Brüssel erntet Beifall für Kryptoregulierung

EU ordnet Digitalisierung der Finanzmärkte grundlegend

Die EU-Kommission will die Digitalisierung der Finanzmärkte mit einem umfangreichen Regulierungspaket unterstützen. Die Brüsseler Behörde legte hierzu gestern unter anderem Vorschläge für den Umgang mit Kryptowährungen und für mehr Cybersicherheit in der Finanzwirtschaft vor. Zudem präsentierte sie eine neue Zahlungsdienstestrategie. Sogenannten Stablecoins wie Facebooks Libra sollen strikte Regeln gesetzt werden.

„Wir sollten an den digitalen Wandel proaktiv herangehen“, betonte EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis.

Der digitale Binnenmarkt für das Finanzwesen sei auch für die wirtschaftliche Erholung Europas von entscheidender Bedeutung.

Aus der Finanzwirtschaft kamen viele positive Reaktionen auf die Vorschläge. Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), sprach von „unmissverständlichen, klaren Signalen an Libra und Co“. Die Regulierung von digitalen Währungsformen sei überfällig: „Es geht um die digitale Währungshoheit Europas.“ Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte an, das Digitalisierungspaket sowie den ebenfalls gestern vorgelegten neuen Aktionsplan für die Kapitalmarktunion bereits beim nächsten EU-Finanzministertreffen Anfang Oktober auf die Tagesordnung zu setzen.

„Mit dem Paket können wir Innovationen im Finanzsektor fördern, damit Europa weltweit Standards setzt.“

Aus Sicht von Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance, ist der EU mit ihren Kryptovorschlägen ein breiter und umfassender Satz an Vorgaben gelungen. So würden nach Marktkapitalisierung gerechnet etwa 95 % der heute existierenden Kryptoassets erfasst, nach Anzahl seien es 85 %, sagte Sandner im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Zur Vertiefung der Kapitalmarktunion kündigte die EU-Kommission gestern einen Aktionsplan mit 16 Maßnahmen an, die 2021 beginnen sollen. „Wir haben 27 nationale Kapitalmärkte, die nicht voll entwickelt und integriert sind“, beklagte Dombrovskis in Brüssel. Zu den Vorhaben gehören unter anderem die Überprüfung von aktuellen Regulierungsvorgaben, ein stärkerer Investitionsschutz, eine Harmonisierung von Insolvenzvorschriften und die Schaffung eines einheitlichen Zugangspunktes für Unternehmensdaten.

 

Quelle: Börsen-Zeitung, 25. September 2020, Andreas Heitker, © Alle Rechte vorbehalten.

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