Sind wir mal wieder zu deutsch? Über die Unwägbarkeiten der Ad-hoc-Publizität

Der mittlerweile erreichte Grad an gesellschaftlicher Ausdifferenzierung hin zur Dienstleistungsgesellschaft wird jedem Emittenten von Finanzinstrumenten schmerzlich vor Augen geführt, sobald er sich mit Insidersachverhalten und der damit verbundenen Pflicht zur Ad-hoc-Publizität beschäftigt. Ohne anwaltliche Interpretations-Expertise ist da nichts zu machen. Mit dem Entwurf von Modul C des Emittentenleitfadens, für den bis zum 31. August die Frist für Stellungnahmen ablief, versucht die BaFin praktische Hilfestellung zu leisten. Ob ihr das gelungen ist, war Gegenstand der Konferenz „Der neue Emittentenleitfaden der BaFin“ am 29. Oktober 2019 in Frankfurt am Main, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) organisierte.

Pflicht zur Ad-hoc-Mitteilung ist von der Gesamtsituation abhängig

Ein durchschnittliches DAX-Unternehmen veröffentlicht maximal zwei Ad-hoc-Mitteilungen im Jahr, ermittelte Dr. Lutz Krämer, Partner von White & Case LLP in eigenen Recherchen. Das klingt logisch. Denn ausschlaggebend für oder gegen die Entscheidung, ob ein Geschäftsvorgang eine Insidertatsache und somit per Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen ist, sollte die eigene Historie sein. Zwar listet der neue Emittentenleitfaden weiterhin eine Reihe wesentlicher Sachverhalte auf, die potenziell den Charakter einer Insiderinformation aufweisen. Allerdings ist immer die gesamtsituative Betrachtung ausschlaggebend, nicht allein die Tatsache, dass sich der vorliegende Fall im Emittentenleitfaden wiederfindet. Und da haben es DAX-Konzerne gerade im Bereich M&A aufgrund ihrer Größe und der Häufigkeit, mit der sie Transaktionen vornehmen, relativ selten mit so herausragenden Fällen zu tun, dass diese mutmaßlich den Aktienkurs beeinflussen werden.

Die zu erwartende Auswirkung auf den Aktienkurs ist jedoch das zentrale Kriterium, das aus einem Vorgang des normalen Geschäftsverlaufs eine Insidertatsache macht. Dabei ist es unerheblich, ob der Kursausschlag positiv oder negativ vermutet wird und im Rückblick gegenteilig oder überhaupt nicht eingetroffen ist. Für kleinere Unternehmen kann deshalb eine M&A-Transaktion schnell von mutmaßlich kursrelevanter Bedeutung sein und somit zur Insidertatsache werden. Insbesondere, wenn sie den Zugewinn oder Abverkauf einer verhältnismäßig großen Geschäftseinheit oder gar eine Verschiebung der Geschäftsstrategie mit sich bringt.

Obendrein kommt es aufgrund der Definition von Zwischenschritten als eigenständige Insiderinformationen – eine Neuerung der Marktmissbrauchsverordnung (MMVO) – in der Praxis zu immer früheren Annahmen von Insidertatsachen. Dieser Umstand trägt nicht nur zu einem erheblichen Zusatzaufwand beim Emittenten bei, sondern führt im Zweifel auch zu Veröffentlichungen von Inhalten, deren Zweckdienlichkeit sich nicht jedem externen Leser erschließt.

Ist die BaFin an allem Schuld?

Es gibt viele weitere Unklarheiten, über die sich Fachanwälte trefflich streiten können, von denen die Praktiker jedoch am liebsten verschont blieben: angefangen bei der Frage, was eigentlich ein verständiger Anleger ist – dessen mutmaßliches Verhalten zur Bestimmung der Kursrelevanz von Informationen heranzuziehen ist, über die Definition von „präzise“ – denn das muss eine Information sein, bevor sie die Ad-hoc-Pflicht auslöst, bis hin zu Einzelfällen – zum Beispiel wie kursrelevant eine Prognoseeinhaltung ist, wenn doch der Markt eine Prognoseabweichung erwartet.

