Welt ohne Geld?

Welt ohne Geld?: Ein Zukunftshandbuch für Banken“ – so heißt eine aktuelle KPMG-Analyse der Finanzbranche. Es geht um die zentrale Frage: Wie funktioniert eine digitale Welt, in der Plattformen Assets, Ressourcen, Finanzmittel und Portfolios in Echtzeit bewerten und Algorithmen so programmiert werden, dass sie in der Kürze eines Wimpernschlags komplizierte Analysen erstellen – für die ein geschulter Mitarbeiter mehrere Stunden vor dem Bildschirm hätte verbringen müssen. Weiterlesen

FMF begrüßt zwischen die Einigung zwischen EU und UK

„Frankfurt Main Finance begrüßt die Einigung der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich. Damit ist die Grundlage geschaffen, den wirtschaftlichen Schaden durch den Austritt zu begrenzen, Klarheit zu schaffen und so die Risiken zu vermindern. Vor der IWF- und Weltbanktagung ist am Morgen in Washington die mit Hoffnung auf einen Deal verbundene Erleichterung unter den Banken mit Händen zu greifen.

Die Einigung zeigt aber auch: Allem Theaterdonner der vergangenen Wochen und Monate zum Trotz, funktioniert die Diplomatie zwischen Brüssel und London. Nun bleibt abzuwarten, ob die Einigung auch so umgesetzt werden kann.

Am Beispiel des Backstop wurde jedenfalls klar: Pragmatische Lösung sind im Interesse beider Seiten möglich. Das lässt für die Verhandlungen über das künftige Verhältnis auf einen weiteren Sieg der Vernunft hoffen.“

Hubertus Väth, Managing Director von Frankfurt Main Finance

Haftungsdachlösung für kleinere Finanzdienstleister

Ein Interview mit Frank A. Rothauge, Geschäftsführender Gesellschafter der AHP Capital Management GmbH

Vor welchen Herausforderungen stehen vor allem kleinere ausländische Finanzdienstleister, die sich am Finanzplatz Frankfurt am Main niederlassen möchten? Diese Frage steht im Fokus unseres Interviews mit Frank A. Rothauge, Geschäftsführender Gesellschafter der AHP Capital Management GmbH in Frankfurt.

 

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Drei Fragen an Holger Clemens Hinz, Leiter Corporate Finance der Quirin Privatbank im Kapitalmarktgeschäft

Seit September ist die Quirin Privatbank AG Mitglied von Frankfurt Main Finance. Wir haben Holger Clemens Hinz, Leiter Corporate Finance der Quirin Privatbank im Kapitalmarktgeschäft, gefragt, wo er die Standortvorteile des Finanzplatzes Frankfurt sieht.

Wie trägt Ihr Unternehmen zur Entwicklung des Finanzplatzes bei?

Der Frankfurter Standort ist sowohl für die Investmentbank als auch die Privatbank von zentraler Bedeutung. Frankfurt am Main ist unsere größte Niederlassung jenseits der Zentrale und  Sitz der Investmentbank als dezentrales Geschäftsfeld. Seit mehr als 15 Jahren zählen wir zu den etablierten Investmentbanken für mittelständische Unternehmen. Diese beraten wir als Wertpapiermanufaktur bei ihren Finanzierungsstrategien am Kapitalmarkt und sind eng mit der Deutsche Börse AG und allen anderen Dienstleistern im Ökosystem wie Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Agenturen verbunden.

Was sind für Sie die zentralen Standortvorteile des Finanzplatzes Frankfurt, was ist ausbaufähig?

Die Bedeutung von Frankfurt am Main wird vor allem im Hinblick auf den Brexit wachsen. Es ist zu hoffen, dass hieraus Labsal für eine Entwicklung weg von der doch provinziellen hin zur weltstädtischen Metropole gezogen werden kann. Dies ist wichtig, um im europäischen Wettbewerb mit Paris, Mailand oder Madrid ein stärkeres Gewicht zu bekommen.

Welche Trends sehen Sie momentan am Finanzplatz Frankfurt bzw. an internationalen Finanzplätzen?

