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Der Standort spielt für junge FinTechs eine sehr wichtige Rolle

Wir haben Dr. Jochen Biedermann, Senior Advisor bei Frankfurt Main Finance und FinTech-Experte, gefragt: „Was zeichnet die Region Frankfurt Rhein-Main als FinTech-Standort aus?“ Im Interview gibt Dr. Biedermann spannende Einblicke in die Gründerwelt im Rhein-Main-Gebiet.

Was beeindruckt Sie am meisten, wenn Sie mit jungen FinTech-Gründern sprechen?

Mich beeindruckt am meisten das Gespür der Gründer für neue Ideen und Chancen in der Finanzindustrie sowie der Mut, diese zu realisieren – trotz vieler Entbehrungen und Widerstände. Häufig erleben Gründer einen Wettkampf mit ungleichen Waffen, vergleichbar der Geschichte von David gegen Goliath: hier der Gründer, der seine Ersparnisse und Erfahrungen einbringt und oft jahrelang Tag und Nacht mit Gleichgesinnten ohne festes Gehalt an seinem Projekt arbeitet und auf der anderen Seite das Großunternehmen mit Millionen an Kunden und Umsätzen.

In den letzten Jahren ist dieses Bild allerdings facettenreicher geworden: Erfolgreiche Davids haben sich mit den Goliaths bestens arrangiert und etablierte Finanzdienstleister als Partner oder Kunden gewonnen. Weniger erfolgreiche FinTechs scheitern oftmals an der nächsten Finanzierungsrunde, denn die Geldgeber sind aus gutem Grund sehr wählerisch geworden – in Deutschland wie fast überall auf der Welt ist die die Goldgräberstimmung der ersten FinTech-Jahre vorbei und wir sehen, dass nach und nach die Realität Einzug hält.

Was sind die First Steps eines Gründers, der sich dazu entschließt, sein Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt anzusiedeln? An welche Anlaufstellen kann sich ein Gründer in Frankfurt wenden?

Die Standortwahl spielt für aufstrebende FinTechs eine sehr wichtige Rolle. Zugang zu Talent ist vielleicht der wichtigste Faktor. Im Fokus stehen dabei Fragen wie: Wo finde ich Gleichgesinnte, z.B. einen Chief Technology Officer? oder Wo finde ich kostengünstige und erfahrene Entwickler? Hier ist das Rhein-Main-Gebiet mit seiner breiten Hochschullandschaft mit Studienangeboten in den Bereichen Finanzen, Informatik bis hin zu Management und Unternehmertum sehr gut aufgestellt. Dazu kommt ein reiches Reservoir an Managern und Mitarbeitern der klassischen Finanzbranche, die bereit sind die Seiten zu wechseln und etwas Neues aufzubauen.

In der Regel bleiben Gründer aber erst einmal dem Heimatort treu und starten aus ihrem vertrauten Umfeld heraus, insbesondere auch um die Kosten in der Anfangsphase niedrig zu halten. Später geht es dann um Zugang zu Fördermitteln und den Austausch mit Gleichgesinnten in attraktiven FinTech-Zentren. In Frankfurt haben Gründer allein innerhalb der Stadtgrenzen schon jetzt eine Auswahl an neun unterschiedlichen FinTech-Zentren. Neben dem 2016 gestarteten TechQuartier bieten z.B. auch WeWork, Mindspace, The Spot, VABN und natürlich die Angebote der Banken und der Deutschen Börse (hier finden Sie eine Übersicht) Unterstützung. Und nicht zuletzt ist die Nähe zu den potentiellen Kunden ein relevanter Aspekt. Aus diesem Grund siedeln sich viele B2B-FinTechs am Finanzplatz Frankfurt an oder sind zumindest mit einem Büro im Rhein-Main-Gebiet vertreten. Sie suchen den Kontakt zu den Banken und der Börse, um diese davon zu überzeugen, ihre FinTech-Lösungen mit in das Kundenangebot aufzunehmen.

Gelten diese Erfahrungen auch für internationale FinTechs?

Bei internationalen FinTechs aus, die in den deutschen Markt wollen (oft aus dem EU-Ausland kommend) oder einen ersten Standort in der EU suchen, sieht es oft anders aus. Hier spielt nicht nur die Willkommenskultur, sondern auch das regulatorische Umfeld eine große Rolle. Brauche ich Lizenzen und Genehmigungen für mein Unternehmen? Wenn ja, wie geht die zuständige Aufsichtsbehörde mit mir um? Fühle ich mich am Standort gut aufgehoben? Im Rahmen meiner Kontakte zu internationalen FinTechs gebe ich gerne Auskunft und vermittle Kontakte, insbesondere zu den verschiedenen Förderern am Standort wie z.B. die Wirtschaftsförderung und die Frankfurt Rhein Main GmbH, die eine erstklassige Arbeit leisten und gerne helfen.

Eine sehr wichtige Rolle spielen die verschiedenen Acceleratoren und Incubatoren im Rhein-Main-Gebiet. Exemplarisch möchte ich den Accelerator Frankfurt nennen, dessen israelisch/finnisches Gründerteam Maria Pennanen und Ram Shoham schon vielen FinTechs geholfen hat, erfolgreich zu starten und Investoren sowie Kunden zu gewinnen. Ich bin selber beim Accelerator Frankfurt wie auch beim Plug and Play Tech Center in Frankfurt als Mentor aktiv – eine ehrenamtliche Arbeit, die mir immer wieder Freude macht.

Sie sprachen eingangs von der Metapher David gegen Goliath: Vor welchen Herausforderungen stehen junge Gründer am Finanzplatz Frankfurt? Ergeben sich hieraus auch Vorteile?

In Frankfurt hängt die Latte, je nach Geschäftsmodell, oft ein bisschen höher als woanders.

