Euro-Clearing nach dem Brexit – Hubertus Väth im Interview mit BBC Radio 4

Der ECON, der Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments, hat eine Stellungnahme zum künftigen Umgang mit dem Euro-Clearing in Drittstaaten abgegeben. Das Euro-Clearing über zentrale Verrechungsstellen CCP (Central Counter Parties) gilt als ein wichtiger Baustein für die Finanzarchitektur der Europäischen Union nach dem Austritt der Briten aus der Union. Derzeit wird der überwiegende Teil dieser Geschäfte über ein Unternehmen in London abgewickelt. Derzeit läuft die Debatte, ob das so bleiben kann. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt in einem Interview mit Dominic O’Connell für BBC Radio 4 wie er die Stellungnahme des ECON versteht und welche möglichen Folgen das haben könnte. Der Vorschlag des ECON ist ein erster Indikator für die finale Haltung der EU.

Derzeit ist nicht sicher, welche Auswirkungen der Ausstieg Großbritanniens auf den Finanzplatz London haben wird, jedoch sei davon auszugehen, dass Euro denominierter Derivat-Handel zukünftig unter strengerer Aufsicht durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) und Europäische Zentralbank stehen wird.

Frankfurt ist nach London das wichtigste Zentrum für Euro-Clearing und grundsätzlich sei das Vorhandensein mehrerer Clearing-Institute wichtig, um etwa in Krisenzeiten stabiler aufgestellt zu sein, als das in quasi Monopolstrukturen möglich ist. Zwar könne eine Verlagerung des Clearings mit ökonomischen Kosten verbunden sein, jedoch versprachen bisherige Testportfolios Vorteile bei der Altersvorsorge.

Hören Sie das ganze Interview auf Englisch hier.

Eschborn for Business 2018

Eschborn for Business 2018

Das Trendkonzept New York und wie Startups die Arbeitskultur verändern

Die aktuelle Ausgabe des Magazins Eschborn for Business ist erschienen. Das jährlich erscheinende, englisch-deutsche Magazin wirft ein Spotlight auf die Stadt Eschborn als aufstrebenden und modernen Wirtschaftsstandort im Rhein-Main Gebiet, beleuchtet die kommerzielle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und deckt spannende Trends nachhaltiger Stadtentwicklung auf.

In der aktuellen Ausgabe Eschborn for Business 2018 wird über das Trend-Konzept „New York“ berichtet, das Mitarbeitern unter anderem mehr Möglichkeiten für Partizipation und eigenverantwortliches Arbeiten bietet. Was genau sich hinter diesem besonders Innovationsförderenden Konzept verbirgt und welche Rolle agile FinTechs und Start-ups dabei spielen, lesen Sie ab Seite acht.

„FinTechs – Bier und Pizza statt Krawatte?“ Als Pioniere der Innovationskultur bekannt, stellt sich die Frage, wie sie das Wirtschaften erneuern. Die Antwort darauf, gibt es ab Seite 16: „Trotz Digitalisierung wird es in der Wirtschaft künftig mehr denn je um den ‚Faktor Mensch‘ gehen“, sagt Helen Hain, CEO MarketDialog Eschborn. Wussten Sie beispielsweise, dass 24 Prozent der Start-ups einen Kickertisch im Büro haben?

Weitere interessante Reportagen, Interviews und Hintergründe finden Sie in den Rubriken Netzwerke, Wirtschaft, Infrastruktur und Eschborn Aktiv. Ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe:

  • „Small but Smart. Ein Standort mit Qualität“ – Die Stadt Eschborn hat vorteilhafte Rahmenbedingungen und wächst kontinuierlich seit 40 Jahren. Lesen Sie mehr über Eschborns Small-but-Smart-Profil.
  • „Mehr Platz. Mehr Grün. Mehr Wohlfühlen“ – Gertler Estates will neue Maßstäbe in Eschborn Süd setzen.
  • „Eschborn 2030+ Ideen für die Zukunft“ – Gemeinsam mit Bürgerschaft und Wirtschaft arbeitet die Stadt zurzeit an einem ehrgeizigen Projekt: dem Masterplan für Eschborns Zukunft
  • „Der hessische Oscar“ – 30 Ehrenamtliche wurden für ihr vorbildliches Engagement vom Kommunale Kino Eschborn K ausgezeichnet.