In der aktuellen Niedrigzinswelt ist klar ein Trend der Konsolidierung, Standardisierung und starken Digitalisierung zu erkennen. Am Ende gilt es, für die Finanzdienstleister zukunftsfähige Geschäftsmodelle mit Mehrwert für den Kunden zu etablieren, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben. Sowohl FinTechs als auch Technologieriesen mit starker Eigenkapitalausstattung wie Apple und Amazon bereiten den Eintritt in die Welt der Finanzdienstleitungen mit eigenen Produkten vor. Eine Entwicklung, der sich der Finanzplatz stellen muss – im Zeichen immer komplexerer gesetzlicher Rahmenbedingungen.

 

Am Beginn eines Kulturwandels

Die Regulierung, der Wandel vom Shareholder Value zum Stakeholder Value und die wirksame Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in Produktlösungen standen im Mittelpunkt bei der 12. Jahreskonferenz Nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School.

Nachhaltige Geldanlage ist kein Modethema mehr

Auf der 12. Jahreskonferenz nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School of Finance and Management diskutierten am 18. September wieder hochrangige Vertreter aus Politik und (Finanz)Wirtschaft über die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Geldanlage. Dass das Thema heute längst kein Modethema mehr sei, zeige nicht zuletzt die von Jahr zu Jahr zunehmende Teilnehmerzahl, die 2019 erneut einen Höhepunkt erreicht hat, so Prof. Dr. Nils Stieglitz, Präsident und Geschäftsführer der Frankfurt School in seiner Begrüßungsrede. Und in der Tat war das Audimax der Hochschule bis auf den letzten Platz besetzt. Dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, beweise zudem nicht nur die „Fridays for Future“-Bewegung sondern auch der zunehmende Bewusstseinswandel in führenden Unternehmen, weg vom reinen Shareholder-Value hin zum Stakeholder-Value – dies sollte im weiteren Verlauf immer wieder zu einem zentralen Thema der Konferenz werden. Die zwölfte Auflage der Veranstaltung in diesem Jahr weise zudem die Hochschule als Pionier im Bereich „Sustainable Finance“ aus, so Claudia Tober, Geschäftsführerin des Kooperationspartners Forum Nachhaltige Geldanlage e.V., in ihrer Begrüßung und zeige darüber hinaus, dass die Investoren (institutionelle wie private) neben der Regulierung ein zentraler Treiber beim Thema seien.

Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft

Mit seiner Keynote zum Thema „Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft“ eröffnete Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, die Diskussion zum zweiten großen Themenfeld, der Rolle der Politik für eine nachhaltige Finanzwirtschaft. Dem Finanzmarkt komme bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Wirtschaft eine zentrale Rolle zu, da dieser aufgrund seiner Geschwindigkeit und Transparenz hierfür geradezu prädestiniert sei. Aufgabe der Politik sei dabei, die Leitplanken zu setzen. Allerdings herrsche unter den Bundesländern bislang noch keine klare Einigkeit wo im Spannungsfeld zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft die Rolle des Staates angesiedelt sei. Klar sei aber, dass es um einen Wandel in der Wirtschaft vom kurzfristigen auf den langfristigen Blickwinkel und damit das Einleiten eines Kulturwandels gehen müsse.

Bedeutung für den Kapitalmarkt

Die zweite Keynote des Tages von Dr. Frank Czichowski, Senior Vice President der KfW Bankengruppe, thematisierte dann den dritten zentralen Aspekt der Diskussion: die konkrete Umsetzung von Sustainable Finance in Produktlösungen. Er skizzierte die jüngste Entwicklung von Green Bonds und wies darauf hin, dass trotz der deutlichen Zuwächse in den vergangenen Jahren das Marktvolumen derzeit immernoch nur 0,5% des Gesamtmarktes ausmache. Lücken, die es zeitnah zu schließen gelte, seien der Mangel sowohl an Kriterien als auch eines klar definierten Ziels für Green Bonds. Auch in diesem Vortrag stellte der Wandel weg von Milton Friedmans Diktum der reinen „Gewinnmaximierung“ einen der zentralen Aspekte dar.

