Über das Verhältnis von Finanzindustrie und Politik

Beitrag von Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen vom 1. Juni 2019

In zahlreichen gesellschaftlichen Diskursen wird ein Auseinanderdriften und die Überbetonung des Trennenden in der öffentlichen und medialen Auseinandersetzung beklagt. Dies gilt auch und insbesondere für das Verhältnis von Politik zur Wirtschaft und – in den vergangenen Jahren besonders strapaziert – zur Finanzindustrie. Jeder sollte in seiner Rolle in der Gesellschaft das Verbindende, den konstruktiven Dialog und die gemeinsame Wertebasis stärker betonen.

Um das so zentrale Verhältnis von Finanzindustrie und Politik in Zukunft erfolgreich zu gestalten, hilft ein Blick in die Historie dieser wechselvollen Beziehung – nicht zuletzt deswegen, weil sie seit den Anfängen des Bankgewerbes spannend, gesellschaftlich und wirtschaftlich prägend aber eben auch reich an Missverständnissen und Tragödien gewesen ist.

Antike Wurzeln – Finanzindustrie in den Kinderschuhen

Bereits im antiken Griechenland fungierten Tempel als Lagerstätten des Staatsschatzes und Aufbewahrungsort für Wertgegenstände wohlhabender Bürger. In Tempelnähe siedelten sich Geldwechsler an – die frühen Vorläufer des privatwirtschaftlichen Bankenwesens. Mit zunehmendem überregionalem Handel stieg auch die Nachfrage nach Finanzierungsleistungen. Für Seedarlehen, mit denen Schiffsbesitzer Ware vorfinanzierten, waren damals bis zu 33 Prozent Zinsen fällig.

Die Angemessenheit von Konditionen für Bankgeschäfte zieht sich – unter Überschriften wie Wucherzins, Zinsverordnung und MiFID II – als Diskussionspunkt und Gestaltungsfrage durch die Finanzgeschichte von der Antike bis in die aktuelle Zeit. Trotzdem konnten sich die Vertreter des Bankgewerbes in der Antike oftmals der politischen Unterstützung sicher sein. Diese ermöglichten schließlich wirtschaftliches Wachstum und halfen dabei, den Machtanspruch der Stadtstaaten zu sichern. Eine Vereinbarung, die zumeist auch im mittelalterlichen Europa galt.

„Die Angemessenheit von Konditionen für Bankgeschäfte zieht sich durch die Geschichte.“

Banking im Mittelalter – zwischen Hofbankier und Mitregent

Durch das päpstliche Zinsverbot für Christen stiegen zunehmend jüdische Familien zu den Finanzierern der Händler und Mächtigen des Kontinents auf. Das hatte jedoch seinen Preis. Territorialherren vereinnahmten hohe Steuern und verursachten damit zum Teil auch die hohen Schuldzinsniveaus. Die Nähe zur Politik schützte die jüdischen Bankiers des Mittelalters nicht vor staatlicher Willkür. Wenn Fürsten sich – was häufig vorkam – in ihrer Haushaltsplanung übernommen hatten, wurden die Bankgeschäftstreibenden oftmals einfach aus der Stadt vertrieben. Dies war auch der Beginn einer prägenden und oftmals tragischen Verknüpfung von Glauben und Beruf.

Im 14. und 15. Jahrhundert entdeckten italienische Bankiersfamilien wie die Peruzzi, Bardi und Medici die Realpolitik für sich: Sie unterhielten nicht nur in allen wichtigen europäischen Städten Filialen und betätigten sich als Mäzene; darüber hinaus finanzierten sie auch den Papst und die Kriege zahlreicher Königshäuser. Auch damals war Staatsfinanzierung nicht risikofrei: So weigerte sich Eduard III. von England schlicht, seine Schulden zurückzuzahlen – was für manche der Florentiner Bankhäuser im Bankrott endete.

Der in Heidelberg geborene Bankier Joseph Süß Oppenheimer wurde hingegen gleich selbst Politiker und unter Herzog Karl Alexander Finanzminister Württembergs – finanz- und geldpolitisch aus heutiger Sicht wohl eher den Falken als den Tauben zuzuordnen. Nach dem Tod des Herzogs war es mit der politischen Karriere allerdings schnell vorbei: Oppenheimer endete nach einem Schauprozess am Galgen.

„Auch im 14. und 15. Jahrhundert war Staatsfinanzierung nicht risikofrei.“

Langfristig erfolgreicher war die aus Frankfurt stammende Familie Rothschild. Zunächst aktiv in der Finanzierung des hessischen Landgrafen wurde sie später zum Partner Englands im Kampf gegen Napoleon und entwickelten durch ihre Finanzkraft enormes politisches Gewicht. Hierbei bewiesen sich die Bankiers auch als Früh-Globalisierer.

Industrialisierung – Entstehung des modernen deutschen Bankensystems

Die Dominanz der Privatbankiers nahm mit Beginn der Industrialisierung ab. Mit dem Aufkommen der kapitalintensiven Wirtschaft gewannen vielmehr aktienbasierte Banken an Bedeutung. Im Februar 1870 entstand das Vorgängerinstitut der Commerzbank und im März die Deutsche Bank. Deren Gründung lag auch eine politisch-instrumentelle Motivation zugrunde. Für Bismarck stand der Wunsch, die Finanzierung des deutschen Außenhandels unabhängig von ausländischem Kapital zu gestalten, im Vordergrund. In diese Phase – wenn auch deutlich vor Gründung der beiden deutschen börsennotierten Großbanken – fallen auch die Ursprünge der Genossenschaftsbanken. Sie bildeten eine Art Gegenentwurf zu den Financiers der Mächtigen.

„Die Dominanz der Privatbankiers nahm mit Beginn der Industrialisierung ab.“

Weite Teile der Bevölkerung gehörten zu den Verlierern der Industrialisierung. Eine Missernte reichte, um die Bauern in Existenznöte zu stürzen und ganze Dörfer hungern zu lassen. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der prägenden Vordenker der Genossenschaftsidee, gründete in dieser Zeit ein Backhaus, das Brot billiger anbot und Zahlung auf Kredit ermöglichte. Die Genossenschaftsbewegung bildete eine der wesentlichen Säulen bei der Lösung der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts und hat bis heute eine zentrale Funktion im gesellschaftlichen Leben.

Wirtschaftskrise und Weltkriege – Systemrelevanz und Erfüllungsgehilfe

Mit der Weltwirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich die politische und gesellschaftliche Wahrnehmung der Banken grundlegend. In der 1928 uraufgeführten Dreigroschenoper stellt Berthold Brecht die bekannte Frage: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“. Selbst Carl Fürstenberg, ein bekannter Bankier dieser Zeit, hält damals doppeldeutig fest: „Als erstes im Bankwesen lernt man den Respekt vor Nullen.“

Aus der internationalen Vernetzung des Bankgeschäfts ergaben sich damals Ansteckungseffekte. Das Bankensystem zeigte seine Verwundbarkeit. Es überrascht nicht, dass in dieser Phase auch die Anfänge der Bankenregulierung liegen und 1934 das erste Kreditwesengesetz in Deutschland erlassen wurde. Es entwickelte sich ein Bewusstsein für die Probleme der Systemrelevanz des Bankensektors und einzelner Häuser. Das nationalsozialistische Regime stand den Banken – auch unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise – stets misstrauisch gegenüber. Die deutschen Banken mögen im Dritten Reich eine überwiegend instrumentelle Rolle gespielt haben; gleichzeitig profitierten sie jedoch durch Enteignungen jüdischen Vermögens und die Ausbeutung von Sparern zum Zwecke der Aufrüstung massiv vom Unrecht. Auch die Bankenbranche hat eine moralische Schuld in den Büchern.