Eschborn: Spitzenstandort mit hoher Lebensqualität

Dank einer einzigartigen Verbindung wichtiger Wirtschaftsfaktoren hat sich die Stadt Eschborn mit ihren 21.000 Einwohnern zu einem internationalen und modernen Geschäftsknoten entwickelt. 95 % der 4.000 dort ansässigen Unternehmen sind Dienstleister, hauptsächlich aus den Finanz-, IT-, Beratungs- und Telekommunikation-Sektoren. Etwa 80 High-Tech-Unternehmen haben sich ebenfalls in Eschborn angesiedelt und etablieren die Stadt zum wichtigen Innovationsknoten in Frankfurt Rhein-Main.

Laden Sie sich die neueste Ausgabe Eschborn for Business herunter!

Deutsches Aktieninstitut

Die schöne neue Welt der Abschlussprüfer

Ein Happening der Abschlussprüfer – geht das überhaupt? Ja! Das bewies die lebhafte Konferenz zum neuen Abschlussprüfungsreformgesetz (AreG) des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt. Den Groove erzeugte das mannigfaltige Optimierungspotenzial der neuen Verordnung. Den Beat steuerten diverse Unternehmensvertreter mit ersten Erfahrungsberichten bei. Weiterlesen

CFS Index_April 2018_Centre for Financial Studies

CFS-Index kann Rekordstand vom Vorquartal nicht halten

Umsatz- und Ertragszuwächse sinken, befinden sich aber nach wie vor auf hohem Niveau / Finanzinstitute stellen nach lang anhaltendem Stellenabbau wieder Mitarbeiter ein / Investitionsvolumen stabil

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, fällt im ersten Quartal 2018 um 3,4 Punkte, befindet sich mit 116,7 Punkten aber immer noch auf einem guten Stand. Der Rückgang lässt sich auf eine schwächere Entwicklung der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens sowie auf eine verminderte Ertragskraft, eher bei den Dienstleistern als bei den Finanzinstituten, zurückführen. Diese Entwicklung bestätigt somit die Prognose der Dienstleister aus dem vorangegangenen Quartal, das Rekordwachstum vom vierten Quartal 2017 nicht halten zu können. Andererseits befinden sich die Mitarbeiterzahlen der Finanzbranche im Aufwärtstrend. Die Finanzinstitute stellen nach lang anhaltendem Stellenabbau erstmalig wieder Mitarbeiter ein. Auch das Investitionsvolumen der Finanzbranche bleibt stabil auf einem hohen Niveau.
„Der Gesamtindex folgt eng der rückläufigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Bei den Mitarbeitern zeigt sich dagegen ein positiver Trend. Erstmals seit langem überwiegen bei den Banken die Optimisten, wie es bei den Dienstleistern schon lange Zeit zu beobachten war. Zusammengenommen spricht dies für positive längerfristige Erwartungen in der Finanzindustrie“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird weiterhin sehr positiv beurteilt, jedoch hat sich diese Einschätzung leicht abgeschwächt.

Mit einem Rückgang um 4,1 Punkte auf 131,8 Punkte liegt der Unternehmensstandort-Index, der die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland bewertet, leicht unter den enorm hohen Werten der letzten Quartale.

„Die Bedeutung des Finanzplatzes wird wachsen, das sehen die Marktteilnehmer, wenn auch in etwas verringertem Maße. Der Wettbewerb nach dem Brexit-Referendum hat sich verschärft. Unseren Vorsprung zu verteidigen, erfordert nun stärkere Anstrengungen.“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Nach einem enorm starken Vorquartal sinken Umsätze und Erträge wieder, befinden sich aber nach wie vor auf hohem Niveau

Nach einem außergewöhnlich starken vierten Quartal 2017 können die befragten Finanzinstitute und Dienstleister das enorme Wachstum ihrer Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens nicht weiter halten. Der entsprechende Sub-Index sinkt bei den Finanzinstituten um 4,1 Punkte auf 118,6 Punkte und bei den Dienstleistern sogar um 16,2 Punkte auf 121,3 Punkte. Die Finanzinstitute erwarten auch für das laufende Quartal einen weiteren leichten Rückgang, die Dienstleister hingegen wieder einen leichten Anstieg.

