Frankfurt Brexit

Frankfurt Main Finance gewinnt vier neue Mitglieder für die Finanzplatzinitiative

Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance e. V. begrüßt vier neue Mitglieder und wächst damit auf 69 Mitglieder. Die Neumitglieder KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Quirin Privatbank AG und Sumitomo Mitsui Banking Corporation (SMBC) sind der Standortinitiative als Fördermitglieder und Frankfurt Solutions als FinTech-Mitglied beigetreten.

Durch ihre Mitgliedschaft geben die Vertreter aus Wissenschaft, Finanzindustrie, öffentlicher Verwaltung und dem aufstrebenden FinTech-Sektor ihrer Verbundenheit mit dem Finanzplatz Ausdruck, greifen aktuelle Themen des Finanzsektors auf und engagieren sich für die steigende nationale und internationale Bedeutung des Finanzzentrums Frankfurt am Main und der Rhein-Main-Region.

„Insbesondere in Zeiten vielseitiger Unsicherheiten ist es umso wichtiger, alle Kräfte der Finanzindustrie zu bündeln, geeint die Zukunft des Finanzplatztes aktiv mitzugestalten und zusammen zu wachsen. Durch die Unterstützung unserer langjährigen sowie neuen Mitglieder und unser stetig wachsendes Branchen-Netzwerk können wir gemeinsam Ansätze zur Lösung der Zukunftsfragen generieren“, sagt Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance.

Sven-Olaf Leitz, Vorstand von Financial Services bei KPMG Deutschland, freut sich über den Beitritt von KPMG bei Frankfurt Main Finance: „In ‚Mainhattan‘ hat sich ein Finanzsektor entwickelt, der weltweit eine hervorragende Reputation besitzt. Nicht ohne Grund befindet sich im Squaire am Frankfurter Flughafen die größte unserer mehr als 20 Niederlassungen in Deutschland. Dies unterstreicht, welche Bedeutung der Finanzplatz auch für uns als eine der größten Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hat. Wir schätzen die räumliche Nähe der unterschiedlichsten Akteure und den intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis, den die Mainmetropole bietet. Dadurch entwickelt sich der Finanzplatz ständig weiter, und wir freuen uns, nun durch die Mitgliedschaft im Frankfurt Main Finance e.V. einen weiteren Beitrag zu dieser Entwicklung leisten zu können.“

Holger Clemens Hinz, Managing Director im Kapitalmarktgeschäft der Quirin Privatbank AG, bekräftigt: „Wir freuen uns, ab sofort Mitglied bei Frankfurt Main Finance zu sein, da uns dadurch die Möglichkeit gegeben wird, die Zukunft des Finanzplatzes Frankfurt mit den anderen Partnern und der Finanzcommunity aktiv mitzugestalten. Nicht nur zu der Ausrichtung des operativen Bankengeschäfts in Frankfurt, sondern gerade auch hinsichtlich wichtiger strategischer Entscheidungen durch Politik und Stadt können wir uns als Institut selbst einbringen, was wir für sehr wertvoll erachten wie auch darüber hinaus den Austausch mit Hochschulen.“

David Kleinz, Gründer von Frankfurt Solutions, sagt: „Sowie der Name Frankfurt Solutions ein Bekenntnis zum hiesigen Standort darstellt, so gilt dies auch für die Mitgliedschaft bei Frankfurt Main Finance. Als Teil dieses Netzwerkes möchten wir im regen Austausch ein starkes Bindeglied werden und die aussichtsreichen Entwicklungen im Herzen Europas bekräftigen und nutzen. Wir freuen uns auf die Schaffung neuer Ideen, Veranstaltungen, Kontakte und gemeinsamen Projekten mit den Mitgliedern.“

Stellungnahme zur aktuellen Einigung zwischen EU und Großbritannien

Die Europäische Union und das Vereinigte Königreich haben sich nun auf eine weitere Verschiebung des Brexit bis Ende Januar 2020 geeinigt.

Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, sagt dazu:

„Frankfurt Main Finance begrüßt den Beschluss der Europäischen Union der Bitte um Fristverlängerung, für den EU-Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Staatengemeinschaft, zu entsprechen. Die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexit ist nun nach der Zustimmung zum vorliegenden Abkommen erheblich vermindert. Wir sehen darin einen Sieg der Vernunft.“

Banking Business in Germany – Ein Leitfaden für das Bankengeschäft in Deutschland

Das internationale und nationale Bankgewerbe wird durch den digitalen Wandel, umfangreiche aufsichtsrechtliche Vorgaben und den anstehenden Brexit vor weitreichende Herausforderungen gestellt. In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld bietet sich der deutsche Markt nach wie vor für Banken und Investoren aus dem Ausland an, die hier mit einer Tochtergesellschaft oder einer Filiale vertreten sein wollen.

Das englischsprachige Buch Banking Business in Germany richtet sich an diese Entscheidungsträger. Der Leitfaden bietet einen verständlichen und detaillierten Überblick über das deutsche Bankengeschäft und dessen Themengebiete und ist somit auch für interessierte Beobachter, bereits in Deutschland etablierte Bankenvertreter und deren Konzernzentralen im Ausland ein relevanter Ratgeber.

Auf 464 Seiten und anhand von 45 Abbildungen und 40 Tabellen erklären die Branchenexperten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC gemeinsam mit dem Verband der Auslandsbanken in der sechsten Auflage nicht nur die vielfältigen Änderungen und Besonderheiten auf regulatorischer Ebene, sondern geben auch einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im deutschen Bankensystem, in der Einlagensicherung sowie im Arbeits- und Steuerrecht.

Das Werk verfügt über ein nützliches Glossar, das nicht nur Abkürzungen wie „EStDV“ für englischsprachige Bankenvertreter entschlüsselt („Einkommensteuerdurchführungsverordnung“), sondern auch gleich die Übersetzung („Income Tax Implementation Ordinance“) liefert. Der besseren Orientierung dient außerdem ein umfangreiches Stichwortregister.

Der Leitfaden wird durch ein Vorwort des Hessischen Finanzministers Dr. Thomas Schäfer eingeleitet, welcher explizit die Vorteile des Finanzplatz Frankfurt für ausländische Banken und Investoren herausarbeitet.

Die sechste Ausgabe des Buches Banking Business in Germany können Sie auf der PwC-Website bestellen.

Welt ohne Geld?

Welt ohne Geld?: Ein Zukunftshandbuch für Banken“ – so heißt eine aktuelle KPMG-Analyse der Finanzbranche. Es geht um die zentrale Frage: Wie funktioniert eine digitale Welt, in der Plattformen Assets, Ressourcen, Finanzmittel und Portfolios in Echtzeit bewerten und Algorithmen so programmiert werden, dass sie in der Kürze eines Wimpernschlags komplizierte Analysen erstellen – für die ein geschulter Mitarbeiter mehrere Stunden vor dem Bildschirm hätte verbringen müssen. Weiterlesen

FMF begrüßt zwischen die Einigung zwischen EU und UK

„Frankfurt Main Finance begrüßt die Einigung der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich. Damit ist die Grundlage geschaffen, den wirtschaftlichen Schaden durch den Austritt zu begrenzen, Klarheit zu schaffen und so die Risiken zu vermindern. Vor der IWF- und Weltbanktagung ist am Morgen in Washington die mit Hoffnung auf einen Deal verbundene Erleichterung unter den Banken mit Händen zu greifen.

Die Einigung zeigt aber auch: Allem Theaterdonner der vergangenen Wochen und Monate zum Trotz, funktioniert die Diplomatie zwischen Brüssel und London. Nun bleibt abzuwarten, ob die Einigung auch so umgesetzt werden kann.

Am Beispiel des Backstop wurde jedenfalls klar: Pragmatische Lösung sind im Interesse beider Seiten möglich. Das lässt für die Verhandlungen über das künftige Verhältnis auf einen weiteren Sieg der Vernunft hoffen.“

Hubertus Väth, Managing Director von Frankfurt Main Finance

Haftungsdachlösung für kleinere Finanzdienstleister

Ein Interview mit Frank A. Rothauge, Geschäftsführender Gesellschafter der AHP Capital Management GmbH

Vor welchen Herausforderungen stehen vor allem kleinere ausländische Finanzdienstleister, die sich am Finanzplatz Frankfurt am Main niederlassen möchten? Diese Frage steht im Fokus unseres Interviews mit Frank A. Rothauge, Geschäftsführender Gesellschafter der AHP Capital Management GmbH in Frankfurt.

