CFS-Index bricht ein wie nie zuvor

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, bricht um 15,4 Punkte ein auf 98,8 Punkte. Dies ist der stärkste jemals gemessene Rückgang seit Beginn der Index-Erhebungen im Jahr 2007. Erstmals seit 2009 wird damit wieder ein negatives Niveau unter dem neutralen Stand von 100 Punkten erreicht. Insbesondere die Erwartungen der Finanzbranche haben sich für das laufende Quartal verdüstert. Es wird mit enormen Umsatz-, Ertrags- und Investitionseinbrüchen gerechnet, wobei besonders die Dienstleister einen extremen Rückgang bei den Umsätzen und Erträgen und nun auch einen Stellenabbau erwarten. Der seit längerem anhaltende Stellenabbau der Finanzinstitute bleibt hingegen nahezu konstant, für das laufende Quartal wird kein so starker Einbruch erwartet wie bei den anderen Indexwerten.

„Eine derart starke Verdüsterung der Erwartungen in der Finanzindustrie hinsichtlich aller gemessenen Leistungszahlen – Umsatz, Ertrag, Mitarbeiter, Investitionen — hat es seit Beginn der Erhebung im Jahre 2007 nicht gegeben, auch nicht während der Finanzkrise 2008. Es scheint daher wichtig, dass bei allen Corona-induzierten Rettungs- und Wiederaufbaumaßnahmen die Auswirkungen auf die Finanzstabilität höchste Aufmerksamkeit erfährt – zumal wir nun ein Aufsichtsregime geschaffen haben, das einen pauschalen Bailout erschwert“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Bedingt durch die Corona-Krise, wird auch die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland verstärkt rückläufig eingeschätzt. Der entsprechende Wert sinkt um 5,8 Punkte auf 111,2 Punkte und befindet sich nun auf einem so niedrigen Niveau wie zuletzt im Jahr 2012. Dieser Rückgang liegt verstärkt in der Einschätzung der Dienstleister begründet. Der entsprechende Index-Wert dieser Gruppe befindet sich mit 113,7 Punkten 7,8 Punkte unter dem Stand des Vorquartals. Die Beurteilung der Finanzinstitute sinkt um 3,6 Punkte auf 108,8 Punkte.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., erläutert: „Der Einbruch bei der Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland ist der Unsicherheit und dem noch nicht klar absehbaren Verlauf der globalen Corona-Pandemie geschuldet. Tatsächlich gilt Deutschland als Vorreiter im Umgang mit der aktuellen Krise. Die Bundes- und Landesregierung kann auf eine leistungsfähige Finanzwirtschaft zurückgreifen und den milliardenschweren ´Corona-Schutzschild für Deutschland´ binnen kürzester Zeit auf den Weg bringen, ohne dabei negative Reaktionen an den Kapitalmärkten auszulösen.“

Finanzbranche erwartet enorme Umsatz-, Ertrags- und Investitionseinbrüche für das laufende Quartal

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister melden einen deutlichen Rückgang ihrer Umsätze bzw. ihres Geschäftsvolumens im ersten Quartal 2020. Der entsprechende Indexwert verringert sich im Vergleich zum Vorquartal bei den Finanzinstituten um 8,2 auf 112,4 Punkte bzw. um 13,8 auf 108,6 Punkte bei den Dienstleistern. Beide Branchen liegen mit dieser Meldung für das erste Quartal aber immer noch nur 2,6 Punkte unter dem Vorjahresniveau. Jedoch erwartet die Finanzbranche für das laufende Quartal den stärksten Umsatzeinbruch seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007 und einen Indexwert von weit unter 100 Punkten.

Die Erträge beider Gruppen entwickeln sich im ersten Quartal 2020 analog zu den Umsätzen. Der entsprechende Sub-Index erreicht bei den Finanzinstituten mit einem Rückgang um 8,0 Punkte einen Wert von 103,3 Punkten und befindet sich immerhin noch 2,3 Punkte über dem Stand des Vorjahres. Die Dienstleister verzeichnen einen extremen Rückgang des Ertragswachstums. Der Sub-Index sinkt um 16,4 Punkte auf 106,4 Punkte, was aber für das erste Quartal immer noch annähernd dem Stand des Vorjahres entspricht. Jedoch wird auch für die Erträge für das laufende Quartal ein außergewöhnlich starker Einbruch bis weit unter 100 Punkte erwartet.

Wachstum des Investitionsvolumens nun unter dem Vorjahresniveau

Auch das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzbranche ist im ersten Quartal 2020 gesunken, jedoch nicht in dem Ausmaß wie die Umsatz- und Ertragswerte. Der entsprechende Sub-Index verringert bei den Finanzinstituten um 6,9 auf 101,8 Punkte und bei den Dienstleistern um 4,5 auf 108,1 Punkte. Die Finanzinstitute liegen nun 10,2 Punkte und die Dienstleister 6,7 Punkte unter deren Vorjahresniveau. Für das laufende Quartal rechnet die Finanzbranche mit einem kräftigen Investitionsrückgang auf ein Niveau von deutlich unter 100 Punkten. Der Rückgang der Investitionen fällt jedoch bei den Dienstleistern weniger stark aus, als die extremen erwarteten Umsatz- und Ertragsrückgänge dieser Branche.

Finanzinstitute: Stellenabbau im ersten Quartal nahezu konstant – für das laufende Quartal kein so starker Einbruch erwartet wie bei den anderen Indexwerten / Dienstleister: Erstmals seit 2009 wird wieder ein Stellenabbau erwartet

Der seit längerem anhaltende Stellenabbau der Finanzinstitute fällt im ersten Quartal 2020 geringer aus als im Vorquartal. Der Mitarbeiter-Sub-Index steigt entsprechend um 0,7 Punkte auf 95,2 Punkte und liegt somit nur 1 Punkt unter dem Vorjahresstand. Die Dienstleister stellten im ersten Quartal 2020 zwar weniger Mitarbeiter ein als in den Vorquartalen, liegen aber kaum unverändert im positiven Bereich. Der entsprechende Sub-Index verweilt mit -0,6 Punkten bei 105,5 Punkten. Für das laufende Quartal rechnen die Finanzinstitute zwar mit einem steigenden Rückgang der Mitarbeiterzahlen, jedoch weniger drastisch als die erwarteten Rückgänge der anderen Indexwerte. Hingegen erwarten die Dienstleister erstmals seit dem Jahr 2009 wieder einen Stellenabbau.

 

 

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

 

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

CFS-Umfrage zu den „Auswirkungen der Corona-Krise“

Deutsche Finanzbranche rechnet mit schwerwiegenderen Folgen für die Wirtschaft als in der Finanzkrise 2008 – Eigenkapitalmaßnahmen überwiegend begrüßt

Eine Umfrage des CFS unter Führungskräften in der Finanzbranche zeigt, dass ca.  78% der Befragten damit rechnen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise deutlich schwerwiegender sein werden als in der Finanzkrise 2008.

