Tanja-Pawlik Comedy Sommer Festiva im Rheingau

Das Comedy Sommer Festival verbindet Kabarett, Comedy und Wein in malerischer Umgebung

Im Juli startet das Comedy Sommer Festival auf dem Weingut Meine Freiheit in Oestrich Winkel im Rheingau. Tanja Pawlik, Gründerin von Knots Entertainment, Kabarett-Expertin und Organisatorin des Festivals, verrät Frankfurt Main Finance in einem exklusiven Interview, worauf sich Festival-Besucher freuen dürfen und gibt einen Ausblick auf den Kabarett-Sommer 2019.

Wie ist die Idee zum Comedy Sommer Festival entstanden?

Die Nachfrage erschuf das Angebot: Die Idee zum Sommerfest entstand, da mich ganz viele Gäste, Freunde und Bekannte fragten, ob im Sommer 2019 Künstler in der Region auftreten würden. Da allerdings fast alle Spielstätten circa drei Monate Sommerpause haben, war diese Frage für mich anfangs nicht einfach zu beantworten. Wo und wann treten im Sommer spannende, bekannte oder aufstrebende Künstler, Kabarettisten und Comedians auf? Aus dieser Situation heraus, entwickelte sich meine Idee für das Comedy Sommer Festival im Rheingau. Und ich muss sagen, bisher ist es ein voller Erfolg! Künstler und Agenturen sowie Gäste freuen sich auf das Festival im Sommer!

Wieso haben Sie sich für diese ganz besondere Location, das Weingut Meine Freiheit im Rheingau, entschieden? Wieso passt ein solches Festival so gut in die Region?

Für das Sommerfestival habe ich mich für das Weingut entschieden, da es doch nichts Schöneres gibt, als mit gutem Wein und gutem Essen unter freien Himmel zu lachen und gut unterhalten zu werden. Zudem ist mir nicht bekannt, dass es ein Open-Air-Festival in so einer Form bereits gibt. Auch von Freunden und Bekannten, denen ich anfangs von meiner Idee erzählte, kamen nur positive Rückmeldungen: Comedy, Kabarett und Wein in einer großartigen Umgebung passen sehr gut zusammen!
Der Rheingau bietet sich perfekt an: Weinreben, der Rhein und die Kulisse allein verzaubern viele. Nicht ohne Grund ist beispielsweise das Rheingau Musik Festival auch dort.

Außerdem ist die Location in der Nähe von Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. Parkplätze sind vorhanden sowie viele Hotels. Das Rhein-Main-Gebiet kann neben Banken und internationalem Lifestyle auch eine grüne, humorvolle, kulinarische und traditionelle Kulturregion sein.

Das Comedy Sommer Festival in drei Sätzen: Was macht das Festival so besonders?

Das Besondere: Einige der besten Künstler, Comedians und Kabarettisten Deutschlands spielen auf einer Open Air Bühne in einer traumhaften Kulisse. Kulinarisch werden die Gäste beispielsweise mit selbstgemachten Burgern (auch vegetarisch) versorgt. Die, die keinen Wein mögen, können den Abend auch mit Champagner, Bier oder Softgetränken genießen.

Auf welche Künstler freuen Sie sich besonders? 😉

Ich freue mich tatsächlich auf alle Künstler. Sehr viele Kabarettisten machen ihr Programm mit Musik, wie Lars Reichow, Welthits auf Hessisch. Die Magic Montag Show ist beispielsweise etwas für die ganze Familie mit dem Vizeweltmeister der Zauberkunst, aber auch das Finanz-Kabarett ist großartig. Ich könnte tatsächlich alle aufzählen, alle sind großartig! Es ist für jeden etwas dabei.

Sie sind die Gründerin von Knots Entertainment und das Comedy Sommer Festival ist sicher nicht ihr einziges für 2019 geplantes Projekt: Worauf darf sich das Rhein-Main-Gebiet dieses Jahr noch freuen?

Das stimmt, Knots Entertainment ist nicht nur Comedy Sommer Festival. Unter anderem kommt Dana Golombek mit ihrem Ensemble am 7. Dezember in den Club der Jahrhunderthalle nach Frankfurt. Ihr Programm heißt „Schreiben Sie mir oder ich sterbe“. Ein Literarisch-musikalischer Abend mit Liebesbriefen aus allen Jahrhunderten.

