Der FintechGermany Award ist eine Plattform für aktiven Wissenstransfer

Interview mit Philipp Sandner zum FinTechGermany Award 2019

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland“, sagt Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Wie der FinTechGermany Award jungen FinTechs dabei helfen kann, die Hürden der Regulierung zu überwinden, lesen Sie im Frankfurt Main Finance Interview.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Das Hauptaugenmerk liegt grundsätzlich auf dem Business Model des zu beurteilenden Unternehmens. Gerade im Bereich der FinTechs ist der Innovationsgrad der Idee von besonderer Bedeutung. Die Umsetzung, die einhergehende Kosteneffiezienz und besonders die Integration neuer Technologien, wie Blockchain und Artificial Intelligence sind entscheidende Faktoren dafür, ob ein FinTech auf dem Markt bestehen kann – ober eben nicht. Gerade das Frankfurt School Blockchain Center hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, junge und hochinnovative Unternehmen, die sich dieser neuen Technologien bedienen, zu beraten und bei der Umsetzung sowie Kommerzialisierung zu unterstützen. Wir gehen fest davon aus, dass gerade der Einsatz der Blockchain-Technologie starken Einfluss auf die Finanzindustrie haben wird und damit selbstverständlich auch auf die Erfolgsaussichten der sich bewerbenden FinTechs.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland. Durch die Interaktion mit dem Finanzmarkt müssen oftmals strenge Regularien seitens der BaFin befolgt werden, welche durch Kostendruck und fehlendes Personal für FinTechs schwerer zu erreichen sind, als für große Finanzinstitute. Daher ist es wichtig, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern Wissen zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie sie beispielsweise ihr Geschäftsmodell anpassen, sodass die Notwendigkeit einer BaFin-Regulierung reduziert oder gar obsolet wird. Plattformen wie der FinTechGermany Award können als Grundlage für diesen Wissenstransfer genutzt werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ein gleichbleibender oder sich gar ausweitender Grad der Regulierung von FinTechs durch die BaFin während des Verlaufs des kommenden Jahres könnte zu einer Konsolidierung des Marktes führen und einige FinTechs zum Aufgeben zwingen. Trotz einer eventuell bevorstehenden Konsolidierung wird die Bedeutung von FinTechs meines Erachtens kontinuierlich zunehmen, da diese, anders als Banken oder andere große Finanzinstitutionen, Innovationen und den Einsatz neuer Technologien agiler und gezielter einsetzen können. Banken werden sich darauf einstellen müssen, ernsthafte Konkurrenz kleinerer Unternehmen zu erhalten, wodurch deren Monopolstellung schwinden könnte. Deshalb kann man Banken ermutigen, die Nähe zu FinTechs zu suchen, um zum einen Innovation aktiv zu fördern und zum anderen nicht den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Aus diesem Grund ist in den kommenden Jahren eine steigende Zahl von Kooperationen großer Finanzinstitutionen mit FinTechs zu erwarten. Mittelfristig werden Themen wie Artificial Intelligence, Machine Learning und Crypto Assets zentrale Bedeutung erlangen und darüber entscheiden, ob ein Geschäftsmodell auf dem Markt bestehen kann.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Zu allererst müssen Orte geschaffen werden, an denen sich junge Unternehmen gemeinsam kreativ versuchen und Beratung erhalten können. Eine solche Plattform dient nicht nur zum Austausch untereinander, sondern auch zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Investoren und Partnern. Am Finanzplatz Frankfurt gibt es leider bisher noch viel zu wenige Möglichkeiten. Diese Infrastruktur ist in anderen Ländern Europas und der restlichen Welt wesentlich besser ausgeprägt. Hier ist die Landes- sowie die Bundespolitik gefragt und aufgefordert, genügend Fördermittel zur Verfügung zu stellen, um eine ausreichende Zahl an Einrichtungen für junge Unternehmen zu Verfügung stellen zu können. Dabei ist auch der Wissenstransfer unabdingbar. Noch immer haben sich viele Entscheidungsträger nicht auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel in der Finanzindustrie eingestellt. Dies ist bedauerlich, da so deren Geschäftsmodell bedroht ist und zum anderen die gewachsene Finanzstärke genutzt werden könnte, um partnerschaftlich mit FinTechs Innovation voranzutreiben. Das Frankfurt School Blockchain Center möchte zu diesem Wissenstransfer beitragen und veranstaltet so regelmäßig Seminare, Veranstaltungen und große Konferenzen, um auf neue Entwicklungen aufmerksam zu machen und das Management für Themen wie Blockchain zu sensibilisieren.

