Sustainable Finance

Nachhaltigkeit im Finanzsektor muss zum Mainstream werden

Der Finanzplatz Deutschland und Europa forcieren einen Wandel zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaft.  Das Bundesfinanzministerium und das Bundesumweltministerium haben Anfang Juni in enger Kooperation mit dem Bundeswirtschaftsministerium und weiteren Ministerien den Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung ins Leben gerufen, um mit der Unterstützung von Akteuren aus der Finanz- und Realwirtschaft, der Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft seine Sustainable-Finance-Strategie zu entwickeln. Nachhaltigkeit biete Chancen, neue Wege der Wertschöpfung zu erschließen, Wirtschaft und Unternehmen modern und zukunftsgerichtet aufzustellen, die notwendige Transformation zu begleiten und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu stärken, so Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

Nachfolgenden finden Sie den ausführlichen Beitrag, der Börsen-Zeitungsausgabe vom 16. August 2019 veröffentlicht wurde und Frankfurt Main Finance zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung gestellt wurde:

Nachhaltigkeit im Finanzsektor muss zum Mainstream werden

Deutschland und Europa bereiten sich auf einen umfassenden Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaft vor. Dieser Prozess ist dringend notwendig, denn es geht dabei auch um die Zukunft unserer Wirtschaft und den gesellschaftlichen Wohlstand. Umwelt- und Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit sind kein Selbstzweck, sondern eine ökologische, ökonomische und soziale Notwendigkeit. In den nächsten Jahren werden in erheblichem Umfang nachhaltige Investitionen nötig sein – in physische Infrastruktur, Anlagen, Technologien, aber auch in die Neuorganisation von Prozessen und in neues Wissen. Investitionsbedarf besteht nicht nur in den Bereichen Klima, Energie oder Verkehr, sondern auch in Ressourceneffizienz, in Kreislaufwirtschaft, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft – und das in globalem Maßstab.

Gewaltiger Investitionsbedarf

Die EU-Kommission geht davon aus, dass allein zur Erreichung der EU-Klimaziele bis 2030 eine Investitionslücke von mindestens 180 Mrd. Euro jährlich innerhalb der EU gefüllt werden muss. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert das jährlich notwendige weltweite Investitionsvolumen sogar auf 6 000 Mrd. Dollar allein für Infrastruktur. Wenn wir bis 2050 die CO2 -Emissionen fast vollständig reduzieren wollen, müssen wir diese Investitionen schon heute im Blick haben. Die öffentlichen Haushalte werden diesen Wandel allein nicht stemmen können. Alle Sektoren werden für diese Transformation gebraucht. Die Umsetzung der Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele wird die Investitionstätigkeit in nahezu allen Sektoren anregen. Unser Ziel ist es, dass sich der Wandel insgesamt positiv auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auswirkt und sozialverträglich gestaltet wird.

Finanzsystem stark gefordert

Das Finanzsystem kann nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Gelingen dieses Strukturwandels leisten. Es liegt auch im Interesse der Finanzmarktakteure selbst, nachhaltige Investments zu berücksichtigen. Nachhaltigkeitsbezogene Risiken, insbesondere Klimarisiken, haben auch einen Einfluss auf Rendite und Sicherheit der Investitionen. Besonders der Wandel der Realwirtschaft birgt Risiken und Chancen für Finanzmarktakteure. Alle Akteure am Kapitalmarkt sollten diese verstehen und in ihrem Handeln berücksichtigen. Dies betrifft übrigens auch den Staat als Anleger am Kapitalmarkt.

Die Finanzindustrie kann somit die Chance ergreifen und zeigen, dass sie mit ihren Dienstleistungen die Realwirtschaft unterstützt und einen Beitrag leistet, indem sie auch Nachhaltigkeit in ihre Entscheidungsprozesse integriert. Daraus ergeben sich drei grundlegende Fragen, die die europäische und auch die nationale Agenda bestimmen: Wie erreichen wir, dass mehr in Nachhaltigkeit und Klimaschutz investiert wird, ohne zugleich Fehlanreize zu setzen? Wie bilden wir systemische und finanzielle Risiken sowie Chancen, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcennutzung, Umwelteinflüssen und sozialen Problemen ergeben, besser in Investitions- und Finanzierungsentscheidungen ab? Wie erhöhen wir Transparenz und das Langfristdenken bei finanz- und realwirtschaftlichen Entscheidungen? Kurzum: Wie wird die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in Entscheidungen der Finanzmarktakteure stärker zum Mainstream? Hier realistische und praktikable Antworten zu finden, ist auch eine Aufgabe des neu eingerichteten Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung.