Die Nachkriegszeit begründete wiederum einen Neuanfang zwischen Politik und Bankgewerbe. Konrad Adenauer vertraute auf Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank als Finanzberater und als deutscher Verhandlungsführer in der Regelung der Auslandsschulden und der Reparationszahlungen, die Deutschland nach dem Krieg leisten musste. Damit hatte er entscheidenden Anteil daran, das Fundament für den Wiederaufbau Deutschlands und die Rückkehr in die Staatengemeinschaft zu legen.

In Zeiten des Wirtschaftswunders wurden Banken zu treibenden Kräften des Aufschwungs; das Verhältnis zur Politik entwickelte sich zunehmend konstruktiv. Mit dem Erstarken liberaler Wirtschafts- und Politikansätze, der Deregulierung der internationalen Finanzmärkte und ihrer zentralen Rolle in der Orchestrierung der Deutschland AG nahm die Bedeutung des Bankensektors in Deutschland nochmals zu.

In den neunziger Jahren wirkten weitere Trends auf das Bankensystem – die Globalisierung der Finanzmärkte, die stärkere Shareholder-Orientierung in der Unternehmensführung und die Konsolidierung der Branche. Aus Selbstbewusstsein wurde oftmals Überheblichkeit. Terminologische Relikte sind in Erinnerung geblieben, seien es „Peanuts“ oder „Gottes Werk“. Die dienende Funktion der Branche geriet in Teilbereichen – insbesondere im internationalen Kapitalmarktgeschäft – in Vergessenheit.

Die Entfremdung zwischen Politik und Finanzwirtschaft setzte spätestens mit den nun rascher aufeinanderfolgenden Krisen ein. Das galt für die Phase nach dem Crash am Neuen Markt, aber sicher umso mehr nach der Finanzkrise 2007.

Die Krise des Finanzsystems – auch befördert durch die Abwesenheit einer berufsständischen Ethik in Teilbereichen des Sektors – erforderte umfassende Stützungs- und Rettungsmaßnahmen der Staatengemeinschaft. Sittengemälde wie die Filme „The Big Short“, „Margin Call“ oder die Serie „Bad Banks“ zeichnen nun kein besonders schmeichelhaftes Bild des Berufsstands. Ganz unabhängig davon, wie realistisch die Darstellungen sind, spiegelt sich darin auch die öffentliche Meinung über die Branche wider.

Um die ist es nach wie vor nicht gut bestellt: Das Vertrauen der Deutschen in die Banken liegt heute laut dem Umfrageinstitut Gallup mit 44 Prozent nur 4 Prozentpunkte höher als unmittelbar nach der Finanzkrise im Jahr 2009. Das erklärt, warum zwischen Politik und Finanzwirtschaft über längere Zeit Distanz und Sprachlosigkeit – bei einem gleichzeitig umfassenden Aufbau von regulatorischen Institutionen und Instrumentarien – herrschte.

Vier Thesen zur zukünftigen Entwicklung der Beziehungen

Welche Schlüsse lassen sich aus diesem kurzen, anekdotischen Gang durch die Geschichte nun für das zukünftige Verhältnis von Banken und Politik ziehen? Hierbei stehen vier Thesen im Vordergrund.

1. Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben: Die Finanz- und Bankenbranche ist eine Schlüsselindustrie und wird auch eine solche bleiben. Weder die berühmte Prophezeiung von Bill Gates „Banking wird gebraucht, Banken nicht“, noch die These von Ulrich Cartellieri „Banken sind die Stahlindustrie der neunziger Jahre“ haben sich bisher bewahrheitet und werden es auch künftig nicht tun. Banken wird in ihrer dienenden Funktion für die Wirtschaft auch zukünftig eine zentrale Rolle zukommen. Gerade für ein mittelständisches und dezentral geprägtes Wirtschaftssystem wie das deutsche ist eine leistungsfähige Bankenlandschaft mit Beratungen und Lösungen vor Ort zentral für den nachhaltigen Erfolg.

„Die Finanzund Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben.“

Wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen von der Altersvorsorge, über die digitale und Verkehrsinfrastruktur bis hin zur Entwicklung ländlicher Regionen werden die Zusammenarbeit vieler gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere auch der Finanzindustrie, erfordern. Gleichzeitig macht der Blick auf die skizzierte historische Entwicklung deutlich, dass die Bankenbranche bei aller Regulierung und Professionalität der handelnden Akteure auch weiterhin gesellschaftliche Systemrelevanz und Potenzial für krisenhafte Erscheinungen birgt.

2. Proportionale Regulierung des Sektors und artverwandter Branchen ist zentrale Gestaltungsaufgabe: Der Bankenregulierung kommt zweifelsfrei eine hohe Bedeutung für die Entwicklung des Sektors zu. In den Jahren nach der Finanzkrise wurden zahlreiche Fortschritte im Hinblick auf die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems erreicht. Die regulatorischen Prioritäten der Nach-Finanzkrisenzeit sind abgearbeitet. Im Zuge der weiteren Ausgestaltung muss der Begriff der Proportionalität eine noch zentralere Rolle spielen. Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem insbesondere mit den zahlreichen regional ausgerichteten Banken und Sparkassen ist von hoher Bedeutung. Sie darf nicht durch überbordende regulatorische Anforderungen infrage gestellt werden. Nach zehn Jahren des Auf- und Ausbaus entsprechender Institutionen stellt sich zunehmend die Frage, ob das Parkinson’sche Gesetz nicht an der ein oder anderen Stelle greift: Bürokratien beschäftigen sich selbst und Dritte mit nur begrenztem gesellschaftlichen Nutzen.

„Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem ist von hoher Bedeutung.“

Große Technologiekonzerne in den Blick nehmen

Der Begriff der Proportionalität kann und muss aber noch weiter gefasst werden. „Die Finanz- und Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben.“ „Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem ist von hoher Bedeutung.“ Digitaler Sonderdruck · Kreditwesen 11 / 2019 5 Durch zunehmende Regulierung und die damit verbundenen Kosten findet eine Abwanderung vieler ursprünglicher Bankgeschäfte zu anderen, nicht oder weniger regulierten Akteuren statt. Zahlreiche strukturierte Finanzierungen erfolgen zum Beispiel überwiegend durch sogenannte Schattenbanken. Eine der nächsten krisenhaften Entwicklungen könnte an dieser Stelle ihren Ursprung nehmen.

Auch bezüglich der Bereitstellung von Kundendaten gegenüber anderen Marktteilnehmern und der IT- und Datensicherheit gilt für die Bankenbranche ein umfassender Regelungsrahmen. Hier stellt sich gleichermaßen die Frage der Proportionalität, diesmal jedoch abzielend auf die großen Technologiekonzerne. Ergeben sich aus den Aktivitäten dieser Unternehmen nicht in viel stärkerem Maße potenzielle Gefährdungen bezüglich der Datensicherheit und einer gesellschaftlich problematischen Datenmonopolisierung? Hier müsste aus politischer Sicht und im gesamtgesellschaftlichen Interesse mit gleichem intellektuellen und gesetzgeberischen Ressourceneinsatz agiert werden.

3. Ethische Standards in der Unternehmensführung – Selbstverpflichtung als Chance für Banken: Alle Regulierung und Governance können ein gutes Wertegerüst in der Unternehmensführung von Banken nicht ersetzen. Eine nachhaltige Unternehmenskultur, die Orientierung an den Interessen sämtlicher Stakeholder des Unternehmens und die Einbindung in die Gesellschaft sind hierbei zentrale Pfeiler. Sie sind in manchen Bankenorganisationen – beispielsweise der genossenschaftlichen – bereits heute stärker verwurzelt als in anderen. Letztendlich führt an einer Selbstverpflichtung auf entsprechende ethische Standards in der Bankbranche kein Weg vorbei.