Die von der Bundesregierung beschlossenen Rettungsmaßnahmen im Umfang von derzeit ca. 750 Milliarden € bestehen bislang überwiegend aus Sonderkrediten und Kreditgarantien.

Mehr als 60% der Umfrageteilnehmer halten die die Maßnahmen der Bundesregierung für angemessen, weitere 24% der Befragten wünschen sich noch höhere Förderbeträge und lediglich 12% halten das gegenwärtige Hilfspaket für überzogen. Gefragt, in welcher Form diese Hilfen erbracht werden sollen, würden es knapp 80% der Teilnehmer begrüßen, wenn zusätzlich zu den Kreditprogrammen mehr Eigenkapitalinstrumente genutzt würden, um die Verschuldung der Unternehmen nicht weiter ansteigen zu lassen. Nur 13% der Befragten lehnen Eigenkapitalmaßnahmen ab.

„Die Akzeptanz von Hilfen in Form von Eigenkapital würde wohl seitens der Finanzindustrie starke Unterstützung finden – hier könnte ein Schlüssel zur Sicherung und Rückgewinnung der Finanzstabilität in Europa liegen“, erläutert Professor Dr. Jan P. Krahnen, wissenschaftlicher Direktor des Center for Financial Studies.

Umstritten ist unter den Befragten, ob die Hilfsgelder europaweit koordiniert, d.h. nach einheitlichen Standards vergeben werden sollten. Dies befürworten immerhin 54% der Befragten aus dem Finanzsektor, 41% lehnen dies ab.

Die Hilfsprogramme in Europa sind sehr unterschiedlich dimensioniert – groß In Deutschland, klein in Italien. Stellen diese Unterschiede mittelfristig eine Gefährdung der Europäischen Währungsunion/Eurozone dar? Die Hauptgefahr für die Eurozone sehen die Befragten deutlich in der ungleichen Dimensionierung der Hilfsprogramme im Norden und im Süden Europas – 85% sehen hier Gefahren aufziehen.

„Da die ungleiche Dimensionierung viel stärker als Problem benannt wird, als die mangelnde internationale Koordinierung der Programme, liegt hier vielleicht eine wichtige Erkenntnis für die Politik: Es liegt im Eigeninteresse auch der Nordländer, der Asymmetrie in den Rettungsprogrammen auf europäischer Ebene entgegenzuwirken – egal ob koordiniert oder nicht“, erläutert Professor Dr. Jan P. Krahnen.

Der Finanzsektor sieht aufgrund der umfangreichen Hilfsprogramme auf Ebene der EU und den einzelnen Mitgliedstaaten ganz überwiegend (ca. 85%) das Risiko einer Gefährdung für die Stabilität der Europäischen Währungsunion. Die Einführung von Gemeinschaftsanleihen in Form von Corona Bonds lehnen ca. 48% der Teilnehmer ab, ca. 23% können sich diese jedoch vorstellen, ein auffallend hoher Anteil von ca. 30% hat dazu keine dezidierte Meinung.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die aktuelle Krise fordert und fördert die globale Koordination in den Bereichen Medizin, Wissenschaft und Wirtschaft. Zwar begünstigte die weltweite Vernetzung die schnelle Verbreitung der Corona-Pandemie, sie ist aber auch Teil der Lösung, weil man durch Zusammenarbeit schneller sein kann. Dem wird noch zu wenig Rechnung getragen.“

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Welt-Dachverband der Finanzzentren veröffentlicht Bericht zum Thema “The role of financial centers in driving economic growth“

Im Jahr 2018 haben sich Vertreter führender internationaler Finanzzentren aus der ganzen Welt versammelt, um eine neue strategische Initiative anzukündigen: den Weltverband der internationalen Finanzzentren (WAIFC). Die WAIFC ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Belgien. Sie repräsentiert führende internationale Finanzzentren und erleichtert ihre Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch.

Im Kontext der gegenwärtigen Unsicherheiten mit den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und den Anzeichen eines weltweit verlangsamten Wachstums, müssen die Finanzzentren eine noch wesentlichere Rolle spielen, um eine notwendige Erholung und die Ausrichtung der Volkswirtschaften auf eine nachhaltige Entwicklung unter Berücksichtigung sozialer Bedürfnisse zu begleiten.

Die WAIFC hat zusammen mit ihrem Mitglied Casablanca Finance City einen Bericht über die „Rolle von Finanzzentren bei der Förderung des Wirtschaftswachstums“ veröffentlicht, in dem die Breite und Vielfalt der Aktivitäten von Finanzzentren bei der Finanzierung ihrer Realwirtschaft hervorgehoben werden.

Elf Finanzzentren haben mit ihren Erfahrungen zum Bericht beigetragen:

    • Abu Dhabi Global Market
    • Astana International Financial Center
    • Belgian Finance Center
    • Busan International Financial Center
    • Casablanca Finance City
    • Frankfurt Main Finance
    • Hong Kong Financial Services Development Council
    • Luxembourg for Finance
    • Paris Europlace
    • TheCityUK
    • Toronto Finance International

Die Finanzindustrie befindet sich in einem Strukturwandel. Heutzutage sind unsere Mitglieder bei Themen wie Umweltfinanzierung, technologische Innovation und Infrastruktur sowie der Finanzierung sozialer und territorialer Entwicklungen aktiv. Internationale Finanzzentren sind stärker auf neue Technologien angewiesen, und unsere Mitglieder haben Innovationen in der Finanzbranche vorangetrieben, indem sie die Einführung innovativer Technologien von Cloud Computing und Blockchain bis hin zu künstlicher Intelligenz und Big Data unterstützt haben. Darüber hinaus fördern unsere Mitglieder zunehmend alle Segmente der nachhaltigen Finanzierung und bemühen sich sicherzustellen, dass ökologische und soziale Aspekte angemessen berücksichtigt und in Zukunft in den Finanzsektor integriert werden.
Der neue Bericht bietet einen Überblick über diese Aktivitäten. Er steht zum kostenlosen Download unter frankfurt-main-finance.com/uploads zur Verfügung.