Viele Finanzmarktakteure haben bereits erkannt, dass Sustainable Finance ein wichtiges Thema ist. Die Bundesregierung will aktiv dazu beitragen, dass sich dies fortsetzt und noch mehr Akteure die Bedeutung von Sustainable Finance erkennen. Das Bundesfinanzministerium und das Bundesumweltministerium haben deshalb Anfang Juni in enger Kooperation mit dem Bundeswirtschaftsministerium und weiteren Ministerien den Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung ins Leben gerufen. Akteure aus der Finanz- und Realwirtschaft, aus Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft sollen die Bundesregierung besonders darin unterstützen, eine Sustainable-Finance-Strategie zu entwickeln. Dabei werden europäische und internationale Initiativen ebenso berücksichtigt wie die laufenden Arbeiten in der Bundesregierung zur Anlagestrategie des Bundes. Ein erster Entwurf der Strategie soll bereits beim 3. Sustainable-Finance-Gipfel am 16. Oktober öffentlich vorgestellt und diskutiert werden.

Alle Akteure eint das gemeinsame Verständnis, dass nachhaltige Investitionen unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und bei Investitionen das klassische „Zieldreieck“ der Investitionsentscheidung – Risiko, Rendite und Liquidität – gültig bleibt, wenn Nachhaltigkeitsaspekte bei der Einschätzung der Risiken und Renditechancen berücksichtigt werden.

Transformation flankieren

Unsere gemeinsame Botschaft ist: Nachhaltigkeit bietet Chancen, neue Wege der Wertschöpfung zu erschließen, Wirtschaft und Unternehmen modern und zukunftsgerichtet aufzustellen, die notwendige Transformation zu begleiten und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu stärken.

Die deutsche Volkswirtschaft verfügt über erhebliche Potenziale, diesen Markt für sich weiter zu erschließen. Dies sollte uns motivieren, die Weichen weiter in Richtung Zukunft zu stellen und entsprechende Rahmenbedingungen z. B. durch eine gemeinsame europäische Taxonomie zu schaffen. Die Sustainable-Finance-Strategie für Deutschland wird hieran einen wichtigen Anteil haben. Wir sehen mit großer Erwartung und Zuversicht den Arbeiten im neuen Beirat entgegen.

Von Jochen Flasbarth und Dr. Jörg Kukies

Sustainable Finance bietet Chancen für den Finanzsektor und Wettbewerbsvorteile für Deutschland.

Musik im Rheingau – FMF und Hessen Agentur begrüßen Händler

Der Finanzplatz Frankfurt Rhein-Main kann mit hoher Lebensqualität und einem vielfältigen kulturellen Leben punkten. Dazu gehört auch das Rheingau Musik Festival, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, herausragende Talente zu entdecken und fördern. Das internationale Event gehört zu den größten Musikfestivals Europas und hat sich für so manche jungen Künstlerinnen und Künstler als Sprungbrett für die große Karriere erwiesen. Das Format „Klassik-Marathon“ ist dabei ein etabliertes Format, das eine Vielzahl von aufstrebenden Stars der klassischen Musik in den Mittelpunkt stellt. Die Veranstaltung fand am 17. August 2019 auf dem Schloss Johannisberg statt, einem wunderschönen Schloss auf dem Gipfel des von Reben umgebenen Bergs hoch über dem Rheintal.

Als Zeichen des Willkommens luden Frankfurt Main Finance und die Hessen Agentur Wertpapierhändler ein, die in Folge des Brexit-Referendums kürzlich an den Finanzplatz Frankfurt gezogen sind.

„Wir bedanken uns bei Hessen Trade & Invest für das Engagement beim Klassik-Marathon. An der Veranstaltung nahmen Devisen-, Anleihen- und Aktienhändler von globalen Finanzinstituten teil. Unser Dank gilt auch Union Investment, die die Käuferseite vertreten hat und immer mehr Händler in ihrer neuen Heimat, dem Finanzplatz Frankfurt, willkommen heißt“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, das Trader Event.

Eschborn im Fokus

Skulpturen, die Börse, eine aufstrebende Kulturszene, Branchenvielfalt und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung: Die Stadt Eschborn liegt im Herzen Hessens und hat einiges zu bieten. In unserer Beitragsserie rund um den Finanz- und Wirtschaftsstandort Eschborn entdecken wir die Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven. Matthias Geiger, Bürgermeister Eschborns, wird uns in einem exklusiven Interview einen Einblick in die Lebensqualität der Stadt geben; Dong-Mi Park-Shin, Leiterin der Wirtschaftsförderung Eschborn, diskutiert mit uns, warum es gerade so viele Start-ups nach Eschborn zieht.

Lebensqualität

Was gibt es Schöneres, als an einem Sommerabend ein Konzert unter freiem Himmel zu genießen? Von Juni bis August 2019 veranstaltet die Stadt Eschborn eine Open-Air-Reihe: Jeden Mittwoch geben Bands unterschiedlichster Musikrichtungen ihr Repertoire zum Besten. Open-Air-Theater mit anspruchsvollem Programm gibt es an vier Freitagabenden: Sowohl heitere Komödien als auch musikalisches Kabarett erleben Zuschauende während des Sommers.