 

Das Programm sowie einen Link zum Kartenvorverkauf für das Comedy Sommer Festival finden Sie hier.
„Schreiben Sie mir oder ich sterbe“: Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

 

Das Comedy Sommer Festival 2019 findet auf dem Weingut Meine Freiheit in Oestrich-Winkel statt.

FinTech Finanzplatz Frankfurt

„Der Finanzplatz Frankfurt hat sehr gute Chancen, sich als europäische Hauptstadt für Finanztechnologien zu etablieren.“

Ein Europäisches Konsortium aus verschiedenen Universitäten und FinTechs arbeitet daran, den Wissensaustausch zwischen Banken, FinTechs, Regulatoren und der Finanzaufsicht zum Thema Risikomanagement von Finanztechnologien zu fördern. Seit 2019 ist das Finanztechnologieunternehmen Firamis GmbH ein Teil dieses Konsortiums. Im Interview diskutiert Dr. Jochen Papenbrock, CEO und Gründer von Firamis, die Rolle von Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence – AI) beim Management von Risiken der Finanztechnologie sowie deren Bedeutung für den Finanzplatz Frankfurt.

Dr. Jochen Papenbrock, CEO und Gründer von Firamis GmbH

Welche Risiken ergeben sich aus der steigenden Bedeutung von FinTechs für den Finanzsektor?

Wir verstehen unter dem Begriff FinTech viel mehr als nur die FinTech-Startups, die Finanztechnologien wie Big Data Analytics, AI und Blockchain nutzen. Auch traditionelle Banken und Versicherer verwenden neue Finanztechnologien und können vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie Startups, insbesondere was das Risikomanagement angeht. Außerdem nimmt die Kooperation zwischen den Banken und FinTech-Startups zu bzw. es entstehen immer mehr Outsourcing-Beziehungen durch die sich aufbrechenden Wertschöpfungsketten. Zugleich sind viele Banken an Startups beteiligt. Durch eine zunehmende Verflechtung der Systeme, Daten und Prozesse sind Banken genauso vom Risiko der Finanztechnologien betroffen. Wir beobachten derzeit einen Anstieg des Diskussionsbedarfs der Branche mit den Regulatoren und Aufsichtsbehörden.

Vor diesem Hintergrund kommt dem FinTech Risk Management sowie der Modell- und Data-Governance besondere Bedeutung zu. Traditionelle Banken haben sicherlich schon mehr Erfahrung mit der Regulatorik und aufsichtsrechtlichen Praxis gesammelt. Für viele FinTech-Startups ist dies Neuland.

Können Sie dies näher erläutern?

Ein besonderes Problem der neuen Finanztechnologien sind komplexe, intransparente und auch verzerrte Modelle und Daten. Mehrere Aufsichtsorgane haben sich bereits so positioniert, dass sie Black Box Modelle – also intransparente Machine Learning Ansätze wie mehrschichtige künstliche neuronale Netze (Deep Learning) – in produktionskritischen Prozessen ablehnen.

Mit diesen und weiteren Themen beschäftigen wir uns gerade im Rahmen eines größeren EU Projekts zum Thema Fintech Risk Management. Europaweit erfolgt hier über zwei Jahre der Wissensaustausch zwischen Banken, FinTechs und Regulatoren. Es werden Standards entwickelt, die den Einsatz von Finanztechnologien in sicheren Finanzprodukten gewährleisten und eine möglichst hindernisfreie Skalierung von FinTech-Geschäftsmodellen in Europa ermöglichen. Unser FinTech-AI-B2B-Startup Firamis ist Teil des Konsortiums und Mitglied des Executive Boards. Wir arbeiten daran, eine EU Research-Sandbox aufzubauen und Anforderungen an eine „Trustworthy AI“ zu etablieren. Auch hierzu fährt die EU eigene Programme und vernetzt Expertinnen und Experten.

Aus dem Einsatz von Finanztechnologie ergeben sich jedoch systemische Risiken. So könnte es zu der Konstellation kommen, dass mehrere FinTechs die gleiche Technologie nutzen und daher eine Art Gleichschaltung von Risiken erfolgt, denn in bestimmten Marktphasen reagieren die Systeme recht ähnlich. Durch den ansteigenden Vernetzungsgrad in der aufgebrochenen Wertschöpfungskette steigen zudem die Domino-Ansteckungseffekte von Risiken. Der aufsichtliche Fokus wird sich weiter von den Einzelfirmen hin zur Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette verlagern.