Zum einen hat die BaFin als Finanzaufsicht den Ruf, bei Themen wie z.B. dem Verbraucherschutz keine Kompromisse einzugehen. Insofern hat man dort folgerichtig dem Ruf nach sogenannten regulatorischen Sandkästen (Spielwiesen, auf denen man neue Geschäftsmodelle erst einmal unter Aufsicht ausprobieren darf, bevor man unter die volle Regulierung fällt) frühzeitig eine Absage erteilt. Umgekehrt hilft gerade dies den Gründern oft später, wenn sie international expandieren möchten. Ich habe bereits von mehreren Gründern gehört, dass die Gespräche mit ausländischen Aufsichtsbehörden deutlich leichter gefallen sind, wenn man mit der Erlaubnis der BaFin quasi ein „Gütesiegel“ vorzuweisen hatte.

Zum anderen herrscht eine hohe Konkurrenz am Standort, zum Beispiel um Talente wie Absolventen der regionalen Universitäten. Gerade bei IT-Spezialisten konkurriert man nicht nur mit anderen FinTechs, sondern auch mit Banken, Finanzdienstleistern und den vielen anderen Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet. Das treibt die Gehälter nach oben – hier können junge Gründer leider nicht immer mithalten.

Auf der Seite der Lebenshaltungskosten ist Frankfurt dagegen recht attraktiv, nicht nur im Vergleich mit den großen internationalen Metropolen wie London, New York, Paris, Hongkong, Singapur oder gar dem Silicon Valley, sondern auch gegenüber anderen deutschen Standorten. Öffentlich geförderte Arbeitsplätze wie im TechQuartier sind dabei sicherlich hilfreich.

Gibt es den perfekten Standort für FinTechs?

Ich denke, so etwas wie den einen perfekten Standort für alle gibt es nicht. Dazu sind die Bedürfnisse der FinTechs zu unterschiedlich. Frankfurt punktet insbesondere mit der Nähe zu den Banken und Finanzdienstleistern als möglichen Kunden, der (fast) perfekten Lokation am zentralen Daten- und Verkehrsknotenpunkt in der Mitte Europas, dem regulatorischen Know-how, das die ansässigen nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden bieten, dem Mittelstand quasi vor der Haustür und einer aktiven FinTech-Szene mit vielen Treffen und Veranstaltungen.

Wie würden Sie das aktuelle Frankfurter FinTech-Ökosystem beschreiben und wie wichtig ist die Nähe zu den ‚großen‘ und etablierten Banken?

Das Ökosystem ist gut etabliert. Mit rund 110 FinTech-Unternehmen ist das Rhein-Main-Gebiet gut aufgestellt. Viele davon sind erfolgreich unterwegs, auch wenn wir mit 360T (2015 für 725 Mill. € von der Deutschen Börse erworben) und Concardis (in 2017 für mehr als 600 Mill. € von den Finanzinvestoren Bain Capital und Advent übernommen) nur zwei große „Exits“ hatten. Darüber hinaus haben wir an der Deutschen Börse bereits erfolgreiche FinTech-IPOs gesehen, wie den von Creditshelf im Sommer dieses Jahres.

Im Vergleich mit anderen Standorten sehe ich im Rhein-Main-Gebiet eher B2B-orientierte FinTech-Unternehmen. Deren Kunden sind neben dem klassischen Mittelständler, der eine Finanzierung sucht oder der seine Finanzprozesse optimieren möchte, oft die Banken. Typische deutsche Großbanken kooperieren oft mit einem Dutzend FinTech-Unternehmen, die ihnen umfassende Lösungen anbieten – von Kontowechsel, Videoident, Finanzplattformen, Konsumentenkredite und -prüfungen, Zahlungsverkehr, Schnittstellen/APIs bis hin zur Erfüllung der in der Regel sehr aufwendigen regulatorischen Anforderungen durch die sogenannten „RegTechs“. Oft, aber nicht immer, sind diese Banken auch an den passenden FinTechs investiert. Ein Chief Digital Officer einer Großbank sagte mir einmal sinngemäß: Wenn wir über eine FinTech-Lösung unser Kundenangebot verbessern können, dann kooperieren wir und kaufen die Services ein. Und wenn die Lösung so gut ist, dass wir sie nicht bei unseren Wettbewerbern sehen wollen, dann kaufen wir halt das ganze Unternehmen.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich der FinTech-Standort Frankfurt entwickeln?

Wir sehen seit einiger Zeit neue Technologien, die voraussichtlich die Finanzbranche oder zumindest Teile der Finanzindustrie im kommenden Jahrzehnt verändern werden. Dazu gehört zum einen die Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technologie. Und natürlich die Nutzung von künstlicher Intelligenz. Auch die Themen Digitale Identität und IT-Sicherheit („Cybersecurity“) sind schon sehr wichtig und werden in den kommenden Jahren noch bedeutender werden.

Während wir beim Thema IT-Sicherheit durch den Cybersecurity-Hub in Darmstadt  in der Region hervorragend aufgestellt sind, kann man das von den drei anderen genannten Themen so noch nicht sagen. Es gibt zwar sehr erfolgsversprechende Ansätze, wie die Aktivitäten um das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management oder den Verein Artificial Intelligence in Financial Services e.V., aber diese werden möglicherweise nicht ausreichen, wenn andere Länder Fördermittel in mehrfacher Milliardenhöhe für diese Bereiche bereitstellen.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit in der Finanzindustrie sehe ich sehr positive Ansätze. Das Thema hat sich generell – dank der wichtigen Beiträge der Deutschen Börse und des Landes Hessen –  aus Frankfurt heraus zu einem deutschen Hub entwickelt.
Aber auch die FinTechs tragen dazu bei. Als Koordinator der SDG FinTech-Initiative (SDG = Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen) bekomme ich aus erster Hand mit, was FinTech-Gründer hier alles bewirken können und wie deren Innovationen beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent angenommen werden. Hier haben wir echte „Perlen“ in Frankfurt, die aber oft noch zu wenig bekannt sind. Und Nachhaltigkeit geht uns alle an.