 

Arnaud de Bresson, Vorsitzender des Vorstands der WAIFC und CEO von Paris Europlace: „Die WAIFC wurde gegründet, um die Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzzentren zu fördern und ein globales Netzwerk aufzubauen. Ziel ist es, den Dialog und den Erfahrungsaustausch zwischen ihnen zu beschleunigen und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu entwickeln. Unser Kernziel ist es, dass das Finanzwesen sich nicht auf sich selbst konzentriert, sondern der realen Wirtschaft auf der ganzen Welt dient. Wir setzen uns dafür ein, globalen wirtschaftlichen Transformationen zu unterstützen, die Kombination von öffentlicher und privater Finanzierung zu fördern und zur Erreichung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung in der ganzen Welt beizutragen.“

Said Ibrahimi, Vorstandsmitglied der WAIFC und CEO von Casablanca Finance City: „Als Gründungsmitglied der WAIFC und als erstes Finanzzentrum in Afrika, das der Allianz beigetreten ist, ist CFC stolz darauf, eine afrikanische Perspektive einzubringen, die das Niveau der internationalen Zusammenarbeit und ihr Engagement für die sozioökonomische Entwicklung des Kontinents zeigt. Wir glauben fest an das Potenzial Afrikas und an die zentrale Rolle, die Finanzzentren für das wirtschaftliche und soziale Wachstum spielen, und wir streben durch diesen Bericht an, diese Vorteile über die Finanzwelt hinaus bekannt zu machen.“

Dr. Jochen Biedermann, Geschäftsführer der WAIFC: „Finanzzentren sind für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums von entscheidender Bedeutung. Sie bieten die Infrastruktur für Investitionen, die das unternehmerische Handeln und die wirtschaftliche Entwicklung in Branchen und Gemeinden vorantreiben und zunehmend zu einer nachhaltigen Entwicklung und der Stärkung der Finanzkompetenz beitragen. Unsere Mitglieder begrüßen Innovationen und treiben die Entwicklungen in diesem Bereich aktiv voran. Sie bieten Start-ups mit neuen Ideen und innovativen Geschäftsmodellen einen fruchtbaren Boden. Die Vielfalt der WAIFC-Mitglieder ist eine wichtige Stärke.“

Hubertus Väth, Vorstandsmitglied der WAIFC und Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance: „Frankfurt Main Finance ist stolz darauf, Mitbegründer des WAIFC-Netzwerkes zu sein. Gerade in Zeiten, in denen die Finanzindustrie vor gewaltigen Herausforderungen steht, wird deutlich, dass Lösungen in einer vernetzten Welt oft nur im internationalen Schulterschluss gefunden werden können. Das gilt insbesondere für die Finanzbranche. Der Finanzplatz Frankfurt, im Herzen von Europa, ist natürlicher Partner in einer solchen Kooperation.“

 

Die World Alliance of International Financial Centers (WAIFC) ist ein in Belgien registrierter gemeinnütziger Verein, der 16 führende internationale Finanzzentren auf vier Kontinenten vertritt. Die Mitglieder der WAIFC sind Stadtverwaltungen, Verbände und ähnliche Institutionen, die ihre Finanzzentren entwickeln und fördern.

In einer Zeit bahnbrechender neuer Technologien und eines raschen sozialen Wandels sind Finanzzentren für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums von entscheidender Bedeutung. Ziel der WAIFC ist es daher, ein transparentes Netzwerk zu schaffen, das die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch erleichtert, sowie das Verständnis der Bedeutung internationaler Finanzzentren für die nationale und globale Wirtschaft sowie die soziale Entwicklung fördert.

Schutzschild für Deutschland vom Finanzplatz – Gastbeitrag von Dr. Lutz Raettig in der Börsenzeitung

Für den milliardenschweren Schutzschild für die Wirtschaft greift die Politik auf eine leistungsfähige Finanzwirtschaft zurück. Unter Führung der KfW kommt die gesamte Breite des Förderbankensystems und der Infrastruktur am Finanzplatz zum Einsatz.

„Spare in der Zeit, so hast Du in der Not.“ Dieses einprägsame deutsche Sprichwort charakterisierte die Haushaltspolitik der Bundes- und Landesregierungen. International war die „Schwarze Null“, der Überschuss in den Haushalten von Bund und Ländern, seit langem ein Reizthema. Nun ist es aber genau dieser Spielraum, der es der Politik erlaubt, den „Corona-Schutzschild für Deutschland“ in einem Umfang von voraussichtlich über 500 Mrd. Euro binnen kürzester Zeit auf den Weg zu bringen, ohne dabei an den Kapitalmärkten negative Reaktionen auszulösen.

Das größte Hilfspaket seit dem Zweiten Weltkrieg umfasst Kurzarbeitergeld, die Stundung von Sozialabgaben, steuerbegünstigte Einmalzahlungen an Beschäftigte sowie eine Vielzahl von Hilfs- und Kreditprogrammen für Selbständige, kleine, mittlere und große Unternehmen. Dabei variieren die Zinsen leicht, in Abhängigkeit vor allem der Haftungsfreistellung für die Hausbank.

Deutschland als Vorreiter

Die Regierungen haben auf der Ebene von Bund und Ländern schnell, richtig und mutig gehandelt. Dabei greifen sie auf eine leistungsfähige Infrastruktur am Finanzplatz zurück, die seit Jahrzehnten erfolgreich genutzt wird. Bei der schnellen und effizienten Bearbeitung und Auszahlung der Kredite sind Staat, Förder- und Hausbank eingespielt.

Der Kreditnehmer beantragt ein Darlehen bei seiner Hausbank, die Berechtigung und Bonität überprüft, während eine Förderbank die Gelder bereitstellt. Die Hausbank wird – je nach Programm – bis zu 100 % von der Haftung freigestellt, während die Förderbank sich am Markt günstig refinanzieren kann, weil sie explizit oder über das Rechtsinstitut von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung implizit über eine Art von Staatsgarantie verfügt. Aufgrund der Eilbedürftigkeit wurden im Übrigen meist keine neuen Programme entwickelt, sondern der Zugang zu den bestehenden erleichtert.

Deutschland verfügt mit der KfW Bankengruppe und der Landwirtschaftlichen Rentenbank über zwei bundeseigene Förderbanken. Daneben haben die Bundesländer noch eigene Investitions- und Förderbanken. Die KfW trug ihr Unternehmensziel lange Jahre im Namen, denn sie wurde im Jahr 1948 als „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ im Zuge des Marshall-Plans gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Polen vergleichbare Institutionen. Erst ab 1989 – zunächst in den Ländern Mittel- und Osteuropas, danach ab 2008 auch in anderen EU-Ländern – wurden vergleichbare Institute gegründet. Heute ist die KfW eine der führenden Förderbanken der Welt mit einem „AAA“-Rating der drei wichtigsten Ratingagenturen.

Sorge um Finanzstabilität

Mit den Kreditprogrammen mandatiert die Politik das deutsche Bankensystem, auf der Basis ihrer eingehenden Kenntnisse und Erfahrungen den Unternehmenskunden die finanzielle „Medizin“ zur „Akutversorgung“ und späteren „Rehabilitation“ zur Verfügung zu stellen

Die Corona-Pandemie zeigt, wie wertvoll eine Finanzwirtschaft in der Krise für die Realwirtschaft sein kann. Allerdings ist auch die Finanzindustrie nicht vor den Risiken der drastischen Maßnahmen gefeit. Es muss also auch bei den Banken weiterhin das Vorsichtsprinzip gelten.

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn Politik und Aufsicht die Banken zum Verzicht auf Boni und Dividendenzahlungen für das abgelaufene Jahr 2019 drängen, zumindest dann, wenn den Banken die Ausschüttungen nicht wieder als Kapital zufließen. Zwar haben die Banken ihr Eigenkapital deutlich erhöht, aber der weitere Verlauf der Krise ist keineswegs klar genug absehbar, um schon heute eine ausreichend belastbare Risikoeinschätzung vornehmen zu können.