Verschwendung von Ressourcen: Nachhaltigkeitsberichterstattung und andere Governance Themen

Ein buntes Puzzle voll Details, in denen bisweilen der Teufel steckt, präsentierte das Deutsche Aktieninstitut Anfang April in Frankfurt am Main den etwa 120 Teilnehmern seiner Konferenz zu Corporate Governance und Gesellschaftsrecht. Die Themenvielfalt war vor allem dem Umstand geschuldet, dass Gesellschaftspolitik zunehmend auf das Gesellschaftsrecht übergreift und sich somit Unternehmen mit immer neuen Fragestellungen konfrontiert sehen. Die bisherige Nachhaltigkeitsberichterstattung fiel als Verschwendung von Ressourcen durch.

Im Grunde genommen drehte sich die Konferenz um die einfache Frage: Reicht es, dass Unternehmen Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen oder stehen sie darüber hinaus auch in weiterer sozialer Verantwortung? Nachdem das Thema Nachhaltigkeit an sich gar nicht mehr zur Debatte steht, wirft jedoch seine Ausgestaltung auf allen Seiten immer noch viele Unsicherheiten auf. Zum Beispiel bei Investoren, die nicht einschätzen können, ob die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen auf lange Sicht angelegt oder eher kurzfristiger Natur sind. Letztlich sollte die regelmäßige sorgfältige Prüfung des wirtschaftlichen Handelns auf Menschenrechts- und Umweltaspekte ein integraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und guter Corporate Governance und damit selbstverständlich sein. Nur – wer bestimmt nach welchen Kriterien, was gut, richtig und nachhaltig ist?

EU-Taxonomie als Orientierung für Anleger

Um die steigende Nachfrage institutioneller und privater Anleger nach nachhaltigen Finanzprodukten zu unterstützen und ihnen Orientierung zu geben, hat die EU eine Taxonomie erarbeitet. Damit beabsichtigt sie, ein Klassifikationssystem zur Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Handelns zur Verfügung zu stellen. Zudem überträgt sie institutionellen Anlegern die Aufgabe, einen Nachweis über ihre ESG-Ziele zu erbringen sowie einen Nachweis darüber, inwieweit sich ihre Investitionen an diesen Zielen messen lassen. Letzten Endes kann die Politik auf diese Weise eine positive gesellschaftspolitische Wirkung dadurch erzeugen, indem sie nicht nachhaltig tätigen Unternehmen auf längere Sicht die Kapitalkosten verteuert.

Problematisch für institutionelle Anleger ist allerdings die Bipolarität ihres eigenen Geschäftsmodells, auch wenn sie der Nachhaltigkeit eine hohe Bedeutung beimessen: Die oberste Priorität kommt immer der finanziellen Ertragskraft zu – auch im Sinne ihrer nachhaltigkeitsorientierten Anleger. Zwar lässt sich die positive Auswirkung von Nachhaltigkeit auf die Rendite zu 48 Prozent nachweisen. Das heißt jedoch im Umkehrschluss, dass sich in über 50 Prozent der Fälle gar kein, ein gemischter oder sogar ein negativer Effekt ergibt. Schließlich ist auch die generelle Rolle der Geschäftsmodelle von Anlagezielen noch nicht abschließend geklärt: Wie zum Beispiel umgehen mit einem Tabakkonzern, der in Bezug auf Menschenrechte, Umwelt und Corporate Governance hervorragend aufgestellt ist, dessen Geschäftsmodell nichtsdestoweniger schwere gesundheitliche Schäden und den frühzeitigen Tod seiner Konsumenten in Kauf nimmt?