Auch das Ertragswachstum beider Gruppen entwickelt sich rückläufig, bleibt jedoch auf einem hohen Stand. Der entsprechende Sub-Index sinkt bei den Finanzinstituten um 2,8 Punkte auf 111,1 Punkte, für das laufende Quartal wird jedoch wieder mit einem Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern ist mit -11,4 Punkten auf 122,2 Punkte ein stärkerer Rückgang zu verzeichnen, und es wird ein weiterer Rückgang für das laufende Quartal erwartet.

Investitionsvolumen nahezu unverändert auf hohem Niveau

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute steigt leicht um 1,0 Punkte auf 114,8 Punkte, und es wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern sinkt der entsprechende Sub-Index leicht um 1,3 Punkte auf 112,6 Punkte. Hier wird allerdings mit einem leichten Anstieg im laufenden Quartal gerechnet.

Mitarbeiterzahlen der Finanzbranche im Aufwärtstrend / Finanzinstitute stellen nach lang anhaltendem Stellenabbau wieder Mitarbeiter ein

Nach dem anhaltenden Stellenabbau der letzten Quartale melden die Finanzinstitute erstmalig wieder einen Mitarbeiterzuwachs. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt um 4,0 Punkte auf 102,6 Punkte. Es wird jedoch erwartet, dieses Niveau im laufenden Quartal nicht ganz halten zu können. Auch die Entwicklung bei den Dienstleistern ist positiv, es werden verstärkt Mitarbeiter eingestellt. Der Sub-Index steigt um 6,2 Punkte auf 123,0 Punkte. Für das laufende Quartal wird mit einem leicht abgeschwächten Mitarbeiterzuwachs gerechnet.

CFS-Umfrage: Deutsche Finanzbranche erwartet weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China

Die USA haben beschlossen, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte vor allem aus China zu erheben. China ist wiederum kaum bereit einzulenken und Zugeständnisse zu machen. Nach einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies erwartet die deutsche Finanzbranche mehrheitlich, dass der Handelsstreit zwischen den beiden Staaten weiter eskalieren wird. Darin sind sich 75% der Befragten einig.

Die EU und andere Staaten sind von dem Handelsstreit vorläufig noch nicht direkt betroffen. Allerdings könnten die US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus China dazu führen, dass chinesische Überkapazitäten in diesen Produkten stärker in andere Regionen, wie die EU, drängen. Bei der Frage, ob es dazu kommen kann, dass die EU über kurz oder lang ebenfalls ihre Zölle auf Importe aus China anheben muss, ist die Finanzbranche zweigeteilt. Während 46% diese Entwicklung durchaus für wahrscheinlich halten, wird sie von 45% als unwahrscheinlich und von 5% als sehr unwahrscheinlich erachtet.

„Die Umfrage verdeutlicht die hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer mit Blick auf die künftige Entwicklung des Handelsstreits und den möglichen Konsequenzen für Europa. Ich gehe daher davon aus, dass die Volatilität auf den europäischen Aktienmärkten steigen wird“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.
Auch der EU stehen schwierige Verhandlungen mit den USA bevor, in denen voraussichtlich die bisherige Zollstruktur der EU insgesamt diskutiert werden wird. Die deutsche Finanzbranche ist sich größtenteils darüber einig (83%), dass seitens der EU bei zukünftigen Verhandlungen mit den USA Zugeständnisse gemacht werden müssen (z.B. durch geringere Importzölle auf andere US-Produkte), um Strafzölle der USA auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU definitiv zu verhindern.

„Ich glaube, dass die Handelspolitik der Trump-Administration das Potenzial hat, die Architektur der europäischen Zollunion deutlich zu verändern, da Europa erhebliche Zugeständnisse an die USA machen muss.“, so Brühl weiter. „ Letztlich wird man nicht daran vorbeikommen, die transatlantischen Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU neu zu gestalten.“
Angesichts der aktuellen Entwicklungen sind 55% der Befragten der Meinung, man solle die Verhandlungen über ein transatlantisches Handelsabkommen (TTIP) wieder aufnehmen, um den Handel zwischen den USA und der EU auf eine neue Grundlage zu stellen. 39% hingegen sprechen sich gegen eine Wiederaufnahme der TTIP-Verhandlungen aus.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Handelskriege sind Gift für die Wirtschaft. Die Unsicherheit und die gestiegenen Risiken sorgen für Zurückhaltung.“

ReInvent Eröffnungsfeier

Neue Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung

Frankfurt am Main ist Sitz des ersten Legal Innovation Hub in Kontinentaleuropa. Am 12. April2018 wurde ReInvent eröffnet, die Denkfabrik für neue juristische Lösungen und digitale Produkte in der Hanauer Landstraße im Osten der Main-Metrople. Hier soll ein Ökosystem für Branchenexperten der Rechtsindustrie geschaffen und Austausch von Ideen ermöglicht werden.