„An einer Selbstverpflichtung auf ethische Standards führt kein Weg vorbei.“

4. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Finanzindustrie und Politik muss wieder stärker institutionalisiert werden: Der institutionalisierte Austausch und die Zusammenarbeit – sei es mit Verbänden oder einzelnen Instituten – ist von hoher Bedeutung. Das gilt für die nationale und europäische Ebene ebenso wie für den Finanzplatz Frankfurt. Historisch konnte eine gewisse Pendelbewegung aus Nähe und Distanz konstatiert werden, sicher mit einem absoluten Tiefpunkt nach der Finanzkrise. Umso positiver ist es, dass gerade in jüngerer Zeit die gegenseitige Sprachlosigkeit einem intensiveren Miteinander gewichen ist. Hierauf sollte aufgebaut werden. Eine personelle Durchlässigkeit in beruflichen Laufbahnen zwischen Finanzindustrie und Politik kann hierbei förderlich sein – das amerikanische oder französische Modell sollten jedoch nicht Pate stehen.

Konstruktives Verhältnis und eine gemeinsame Verantwortung Der Gang durch die wechselhafte Geschichte der Beziehung zwischen Finanzbranche und Politik verdeutlicht nicht nur eine spannende Dynamik über die Jahrhunderte hinweg. Er erinnert auch an die gemeinsame Verantwortung, diese für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung so zentrale Beziehung konstruktiv zu gestalten – nicht allein verstanden als Aufruf an die Gegenseite, sondern vielmehr als Erinnerung an den eigenen Beitrag. Dazu gehört nicht zuletzt die Bereitschaft, sich mit den wechselseitigen Perspektiven auch wieder stärker inhaltlich auseinanderzusetzen und nicht nur die Diskussion, sondern den Dialog zu suchen. Denn daraus erwächst letztlich die Chance für ein neues Verständnis und konstruktives Verhältnis, das in aller Interesse sein muss.

 

* Der Beitrag basiert auf einem im Mai 2019 gehaltenen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe der studentischen Initiative FS Economy & Politics an der Frankfurt School of Finance & Management.

 

Dr. Cornelius Riese

Dr. Cornelius Riese Co-Vorstandsvorsitzender, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main

Dr. Cornelius Riese
Co-Vorstandsvorsitzender, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main

Im Verhältnis von Politik zur Wirtschaft und nach der jüngsten Finanzkrise ganz besonders zur Kreditwirtschaft registriert der Autor über viele Jahre eine gewisse Sprachlosigkeit sowie eine Überbetonung des Trennenden und erst in jüngster Zeit durch ein stärkeres Miteinander wieder eine stärkere Annäherung. Angefangen von den antiken Wurzeln über das Mittelalter und die Zeit der Industrialisierung skizziert er die verschiedenen Phasen bis hin zu den Entwicklungen vor und nach der jüngsten Finanzkrise. Vor dem Hintergrund dieses Gangs durch die Geschichte formuliert er vier Thesen für das zukünftige Verhältnis von Banken und Politik. In der Branche selbst sieht er auch in Zukunft eine Schlüsselindustrie, legt aber regulatorisch großen Wert auf eine zeitgemäße Umsetzung des Proportionalitätsgedankens, der auch die branchennahen Technologiekonzerne und den Umgang mit Kundendaten umfassen sollte. Großen Wert legt er zudem auf ein gutes Wertegerüst in der Unternehmensführung von Banken und appelliert an die gemeinsame Verantwortung von Finanzindustrie und Politik für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. (Red.)

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde Frankfurt Main Finance freundlicherweise lizenzfrei vom Knapp-Verlag zur Verfügung gestellt.

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FinanzplatzFrühstück mit Chef-Risikoanalyst der Eximbank Dr. Changhui Zhao

Auf dem 12. FinanzplatzFrühstück, das erstmals in den Räumlichkeiten der Sozietät Dentons stattfand, trafen sich über 60 Gäste aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Medien, Wissenschaft und Forschung. Eingeladen hatten Frankfurt Main Finance und der Verband der Auslandsbanken in Deutschland e.V.. Als hochkalibrigen Referenten konnte Dr. Changhui Zhao, Chief Country Risk Analyst der Export-Import Bank of China (Exim), gewonnen werden. Er sprach über die zunehmende Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts und die damit verbundenen Chancen für die Zusammenarbeit deutscher und chinesischer Finanzinstitute. In diesem Kontext verwies Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, auf die gemeinsame Erklärung, welches nach dem zweiten Finanzdialog zwischen dem chinesischen Vizeministerpräsident Liu He und dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz am 18. Januar 2019 in Peking vereinbart wurde. Demnach solle „die Vertiefung einer pragmatischen Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland bekräftigt und die bilateralen Finanzbeziehungen gestärkt werden“.

Dr. Zhao unterstrich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine vertiefte Zusammenarbeit gekommen sei. Die One Belt One Road Initiative umfasse auch die Unterstützung der chinesischen Regierung bei den Kooperationsbemühungen der Finanzzentren. Momentan sei die allgemeine europäische Sicht, dass China versuche, den Westen einzuholen. Dem stimmte Dr. Zhao zwar grundsätzlich zu, allerdings berge eine Zusammenarbeit auch neue Chancen. Beispielsweise wäre man im Bereich FinTech, in dem China sehr leistungsfähig sei, bereit gemeinsam neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Bei der anschließenden Diskussion ging es neben Fragen zum Stand des Handelskonfliktes mit den USA vor allem auch um die Notwendigkeit von Investitionen in Afrika – dem Kontinent, in dem Dr. Zhao ein besonders dynamisches Wachstum erwartet.

Titelbild Sustainable Finance Konferenz

Der EU Action Plan on Sustainable Finance: Notwendige Standardisierung oder Überregulierung?

Das Deutsche Aktieninstitut präsentierte Mitte Mai im Rahmen seiner Konferenzen mit hochkarätigen Referenten und Podiumsteilnehmern eine vielfältige Sicht auf den EU Sustainable Finance Action Plan und die damit verbundenen „Anforderungen und Chancen für Unternehmen und institutionelle Investoren“.

Die EU-Kommission will mit ihrem Aktionsplan Financing Sustainable Growth das nachhaltige Finanzwesen stärken und eine nachhaltige Unternehmensführung unterstützen. Zentrale Punkte der europäischen Gesetzgebungsinitiative sind dabei eine Nachhaltigkeits-Taxonomie, Standards für Grüne Anleihen und die Weiterentwicklung der Klimaberichterstattung von Unternehmen. Diese Aspekte standen auch im Mittelpunkt der Konferenz, die am 13. Mai unter Beteiligung hochrangiger Experten aus Industrie und Finanzwirtschaft, Wissenschaft und dem Bereich der NGOs sowie der Politik über Ziele, Wege, Chancen und Risiken diskutierten.

Auf dem Weg in eine Nachhaltige Finanzwelt

Bereits in der von Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, moderierten Einstiegsdiskussion von Thomas Kusterer, Finanzvorstand der ENBW, und Michael Schütze, Managing Director bei Allianz Global Investors wurde deutlich, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ sowohl in der Real- wie in der Finanzwirtschaft angekommen ist. So bestätigte Schütze, dass gerade institutionelle Investoren mehr und mehr für die Implementierung von ESG-Kriterien ein echtes Interesse zeigten. Und auch der Realwirtschaft sei bewusst, dass nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen die Beachtung von ESG-Kriterien beim unternehmerischen Handeln in den Fokus rücken müssen, so Kusterer. Von der neuen EU-Regulierung, allen voran der Taxonomie, erwarten sich beide Seiten vor allem mehr Transparenz und Klarheit. Risiken sieht man in der Gefahr einer Überregulierung.

