Eigenkapitalforum Frankfurt

Das Happening der Finanzgemeinde: Rückblick auf das Deutsche Eigenkapitalforum 2019

Keine Angst: Mit Aktionskunst der sechziger Jahre hat die jährliche Zusammenkunft von Unternehmen, Investoren und Dienstleistern wenig gemein. Auch bleiben die ungeplanten Interaktionen mit dem Publikum in der Regel friedlich – etwa wenn die Folienanordnung im Handout nicht der Struktur der wörtlichen Rede entspricht, der gezeigte Werbefilm auf wenig Gegenliebe bei den Investoren trifft oder der ein oder andere Übernahmekandidat vor lauter Aufregung einfach vergisst, zum besseren Verständnis seine aktuelle Aktionärsstruktur darzustellen. Das Deutsche Eigenkapitalforum, das 2019 vom 25. bis 27. November in Frankfurt am Main stattfand, hat dennoch durchaus Happening-Qualitäten. Oder – in den Worten von Holger Clemens Hinz, Leiter Kapitalmarktgeschäft der Quirin Privatbank AG: „Das EK-Forum ist wie das Klassentreffen der Finanz-Community im deutschsprachigen Raum.“

Über 7.000 angefragte Einzelgespräche

„Als langjähriger Leiter Investor Relations suche und nutze ich immer, auch lange vor MiFID II, jede Gelegenheit zum Kontakt mit Investoren. Konferenzen sind da willkommen, weil sie für beide Seiten den Aufwand minimieren. Das Eigenkapitalforum ist dafür die wertvollste Konferenz in Deutschland“, erklärt Dr. Joachim Fleïng, Head of Investor Relations bei der 3U Holding AG. Ob es nun den Auswirkungen von MiFID II geschuldet ist oder nicht: Die Zahl der teilnehmenden Unternehmen ist seit 2017 nochmals klar gestiegen. In diesem Jahr haben sich 250 zumeist Small and Mid Caps angemeldet, darunter knapp 30 Wachstumsunternehmen, die sich auf der Venture Stage präsentierten.

Peter Alex, Head of Investor Relations bei der Energiekontor AG bringt den Nutzwert auf den Punkt: „Für kleine Unternehmen eine absolute Muss-Veranstaltung!“ Das liegt nicht zuletzt an der intensiven Betreuung bei der Programmgestaltung. Aus über 7.000 angefragten Einzelgesprächen stellten die Veranstalter im intensiven Austausch mit den Unternehmen individuelle Konferenzpläne zusammen, so dass am Ende weit über 4.000 hochwertige Meetings stattfanden. Die Qualität spiegelt sich auch in der Beurteilung der Investoren wider: „Die One-on-ones sind perfekt, das hilft bei den Investitionsentscheidungen und den Follow-ups“, lobt Jens Große-Allermann, Vorstand der Investment AG, das Organisationsteam.

Vermehrtes Investoren-Interesse aus Benelux und Osteuropa

Mit rund 1.100 Investoren und Analysten war auch die kapitalgebende Seite stark vertreten. Etwa ein Drittel kam aus dem Ausland, das Interesse steigt vor allem in den Benelux-Ländern und Osteuropa, namentlich Polen. Die Konferenzsprache Englisch macht ebenso die Teilnahme von Investoren aus noch viel entfernteren Standorten attraktiv. Becky Wong, Co-founder und CEO von Globex Capital Partners mit Sitz in Hongkong, London und New York, unternahm die lange Anreise zum wiederholten Male: „EKF 2019, this is my 4th year of coming for this summit. I always find it worthwhile to make a trip here. I heard good presentations of so many SME companies and have chances to meet the CEOs or senior executives to have some interactive discussions.” Für sie spielt ebenso der fachliche Austausch mit den anderen Investoren eine wichtige Rolle: „It is also a great networking opportunity to connect with people of like mind in exploring investment opportunities in Germany.”