Die Herausforderungen der Branche sind enorm. Die Verbindung von Startup-Mentalität und Innovationskultur einerseits mit fundiertem Know-how andererseits, wie sie sich ReInvent vorgenommen hat, soll wichtige Impulse zur Zukunftsfähigkeit der Branche und der Unternehmen, die zunehmend auf Rechtsexpertise angewiesen sind, beisteuern.

Betont wurde bei der Feier zur Eröffnung die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft insgesamt sowie der Rechtsindustrie und die daraus resultierenden Konsequenzen. Steigender Kostendruck und rapide technologische Neuerungen erzeugen gerade in großen Anwaltskanzleien neuen Handlungsbedarf. Die Herausforderungen anzunehmen und zusammen mit den Mitgliedern an Lösungsansätzen und Produkten zu arbeiten, zählt zu den Hauptaufgaben von ReInvent.

Ein Netzwerk aus Spezialisten und Investoren soll somit entstehen, Mitglieder sollen vom Know-How des Hubs profitieren. „Entscheidend ist, dass wir zum ersten Mal alle relevanten Parteien an einen Tisch bringen, um die heutigen Potenziale der Digitalisierung für die Rechtswissenschaft in konkrete Lösungen zu überführen. Wenn Aufgaben zunehmend von Tools und Algorithmen erledigt werden, wollen wir die Freiräume des Legal Innovation Hub nutzen, um die Rechtsberatung auf der qualitativen Ebene voranzubringen. Frankfurt hat das Potenzial, ein aktives Ecosystem im Bereich Legal Tech in Europa zu schaffen. Wie sind hier, um endlich Worte in Taten umzusetzen“, betont Daniel von Devivere, Managing Director von ReInvent.

Neben Baker McKenzie als multinationale Kanzlei, den Rechtsabteilungen führender Industrieunternehmen wie Bosch, Daimler und ZF sowie Wolters Kluwer als Wissensdienstleister ziehen drei Legal Tech-Unternehmen, nämlich Bryter, Lexemo und Streamlaw in den Legal Innovation Hub ein. „Mit ReInvent wollen wir eine Atmosphäre des Teilens erzeugen, denn teilen von Wissen ist der Katalysator für Innovationen, wie wir es schon im Silicon Valley beobachten können“, sagte Dr. Matthias Scholz, Managing Partner von Baker McKenzie Deutschland & Österreich auf der Eröffnungsfeier. Tarek Al-Wazir lobt vorab die Entscheidung Frankfurt als Standort gewählt zu haben, denn mit ReInvent Law habe die Region Frankfurt Rhein-Main einen positiven Schritt getan, sich als führender Standort für die digitale Ökonomie zu etablieren, so der Hessische Wirtschaftsminister.

 

Von Phuong Nguyen.

Hubertus Väth: Warum ich an der „10.000“ festhalte

Als Volkswirt berechnet man viele Zahlen in seinem Leben. Als Kommunikator lernt man, sie als Träger von Botschaften schätzen. Noch keine „meiner“ Zahlen hat die Gemüter und Medien so bewegt, wie die Prognose vom „Morgen danach“. 10.000 – Wochen zuvor errechnet für den Fall der Fälle, am Tag nach dem Brexit-Referendum veröffentlicht und in die Welt getragen, wandert seither diese Zahl durch die Medienlandschaft.

10.000 Jobs könnten es werden, die es nach Frankfurt verschlägt, wenn… (und dann folgten zahlreiche Bedingungen). 20.000 bis 25.000 Jobs könnte die Londoner City insgesamt verlieren. Nicht wirklich viel, beschäftigt der Finanzplatz London doch 700.000, erheblich aber für Frankfurt.