Dr. Gerrit Fey, Leiter Kapitalmarktpolitik beim DAI, wies gleich zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, dass die Bafin nicht immer der richtige Ansprechpartner für Kritik ist. Letztlich setzt sie im Emittentenleitfaden nur wortgenau die Vorgaben der MMVO um. Bleibt die Frage, ob sie sich dabei nicht ein bisschen zu korrekt gibt. Im europäischen Vergleich, insbesondere mit Italien und Frankreich, sind offenbar entspanntere, praxisnähere Varianten zu finden. Wer jemals dem Prozedere um die Veröffentlichung einer Ad-hoc-Mitteilung in Deutschland beigewohnt hat, staunt nicht schlecht über die erheblichen organisatorischen Verrenkungen, derer es bedarf, um das Eintreten der Veröffentlichungspflicht einwandfrei zu ermitteln und zugleich auch rein physisch veröffentlichungsfähig zu sein.

Vorbild USA: Trennung der Insidertatsache von der Veröffentlichungspflicht

Dabei ist die Verknüpfung des Vorliegens einer Insidertatsache mit der unmittelbaren Veröffentlichungspflicht nicht zwingend notwendig, wie Prof. Dr. Katja Langenbucher, Professorin für Wirtschaftsrecht an der Goethe-Universität Frankfurt, erläuterte. In den in Kapitalmarktangelegenheiten häufig als Vorbild herangezogenen USA löst das Vorliegen einer für das Unternehmen materiellen Information zu allererst ein Insiderhandelsverbot in dem betreffenden Finanzinstrument aus. Eine sofortige Veröffentlichungspflicht ergibt sich nicht automatisch. Sollte eine Veröffentlichung regulatorisch erforderlich sein, hat der Emittent dafür vier Geschäftstage Zeit.

Im Vereinigten Königreich herrscht mit dem RINGA-Konzept (relevant information not generally available) ebenso ein auf das Handelsverbot konzentriertes Verständnis vor, das die Publizitätspflicht nachrangig betrachtet. Klingt paradiesische für deutsche Investor Relations-Abteilungen und erklärt, warum internationale Investoren erfahrungsgemäß den Unterschied zwischen einer Ad-hoc-Meldung und einer normalen Pressemitteilung in der Regel nicht verstehen.

 

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß

Stärkung des deutsch-französischen Dialogs am Finanzplatz Frankfurt

Angesichts des geplanten Austretens des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den kontinentaleuropäischen Finanzzentren von entscheidender Bedeutung – vor allem um die Herausforderungen der europäischen Integration zu bewältigen. Am 10. Dezember findet der Europäische Investorentag in Frankfurt statt. Er wird von einer der führenden französischen Pressegruppen L‘agefi organisiert und hat zum Ziel, den Dialog zwischen der deutschen und französischen Finanzindustrie zu erleichtern.

Folgende Aspekte werden auf der Tagesordnung stehen:

  • Die Zukunft der Geldpolitik: Ist unter Christine Lagardes EZB-Präsidentschaft ein stärkerer Konsensus möglich?
  • Welche Rolle wird das deutsch-französische Verhältnis bei den Themen Sustainable und Green Finance spielen?
  • Sind Infrastrukturinvestitionen der Schlüssel für zukünftiges Wachstum?

Wir haben die Veranstaltung mit Philippe Mudry von L’Agefi, in einem Interview besprochen.

Welche Rolle spielen die deutsch-französischen Beziehungen für die Zusammenarbeit des Finanzsektors in Kontinentaleuropa?

Ob und unter welchen Umständen das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten wird, ist noch nicht bekannt. Der kontinentaleuropäische Finanzsektor befindet sich jedoch bereits im Transformationsprozess. Die Finanzakteure wissen, dass sie auf eigene Ressourcen zurückgreifen müssen, um die derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden, um sich auf der Weltbühne zu behaupten. Wenn es darum geht, über die Zukunft Europas nachzudenken und sie zu gestalten, stehen Deutschland und Frankreich im Dialog mit ihren europäischen Partnern Seite an Seite – sie sind oft Partner und Wettbewerber zugleich. Getreu seiner Tradition und Überzeugung möchte L’Agefi diese Zusammenarbeit unterstützen.

Warum hat sich L’Agefi entschieden, eine neue Veranstaltung in Europa zu etablieren?