 

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Drei Fragen an Holger Clemens Hinz, Leiter Corporate Finance der Quirin Privatbank im Kapitalmarktgeschäft

Seit September ist die Quirin Privatbank AG Mitglied von Frankfurt Main Finance. Wir haben Holger Clemens Hinz, Leiter Corporate Finance der Quirin Privatbank im Kapitalmarktgeschäft, gefragt, wo er die Standortvorteile des Finanzplatzes Frankfurt sieht.

Wie trägt Ihr Unternehmen zur Entwicklung des Finanzplatzes bei?

Der Frankfurter Standort ist sowohl für die Investmentbank als auch die Privatbank von zentraler Bedeutung. Frankfurt am Main ist unsere größte Niederlassung jenseits der Zentrale und  Sitz der Investmentbank als dezentrales Geschäftsfeld. Seit mehr als 15 Jahren zählen wir zu den etablierten Investmentbanken für mittelständische Unternehmen. Diese beraten wir als Wertpapiermanufaktur bei ihren Finanzierungsstrategien am Kapitalmarkt und sind eng mit der Deutsche Börse AG und allen anderen Dienstleistern im Ökosystem wie Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Agenturen verbunden.

Was sind für Sie die zentralen Standortvorteile des Finanzplatzes Frankfurt, was ist ausbaufähig?

Die Bedeutung von Frankfurt am Main wird vor allem im Hinblick auf den Brexit wachsen. Es ist zu hoffen, dass hieraus Labsal für eine Entwicklung weg von der doch provinziellen hin zur weltstädtischen Metropole gezogen werden kann. Dies ist wichtig, um im europäischen Wettbewerb mit Paris, Mailand oder Madrid ein stärkeres Gewicht zu bekommen.

Welche Trends sehen Sie momentan am Finanzplatz Frankfurt bzw. an internationalen Finanzplätzen?

In der aktuellen Niedrigzinswelt ist klar ein Trend der Konsolidierung, Standardisierung und starken Digitalisierung zu erkennen. Am Ende gilt es, für die Finanzdienstleister zukunftsfähige Geschäftsmodelle mit Mehrwert für den Kunden zu etablieren, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben. Sowohl FinTechs als auch Technologieriesen mit starker Eigenkapitalausstattung wie Apple und Amazon bereiten den Eintritt in die Welt der Finanzdienstleitungen mit eigenen Produkten vor. Eine Entwicklung, der sich der Finanzplatz stellen muss – im Zeichen immer komplexerer gesetzlicher Rahmenbedingungen.

 

Am Beginn eines Kulturwandels

Die Regulierung, der Wandel vom Shareholder Value zum Stakeholder Value und die wirksame Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in Produktlösungen standen im Mittelpunkt bei der 12. Jahreskonferenz Nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School.

Nachhaltige Geldanlage ist kein Modethema mehr

Auf der 12. Jahreskonferenz nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School of Finance and Management diskutierten am 18. September wieder hochrangige Vertreter aus Politik und (Finanz)Wirtschaft über die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Geldanlage. Dass das Thema heute längst kein Modethema mehr sei, zeige nicht zuletzt die von Jahr zu Jahr zunehmende Teilnehmerzahl, die 2019 erneut einen Höhepunkt erreicht hat, so Prof. Dr. Nils Stieglitz, Präsident und Geschäftsführer der Frankfurt School in seiner Begrüßungsrede. Und in der Tat war das Audimax der Hochschule bis auf den letzten Platz besetzt. Dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, beweise zudem nicht nur die „Fridays for Future“-Bewegung sondern auch der zunehmende Bewusstseinswandel in führenden Unternehmen, weg vom reinen Shareholder-Value hin zum Stakeholder-Value – dies sollte im weiteren Verlauf immer wieder zu einem zentralen Thema der Konferenz werden. Die zwölfte Auflage der Veranstaltung in diesem Jahr weise zudem die Hochschule als Pionier im Bereich „Sustainable Finance“ aus, so Claudia Tober, Geschäftsführerin des Kooperationspartners Forum Nachhaltige Geldanlage e.V., in ihrer Begrüßung und zeige darüber hinaus, dass die Investoren (institutionelle wie private) neben der Regulierung ein zentraler Treiber beim Thema seien.

Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft

Mit seiner Keynote zum Thema „Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft“ eröffnete Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, die Diskussion zum zweiten großen Themenfeld, der Rolle der Politik für eine nachhaltige Finanzwirtschaft. Dem Finanzmarkt komme bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Wirtschaft eine zentrale Rolle zu, da dieser aufgrund seiner Geschwindigkeit und Transparenz hierfür geradezu prädestiniert sei. Aufgabe der Politik sei dabei, die Leitplanken zu setzen. Allerdings herrsche unter den Bundesländern bislang noch keine klare Einigkeit wo im Spannungsfeld zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft die Rolle des Staates angesiedelt sei. Klar sei aber, dass es um einen Wandel in der Wirtschaft vom kurzfristigen auf den langfristigen Blickwinkel und damit das Einleiten eines Kulturwandels gehen müsse.

Bedeutung für den Kapitalmarkt

Die zweite Keynote des Tages von Dr. Frank Czichowski, Senior Vice President der KfW Bankengruppe, thematisierte dann den dritten zentralen Aspekt der Diskussion: die konkrete Umsetzung von Sustainable Finance in Produktlösungen. Er skizzierte die jüngste Entwicklung von Green Bonds und wies darauf hin, dass trotz der deutlichen Zuwächse in den vergangenen Jahren das Marktvolumen derzeit immernoch nur 0,5% des Gesamtmarktes ausmache. Lücken, die es zeitnah zu schließen gelte, seien der Mangel sowohl an Kriterien als auch eines klar definierten Ziels für Green Bonds. Auch in diesem Vortrag stellte der Wandel weg von Milton Friedmans Diktum der reinen „Gewinnmaximierung“ einen der zentralen Aspekte dar.

Umsetzung von Nachhaltigkeit

Auf den notwendigen Kulturwandel wurde folgerichtig in den anschließenden Vorträgen zu „Impact Investing und wirkungsorientierten Investitionen“ immer wieder Schlaglichter aus unterschiedlichen Blickwinkeln geworfen: Nachdem zunächst Dr. Lars Röh, Partner der Anwaltskanzlei lindenpartners, einen Blick auf den regulatorischen Rahmen und die Herausforderungen für Produktentwicklung und Intermediäre geworfen hatte, stellte Jan-Menko Grummer, Partner bei EY, die Bedeutung der neuen Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft im Rahmen der Unternehmehnsberatung ins Zentrum seines Vortrags. Es gehe künftig um eine Steigerung des Long Term Value der Unternehmen. Beachtenswert hierbei: Die Gründung der „Value Balancing Alliance“ im Mai 2019, der sich alle vier großen internationalen Unternehmensberatungen (neben EY auch Deloitte, KPMG und PwC) angeschlossen haben. Auf Unternehmensseite finden sich von deutscher Seite unter anderem BASF, die Deutsche Bank und Bosch bei den Mitgliedern. Die Mission der Allianz ist die Integration eines auf Langfristigkeit ausgerichteten Modells der Wirkungsbewertung auf Basis einer integrierten Gewinn- und Verlustmethodik. Wie die Integration einer Systematik der Wirkungsmessung in der Praxis aussehen kann stellte im Anschluss Daniel Peter, Responsible Investment Analyst bei NN Investment Partners, dar.

Engagement, Erwartungen und Lösungen

Unter dem Oberthema „Engagement und wirkungsorientierte Investitionen“ zeigte anschließend Dr. Vanda Heinen, ESG Analystin und Spezialistin für Corporate Governance bei Union Investment, die Einflussmöglichkeiten eines aktiven Investors im Rahmen des Unternehmensdialogs und der Investmentpolitik auf, bevor Dr. Fabian Lander, Head of Corporate Finance and Sustainability der VW Immobilien AG, mit einer Darstellung der Erfahrungen und Erwartungen eines Emittenten von Greenbonds den Vormittag abschloss.

Der Nachmittag stand schließlich ganz im Zeichen von Produktlösungen: Im Rahmen von zwei parallel verlaufenden Vortragsblöcken stellten Investmentspezialisten verschiedener Anbieter, unterschiedlichste Ansätze für nachhaltiges Investieren dar. Ein abschließender Vortrag im Audimax von Michael Schweikart, Co-Founder und Managing Director des Finanz-Start-Ups Tomorrow, zu neuen Ansätzen im Online-Banking unter Integration von Nachhaltigkeits-Aspekten rundete den Blick auf nachhaltige Finanzlösungen ab.