 

 

Dr. Jochen Biedermann berät seit vielen Jahren die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance e.V. beim Thema FinTech sowie beim Aufbau und der Entwicklung von Partnerschaften mit anderen führenden internationalen Finanzplätzen. Dr. Biedermann ist weiterhin Geschäftsführer des Weltverbandes der Finanzplätze World Alliance of International Financial Centers, fungiert als FinTech-Koordinator des EU Financial Centre Roundtables, ist Mitglied des FinTech Advisory Councils des Astana International Financial Centres (AIFC), CEO von Blockchain Asia Ltd. in Hongkong sowie Mentor beim Accelerator Frankfurt und dem Plug and Play Tech Center. Dr. Biedermann ist promovierter Mathematiker mit einem Abschluss der Universität Cottbus sowie einem Diplom in Mathematik/Informatik der Universität Göttingen.

Frankfurt Main Finance beim Toronto Global Forum: „Fintech and the Future of Money“

Der Finanzplatz Frankfurt über ein dynamisches FinTech-Ökosystem. Mit einer ausgeprägten Start-up-Kultur, einem weltweit führenden Fintech-Cluster, der Nähe zu etablierten Banken und damit Zugang zu potenziellen Kunden und Finanzierungsmöglichkeiten, hat Frankfurt alles, was es für eine lebendige FinTech-Szene braucht. Daher wurde Hubertus Väth, Managing Director von Frankfurt Main Finance (FMF), eingeladen, die Perspektive des Finanzplatzes Frankfurt beim Toronto Global Forum zum Thema Fintech and the Future of Money einzubringen.

Das Toronto Global Forum ist eine internationale Konferenz, die unter der Schirmherrschaft des International Economic Forum of Americas ausgetragen wird. Mit dem Ziel, den weltweiten Dialog zu den aktuellen Fragen der Finanzwelt voranzutreiben, kamen zur jüngsten Konferenz nationale und internationale Entscheidungsträger aus Politik, Zentralbanken, Ministerien und Weltwirtschaft unter dem Motto Navigating a World in Disruption zusammen. Das Event, an dem 3.000 Besucher und 170 Referenten teilnahmen, bietet allen Stakeholdern eine gute Gelegenheit, wirtschaftliche Synergien zu nutzen und mit hochkarätigen Wirtschaftsakteuren ins Gespräch zu kommen.

Wie sich rasant entwickelnde technologische Innovationen auf Finanzdienstleistungen und das traditionelle Bankgeschäft auswirken, diskutierten die Panelisten Hubertus Väth, Managing Director von FMF, Al Goldstein, Chairman und Chief Executive Officer von Avant, Shuman Ghosemajumder, Chief Technology Officer von Shape Security und Rafael Funes, Vorstandsvorsitzender von LOVIS. Das Panel Fintech and the Future of Money wurde von Alexandra Posadzki, Journalistin für Finanzdienstleistungen bei The Globe and Mail, moderierten.

Dabei wurde debattiert, wie der Finanzsektor in einigen Jahren aussehen, wie sich die Finanzindustrie durch neue Technologien transformieren und wie Regulierungen Innovation fördern sowie das Vertrauen zwischen Verbrauchern und Finanzinstituten stärken könnte. In der Diskussion betonte Väth, dass Technologie zwar einige Formen traditioneller Finanzdienstleistungen verändert oder sogar abgelöst habe, etablierte Finanzinstitute jedoch manchmal potenziell industrieverändernde Trends, wie künstliche Intelligenz, Big Data, Blockchain, Cloud-Speicher, aus den Augen verlieren bzw. nicht ausreichen durch Investitionen fördern. Allerdings seien genau dies disruptive Technologien, die zukünftige Preis, Handels-, Clearing- und Abwicklungsprozesse revolutionieren könnten.

Stärkung der Partnerschaft mit der Stadt Toronto

Während des Besuchs in Toronto traf sich Frankfurt Main Finance mit Thomas Schultze, Generalkonsul des Konsulates der Bundesrepublik Deutschland in Toronto und Michael Thompson, stellvertretender Bürgermeister von Toronto, um die Zusammenarbeit der beiden Finanzplätze weiter voranzutreiben und den Bereich künstliche Intelligenz in die Kooperation aufzunehmen.

 

Frankfurt Main Finance International

Frankfurt Main Finance ist Teil eines starken internationalen Netzwerks

Frankfurt Main Finance (FMF) arbeitet intensiv daran, den Finanzplatz noch stärker international zu vernetzen und Dialogplattformen zu bieten. Ein wichtiges Instrument dafür sind hochkarätige Delegationsreisen in bedeutende Partnerstädte. Anfang Dezember ist daher ein FMF-Team nach Katar und Kuwait gereist, um sich mit Vertretern der jeweiligen Regionen über Best Practices finanzplatzübergreifend auszutauschen und den Diskurs auf internationaler Ebene weiter voranzutreiben.

Unter anderem fand hierbei ein Treffen mit Repräsentanten der Qatar Financial Centre (QFC) Authority statt. Die Organisation verwaltet und pflegt das rechtliche und steuerliche Umfeld des Finanzzentrums Katar und lizenziert Unternehmen, Geschäfte im oder vom Finanzplatz aus zu tätigen. Außerdem baut sie, wie auch Frankfurt Main Finance, Beziehungen zur globalen Finanzwelt und zu anderen wichtigen Institutionen innerhalb und außerhalb Katars auf.