Unterschiedliche Ambitionen bei EU und Bundespolitik

Mit viel Engagement und Leidenschaft für das Thema, berichtete im Anschluss Martin Spolc, Head of Unit Sustainable Finance der Europäischen Kommission, über den Stand des Action Plan, die Ziele sowie die nächsten Schritte. Er hob dabei drei zentrale Ziele hervor: 1. Die Lenkung von Kapitalströmen, 2. Nachhaltigkeit in den Mainstream des Risikomanagements zu befördern und 3. Die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in der Kapitalanlage. Bis Mitte Juni 2019 soll der finale Report der Technical Expert Group vorliegen und bis Ende des Jahres die Implementierung einer rechtlich verbindlichen Taxonomie starten. Alles Weitere liege dann in den Händen der neuen Kommission. Die Vertreterinnen der Bundespolitik äußersten sich dagegen in Bezug auf die geplante Taxonomie deutlich zurückhaltender. So betonte Dr. Eva Wimmer, Leiterin Finanzmarktregulierung im Bundesfinanzministerium unter der Fragestellung „Deutscher Aktionsplan zu Sustainable Finance?“, dass es v.a. auf Ausgewogenheit ankomme – simples Schwarz-Weiß denken sei nicht zielführend – und man sich Zeit lassen müsse, damit die Regelungen auch nachhaltig wirken könnten. Bettina Stark-Watzinger, MdB und Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags, betonte im folgenden Panel zur Frage nach der Klassifizierbarkeit nachhaltiger Wirtschaftstätigkeit, dass es sich um ein „sehr komplexes Thema“ handle und die Finanzmärkte hier nur dienende Funktion einnehmen könnten: „Die Umweltpolitik gehört ins Umweltministerium.“ Zudem favorisiere sie eine Konsolidierung der bereits vorhandenen Lösungen gegenüber einer neu auszuhandelnden Taxonomie auf europäischer Ebene.

Möglichkeiten der Klassifizierung, Offenlegung und Green Bonds

Einig war man sich auf dem Panel zur Taxonomie, dass von Karsten Löffler, Co-Head des Climate Finance Centre der Frankfurt School of Finance & Management geleitet und durch Stefan Haver, Head of Corporate Responsibility Evonik Industries, und Dr. Matthias Schmidt, Head of ESG beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland komplettiert wurde, dass es in erster Linie auf die Anwendbarkeit der Taxonomie ankomme. Hierzu müssten auch die vorhandenen Erfahrungen der Industrie miteinbezogen werden, hob Haver hervor. Ein möglicher Weg Nachhaltigkeit zu klassifizieren und messbar zu machen, wäre eine wie auch immer geartete CO2-Bepreisung, die dann über den Eingang in die GuV auch transparent gemacht würde, so der Vorschlag des Wirtschaftsprüfers.

Nach der Mittagspause diskutierten Nico Fettes, Head of Climetrics Ratings CDP Europe, Dr. Klaus Hufschlag, Senior Vice President Finance Business Intelligence & Analytics Deutsche Post DHL Group, und Dr. Thomas Schmotz, Technical Director des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee, über die Offenlegung klimabezogener Aspekte. Nico Fettes berichtete, dass Großanleger zunehmend bei ihrem Abstimmungsverhalten auf ESG-Aspekte achten und die Bedeutung dieser an den Kapitalmärkten wachse. Als Hemmnisse bei der Nutzung von ESG-Information gelten nach einer Umfrage des CFA-Institute mangelnde Quantifizierbarkeit, Vergleichbarkeit, Glaubwürdigkeit und Wesentlichkeit. Einigkeit herrschte darüber, dass die Empfehlungen der im Auftrag der G20-Finanzminister eingesetzten Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hier eine gute Orientierung bei der Reglung der Offenlegung geben könne und diese in die EU-Vorschläge integriert werden sollten.

Auch auf dem Panel zu den Markterwartungen an die Green Bond-Regelungen, das von Jochen Krimphoff, Deputy Director Green Finance beim WWF moderiert wurde („Wohl das erste Panel zu Sustainable Finance, dass von einem NGO-Vertreter moderiert wird,“ wie Kriphoff hervorhob), herrschte weitgehende Einigkeit: Sowohl Julien Bras, Portfoliomanager bei Allianz Global Investors, als auch Thomas Liesch, Senior Manager Climate Integration Allianz SE und Ingo-Peter Voigt, Senior Vice President / Head of Finance bei EnBW, betonten die Notwendigkeit einer Standardisierung. „Transparenz über den Investitionszweck ist essentiell,“ so Voigt. Darüber hinaus erhöhe eine Standardisierung das Ambitionsniveau der Emittenten, wie Liesch hervorhob. Portfoliomanager Bras verspricht sich vom neuen Standard, dass dieser die Emissionstätigkeit von Unternehmen fördern werde, die bislang noch nicht aktiv seien. Allerdings bedürfe es auch pragmatischer Lösungen, um potentielle Emittenten nicht abzuschrecken.

Modewelle oder Must Do?

„Modewelle oder Must Do?“: v.l. Dr. Bert Flossbach (Flossbach von Storch), Dr. Steffen Hörter (Allianz Global Investors), Andreas Hilka (Pensionskasse Hoechst) und Moderator Dr. Lothar Rieth (EnBW).

Uneinigkeit herrschte dagegen auf dem abschließenden Panel unter Beteiligung von Dr. Bert Folssbach, Mitbegründer und Vorstand von Flossbach von Storch, Andreas Hilka, Mitglied des Vorstands der Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe, sowie Dr. Steffen Hörter, Global Head of ESG-Strategy bei Allianz Global Investors darüber, ob Nachhaltigkeit nun ein Must-Do oder doch nur eine Modewelle sei. Die große Resonanz der Veranstaltung – der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – als auch das Momentum, welches das Thema nicht zuletzt durch die Initiative der Europäischen Kommission in Politik, Real- und Finanzwirtschaft ausgelöst hat, zeigen ebenso wie die rasant gestiegene gesellschaftliche Einsicht in die Notwendigkeit zu handeln, dass sich die Finanzindustrie inzwischen intensiv mit dem Thema beschäftigt und letztlich auch ernsthaft auseinandersetzen muss.

Von: Dr. Andreas Jaensch

FinTechGermany Award 2019

FinTechGermany Award „Golden Garage“ prämiert herausragende FinTech-Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt

Mit dem führenden investorenseitigen Gründerpreis zeichnet der Finanzplatz Frankfurt herausragende FinTech-Unternehmen in sechs verschiedenen Kategorien aus. In der Kategorie Seed-/Early Stage konnte AUTHADA GmbH die Jury überzeugen, Barzahlen – Cash Payment Solutions GmbH in der Kategorie Late Stage. Als bestes FinTech in der Growth Stage wurde solarisBank AG ausgezeichnet. TransferWise Ltd. als bestes ausländisches FinTech auf dem deutschen Markt. Zudem ging der Sonderpreis für das beste PropTech an Exporo AG und Wefox Germany GmbH wurde in der Sonderkategorie Insurtech gewürdigt.

Bereits zum fünften Mal verliehen die Organisatoren Börsen-Zeitung (WM Gruppe), Business Angels Frankfurt RheinMain, Frankfurt Main Finance und TechFluence den FinTechGermany Award an FinTech-Unternehmen mit hohem Potential. „Unser Award ‘Golden Garage‘ bietet vor allem jungen Unternehmern die Möglichkeit, mit FinTech-Insidern und Vertretern des Finanzplatzes in Dialog zu treten und Ihr Netzwerk zu erweitern. Wir freuen uns, diese Plattform bereits das fünfte Mal anbieten zu können“, so Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung. Andreas Lukic, Vorsitzender der Business Angels Frankfurt RheinMain, sagt: „Wir zeichnen die besten Fintechs, Insurtechs und Proptechs aus, die mit ihren innovativen Geschäftsmodellen und neuen Technologien den Finanzsektor wertschaffend verändern. Gleichzeitig bilden wir am Finanzplatz Frankfurt die gesamte Finanzierungskette für Startups ab – von der Gründung über Wachstum bis zur Etablierung.“ Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, führt an: „Die Kooperation zwischen FinTechs und den etablierten Akteuren am Finanzplatz ist der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg. Der FinTechGermany Award schafft die Plattform dafür.“ Michael Mellinghoff, Managing Director bei TechFluence UK, stellt fest: „Mit der Verleihung des Preises unterstützen wir insbesondere Startups mit aussichtsreichen FinTech-Konzepten und erhöhen gleichzeitig ihre Sichtbarkeit auf dem deutschen Markt.“

Das Augenmerk der sechszehnköpfigen Jury lag insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Sie bewerteten u.a. das Geschäftskonzept, Wettbewerbsvorteile, Positionierung, Finanzplan und das Management. Seed-/Early-Stage umfasst FinTechs, die bislang keine oder erste Umsätze sowie keinen oder einen ersten Prototyp vorweisen konnten. Für die Kategorie „Late Stage“ konnten sich Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz im mindestens sechsstelligen Bereich bewerben. Ein deutlich siebenstelliger Umsatz sowie internationale Expansion war Voraussetzung für eine Würdigung in der Kategorie „Growth Stage“. Günter Rothenberger, Gründer der Günter Rothenberger Industries GmbH sowie Erfinder des R-Systems, stiftete die sechs Wanderpokale in Form von vergoldeten Wasserpumpenzangen.