Umsetzung von Nachhaltigkeit

Auf den notwendigen Kulturwandel wurde folgerichtig in den anschließenden Vorträgen zu „Impact Investing und wirkungsorientierten Investitionen“ immer wieder Schlaglichter aus unterschiedlichen Blickwinkeln geworfen: Nachdem zunächst Dr. Lars Röh, Partner der Anwaltskanzlei lindenpartners, einen Blick auf den regulatorischen Rahmen und die Herausforderungen für Produktentwicklung und Intermediäre geworfen hatte, stellte Jan-Menko Grummer, Partner bei EY, die Bedeutung der neuen Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft im Rahmen der Unternehmehnsberatung ins Zentrum seines Vortrags. Es gehe künftig um eine Steigerung des Long Term Value der Unternehmen. Beachtenswert hierbei: Die Gründung der „Value Balancing Alliance“ im Mai 2019, der sich alle vier großen internationalen Unternehmensberatungen (neben EY auch Deloitte, KPMG und PwC) angeschlossen haben. Auf Unternehmensseite finden sich von deutscher Seite unter anderem BASF, die Deutsche Bank und Bosch bei den Mitgliedern. Die Mission der Allianz ist die Integration eines auf Langfristigkeit ausgerichteten Modells der Wirkungsbewertung auf Basis einer integrierten Gewinn- und Verlustmethodik. Wie die Integration einer Systematik der Wirkungsmessung in der Praxis aussehen kann stellte im Anschluss Daniel Peter, Responsible Investment Analyst bei NN Investment Partners, dar.

Engagement, Erwartungen und Lösungen

Unter dem Oberthema „Engagement und wirkungsorientierte Investitionen“ zeigte anschließend Dr. Vanda Heinen, ESG Analystin und Spezialistin für Corporate Governance bei Union Investment, die Einflussmöglichkeiten eines aktiven Investors im Rahmen des Unternehmensdialogs und der Investmentpolitik auf, bevor Dr. Fabian Lander, Head of Corporate Finance and Sustainability der VW Immobilien AG, mit einer Darstellung der Erfahrungen und Erwartungen eines Emittenten von Greenbonds den Vormittag abschloss.

Der Nachmittag stand schließlich ganz im Zeichen von Produktlösungen: Im Rahmen von zwei parallel verlaufenden Vortragsblöcken stellten Investmentspezialisten verschiedener Anbieter, unterschiedlichste Ansätze für nachhaltiges Investieren dar. Ein abschließender Vortrag im Audimax von Michael Schweikart, Co-Founder und Managing Director des Finanz-Start-Ups Tomorrow, zu neuen Ansätzen im Online-Banking unter Integration von Nachhaltigkeits-Aspekten rundete den Blick auf nachhaltige Finanzlösungen ab.

Weiter Bogen und zentrale Themen

Als finaler Höhepunkt gab Sven Giegold, Mitglied des Europa Parlaments und Finanzpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, via Skype einen detaillierten Blick unter die Motorhaube der Regulierungsvorhaben der Europäischen Union. Damit endete in Frankfurt ein Tag tiefgreifender Einblicke und spannender Diskussionen rund um die nachhaltige Geldanlage, der einen „weiten Bogen spannte und immer wieder Schlaglichter auf einige zentrale Themen geworfen hat“, wie Moderator Prof. Dr. Martin Faust vom Finance Department der Frankfurt School in seiner Verabschiedung treffend resümierte.

 

Von Dr. Andreas Jaensch

Von Aktivisten, Intermediären und Aktionärsrechten

Der sogenannte Shareholder Activism inner- und außerhalb von Hauptversammlungen wird sich fortsetzen, prognostizierte nicht allein Dr. Ulrike Binder, Partnerin bei Mayer Brown LLP auf der Fachtagung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) am 17. September in Frankfurt am Main. In diesem Lichte hielt das DAI Rückschau auf die abgelaufene und Ausblick auf die kommende Hauptversammlungssaison. Einen wesentlichen Schwerpunkt dabei bildete das verzögerte ARUG II. Prof. Ulrich Noack, Mitglied des wissenschaftlichen DAI-Beirats und Juraprofessor aus Düsseldorf, hält ARUG II im Hinblick auf die Hauptversammlung für nicht so einschneidend wie den Vorgänger ARUG I. Für die Praktiker, die die neuen Regeln umsetzen und anwenden sollen, bleiben dennoch viele Fragen offen.

Am 10. Juni hätte das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie – kurz ARUG II – in Kraft treten müssen. Am 17. September hatte es noch nicht einmal den Rechtsausschuss passiert, so dass sich die Fachtagung damit begnügte das komplexe System aufzubrechen, das sich aus dem Zusammenwirken der EU Richtlinie 2017/828, dem ARUG II (2019) und der Durchführungs-VO (2018) ergibt. Unterschiede im Wortlaut der einzelnen Texte machen die Anwendung nicht gerade leichter. Als Folge der Verschiebung bestehen erhebliche Unklarheiten, ab welcher HV-Saison die neuen Regeln anzuwenden sind. Möglich ist sogar, dass es mitten innerhalb der Saison 2020, ab einem bestimmten Datum beispielsweise im Mai zur Anwendung kommt. Aufgrund dieser Unsicherheit wagte Thomas von Oehsen vom Stimmrechtsberater ISS Europe auch nur einen allgemeinen Ausblick.