Bewegung Fridays for Future zeigt Vertrauensverlust an

Die Tatsache, dass die Gesellschaft mehr von den Unternehmen verlangt, als dass sie pünktlich ihre Steuern bezahlen, ist nicht erst seit den Schülerstreiks und der Bewegung „Fridays for Future“ unbestritten. Wie aber soll kaufmännisches SRI-Engagement glaubwürdig transportiert werden? Die bisher üblichen Nachhaltigkeitsberichte, die seit zwei Jahren für bestimmte große Unternehmen gar zur Pflichtberichterstattung gehören, fielen bei allen Panelisten – die immerhin zu den Kernzielgruppen Aufsichtsrat und Investoren gehören – als nutzlos und Verschwendung von Ressourcen durch. Insbesondere dicke Reports böten zu viel Raum, um die wirklich ausschlaggebenden Informationen darin zu verstecken.

Aufsichtsratsmitglieder, die dem Vorstand auch in puncto Nachhaltigkeit beratend zur Seite stehen, wünschen sich die Definition verlässlicher KPIs, die die Entwicklung eines Unternehmens innerhalb der Peergroup – aber auch über die eigene Industrie hinweg vergleichbar machen. Die Idee, die ESG-Zuständigkeit einem einzelnen Aufsichtsratsmitglied zuzuordnen, sei hingegen nicht zielführen. Zu groß ist das Risiko, damit eine Feigenblattstrategie zu befördern, bei der sich alle anderen Organmitglieder der Nachhaltigkeitsverantwortung enthoben fühlten. Eine glaubhafte Alternative dazu böte eine Vergütungspolitik, die die Organvergütungen stärker an die nachhaltige Strategie und Entwicklung des Unternehmens koppeln würde.

Bei Themen um die Hauptversammlung bleibt es spannend

Wie tückisch sich Details bei der Umsetzung lobenswerter Ideen erweisen können, stellte sich beim Bericht über den aktuellen Stand von ARUG II heraus. Der gute gesetzgeberische Wille, den Informationsfluss zwischen Gesellschaft und Aktionär zukünftig transparenzsteigernd und kostensenkend auf den elektronischen Weg zu verlagern, scheiterte an mangelnder Infrastruktur: Bis zu 80 Prozent der privaten Anleger verfügen nicht über die dazu nötigen online-Banking-Anwendungen. Am teuren Postversand von Hauptversammlungseinladungen wird deshalb wohl noch länger festgehalten werden.

Anlass zur Sorge bereitet auch großen institutionellen Anlegern die Kumulation von Einfluss bei den großen Stimmrechtsberatern. Hier hat sich das Machtverhältnis zwischen reinem Dienstleister und seinen Anwendern ins Gegenteil verkehrt. Wenn ein Vermögensverwalter den Abstimmungsempfehlungen der großen Stimmrechtsberater erklärtermaßen nicht folgt, so sei das keine Frage des Selbstverständnisses mehr. Sondern er habe seinen Kunden seine abweichende Meinung darzulegen. Andererseits kann dem Wirken der Stimmrechtsberater der ökonomische Nutzen nicht abgesprochen werden. Der Gesetzgeber hat sich mit ihrer Rolle und der Vermeidung von Interessenskonflikten beschäftigt, wenn sie ein Beratungsmandat zur Corporate Governance bei einem Unternehmen ausüben. ARUG II verpflichtet Stimmrechtsberater zur Erklärung über die Einhaltung von Vorgaben eines Verhaltenskodexes. Der Trend bei institutionellen Investoren geht mittlerweile dahin, dass sie selbst auf der Hauptversammlung Präsenz zeigen.

Corporate Governance als Chance zur Selbstregulierung

Eine Möglichkeit, das Wirken von Stimmrechtsberatern und aktivistischen Investoren in klare Leitplanken zu verweisen, läge in der Selbstregulierung der Unternehmensführungen durch den Corporate Governance Kodex – so die auf der Konferenz vertretene These. Die Existenz eines entsprechenden Kodex ist von der EU vorgeschrieben. Sofern kein freiwilliger Kodex angenommen wird, erfolgen gesetzliche Vorschriften und Definitionen über die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Unternehmen. Die Konferenz betonte die in der Anwendung des freiwilligen Kodex liegenden Chancen zu Vertrauensaufbau und Reputationssteigerung. Aktive institutionelle Investoren wie auch die Verwalter passiver Indexfonds üben zunehmend Einfluss auf Aufsichtsratswahlen aus. Die Abwehr jedweder Steuerungsmechanismen, wie sie in einem Teil der etwa 120 Stellungnahmen zum überarbeiteten Corporate Governance Kodex zum Ausdruck kommt, spiele diesen in die Hände.