Am 10. Dezember 2019 veranstalten wir am Finanzplatz Frankfurt den zweiten European Investors Day (EID). Ziel der Veranstaltung – die im Juni in Brüssel gelauncht wurde – ist es, alle diejenigen Akteure einzubeziehen, die eine integrierte Investitions- und Finanzindustrie in Europa fördern und eine Vision für die Zukunft einer solchen Branche entwerfen wollen. Grundlage für die Diskussion sind die Fragen: Welcher Konsens kann in der Geldpolitik erreicht werden? Ist ein Wiederanlaufen der europäischen Integration ein Impuls für die Erneuerung kontinentaleuropäischer Infrastrukturen? Eng damit verbunden ist die Frage nach der gemeinsamen Bewältigung der globalen Erwärmung. Welche Rolle können die europäischen Finanzakteure, von institutionellen Anlegern bis hin zu Portfoliomanager, einschließlich Regulierungsbehörden, Politikern, Banken und Versicherungsgesellschaften, spielen, um zum gemeinsamen Ziel beizutragen?

Warum ist es wichtig, dass L’Agefi an den Finanzplatz Frankfurt kommt?

Als französische Medienstelle ist unsere Entscheidung, die Veranstaltung nach den wichtigen Europawahlen am Finanzplatz Frankfurt auszurichten, kein Zufall; sie spiegelt unsere feste Überzeugung wider, dass der deutsch-französische Dialog Europa zusammenbringen kann. Unserer Meinung nach ist eine der zentralen Fragen: „Kann sich die Achse Paris-Frankfurt im Bereich der nachhaltigen Finanzen behaupten?“ In Anbetracht der Tatsache, dass L’Agefi 2019 die neue englischsprachige, europaorientierte Medienstelle Asset News mit dem EID in Frankfurt ins Leben ruft, schien uns das der beste Weg, um an der Entstehung einer integrierten Finanz- und Investitionsunion teilzunehmen, die von den europäischen Akteuren gefordert wird.

 

Einen Link zur Registrierung finden Sie auf der Website von L’agefi.

Die Europäische Zentralbank – Von technokratischer Behörde zum politischen Akteur?

Aktuelle politische Ereignisse, der Amtseintritt der EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie die Finanz- und Eurokrise rücken die Europäische Zentralbank immer stärker in den Fokus der Massenmedien. Dr. Alexander Thiele, Privatdozent an der Georg-August-Universität in Göttingen, hat sich in seinem kurzen Werk Die Europäische Zentralbank mit den wichtigsten Aufgaben und Kernelementen der Notenbank befasst.

Auch wenn die Europäische Zentralbank zu keinem Zeitpunkt eine interessenlose technokratische Behörde war, wird sie spätestens seit der Eurokrise auch von einer größeren Öffentlichkeit als bedeutender politischer Akteur wahrgenommen. Über die Organisation und Funktionsweise der EZB herrscht jedoch weiterhin vergleichsweise große Unsicherheit. Und das gilt auch im Hinblick auf die Begrenzungen, die ihr Handeln normativ einhegen und die unter anderem Gegenstand zweier historischer Vorlagen des BVerfG an den EuGH waren. Das Buch möchte daher einen Beitrag leisten, das Wirken der EZB, ihre Organisation und ihre geldpolitischen Instrumente einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen.

„Alexander Thiele hat eine sehr gut geschriebene und verständliche Einführung in die für viele geheimnisvolle und undurchsichtige Welt der EZB und ihrer Geldpolitik vorgelegt. Eine gelungene Mischung aus rechtlichen, institutionellen und ökonomischen Grundlagen, die die aktuellen, mitunter hitzigen Debatten nachvollziehbar macht und versachlicht.“

Prof. Dr. Achim Truger , Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Der Band wendet sich damit ebenso an den interessierten Laien, wie an Studierende der Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaft, die sich auf diesem Gebiet einen ersten Zugang verschaffen wollen. Zusätzlich kann das Werk an weiterführenden Schulen als Lektüre im Politik- und Wirtschaftsunterricht dienen.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.