Woran es hakt, ist schnell erklärt. Der deutsche Gesetzgeber tut sich bei den beiden Themenkomplexen „Related Party Transactions“ sowie „Say on Pay“ schwer, die europäischen Vorstellungen umzusetzen. In Bezug auf die Related Party Transactions müssen sich die Regierungsparteien noch auf sinnvolle Schwellenwerte einigen. Dazu muss man wissen, dass das Konzernrecht in Deutschland gegenüber dem der europäischen Nachbarn viel diffiziler ist, und man hier verhindern möchte, bei allen konzerninternen Transaktionen eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen zu müssen. Bezüglich der „Say on Pay“-Regelung besteht innerhalb der Regierungsparteien noch Uneinigkeit darüber, ob der Hauptversammlung bei der Abstimmung über die Vergütungssysteme ein beratendes oder bindendes Votum zukommen soll.

Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Aktionärskommunikation

Somit beschäftigte sich die Fachtagung hauptsächlich mit den als abgeschlossen geltenden Themen. Während sich aktivistische Aktionäre geradezu dadurch auszeichnen, dass sie den direkten Kontakt zur Gesellschaft suchen, besteht bei ARUG II die Intension des Gesetzgebers darin, die Aktienemittenten mit Kosten und verkürzten Fristen zur Digitalisierung der Beziehungen zu allen ihren Anteilseignern zu drängen. Die Kommunikation soll möglichst direkt, unter Umgehung etwaiger Intermediäre, und mit allen Aktionären gleichzeitig stattfinden – auch über Landesgrenzen, Zeitzonen und Sprachbarrieren hinweg. Sämtliche Intermediäre dazwischen – wie Depotbanken, Verwahrer von Wertpapieren oder andere beauftragte Dritte – sollen eine geringstmögliche Rolle spielen. Dabei belaufen sich die Pflichtsprachen für deutsche Gesellschaften auf Deutsch und Englisch. Übersetzungen in die Muttersprachen internationaler Aktionäre sind von diesen selbst oder eben doch einem der Intermediäre vorzunehmen.

Im Hinblick auf die Hauptversammlung bedeutet dies unter anderem, dass die elektronische Übermittlung der Hauptversammlungsmitteilung an die Aktionäre oder Banken am gleichen Tag wie die Veröffentlichung der Einberufung im elektronischen Bundesanzeiger erfolgen soll. Da der Nachweis über den Aktionärsstatus entscheidend ist, wird die direkte Kommunikation zwischen Aktionär und Emittent zumindest bei Inhaberaktien nicht unter völliger Umgehung der Depotbanken verlaufen können. Umgekehrt benötigen die Depotbanken einen Weg, den Emittenten eindeutig als Absender zu identifizieren. Auf der DAI-Fachtagung wurden Überlegungen laut, ob die Clearstream zukünftig Dienstleistungen im Privatkundenbereich anbieten könnte.

Eine praktische Erleichterung hält ARUG II jedoch parat: Statt wie bisher eine Broschüre zu verschicken, reicht es künftig aus, die Aktionäre nur darüber zu informieren, wann und wo die Hauptversammlung stattfindet und unter welchem Link die notwendigen Informationen und Formulare abgerufen werden können.

Aktionärsidentifikation als Voraussetzung der Kommunikation

Als vor etwa 20 Jahren die Digitalisierungsdiskussion begann, dies sei am Rande erwähnt, drehte sie sich allein um die Möglichkeiten der Durchführung von virtuellen Hauptversammlungen. Die Präsenzen waren damals niedrig und die noch als „räuberische Aktionäre“ bezeichneten Aktivisten traten vor allem mit der Taktik auf, die Veranstaltung bis zur Unwirksamkeit in die Länge zu ziehen. Dies ist heute kein Thema mehr, heute sollen automatisierte Verfahren der Identifikation dienen, mit wem man es zu tun hat.