Welches regulatorische Framework ist erforderlich, um die Risiken im Griff zu behalten?

Aus unserer Sicht lassen sich durch eine Fokussierung auf Modellvalidierung, den gesamten Modellrisikomanagementprozess sowie Data- und Model-Governance die Risiken in den Griff bekommen. Black Box-Ansätze werden es bei intensiveren regulatorischen Prüfungen durch nationale und internationale Aufsichtsbehörden schwer haben. Auf der anderen Seite wird man im Wettbewerb nicht auf die neuen Finanztechnologien verzichten wollen. Welche Modifikation der Technologie ist also nötig, um die Anforderungen zu erfüllen?

Gibt es bereits Lösungen, wie man diese Ansätze für Aufsichtsbehörden und Regulatoren zugänglicher bzw. verständlicher machen kann?

Ein Ansatz läuft unter dem Stichwort XAI (Explainable AI beziehungsweise Interpretabale AI). Man nutzt moderne Ansätze, Technologien und Datenvisualisierungen, um die Modelle erklärbarer zu machen und sie wieder auf die Ebene des menschlichen Denkens zu heben. XAI ist im Übrigen auch eine der Kernkompetenzen unseres Startup sFiramis, und wir bauen die Ressourcen aus gegebenem Anlass weiter aus. Dabei kommt wiederum AI zum Einsatz, um etwa Black Box-Modelle automatisiert zu erklären. Dies ist übrigens auch für Endkunden wichtig, die wissen wollen, warum sie beispielsweise einen bestimmten Kredit-Score erhalten haben oder warum sie bei ihrem Robo Advisor einem bestimmten Risikoprofil zugeordnet werden und was sie tun können, um sich zu verbessern.

Spannend ist die Frage, wie regulatorische Kontrollen praktisch umgesetzt werden sollen. Es sind mehrere Modelle von der eigenständigen Kontrolle durch die BaFin bis hin zum Outsourcing an Dritte vorstellbar. Wir werden einen gewissen Grad der Standardisierungen beobachten und auch so etwas wie einen AI-TÜV für Finanzalgorithmen.

Was bedeutet die dynamische Entwicklung von AI / Machine Learning für die FinTech-Industrie am Finanzplatz Frankfurt?

Bei den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Finanztechnologie wird deutlich, dass die Finanzplätze miteinander konkurrieren. Die Karten werden aufgrund der Disruption neu gemischt. Der Finanzplatz Frankfurt hat hierbei sehr gute Chancen, sich als europäische Hauptstadt der Finanztechnologien zu etablieren. (Zentral-)Banken, Technologiefirmen, FinTech-Ökosysteme, Aufseher und Regulatoren sind ja bereits vertreten. Gerade das Thema AI hat für den Finanzplatz möglicherweise noch mehr Potenzial als die Dauerthemen Brexit und Blockchain.

Es bleibt also noch viel zu tun. Bereits im Jahr 2017 haben wir mit anderen Partnern dazu den jährlichen Frankfurt Summit on AI, Big Data and Network Analysis in Financial Services Leben gerufen. Zudem haben wir mit anderen den Verein AI in Financial Services e.V. gegründet, bei dem jeder Mitglied werden kann, der das Thema weiter voranbringt.

“Frankfurt for Beginners” – Eine Tour durch Frankfurt mit Matthias Arning und Eva Feuchter

Das im Frühling 2018 veröffentliche Buch „Frankfurt für Anfänger“ nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch Frankfurts Stadtteile und führt sie fast schon zufällig an den Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei. Autor Matthias Arning ist Journalist und früherer Frankfurter Rundschau-Lokalchef. Begleitet wird sein inzwischen auch englischsprachiger Frankfurt-Guide durch malerische Illustrationen von Eva Feuchter.

Der Grund für ein Leben in Frankfurt, lässt sich meist auf zwei Gründe zurückzuführen: Berufliches Schicksal oder Zufall. Der Autor begründet diesen Umstand in seinem Vorwort wie folgt: “Because who would ever move to Frankfurt by free choice – the way you relocate to Berlin or settle in Munich? People often end up in Frankfurt by chance – or to make money. It tends to start as unromantically as that. However, once they get over the initial shock, most realize: Life in Frankfurt is not just about work, it’s about enjoying a great place”.