Delegationsreise nach Riyadh, Dubai und Manama

Wie wird die kontinentaleuropäische Finanzbranche nach dem Austreten des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union aussehen? Und welche Rolle wird der Finanzplatz Deutschland in diesem Gefüge spielen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Delegationsreise von Frankfurt Main Finance (FMF) in den Mittleren Osten – nach Riyadh, Dubai and Manama – Anfang November. Zudem tauschten sich die Vertreter von FMF mit arabischen Experten aus Wirtschaft, Finance und Politik aus und stärken den internationalen Dialog zwischen den Finanzplätzen.

Am 4. November besuchte die FMF-Delegation das Dubai International Financial Centre (DIFC). Dr. Rüdiger Litten, Managing Partner bei Fieldfisher in Frankfurt, und FMF-Geschäftsführer Hubertus Väth eröffneten den Besuch. In ihren Reden erörterten sie die Position des Finanzplatzes Deutschland und die des Finanzzentrums Frankfurt post Brexit. Unter anderem verwies Hubertus Väth auf die steigende Attraktivität des Finanzplatzes Frankfurt für Unternehmen der Finanzbranche, die nach dem Brexit einen Firmensitz in der Europäischen Union eröffnen müssen, um weiter Geschäfte innerhalb der EU zu machen.

Im Anschluss diskutierten die Redner mit Norbert Reeg, Managing Director von Frankfurt International Consulting (FIC), und Oliver Oehms, CEO der AHK Dubai, während einer Podiumsdiskussion über die Positionierung des Finanzplatzes Deutschland post Brexit sowie die Beziehungen zwischen europäischen und arabischen Finanzplätzen.

Um genau diese Beziehungen künftig zu stärken, unterzeichneten das DIFC und FMF in Dubai ein Memorandum of Understanding (MoU). Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier.

 

Wir haben einige Impressionen der Reise zusammengestellt:

CFS-Index stabil

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, verweilt auf einem stabilen Niveau von 109,9 Punkten. Der im Ergebnis unveränderte Stand ist auf die konstante bis positive Entwicklung des Wachstums der Umsätze, Erträge und des Investitionsvolumens der Finanzbranche zurückzuführen. Diesen positiven Meldungen steht jedoch ein verschärfter Stellenabbau bei den Finanzinstituten und ein rückläufiges Mitarbeiterwachstum der Dienstleister gegenüber.
„Die Teilindizes zusammengenommen signalisieren eine vorsichtige Aufwärtsbewegung der Produktivität – und damit längerfristig auch der Ertragskraft, sollte sich dieser Trend verstetigen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Bei der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland liegt die Einschätzung der Finanzinstitute und Dienstleister nach der abwartenden Haltung im Vorquartal nun weit auseinander. Der Index-Wert der Finanzinstitute sinkt um -10 Punkte auf 107,6 Punkte. Hingegen steigt der Wert bei den Dienstleistern um 7,9 Punkte. Insgesamt befindet sich der Index-Wert mit einem leichten Rückgang um -1,0 Punkte auf 118,7 Punkte noch auf einem guten Niveau.
Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., erläutert: „Bislang haben lediglich die Dienstleister profitiert. Alleine 2018 floss über eine Mrd. Euro in den Dienstleistungssektor für die Vorbereitung der Banken auf den Brexit. Bei den Banken selbst waren dies bislang Kosten, denen noch zu wenige Erträge aus der Verlagerung von Assets entgegenstehen. Die erwartete Verlagerung in Höhe von 750-800 Mrd. Euro ist lediglich zu rund 1/3 erfolgt. Die meisten Banken zögern die Verlagerung bis zum Augenblick der Klarheit hinaus. Nicht zuletzt um ihr Eigenkapital zu schonen.“

Steigendes Umsatzwachstum der Finanzbranche

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister können ihre Umsätze bzw. ihr Geschäftsvolumen entgegen der schwachen Zuwächse des vorangegangenen Quartals wieder etwas mehr ausbauen. Der entsprechende Sub-Index steigt im dritten Quartal bei den Finanzinstituten um 2,7 Punkte auf 114,7 Punkte. Die Dienstleister steigern ihre Umsätze um 1,8 Punkte auf 112,7 Punkte. Für das laufende Quartal ist die Finanzbranche optimistisch, die Umsätze weiter steigern zu können.