Auch tagsüber zieht die Stadt Kulturinteressierte an, die ihre Besuche am Frankfurter Museumsufer gern durch einen Abstecher zur Skulpturenachse Eschborns erweitern. Es ist keine lineare Achse, sondern ein Netz mit verschiedenen Kreuzungspunkten. Je nach Standort wechselt der Blick zwischen der Silhouette der Frankfurter Skyline und dem Taunus. Bereits seit Ende des 20. Jahrhunderts werden in der Stadt moderne Skulpturenparks gezielt als Ausstellungsräume angelegt. Natur und Kultur gehen bei der Schau eine spannende Verbindung ein: Die Standorte verändern sich mit den Lichtverhältnissen der verschiedenen Jahreszeiten. Die Skulpturenachse durchzieht inzwischen das gesamte Stadtgebiet von Eschborn und Niederhöchstadt und schafft neue unverwechselbare Orte: Sie prägt nicht nur das Stadtbild, sondern stellt mit den hier lebenden Menschen einen Dialog her.

Wirtschaft

Insgesamt arbeiten knapp 37.500 Menschen in Eschborn, knapp 7.000 davon im Finanzdienstleistungssektor. Vor allem für junge Finanztechnologie-Unternehmen, die die Nähe zu etablierten Finanzdienstleistern suchen, ist der Finanzplatz Frankfurt Rhein-Main ein Standortvorteil. Unterstützt werden die Gründer durch Acceleratoren, wie das TechQuartier in Frankfurt, oder Initiativen der Städte und Länder. Einen tieferen Einblick in Eschborns Wirtschaft gibt Dong-Mi Park-Shin in unserem Interview.

Neben den Start-ups zeichnet sich Eschborns Wirtschaft durch eine große Branchenvielfalt sowie einen starken Fokus auf eine nachhaltige Entwicklung aus. In diesem Zusammenhang hat Matthias Geiger eine Initiative zur Vermeidung von Lichtverschmutzung in den Magistrat eingebracht, die mehrheitlich beschlossen wurde. Der Beschluss sieht vor, dass eine Gestaltungssatzung über den Umgang mit Kunstlicht sowie städtische Richtlinien zur energiesparenden, klimaschonenden und umweltverträglichen Beleuchtung erarbeitet werden, um Lichtverschmutzung und negative Auswirkungen auf Mensch und Natur zu vermeiden bzw. zu vermindern. Belange von Sicherheit, Umwelt, Funktion und Gestaltung sollen dabei in Einklang gebracht werden. Was das Leben in der Stadt ausmacht und welche Maßnahmen für die weitere Stadtentwicklung geplant sind, wird uns Bürgermeister Matthias Geiger im Interview selbst erzählen.

 

CFS-Umfrage: Deutsche Finanzbranche rechnet nun klar mit einem „harten Brexit“

Die neue britische Regierung unter Premierminister Boris Johnson bereitet sich darauf vor, die EU am 31. Oktober ohne Abkommen zu verlassen. Auch die deutsche Finanzindustrie rechnet nun größtenteils mit einem harten Brexit. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies. Dabei halten 55% der Befragten einen ungeordneten Austritt Großbritanniens für wahrscheinlich, 31% halten ihn sogar für sehr wahrscheinlich. Lediglich 11% sind in dieser Hinsicht optimistischer.

Die Mehrheit der Befragten (63%) erachtet den deutschen Finanzsektor im Falle eines harten Brexits als ausreichend vorbereitet, während 36% die Meinung vertreten, dass hier noch mehr Handlungsbedarf besteht.

„Wenn man die inzwischen hohe Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit berücksichtigt, sind die Umfrageergebnisse eher besorgniserregend. Denn viel Zeit für Anpassungsmaßnahmen bleibt den Marktteilnehmern nicht mehr“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die EU hat Nachverhandlungen des Brexit-Deals ausgeschlossen und sollte nun auch keine neuen Kompromisse anbieten, um einen harten Brexit eventuell noch zu vermeiden. Diese Meinung wird mehrheitlich (70%) von der deutschen Finanzbranche vertreten. Dennoch sind sich die Befragten ebenso einig (61%), dass die Finanzmärkte das Szenario eines harten Brexit noch nicht vollständig antizipiert haben und es demzufolge auch zu Marktverwerfungen kommen könnte.

„Die Umfrage verdeutlicht, dass man mögliche Nachteile eines harten Brexit in Kauf nimmt, um endlich Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen zu haben“, erläutert Brühl weiter.