„Das Deutsche Eigenkapitalforum zählt zu den wichtigsten Kapitalmarktkonferenzen in Europa, das hat das hohe Interesse bei Investoren und Unternehmen wieder gezeigt. Fast 4.500 One-on-one-Meetings haben in diesem Jahr stattgefunden, ein neuer Rekord“, freut sich Falko Weinert, Key Account Manager Pre-IPO & Capital Markets bei der Deutsche Börse AG und Projektverantwortlicher für die Veranstaltung. „Das Rahmenprogramm aus Vorträgen und Paneldiskussionen wiederum bot spannende Experten wie etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer, der über den „Kalten Handelskrieg“ und seine Folgen berichtete. Außerdem ging es um die Investor-Relations-Arbeit, die Bedeutung von ESG bei Venture-Capital-Investoren und den Pfad vom Wachstumsunternehmen zum börsennotierten Unternehmen.“

Das Netzwerken steht im Vordergrund

Seit 1996 organisiert die Deutsche Börse das Eigenkapitalforum und hat damit eine der größten Informations- und Netzwerkveranstaltungen zum Themengebiet Unternehmensfinanzierung überhaupt geschaffen. Mit einem Sponsoring-Programm für ausgewählte Partner können sich Kapitalmarktspezialisten zusätzlich hervorheben und ihre Visibilität steigern. „Hier trifft sich das Who-is-who des Kapitalmarkts in Deutschland mit steigender Teilnehmerzahl auf Seiten der Investoren und Corporates“, kommentiert Silke Schlünsen, Head of Corporate Brokerage der Mainfirst Bank, das Engagement ihres Hauses. „Es ist die ideale Plattform, mit den Corporates und Investoren in Kontakt zu treten, um mit ihnen über spannende Themen des Kapitalmarktes zu sprechen.“

Weibliche Experten in der Unterzahl

Einziger Wehrmutstropfen: Becky Wong und Silke Schlünsen waren zwei der ganz wenigen weiblichen Kapitalmarktexperten vor Ort. Obwohl das Eigenkapitalforum von Hauke Stars, Vorständin der Deutschen Börse, und Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe, eröffnet worden war, blieben dies Ausnahmen. In manch einer Unternehmenspräsentation konnte man im vollbesetzen Auditorium die Zuhörerinnen an einer Hand abzählen. Dieses Missverhältnis war so auffällig, dass es ebenfalls bei den anwesenden Herren zum Gesprächsthema wurde. Hier sollte die Branche, die ESG-Themen und Diversität zunehmend zu ihren Hauptanlagekriterien erklärt, dringend an sich selbst arbeiten.

 

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß 

FinTechGermany

Bewerbungsphase für den 5. FinTechGermany Award gestartet

  • Bewerbungsfrist für eine der führenden Auszeichnungen für FinTech-Unternehmen in Deutschland und in Europa läuft bis zum 31. März 2020
  • Online-Bewerbung unter www.fintechgermanyaward.de
  • Offene Jury-Sitzung am 4. März 2020 auf dem Finanzplatztag der Börsen-Zeitung/WM Gruppe in Frankfurt
  • Verleihung am 14. Mai 2020 im TechQuartier, Frankfurt

Frankfurt am Main – Startschuss zur Bewerbungsphase für den 5. FinTech Germany Award (FTGA): Der zu den führenden Auszeichnungen für FinTech-Unternehmen in Deutschland zählende Preis bietet Jungunternehmen aus dem Finanzsektor die Möglichkeit, in bis zu acht Kategorien ausgezeichnet zu werden. Die Bewerbungsfrist läuft und endet am 31. März 2020, die Verleihung findet am 14. Mai 2020 in Frankfurt statt. Weitere Informationen über den Award und die Teilnahmebedingungen finden sich unter www.fintechgermanyaward.de.

Mit dem FinTech Germany Award zeichnet eine hochkarätig besetzte Jury im Auftrag der FTGA-Organisatoren Frankfurt Main Finance, TechFluence und WM Gruppe/Börsen-Zeitung herausragende FinTech-Unternehmen aus. An dem Wettbewerb können Finanz-Start-ups jeder Größe aus den unterschiedlichsten Sektoren – inklusive InsurTech – teilnehmen.