Ertragszuwächse der Finanzinstitute kaum gesunken / Steigende Ertragszuwächse der Dienstleister / Positive Erwartungen für das laufende Quartal

Die Ertragszuwächse der Finanzinstitute haben sich im dritten Quartal deutlich weniger rückläufig entwickelt als zuvor erwartet wurde. Der Sub-Index sinkt nur leicht um -0,9 Punkte auf 103,5 Punkte. Nach den rückläufigen Ertragszuwächsen der Vorquartale können die Dienstleister ihre positiven Erwartungen nun auch realisieren. Der entsprechende Sub-Index steigt um 4,9 Punkte auf 108,3 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten Finanzinstitute und Dienstleister einen weiteren Anstieg.

Wachstum des Investitionsvolumens konstant bis positiv

Ebenso wie bei den Erträgen, melden die Finanzinstitute ein kaum verändertes Wachstum ihres Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt nur leicht -0,4 Punkte auf 105,8 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen, wie zuvor erwartet wurde, einen stärkeren Anstieg um 4,2 Punkte auf 114,1 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten die Finanzinstitute einen leichten Anstieg, die Dienstleister sind weniger optimistisch.

Massiver Stellenabbau der Finanzinstitute / Mitarbeiterwachstum der Dienstleister abgeschwächt

Der Stellenabbau bei den Finanzinstituten fällt deutlich stärker aus, als im Vorquartal erwartet wurde. Der Mitarbeiter-Sub-Index sinkt entsprechend um -8,2 Punkte auf 90,5 Punkte. Für das laufende Quartal wird auch nur mit einer leichten Abschwächung des Stellenabbaus gerechnet. Auch die Dienstleister stellen weniger Mitarbeiter ein als in den Vorquartalen. Der entsprechende Sub-Index sinkt um -3,7 Punkte auf 108,7 Punkte. Für das laufende Quartal wird erwartet, dieses Niveau zu halten.

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

CFS Index Sonderfragen

CFS-Umfrage zur von Facebook geplanten Digitalwährung Libra

Deutsche Finanzbranche rechnet nicht mit einer Einführung von Libra im kommenden Jahr. Große Bedenken wegen möglicher Gefahren für die Finanzstabilität

Facebook plant zusammen mit weiteren Partnern die Einführung einer weltweit verwendbaren Digitalwährung, die Libra Coin. Kurz vor dem offiziellen Startschuss sind wichtige Unterstützer wie Mastercard, Visa oder Paypal abgesprungen. Dennoch hält Facebook an der geplanten Einführung von Libra im kommenden Jahr fest. Am 15. Oktober 2019 wurde die Satzung der Libra Association von insgesamt 21 Gründungsmitgliedern unterzeichnet.

Seit der Ankündigung des Projekts im Juni 2019 haben zahlreiche Politiker und Vertreter von Aufsichtsbehörden ihre Bedenken gegen das Projekt artikuliert. Auch Notenbankgouverneure und Finanzminister der führenden Wirtschaftsnationen (G20) lehnen Libra wegen möglicher Risiken für die globale Finanzstabilität ab.

Die CFS-Umfrage zu Libra verdeutlicht, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten die Bedenken der Notenbanken und Aufsichtsbehörden für berechtigt hält. 76,8% der Befragten erwarten, dass Libra die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen vermindern würde. 61,4% der Befragten halten Libra sogar für eine Gefahr für die globale Finanzstabilität.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Mehrheit der Befragten (57,1%) nicht damit, dass Libra tatsächlich im kommenden Jahr eingeführt wird, nur 38% gehen von einer Einführung aus.

„Es ist nicht überraschend, dass es erhebliche Bedenken gegenüber Libra gibt. Diese werden auch dadurch gestärkt, dass Facebook sich nicht zu den langfristigen Ausbauplänen von Libra äußert“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse. „Außerdem ist die angesichts der vergangenen Datenschutz-Skandale angeschlagene Reputation von Facebook nicht gerade förderlich für ein solches Vorhaben“, so Brühl weiter.