Ein weiteres Highlight der Reise stellte ein exklusives Interview mit dem Fernsehsender Al Jazeera English dar, welches die Folgen des britischen EU-Austritts thematisierte. „London wird einer der führenden Finanzplätze der Welt bleiben“, kommentierte FMF-Geschäftsführer Hubertus Väth, allerdings werde Großbritanien seine Passporting-Rechte verlieren, die dem vereinten Königreich bislang Finanzgeschäfte in den EU27 ermöglichen. Außerdem betonte Väth den Standpunkt der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance: „Der Brexit ist weder gut für Europa, noch für Großbritannien.“

Quelle: Al Jazeera English

Diese Reise steht exemplarisch für die Anstrengungen von FMF, ein großes  internationales Finanzplatznetz auzubauen, welches immer weiter wächst und indem Frankfurt Main Finance die Interessen des Finanzplatzes Frankfurt vertritt. Beispielsweise führte eine weitere Delegationsreise im Juli 2018 die FMF-Vertreter in die kasachische Hauptstadt Astana. Experten für den Finanzplatz Frankfurt diskutierten dort auf dem Global Finance Forum zusammen mit hochrangigen internationalen Finanz- und Politikvertretern die Veränderungen einer global vernetzten Finanzindustrie sowie Entwicklungstendenzen.

Frankfurt Main Finance ist Gründungsmitgliede der World Alliance of International Financial Centers (WAIFC)

In einer Zeit rapider technologischer Entwicklung und sozialen Wandels sind Finanzplätze ein Schlüsselfaktor für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Ziel der Word Alliance of International Financial Centres ist es daher, ein transparentes Netzwerk zu schaffen und das Verständnis für die Bedeutung internationaler Finanzplätze für die nationale und internationale Wirtschaft sowie die soziale Entwicklung zu fördern.

 

Stock market breakfast

Börsenfrühstück auf dem Parkett mit Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Das Börsenfrühstück auf dem Parkett der Frankfurter Börse hat sich zu einer besonderen Kommunikationsplattform für Finanzmarktakteure etabliert. Ein Ziel der Veranstaltungsreihe ist die Stärkung der Beziehungen zwischen allen Beteiligten durch einen informellen Austausch. Dieses Ziel betonte Redner Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, auch in seiner Keynote beim Börsenfrühstück zum Thema „Ökonomische Bildung – Herausforderung und Aufgabe für alle am Finanzplatz“ am Donnerstagmorgen. Ein regelmäßiger Austausch der Akteure am Finanzplatz sei erforderlich, um den Erfolg von Maßnahmen in diesem Bereich zu steigern.

Obwohl der Dezember die Zeit der Jahresrückblicke ist, fokussierte sich das Börsenfrühstück auf die Zukunft: Keynote Speaker Burkhard Balz betonte die Wichtigkeit der verstärkten Förderung von ökonomischer Bildung. Die Bundesbank informiere bereits durch zahlreiche Vorträge und stelle Materialien online zur Verfügung. Auch das Geldmuseum ist mit insgesamt rund 400 gehaltenen Vorträgen, vor allem für Schüler und Studierende, ein wichtiger Bestandteil der Bildungsarbeit. Das Positionspapier der Bundesbank „Zentralbankwissen vermitteln – die ökonomische Bildungsarbeit der Deutschen Bundesbank“ fasst den Kerngedanken des Bildungsprogramms der Bundesbank zusammen. Das Ziel des Programms ist der „mündige Wirtschaftsbürger“, der über Kenntnisse, Fähigkeiten, Möglichkeiten und Einstellungen verfügt, um ökonomisch geprägte Lebenssituationen bewältigen zu können und sich mit Fragen kompetent auseinanderzusetzen. Das gilt für private Belange ebenso wie für die betriebliche, volkswirtschaftliche und weltwirtschaftliche Ebene. Zudem sei es Auftrag der Medien, ökonomische Themen zu vermitteln, sagte Burkhard Balz in seiner Rede.

Die Diskussionen und Anregungen des Börsenfrühstücks werden über das Börsenparkett hinaus thematisiert

Marc Richter, Senior Trader Equities Frankfurt bei Baader Bank AG, kommentierte einen Frankfurt Main Finance Tweet zum Börsenfrühstück und verstärkte so einen weiteren Gesichtspunkt der Debatte zur ökonomischen Bildung: „Ebenfalls muss aber auch die ökonomische Bildung in den Schulen weiter fokussiert werden.“ Diese Feststellung bestätigt Sven Schumann, Director – Head of Section Community Relations & Initiatives der Deutschen Börse,  mit einem Like – das Börsenfrühstück garantiert also neben einem morgentlichen Gedankenaustausch eine weitreichende (digitale) Anschlussdiskussion.

Hier finden Sie weitere Nachberichte zur Veranstaltungsreihe:

CFS-Index geht deutlich zurück

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt im dritten Quartal 2018 um 4,5 Punkte auf 113,9 Punkte. Der deutliche Rückgang ist vor allem auf ein schwächeres Wachstum der Erträge und der Mitarbeiterzahlen der Dienstleister sowie auf einen verminderten Anstieg der Umsätze und des Investitionsvolumens der gesamten Finanzbranche zurückzuführen. Bei den Finanzinstituten steht dem gesunkenen Umsatzwachstum bei neutraler Lage der Mitarbeiterzahlen jedoch ein steigendes Ertragswachstum entgegen.

„Die entgegengesetzte Entwicklung der Erträge bei Banken und Dienstleistern – hier aufwärts, dort abwärts – wirft die Frage nach den Gründen für das gleichförmige Investitionsverhalten auf: Hier wirken sich makroökonomische und politische Unsicherheiten (Brexit, Italien, USA, China) offenbar in erster Linie dämpfend aus“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird weiterhin, wenn auch abgeschwächt, positiv beurteilt.