BaFin und Bundesbank, auf europäischer Ebene gemeinsam mit Europäischer Zentralbank und den Finanzaufsichtsbehörden, haben bereits weitreichende Maßnahmen ergriffen, die präventiv wirken sollen. BaFin-Präsident Felix Hufeld brachte es auf den Punkt: „Das bestehende Regelwerk ermöglicht ein hohes Maß an aufsichtlicher Flexibilität, die wir umfassend nutzen. Wir entlasten die Banken da, wo es ohne Einbußen für die Finanzstabilität möglich ist.“

Lehren aus Pandemie ziehen

Wer die Internetseite der BaFin zu Corona aufruft, bekommt einen Eindruck über die Palette der Maßnahmen. Sie beziehen sich auf Banken-, Versicherungs- und Wertpapiermärkte und reichen vom Verzicht auf den geplanten antizyklischen Kapitalpuffer über die Behandlung von Problemkrediten, die Verschiebung von Basel-III-Standards um ein Jahr bis hin zur Unterdeckung bei Pensionsfonds und Meldepflichten gemäß Marktmissbrauchsverordnung.

So wie die Finanzkrise 2008 sollte auch die Corona-Pandemie 2020 zur Neuorientierung genutzt werden. Dabei sollte klar sein, dass Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt über eine leistungsfähige Finanzwirtschaft verfügen muss, um Krisen zu meistern.

Neben den Förder- und Hausbanken kommt auch dem Kapitalmarkt eine bedeutende Rolle zu, denn hier werden die Programme finanziert. Dem Finanzplatz Frankfurt kommt dabei in Europa eine herausragende Stellung zu. Nach und nach sollten auch die Kapitalsammelstellen in die Finanzierung des Neustarts einbezogen werden, da sie bestehende Programme hebeln und damit verstärken können. Auch die Rolle internationaler Finanzinstitute ist nicht zu unterschätzen. Hier hat Frankfurt in den vergangenen Jahren gepunktet, indem man über 30 internationale Finanzinstitute mit der neuen EU-Zentrale an den Main holen konnte. Diese Institute sehen nun, dass ihre Standortwahl richtig war, weil Herausforderungen am Finanzplatz pragmatisch gelöst wurden.

Auch die Regulierung wird nun einem Härtetest unterzogen. Ohne Zweifel werden viele Komponenten nachweislich zur Stabilität beitragen. Andere Regeln werden im Licht der Krise zu überprüfen sein, vor allem dann, wenn die Komplexität in ungünstigem Verhältnis zum Zielbeitrag steht.

Denn klar ist in jedem Fall: Die Digitalisierung wird einen enormen Schub erfahren. Der wird unumkehrbar sein. Vereinfachung und Entbürokratisierung bestehender Regulierung erleichtert die Digitalisierung enorm. Hier sollten die Kriterien bei allen Beteiligten justiert werden. Unser weltweit so geschätzter Perfektionismus sollte im Licht der Krise pragmatisch justiert werden. Schließlich erleben wir jetzt alle, wie mit etwas Flexibilität die Herausforderungen des Lockdowns gemeistert werden können, wie man es sich noch vor wenigen Wochen nicht vorstellen konnte.

Welche Anstrengungen die Corona-Pandemie von Politik, Bevölkerung und Wirtschaft noch verlangen wird, lässt sich noch nicht seriös prognostizieren. Ob es sich um einen „Schwarzen Schwan“ oder – so wie der Autor des gleichnamigen Buches, Nassim Taleb, behauptet – nur um einen erwartbaren Schock handelt, ist aktuell eher eine akademische Frage. Wir können nur hoffen, dass die Medizin rasch einen Impf- und/oder Wirkstoff gegen das Coronavirus findet und sich alle Verantwortlichen auf Maßnahmen einigen können, künftigen Pandemien gesundheitlich und wirtschaftlich besser vorzubeugen. Dazu wird dann hoffentlich auch wieder gehören, in der Zeit für die Not zu sparen.

Welt-Dachverband der Finanzzentren veröffentlicht Corona-Bericht

Der Weltverband der internationalen Finanzzentren (WAIFC) betont die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie für Wirtschaft und Finanzindustrie. „Um die Chancen zu maximieren, diesen Krieg gegen das Virus zu gewinnen, müssen wir unsere Erfahrungen teilen und zusammenarbeiten“, erklärte Arnaud de Bresson, Vorsitzender des Vorstands der WAIFC und CEO von Paris Europlace, anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts zur Rolle der Finanzzentren in der COVID-19-Krise.

Die WAIFC hat zusammen mit ihrem Mitglied Frankfurt Main Finance den Bericht mit dem Titel „Wie globale Finanzzentren bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie helfen können“ erarbeitet, in dem sowohl Lehren aus der Vergangenheit als auch die laufenden Aktivitäten ihrer Mitglieder anschaulich beschrieben werden.

Die weltweit aufgelegte Publikation enthält unter anderem ein Interview mit Christopher Hui, dem Exekutivdirektor des Hong Kong Financial Services Development Council, der erklärt, warum sich Hongkong schnell von der SARS-Krise 2003 erholen konnte und was Hongkong damals für die aktuelle Krise gelernt hat. Hiroshi Nakaso, der Chairman von FinCity.Tokyo, spricht über die Lehren aus dem Tohoku-Erdbeben im Jahr 2011: „Die Bank von Japan hat eine lange Tradition darin, schnell auf eine Krise zu reagieren, wenn sie sich anbahnt“.

Der vollständige Bericht steht zum kostenlosen Download unter https://frankfurt-main-finance.com/wp-content/uploads/2020/04/WAIFC_Publication-on-COVID-19.pdf zur Verfügung.

 

Hubertus Väth, Mitglied des Vorstands der WAIFC und Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, erklärt:
„Wir können viel voneinander und von der Geschichte lernen. Finanzplätze wie Hongkong oder Tokio haben in der Vergangenheit ähnliche Herausforderungen erfolgreich gemeistert. Wir sollten uns diese Erfahrungen zunutze machen. Das ist die Motivation unserer Publikation. Wir sprechen nicht nur über die heutigen Entwicklungen und erfolgversprechende Ansätze, sondern wir reflektieren auch historische Erfahrungen. Sie werden zeigen, dass unsere Finanzsysteme für die Lösung der Probleme von wesentlicher Bedeutung sind und dass die Welt mit solchen Herausforderungen fertig werden kann, wenn man den richtigen Weg wählt.“

Dr. Jochen Biedermann, Geschäftsführer der WAIFC, erklärt:
„Unsere Mitglieder, die führenden Finanzzentren der Welt, stehen zusammen und tragen ihren Teil dazu bei die momentane Krise abzumildern und eine schnelle wirtschaftliche Erholung vorzubereiten. Dies ist ein sehr gutes Zeichen und ermutigt uns, unsere Arbeit mit voller Kraft fortzusetzen.“

Die World Alliance of International Financial Centers (WAIFC) ist ein in Belgien registrierter gemeinnütziger Verein, der 16 führende internationale Finanzzentren auf vier Kontinenten vertritt. Die Mitglieder der WAIFC sind Stadtverwaltungen, Verbände und ähnliche Institutionen, die ihre Finanzzentren entwickeln und fördern.