Andreas Plies, Geschäftsführer von AUTHADA GmbH, führte an: „Der Preis ist nicht nur für uns, sondern auch für das ganze Unternehmen. Es ist schön eine Anerkennung für die eigene Arbeit zu erfahren.“ Ulrike Czekay, Head of PR & Marketing bei Barzahlen – Cash Payment Solution GmbH, möchte bei der Zahlungsinfrastruktur ansetzen und „den Kunden die Angst vor der Digitalisierung nehmen und neue Möglichkeiten anbieten.“ Chief Commercial Officer bei der solarisBank AG, Jörg Diewald, kündigte an: „Unsere Vertriebslinie ist auf Wachstumskurs und wir suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern, um unseren Kundenanfragen gerecht zu werden.“ Thomas Adamski, European PR Manager bei TransferWise Ltd., freute sich über seine Trophäe: „In erster Linie geht es uns darum, anderen Menschen zu helfen und ihnen eine drastische Kostensenkung bei Auslandsüberweisungen zu ermöglichen. Gerade bei einem großen und aktiven Markt wie Fintech bin ich unheimlich dankbar, dass die Szene sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Alternativen ist. Ich freue mich hier sein zu dürfen und die vielen netten Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen.“ Botho von Hülsen, Senior Manager bei der Exporo AG, teilte mit: „In Deutschland wird viel gebaut und bei uns können Fondpakete auch in Form von Bestandsprodukte erworben werden. Es ist geplant, unsere Digitalisierung zunächst in Frankreich und in den Niederlanden auszurollen, da diese Länder wirtschaftlich gut einzuschätzen sind.“ John Shewell, Head of Group Marketing & Communications von Wefox Germany GmbH, fühlte sich geehrt über die Trophäe in Form einer Wasserpumpenzange: „It is a privilege to be here tonight. At the same time, it is also a honour for all tech start-ups to have the opportunity to transform the financial industry. We want to make insurance easy and convenient for our customers.”

 

Kategorie InsurTech: Wefox Germany GmbH

Kategorie PropTech: Exporo AG

Kategorie Bestes ausländisches FinTech in Deutschland: TransferWise Ltd.

Kategorie Growth Stage: solarisBank AG

Kategorie Late Stage: Barzahlen – Cash Payment Solutions GmbH

Kategorie Seed-/Early Stage: AUTHADA GmbH

Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration und Frankfurt Main Finance e.V. unterschreiben Absichtserklärung

Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration und Frankfurt Main Finance verstärken ihre Zusammenarbeit. Vom 9. bis 10. Mai 2019 hat eine chinesische Delegation mit elf Vertretern der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration sowie einigen Repräsentanten lokaler Staatsbetriebe aus Guangzhou den Finanzplatz Frankfurt besucht. Während dieser zwei Tage traf sich die Delegation mit Finanzorganisationen und vereinbarte bilaterale Kooperationspläne mit Akteuren des Finanzplatzes Frankfurt Rhein-Main.

Die Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration und Frankfurt Main Finance e.V. haben sich in einem Memorandum of Understanding auf eine langfristige Kooperation verständigt. Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., und Qiu Qitong, Geschäftsführer der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration, unterschrieben die Erklärung am 9. Mai 2019 im historischen Römer, dem Rathaus der Stadt Frankfurt am Main. Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, eröffnete das Delegationstreffen mit einer Willkommensrede. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung ist ein wichtiger Meilenstein in der bilateralen Kooperation der beiden Finanzplätze und wird die zukünftige Zusammenarbeit stärken.

Im Fokus der Vereinbarung stehen zentrale Themen der Finanzindustrie wie Green Finance, FinTech sowie grenzübergreifende Transaktionen. Das Bündnis zielt auf eine erfolgreiche Kooperation und Stärkung der Finanzplätze ab. Des Weiteren soll die Zusammenarbeit mit Hilfe von gemeinsamen Programmen wie Finanztrainings, Workshops oder Publikationen vorangetrieben werden. Darüber hinaus werden beide Seiten weiterhin an der Initiierung einer Guangzhou-Frankfurt Financial Alliance arbeiten.

Qiu Qitong, Geschäftsführer der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration, erklärte: „In der Geschichte Chinas ist Guangzhou die einzige Stadt, die niemals ihre Tür vor dem internationalen Handel verschlossen hat – und Guangzhou möchte diese Tür in Zukunft gerne noch weiter öffnen. Wir hoffen, von Frankfurt mehr über die Entwicklung hin zu einem führenden Finanzplatz zu erfahren.“

Frankfurt Main Finance Geschäftsführer Hubertus Väth kommentierte: „Wir sind hocherfreut, das Memorandum of Understanding mit der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration zu unterzeichnen. Weiterhin freuen wir uns sehr auf eine erfolgreiche Kooperation.“

Während dem zweitägigen Aufenthalt am Finanzplatz Frankfurt, besuchte die Delegation von Guangzhou die CEINEX (China Europe International Exchange), die BaFin und die Deutsche Bank. Wie viele der Unternehmensvertreter erklärten, ist Guangzhou eine der aktivsten Städte Chinas. Teil eines internationalen Kapitalmarktes zu sein, ist ein wichtiger Schritt für alle Unternehmen, die eine internationale Entwicklungsstrategie verfolgen. Frankfurt, als Finanzplatz im Herzen Europas, bietet diesen Unternehmen durch das vollständig integrierte und internationale Handelsnetzwerk zahlreiche Standortvorteile. Guangzhous lokale Unternehmen sind zudem daran interessiert, Finanzinstitute aus Frankfurt für Kooperationen zu gewinnen.

Vorne (von links): Dr. Lutz Raettig, Präsident Frankfurt Main Finance e.V. und Qiu Yitong, Director Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration. – Hinten (von links): Liu Xianchang, Director Economic Development and Finance Bureau of Guangzhou Aerotropolis Development District, Gao Shudong, Director Guangzhou Development District Bureau of Financial Affairs, Deng Xiaoyun, Director China (Guangdong) Pilot Free Trade Zone Nansha Area of Guangzhou and Guangzhou Nansha Economic and Technological Development Zone Bureau of Financial Affairs, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Hubertus Väth, Geschäftsführer Frankfurt Main Finance e.V., Eduard Hechler, Referatsleiter Internationale Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und Dr. Jochen Biedermann, Senior Advisor Frankfurt Main Finance e.V.