Bei den Befragten besteht auch geschlossen Einigkeit (88%) darin, dass es im Falle eines ungeordneten EU-Austritts der Briten zu vermehrten Verlagerungen von Geschäftsaktivitäten und Beschäftigten nach Kontinentaleuropa kommen wird.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, und die Mehrheit der Befragten geht offensichtlich davon aus, wird es darauf ankommen, dass die Finanzplätze in Kontinentaleuropa ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Gelänge es dann noch länderübergreifend zu kooperieren, könnte Europa gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.“

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

CFS-Index weiterhin rückläufig

Finanzbranche verzeichnet deutlichen Rückgang des Wachstums des Investitionsvolumens / Finanzinstitute melden steigende Ertragszuwächse bei sinkendem Umsatzwachstum und einen abgeschwächten Stellenabbau

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt um 2,5 Punkte auf 109,9 Punkte. Damit setzt der Index seinen rückläufigen Trend nun seit einem Jahr fort. Der aktuelle Rückgang lässt sich insbesondere auf eine deutlich schwächere Entwicklung des Investitionsvolumens der Finanzbranche zurückführen. Des Weiteren melden die Finanzinstitute ein vermindertes Umsatzwachstum, welchem jedoch steigende Ertragszuwächse und ein geringerer Stellenabbau entgegenstehen. Auch das Umsatzwachstum der Dienstleister befindet sich auf einem niedrigen Niveau. Zusätzlich melden sie sinkende Ertragszuwächse, welche sich im Vorjahresvergleich auf einem sehr niedrigen Stand befinden. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister optimistisch.

„Die Rückgänge bei den Kernindikatoren Umsatz, Ertrag und Investitionen bei insgesamt unveränderter Beschäftigungslage unterstreicht die schwierige Lage der Branche, deren verschlechterte Aussichten nun neben den Banken auch die Dienstleister erfasst hat“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird, wie bereits im Vorquartal, mit -3,7 Punkten weiter konsolidiert, befindet sich aber mit 119,7 Punkten noch auf einem guten Niveau. Der erneute Rückgang liegt in der Einschätzung der Dienstleister begründet. Deren Index-Wert ist um 11,8 Punkte auf 121,8 Punkte gesunken. Nachdem die Einschätzung der Finanzinstitute im ersten Quartal stark rückläufig war, haben sie diese nun wieder nach oben korrigiert. Deren Sub-Index steigt um 4,4 Punkte auf 117,6 Punkte. Finanzinstitute und Dienstleister liegen nun in Ihrer Einschätzung nahe beieinander.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die gegenläufigen Bewegungen bei Finanzinstituten und Dienstleistern scheinen mir Beleg für eine abwartende Haltung zu sein. Wahrscheinlich wissen wir erst nach dem 31. Oktober als dem nächsten möglichen Brexit-Tag, wohin die Reise geht.“

Umsatzwachstum der Finanzinstitute rückläufig

Das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens der Finanzinstitute hat sich im zweiten Quartal rückläufig entwickelt. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 3,0 Punkte auf 112,0 Punkte. Es wird mit einem weiteren leichten Rückgang für das laufende Quartal gerechnet. Die Umsätze der Dienstleister bleiben mit 110,9 Punkten nahezu konstant auf dem niedrigen Niveau des Vorquartals (-0,3 Punkte), wobei sie für das laufende Quartal unverändert optimistisch sind.

Deutliche Ertragszuwächse der Finanzinstitute / Sinkende Ertragszuwächse der Dienstleister bei positiven Erwartungen für das laufende Quartal

Die Ertragszuwächse der Finanzinstitute haben sich im zweiten Quartal, wie zuvor prognostiziert wurde, positiv entwickelt. Der Sub-Index steigt um 3,4 Punkte auf 104,4 Punkte. Hingegen sinkt der Sub-Index der Dienstleister um 3,7 Punkte und befindet sich im Vorjahresvergleich (-24,2 Punkte) mit 103,5 Punkten auf einem sehr niedrigen Stand. Für das laufende Quartal sind die Dienstleister, wie auch bei den Umsätzen, unverändert optimistisch. Die Finanzinstitute erwarten einen Rückgang der Ertragszuwächse.

Wachstum des Investitionsvolumens der Finanzbranche gesunken

Die Finanzbranche meldet für das zweite Quartal ein gesunkenes Wachstum ihres Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt um 5,8 Punkte auf 106,1 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen einen Rückgang um 4,9 Punkte auf 109,9 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten die Finanzinstitute einen weiteren leichten Rückgang, die Dienstleister sind optimistischer.

Stellenabbau der Finanzinstitute abgeschwächt / Mitarbeiterwachstum der Dienstleister konstant

Der Stellenabbau der Finanzinstitute hat sich leicht abgeschwächt. Der Mitarbeiter-Sub-Index steigt entsprechend um 2,5 Punkte auf 98,7 Punkte. Für das laufende Quartal wird mit einem nahezu konstanten Niveau des Stellenabbaus gerechnet. Die Dienstleister melden unverändert zum Vorquartal ein konstantes Mitarbeiterwachstum. Der entsprechende Sub-Index verweilt bei 112,4 Punkten. Für das laufende Quartal wird ein leicht ansteigendes Wachstum der Mitarbeiterzahlen erwartet.