 

In einer Zeit bahnbrechender neuer Technologien und eines raschen sozialen Wandels sind Finanzzentren für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums von entscheidender Bedeutung. Ziel der WAIFC ist es daher, ein transparentes Netzwerk zu schaffen, das die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch erleichtert, sowie das Verständnis der Bedeutung internationaler Finanzzentren für die nationale und globale Wirtschaft sowie die soziale Entwicklung fördert.

Corona-Schutzschild in Deutschland: Finanzwirtschaft als Partner der Realwirtschaft

Einen milliardenschweren Schutzschild haben Bundesregierung und Bundesländer in ganz kurzer Zeit errichtet, zu dem eine Vielzahl von Kreditprogrammen für Unternehmen und Selbständige zählen. Für die erfolgreiche Implementierung und effiziente Auszahlung kann die Politik auf eine leistungsfähige Infrastruktur mit einem Vierklang aus Staat, Förderbank, Hausbank und Kreditnehmer zurückgreifen.

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Hubertus Väth: COVID-19 ist eine globale Krise, machen wir sie nicht noch schlimmer, indem wir sie zu einer Krise der Globalisierung machen

Zusammenfassung

Eine außergewöhnlich lange Periode wachsenden Wohlstands scheint sich einem abrupten Ende zu nähern. Trägt COVID-19 die Globalisierung als Modell für die Schaffung von Wohlstand zu Grabe? Die Früchte der Globalisierung werden ohnehin bereits durch einen Handelskrieg und wachsenden ökonomischen Nationalismus gefährdet. Als Folge der Maßnahmen gegen COVID-19 kommt nun die Weltwirtschaft zum Stillstand, und Wachstum und Wohlstand legen den Rückwärtsgang ein. Die sich abzeichnende Krise hat das Potenzial, die „Mutter aller Rezessionen“ zu werden. Es werden Verluste von über 12 Billionen USD erwartet, von denen 1/6 auf die Finanzindustrie entfallen dürften. Eine Industrie, die zwar viel besser als 2008 kapitalisiert ist, aber eindeutig nicht stark genug, um eine Krise solchen Ausmaßes ohne Unterstützung zu verdauen.

COVID-19 ist eine Krise von globaler Dimension, die Reaktionen darauf waren vor allem nationaler Natur. Es ist an der Zeit, zusammen an einer globalen Antwort zu arbeiten. Für eine wirksame Bekämpfung des Virus und seiner Folgen ist unbedingt ein multilateraler Ansatz erforderlich. Weder der Virus, noch seine Folgen kennen nationale Grenzen. Fünf Bereiche sind wichtig:

– Aufbau eines globalen Informationssystems

– Eine international koordinierte Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionen

– Die weltweite Stabilisierung der Wirtschaft

– Eine koordinierte Reservehaltung für medizinische „Schwarze Schwäne“

– Die Absicherung globaler Lieferketten durch Alarm- und Eindämmungsmechanismen

Die Corona-Krise macht uns die Vernetzung und Verwundbarkeit unserer Wirtschaft bewusst. Die Welt verfügt über keinen ausreichenden Rahmen, um grenzüberschreitend von denjenigen zu lernen, die sich schon früh mit dem Infekt befassen mussten, sei es medizinisch, wirtschaftlich oder finanziell. Die Welt muss schneller werden, um mit der Geschwindigkeit eines COVID-19 fertig zu werden und hoffentlich besser auf das nächste Virus vorbereitet zu sein. Das wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie wir diesen Virus eindämmen werden.

COVID-19 ist eine globale Krise, machen wir sie nicht noch schlimmer, indem wir sie zu einer Krise der Globalisierung machen.

Eine außergewöhnlich lange Periode wachsenden Wohlstands scheint sich einem abrupten Ende zu nähern. Die Globalisierung hat seit den 1990er Jahren Hunderte von Millionen Menschen aus der Armut befreit und der Welt einen bislang einzigartigen Wohlstand beschert. Möglich wurde dies durch den Abbau von Barrieren und die Öffnung der Grenzen für multinationale Unternehmen. Diese Unternehmen arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich an der Optimierung ihrer Lieferketten, um Kosten zu senken, Bestände zu minimieren, Lieferungen zu beschleunigen und die Ressourcennutzung zu erhöhen. In ihrem Kielwasser schufen sie produktive Arbeit rund um den Globus und produzierten so Wohlstand in vielen Teilen der Erde.

 

Notbremsen gezogen

Trägt COVID-19 die Globalisierung als Modell für die Schaffung von Wohlstand zu Grabe? Die Früchte der Globalisierung werden ohnehin bereits durch einen Handelskrieg und wachsenden ökonomischen Nationalismus gefährdet. Man könnte und wird auf diesen Gedanken kommen, da die Eigenschaften des Virus seine Verbreitung auf der ganzen Welt umso leichter machen, je offener die Grenzen sind.

Diese Eigenschaften sind:

– Eine unterschiedlich lange und bis zu zwei Wochen dauernde Inkubationszeit

– Eine leichte Verbreitung, ähnlich der einer Grippe

– Eine Infektion kann leicht unentdeckt bleiben, weil sie, in hoher Zahl, ohne oder mit geringen Symptomen verläuft

– Bislang gibt es keinen Impfstoff

– Es gibt noch keine bewährte Behandlung

– Die Sterblichkeitsrate ist erheblich; ersten Indikationen nach mindestens 5 Mal so hoch wie bei einer schweren Grippe, zudem stark mit dem Alter ansteigend und wenn die medizinischen Kapazitäten unzureichend sind.

Diese Eigenschaften machen das Virus für zu viele Menschen tödlich, als dass es gesellschaftlich akzeptabel wäre, ihm seinen Lauf zu lassen, wie dies bei schweren Grippefällen normalerweise der Fall ist. Und es ist ebenso schwierig, die Betroffenen zu isolieren, aufgrund unzureichender Testkapazitäten in einer globalisierten Welt, in der die Vernetzung dazu beiträgt, ein Virus schnell und weit zu verbreiten.

Lange war die gängige Reaktion, die Risiken zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Es folgten öffentliche Warnungen, die kaum oder gar keine Sanktionen nach sich zogen. Politische Reaktionen wie der Ausbau von Testkapazitäten, die Bevorratung wichtiger Ausrüstungen zum Schutz des medizinischen und anderweitig systemrelevanten Personals, die Erweiterung der Kapazität der Krankenhäuser und die Umschulung des medizinischen Personals, ja selbst die Einrichtung von Schutzmaßnahmen für die Schwächsten wurden – mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen – oft zu spät umgesetzt. Was dann folgte, war: Die Unterbrechung der Verbindungen, über die sich das Virus verbreitet, wie z.B. Massenansammlungen oder Massentransporte. Immer wieder ging jedoch wertvolle Zeit verloren. Offensichtlich bedurfte es ein um das andere Mal des Erlebens aus nächster Nähe, um das Ausmaß des Risikos zu sehen.