„Frankfurt for Beginners“ dient als Leitfaden für ein Leben in der Metropole am Main. Frankfurt gilt nicht mehr, wie früher, als unbewohnbar. Über die Zeit hat sich die Stadt zu einer grünen, familienfreundlichen Heimat für mehr als 736.000 Menschen entwickelt – mit  einem erwarteten Einwohnerzuwachs von rund 25.000 Neu-Frankfurtern in den nächsten zwei Jahren. Die Stadt gilt als Zentrum Europas, mit Autobahnvernetzung und dem größten deutschen Verkehrs-Flughafen – und trotzdem als Stadt der kurzen Wege, ideal für Radfahrer.

Bereits in jungen Jahren zog der Autor nach Frankfurt, studierte dort und in Berlin politische Wissenschaften. Seine Heimat und Sicht auf die Stadt Frankfurt präsentiert er in dieser schriftlichen Liebeserklärung der ganzen Welt.

Die Städtetour unterteilt sich in sechs Kapiteln: Frankfurter Klassiker, Landmarks, Small Escapes, Milestones, Fotsam and Jetsam und Views of Frankfurt. Neben Illustrationen gestalten geschichtliche Hintergründe zu den einzelnen Themengebieten die Leseerfahrung.

“You have to get used to it, like you do to your first Handkäs – this Frankfurt specialty also tends to be love at second bite.”

Genau wie die Liebe zu Frankfurt, muss das Glück in dieser Stadt erobert werden, es fällt einem nicht in den Schoß.
Wie der Leser die Stadt näher kennenlernt, liegt bei ihm. „Frankfurt for Beginners“ ermöglicht dem Leser die Freiheit, seinen eigenen Erkundungsweg durch die Stadt zu finden. Das Buch gibt keine feste Reihenfolge vor.

Mit Liebeserklärung und Städte-Guide in Einem, ermöglicht Matthias Arning dem Leser auf 210 Seiten eine einzigartige Reise durch die Metropole. Gefüllt mit Insider-tipps, Lokalitäten und Wahrzeichen und mehr, eignet sich das Buch nicht nur für Neuankömmlinge, sondern auch für geborene Frankfurter bietet sich die Möglichkeit, die Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu erkunden und ihre Einzigartigkeit und Besonderheit neu zu entdecken. Was aus Frankfurt eine Heimat macht und warum der Autor so eine Nähe zu dieser Stadt verspürt, lernt der Leser auf seiner persönlichen Städtetour durch die Mainmetropole.

 

Buchdetails:

Frankfurt for Beginners

210 Seiten

Edition Frankfurter Ansichten; Auflage: 1000 (14. Januar 2019)

Sprache: Englisch

ISBN-13: 978-3000616198

www.frankfurteransichten.net

Illustration: Eva Feuchter www.evafeuchter.de

 

 

 

Von: Tonia Sanner

Über das Verhältnis von Finanzindustrie und Politik

Beitrag von Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen vom 1. Juni 2019

In zahlreichen gesellschaftlichen Diskursen wird ein Auseinanderdriften und die Überbetonung des Trennenden in der öffentlichen und medialen Auseinandersetzung beklagt. Dies gilt auch und insbesondere für das Verhältnis von Politik zur Wirtschaft und – in den vergangenen Jahren besonders strapaziert – zur Finanzindustrie. Jeder sollte in seiner Rolle in der Gesellschaft das Verbindende, den konstruktiven Dialog und die gemeinsame Wertebasis stärker betonen.

Um das so zentrale Verhältnis von Finanzindustrie und Politik in Zukunft erfolgreich zu gestalten, hilft ein Blick in die Historie dieser wechselvollen Beziehung – nicht zuletzt deswegen, weil sie seit den Anfängen des Bankgewerbes spannend, gesellschaftlich und wirtschaftlich prägend aber eben auch reich an Missverständnissen und Tragödien gewesen ist.

Antike Wurzeln – Finanzindustrie in den Kinderschuhen

Bereits im antiken Griechenland fungierten Tempel als Lagerstätten des Staatsschatzes und Aufbewahrungsort für Wertgegenstände wohlhabender Bürger. In Tempelnähe siedelten sich Geldwechsler an – die frühen Vorläufer des privatwirtschaftlichen Bankenwesens. Mit zunehmendem überregionalem Handel stieg auch die Nachfrage nach Finanzierungsleistungen. Für Seedarlehen, mit denen Schiffsbesitzer Ware vorfinanzierten, waren damals bis zu 33 Prozent Zinsen fällig.

