Claudio Borio, Diana Rutzka-Hascher und Lutz Raettig

5. Finanzplatz­Frühstück: Challenges for the global economy

Eine Dekade nach der Finanzkrise: Wirtschaft ist unfähig zu ausgewogenem Wachstum

Das langfristige Produktivitätswachstum der Realwirtschaft leidet in erheblichem Maße an den Folgen der Finanzkrise, so die Ergebnisse jüngster Forschungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Deren Chefökonom, Claudio Borio hat gestern im Rahmen des FinanzplatzFrühstücks aufgezeigt, vor welchen Herausforderungen die Weltwirtschaft steht und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Zu dem Treffen hatten Frankfurt Main Finance e.V. und der Verband der Auslandsbanken in Deutschland e.V. in die Filiale Hessen der Deutschen Bundesbank eingeladen. Borio gab als Gastredner den Vertretern der Frankfurter Finanzwirtschaft Antworten auf die Frage, warum das globale Wirtschaftssystem fast eine Dekade nach der Finanzkrise unfähig sei, zu einem nachhaltigen und ausgewogenen Wachstum zurückzukehren. „Der analytische Fokus ist oftmals falsch ausgerichtet, und das ist ein Grund warum wir da sind, wo wir jetzt sind“, so Borio zur Situationsanalyse, um anschließend die geeigneten Maßnahmen im Umgang mit den heutigen Herausforderungen aufzuzeigen.

Grundvoraussetzung sei, dass Finanzzyklen nicht ignoriert werden. Dies belegten auch die Ergebnisse jüngster Forschungen der BIZ: „Wir haben beobachtet, dass die Finanzzyklen seit den 80er Jahren größer geworden sind. Dies ist u.a. auf die Finanzliberalisierung und die Globalisierung der Realwirtschaft zurückzuführen. Politische Entscheidungsträger haben zu wenig getan, um finanzielle Aufschwünge von vornherein zu begrenzen. Und in den folgenden Krisen wurde dann zu viel Gewicht auf Krisenmanagement und zu wenig auf nachhaltige Krisenlösung gelegt.“

Borio hatte bereits 2003 vor der Instabilität des globalen Finanzsystems gewarnt und somit die Finanzkrise vorhergesagt. Seit 1987 hat er verschiedene Positionen bei der BIZ inne. Er wird als einer der interessantesten und provokantesten Volkswirte, die sich mit Geldpolitik beschäftigen, angesehen. In seiner im Jahr 2014 erschienenen Publikation “The financial cycle and macroeconomics: What have we learnt?” warnt er vor einer neuen Finanzkrise und macht u.a. Vorschläge für eine neue wissenschaftliche Agenda.

Die komplette Präsentation seines Vortrags ist hier abrufbar.

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