Trotz aller Bedenken spricht sich eine Mehrheit der Befragten (61,1%) gegen ein pauschales Verbot von Libra aus und unterstützt eine konstruktive Begleitung des Vorhabens, um Innovationen im Finanzsektor zu fördern. „Die Stimmung im Finanzsektor zu Libra ist durchaus ambivalent. Einerseits fasziniert die Idee einer globalen Abwicklungsplattform für Zahlungen, andererseits fürchtet man sich vor unkalkulierbaren Risiken.“, erläutert Volker Brühl.

„Die Umfrage belegt einmal mehr, dass die Finanzbranche Innovationen gegenüber einerseits offen ist, andererseits aber die Risiken genau im Blick behält“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., und unterstreicht: „Die Idee einer einheitlichen, weltweit gültigen Digitalwährung ist grundsätzlich reizvoll und bietet erhebliche Potenziale. Aber auf große Fragezeichen, gab es keine überzeugenden Antworten.“

 

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Smart & Connected | AI Summit: Digitale Megatrends stehen im Fokus

Es ist ein Megatrend unserer Zeit: Digitale Technologien verändern das Kommunikationsverhalten und schaffen immer neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen Menschen und ihrer Umwelt. Wir haben Ulrich Martin, Leiter Konferenzen und Marketing des Frankfurt School Verlags gefragt, welche Themen im Fokus der Konferenz Smart & Connected | AI Summit am 20. und 21. November in der Frankfurt School liegen werden. Die Besucher dürfen sich auch auf Überraschungen freuen. Weiterlesen

Großes Vertrauen in den Finanzplatz Frankfurt

Seit Oktober 2019 ist Frankfurt Solutions Mitglied bei Frankfurt Main Finance. Wir haben David Kleinz, Gründer des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens für Informationssicherheit, drei Fragen zur Mitgliedschaft bei Frankfurt Main Finance gestellt. Weiterlesen

Finanzplatz Frankfurt

Finanzplätze Frankfurt und Dubai arbeiten künftig enger zusammen

Frankfurt am Main – Frankfurt Main Finance e.V. (FMF) und das Dubai International Financial Centre (DIFC) haben sich am Montag, den 4. November 2019, auf ein Memorandum of Understanding und damit auf einer engeren Kooperation beider Finanzplätze verständigt.

Arif Amiri, Chief Executive Officer des DIFC, und Hubertus Väth, Geschäftsführer von FMF, unterzeichneten das Abkommen in Anwesenheit des deutschen Generalkonsuls Holger Mahnicke und Yusef Ahmed, Geschäftsführer von Frankfurt International Consulting, in Dubai.

Im Rahmen einer Roadshow besucht Väth mit einer Frankfurter Delegation in dieser Woche den Nahen Osten. Sie nahmen unter anderem an einer Paneldiskussion zum Thema „The European financial landscape after Brexit and Germany´s increasing role” des DIFC teil.

„Ich bedanke mich nochmals ausdrücklich bei Arif Amiri, dem deutschen Generalkonsul Herrn Mahnicke und dem Team der Frankfurter Delegation für diesen gemeinsamen Schritt. Das Abkommen mit DIFC wird uns eine engere Zusammenarbeit und einen intensiveren Informationsaustausch ermöglichen.“

Frankfurt und Dubai werden in den kommenden Wochen und Monaten die gemeinsamen Pläne umsetzen und damit ihr freundschaftliches Verhältnis festigen und einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung ihrer jeweiligen Finanzplätze beitragen.

Games of Thrones im Rheingau

Das Kloster Eberbach: Neun Jahrhunderte Wein, Kultur, Architektur und Filmkulisse

In einem Trailer für „Games of Thrones“ ging Tyrion Lennister durch den Kirchenraum, während ein Drache durch die Fensterrosette eindrang. Drei Jahrzehnte zuvor löste Weltstar Sean Connery als William von Baskerville im „Der Name der Rose“ das Rätsel um eine antike Handschrift. Kloster Eberbach im Rheingau diente in beiden Filmen als mystische Location für mitreißende, spannende Innenaufnahmen. Wolfgang Gerhardt war für uns im Kloster Eberbach mit der Kamera unterwegs.

In einem Games of Thrones-Trailer ging Tyrion Lennister durch diesen Kirchenraum im Kloster Eberbach, während ein Drache durch die Fensterrosette eindrang.