Apfelweinfestival 2019 am Finanzplatz Frankfurt

Seit jeher prägt die Apfelweinkultur das Leben am Finanzplatz Frankfurt – so sehr, dass die Stadt dem „Ebbelwoi“ ein eigenes Event widmet. Vom 9. bis 18. August findet das Frankfurter Apfelweinfestival 2019 auf dem Rossmarkt statt. Die Eröffnung übernimmt Oberbürgermeister Peter Feldmann am 9. August 2019 um 18 Uhr.

Bei der Veranstaltung wird die Vielfalt des hessischen Nationalgetränks präsentiert. Neben dem traditionellen Schoppen werden auch Cocktails und Mischgetränke mit Apfelwein angeboten. Für das leibliche Wohl sorgen vom Apfelwein inspirierte Köstlichkeiten, wie Apfelweinbratwurst oder Apfelflammkuchen. Wer ein Stück hessische Trinkkultur mit nach Hause nehmen möchte, findet dort eine große Auswahl an originellen und traditionellen Apfelwein-Merchandise-Artikeln.

Zudem wird Gästen des Frankfurter Apfelweinfestivals 2019 ein vielfältiges Unterhaltungsangebot geboten: Musikalisch sorgen sechzehn Live-Bands für Stimmung. Im Mix aus Rock, Pop und Cover Bands ist für jeden Geschmack etwas Passendes dabei.

Das Highlight der Veranstaltung bildet die Vergabe des Goldenen Apfels. Am 14.08.2019 verleiht Stadträtin Rosemarie Heilig den Preis an eine Person oder Gruppe, die sich besonders für den Schutz von Streuwiesenobst und deren Produkte einsetzt. Mit der Auszeichnung honorieren der Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e.V., die MGH GUTES AUS HESSEN GmbH sowie die Naturschutz-Akademie Hessen den Einsatz für das kulturhistorisch und ökologisch Bedeutende Streuobst.

Weitere Informationen zum Event und dessen Programm finden Sie hier.

BVI-Jahrbuch 2019: Fundgrube für Daten und Fakten zur Fondsindustrie

Das aktuelle Jahrbuch des Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) ist erschienen. Der Report wirft einen Rückblick auf das Asset Management-Jahr 2018 und liefert Zahlen, Fakten und Perspektiven in erfreulicher Breite und Tiefe.

Der weltweite Wettbewerbsdruck im Asset Management ist 2018 weiter gestiegen. Gebührendruck und Technisierung der Prozesse sind Katalysatoren einer Entwicklung, in der sich die Asset Manager auf ihre globale Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren müssen. Welche Leitplanken die EU-Kommission für ihre Arbeit aufstellen wird, ist dem BVI zufolge derzeit noch nicht abzusehen. Das Jahrbuch berichtet ausführlich über regulatorische Herausforderungen für die Asset Management Branche. Unter anderem stehen diese Themen im Fokus des Reports:

  • Nachhaltigkeit: Fondsbranche leistet Beitrag zum Gesamtkonzept
  • Private Altersvorsorge: Riester benötigt neue Impulse
  • Digitalisierung der Asset Management-Branche
  • Brexit: kein Grund zur Panik

Ergänzt werden die Berichte durch einen Rückblick auf die Arbeit des BVIs 2018 sowie eine detailreiche Daten und Fakten-Sammlung. Letztere informiert ausführlich über die Fondsbranche allgemein, Publikumsfonds, Spezialfonds, offene Immobilien Fonds und Geldanlagen.

Deutschland ist bedeutendster Absatzmarkt für Investmentfonds in Europa

Die deutsche Fondsbranche habe sich dem BVI zufolge 2018 in einem schwierigen Marktumfeld gut behauptet. Das verwaltete Vermögen liege bei 3 Billionen Euro, wovon knapp eine Billionen Euro auf offene Publikumsfonds und 1,6 Billionen Euro auf offene Spezialfonds entfallen. Somit sei Deutschland der bedeutendste Absatzmarkt für Investmentfonds in Europa. Insgesamt bieten Gesellschaften aus 39 Ländern in Deutschland Publikumsfonds an.

Weitere Informationen zum Jahrbuch finden Sie auf der BVI-Homepage.

Paris Europlace International Financial Forum: New Frontiers in Finance

Expertenvorträge, Panel-Diskussionen und Networking: Auf dem International Financial Forum in Paris wurden Mitte Juli 2019 die Chancen und Herausforderungen der globalen Finanzindustrie – unter anderem die Themen Digitalisierung und Sustainable Finance – diskutiert und Markttrends von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen analysiert. In einem von Arnaud de Bresson, Chief Executive Officer von Paris Europlace und Chairman of the World Alliance of Interntational Financial Centers, moderierten Workshop, an dem neben Repräsentanten der internationalen Finanzplätze Toronto, Astana, Tokyo und Abu Dhabi auch FMF Geschäftsführer Hubertus Väth teilnahm, stand zudem die Zusammenarbeit internationaler Finanzzentren sowie das globale Wirtschaftswachstum im Mittelpunkt.