Die Jury vergibt die renommierte Auszeichnung in den folgenden Kategorien:

  • Seed Stage
  • Early Stage
  • Late Stage
  • Growth Stage
  • Best Foreign Entrant to Germany

Zudem wird es 2020 diese Sonderpreise geben:

  • InsurTech
  • Blockchain
  • Künstliche Intelligenz

Die Jury, geleitet von Michael Mellinghoff (TechFluence UK) und Franz Công Bùi (Börsen-Zeitung), besteht aus Sektorexperten, Unternehmern und Medienvertretern, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit Digitalthemen der Finanz- und Versicherungsbranche beschäftigen. Im Rahmen des Finanzplatztags der Börsen-Zeitung erhalten ausgewählte Start-ups am 4. März 2020 die Gelegenheit, sich vor der Jury zu präsentieren und deren Fragen zu beantworten.

Die festliche Preisverleihung findet am 14. Mai 2020 in Frankfurt im Beisein führender Köpfe der Finanz- und Versicherungsindustrie sowie der FinTech-Szene statt. Zu den FTGA-Gewinnern zählten in der Vergangenheit unter anderem Clark Germany, CRX Markets, Element Insurance, Exporo, Liqid, N26, Revolut, Scalable Capital, SolarisBank, TransferWise, Wefox Germany und WeltSparen/Raisin. Eine Übersicht über alle Preisträger des FinTech Germany Award ist unter www.fintechgermanyaward.de/about zu finden.

„Die Veranstaltung hat sich am Finanzplatz Deutschland etabliert und zu einer wichtigen Plattform für den Austausch zwischen Investoren und FinTech-Szene entwickelt.“, erklärt Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung. Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance, betont: „FinTechs sind für den Finanzstandort Frankfurt von enormer Bedeutung, damit die Region auch langfristig attraktiv und ökonomisch leistungsfähig bleibt.“ Dabei unterstreicht Michael Mellinghoff, Managing Director von TechFluence UK und Co-Vorsitzender der Jury: „Die deutsche FinTech-Industrie wächst und entwickelt sich in großen Schritten weiter. Wir befinden uns nach wie vor in einer Frühphase der Digitalisierung des Finanzbereichs.“

 

Deutschland: ein Wegbereiter für den „Mythos van Gogh“

50 Meisterwerke von Vincent van Gogh im Frankfurter Städel Museum

Der Besucherandrang ist riesig, denn die Werke eines Weltstars gastieren in Frankfurt. 50 zentrale Gemälde und Zeichnungen des niederländischen Malers Vincent van Gogh, begleitet von 70 Werken deutscher Künstler, sind bis zum 16. Februar 2020 im Frankfurter Städel Museum zu sehen. Begleiten Sie den Fotografen des Städel-Museums, Norbert Miguletz, auf einem Rundgang durch die Ausstellung.

Für die Ausstellung „Making van Gogh“ wurden die Gartenhallen des Städel Museums umgestaltet. Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

Die Schau im Städel „Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe“ ist einzigartig, weil sie Vincent van Gogh aus drei völlig unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sie beschäftigt sich mit der besonderen Malweise von Vincent van Gogh, mit der Entstehung des Mythos um seine Person und seiner nachhaltigen Wirkung auf deutsche Künstler.

Überraschende Vielfalt an unterschiedlichen Stilen

Viele Besucher werden überrascht sein, wie stark sich die Gemälde und Zeichnungen voneinander unterscheiden. Van Gogh war nicht auf einen Stil festgelegt. Vielmehr experimentierte er in der kurzen Schaffenszeit, die nicht mehr als ein Jahrzehnt bis zu seinem Tod im Jahr 1890 umfasste, teils auch zeitgleich, mit Malweisen des Realismus, Impressionismus, Pointilismus, Cloisonismus oder Symbolismus.

Ältere Gemälde zeichnen sich häufig durch flächige Kompositionen aus, bei der die einzelnen Farbzonen streng voneinander getrennt sind – viele der besonders bekannten Motive dagegen durch kurz gesetzte und unverbundene Pinselstriche. Die Ausstellung ermöglicht, aus der Nähe zu studieren, wie diese Bilder von einem übergeordneten Rhythmus durchpulst zu sein scheinen.