16. Jahrestagung des Deutschen Aktieninstituts „Die Hauptversammlung“ am 17.09.2019.

In der Diskussion um das durch ARUG II gewährte Recht auf Aktionärsidentifikation erwartet ein Emittent von Inhaberaktien, zukünftig im Hinblick auf Transparenz in die Nähe der Namensaktie gerückt zu werden. Ohne dafür die Aktiengattung wechseln zu müssen, will man seine Aktionäre mit passgenauen Maßnahmen eng an sich binden können. Hierzu müssen sich allerdings erst noch die richtigen Prozesse herauskristallisieren.

Dabei muss man wissen, dass sich in der Praxis die Transparenz für Emittenten von Namensaktien weit weniger hoch als allgemein angenommen darstellt. Standardmäßig führen diese über Drittanbieter bis zu viermal im Jahr eine relativ aufwendige Shareholder Identification durch, weil das Namensregister eben doch nicht ganz so zuverlässig ist. Ein über 100 Prozent liegendes Resultat ist dabei keine Seltenheit, weil erst Spezialisten erkennen können, ob es sich bei dem gemeldeten Aktienbestand tatsächlich um den eigentlichen Eigentümer der Aktien handelt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Qualität dieser Daten zukünftig spürbar verbessert.

Das Finanzinstrument Aktie wird zum Kommunikationsmedium

Nicht zuletzt dem verstärkten Auftreten aktivistischer Aktionäre ist es zu verdanken, dass die Digitalisierungsbemühungen des Gesetzgebers aus dem reinen Finanzinstrument Aktie zunehmend ein Kommunikationsmedium inklusive aller daran hängenden Bestimmungen aus der DSVGO machen. Unbesehen des Namens „Aktionärsrechterichtlinie“ gibt der Aktionär mit Erwerb von Aktien nach ARUG II die Hoheit über seine personenbezogenen Daten ein Stück weit auf. Auf die Investor Relations Abteilungen könnte ein bedeutender Aufwand in der Verwaltung dieser Daten und vor allem deren fristgemäßer Löschung zu kommen (spätestens 12 Monate nach Verkauf der Aktien). Und dann sind da noch die Kosten, die in der Mehrheit vom Emittenten zu tragen sind. In der Mehrheit, aber eben nicht alle. Schon jetzt geht der Trend dahin, dass Privataktionäre lieber Gast- als Eintrittskarten zur Hauptversammlung bestellen, weil ihnen die Anmeldung über die Depotbanken zu teuer und zu aufwendig ist. Es wäre schade, wenn sich dieser Trend durch unbeabsichtigte Folgen von ARUG II verstärken würde.

 

Von Dr. Charlotte Brigitte Looß.

Helaba Finanzplatzstudie 2019

„Frankfurt ist der führende Finanzplatz Kontinentaleuropas und in Europa die Nr. 2 hinter London. Der Brexit-bedingte Umstrukturierungsprozess verbessert seine Positionierung in der Finanzwelt“, schreibt die Helaba über die heute erschienene Finanzplatzstudie 2019 Finanzplatz Frankfurt: Mehr als Brexit. Tatsächlich habe sich der Abstand zwischen dem britischem und dem deutschen Finanzzentrum in den letzten Jahren verringert. Während das Image Londons gelitten habe, konnte Frankfurt im internationalen Standortwettbewerb punkten und an Attraktivität sowie Auslandsbanken hinzugewinnen.

„Schon bald nach dem Referendum hatten wir die These aufgestellt, dass Frankfurt von dem Brexit bedingten Umstrukturierungsprozess im europäischen Bankensektor besonders profitieren könnte“, kommentiert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleitung Research der Helaba, die Ergebnisse der Finanzplatzstudie 2019, „Dies scheint sich derzeit zu manifestieren: Unsere Brexit-Map der Geschäftsverlagerungen von Banken hat sich über die Jahre schwungvoll entwickelt und insbesondere für das deutsche Finanzzentrum verdichtet.“

Frankfurt hat beruflich wie privat viel zu bieten

Gibt es die Brexit-Banker in Frankfurt wirklich? Und wie ist ihre Sicht auf die Brexit- und Standortentwicklungen? Die Autoren der Helaba Finanzplatzstudie haben einige der Brexit-Banker erstmals persönlich interviewt und untermauern mit den Gesprächen die quantitativen Analysedaten des Reports. Unter anderem wurden die Banker zu den zentralen Gründen befragt, die zur Standortwahl Frankfurts geführt haben. Demnach seinen die Wirtschaftsstärke Deutschlands, die bestehende Bankeninfrastruktur, die vor Ort ansässigen wichtigen Akteure Europas wie zum Beispiel Aufsichtsbehörden und die Börse, der zentral gelegene Verkehrsknotenpunkt sowie die Finanzplatzbedeutung an sich für die Banken entscheidend gewesen. Aus persönlicher Sicht betonten die Befragten, die ausgeprägte Internationalität, die enorme Zeitersparnis, die Attraktivität für Familien, die hohe Lebensqualität sowie die vielfältige Stadtentwicklung.