Wünschenswert wäre, und hier schloss das End-Panel an die Ausgangsdiskussion an, ein aktiver, beratender Aufsichtsrat, der zum einen rückwärtsgewandt kontrolliert, aber mit mindestens ebenso hoher Gewichtung vorwärtsgewandt überwacht. Die Rolle des aktiven Aufsichtsrats solle viel stärker hervorgehoben werden. Sie liegt in ihrem Kern – je nach Risikoprofil sowie personeller und materieller Ausstattung – in der Kontrolle, der Hinterfragung, Beratung und Unterstützung des Vorstands in der sachgerechten Unternehmensführung. Mit der Idee von einem Berufsaufsichtsrats mochten sich in Frankfurt am Main allerdings nur wenige Konferenzteilnehmer anfreunden.

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß

Advanced Analytics und Artificial Intelligence werden an Bedeutung gewinnen

Christopher Schmitz, Partner und FinTech-Experte bei Ernst & Young (EY), erzählt im Frankfurt Main Finance-Interview, was das FinTech-Ökosystem Rhein-Main kennzeichnet und warum es in Zukunft noch engere Kooperationen zwischen FinTechs und traditionellen Unternehmen wie Banken, Versicherern und Asset Managern geben wird.

Die Investitionen in deutsche FinTechs gemessen an der durchschnittlichen Deal-Größe sind seit 2012 stetig gestiegen. Wird sich diese Entwicklung fortsetzen?

Nach unserer Einschätzung wird sich der Trend zur Vergrößerung der Deal-Größen weiter fortsetzen. Einige der FinTechs, die in den vergangenen Jahren in Deutschland gegründet wurden, haben Erfolge auf der Marktseite im B2C- oder im B2B-Segment erzielen können. Internationale Investoren haben deutsche FinTechs als lohnenswerte Investment-Objekte für sich entdeckt. Diese umfangreichen Finanzierungsrunden ermöglichen den FinTechs, ihr Geschäft weiter zu internationalisieren und ihren Growth-Pfad weiter erfolgreich zu bestreiten. Mit dem Erfolg steigen auch die Bewertungen der FinTechs, zuletzt bis auf Werte von ca. 2 Mrd. € für die erfolgreichsten Start-ups. Dies treibt weiterhin die durchschnittlichen Deal-Größen nach oben.

Der Fokus des FinTech-Ökosystems im Rhein-Main-Gebiet liegt auf „Enabling Processes & Technology“ sowie „InvesTech“. Darüber hinaus: Was genau macht für Sie das FinTech-Ökosystem im Rhein-Main-Gebiet aus?

Das FinTech-Ökosystem Rhein-Main ist im Vergleich zu anderen deutschen Fintech-Hubs durch eine starke Ausrichtung auf B2B-Geschäftsmodelle, eine sehr erwachsene Gründerpopulation sowie die Nähe zu und den aktiven Austausch mit den potenziellen Kunden geprägt. Ein signifikanter Anteil der Gründer im Ökosystem verfügt über langjährige Erfahrung aus Banken, Versicherungen oder Asset Managern und nutzt diese Erfahrung um seine Geschäftsmodelle an den konkreten Problemen seiner Kunden auszurichten. B2B-Geschäftsmodelle erfordern dabei im Seed- und Growthbereich im Vergleich zu B2C-Geschäftsmodellen deutlich weniger Kapital, da die Kundenakquisition nicht über die klassischen Onlinemedien mit entsprechend hohem Marketingaufwand erfolgt, sondern durch direkte Kundenbeziehungen zu den potenziellen Abnehmern ihrer Leistungen. Hierdurch gestaltet sich zwar der B2B-Verkaufszyklus deutlich länger und komplizierter, aber häufig schaffen die B2B-Dienstleister bei erfolgreicher Akquisition einen schnelleren Break Even. Gerade die Nähe zu Regulatoren, Kunden und die Offenheit des Ökosystems sowie die gute internationale Vernetzung am Standort ermöglichen eine schnelle Evolution der Dienstleistungsangebote.