 

FinTechGermany Award 2019: Das sagen die Sponsoren

Am 16. Mai wird Deutschlands führender investorenseitiger Gründerpreis FinTechGermany Award zum fünften Mal am Finanzplatz Frankfurt verliehen. Dabei werden herausragende FinTech-Start-ups mit vielversprechenden Geschäftsmodellen in verschiedenen Kategorien mit der Golden Garage ausgezeichnet. Das Augenmerk der Jury liegt insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Unterstütz wird der Award für Excellenz im FinTech Bereich von Blackprint Proptech Booster, Ernest & Young, Heleba Digital, Metzler, ODDO BHF und Oliver Wymann. Warum sie sich für den Award einsetzen, lesen Sie hier:

 

„FinTech und PropTech haben deutliche Überschneidungen und ich halte es für wichtig, gerade über naheliegende Branchengrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Damit stärken wir gemeinsam den Standort Frankfurt am Main, der gerade im europäischen PropTech-Ökosystem weiterhin an Bedeutung gewinnen soll.“– Alexander Ubach-Utermöhl, Managing Partner bei blackprintpartners

 

„Der FinTechGermany Award prämiert erfolgreiche und potenzialstarke Unternehmen in vielen verschiedenen Kategorien. Deutschland als Standort für FinTech Start-ups hat stark an Attraktivität zugenommen. Erste Unicorns sind der beste Beweis für das gestiegene Interesse von inländischen und ausländischen Investoren. Das Engagement von EY für den FTGA seit der erstmaligen Verleihung geschieht mit dem Ziel, durch die Auszeichnung erfolgreicher Start-ups Vorbilder im Ökosystem herauszustellen und einen Ansporn für viele andere Gründer zu geben. Der FTGA bietet mit seinem breiten Ansatz über verschiedenste FinTech-Geschäftsmodelle, den starken Sponsoring-Partnern und seiner exzellent besetzten Jury eine ausgezeichnete Basis, um dem Zweck der Förderung des FinTech Start-up Ökosystems und der Kommunikation über die nachhaltig positive Entwicklung auch über die Grenzen Deutschlands hinaus gerecht zu werden.“– Christopher Schmitz, Partner Financial Services bei Ernest & Young 

 

„Insbesondere, wenn die B2B-FinTechs nicht nur an der Oberfläche „kratzen“, sondern sich auf Kernprozesse von Banken fokussieren, ist der Widerstand noch deutlich spürbar. Dies zu überwinden, braucht einen langen Atem und Partner, die an einen glauben. Plattformen wie der FinTechGermany Award unterstützen dabei, besondere FinTechs hervorzuheben, diese mit Unternehmen zusammenzuführen und damit die ersten Hürden einer Kooperation zu nehmen.“ – Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital

 

„Der FinTechGermany Award ist ein wichtiger Impuls, zukünftigen Gründern einen guten Start zu ermöglichen und sie zu unterstützen. Hier wird Zukunft geschrieben – es entsteht eine neue Finanzindustrie. Das birgt nicht nur für Kunden Vorteile, sondern auch für etablierte Unternehmen.“ – Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter Unternehmenskommunikation bei Metzler

 

Mit unserem Engagement beim FinTechGermany Award möchten wir zur Stärkung des FinTech-Standorts Frankfurt aktiv beitragen und ihn mit unserem Know-how unterstützen.“ – Sven Gräbedünkel, Managing Director bei ODDO BHF

 

„Wir möchten Innovation und Digitalisierung in der Finanzbranche fördern und Frankfurt dabei unterstützen, sich – als Teil einer „vierten Säule“ des deutschen Bankensystems – als führender FinTech-Hub zu positionieren.“ – Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman

 

Frankfurt Main Finance gewinnt fünf neue Mitglieder für die Finanzplatzinitiative

Frankfurt am Main – Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance e. V. begrüßt fünf neue Mitglieder und wächst damit auf 64 Mitglieder. Die Neumitglieder Bloomberg L.P., Consileon Business Consultancy GmbH, Moody´s Deutschland GmbH, Refinitiv und Schalast & Partner Rechtsanwälte mbB sind der Standortinitiative als Fördermitglieder beigetreten.

Durch ihre Mitgliedschaft geben die Vertreter aus Wissenschaft, Finanzindustrie, öffentlicher Verwaltung und dem aufstrebenden FinTech-Sektor ihrer Verbundenheit mit dem Finanzplatz Ausdruck, greifen aktuelle Themen des Finanzsektors auf und engagieren sich für die steigende nationale und internationale Bedeutung des Finanzzentrums Frankfurt am Main und der Rhein-Main-Region.

„Wir begrüßen unsere neuen Mitglieder ganz herzlich und ebenso ihr Bekenntnis zum Finanzstandort Frankfurt. Mit jedem neuen Mitglied wird auch für die bestehenden Mitglieder die Zugehörigkeit zu Frankfurt Main Finance attraktiver, die Stimme des Finanzplatzes erhält mehr Gewicht“, sagt Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance. „Durch unser Wachstum können wir gemeinsam ein breit gefächertes Branchen-Netzwerk bieten, dessen Trag- und Leistungsfähigkeit auch dem Finanzplatz Frankfurt zugutekommt. Das stetige Wachstum ist auch eine Anerkennung unserer täglichen Leistung, das Finanzzentrum weltweit zu repräsentieren und zu positionieren.“

Das neue Mitglied Bloomberg L.P. ist der global führende Dienstleister für Finanzinformationen und Finanznachrichten. „Frankfurt ist unser größter Standort in Kontinentaleuropa: Unsere Mitgliedschaft bei Frankfurt Main Finance drückt unsere Verbundenheit mit diesem wichtigen und wachsenden Finanzplatz aus. Wir freuen uns auf den Austausch in der Initiative. Als globales Unternehmen an 176 Standorten weltweit wollen wir uns insbesondere bei der weiteren internationalen Vernetzung Frankfurts einbringen“, sagt Friederike von Tiesenhausen, Head of External Relations DACH Bloomberg L.P.

Dr. Joachim Schü, geschäftsführender Gesellschafter der Consileon Business Consultancy GmbH, freut sich über den Beitritt seines Unternehmens zur Frankfurt Main Finance: „Gerade mit der sukzessiv abnehmenden Bedeutung von London als Finanzplatz aufgrund des Brexits nimmt die Bedeutung Frankfurts als starkem Wirtschaftsraum und Zentrum europäischer Geldpolitik erheblich zu. Wir bekennen uns mit unserer Mitgliedschaft bei Frankfurt Main Finance klar zum Standort Frankfurt, was wir mit der kürzlich erfolgten Verlegung unseres Frankfurter Büros ins Herz der Stadt zusätzlich unterstreichen. Wir möchten uns gerne mit unserer ganzen Expertise aus dem Bereich Finanzwirtschaft in den Verein einbringen und freuen uns sehr auf den Austausch mit den anderen Mitgliedern und Stakeholdern.“ Mit der Consileon Frankfurt GmbH und der syracom AG bündelt die Consileon-Gruppe erhebliches Fachwissen in der Beratung von Banken, Versicherungen, FinTechs und anderen Finanzdienstleistern.

Carl-Johan von Uexküll, Managing Director Germany & Switzerland bei Refinitiv, bekräftigt: „Mit unserer Mitgliedschaft bei Frankfurt Main Finance zeigen wir unser Vertrauen in den Finanzstandort Frankfurt. Gleichzeitig möchten wir aktiv zu der positiven Entwicklung der Stadt beitragen und sehen den Austausch mit allen weiteren Finanzmarktakteuren in Frankfurt und der Rhein-Main-Region mit Optimismus sowie Begeisterung entgegen.“

Dr. Andreas Walter, Partner und Leiter Banking & Finance bei Schalast, sagt „Wir betrachten uns als festverwurzelter Teil der Kultur der Stadt Frankfurt am Main, des wichtigsten kontinentaleuropäischen Finanzmarktzentrums. Vor diesem Hintergrund sind wir besonders glücklich darüber und stolz darauf, dass wir neben der Beratung zahlreicher bereits vor Ort sitzender Unternehmen, viele ausländische Unternehmen der Finanzindustrie dabei unterstützen durften und dürfen, ihre Deutschland- oder Europazentralen in Frankfurt zu eröffnen und etablieren. Gerade weil aus rechtlicher Perspektive bankaufsichtsrechtliche Fragen verstärkt in den Vordergrund rücken und FinTech-Unternehmen aus der ganzen Welt Interesse an Frankfurt haben, freuen wir uns umso mehr jetzt auch formal Teil von Frankfurt Main Finance geworden zu sein“.