Denn Kloster Eberbach ist mehr als nur eine Filmkulisse. Kein anderer Ort im Rhein-Main-Gebiet vereinigt neun Jahrhunderte Geschichte, Baukunst, Kultur, Religion und Weinbau. Mitten im Rheingau, rund 50 Kilometer von Frankfurt entfernt, bietet die ehemalige Klosteranlage historisch Interessierten, Weinbegeisterten, Konzertgästen und Familien ein faszinierendes Ambiente. Und jetzt im Herbst leuchten die Weinberge zudem in einem magischen Licht.

Beeindruckende Architektur aus romanischer und frühgotischer Zeit

Gegründet 1136 von Zisterziensern des Heiligen Bernhard von Clairvaux, entwickelte sich das Kloster Eberbach rasch zu einem der größten und bedeutendsten Klöster Deutschlands. Ein imposanter Klosterbau entstand fernab größerer Orte.

Die dreischiffige, romanische Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert ist von der Schlichtheit geprägt, die für den Zisterzienserorden typisch ist. An kaum einem anderen Ort in Deutschland wird der Purismus romanischer Architektur so deutlich wie im Kloster Eberbach. Im 13. und 14. Jahrhundert entstand der gotische Schlafsaal der Mönche mit einem eindrucksvollen Kreuzrippengewölbe. In diesem damals ganzjährig unbeheizten Raum mit einer Länge von 72 Metern übernachteten damals bis zu 150 Mönche auf hölzernen Pritschen.

Die Nachtruhe war kurz, denn schon nach Mitternacht wurden die Mönche zum ersten Chorgebet in die Kirche gerufen.

Schlafsaal der Mönche im Kloster Eberbach

Spitzenweine aus dem Rheingau

Der Weinbau, den die Mönche aus dem Burgund im Jahr 1136 mitgebracht hatten, wurde rasch zu einer wichtigen wirtschaftlichen Grundlage für das Kloster. Nach wenigen Jahrhunderten war Kloster Eberbach das größte deutsche Weingut.

Die ehemalige Schreibstube der Mönche ist heute ein Weinkeller, der als „Cabinet“ zur Einlagerung besonders wertvoller Weine genutzt wird. Er ist fester Bestandteil des Klosterrundgangs. Im ehemaligen Speisesaal der Laienbrüder stehen 12 große Weinpressen – die älteste aus dem Jahr 1668. Die Spitzenstellung des Weinguts zeigen natürlich die Riesling-Weine, die für den Rheingau charakteristisch sind. Ebenso angebaut werde die anspruchsvollen Rebsorten Spät-, Weiß- und Grauburgunder (Pinot Noir, Blanc und Gris).

Weinlese Kloster Eberbach

Von der Säkularisation bis zur Event- und Film Location

Im Rahmen der Säkularisierung wurde das Kloster im Jahr 1803 aufgehoben – und erlebte danach mehrere Eigentümer und viele verschiedene profane Nutzungen. 1986 begann eine Generalsanierung, 1998 wurde die Anlage in eine öffentlich-rechtliche Stiftung des Landes Hessen überführt, und so präsentiert sich Kloster Eberbach heute mit einer Vielfalt von Angeboten.

Die Basilika ist in den Sommermonaten eine der wichtigsten Spielstätten des Rheingau Musik-Festivals. Schlenderweinproben bieten eine faszinierende Mischung aus Kunst- und Weingenuss, während bei abendlichen Führungen die Teilnehmer durch nur mit Kerzen beleuchtete Räume gehen. KulturKids-Tage für die ganze Familie bringen Kindern und ihren Eltern die Welt des Mittelalters nahe. Das Museum dokumentiert die Geschichte des Klosters, die Vinothek wiederum die hohe Qualität des Rheingauer Weins. Und nicht zuletzt wird das Kloster für Filme genutzt: Die Innenaufnahmen für Umberto Ecos „Der Name der Rose“ entstanden 1986 – die Innenaufnahmen für einen Trailer zur Serie „Games of Thrones“ im Jahr 2015.

Kloster Eberbach

Die Übersicht über Öffnungszeiten und die Veranstaltungen finden Sie auf der Website des Kloster Eberbach.

Beitrag und Fotos: Dr. Wolfgang Gerhardt.