Wie sieht Ihr Ausblick auf das Jahr 2019 aus? Auf welche FinTech-Trends sind Sie besonders gespannt bzw. auf welche Trends sollten wir uns einstellen?

Wir werden eine noch engere Kooperation zwischen FinTechs und den traditionellen Anbietern erleben. Banken, Versicherer und Asset Manager kommen aufgrund der stetig zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit, ihrer Legacy Infrastruktur und ihrer vergleichsweise langsamen kulturellen Transformation gar nicht umhin, ihre digitalen Ökosysteme unter Mithilfe und Einbeziehung von FinTechs zu gestalten. Rein disruptive Ansätze finden sich nur vereinzelt bei erfolgreichen Start-ups, die Kooperation tritt in den Vordergrund. Open Banking und die API-/Plattformökonomie werden zu zentralen Feldern der zukünftigen Positionierung von etablierten wie auch von neu in den Markt eintretenden Spielern. Die beginnende Konvergenz der Wertschöpfung über Branchengrenzen hinweg in neu entstehenden Marktplätzen in Bereichen wie Mobility, Digital Health, Smart Cities oder Smart Home erfordert ein Umdenken in der Finanzdienstleistungsbranche über die Art, wie Kundenbeziehungen gewonnen und gehalten werden können. Die Themen Advanced Analytics und Artificial Intelligence werden in diesem Kontext noch mehr an Bedeutung gewinnen, und FinTechs werden einen großen Teil der kundenzentrierten Innovation als Partner und Dienstleister der Finanzdienstleistungsbranche vorantreiben.

Frankfurt ist der Finanzplatz der kurzen Wege

Welche Trends werden das FinTech-Jahr 2019 auszeichnen und vor welchen Herausforderungen steht das Frankfurter FinTech-Ökosystem? Im Interview gibt Björn Godenrath, Redakteur bei der Börsenzeitung und FinTech-Experte, einen Ausblick auf das Frankfurter FinTech-Jahr 2019.

Das Frankfurter Fintech-Ökosystem zeichnet sich durch seine Nähe zu den großen und ‚etablierten‘ Banken aus. Inwiefern profitieren aufstrebende FinTechs sowie die Banken von der räumlichen Nähe?

Frankfurt kann als Finanzplatz der kurzen Wege eine sehr gute Brutstätte für FinTechs sein, die die Nähe zum lokalen Bankensektor suchen. Deshalb siedeln sich am Main vor allem B2B-Fintechs an, die Banken als technologischer Dienstleister bei der vielfältigen Digitalisierung unterstützen. Aktuelle Daten von PwC zeigen zum Beispiel, dass diese Form der Zusammenarbeit bereits weit verbreitet ist. Dabei kann in Frankfurt das TechQuartier als Ankergrund fungieren.

Allerdings sind auch Berliner und Münchener FinTechs mobil genug, um Kontakt und Geschäftsanbahnung in Frankfurt zu vollziehen – zudem lässt sich ja beobachten, dass „Frankfurter Geld“ auch gerne in Berlin vor Ort ist, um dort Investments zu tätigen bzw. Fintech- Kooperationen einzugehen. Das finanzielle Engagement Frankfurt Banken (Corporate VC) im FinTech-Sektor ist leider als enttäuschend einzustufen, was die Frage aufwirft, ob die Institute bei der Digitalisierung nicht immer noch zu wenig beherzt vorgehen – und dabei Chancen liegen lassen. Zudem sind alle Akteure des Finanzplatzes dazu aufgefordert, den Rahmen dafür zu schaffen, dass große internationale VC-Fonds Frankfurt auf der Agenda haben – das TechQuartier ist dafür (derzeit) offenbar nicht das geeignete Drehkreuz.

Welche FinTech-Trends sehen Sie für das Jahr 2019? Welche Trends sind für Sie besonders spannend?