Interview mit Andreas Lukic zum FinTechGermany Award 2019

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH und Jury-Koordinator des FinTechGermany Awards (FTGA), gibt im Interview mit Frankfurt Main Finance einen Einblick in die Entwicklung des Preises. Warum es den FinTechGermany Award eigentlich jeden Monat geben sollte, erfahren wir auch.

Was hat Sie inspiriert, den FinTechGermany Award als eine Reihe jährlicher Veranstaltungen ins Leben zu rufen?

Ich habe in den 90ern und um die Jahrtausendwende in den USA und England gearbeitet. Bei meiner Rückkehr fiel mir auf, dass es im Rhein-Main-Gebiet nur ein sehr kleines Startup-Ökosystemen gab. Es mangelte an Privatinvestorennetzwerken oder andere Initiativen, die Startups, Investoren und Auftraggeber zusammenbringen. Deshalb bin ich 2002 Mitglied in einem kleinen Business Angel Club geworden, seit 2006 bin ich Vorsitzender der Business Angels Frankfurt Rhein Main. Wir schauen uns jedes Jahr rund 900 Startups an und machen dann ca. 20 bis 30 Investments – auf privater Basis. Der Beitrag zum Startup-Ökosystem steht dabei im Fokus.

Mit dem Ausklang der Finanzkrise haben Wirtschaft und Politik begonnen, sich stärker für Gründer zu interessieren. Es bildeten sich Initiativen wie das Dialogforum FinTech, aus der auch das TechQuartier und der FinTechGermany Award, die „Golden Garage“, entstanden. Mit dem Award zeigen wir, dass Frankfurt als Finanzzentrum von Weltrang im Bereich Startups Flagge zeigen muss, um attraktiv für Gründer zu sein. Wir können zwar nicht sagen „Wir sind die Coolsten, die Kreativsten und die, die am längsten im Markt sind“. Aber wir können sagen, „Wir sind ein Finanzplatz – inklusive Kapital- und Finanzmarktkompetenz“. Und das auch schon 100 Jahre Plus. Der investorenseitige Award ist ein Beleg dafür, dass wir beurteilen können, ob Startups finanzierbar, skalierbar und Exit-fähig sind.

Wie hat sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?

Inzwischen haben wir etwa 180 Startups, die jedes Jahr – wie bei den „Oskars“ – für den FTGA nominiert werden. Startups können sich natürlich auch extern bewerben. Mit diesen knapp 200 Unternehmen haben wir jedes Jahr den Markt gut abgebildet. Mittlerweile sind wir groß genug, dass wir eine eigene Preisverleihung haben. Diese findet dieses Jahr im Eurotheum, also im Zentrum der Stadt, statt. Eine offene Jurysitzung hat zudem im Rahmen des Finanzplatztages stattgefunden.

Was waren zu Beginn des FinTechGermany Awards die Herausforderungen für FinTechs in Deutschland?

FinTech ist zunächst einmal nichts Neues. Neu ist die breite öffentliche Wahrnehmung. Wir hätten im Jahr 2005 so einen Award nicht machen können. Es gab kein Zentrum, wo man gebündelt Ressourcen finden konnte. Mittlerweile ist das Thema FinTech doch recht etabliert. Es ist selbstverständlich geworden, neue Technologien im Finanzbereich einzusetzen.

Während es vor einigen Jahren darum ging, erste Ideen und Marktbereiche zu besetzen und sich richtig zu positionieren, liegt der Fokus heute darauf, sich richtig zu etablieren. Heutzutage müssen Startups viel tiefer eindringen und einen Mehrklang aus Endkunden, Wettbewerbslandschaft und Profit hinkriegen. Daher gibt es heute weniger Gründungen, dafür aber sehr viel „an- und durchfinanzierte“ FinTechs. Das ist der Wandel.

Sie haben die Entwicklungen der Gewinner-Unternehmen bis heute verfolgt. Haben die Gründer und ihre Unternehmen nach dem Gewinn des FinTechGermany Awards eine erhöhte Aufmerksamkeit von Investoren erfahren?

Ja, Gründer und Unternehmer haben nach dem Award erhöhte Aufmerksamkeit von der relevanten Öffentlichkeit. Diese Aufmerksamkeit wächst proportional mit der Bedeutung des FinTechGermany Award.

FinTechgermany Award Verleihung 2018

FinTechgermany Award Verleihung 2018

Als Startup – egal ob Seed/Early Stage, Late Stage oder Growth Stage – brauchen Sie immer Alleinstellungsmerkmale. Jeder macht viel Lärm. Jeder Wettbewerb, jeder Preis und jeder Zugang zu Partnern und Netzwerken sind für ein Startup daher sehr wichtig. Dieser Effekt gilt aber immer auch andersrum: Auch der Finanzplatz und die Spieler hier profitieren davon – beispielsweise in Form von Kooperationen und Aufträgen.

Was die Investoren angeht: Wir müssen zeigen, dass es sich lohnt nach Frankfurt zu kommen. Nicht nur wegen des herkömmlichen Netzwerkens, sondern eben auch wegen der Startups. Wir bräuchten so etwas wie den FintechGermany Award eigentlich jeden Monat (lacht).

Der Name „Goldene Garage“ bezieht sich auf die frühen Anfänge von Technologiepionieren wie Bill Gates, Steve Jobs und Larry Page. Sehen wir Karrieren wie diese heute auch noch? Oder sind aufstrebende FinTechs bereits auf dem Weg von ihren Garagen und Schlafzimmern zu den FinTech Hubs und Büros dieser Welt?

Die Garage ist das Symbol der unkonventionellen Gründung. Hewlett-Packard ist dabei die Urform. Im Silicon Valley gibt es ja sogar ein Museum, „die alte Garage“. Und ja, dieses unkonventionelle Gründen hält an.

Es gibt drei Merkmale, die ein Gründerzentrum ausmachen:

1. Gründer-Landschaft

Wenn man das Silicon Valley betrachtet, fällt auf, dass dort nur wenige Gründer geboren wurden.  Es gibt also nicht dieses eine Gründergen, das eine Region hat – oder nicht. Wir müssen daher eine attraktive Gründer-Landschaft selbst schaffen.
Dieser Faktor bleibt konstant und wir haben im Rhein-Main-Gebiet über die Jahre deutlich aufgeholt.

2. Ausbildungslandschaft

Dazu zählen Universitäten, das Handwerk, aber auch Kulturangebote wie Museen. Das Rhein-Main-Gebiet hat sich in dieser Hinsicht deutlich auf das Gründen spezialisiert.

3. Finanzierungskette

Es muss eine Finanzierungslandschaft geschaffen werden, in der Startups alle Investmentformen – von 1000 über 10.00 bis 100.000 Euro – bekommen können. Deswegen betone ich auch immer den investorenseitigen Award und die Kapitalmarktkompetenz der Jury. Finanzierung ist unser Zukunftsthema. Die Goldene Garage lebt davon, dass ich mich dort niederlassen kann und mein Unternehmen auch finanziert bekomme. Wenn man mal an Facebook und Co. denkt: Irgendjemand hat denen ja mal zwischen einhundert- und fünfhunderttausend Dollar in die Hand gedrückt. Gleichzeitig hatte dieser Business Angel im Hinterkopf eine Idee, wo es mit diesem Startup einmal hingehen wird. Im Fintech-Bereich sind wir da heute auf einem guten Weg.

 

 

Andreas Lukic ist Gründer und Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH, einer im Jahr 2000 gegründeten privaten Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft, die Beteiligungen, Finanzierungen sowie M&A-Transaktionen bei Management-Buy-outs/Buy-ins sowie Unternehmensnachfolgen durchführt, sich fallweise an wachstumsorientierten Unternehmen aus dem Konzern-, Mittelstands- sowie Startup-Bereich beteiligt sowie deren Unternehmensentwicklung unterstützt und daneben in ausgewählte Immobilien investiert. Herr Lukic ist Mitglied mehrerer Beiräte, Vorstandsvorsitzender der Business-Angels FrankfurtRheinMain e.V. und seit 1999 als Business-Angel aktiv. Daneben unterstützt er renommierte, aufstrebende Künstler im Rahmen der Schirn Zeitgenossen, Frankfurt. Weitere Informationen zur Person finden Sie hier.