50 zentrale Gemälde und Zeichnungen van Goghs – viele aus Museen in Deutschland oder einstmals in deutschen Sammlungen. Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

Zerrbild vom Künstler am Rand des Wahnsinns

Van Gogh zeichnet sich durch eine strukturierte und regelhafte Malweise aus. Es ist deshalb ein Zerrbild, dass man ihn weithin als verkanntes Künstlergenie am Rande des Wahnsinns betrachtet. Mit der Wirklichkeit, die in der Schau deutlich wird, hat das wenig zu tun.

Schon im Jahr 1901 erste Ausstellung in Deutschland

Für van Goghs weltweite Anerkennung wurde Deutschland zu einem entscheidenden Wegbereiter. Die Schwägerin des Künstlers, Johanna von Gogh-Bonger, initiierte 1901 eine erste Ausstellung in Berlin, der bis zum Ersten Weltkrieg fast 120 Ausstellungen in Deutschland folgten, in denen Gemälde von van Gogh zu sehen waren.

So wurde der Maler einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland bekannt. Es festigte sich das Bild eines Vorreiters der modernen Malerei. Rund 150 Werke gelangten damals in private und öffentliche Sammlungen in Deutschland, nur auf Frankreich und die Niederlande entfielen mehr Werke. Die Hinweise zur Provenienz machen deutlich, wie viele Gemälde in der Ausstellung seit mehr als einem Jahrhundert in Deutschland sind oder zumindest für einige Jahre deutsche Eigentümer hatten.

Stilpluralismus van Goghs: Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer 1888 – Augstine Roulin 1889 – Selbstporträt 1887 – Weiden bei Sonnenuntergang 1888.
© Van Gogh Museum, Amsterdam; © Stedelijk Museum, Amsterdam; © The Art Institute of Chicago; © Kröller-Müller Museum, Otterlo.

Von Dr. Gachet gibt es nur noch den Originalrahmen

Das weltberühmte Bild des Arztes Dr. Gachet hat jedoch eine tragische Vergangenheit: Binnen kurzer Zeit zählte es zu den Glanzstücken des Städel Museums, seit es 1911 angekauft worden war. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Gemälde und verkauften es. 1990 wurde es für die Rekordsumme von 82,5 Mio. US-Dollar versteigert. Wo es heute ist, ist nur Eingeweihten des Kunstmarktes bekannt. Im Städel verblieb lediglich der Originalrahmen, durch den viele Besucher für ein Foto durchblicken – der Tragweite und Tragik des Verlustes hoffentlich bewusst.

Für deutsche Künstler Befreiungsschlag und Offenbarung

Für viele deutsche Maler der Jahrhundertwende – Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rotluff, Max Pechstein, August Macke oder Gabriele Münter – wurde die Malweise van Goghs zu einem Befreiungsschlag und zur Offenbarung. Ihre Faszination von dem niederländischen Maler war teilweise so ausgeprägt, dass Emil Nolde seinen Mitstreitern riet, ihre Künstlervereinigung nicht „Brücke“, sondern Van Goghiana“ zu nennen. Ihre Werke erweitern eindrücklich den Horizont der Ausstellung.

Ein starkes Zeichen für die Offenheit Frankfurts

Wie wichtig van Gogh für das Städel war und ist, betont die Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins e.V., Sylvia von Metzler: „Als der Städelsche Museums-Verein 1908 erste Werke Vincent van Goghs für das Städel Museum erwarb, war dies eine mutige und zukunftsweisende Entscheidung. Ohne die progressiven Sammlerpersönlichkeiten in der Stadt, die Bürgerschaft und vor allem die den Frankfurtern eigene Offenheit gegenüber neuen künstlerischen Strömungen wäre das Städel nicht das, was es heute ist.“

 

Mehr zur Ausstellung finden Sie unter auf der Website des Städel Museums (www.staedelmuseum.de)

 

Titelbild: Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

 

Von: Wolfgang Gerhardt.