Ich fürchte, es ist absehbar, dass einige FinTechs die Segel streichen müssen, weil zum einen Geschäftsmodelle nicht aufgehen und zum anderen mitunter keine Anschlussfinanzierungen zur Verfügung stehen – was ganz normal ist. Außerdem könnten einige B2B-Kooperationen platzen, da sich Hoffnungen nicht erfüllen lassen – so wie bei Vaamo mit Santander Deutschland. Das mündet dann in eine gewisse Konsolidierung des Sektors, was auch zu grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen führen kann, um vorhandene Kundenbasis und Technologie zu nutzen. Daraus können dann gestärkte FinTech-Player hervorgehen.

Positiv ist, dass zunehmend ausländisches Kapital in deutsche FinTechs fließt, was ambitionierten Geschäftsmodellen zu Gute kommt – die N26-Finanzierung zu einer Bewertung von mehr als zwei Milliarden Euro spricht da Bände. Davon werden wir 2019 hoffentlich noch mehr sehen. Außerdem erwarte ich, dass sich in diesem Jahr der Erfolg von Geschäftsmodellen abzeichnen wird, die auf der Bezahlverordnung PSD2 beziehungsweise dem Open Banking mittels APIs, also der Öffnung von Bankendaten für Drittanbieter, für den Datentransport fußen – dazu zählt für mich auch die Plattform-Strategie der Deutschen Bank. Zudem erwarte ich, dass es in Deutschland zur Jahresmitte einen gewissen gesetzlichen Rahmen für Kryptowährungen  geben wird, sodass Marktakteure nicht mehr schutzlos in die Nachregulierung laufen. Die Börse Stuttgart plant ja die Aufnahme des Krypto-Handels für Frühjahr/Sommer. Darüber hinaus bietet die Tokenisierung von Assets große Möglichkeiten, um Vermögenswerte (wie in Real Estate) liquide zu machen – was dann wiederum Futter ist für unsere Börsenplätze.

Mit Creditshelf ist erstmals ein reines FinTech-Unternehmen an den Kapitalmarkt gegangen. Könnte Creditshelf hier ein Vorbild für andere etablierte Finanztechnologie-Unternehmen sein?

Na klar – sofern sich hier Investoren finden, die zur angestrebten Bewertung Anteile zeichnen. Bislang ist das Motto im FinTech-Sektor ja, möglichst lange über private Funding-Runden Kapital aufzunehmen, um dann erst mit gesteigerter Bewertung und Unternehmensreife an den Markt zu gehen – was auch den grundsätzlichen Kapitalmarkterfordernissen entspricht. Das Beispiel Creditshelf zeigt aber, dass man eine solche Platzierung auch schon in sehr frühem Stadium durchziehen kann, was natürlich die Hoffnung nährt, dass dies Nachahmer animiert, ein Frankfurter Listing zu suchen – im Venture Network der Deutschen Börse befinden sich ja einige Kandidaten, die an die Kapitalmarktfähigkeit herangeführt werden. Als konkreten IPO-Kandidaten vielleicht auch schon für dieses Jahr sehe ich die Solaris Bank aus Berlin.

Von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt

Accelerator Frankfurt wurde 2016 von Ram Shoham und Maria Pennanen gegründet, basierend auf ihren Erfahrungen mit Unternehmen, die Schwierigkeiten hatten, Partnerschaften mit Start-ups aufzubauen. Accelerator Frankfurt begleitet B2B-Software-Startups in den Bereichen Fintech, RegTech, Cybersecurity, Insurtech, Proptech und Blockchain während ihrer Entwicklung. Startups, die in das Accelerator Programm aufgenommen wurden, erhalten Mentorships von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Consulting Services sowie einen Co-Working-Space, um ihren Ideen Raum für Entfaltung zu geben. „Wir wollten unser Programm als Schnittstelle für Unternehmen und Start-ups etablieren“, sagt Ram Shoham, Mitbegründer von Accelerator Frankfurt. Das Programm konzentriert sich aufgrund der Anziehungskraft des Finanzplatzes Frankfurt insbesondere auf FinTechs. Des Weiteren betreibt Accelerator Frankfurt  Blockchain Labs, die Unternehmen den Zugang zu Blockchain-Technologien ermöglichen und über dessen Potential aufklären.