Die Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland hatte seit dem Brexit-Votum 2016 historische Höchststände erreicht. Im dritten Quartal 2018 befindet sich der entsprechende Wert mit 126 Punkten zwar noch auf einem guten Niveau, wenn auch deutlich abgeschwächt um -5,3 Punkte.

„Die rückläufige Entwicklung bei der Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland sieht das Glas halb leer. Tatsächlich konnten in den letzten Monaten auch andere Finanzplätze in der Europäischen Union vom Brexit profitieren. Das scheint die positive Entwicklung in Frankfurt zu relativieren“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse. „Aber genau betrachtet sprechen die Entscheidungen von mehr als 30 Finanzinstituten, ihren Europasitz nach Frankfurt zu verlegen eine klare Sprache: Der Finanzplatz in Frankfurt wird 2019 erheblich an internationaler Bedeutung gewinnen.“

Umsätze der Finanzbranche rückläufig / Ertragswachstum positiv bei den Finanzinstituten und rückläufig bei den Dienstleistern

Wie von den Finanzinstituten im vorangegangen Quartal erwartet wurde, hat sich das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens im dritten Quartal rückläufig entwickelt. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt um 6,1 Punkte auf 112,7 Punkte. Die Umsätze der Dienstleister liegen mit 123,7 Punkten 5,3 Punkte niedriger als im Vorquartal. Beide Gruppen rechnen mit einem weiteren leichten Rückgang für das laufende Quartal.

Das Ertragswachstum der beiden Gruppen entwickelt sich stark gegenläufig. Die Finanzinstitute befinden sich nach einem schwachen zweiten Quartal wieder auf einem guten Stand. Der entsprechende Sub-Index steigt um 9,8 Punkte auf 111,6 Punkte. Die Dienstleister andererseits verzeichnen einen starken Rückgang um 11,3 Punkte auf 116,3 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten beide Gruppen wieder einen leichten Rückgang ihres Ertragswachstums.

Investitionsvolumen gesunken

Entgegen den Erwartungen sinkt bei den Finanzinstituten das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen um 5,3 Punkte auf 110,8 Punkte. Es wird erwartet, das niedrige Niveau im laufenden Quartal beizubehalten. Auch bei den Dienstleistern sinkt der Sub-Index um 3,4 Punkte, befindet sich aber mit 118,9 Punkten immer noch auf dem dritthöchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007. Es wird allerdings für das laufende Quartal mit einer weiteren Abschwächung gerechnet.

Neutrale Stimmungslage der Finanzinstitute bei der Anzahl der Mitarbeiter

Nach dem kurzfristigen Stellenabbau der Finanzinstitute im zweiten Quartal steigt der Mitarbeiter-Sub-Index aktuell um 3,6 Punkte und signalisiert mit 100,1 Punkten nun eine neutrale Stimmungslage. Bei den Dienstleistern hat sich, wie zuvor erwartet, das Mitarbeiterwachstum verlangsamt. Der entsprechende Sub-Index befindet sich mit -8,4 Punkten auf 117,9 Punkte aber immer noch auf einem guten Level. Für das laufende Quartal rechnen die Dienstleister mit einem weiteren Rückgang des Mitarbeiterwachstums und die Finanzinstitute mit einem Stellenabbau.

 

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

 

CFS-Umfrage: Künstliche Intelligenz wird zukünftig zu den Kernthemen der Finanzindustrie zählen

Künstliche Intelligenz wird zukünftig zu den Kernthemen der Finanzindustrie zählen – Mehr Initiative zur Information und Aufklärung der Bevölkerung sinnvoll

Die Bundesregierung hat beschlossen, bis zum Jahr 2025 drei Milliarden Euro in die Förderung der Künstlichen Intelligenz (KI) zu investieren. Darüber hinaus sind Gespräche mit den Ländern und der Wirtschaft geplant, um weitere Investitionen anzustoßen. Ziel ist es u.a., Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für KI-Technologien zu machen und die künftige Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Ungeachtet der positiven Signale seitens der Bundesregierung ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies, dass das Gros der deutschen Finanzbranche (84% der Befragten) bezweifelt, dass die meisten Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz präzise kennen. Die Begriffe Digitalisierung im Allgemeinen und Künstliche Intelligenz im Besonderen werden in zahlreichen öffentlichen Diskussionen verwendet, obwohl viele Menschen nur eine vage Vorstellung von diesen Themen haben. Angesichts der Bedeutung dieser Trends spricht sich die deutsche Finanzbranche deutlich (86%) für eine Initiative zur Information und Aufklärung der Bevölkerung aus.

„Wir befinden uns in einer Zeit dramatischer Veränderungen der Wirtschaft und der Arbeitswelt. Daher ist es essentiell, die Menschen altersgerecht zu informieren und aufzuklären. Ich würde mir wünschen, dass wir uns nicht nur auf die Schulen konzentrieren, sondern auch Formate für die Erwachsenenbildung für diese zentralen Zukunftsfragen entwickeln.“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Künstliche Intelligenz wird in den kommenden 10 Jahren sehr wahrscheinlich etliche Branchen revolutionieren. Davon sind 83% der Befragten überzeugt. Lediglich 17% sind der Meinung, dass die Bedeutung von KI-Technologien überschätzt wird.

Der Finanzsektor wird bereits stark von der Künstlichen Intelligenz geprägt, wobei die neue Technologie das Potenzial besitzt, Finanzprozesse verändern zu können. Entsprechend eindeutig (90%) erwartet die deutsche Finanzbranche, dass KI-Technologien zukünftig zu einem der Kernthemen der Finanzindustrie zählen werden.

„Die deutschen Banken müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um im Bereich der Künstlichen Intelligenz nicht den Anschluss zu verlieren. Nur wenige Banken verfügen heute über eine echte KI-Strategie“, erläutert Brühl weiter.