Weiter Bogen und zentrale Themen

Als finaler Höhepunkt gab Sven Giegold, Mitglied des Europa Parlaments und Finanzpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, via Skype einen detaillierten Blick unter die Motorhaube der Regulierungsvorhaben der Europäischen Union. Damit endete in Frankfurt ein Tag tiefgreifender Einblicke und spannender Diskussionen rund um die nachhaltige Geldanlage, der einen „weiten Bogen spannte und immer wieder Schlaglichter auf einige zentrale Themen geworfen hat“, wie Moderator Prof. Dr. Martin Faust vom Finance Department der Frankfurt School in seiner Verabschiedung treffend resümierte.

 

Von Dr. Andreas Jaensch

Von Aktivisten, Intermediären und Aktionärsrechten

Der sogenannte Shareholder Activism inner- und außerhalb von Hauptversammlungen wird sich fortsetzen, prognostizierte nicht allein Dr. Ulrike Binder, Partnerin bei Mayer Brown LLP auf der Fachtagung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) am 17. September in Frankfurt am Main. In diesem Lichte hielt das DAI Rückschau auf die abgelaufene und Ausblick auf die kommende Hauptversammlungssaison. Einen wesentlichen Schwerpunkt dabei bildete das verzögerte ARUG II. Prof. Ulrich Noack, Mitglied des wissenschaftlichen DAI-Beirats und Juraprofessor aus Düsseldorf, hält ARUG II im Hinblick auf die Hauptversammlung für nicht so einschneidend wie den Vorgänger ARUG I. Für die Praktiker, die die neuen Regeln umsetzen und anwenden sollen, bleiben dennoch viele Fragen offen.

Am 10. Juni hätte das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie – kurz ARUG II – in Kraft treten müssen. Am 17. September hatte es noch nicht einmal den Rechtsausschuss passiert, so dass sich die Fachtagung damit begnügte das komplexe System aufzubrechen, das sich aus dem Zusammenwirken der EU Richtlinie 2017/828, dem ARUG II (2019) und der Durchführungs-VO (2018) ergibt. Unterschiede im Wortlaut der einzelnen Texte machen die Anwendung nicht gerade leichter. Als Folge der Verschiebung bestehen erhebliche Unklarheiten, ab welcher HV-Saison die neuen Regeln anzuwenden sind. Möglich ist sogar, dass es mitten innerhalb der Saison 2020, ab einem bestimmten Datum beispielsweise im Mai zur Anwendung kommt. Aufgrund dieser Unsicherheit wagte Thomas von Oehsen vom Stimmrechtsberater ISS Europe auch nur einen allgemeinen Ausblick.

Woran es hakt, ist schnell erklärt. Der deutsche Gesetzgeber tut sich bei den beiden Themenkomplexen „Related Party Transactions“ sowie „Say on Pay“ schwer, die europäischen Vorstellungen umzusetzen. In Bezug auf die Related Party Transactions müssen sich die Regierungsparteien noch auf sinnvolle Schwellenwerte einigen. Dazu muss man wissen, dass das Konzernrecht in Deutschland gegenüber dem der europäischen Nachbarn viel diffiziler ist, und man hier verhindern möchte, bei allen konzerninternen Transaktionen eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen zu müssen. Bezüglich der „Say on Pay“-Regelung besteht innerhalb der Regierungsparteien noch Uneinigkeit darüber, ob der Hauptversammlung bei der Abstimmung über die Vergütungssysteme ein beratendes oder bindendes Votum zukommen soll.

Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Aktionärskommunikation

Somit beschäftigte sich die Fachtagung hauptsächlich mit den als abgeschlossen geltenden Themen. Während sich aktivistische Aktionäre geradezu dadurch auszeichnen, dass sie den direkten Kontakt zur Gesellschaft suchen, besteht bei ARUG II die Intension des Gesetzgebers darin, die Aktienemittenten mit Kosten und verkürzten Fristen zur Digitalisierung der Beziehungen zu allen ihren Anteilseignern zu drängen. Die Kommunikation soll möglichst direkt, unter Umgehung etwaiger Intermediäre, und mit allen Aktionären gleichzeitig stattfinden – auch über Landesgrenzen, Zeitzonen und Sprachbarrieren hinweg. Sämtliche Intermediäre dazwischen – wie Depotbanken, Verwahrer von Wertpapieren oder andere beauftragte Dritte – sollen eine geringstmögliche Rolle spielen. Dabei belaufen sich die Pflichtsprachen für deutsche Gesellschaften auf Deutsch und Englisch. Übersetzungen in die Muttersprachen internationaler Aktionäre sind von diesen selbst oder eben doch einem der Intermediäre vorzunehmen.