Wir haben Ram Shoham in einem exklusiven Interview gefragt: Wie sieht der Weg von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt aus?

Accelerator Frankfurt in 2 Sätzen: Was macht den Erfolg der Accelerator Frankfurt GmbH aus?

Für Start-ups sind wir das Tor zur deutschen Finanzbranche. Mit unserem dreimonatigen, umsatzorientierten acceleration program helfen wir fortgeschrittenen Start-ups, die bereits zahlende Kunden und Produkte haben, den deutschen Markt zu erschließen.

Was beeindruckt Sie am meisten, wenn Sie mit jungen Gründern sprechen?

Wir haben seit 2016 bereits dreißig Start-ups geholfen sowie Tausende von Gründern überprüft, bevor wir einige von Ihnen in das Programm aufgenommen haben. Die Gründer, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alle eines gemeinsam: Leidenschaft. Wir wählen nur Gründer aus, die das, was sie tun, lieben. Die Unternehmensgründung ist sehr stressig und intensiv. Du musst lieben, was du tust, wenn du Großes erreichen willst.

Wie sieht der typische Weg von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt aus? Gibt es einen einzelnen Pfad? Welche Hürden müssen Start-ups nehmen?

Es gibt keinen typischen Weg. Einige Start-ups sind disruptiv, andere komplementär. Wir konzentrieren uns vor allem auf Business-to-Business (B2B) Lösungen. Das bedeutet, dass für den Erfolg unserer Start-ups, Partnerschaften mit den Banken aufgebaut werden müssen. Dafür braucht man Ausdauer, denn die Verkaufszyklen können recht langwierig sein, dafür sind aber auch die Belohnungen ziemlich groß.

Frankfurt hat sich vor allem durch die Nähe zu etablierten Banken zu einem FinTech-Hub entwickelt. Wie würden Sie das aktuelle FinTech-Ökosystem in Frankfurt beschreiben?

Als wir den Accelerator Frankfurt gegründet haben, gab es in der Stadt kaum ein Start-up-Ökosystem. Wir waren der erste Accelerator in Frankfurt und sicherlich der erste, der internationale Start-ups in die Stadt lockte. Heute freuen wir uns sehr über die Auswirkungen unseres Netzwerkes auf die Stadt. Es gibt sicherlich mehr Bewegungen, mehr ergänzende Programme und hoffentlich in naher Zukunft auch mehr Risikokapitalfonds, die in die Frankfurter Start-ups investieren.

Welche zukünftigen Herausforderungen stehen dem Frankfurter FinTech-Ökosystem bevor? Und welche Chancen ergeben sich daraus?

Die größte Herausforderung für Frankfurt besteht darin, dass die Banken immer offener für neue Innovationen werden. FinTech gewinnt in der Finanzwelt an Bedeutung, insbesondere bei Blockchain-Lösungen. Dennoch bleibt ein enormes Potenzial für Banken, um diese innovativen Start-ups zu unterstützen.

Haben Sie ein Lieblings-Startup? 😉

Ich habe keine Lieblings-Start-ups. Ich habe Lieblingsunternehmer, und das sind die Menschen, die mich jeden Tag inspirieren. Die bisher größte Lektion in meiner Karriere ist, dass harte Arbeit einen dorthin bringt, wo das Glück einen finden kann. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hilft dabei sicherlich.

Warum ist Frankfurt der ideale Standort für (FinTech) Start-ups?

Über 240 Banken. Guter Flughafen. Reichhaltige Umgebung. Gute Universitäten und Talente.

 

 

Über Ram Shoham

Ram Shoham ist für Fintechs was George Martin für die Beatles ist. Er ist der Gründer von Accelerator Frankfurt, mit 16 Jahren internationaler Unternehmenserfahrung in den Bereichen Finanzen und General Management. Ram ist auch Gründer des Blockchain Labs, der sich auf den Aufbau eines Ökosystems zur Förderung von Blockchain-Technologien und die Bildung in diesem Sektor konzentriert.

 

Photo: Jonas Ratermann