Nachdem diese verspäteten Maßnahmen die Ausbreitung nicht ausreichend verlangsamten, um die Infektionsrate im Rahmen der Behandlungskapazitäten zu halten, zogen die großen Volkswirtschaften die Notbremse für das öffentliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten. Immer mehr Länder schlossen die Grenzen für Reisende direkt oder verhängten eine Quarantäne für Reisende aus immer mehr Herkunftsländern. Die EU und die USA reagierten langsam und versuchen nun aufzuholen, da die medizinische Versorgung in immer mehr Ländern an ihre Grenzen stößt. Schwer zu ertragen: Die Ärzte sind an einigen Orten gezwungen, medizinische Behandlungen zu priorisieren. Eine traumatisierende Erfahrung.

Land für Land wurden Veranstaltungen, Flüge, Tourismus, Restaurants, Bars, Clubs und sogar das Friseurgewerbe verboten. Was normalerweise mit zweiwöchigen Einschränkungen begann, ist bereits oder wird wahrscheinlich verlängert, wer weiß, wie oft und wie lange. In gewisser Weise ist es ein Rennen und eine Wette. Ein Wettlauf mit menschlichem Einfallsreichtum, um einen schnelleren Test, einen Impfstoff und/oder eine Behandlung zu entwickeln. Es ist auch eine Wette darauf, dass das Virus ähnlich wie bei der Grippe einem saisonalen Muster folgt. Einige Merkmale weisen darauf hin, aber wir können uns keineswegs sicher sein. Vor allem aber geht es darum, die Kurve der Infektionen abzuflachen, um eine Infektionsrate aufrechtzuerhalten, die mit den Kapazitäten der Gesundheitssysteme zu bewältigen ist. Natürlich geht es gleichzeitig auch darum, die Kapazitäten auszuweiten, was zentral ist, weil jenseits dieser Kapazitätsgrenze die Letalitätsraten sprunghaft ansteigen.

Als Folge all der Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommt die Weltwirtschaft zum Stillstand, und das Wachstum geht in den Rückwärtsgang. Was wir sehen, hat das Potenzial, die „Mutter aller Rezessionen“ zu werden. Ökonomen unterscheiden sich mehr oder weniger nur darin, ob der wirtschaftliche Schock durch COVID-19 zum größten Einbruch seit der Großen Depression wird oder ob er diese rund 90 Jahre alte traumatische Erfahrung noch übertreffen wird. Der Internationale Währungsfonds stellt die traditionellen Ansichten über eine V-förmige Erholung in Frage und zeigt, dass alle Arten von Rezessionen – auch solche, die auf externe Schocks und kleine Fehler in der makroökonomischen Politik im Inland zurückzuführen sind – zu dauerhaften Produktions- und Wohlfahrtsverlusten führen.

Die Verluste werden 12 Billionen USD deutlich übersteigen, was dem geschätzten Verlust in der globalen Finanzkrise 2008/09 entspricht. Bei Anwendung der gleichen Proportionen wird 1/6 der Verluste direkt auf eine Finanzindustrie fallen, die viel besser kapitalisiert ist als 2008, aber eindeutig nicht stark genug, um eine Krise solchen Ausmaßes ohne Hilfe zu verdauen. Die Verluste werden sehr ungleichmäßig verteilt sein. Die Schwächsten werden am meisten und existentiell leiden. Die Nahrungsmittelknappheit, der Verlust an Bildung und Gesundheitsversorgung wird einen schwer messbaren Tribut fordern. Auch wenn sich aktuell die Regierenden in zahlreichen Ländern steigender Beliebtheit trotz drakonischer Maßnahmen erfreuen, sollten mögliche dauerhafte politische Verwerfungen als Folge nicht unterschätzt werden.

Philip Thomas, Professor für Risikomanagement an der Universität Bristol, warnt bereits davor, dass Maßnahmen „mehr Schaden als Nutzen“ anrichten könnten. Es besteht in der Tat ein klarer Zusammenhang zwischen dem BIP und der Lebenserwartung, nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, mehr für Gesundheit und Sicherheit auszugeben. Die ergriffenen Maßnahmen, die zu massiven Verlusten beim BIP führen, werden sich eindeutig in noch unbekannten, aber erheblichen Proportionen negativ auf die Lebenserwartung und -perspektiven vieler Menschen auswirken.

Wie lange kann die Welt eine Beinahe-Schließung verkraften? Ein, zwei, drei Monate? Sicherlich nicht viel länger. Und wie sieht der Weg aus, wenn sich herausstellt, dass die Lockerung der Einschränkungen zu einer erhöhten Anzahl von Infektionen führt, während die Verluste an Menschenleben durch die Stilllegungen die durch das Virus verursachten Verluste übersteigen? Die Wahl zwischen diesen zwei Übeln war noch nie schwieriger, und Politikern wird man die Schuld für das von ihnen gewählte Übel zuschreiben.

Rasche Ausbreitung rund um den Globus

COVID-19 ist eine Krise von globaler Dimension, und die Reaktionen darauf waren hauptsächlich national. Die Risiken sind hoch, dass wir die negativen Auswirkungen jetzt noch verschlimmern, indem wir zulassen, dass die Krise zu einer Krise der Globalisierung wird. Wo auch immer man hinhört, machen sich nationalistische Stimmungen breit.

Traditionelle Maßnahmen zur Bewältigung solcher Krisen werden nicht funktionieren. Wie soll sich die klassische Geld- oder Fiskalpolitik in einer stillgelegten Wirtschaft in Wachstum umsetzen? Viele dieser Maßnahmen können jetzt nur ein befristetes Überleben der Produktionskapazitäten sichern helfen. Wertvoll genug. Maßnahmen, wie eine expansive Geldpolitik, die nach der Finanzkrise 2008 Wunder bewirkt hat, sind offensichtlich auf sich allein gestellt unzureichend. Es braucht nun eine flankierende fiskalische Risikoübernahme, damit sie wirken kann, begleitet von Soforthilfen insbesondere für SME’s und Start up‘s.

Die weltweite Vernetzung verursachte die schnelle Verbreitung, sie ist aber auch Teil der Lösung

Im Gegensatz zu früheren Pandemien hat sich COVID-19 innerhalb weniger Wochen über den ganzen Globus verbreitet. Aber es gibt noch eine andere Seite der Medaille, und die ist positiv: Noch nie zuvor in der Geschichte haben Wissenschaftler aus der ganzen Welt so zusammengearbeitet. Das Wissen über die Pandemie beginnt sich, wie das Virus selbst von denjenigen auszubreiten, die an vorderster Front betroffen sind und einen gewissen Erfolg bei der Bewältigung der Pandemie erzielen. Das sind insbesondere China, Japan und Singapur, etwas zeitversetzt auch Südkorea.