Digitalisierung der Finanzindustrie und Sustainable Finance

Vom 9. bis zum 10. Juli tagten Wirtschaftsexperten und -expertinnen, CFOs, CIOs, Senior Executives, Investierende sowie Vertreter und Vertreterinnen von Finanzdienstleistern, Regulatoren und Politik, begleitet von der Presse, nahe der berühmten Champs-Élysées in Paris. Im Fokus des diesjährigen International Financial Forums standen vor allem die Themen:

  • Sustainable Finance,
  • Europäische Perspektiven in einer sich global verändernden Welt
  • Digitale Finanztrends
  • Wachsende Kapitalmärkte

Zwei dieser Themen – Digitalisierung und Green Finance – sprach Francois Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, in seiner Rede am ersten Veranstaltungstag an: The theme of this Forum – ‘New Frontiers in Finance’ – prompts us to look towards new territories that we have to explore and conquer. Regarding finance, I will focus on two of them: digitalisation and green finance. (…) Digitalisation is shaking up the way we live and consume, opening up a world of possibilities for corporates and customers alike. Worldwide, it clearly represents both an opportunity and a challenge for banks, as well as for supervisors. (…) We are currently witnessing a growing awareness from central banks, supervisors and financial institutions about climate-related risks. Clearly, green finance and climate risks management have gone from the ‘nice to have’ to the ‘must have’, from emotion to reason.

International Financial Centers: Cooperation for Economic Growth

In einem von Arnaud de Bresson moderierten Workshop diskutierte FMF-Geschäftsführer Hubertus Vaeth neben Keiichi Aritomo, Executive Director von FinCity Tokyo, Kairat Kelimbetov, Gouverneur des Astana International Financial Centre, Jennifer Reynolds, President & CEO von Toronto Financial International, und Philippe Richard, Director of the Financial Services Regulatory Authority, Abu Dhabi Global Market, die Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzzentren und das globale Wirtschaftswachstum.

De Bresson betonte die Wichtigkeit neuer Finanztechnologien, der Globalisierung und Sustainable Finance-Themen für internationale Finanzplätze. Zudem gehöre die Information der Öffentlichkeit über die Relevanz der Finanzzentren zu den aktuellen Schwerpunkten der globalen Finance-Hubs. Kelimbetov schloss sich an und hob zudem hervor, dass sich internationale Finanzzentren nicht ausschließlich auf die Banken konzentrieren dürften – sie müssten vielmehr die Förderung der Gesamtwirtschaft im Blick haben. Philippe Richard informierte die Workshop-Teilnehmer über aktuelle Solarenergie – und Green City Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Abu Dhabi. Auch die Bedeutung von FinTechs für internationale Finanzzentren stand im Fokus der Diskussion: Hubertus Väth betonte die Rolle junger, innovativer und agiler Gründungsunternehmen, die den Brückenschlag von agiler Technik in die Finanzszene realisieren, als zentralen Wettbewerbsfaktor für alle Finanzinstitutionen.

Impressionen des International Financial Forums 2019 finden Sie auf der Homepage von Paris Europlace.

Astana Finance Days

Astana Finance Days

Was sind neue Ideen für internationale und regionale Finanzplätze rund um den Globus? Welche Trends sind zu beobachten und welche Chancen ergeben sich daraus für Finanzstandorte und deren Netzwerke? Diese und weitere Fragen wurden im Juli 2019 auf den Astana Finance Days in Nur-Sultan, Kasachstan, von Finanz-, Politik-, Wissenschafts- und Wirtschaftsexperten diskutiert. Im Fokus vieler Podiumsdiskussionen standen die Themen Governance, Infrastruktur, Finanztechnologien und globale Kooperationen zwischen internationalen Finanzplätzen.

Mit der in den vergangenen Jahrzehnten eingetretenen Verschiebung des Kräftegleichgewichts zwischen den führenden internationalen Finanzzentren in Asien, Nordamerika und Europa haben sich die Rollen und Positionierungen der Finanzzentren gewandelt – und mit ihnen die Zusammenarbeit zwischen den Finanzplätzen. Vor diesem Hintergrund diskutierte ein von Dr. Jochen Biedermann, Geschäftsführer der World Alliance of International Financial Centers (WAIFC), moderiertes Panel die Wettbewerbsfähigkeiten der internationalen Finanzplätze unter sich rapide verändernden Rahmenbedingungen. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Attraktivität bereits etablierter Finanzplätze im Vergleich zu neuen Konkurrenten.

Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance, nahm an dem Panel “International Finncial Centres: the Outlook to 2025 and beyond” teil. Mit ihm diskutierten Sandy Frucher, Vizepräsidentin der Nasdaq, Frederic de Laminne, Generalsekretär des Belgian Finance Clubs, und James Martin, stellvertretender CEO des AIFC.