Die Zahl war eine Botschaft: Viel für Frankfurt, wenig für London. Es war eine weite Definition, umfasste also alle Unterstützungsindustrien. Auch war die Zahl an Bedingungen geknüpft: Der Brexit kommt, das Passporting fällt, die EBA kommt und das Euro-Clearing wird nicht in London bleiben, die Verlagerung wird sich mehr als fünf Jahre erstrecken und – sie sei brutto, also ohne Berücksichtigung etwaiger Verluste von Arbeitsplätzen am Standort in Frankfurt.

Man sieht: Alle zentralen Diskussionsfelder bis heute wurden bereits am „Morgen danach“ aufgezeigt. Doch im Scheinwerferlicht stand nur sie, die Eine. Die Zahl. Zu Komplex die Materie, zu schön ihre Rundung.

Seither tritt sie in rund 90 Ländern auf. Sie ist zu hören, zu sehen, zu lesen. Journalisten aus aller Welt pilgerten in die schöne Stadt am Main mit den großen Selbstzweifeln, um sich zu überzeugen. Mit mehr als 800 von ihnen habe ich bis heute gesprochen.

Frankfurt als großer Gewinner des Brexit? Die Zweifler waren nicht weit. Es gibt keine Schulen, keine Büros, keine Wohnungen. Selbst am Essen und der Bierversorgung, ja an der Qualität des am Ort erhältlichen Kaffees wurde rumgemäkelt und der Kulturlandschaft ein Armutszeugnis ausgestellt. Das Image sei verheerend, wussten Münchner, Düsseldorfer, Kölner, Hamburger und Berliner einträchtig zu berichten, und die Londoner wie auch die Konkurrenten um Londoner Arbeitsplätze aus Paris, Dublin und andernorts zitierten es genüsslich.

Es werden maximal 2.000 bis 3.000 Jobs hieß es hinter vorgehaltener Hand. Eine Prognose, die man am gleichen Ort seither mehrfach erhöhte. Die Frankfurt School of Finance & Management sah 20.000 Banker von jenseits des Kanals im Anmarsch. Dagegen hielten vermeintlich Besonnene jegliche Prognose für unseriös (Das Who is Who der Beraterszene tat jedoch genau das in London: prognostizieren. Aber in Frankfurt war man seriös, jawohl!) Rund 15 Monate später wusste die gleiche Quelle dann allerdings von 5.000 Arbeitsplätzen netto zu berichten. Man prognostizierte nun also Zustrom aus London und Arbeitsplatzverlust in Frankfurt zugleich. Allen Nachfragen zum Trotz, können wir bis heute die beiden Komponenten dieser Zahl nicht herausfinden.

Schon früh sprang uns die Helaba zur Seite. Die stets vielbeachtete, jährliche und im Gegensatz zu uns als Lobbyverein (abschätziger geht es nicht mehr) stets als seriös bezeichnete Studie zur Lage des Finanzplatzes kam 2016 auf 7.000 Londoner Jobs, um ein Jahr später, 2017, sogar 8.000 als Untergrenze zu sehen.

Kaum waren die ersten Namen der sich zum Standort bekennenden Finanz-Häuser bekannt, und kaum war durch Vorstandswort öffentlich geworden, dass in der Deutschen Bank in London im schlimmsten Fall bis zu 4.000 Arbeitsplätze auf dem Prüfstand stehen, schon wollte man, dass wir die Zahl erhöhen. Kaum war die Entscheidung zur Verlagerung der EBA zugunsten von Paris gefallen, wähnten viele Frankfurt auf der Verliererstraße.

Nein, wir blieben und bleiben bei den 10.000. Sind wir nicht lernfähig? Doch, sind wir, aber wer vor-denkt, braucht nicht nach-legen: Genaues darüber, wie der Brexit aussehen wird, weiß man bis heute nicht. Obwohl mittlerweile vieles klarer ist als vor Monaten: Der Brexit wird kommen. Das kann als sehr sicher gelten. Eine Übergangsfrist von 21 Monaten wurde eingeräumt. Die Fünf-Jahresfrist, in der sich die von uns prognostizierten 10.000 Arbeitsplätze nach Frankfurt verlagern sollten, haben sich als weitsichtig erwiesen, ebenso wie die These, dass das Euro-Clearing zum Thema werden und entscheidend für das Ergebnis sein wird.

