Gründung eines erfolgreichen Startups zu teilen. Im Oktober stand vor diesem Hintergrund ein Kamingespräch mit Ivonne Arlod, COO und Head of Funding von Peermatch, eines Frankfurter FinTech Startups und Frankfurt Main Finance Mitglieds auf der Agenda. 20 Jahre lang war Ivonne Arold als Managerin im Bereich Kapital- und Finanzmärkte für internationale Investmentbanken tätig. Trotz ihres Erfolgs im traditionellen Bankensektor entschied sie sich für einen Wechsel in die FinTech-Szene und wechselte 2015 zu Peermatch. Während des Kamingesprächs, das vom Frankfurter Startup Grind Direktor Dr. Osman Sacarcelik moderiert wurde, beschrieb sie die Unterschiede zwischen der FinTech-Szene einerseits und dem Arbeitsleben in den großen Banken andererseits. In diesem Zusammenhang berichtete Arnolds, dass sie die Formalität und den Glamour der großen Banken nicht vermisse, sondern die Balance genieße, die sie in der Startup-Szene gefunden habe.

Peertmatch ist eine App für Immobiliendarlehen. Über die Plattform investieren Anleger direkt in Darlehen und erhalten risikogerechte Renditen; dahinter steht immer der Wert einer Immobilie. Darlehensnehmer profitieren von niedrigen Kapitalmarktzinsen. Ursprünglich war die Plattform für institutionelle Investoren und kommerzielle Kreditnehmer konzipiert, doch im Oktober 2016 wurden ebenso Produkte für private Investoren und Kreditnehmer etabliert. Peermatch versucht mit seinem Geschäftsmodell den digital affinen Sektor des Kreditgeschäfts anzusprechen, deren Mitglieder eine Onlineabwicklung ihrer Geschäfte präferieren und/oder mit den konventionellen Institutionen unzufrieden sind. Arold führte aus, dass Peermatch darauf abziele, diese Kunden durch die Erleichterungen und wettbewerbsfähigen Zinssätzen der Plattform für sich zu gewinnen.

Das Startup-Unternehmen versucht so viele Prozesse wie möglich im Rahmen der App abzuwickeln. Die Peermatch eigene Cryptographic Chat Search Engine stellt Datenschutz und Privatsphäre der Nutzer sicher. Obwohl Kreditwürdigkeit traditionell ermittelt wird, besteht die erste Interaktion der Kunden mit einem Computerprogramm, bevor sie schnell an den zuständigen Peermatch-Mitarbeiter weitergeleitet werden.

Auf der kommerziellen Seite erklärt Arold, dass diese Kunden normalerweise eine Reihe an Partnern bräuchten, um ihr Finanzierungsmodell zu vervollständigen: eine Bank für den Kredit und andere Partner für Fremdkapital. Das System vom Peematch dagegen ist so entworfen, dass Kreditnehmer die verschiedenen Investoren aus einer Hand beziehen können. Arold erklärt, dass der Kreditnehmer nur die erforderlichen Kreditpapiere ausfüllen müsse und alles Weitere durch Peermatch organisiert werde. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen die Investoren aus deutschen Versicherungen, Unternehmen und Pensionsfunds, die sichere Investitionsmöglichkeiten mit guten Zinssätzen suchen. Family Offices und Investmentfunds aus dem Vereinigten Königreich dagegen haben riskantere Kreditteile finanziert. In diesem Zusammenhang machte Arold deutlich, dass Peermatch sich von Asset Backed Securities darin unterscheide, dass Investoren Risiken in Bezug auf individuelle Kredite eingehen, die nicht in Tranchen oder Pakete gebündelt sind.

Die Zukunft von FinTechs in Frankfurt

Peermatch trat kürzlich als erstes FinTech-Mitglied Frankfurt Main Finance bei. Diese neue Mitgliedschaft ist ein entscheidender Schritt in den Bemühungen des Vereins FinTechs bei der Entwicklung und Entfaltung in der Region zu unterstützen, die zurzeit knapp 60 FinTechs einen Sitz bietet. Auch Arold betonte deutlich die Bedeutung einer vielseitigen FinTech-Landschaft für den Finanzplatz Frankfurt. „Wir begrüßen jedes FinTech, das sich in Frankfurt ansiedelt. […] Es ist wichtig von anderen FinTechs umgeben zu sein mit denen Austausch stattfinden kann und Kooperationen eingegangen werden können. Jedes FinTech-Startup hat seinen eigenen Geschäftsbereich, aber in ein paar Jahren wird vielleicht die Zeit zur Kooperation kommen, da wir Teile entdecken, die zusammenpassen.“ Außerdem sind, gemäß Arold, Frankfurts Finanzcenter und Infrastruktur „prädestiniert der führende FinTech-Hub in Deutschland oder sogar Europa zu werden.“

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