 

Ein weiteres Thema, das immer mehr Aufmerksamkeit erfährt, wurde von WAIFC-Vertretern aus Brüssel, Busan, Casablanca, Frankfurt, London, Luxemburg, Mauritius, Moskau, Nur-Sultan und Paris debattiert: FinTech-Talententwicklung und Kapazitätsaufbau – beides sei für den Erfolg eines FinTech-Ökosystems von besonderer Bedeutung. Eine lebhafte Podiumsdiskussion entwickelte sich um die Aufnahme des Themas “FinTech” in den Lehrplan von Business Schools und weiteren Bildungsprogrammen. In diesem Zusammenhang erörterte das internationale Podium auch professionelle Zertifizierungen und Umschulungen von erfahrenen Finanzexperten.

Die globale Zusammenarbeit zwischen den internationalen Finanzzentren war jedoch nicht nur ein Thema während der Konferenz: Am letzten Tag der Veranstaltung verlieh die WAIFC dem ersten Präsidenten Kasachstans, Nursultan Nazarbayev, eine Ehrenauszeichnung für die Gründung der AIFC und seinen Beitrag zur Förderung der globalen Zusammenarbeit zwischen den internationalen Finanzzentren.

Frankfurt Finance Summit 2019: Navigieren in unsicheren Gewässern

Seit 2011 wird der Frankfurt Finance Summit jährlich am Finanzplatz Frankfurt abgehalten. Unter dem diesjährigen Motto Navigating in uncertain waters kamen am 18. Juni 2019 mehr als 200 hochkarätige Persönlichkeiten der nationalen und internationalen Finanzwelt zusammen und diskutierten die Themen:

  • Finanzplatz Deutschland: Strategien für den Erfolg in rauen Zeiten
  • Künstliche Intelligenz (KI) in der Finanzindustrie: Supermacht vs. Superrisiko, Revolution vs. Phrase
  • Werte verbinden: eine digitale Finanzdrehscheibe für Europa
  • Europa nach der Wahl und vor dem Brexit: Stabilität für funktionierende Märkte sichern

Die Teilnehmer waren Repräsentanten aus einem breiten Spektrum der Finanzdienstleistungsbranche – vorwiegend Entscheider aus Zentralbanken, Börsen, Aufsichtsbehörden, Banken, Versicherungen, Politik, Unternehmen und Wissenschaft.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance, eröffnete den Frankfurt Finance Summit mit einer herzlichen Begrüßung aller Teilnehmenden sowie Referentinnen und Referenten. Nach der anschließenden Willkommensrede durch Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, übernahm Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, das Wort. Dr. Kukies verwies auf die Notwendigkeit, sich bestmöglich auf alle Brexit-Eventualitäten vorzubereiten. Zwar seien bereits große Erfolge bei der Umsetzung wichtiger Maßnahmen erzielt worden, jedoch sei Europa bisher an einer gemeinsamen Taxonomie gescheitert. Eine europäische Einigung bleibe aber äußerst wichtig für ein nachhaltiges Finanzwesen.

Finanzplatz Deutschland: Strategien für den Erfolg in rauen Zeiten

Während der ersten Podiumsdiskussion wurde bei einer Umfrage an das Auditorium ersichtlich, dass laut Mehrheit der Summit-Teilnehmer die Zukunft des deutschen Bankensektors in Europa liegt. Diese Auffassung teilte auch der Deutschland-Chef von BNP Paribas Paribas Lutz Diederichs. Seiner Meinung nach sei die deutsche Bankenbranche nicht vom Inlandsmarkt abhängig, sondern stark internationalisiert. Auch Prof. Dr. Isabel Schnabel, Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, bestätigte diese Tendenz. Sie hob die Schwächen der Euro-Struktur hervor und bekräftigte, dass Deutschland in dieser Hinsicht mehr Reformen benötige. Co-Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, Cornelius Riese, sprach sich für eine umfassendere Strategie aus. Neben der Marktkapitalisierung seien auch Faktoren wie Kultur und Stakeholder-Interessen wesentliche Metriken zur Beurteilung des Finanzsystems oder eines Finanzinstituts.

Künstliche Intelligenz (KI) in der Finanzindustrie: Supermacht vs. Superrisiko, Revolution oder Phrase

Weiter ging es mit einer Diskussion über den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Finanzindustrie, an der Prof. Dr. Martin Hellmich, Partner bei Deloitte, Carsten Mürl, Director Product Management bei Mastercard, Dr. Holger Rommel, Head Research and Digital Transformation bei ti&m, Vahe Andonians, Senior Lecturer bei der Frankfurt School of Finance & Management, und Chris Boos, Gründer von Arago, teilnahmen. In erster Linie räumte Chris Boos, KI-Pionier aus Deutschland, mit Vorurteilen rund um das Thema auf. Die allgemeine Angst vor der KI sei vollkommen unbegründet. Zwar hätte sich die KI in den letzten fünf Jahren noch rasanter entwickelt als die letzten 50 Jahre zusammen, jedoch würde der Mensch auch in Zukunft nicht von der Maschine dominiert werden. Demnach seien Verständnis und Vertrauen der entscheidende Schlüssel für den Einsatz von KI in der Finanzindustrie.