Ja, wir sind unbeirrt, denn auch 21 Monate nach dem Referendum ist unser Szenario intakt. Die Übergangsfrist ist nicht verlängerbar. Der Exit vom Brexit, den manche zu sehen glauben, wird sich als Fata Morgana erweisen. Nur die EBA ist nicht gekommen, und damit haben wir die perfekte Entschuldigung, wenn es nicht ganz für 10.000 reicht.

Und noch eines: Chancen kann man nutzen oder eben auch nicht. 10.000 sind für den Finanzplatz Frankfurt absolut möglich. Wenn wir sie nicht erreichen, muss die Frage lauten: Warum sind sie nicht gekommen? Für besser halten wir, jetzt die Frage zu stellen: Was müssen wir noch tun, um sie zu erreichen? Einiges! Die 10.000 sind weiterhin machbar. Weil viele sehr still, sehr viel Gutes getan haben. Wenn man den Mitteleinsatz betrachtet (bescheiden), mit dem das Bisherige erreicht wurde, ist das Resultat sensationell. Frankfurterisch halt.

Der Gastbeitrag wurde erst im täglichen Newsletter von Finanz-Szene.de veröffentlicht.

 

FinTech Forum on Tour. Frankfurt Main Finance Managing Director Hubertus Väth

FinTech-Brücken zwischen London und Frankfurt

Das FinTech Forum on Tour macht Halt am Finanzplatz Frankfurt

Die vielversprechendsten Startups, Investoren, Medien, Finanzinstitute und andere am Thema FinTech Interessierte versammelten sich in Frankfurt zum FinTech Forum On Tour. Die engere zukünftige Zusammenarbeit zwischen FinTechs und Banken sowie Großbritannien und Deutschland stand im Mittelpunkt der Veranstaltung am 22. März. Zum ersten Mal präsentierten sich junge FinTechs aus Großbritannien organisiert am Standort Frankfurt und sondierten die Gegebenheiten und Chancen in der Rhein-Main-Region. Verschneites deutsches Wetter, Earl Grey Tee und Startup-Pitches sorgten für viel Gesprächsstoff.

Der Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz, Herr Rafe Courage und der britische Botschafter in Deutschland Sir Sebastian Wood KCMG begrüßten die Teilnehmer und unterstrichen die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit im Bereich Fintech zwischen Deutschland und Großbritannien, insbesondere in den kommenden Jahren im Hinblick auf die wachsenden Brexit Nachwirkungen: „Die Wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit nimmt zu, es gibt keine politische Diskussion darüber“, sagte der Botschafter. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, ging näher auf die Rolle Frankfurts als bevorzugter Zielort für Geschäftsverlagerungen nach dem Brexit ein: „Frankfurt baut gerade für Finanzinstitute und Fintech eine Brücke nach London.“

Ein großer Teil des Forums war den Startup-Pitches gewidmet: 10 FinTechs präsentierten ihre Lösungen für das Banking der Zukunft. Viel Aufmerksamkeit wurde dabei auf die Verbesserung des digitalen Rechte- und Einwilligungsmanagements zum Schutz der Kundendaten gelenkt. Die Integration von Analysesystemen für Vermögensverwalter, datenschutzfreundliche Datenoperationen, die Rolle künstlicher Intelligenz im Bankwesen sind nur einige Beispiele für den Fortschritt, den FinTech-Startups für den Finanzmarkt sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland bieten können.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Martin Deckert (niiio finance group), diskutierten Lucie Haß (Landesbank Hessen-Thüringen), Steffen Seeger (digitalplus), Christian Nehk (Barclays Bank) und Nektarios Liolios (Startupbootcamp FinTech) Fragen zu Kosten, Wettbewerb, Compliance und Wachstum von FinTech und Banking. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Digitalisierung des Bankwesens und die Zusammenarbeit mit FinTechs in den letzten fünf Jahren rasant zugenommen habe. Dennoch gebe es sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland noch viel Raum für neue Lösungen und innovative Ideen. „Vor fünf Jahren war Deutschland weit zurück, aber jetzt ist es ein Ort, an dem man vertreten sein sollte. Es ist ein Erfolg für alle“, sagte Fintech-Pionier N. Liolios.