Im Hinblick auf die Hauptversammlung bedeutet dies unter anderem, dass die elektronische Übermittlung der Hauptversammlungsmitteilung an die Aktionäre oder Banken am gleichen Tag wie die Veröffentlichung der Einberufung im elektronischen Bundesanzeiger erfolgen soll. Da der Nachweis über den Aktionärsstatus entscheidend ist, wird die direkte Kommunikation zwischen Aktionär und Emittent zumindest bei Inhaberaktien nicht unter völliger Umgehung der Depotbanken verlaufen können. Umgekehrt benötigen die Depotbanken einen Weg, den Emittenten eindeutig als Absender zu identifizieren. Auf der DAI-Fachtagung wurden Überlegungen laut, ob die Clearstream zukünftig Dienstleistungen im Privatkundenbereich anbieten könnte.

Eine praktische Erleichterung hält ARUG II jedoch parat: Statt wie bisher eine Broschüre zu verschicken, reicht es künftig aus, die Aktionäre nur darüber zu informieren, wann und wo die Hauptversammlung stattfindet und unter welchem Link die notwendigen Informationen und Formulare abgerufen werden können.

Aktionärsidentifikation als Voraussetzung der Kommunikation

Als vor etwa 20 Jahren die Digitalisierungsdiskussion begann, dies sei am Rande erwähnt, drehte sie sich allein um die Möglichkeiten der Durchführung von virtuellen Hauptversammlungen. Die Präsenzen waren damals niedrig und die noch als „räuberische Aktionäre“ bezeichneten Aktivisten traten vor allem mit der Taktik auf, die Veranstaltung bis zur Unwirksamkeit in die Länge zu ziehen. Dies ist heute kein Thema mehr, heute sollen automatisierte Verfahren der Identifikation dienen, mit wem man es zu tun hat.

16. Jahrestagung des Deutschen Aktieninstituts „Die Hauptversammlung“ am 17.09.2019.

In der Diskussion um das durch ARUG II gewährte Recht auf Aktionärsidentifikation erwartet ein Emittent von Inhaberaktien, zukünftig im Hinblick auf Transparenz in die Nähe der Namensaktie gerückt zu werden. Ohne dafür die Aktiengattung wechseln zu müssen, will man seine Aktionäre mit passgenauen Maßnahmen eng an sich binden können. Hierzu müssen sich allerdings erst noch die richtigen Prozesse herauskristallisieren.

Dabei muss man wissen, dass sich in der Praxis die Transparenz für Emittenten von Namensaktien weit weniger hoch als allgemein angenommen darstellt. Standardmäßig führen diese über Drittanbieter bis zu viermal im Jahr eine relativ aufwendige Shareholder Identification durch, weil das Namensregister eben doch nicht ganz so zuverlässig ist. Ein über 100 Prozent liegendes Resultat ist dabei keine Seltenheit, weil erst Spezialisten erkennen können, ob es sich bei dem gemeldeten Aktienbestand tatsächlich um den eigentlichen Eigentümer der Aktien handelt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Qualität dieser Daten zukünftig spürbar verbessert.