Auf die Frage, was die wichtigsten Anwendungsgebiete von KI zukünftig im Banking sind, werden an erster Stelle die Zentralfunktionen (Risikomanagement, Controlling etc.) von 77% der Befragten genannt, unmittelbar gefolgt vom Bereich Asset Management (76%) und dem Privatkundengeschäft (73%). Des Weiteren nennen 53% das Kapitalmarktgeschäft. Der Einsatz von KI im Firmenkundengeschäft halten lediglich 36% der Befragten für relevant.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Der Rückstand im internationalen Vergleich in Sachen KI ist enorm. So gibt es laut einer Erhebung der Unternehmensberatungen Asgard und Roland Berger in ganz Deutschland nur 106 KI-Startups im Vergleich zu 383 in China oder rund 1.400 in den USA. Das Programm der Bundesregierung kommt spät, aber nicht zu spät. Um aufzuholen, gilt es nun, intelligent mit Start-ups zu kooperieren und so die Kräfte am Finanzplatz zu bündeln.“

Alle Ergebnisse der CFS-Sonderfragen herunterladen.

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

FMF begrüßt Brexit-Einigung – Verlagerung von 750 – 800 Milliarden Euro Bilanzvolumen nach Frankfurt erwartet

Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance (FMF) begrüßt die am vergangenen Wochenende getroffene Vereinbarung zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien. Denn sie schafft sehr viel mehr
Klarheit, wenn auch noch keine endgültige. FMF hofft zudem im Interesse aller Betroffenen, dass dieser Vertrag nun am 11. Dezember vom britischen Parlament ratifiziert wird. Als sicher kann das aber nicht gelten, und ein harter Brexit ist noch nicht abgewendet. Zudem steht bei Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Entscheidung dazu an, ob der Artikel 50 noch einmal vor dem Ende der Laufzeit widerrufen werden kann. Somit besteht auch noch die Hoffnung auf einen Verbleib Großbritanniens, wenn das Urteil des EuGH dies bestätigen sollte. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering.

„Damit ist für die Finanzinstitute klar: Der Brexit kommt, die extreme Variante eines Austritts ohne Austrittsabkommen kann aufgrund der unsicheren Mehrheitsverhältnisse im britischen Parlament weiterhin nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sie etwas unwahrscheinlicher geworden ist. Dagegen kann ein Verbleib Großbritanniens in der EU zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, darf aber als sehr unwahrscheinlich gelten. Nun ist der Pfad für die Finanzinstitute abgesteckt. Die Brexit-Pläne werden umgesetzt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Aus einer Rede von Danièle Nouy, Vorsitzende des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus der Europäischen Zentralbank (EZB), wissen wir, dass 37 Finanzinstitute, Banken und Wertpapierhandelsbanken, neue Lizenzen bei der EZB beantragt oder existierende ausgeweitet haben und diese bereits erhalten haben oder sie nach aller Voraussicht in Kürze erhalten werden.

30 dieser Institute haben sich für Frankfurt als ihrem Europäischen Sitz entschieden. Da sich etliche der Banken an mehreren Standorten niederlassen werden, wird es nach Ansicht von FMF viele Zahlen geben, die sich auf mehr als die von Frau Nouy genannten 37 addieren werden. Von dieser Verteilung profitiert der Standort Frankfurt aber auch, denn rund ein halbes Dutzend Finanzinstitute, die sich für Standorte in anderen EU Ländern entschieden haben, bauen ihre Präsenz dennoch maßgeblich in Frankfurt aus.

„In Gänze rechnen wir daher mit einer Verlagerung von 750 – 800 Milliarden Euro Bilanzvolumen von London nach Frankfurt, der Großteil davon dürfte im ersten Quartal 2019 verlagert werden“, sagt Väth. „Dabei wird es nicht bleiben.“

„Angesichts der aktuellen Situation stehen die Banken vor der Wahl, nun entweder nur das Nötigste zu verlagern oder sich auf die Verlagerung des gesamten Geschäftes vorzubereiten“, so Väth weiter. Die Institute haben auf diese Frage unterschiedliche Antworten gefunden. „Solange noch Unsicherheit besteht, dürften die meisten Institute die Minimallösung präferieren. In jedem Fall ist klar: Danach wird es erhebliche Zweitrundeneffekte geben.“

Als wichtiges Zeichen an die Finanzinstitute wertet Frankfurt Main Finance den Gesetzentwurf zur Lockerung des Kündigungsschutzes für Risikoträger mit hohen Einkommen. „Hier hat die Politik versprochen und geliefert. Das wird international sehr genau beobachtet, weil es zeigt, dass der Finanzplatz unterstützt wird.“

„Entsprechend werden die Zweitrundeneffekte nach Ansicht von Frankfurt Main Finance signifikant sein. Wir halten an dem von uns am Tag 1 nach dem BrexitReferendum geschätzten Potential von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen für Frankfurt fest. Allerdings zeichnet sich eine zweite Übergangsphase, die voraussichtlich bis Ende 2022 andauern wird, und damit eine weitere Verzögerung ab. Aus den ursprünglich erwarteten 5 Jahren für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ab dem Zeitpunkt des Referendums im Juni 2016 werden daher nun 8 Jahre.“

Ein gewichtiges Argument für die Entscheidung der Finanzinstitute, Geschäft nach Frankfurt zu verlagern, war die von der deutschen Politik signalisierte Bereitschaft, das Thema Arbeitsschutz für Risikoträger zu überdenken. Nach der Aufnahme in die Koalitionsvereinbarungen, liegt der speziell auf Risikoträger hin maßgeschneiderte Gesetzentwurf nun zur Abstimmung in den Ressorts vor. „Die Politik hat zugehört, hat versprochen und liefert“, sagt Väth. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Bankenverlagerung nach Deutschland gewollt ist. Es ist ein Zeichen, das gesehen und geschätzt wird.“

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt

Duftende Lebkuchen und glitzernde Lichter: Der Frankfurter Weihnachtsmarkt zieht Besucher aus aller Welt an

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt blickt auf eine lange Tradition zurück und zählt zu den ältesten Weihnachtsmärkten Deutschlands. Bis ins Jahr 1393 lässt sich nachweisen, dass an Weihnachten in Frankfurt Märkte stattfanden. Traditioneller Mittelpunkt des Marktes ist der Römerberg, der mit seinen historischen Fachwerkhäusern die Kulisse für einen der schönsten und größten Weihnachtsmärkte des Landes bietet. Die durchschnittlich drei Millionen Besucher können 2018 vom 26. November bis zum 22. Dezember die festliche Stimmung zwischen Innenstadt und Römerberg genießen.