Die Angemessenheit von Konditionen für Bankgeschäfte zieht sich – unter Überschriften wie Wucherzins, Zinsverordnung und MiFID II – als Diskussionspunkt und Gestaltungsfrage durch die Finanzgeschichte von der Antike bis in die aktuelle Zeit. Trotzdem konnten sich die Vertreter des Bankgewerbes in der Antike oftmals der politischen Unterstützung sicher sein. Diese ermöglichten schließlich wirtschaftliches Wachstum und halfen dabei, den Machtanspruch der Stadtstaaten zu sichern. Eine Vereinbarung, die zumeist auch im mittelalterlichen Europa galt.

„Die Angemessenheit von Konditionen für Bankgeschäfte zieht sich durch die Geschichte.“

Banking im Mittelalter – zwischen Hofbankier und Mitregent

Durch das päpstliche Zinsverbot für Christen stiegen zunehmend jüdische Familien zu den Finanzierern der Händler und Mächtigen des Kontinents auf. Das hatte jedoch seinen Preis. Territorialherren vereinnahmten hohe Steuern und verursachten damit zum Teil auch die hohen Schuldzinsniveaus. Die Nähe zur Politik schützte die jüdischen Bankiers des Mittelalters nicht vor staatlicher Willkür. Wenn Fürsten sich – was häufig vorkam – in ihrer Haushaltsplanung übernommen hatten, wurden die Bankgeschäftstreibenden oftmals einfach aus der Stadt vertrieben. Dies war auch der Beginn einer prägenden und oftmals tragischen Verknüpfung von Glauben und Beruf.

Im 14. und 15. Jahrhundert entdeckten italienische Bankiersfamilien wie die Peruzzi, Bardi und Medici die Realpolitik für sich: Sie unterhielten nicht nur in allen wichtigen europäischen Städten Filialen und betätigten sich als Mäzene; darüber hinaus finanzierten sie auch den Papst und die Kriege zahlreicher Königshäuser. Auch damals war Staatsfinanzierung nicht risikofrei: So weigerte sich Eduard III. von England schlicht, seine Schulden zurückzuzahlen – was für manche der Florentiner Bankhäuser im Bankrott endete.

Der in Heidelberg geborene Bankier Joseph Süß Oppenheimer wurde hingegen gleich selbst Politiker und unter Herzog Karl Alexander Finanzminister Württembergs – finanz- und geldpolitisch aus heutiger Sicht wohl eher den Falken als den Tauben zuzuordnen. Nach dem Tod des Herzogs war es mit der politischen Karriere allerdings schnell vorbei: Oppenheimer endete nach einem Schauprozess am Galgen.

„Auch im 14. und 15. Jahrhundert war Staatsfinanzierung nicht risikofrei.“

Langfristig erfolgreicher war die aus Frankfurt stammende Familie Rothschild. Zunächst aktiv in der Finanzierung des hessischen Landgrafen wurde sie später zum Partner Englands im Kampf gegen Napoleon und entwickelten durch ihre Finanzkraft enormes politisches Gewicht. Hierbei bewiesen sich die Bankiers auch als Früh-Globalisierer.

Industrialisierung – Entstehung des modernen deutschen Bankensystems

Die Dominanz der Privatbankiers nahm mit Beginn der Industrialisierung ab. Mit dem Aufkommen der kapitalintensiven Wirtschaft gewannen vielmehr aktienbasierte Banken an Bedeutung. Im Februar 1870 entstand das Vorgängerinstitut der Commerzbank und im März die Deutsche Bank. Deren Gründung lag auch eine politisch-instrumentelle Motivation zugrunde. Für Bismarck stand der Wunsch, die Finanzierung des deutschen Außenhandels unabhängig von ausländischem Kapital zu gestalten, im Vordergrund. In diese Phase – wenn auch deutlich vor Gründung der beiden deutschen börsennotierten Großbanken – fallen auch die Ursprünge der Genossenschaftsbanken. Sie bildeten eine Art Gegenentwurf zu den Financiers der Mächtigen.

„Die Dominanz der Privatbankiers nahm mit Beginn der Industrialisierung ab.“

Weite Teile der Bevölkerung gehörten zu den Verlierern der Industrialisierung. Eine Missernte reichte, um die Bauern in Existenznöte zu stürzen und ganze Dörfer hungern zu lassen. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der prägenden Vordenker der Genossenschaftsidee, gründete in dieser Zeit ein Backhaus, das Brot billiger anbot und Zahlung auf Kredit ermöglichte. Die Genossenschaftsbewegung bildete eine der wesentlichen Säulen bei der Lösung der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts und hat bis heute eine zentrale Funktion im gesellschaftlichen Leben.