Ärzte und Politiker auf der ganzen Welt wissen also bereits viel über Möglichkeiten, das Infektionsrisiko zu verringern, über die Inkubationszeiten, über Risiken für bestimmte – insbesondere ältere – Menschen und über die Pflege der Kranken. Dies wird definitiv schon jetzt das Leben einer großen Zahl von Infizierten retten, obwohl eine wirksame Impfung erst in, hoffentlich nicht allzu ferner, Zukunft zur Verfügung stehen wird.

COVID-19 zeigt damit sowohl die Risiken als auch die Chancen einer vernetzten Welt auf. Auch wenn die Regierungen handeln mussten, indem sie die Freizügigkeit zum Schutz von Menschenleben einschränken, so ist doch gleichzeitig eine bessere Vernetzung der Schlüssel zu einer langfristigen Lösung. In einer idealen Welt hätten Europa und die USA mehr als zwei Monate Zeit gehabt, um sich vorzubereiten, wenn, und das ist ein großes „Wenn“, die richtigen Systeme und Prozesse vorhanden wären. Diese kostbaren Wochen vergingen nahezu ungenutzt. In dieser Zeit hätte Testmaterial eingelagert und die Behandlungseinrichtungen erweitert werden können. Das medizinische Personal hätte Zeit zur Umschulung gewonnen, schnelle Tests an den Grenzen wären möglich geworden, um die Infizierten schnell und effizient zu isolieren. All das hätten dazu geführt, viel Schmerz, Tot und wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden.

Jetzt ist weder die Zeit für Wenn und Aber, noch für gegenseitige Schuldzuweisungen. Es ist vielmehr die Zeit, an einer globalen Antwort zu arbeiten. Für eine medizinische und wirtschaftliche Antwort im wirklich globalen Maßstab ist ein multilateraler Ansatz erforderlich. Es ist an der Zeit, dass die G 20 ihre Führungsrolle neu belebt, indem sie einen Rahmen für den kurzfristigen Austausch bewährter Praktiken und medizinischer Ressourcen schafft und einen künftigen Alarm- und Eindämmungsrahmen einrichtet.

Fünf Schritte für die internationale Zusammenarbeit

In dieser Hinsicht sind fünf Bereiche der globalen Zusammenarbeit notwendig, die umgesetzt werden müssen.

(1) Globales Informationssystem

Umfassende, belastbare und vergleichbare Informationen sind notwendig für Entscheidungsträger. So sind Daten verschiedener Länder nur schwer miteinander zu vereinbaren. Man fragt sich wie z.B. die Ausbreitungs- oder Sterblichkeitsraten so stark variieren können. Weisen diese Abweichungen auf Lösungen hin (z.B. die Wirksamkeit von Maßnahmen oder sozialen Normen) oder sind sie nur auf Unterschiede in der Methodik zurückzuführen? Informationen über eine Pandemie sollten daher standardisiert werden. Datenherkunft, Zeitverzögerung, Intensität und jeweilige Auslöser der Tests oder die Zuordnung eines tödlichen Falls zu einer Ursache spielen eine große Rolle für das Verständnis der Zahlen selbst.

All diese Faktoren können in beide Richtungen wirken. Daten können Menschen irreführen und entweder eine Panik oder trügerische Sicherheit erzeugen. Nur eine Vereinheitlichung würde eine Datenbasis schaffen, die richtige Entscheidungsfindung ermöglicht.

(2) Globale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionen

Epidemiologen, wie das Imperial College London in seiner jüngsten Studie, erwarten, dass „intensivere Interventionen die Übertragung unterbrechen und die Fallzahlen auf ein niedriges Niveau reduzieren könnten“. Sobald diese Interventionen jedoch gelockert werden, wird ein Anstieg der Fallzahlen vorhergesagt. Dies führt zu niedrigeren Fallzahlen heute, aber zu dem Risiko einer späteren Epidemie in den Wintermonaten, wenn die Interventionen nicht aufrechterhalten werden können. Unentdeckte Fälle aus Orten ohne leistungsfähigen Gesundheitssektor werden diesen Effekt verstärken, sobald sich die Welt wieder vernetzen wird.

Der jahrzehntelange Kampf um die Ausrottung von Pocken und Masern rund um den Globus zeigt, wie schwierig und langwierig dieser Ansatz sein wird. Einige Länder werden praktische und finanzielle Unterstützung benötigen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

(3) Stabilisierung der wirtschaftlichen Aktivität

Wie jedes System auf der Intensivstation ist die Welt jetzt mit einer ernsthaften Bedrohung der Stabilität konfrontiert, die sofortiger Aufmerksamkeit bedarf. Die wichtigste Herausforderung ist jetzt die Aufrechterhaltung der Kapazitäten. Eine Insolvenzwelle wird Produktivkapital zerstören und damit den Wohlstand ebenso wie die Lebenserwartung nachhaltig senken. Als COVID-19 in einem zentralen Teil des globalen Produktionsökosystems begann, bedrohte es unmittelbar bestehende Lieferketten. Es ist nicht auszuschließen, dass dies viel Druck auf die Zuständigen ausgeübt hat, Maßnahmen spät und unzureichend zu verfügen. Dieses Muster wiederholte sich im Grunde genommen an jedem Ort, an dem sich das Virus ausbreitete. Die Lieferketten müssen also widerstandsfähiger sein, um eine schnelle Abschaltungen zu ermöglichen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel mildere Folgen haben wird.

Die Reaktionen auf den drohenden wirtschaftlichen Schaden eines Lock-Downs waren dagegen bemerkenswert schnell. In erster Linie war das globale Finanzsystem betroffen, das Frühwarnsystem. Es musste sichergestellt werden, dass das Finanzsystem in die Lage versetzt wurde, den produktiven Kapitalstock über die Zeit der Stilllegung hinweg aufrechtzuerhalten und dann die erforderliche Liquidität für die anschließende Wiederbelebung der Volkswirtschaften bereitzustellen. Die Geldpolitik, die von fast allen Zentralbanken in großem Umfang angewandt wurde, hat jedoch bereits gezeigt, dass sie ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Instrument ist. Es reicht nicht aus, Zinssätze zu senken, Anleihen zu kaufen oder auf andere Weise Geld in das System zu pumpen. Es werden die Banken benötigt, um Geld auszuzahlen und an diejenigen zu allokieren, die eine faire Chance haben, den Sturm zu überleben. Damit diese Banken ihre Aufgabe erfüllen können, ist ein von der Regierung unterstützter spezieller Risikoabsorptionsmechanismus –der Einfachheit halber eine „Staatsgarantie“ – erforderlich. Andernfalls kann jede Kreditrisikobewertung in der heutigen Welt nur dazu führen, dass Kredite zurückgerufen werden, anstatt neue zu vergeben.