Highlight der Eröffnungsfeier am 26. November wird ein Live-Konzert der Oper Frankfurt sein. Und bis zum 22. Dezember reicht das musikalische Angebot von der Darbietung internationaler Weihnachtslieder auf der Bühne am Römerberg, dem Spiel der Turmbläser der Alten Nikolaikirche bis hin zum großen Stadtgeläut mit dem zeitgleichen Läuten von 50 Glocken.

Anlässlich der Fertigstellung der neuen Frankfurter Altstadt, findet sich deren Umriss auf der neuen Glühweintasse 2018. Wer sich eine der allerersten Tassen sichern möchte, kann diese bereits ab dem 26. November in den Tourist Informationen Römer und Hauptbahnhof sowie direkt auf dem Markt in der Frankfurt Information-Hütte erwerben.

Frankfurter Weihnachtsmarkt - © #visitfrankfurt, Holger Ullmann

Frankfurter Weihnachtsmarkt – © #visitfrankfurt, Holger Ullmann

Von Apfelwein bis Zimtstern

Über 200 Weihnachtsmarktbuden locken die Besucher mit weihnachtlichen Geschenken, Kitsch und Leckereien. Neben den Klassikern, gebrannte Mandeln, Glühwein und Bratwürstchen, erfreuen sich typische Frankfurter Weihnachtsspezialitäten wie Bethmännchen, warmer Apfelwein und Quetschmännchen besonderer Beliebtheit.

Neben der kulinarischen Vielfalt erwarten den Besucher klassische Weihnachtsmarktartikel aus den Bereichen Dekoration und Volkskunst, aber auch modernes Kunsthandwerk und typische Frankfurter Waren wie Dippe und Steinguterzeugnisse. Auf dem angrenzenden Kunsthandwerksmarkt in den Römerhallen sowie der Paulskirche gibt es zudem die Möglichkeit, sich auf die Suche nach einem außergewöhnlichen Weihnachtsgeschenk zu machen. Der Kunstmarkt in den Römerhallen beginnt am Freitag, den 7. Dezember. Für alle diejenigen, die sich schon ein paar Tage zuvor auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken begeben wollen, öffnet der Kunstmarkt in der Paulskirche schon am Dienstag. Auch vor den Toren der Stadt findet sich außerdem eine Vielzahl romantischer Weihnachtsmärkte in Odenwald, Rheingau, Taunus und Wetterau.

Weihnachtsmarktführungen

Am 16. Dezember wird für Blinde und Sehbehinderte die Weihnachtsmarktführung „Glühwein, Geschichten & Gebäck“ angeboten und die Frankfurter Weihnachtsmarkt-Spezialitäten vorgestellt. Begleitet vom Duft gebrannter Mandeln lernen Blinde und Sehbehinderte bei diesem Rundgang den Frankfurter Weihnachtsmarkt kennen und erfahren dabei allerlei Geschichten über das historische und moderne Frankfurt sowie Frankfurter Persönlichkeiten.

Zu Frankfurter Tourismusbüro einen eineinhalb stündigen Rundgang über den Frankfurter Weihnachtsmarkt an. Die Highlights sind Karussellfahrten, Glühwein, eine Bethmännchen- Kostprobe und der Besuch der Dachgalerie der Alten Nikolaikirche.

Ein weiteres Highlight stellt ein geführter Rundgang durch die verwinkelten Gassen der neuen Frankfurter Altstadt dar. Eine deutschsprachige Tour beginnt um täglich um 14 Uhr. Auch für englischsprachige Weihnachtsmarktbesucher wird die Tour durch die neue Altstadt angeboten. An sechs Terminen, beginnend ab dem 1. Dezember, können englischsprachige Gäste das Frankfurter Altstadt-Flair genießen. Die Besucher erwartet eine spannende Mischung aus Neubauten und Rekonstruktionen.

Rosa Weihnacht

An der Frankfurter Hauptwache finden sich weitere Weihnachtsmarktstände, die das klassische Weihnachtsmarktgelände bis auf die Shoppingmeile Zeil erweitern und somit einen Übergang zum Weihnachtsbummel bilden. Auf dem Friedrich-Stolze-Platz findet zudem die sogenannte „Rosa Weihnacht“ statt, die von der Gay Community des Rhein-Main-Gebietes ausgerichtet wird und mit bunten Lichtern sowie ausgefallener Dekoration und Gestaltung eine besondere Atmosphäre schafft.

Alle Informationen rund um die Anreise, Veranstaltungsanmeldungen, den Frankfurter Weihnachtsbaum oder die Glühweintassen hat das Frankfurter Tourismusbüro für Besucher hier zusammengestellt.