Wirtschaftskrise und Weltkriege – Systemrelevanz und Erfüllungsgehilfe

Mit der Weltwirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich die politische und gesellschaftliche Wahrnehmung der Banken grundlegend. In der 1928 uraufgeführten Dreigroschenoper stellt Berthold Brecht die bekannte Frage: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“. Selbst Carl Fürstenberg, ein bekannter Bankier dieser Zeit, hält damals doppeldeutig fest: „Als erstes im Bankwesen lernt man den Respekt vor Nullen.“

Aus der internationalen Vernetzung des Bankgeschäfts ergaben sich damals Ansteckungseffekte. Das Bankensystem zeigte seine Verwundbarkeit. Es überrascht nicht, dass in dieser Phase auch die Anfänge der Bankenregulierung liegen und 1934 das erste Kreditwesengesetz in Deutschland erlassen wurde. Es entwickelte sich ein Bewusstsein für die Probleme der Systemrelevanz des Bankensektors und einzelner Häuser. Das nationalsozialistische Regime stand den Banken – auch unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise – stets misstrauisch gegenüber. Die deutschen Banken mögen im Dritten Reich eine überwiegend instrumentelle Rolle gespielt haben; gleichzeitig profitierten sie jedoch durch Enteignungen jüdischen Vermögens und die Ausbeutung von Sparern zum Zwecke der Aufrüstung massiv vom Unrecht. Auch die Bankenbranche hat eine moralische Schuld in den Büchern.

Die Nachkriegszeit begründete wiederum einen Neuanfang zwischen Politik und Bankgewerbe. Konrad Adenauer vertraute auf Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank als Finanzberater und als deutscher Verhandlungsführer in der Regelung der Auslandsschulden und der Reparationszahlungen, die Deutschland nach dem Krieg leisten musste. Damit hatte er entscheidenden Anteil daran, das Fundament für den Wiederaufbau Deutschlands und die Rückkehr in die Staatengemeinschaft zu legen.

In Zeiten des Wirtschaftswunders wurden Banken zu treibenden Kräften des Aufschwungs; das Verhältnis zur Politik entwickelte sich zunehmend konstruktiv. Mit dem Erstarken liberaler Wirtschafts- und Politikansätze, der Deregulierung der internationalen Finanzmärkte und ihrer zentralen Rolle in der Orchestrierung der Deutschland AG nahm die Bedeutung des Bankensektors in Deutschland nochmals zu.

In den neunziger Jahren wirkten weitere Trends auf das Bankensystem – die Globalisierung der Finanzmärkte, die stärkere Shareholder-Orientierung in der Unternehmensführung und die Konsolidierung der Branche. Aus Selbstbewusstsein wurde oftmals Überheblichkeit. Terminologische Relikte sind in Erinnerung geblieben, seien es „Peanuts“ oder „Gottes Werk“. Die dienende Funktion der Branche geriet in Teilbereichen – insbesondere im internationalen Kapitalmarktgeschäft – in Vergessenheit.

Die Entfremdung zwischen Politik und Finanzwirtschaft setzte spätestens mit den nun rascher aufeinanderfolgenden Krisen ein. Das galt für die Phase nach dem Crash am Neuen Markt, aber sicher umso mehr nach der Finanzkrise 2007.

Die Krise des Finanzsystems – auch befördert durch die Abwesenheit einer berufsständischen Ethik in Teilbereichen des Sektors – erforderte umfassende Stützungs- und Rettungsmaßnahmen der Staatengemeinschaft. Sittengemälde wie die Filme „The Big Short“, „Margin Call“ oder die Serie „Bad Banks“ zeichnen nun kein besonders schmeichelhaftes Bild des Berufsstands. Ganz unabhängig davon, wie realistisch die Darstellungen sind, spiegelt sich darin auch die öffentliche Meinung über die Branche wider.

Um die ist es nach wie vor nicht gut bestellt: Das Vertrauen der Deutschen in die Banken liegt heute laut dem Umfrageinstitut Gallup mit 44 Prozent nur 4 Prozentpunkte höher als unmittelbar nach der Finanzkrise im Jahr 2009. Das erklärt, warum zwischen Politik und Finanzwirtschaft über längere Zeit Distanz und Sprachlosigkeit – bei einem gleichzeitig umfassenden Aufbau von regulatorischen Institutionen und Instrumentarien – herrschte.