Das Finanzinstrument Aktie wird zum Kommunikationsmedium

Nicht zuletzt dem verstärkten Auftreten aktivistischer Aktionäre ist es zu verdanken, dass die Digitalisierungsbemühungen des Gesetzgebers aus dem reinen Finanzinstrument Aktie zunehmend ein Kommunikationsmedium inklusive aller daran hängenden Bestimmungen aus der DSVGO machen. Unbesehen des Namens „Aktionärsrechterichtlinie“ gibt der Aktionär mit Erwerb von Aktien nach ARUG II die Hoheit über seine personenbezogenen Daten ein Stück weit auf. Auf die Investor Relations Abteilungen könnte ein bedeutender Aufwand in der Verwaltung dieser Daten und vor allem deren fristgemäßer Löschung zu kommen (spätestens 12 Monate nach Verkauf der Aktien). Und dann sind da noch die Kosten, die in der Mehrheit vom Emittenten zu tragen sind. In der Mehrheit, aber eben nicht alle. Schon jetzt geht der Trend dahin, dass Privataktionäre lieber Gast- als Eintrittskarten zur Hauptversammlung bestellen, weil ihnen die Anmeldung über die Depotbanken zu teuer und zu aufwendig ist. Es wäre schade, wenn sich dieser Trend durch unbeabsichtigte Folgen von ARUG II verstärken würde.

 

Von Dr. Charlotte Brigitte Looß.

Helaba Finanzplatzstudie 2019

„Frankfurt ist der führende Finanzplatz Kontinentaleuropas und in Europa die Nr. 2 hinter London. Der Brexit-bedingte Umstrukturierungsprozess verbessert seine Positionierung in der Finanzwelt“, schreibt die Helaba über die heute erschienene Finanzplatzstudie 2019 Finanzplatz Frankfurt: Mehr als Brexit. Tatsächlich habe sich der Abstand zwischen dem britischem und dem deutschen Finanzzentrum in den letzten Jahren verringert. Während das Image Londons gelitten habe, konnte Frankfurt im internationalen Standortwettbewerb punkten und an Attraktivität sowie Auslandsbanken hinzugewinnen.

„Schon bald nach dem Referendum hatten wir die These aufgestellt, dass Frankfurt von dem Brexit bedingten Umstrukturierungsprozess im europäischen Bankensektor besonders profitieren könnte“, kommentiert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleitung Research der Helaba, die Ergebnisse der Finanzplatzstudie 2019, „Dies scheint sich derzeit zu manifestieren: Unsere Brexit-Map der Geschäftsverlagerungen von Banken hat sich über die Jahre schwungvoll entwickelt und insbesondere für das deutsche Finanzzentrum verdichtet.“

Frankfurt hat beruflich wie privat viel zu bieten

Gibt es die Brexit-Banker in Frankfurt wirklich? Und wie ist ihre Sicht auf die Brexit- und Standortentwicklungen? Die Autoren der Helaba Finanzplatzstudie haben einige der Brexit-Banker erstmals persönlich interviewt und untermauern mit den Gesprächen die quantitativen Analysedaten des Reports. Unter anderem wurden die Banker zu den zentralen Gründen befragt, die zur Standortwahl Frankfurts geführt haben. Demnach seinen die Wirtschaftsstärke Deutschlands, die bestehende Bankeninfrastruktur, die vor Ort ansässigen wichtigen Akteure Europas wie zum Beispiel Aufsichtsbehörden und die Börse, der zentral gelegene Verkehrsknotenpunkt sowie die Finanzplatzbedeutung an sich für die Banken entscheidend gewesen. Aus persönlicher Sicht betonten die Befragten, die ausgeprägte Internationalität, die enorme Zeitersparnis, die Attraktivität für Familien, die hohe Lebensqualität sowie die vielfältige Stadtentwicklung.

Finanzplatzakteure sind aufgefordert, an der Attraktivität Frankfurts zu arbeiten

„Während wir für die vorliegende Studie nochmals den Fokus auf den Brexit richten, beobachten wir hinter den Kulissen weiterhin alle Finanzplatzkriterien“, sagt Dr. Gertrud Traud. So habe sich ein wichtiger Standortfaktor – die Stabilität der deutschen Volkswirtschaft – in der Vergangenheit verschlechtert. Frankreich wachse beispielsweise wieder stärker als Deutschland und sei auch weniger von der Abwärtsentwicklung der Industrie betroffen, betont Traud. Alle Akteure seien daher in der Verantwortung kontinuierlich an der Attraktivität des Finanzplatzes Frankfurt zu arbeiten. Die Stadt am Main ist, wie die zahlreichen Interviews mit Brexit-Bankern in Frankfurt gezeigt haben, mehr als eine Brexit-Stadt.

 

Die offizielle Pressemeldung sowie die Möglichkeit zum Download der Finanzplatzstudie 2019 finden Sie auf der Website der Helaba.

 

Titelbild: Helaba