 

Bildnachweis: © #visitfrankfurt, Holger Ullmann, www.frankfurt-tourismus.de

Green and Sustainable Finance Cluster_ Grüneburgpark Frankfurt

Green and Sustainable Finance Cluster Germany (GSFCG)

Stärkung einer nachhaltigen Zukunft am Finanzplatz Frankfurt

Ohne einen starken und verantwortungsvollen Finanzsektor ist eine nachhaltige Zukunft nicht möglich. Laut des Baseline Report des Green and Sustainable Finance Cluster Germany (GSFCG) erfordert alleine die Emissionseinsparungen, die Deutschland bis 2050 im Rahmen internationaler Verpflichtungen erreichen müsste, Investitionen in Höhe von 530 Milliarden Euro. Weiterlesen

Deutsches Aktieninstitut_Die Hauptversammlung

Rückblick auf die 15. Jahrestagung „Die Hauptversammlung“ des Deutschen Aktieninstituts

Wenn Theorie und Praxis aufeinandertreffen

„Die Bude ist gerappelt voll“, begrüßte Dr. Claudia Royé, Leiterin Kapitalmarktrecht beim Deutschen Aktieninstitut, am 23. Oktober die Teilnehmer der 15. Jahrestagung „Die Hauptversammlung“. Über 125 hochrangige Experten waren nach Frankfurt am Main gekommen. Obwohl – oder gerade weil – die Veranstaltung kurzfristig um vier Wochen verschoben worden war, um die Veröffentlichung des Referentenentwurfs zur Umsetzung der geänderten Aktionärsrechterichtlinie abzuwarten.

Wie komplex sich die Stärkung der Eigentümerrechte gestaltet, wurde durch die verschiedenen Redebeiträge überdeutlich. Während beispielsweise der Gesetzgeber den direkten Kontakt zwischen Gesellschaft und Aktionär im Blick hat und dafür die Dominanz von Intermediären zurückzudrängen beabsichtigt, sind gerade die es, die diesen Kontakt über Ländergrenzen hinweg überhaupt erst ermöglichen. Die digitalen Abläufe um SWIFT greifen eben doch noch nicht nahtlos ineinander, über die Grenzen von Ländern und nationalen Jurisdiktionen hinweg.

Fokus auf Nachhaltigkeit als Folge der Finanzkrise

Aber nun von Anfang an: Die erste Version des Gesetzes zur Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie, besser bekannt unter ARUG, trat 2007 in Kraft. Das war vor der Finanzkrise. In deren Folge wanderte der Fokus immer mehr auf die Nachhaltigkeit von Unternehmen, was wiederum das Engagement der Investorenseits auf diesem Feld zur Folge hatte. Während also noch um die Jahrtausendwende die immer weiter abnehmende Präsenz von Stimmrechten auf den Hauptversammlungen ein großes Problem darstellte, steht heute eher die Kanalisation von Investorenbegehren im Mittelpunkt.

Daher konzentrieren sich die Neuerungen, die ARUG II ausmachen, auf die Themenfelder Aktionärsidentifikation, Verbesserung der Transparenz bei institutionellen Anlegern, Vermögensverwaltern sowie Stimmrechtsberatern, Regelungen zur Zustimmung und Bekanntmachung von Geschäften mit nahestehenden Personen oder Unternehmen und schließlich die Politik zur Vergütung von Vorstand und Aufsichtsrat sowie der Vergütungsbericht. Letztlich soll zum einen börsennotierten Gesellschaften geholfen werden zu verstehen, mit welchen Aktionären sie es zu tun haben und in welchem Ausmaß diese sich in Bezug auf die Gesellschaft engagieren. Demgegenüber soll es Investoren erleichtert werden, eine Diskussion über die richtige Incentivierung des Managements zu führen.

Corporate Governance Gedanke stärkt Einfluss der Hauptversammlung

Die verschiedenen Vorträge befassten sich neben den Neuerungen aus dem ARUG II auch mit weiteren Themen rund um die Hauptversammlung. So drehen sich die Interessen institutioneller Anleger vermehrt um die Arbeit des Aufsichtsrats, dem sie im Zweifel die Entlastung verwehren. Zumeist, aber eben nicht in allen Fällen, bleibt die Nichtentlastung des Aufsichtsrats ohne Folgen: Im MDAX musste ein Aufsichtsratsvorsitzender jedoch daraufhin sein Amt räumen. Andererseits gleicht es aus Sicht der Unternehmen einer Quadratur des Kreises, die zum Teil sehr gegensätzlichen Corporate Governance-Vorstellungen aller institutioneller Investoren gleichzeitig zu berücksichtigen. Sogenannte Governance Roadshows zur Abklärung der Vorstellungen bei den Hauptaktionären durch den Emittenten werden wohl in Zukunft zum Standard werden.

Deutsches Aktieninstitut_Die Hauptversammlung

ARUG II stellt hohe Anforderungen an den Aufsichtsrat

Der Minderheitenschutz durch die Regulierung von Geschäften mit nahestehenden natürlichen oder juristischen Personen ist das komplizierteste Kapitel von ARUG II. Die Diskussion darüber war sehr abstrakt, eine Anreicherung durch Beispiele hätte ihr gutgetan. Zumal etliche Ausnahmen von der Regel vorgesehen sind. Dr. Cordula Heldt, Leiterin Gesellschaftsrecht und Corporate Governance des Deutschen Aktieninstituts, demonstrierte in ihrem Vortrag sehr eindrücklich die Vielschichtigkeit dieses Themas, das auf Aktionärsseite sicher nur einigen Spezialisten verständlich ist. Bleibt zu hoffen, dass sich zukünftig genügend Aufsichtsräte finden lassen, die die Feinheiten durchschauen.

Prof. Dr. Ulrich Seibert, Ministerialrat im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hatte die Erläuterung des ARUG II Referentenentwurfs mit dem Hinweis eingeläutet, dass der massive, weltweite Rückgang bei börsennotierten Unternehmen wohl auch einer gewissen Überregulierung geschuldet ist. Sicher hat er aus Frankfurt allerhand Anregungen zur Verschlankung der Vorschriften mitgenommen.

von Dr. Charlotte Brigitte Looß