Vier Thesen zur zukünftigen Entwicklung der Beziehungen

Welche Schlüsse lassen sich aus diesem kurzen, anekdotischen Gang durch die Geschichte nun für das zukünftige Verhältnis von Banken und Politik ziehen? Hierbei stehen vier Thesen im Vordergrund.

1. Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben: Die Finanz- und Bankenbranche ist eine Schlüsselindustrie und wird auch eine solche bleiben. Weder die berühmte Prophezeiung von Bill Gates „Banking wird gebraucht, Banken nicht“, noch die These von Ulrich Cartellieri „Banken sind die Stahlindustrie der neunziger Jahre“ haben sich bisher bewahrheitet und werden es auch künftig nicht tun. Banken wird in ihrer dienenden Funktion für die Wirtschaft auch zukünftig eine zentrale Rolle zukommen. Gerade für ein mittelständisches und dezentral geprägtes Wirtschaftssystem wie das deutsche ist eine leistungsfähige Bankenlandschaft mit Beratungen und Lösungen vor Ort zentral für den nachhaltigen Erfolg.

„Die Finanzund Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben.“

Wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen von der Altersvorsorge, über die digitale und Verkehrsinfrastruktur bis hin zur Entwicklung ländlicher Regionen werden die Zusammenarbeit vieler gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere auch der Finanzindustrie, erfordern. Gleichzeitig macht der Blick auf die skizzierte historische Entwicklung deutlich, dass die Bankenbranche bei aller Regulierung und Professionalität der handelnden Akteure auch weiterhin gesellschaftliche Systemrelevanz und Potenzial für krisenhafte Erscheinungen birgt.

2. Proportionale Regulierung des Sektors und artverwandter Branchen ist zentrale Gestaltungsaufgabe: Der Bankenregulierung kommt zweifelsfrei eine hohe Bedeutung für die Entwicklung des Sektors zu. In den Jahren nach der Finanzkrise wurden zahlreiche Fortschritte im Hinblick auf die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems erreicht. Die regulatorischen Prioritäten der Nach-Finanzkrisenzeit sind abgearbeitet. Im Zuge der weiteren Ausgestaltung muss der Begriff der Proportionalität eine noch zentralere Rolle spielen. Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem insbesondere mit den zahlreichen regional ausgerichteten Banken und Sparkassen ist von hoher Bedeutung. Sie darf nicht durch überbordende regulatorische Anforderungen infrage gestellt werden. Nach zehn Jahren des Auf- und Ausbaus entsprechender Institutionen stellt sich zunehmend die Frage, ob das Parkinson’sche Gesetz nicht an der ein oder anderen Stelle greift: Bürokratien beschäftigen sich selbst und Dritte mit nur begrenztem gesellschaftlichen Nutzen.

„Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem ist von hoher Bedeutung.“

Große Technologiekonzerne in den Blick nehmen

Der Begriff der Proportionalität kann und muss aber noch weiter gefasst werden. „Die Finanz- und Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben.“ „Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem ist von hoher Bedeutung.“ Digitaler Sonderdruck · Kreditwesen 11 / 2019 5 Durch zunehmende Regulierung und die damit verbundenen Kosten findet eine Abwanderung vieler ursprünglicher Bankgeschäfte zu anderen, nicht oder weniger regulierten Akteuren statt. Zahlreiche strukturierte Finanzierungen erfolgen zum Beispiel überwiegend durch sogenannte Schattenbanken. Eine der nächsten krisenhaften Entwicklungen könnte an dieser Stelle ihren Ursprung nehmen.

Auch bezüglich der Bereitstellung von Kundendaten gegenüber anderen Marktteilnehmern und der IT- und Datensicherheit gilt für die Bankenbranche ein umfassender Regelungsrahmen. Hier stellt sich gleichermaßen die Frage der Proportionalität, diesmal jedoch abzielend auf die großen Technologiekonzerne. Ergeben sich aus den Aktivitäten dieser Unternehmen nicht in viel stärkerem Maße potenzielle Gefährdungen bezüglich der Datensicherheit und einer gesellschaftlich problematischen Datenmonopolisierung? Hier müsste aus politischer Sicht und im gesamtgesellschaftlichen Interesse mit gleichem intellektuellen und gesetzgeberischen Ressourceneinsatz agiert werden.