Finanzplatzakteure sind aufgefordert, an der Attraktivität Frankfurts zu arbeiten

„Während wir für die vorliegende Studie nochmals den Fokus auf den Brexit richten, beobachten wir hinter den Kulissen weiterhin alle Finanzplatzkriterien“, sagt Dr. Gertrud Traud. So habe sich ein wichtiger Standortfaktor – die Stabilität der deutschen Volkswirtschaft – in der Vergangenheit verschlechtert. Frankreich wachse beispielsweise wieder stärker als Deutschland und sei auch weniger von der Abwärtsentwicklung der Industrie betroffen, betont Traud. Alle Akteure seien daher in der Verantwortung kontinuierlich an der Attraktivität des Finanzplatzes Frankfurt zu arbeiten. Die Stadt am Main ist, wie die zahlreichen Interviews mit Brexit-Bankern in Frankfurt gezeigt haben, mehr als eine Brexit-Stadt.

 

Die offizielle Pressemeldung sowie die Möglichkeit zum Download der Finanzplatzstudie 2019 finden Sie auf der Website der Helaba.

 

Titelbild: Helaba

 

 

Interview zum 1. DVFA Geldpolitik Forum mit Ingo R. Mainert, stv. Vorstandsvorsitzender DVFA e.V.

Mit dem anstehenden Wechsel an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) beginnt zumindest personell eine neue Zeitrechnung in der europäischen Geldpolitik. Am 1. November 2019 folgt Christine Lagarde als Präsidentin der EZB auf Mario Draghi.

Einen Tag davor, am 31. Oktober, findet im House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt das 1. DVFA Forum Geldpolitik zum Thema „Die zukünftige Geldpolitik im Euroraum: Neubeginn oder weiter wie gehabt“ statt. Die Agenda der Veranstaltung umfasst die Bereiche

  • Geldpolitik im Spannungsfeld von Strategie und Taktik
  • Finanzstabilität
  • Unabhängigkeit der supranationalen EZB als institutionelle Versuchung sowie
  • Herausforderungen der gegenwärtigen Geldpolitik und zukünftige monetäre Optionen.

Wir haben mit Ingo R. Mainert, CIO Multi Asset Europe von Allianz Global Investors, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA und stellvertretender Leiter der DVFA Kommission Geldpolitik, über die Veranstaltung gesprochen.

Herr Mainert, mit welcher Zielsetzung hat sich die DVFA des Themas Geldpolitik angenommen?

Wenn Geld der Schmierstoff für die Wirtschaft ist, dann ist die Zentralbank die Ölpumpe. Der Einfluss der Geldpolitik auf die Finanzmärkte ist enorm – und zuletzt sogar noch gestiegen! Das sieht man nicht zuletzt an den aktuell negativen Renditen an den Anleihemärkten. Darüber hinaus hat die EZB als supranationale Zentralbank noch eine weitere, nicht zu unterschätzende politisch-soziale Bedeutung: Ihre Geldpolitik hat weitreichende Folgen für das Projekt Europa und damit auch über die Länder des Euroraums hinaus.

Frankfurt ist eine der wichtigsten Städte weltweit, wenn es um Geldpolitik geht. Wie spiegelt sich das innerhalb der DVFA Kommission zur Geldpolitik und konkret auf dem anstehenden Forum wider?

Stimmt. Mit der EZB und der Bundesbank haben gleich zwei institutionelle Schwergewichte am Finanzplatz Frankfurt ihren Sitz. Dies hat naturgemäß auch eine sehr internationale Geschäftsbankenlandschaft zur Folge, wovon wir in der DVFA profitieren. Darüber hinaus lehrt und forscht die Goethe-Universität mit dem House of Finance auf höchstem akademischem Niveau. Frankfurt ist damit ein europäischer Magnet für Finanzmarktexperten, und die hochkarätige Besetzung des 1. DVFA Forums Geldpolitik, auf die wir auch ein bisschen stolz sind, spiegelt dies wider. Mit dieser Expertise und der Themenbreite der Veranstaltung möchten wir der aktuellen geldpolitischen Diskussion Impulse geben. 