Werte verbinden: eine digitale Finanzdrehscheibe für Europa

Bei dem anschließenden Powertalk zwischen Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, wurde der Frankfurter Finanzplatz unter die Lupe genommen. Prof. Wuermeling führte an, dass nach dem Brexit-Referendum ein Wettbewerb zwischen den europäischen Finanzzentren, im Werben um Geschäft, Stellen und Mitarbeiter aus London, ausgelöst wurde. Dabei ging es nicht nur darum, wer ein Stück vom Kuchen bekam, sondern wie groß das sei. Der Finanzplatz Frankfurt müsse entscheiden, ob er eine kooperative oder eine wettbewerbsorientierte Führung übernehmen wolle. Sein Rat wäre, den kooperativen Ansatz zu verfolgen, da durch eine Zusammenarbeit ein größeres Stück vom Kuchen gewonnen werden könne. Außerdem gab sich Wuermeling zuversichtlich, dass Frankfurt fünf Jahre nach dem Brexit die Führung im europäischen Finanzwesen übernehmen werde.

Europa nach der Wahl und vor dem Brexit: Stabilität für funktionierende Märkte sichern

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion befürwortete John Berrigan, stellvertretender Generaldirektor der EU-Kommission, in ähnlicher Weise eine Bankenunion. Dadurch könne die EU auf globaler Ebene an Gewicht zunehmen. Im Hinblick auf den Brexit sollten alle Beteiligten laut Herr Berrigan alles in ihrer Macht Stehende veranlassen, um die Risiken möglichst zu minimieren. Hierzu führte Matthias Graulich, Vorstandsmitglied der Eurex Clearing AG, die Unverzichtbarkeit von Anreizen an, sodass jeder Einzelne motiviert werde, zur Stabilität beizutragen. Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), machte auf die allgemeine Müdigkeit rund um das Thema Brexit aufmerksam. Zwar sei der Brexit sehr komplex und unberechenbar, aber er warnte ebenfalls davor, die Welt nur ausschließlich durch die Linse des Brexit zu betrachten. Es ginge schließlich nicht um London gegen den Rest der Welt. Rückblickend auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre, dürfe laut Felix Hufeld nicht vergessen werden, dass im Finanzsektor auf europäischer Ebene viele wichtige Verbesserungen in einer sehr kurzen Zeit vorgenommen wurden.

Der 9. Frankfurt Finance Summit endete mit einer Zusammenfassung der Kerninhalte des Tages sowie mit dem Schlusswort durch Michael Speth, Mitglied des Vorstands der DZ Bank.

  • Dr. Lutz R. Raettig, Chairman of the Executive Committee, Frankfurt Main Finance e.V

  • Dr. PhilippNimmermann, State Secretary, Hessen Ministry of Economics, Energy, Transport and Housing

  • Dr. Jörg Kukies, State Secretary, Federal Ministry of Finance

  • Prof. Dr. Uwe StegemannSenior Partner, McKinsey & Company, Lutz Diederichs, CEO, BNP Paribas Germany

  • Prof. Dr. Isabel Schnabel, Member of the German Council of Economic Experts, Professor of Financial Economics, University of Bonn

  • Frank Strauß, Member of the Management Board, Head of Private & Commercial Bank, Deutsche Bank

  • Dr. Cornelius Riese, Co-Chief Executive Officer, DZ BANK AG

  • Inken Schönauer, Editor-in-Chief, EURO FINANCE magazin, Chris Boos, CEO & Founder, arago

  • Vahe Andonians, Senior Lecturer, Frankfurt School of Finance & Management, Chris Boos, CEO & Founder, arago, Prof. Dr. Martin Hellmich, Partner, Deloitte, Carsten Mürl, Director Product Management, Mastercard, Dr. Holger Rommel, Head Research & Digital Transformation, ti&m

  • Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Member of the Executive Board, Deutsche Bundesbank, Hubertus Väth, Managing Director, Frankfurt Main Finance e.V.

  • Stephan Lutz, Partner, Capital Markets Leader, PwC Germany, John Berrigan, Deputy Director General Directorates B, C, D and E, DG Financial Stability, Financial Services and Capital Markets Union, European Commission, Maria Demertzis, PhD, Deputy Director, Bruegel, Matthias Graulich Member of the Executive Board, Eurex Clearing; Global Head of Fixed Income, Funding and Financing Strategy and Development, Deutsche Börse Group, Felix Hufeld, President, Federal Financial Supervisory Authority (BaFin), Boštjan Jazbec, PhD, Member of the Board and Director of Resolution Planning and Decisions, Single Resolution Board

  • Ram Shoham, Founder of Accelerator Frankfurt and Andreas Glänzel, Managing Director of Frankfurt Main Finance

  • Michael Speth, Member of the Executive Board, FIRM; Member of the Executive Board, DZ BANK