3. Ethische Standards in der Unternehmensführung – Selbstverpflichtung als Chance für Banken: Alle Regulierung und Governance können ein gutes Wertegerüst in der Unternehmensführung von Banken nicht ersetzen. Eine nachhaltige Unternehmenskultur, die Orientierung an den Interessen sämtlicher Stakeholder des Unternehmens und die Einbindung in die Gesellschaft sind hierbei zentrale Pfeiler. Sie sind in manchen Bankenorganisationen – beispielsweise der genossenschaftlichen – bereits heute stärker verwurzelt als in anderen. Letztendlich führt an einer Selbstverpflichtung auf entsprechende ethische Standards in der Bankbranche kein Weg vorbei.

„An einer Selbstverpflichtung auf ethische Standards führt kein Weg vorbei.“

4. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Finanzindustrie und Politik muss wieder stärker institutionalisiert werden: Der institutionalisierte Austausch und die Zusammenarbeit – sei es mit Verbänden oder einzelnen Instituten – ist von hoher Bedeutung. Das gilt für die nationale und europäische Ebene ebenso wie für den Finanzplatz Frankfurt. Historisch konnte eine gewisse Pendelbewegung aus Nähe und Distanz konstatiert werden, sicher mit einem absoluten Tiefpunkt nach der Finanzkrise. Umso positiver ist es, dass gerade in jüngerer Zeit die gegenseitige Sprachlosigkeit einem intensiveren Miteinander gewichen ist. Hierauf sollte aufgebaut werden. Eine personelle Durchlässigkeit in beruflichen Laufbahnen zwischen Finanzindustrie und Politik kann hierbei förderlich sein – das amerikanische oder französische Modell sollten jedoch nicht Pate stehen.

Konstruktives Verhältnis und eine gemeinsame Verantwortung Der Gang durch die wechselhafte Geschichte der Beziehung zwischen Finanzbranche und Politik verdeutlicht nicht nur eine spannende Dynamik über die Jahrhunderte hinweg. Er erinnert auch an die gemeinsame Verantwortung, diese für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung so zentrale Beziehung konstruktiv zu gestalten – nicht allein verstanden als Aufruf an die Gegenseite, sondern vielmehr als Erinnerung an den eigenen Beitrag. Dazu gehört nicht zuletzt die Bereitschaft, sich mit den wechselseitigen Perspektiven auch wieder stärker inhaltlich auseinanderzusetzen und nicht nur die Diskussion, sondern den Dialog zu suchen. Denn daraus erwächst letztlich die Chance für ein neues Verständnis und konstruktives Verhältnis, das in aller Interesse sein muss.

 

* Der Beitrag basiert auf einem im Mai 2019 gehaltenen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe der studentischen Initiative FS Economy & Politics an der Frankfurt School of Finance & Management.

 

Dr. Cornelius Riese

Dr. Cornelius Riese Co-Vorstandsvorsitzender, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main

Dr. Cornelius Riese
Co-Vorstandsvorsitzender, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main

Im Verhältnis von Politik zur Wirtschaft und nach der jüngsten Finanzkrise ganz besonders zur Kreditwirtschaft registriert der Autor über viele Jahre eine gewisse Sprachlosigkeit sowie eine Überbetonung des Trennenden und erst in jüngster Zeit durch ein stärkeres Miteinander wieder eine stärkere Annäherung. Angefangen von den antiken Wurzeln über das Mittelalter und die Zeit der Industrialisierung skizziert er die verschiedenen Phasen bis hin zu den Entwicklungen vor und nach der jüngsten Finanzkrise. Vor dem Hintergrund dieses Gangs durch die Geschichte formuliert er vier Thesen für das zukünftige Verhältnis von Banken und Politik. In der Branche selbst sieht er auch in Zukunft eine Schlüsselindustrie, legt aber regulatorisch großen Wert auf eine zeitgemäße Umsetzung des Proportionalitätsgedankens, der auch die branchennahen Technologiekonzerne und den Umgang mit Kundendaten umfassen sollte. Großen Wert legt er zudem auf ein gutes Wertegerüst in der Unternehmensführung von Banken und appelliert an die gemeinsame Verantwortung von Finanzindustrie und Politik für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. (Red.)

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde Frankfurt Main Finance freundlicherweise lizenzfrei vom Knapp-Verlag zur Verfügung gestellt.

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