Am Beginn eines Kulturwandels

Die Regulierung, der Wandel vom Shareholder Value zum Stakeholder Value und die wirksame Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in Produktlösungen standen im Mittelpunkt bei der 12. Jahreskonferenz Nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School.

Nachhaltige Geldanlage ist kein Modethema mehr

Auf der 12. Jahreskonferenz nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School of Finance and Management diskutierten am 18. September wieder hochrangige Vertreter aus Politik und (Finanz)Wirtschaft über die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Geldanlage. Dass das Thema heute längst kein Modethema mehr sei, zeige nicht zuletzt die von Jahr zu Jahr zunehmende Teilnehmerzahl, die 2019 erneut einen Höhepunkt erreicht hat, so Prof. Dr. Nils Stieglitz, Präsident und Geschäftsführer der Frankfurt School in seiner Begrüßungsrede. Und in der Tat war das Audimax der Hochschule bis auf den letzten Platz besetzt. Dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, beweise zudem nicht nur die „Fridays for Future“-Bewegung sondern auch der zunehmende Bewusstseinswandel in führenden Unternehmen, weg vom reinen Shareholder-Value hin zum Stakeholder-Value – dies sollte im weiteren Verlauf immer wieder zu einem zentralen Thema der Konferenz werden. Die zwölfte Auflage der Veranstaltung in diesem Jahr weise zudem die Hochschule als Pionier im Bereich „Sustainable Finance“ aus, so Claudia Tober, Geschäftsführerin des Kooperationspartners Forum Nachhaltige Geldanlage e.V., in ihrer Begrüßung und zeige darüber hinaus, dass die Investoren (institutionelle wie private) neben der Regulierung ein zentraler Treiber beim Thema seien.

Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft

Mit seiner Keynote zum Thema „Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft“ eröffnete Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, die Diskussion zum zweiten großen Themenfeld, der Rolle der Politik für eine nachhaltige Finanzwirtschaft. Dem Finanzmarkt komme bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Wirtschaft eine zentrale Rolle zu, da dieser aufgrund seiner Geschwindigkeit und Transparenz hierfür geradezu prädestiniert sei. Aufgabe der Politik sei dabei, die Leitplanken zu setzen. Allerdings herrsche unter den Bundesländern bislang noch keine klare Einigkeit wo im Spannungsfeld zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft die Rolle des Staates angesiedelt sei. Klar sei aber, dass es um einen Wandel in der Wirtschaft vom kurzfristigen auf den langfristigen Blickwinkel und damit das Einleiten eines Kulturwandels gehen müsse.

Bedeutung für den Kapitalmarkt

Die zweite Keynote des Tages von Dr. Frank Czichowski, Senior Vice President der KfW Bankengruppe, thematisierte dann den dritten zentralen Aspekt der Diskussion: die konkrete Umsetzung von Sustainable Finance in Produktlösungen. Er skizzierte die jüngste Entwicklung von Green Bonds und wies darauf hin, dass trotz der deutlichen Zuwächse in den vergangenen Jahren das Marktvolumen derzeit immernoch nur 0,5% des Gesamtmarktes ausmache. Lücken, die es zeitnah zu schließen gelte, seien der Mangel sowohl an Kriterien als auch eines klar definierten Ziels für Green Bonds. Auch in diesem Vortrag stellte der Wandel weg von Milton Friedmans Diktum der reinen „Gewinnmaximierung“ einen der zentralen Aspekte dar.

Umsetzung von Nachhaltigkeit

Auf den notwendigen Kulturwandel wurde folgerichtig in den anschließenden Vorträgen zu „Impact Investing und wirkungsorientierten Investitionen“ immer wieder Schlaglichter aus unterschiedlichen Blickwinkeln geworfen: Nachdem zunächst Dr. Lars Röh, Partner der Anwaltskanzlei lindenpartners, einen Blick auf den regulatorischen Rahmen und die Herausforderungen für Produktentwicklung und Intermediäre geworfen hatte, stellte Jan-Menko Grummer, Partner bei EY, die Bedeutung der neuen Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft im Rahmen der Unternehmehnsberatung ins Zentrum seines Vortrags. Es gehe künftig um eine Steigerung des Long Term Value der Unternehmen. Beachtenswert hierbei: Die Gründung der „Value Balancing Alliance“ im Mai 2019, der sich alle vier großen internationalen Unternehmensberatungen (neben EY auch Deloitte, KPMG und PwC) angeschlossen haben. Auf Unternehmensseite finden sich von deutscher Seite unter anderem BASF, die Deutsche Bank und Bosch bei den Mitgliedern. Die Mission der Allianz ist die Integration eines auf Langfristigkeit ausgerichteten Modells der Wirkungsbewertung auf Basis einer integrierten Gewinn- und Verlustmethodik. Wie die Integration einer Systematik der Wirkungsmessung in der Praxis aussehen kann stellte im Anschluss Daniel Peter, Responsible Investment Analyst bei NN Investment Partners, dar.

Engagement, Erwartungen und Lösungen

Unter dem Oberthema „Engagement und wirkungsorientierte Investitionen“ zeigte anschließend Dr. Vanda Heinen, ESG Analystin und Spezialistin für Corporate Governance bei Union Investment, die Einflussmöglichkeiten eines aktiven Investors im Rahmen des Unternehmensdialogs und der Investmentpolitik auf, bevor Dr. Fabian Lander, Head of Corporate Finance and Sustainability der VW Immobilien AG, mit einer Darstellung der Erfahrungen und Erwartungen eines Emittenten von Greenbonds den Vormittag abschloss.

Der Nachmittag stand schließlich ganz im Zeichen von Produktlösungen: Im Rahmen von zwei parallel verlaufenden Vortragsblöcken stellten Investmentspezialisten verschiedener Anbieter, unterschiedlichste Ansätze für nachhaltiges Investieren dar. Ein abschließender Vortrag im Audimax von Michael Schweikart, Co-Founder und Managing Director des Finanz-Start-Ups Tomorrow, zu neuen Ansätzen im Online-Banking unter Integration von Nachhaltigkeits-Aspekten rundete den Blick auf nachhaltige Finanzlösungen ab.

Weiter Bogen und zentrale Themen

Als finaler Höhepunkt gab Sven Giegold, Mitglied des Europa Parlaments und Finanzpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, via Skype einen detaillierten Blick unter die Motorhaube der Regulierungsvorhaben der Europäischen Union. Damit endete in Frankfurt ein Tag tiefgreifender Einblicke und spannender Diskussionen rund um die nachhaltige Geldanlage, der einen „weiten Bogen spannte und immer wieder Schlaglichter auf einige zentrale Themen geworfen hat“, wie Moderator Prof. Dr. Martin Faust vom Finance Department der Frankfurt School in seiner Verabschiedung treffend resümierte.

 

Von Dr. Andreas Jaensch