Welche Gründe haben Sie bewogen, gerade jetzt das erste Forum zur Geldpolitik ins Leben zu rufen?

Die Zeit war reif. Über die letzten Jahre haben wir eine Zeitenwende bei der Geldpolitik gesehen, und selten zuvor lagen die Meinungen hinsichtlich des richtigen geldpolitischen Kurses derart weit auseinander wie heute. Es wird zunehmend deutlich, dass die Geldpolitik nicht nur finanzielle und ökonomische, sondern auch soziale und verteilungspolitische Folgen hat. In Zeiten eines zunehmenden Populismus kann dies schwerwiegende Folgen haben.

Wenn Sie ein paar Jahre in die Zukunft schauen, was würden Sie mit dem Forum Geldpolitik und der DVFA Kommission Geldpolitik erreichen wollen?

Wir möchten diese Veranstaltung dauerhaft als Branchengipfel etablieren und würden uns freuen, wenn sie für alle an Fragen der Geldpolitik Interessierten zum Pflichttermin würde. Die DVFA Kommission Geldpolitik wollen wir als gewichtige Stimme in der Diskussion um Fragen der Geldpolitik positioniert sehen. Seit ihrer Gründung Ende letzten Jahres sind wir hierbei auf einem guten Weg.

 


Die DVFA Kommission Geldpolitik beschäftigt sich insbesondere mit folgenden Themen:

Die Rolle der Zentralbank

  • Geraten die Zentralbanken unter zunehmenden Einfluss der Politik?
  • Bankenaufsicht in der EZB – Führt die Doppelrolle zu einem Bias in der Geldpolitik?
  • Ist das Inflationsziel noch das richtige Steuerungsinstrument der Geldpolitik?
  • Wie kann die Kapitalmarkt- und Bankenunion den Transfermechanismus zwischen Geldpolitik und Unternehmensfinanzierung verbessern?

Makroökonomische Entwicklungen und langfristige Auswirkungen

  • Gibt es im Ökonomen-Streit um das europäische Zahlungsverkehrssystem „Target2“ konstruktive Lösungen für den Umgang mit dem negativen Saldo zu Lasten der Deutschen Bundesbank
  • Verstärkt die Niedrigzinspolitik die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen?
  • Werden durch die lockeren Finanzierungsbedingungen Unternehmens-„Zombies“ am Leben gehalten?

Einflüsse neuer Technologien

  • Central Bank Digital Currencies (CBDC) – Wie wirkt das Aufkommen digitaler Währungen auf das Monopol der Zentralbanken und die bestehende Währungsordnung?

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der der DVFA Kommission Geldpolitik.

 

DVFA e.V.: Die Standesorganisation der Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten mit über 1.400 persönlichen Mitgliedern. Der Verband engagiert sich für die Professionalisierung des Investment-Berufsstandes, erarbeitet Standards und fördert den Finance-Nachwuchs. Der Verband ist international verankert. Er ist Mitglied von EFFAS – European Federation of Financial Analysts Societies mit über 17.000 Investment Professionals europaweit und auch Mitglied bei der ACIIA – Association of Certified International Investment Analysts, einem Netzwerk mit 100.000 Investment Professionals weltweit. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der DVFA.

 


 

Mit welchen Standortvorteilen kann der Finanzplatz punkten? Ein Interview mit Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen-Agentur

Was ist Unternehmen wichtig, die sich im Zuge des Brexit mit Umzugsgedanken ins Rhein-Main-Gebiet beschäftigen und mit welchen Standortvorteilen kann der Finanzplatz punkten? Diese Frage steht im Fokus unseres Interviews mit Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen-Agentur. Weiterlesen

Es ist, wie in eine andere Welt abzutauchen

Ein Interview mit Sascha Ruehlow

 

Sascha Ruehlow

„Offenbach und Frankfurt sind sich manchmal ähnlicher als man landläufig denkt“, sagt Sascha Ruehlow. Der Frankfurter Stadtführer mit Offenbacher Wurzeln verrät uns im Interview, wo die Nachbarstädte am Main zusammenwachsen. Weiterlesen