Dieses Instrument des Geldauszahlens sollte vor allem auf KMU und Schlüsselindustrien abzielen. Damit kann realistischer Weise nur ein begrenzter Zeitraum überbrückt werden, wie z.B. das berühmte deutsche Kurzarbeitergeld, das eine vorübergehende Entlassung von Mitarbeitern erlaubt, die durch das Arbeitslosengeld der Sozialversicherung subventioniert wird.

(4) Medizinische Vorkehrungen gegen „Schwarze Schwäne“

Viele Länder wurden von dem Virus überrannt – es fehlt an Kapazitäten in Krankenhäusern, Beatmungsgeräten, Masken und Medikamenten. Pandemien sind „Schwarze Schwäne“, sie sind sehr selten, aber sie kommen vor und sie erfordern koordinierte Reaktionen. Daher ist es wichtig, dass die Staatengemeinschaft für einen ausreichenden Bestand an kritischer Ausrüstung sorgt und einen speziellen Fonds einrichtet, der es den betroffenen Ländern – basierend auf den Prinzipien einer Versicherung – ermöglicht, innerhalb kurzer Zeit zusätzliche Hilfe zu erhalten. Ähnlich wie Vorräte für Öl und andere strategisch wichtige Ressourcen.

(5) Aufrechterhaltung der globalen Lieferketten durch Alarm- und Eindämmungsketten

Business Continuity kann nur funktionieren, wenn die globalen Lieferketten stressresistent sind. Jede Lieferkette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Jede Warnkette ist nur so gut wie die Bereitschaft und Fähigkeit zum Zuhören. Daher fordert COVID-19, dass die globale Lieferkette durch einen ebenso globalen Alarm-, Eindämmungs- und Koordinierungs-mechanismus für eine solche Krise unterstützt wird.

Nicht einmal die Lehren von Fukushima mit ihren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten wurden vollständig umgesetzt. Bei einigen Massenmedikamenten wurden die Wirkstoffe nur an einem oder wenigen nahe beieinander gelegenen Orten hergestellt, wodurch die durch COVID-19 verursachten Unterbrechungen zu Produktionsengpässen bei vielen Generika führten.

Die Staatengemeinschaft muss Lösungen für ein nachhaltiges Versorgungssystem finden, das wesentliche Produkte, mit mehr als einer Quelle, möglichst unabhängig voneinander kennzeichnet. Die Entscheidungen sollten nicht nur auf rein geografischen Aspekten basieren, sondern auch auf Aspekten wie der Abdeckung spezifischer Risiken wie Naturkatastrophen, Unruhen oder Pandemien.

Ein Weckruf für die globale Koordination

Die Corona-Krise macht uns die Vernetzung unseres Globus‘ bewusst. Die Welt braucht einen Rahmen, um so schnell wie möglich von denjenigen zu lernen, die sich schon früh mit ihr befassen mussten, sei es medizinisch, wirtschaftlich oder finanziell. Dies wird in den kommenden Wochen wichtig werden, da wir alle einen Plan brauchen, wie die Volkswirtschaften wieder in Gang kommen. Ein Mangel an Koordination wird diejenigen, die im Alleingang handeln, vor ein Dilemma stellen. Denn ohne Zweifel wird es nach einer Lockerung der Einschränkungen wieder – mit Zeitverzug – zu steigenden Infektionen kommen. Dieses Risiko zu vermeiden droht zu kollektivem Abwarten zu führen. So, wie die Welt zu lange gewartet hat, die Risiken der Infektion einzudämmen, läuft sie möglicherweise wieder Gefahr, die Risiken der Notfallmaßnahmen zu lange zu unterschätzen. Verhalten im Sinne von Risikovermeidung, wie sie uns in Teilen Asiens vorgelebt werden und die entlastend wirken können, dauerhaft zu ändern, wird eine soziale Herausforderung werden.

Zweifellos wird die Rückkehr zur Normalität erst dann erfolgen, wenn die Risiken für das menschliche Leben unter Kontrolle sind. Jüngere und ältere, reichere und ärmere Menschen, und Nationen werden unterschiedliche Ansichten darüber haben, wann dies der Fall sein wird. Aber eine Debatte ist unvermeidlich, denn die Entscheidungen werden einschneidend sein. Die Welt muss schneller werden, um mit der Geschwindigkeit eines COVID-19 fertig zu werden und um hoffentlich besser auf das nächste Virus vorbereitet zu sein. Das wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie wir dieses Virus eindämmen werden.

Sich globaler Kooperation zu entziehen, sollte dabei jedoch keine Option sein.

Hessisches Wirtschafts­ministerium informiert zu Corona-Pandemie

Das Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen steht den hessischen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen der Region während der Corona-Pandemie zur Seite. Wir haben die wichtigsten Informationsplattformen und Hotlines, auf die das Wirtschaftsministerium verweist, übersichtlich zusammengestellt:

 

Informationen für Bürgerinnen und Bürger:

https://www.hessen.de/fuer-buerger/aktuelle-informationen-zu-corona-hessen

Bürgertelefon: 0611/32 111 000

 

Informationen für Unternehmen:

https://www.technologieland-hessen.de/corona

Bürgertelefon: 0611/32 111 000

 

Soforthilfen für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter:

https://rp-kassel.hessen.de/

 

Kredite für Unternehmen:

https://www.wibank.de/wibank/

Hotline: 0611/ 774 7333

FinTechGermany

Über 200 Bewerber beim FinTechGermany Award 2020

Am 31.03.20 endete die Bewerbungsfrist für den FinTechGermany Award „Golden Garage“. Über 200 Start-ups haben sich um eine Auszeichnung in einer der acht Kategorien beworben. Im jetzt beginnenden Juryprozess werden – in mehreren Phasen – diejenigen jungen Unternehmen ermittelt, die am 17. September 2020 im TechQuartier eine der begehrten Trophäen in Empfang nehmen dürfen. Details zur Vergabe sind auf der Webseite http://fintechgermanyaward.de zusammengefasst.

 

Deutschland nach dem Brexit: Jetzt braucht es Macher – Gastbeitrag von Hubertus Väth in der Zeitschrift „die bank“

Auf den Amtssitz des britischen Premierministers in 10 Downing Street wurde der Countdown projiziert, bis am 31. Januar 2020, Mitternacht Brüsseler Zeit, der Brexit vollzogen war. Die Verhandlungen zu den künftigen Beziehungen sind angelaufen. Weitgehend ungeklärt sind allerdings die Regelungen zum Finanzsektor. London wird – auch im wohlverstandenen Interesse der EU – noch lange der führende Finanzplatz Europas bleiben. Das bedeutet aber nicht, dass der Austritt ohne Konsequenzen bliebe. Der Kuchen wird neu verteilt, und Deutschland sollte konsequent die Chancen nutzen, Frankfurt als führenden Finanzplatz der EU zu etablieren und gleichzeitig eine konstruktive Zusammenarbeit mit London und Paris anzustreben.

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