CFS-Index konsolidiert auf hohem Niveau

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt um 0,4 Punkte auf 112,4 Punkte. Der im Ergebnis leichte Rückgang ist differenziert zu betrachten. Das Umsatzwachstum der Finanzinstitute entwickelte sich im ersten Quartal positiv. Hingegen melden die Dienstleister hier einen starken Rückgang bei unverändert positiven Erwartungen für das zweite Quartal. Die Ertragszuwächse der Finanzbranche verliefen im ersten Quartal rückläufig, jedoch besteht auch hier ein anhaltender Optimismus für das laufende Quartal. Das Wachstum des Investitionsvolumens der Finanzinstitute bleibt konstant, die Dienstleister melden einen Anstieg. Wie zuvor erwartet, haben die Finanzinstitute im ersten Quartal Stellen abgebaut und erwarten weitere Reduzierungen im zweiten Quartal. Hingegen melden die Dienstleister einen leichten Anstieg des Mitarbeiterwachstums.

„Ein insgesamt leicht positiver Produktivitätstrend in der Finanzbranche zeigt sich in der Verbindung von stabilen Investitionen und Mitarbeiterzahlen bei zugleich steigenden Umsätzen und Erträgen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland konsolidiert auf hohem Niveau. Der entsprechende Wert sinkt um 3,6 Punkte auf 123,4 Punkte. Dieser Rückgang liegt in der Einschätzung der Finanzinstitute begründet. Der entsprechende Index-Wert dieser Gruppe liegt mit 113,2 Punkten 14,8 Punkte unter dem Niveau des vorangegangenen Quartals. Die Beurteilung der Dienstleister ist hingegen sehr positiv. Deren Sub-Index-Wert steigt um 7,7 Punkte auf 133,6 Punkte.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Der Finanzplatz Frankfurt wird weiter an internationaler Bedeutung zunehmen, so die vorherrschende Meinung am Finanzplatz. Der leichte Rückgang des Index ist die logische Reaktion auf die Verzögerung des Brexit.“

Umsatzwachstum der Finanzinstitute positiv / Starker Rückgang des Umsatzwachstums der Dienstleister, Erwartungen trotzdem unverändert positiv

Die Umsätze bzw. das Geschäftsvolumen der Finanzinstitute und Dienstleister haben sich im ersten Quartal gegensätzlich entwickelt. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute steigt um 2,3 Punkte auf 115,0 Punkte und es wird mit weiteren leichten Zuwächsen gerechnet. Die Umsätze der Dienstleister liegen mit 111,2 Punkten deutlich unter dem Niveau des Vorquartals (-9,7 Punkte), wobei jedoch die Erwartungen für das laufende Quartal unverändert sehr optimistisch bleiben.

Ertragszuwächse rückläufig, jedoch anhaltender Optimismus für das laufende Quartal

Die Ertragszuwächse entwickeln sich im ersten Quartal entgegen den Prognosen vom Vorquartal rückläufig. Speziell die Finanzinstitute befinden sich mit dem Rückgang des Sub-Index um 7,5 Punkte auf nun 101,0 Punkte auf einem abgeschwächten Wachstumsniveau, erwarten aber für das laufende Quartal wieder eine positive Entwicklung. Der Sub-Index der Dienstleister liegt mit 107,2 Punkten 4,3 Punkte unter dem Niveau des ersten Quartals. Auch hier bleiben die Dienstleister für das laufende Quartal, wie auch bei den Umsätzen, unverändert optimistisch.

Investitionsvolumen der Finanzinstitute konstant / Dienstleister melden Anstieg

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute verweilt im ersten Quartal mit 112,0 Punkten kaum verändert (-0,1 Punkte) auf einem mittleren Niveau. Für das zweite Quartal wird ein leichter Rückgang des Wachstums erwartet. Hingegen melden die Dienstleister im ersten Quartal einen Anstieg ihres Investitionsvolumens. Der Sub-Index steigt um 2,6 Punkte auf 114,8 Punkte. Es wird erwartet, dieses Niveau im laufenden Quartal zu halten.

Verstärkter Stellenabbau bei den Finanzinstituten / Leichter Anstieg des Mitarbeiterwachstums bei den Dienstleistern

Wie in den Vorquartalen erwartet wurde, bauen die Finanzinstitute nun Stellen ab. Der Mitarbeiter-Sub-Index der Finanzinstitute sinkt entsprechend um 4,3 Punkte auf 96,2 Punkte. Es wird mit einem weiteren Stellenabbau im zweiten Quartal gerechnet. Bei den Dienstleistern hat sich das Mitarbeiterwachstum leicht positiv entwickelt. Der entsprechende Sub-Index steigt um 0,9 Punkte und befindet sich mit 112,4 Punkten auf einem guten Stand. Für das laufende Quartal rechnen die Dienstleister mit einem weiteren Wachstum.

 

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

CFS-Umfrage zum Thema Green Finance

Angesichts der zunehmenden Diskussionen über den Klimawandel und seine Folgen nimmt auch die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzbereich zu. Unter den Schlagworten „Sustainable“ oder „Green“ Finance gibt es inzwischen zahlreiche Initiativen, die sich mit dem Beitrag des Finanzsektors zur Erreichung der Klimaziele beschäftigen. Eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies ergab, dass die deutsche Finanzbranche mehrheitlich (64%) die Meinung vertritt, dass der Finanzsektor bei der Erreichung der Klimaziele eine unterstützende Rolle einnehmen könnte. 17% der Befragten ordnen dem Finanzsektor sogar eine tragende Rolle zu. Hingegen sehen 18% der Befragten hier keine Relevanz.

„Ich sehe große Chancen für den Finanzplatz Frankfurt, von dem wachsenden Trend zu nachhaltigen Finanzprodukten oder auch vom Handel mit Emissionsrechten zu profitieren“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentprodukten (z.B. Green Bonds) nimmt zu. Die Finanzbranche glaubt mehrheitlich (70%), dass der Nachhaltigkeitsaspekt künftig für Investoren eine wichtige Rolle bei ihren Anlageentscheidungen spielen wird. Hingegen nehmen 26% der Befragten an, dass der Nachhaltigkeitsaspekt die Anlageentscheidungen nicht beeinflussen wird.

Bei dem Thema, inwieweit es zu staatlichen Einflussnahmen kommen sollte, ist sich die deutsche Finanzbranche geschlossen einig (70%), dass es weder staatliche Anreize (z.B. steuerliche Entlastungen) für Green Bonds geben sollte, noch sollten regulatorische Erleichterungen (z.B. bei der Eigenkapitalbelastung) für Banken geschaffen werden, die weniger oder keine Geschäfte mit umweltbelastenden Unternehmen machen.

„Die Bankenregulierung sollte nicht mit klimapolitischen Zielen überfrachtet werden. Zum einen ist die Regulierungsdichte im Finanzsektor ohnehin schon sehr hoch. Zum anderen können Kapitalerleichterungen für umweltfreundliche Finanzierungen zu Fehlanreizen führen, die die Finanzstabilität gefährden“, erläutert Brühl weiter.

Wenn es um die Frage geht, ob das Umweltverhalten von Firmenkunden bei der Kreditentscheidung von Banken (z.B. im Rating) berücksichtigt werden sollte, ist die Meinung der Finanzbranche eher zweigeteilt. Während 52% der Befragten diesen Aspekt befürworten, sprechen sich 45% dagegen aus.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Umfrageergebnisse zeigen klar, die Zeit ist reif und nachhaltige Produkte sind gesucht. Dazu braucht es keine weiteren staatlichen Anreize. Das ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich nachhaltige Produkte bereits heute im Wettbewerb durchsetzen können.“

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.