Die Diskussionsteilnehmer und etliche Zuhörer, die dem Podium zugehört hatten, stimmten in den sich anschließenden Gesprächen darin überein, dass die Regulierung in verschiedenen Ländern unterschiedlich sein könnte, dennoch gelte der allgemeine Trend, dass große Finanzunternehmen und Banken mehr Zeit benötigten, um intelligente technologische Lösungen zu implementieren. Die Dringlichkeit zu digitalisieren könne heute nicht mehr ignoriert werden.

Der britische Botschafter in Deutschland sagte, der Brexit bringe neue Migrations- und Handelspolitik, das Vereinigte Königreich sei jedoch weiterhin bereit mit Europa vor allem in den Sektoren IT und Technologie zu kooperieren: „Wir müssen Freunde bleiben“, sagte der Botschafter auf Deutsch. Diese Schlussbemerkung der Keynote stimmte gut mit der These Hubertus Väths von Frankfurt Main Finance überein, dass Deutschland und insbesondere Frankfurt die neue Brücke zwischen London und Europa werden könnte.

Weitere Informationen zum FinTech Forum finden Sie hier.

CEo Theodor Weimer

Dr. Theodor Weimer: Warum wir uns für Frankfurt starkmachen

Die Deutsche Börse macht sich stark für Frankfurt – das hilft dem Finanzplatz. Und das hilft auch der Börse – denn mit diesen Initiativen stärken wir uns auch selbst als börsennotiertes Unternehmen im globalen Wettbewerb. Umgekehrt gilt aber auch: Der Finanzplatz Frankfurt braucht eine starke Deutsche Börse, um die Chancen, die sich derzeit am europäischen Finanzmarkt auftun, für sich zu nutzen.

Beispiel Euro-Clearing. Nach dem bevorstehenden Brexit würde die bislang wichtigste und vom Volumen her dominierende Verrechnungsstelle für Zinsswaps in der Gemeinschaftswährung außerhalb der EU liegen. Die EU muss – ohne die Briten und ohne den Finanzplatz London – aber so stark sein, dass sie die für ihre Versorgung lebenswichtigen Systeme unter ihrer eigenen Jurisdiktion behält.

Klingt kompliziert? Lassen Sie es mich einfacher sagen: Nur eine zentrale Clearingstelle für Euro-Zinsswaps ist nicht gut und nicht marktgerecht. Nur eine solche zentrale Clearingstelle und die auch noch außerhalb der EU, das ist ausgeschlossen. Die Deutsche Börse hat mit ihrem Angebot an die Clearingkunden bislang sehr guten Erfolg erzielen können. Die Kunden sehen das Thema ebenso wie wir als zentraler Dienstleister in der Finanzwelt. Wir stehen bereit, und aus meiner Sicht sollte das Clearing der Euro-Produkte nach Frankfurt kommen. Der Finanzplatz und wir können gemeinsam gewinnen. Dass die EBA, die europäische Bankenaufsicht, nach Paris vergeben wurde, sollte uns ein Warnsignal sein. Wir alle müssen uns jetzt anstrengen, und ich bin mir sicher: Wir werden uns anstrengen.

Unser Angebot für das Euro-Clearing, dem mittlerweile praktisch alle großen Banken und Händler beigetreten sind, ist gut für uns und es stärkt zugleich den Finanzplatz. Indem wir einen konkurrenzfähigen, äußerst effizienten zweiten Handelspunkt aufbauen, fördern wir zugleich die Transparenz und die Robustheit der internationalen Finanzmärkte. Es geht um riesige Volumina: Unser Partnerschaftsprogramm hat im Januar 2018 ein durchschnittliches tägliches Volumen von 35 Milliarden Euro im außerbörslichen Zinssegment erreicht. Wer Frankfurt stärkt, der stärkt effiziente und sichere Märkte. Das ist unser Ziel als Deutsche Börse.

Frankfurt braucht die Deutsche Börse als starken Partner, um Chancen zu nutzen. Zweites Beispiel: Regulierung. Auch hier haben wir uns wesentlich breiter aufgestellt und Angebote entwickelt, die Regulierungen effizient umsetzen.

Regulierungen sind in gewisser Hinsicht ein zweischneidiges Schwert, denn sie sollen Sicherheit schaffen, ohne Leistungswille und Kreativität abzuwürgen. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass die Regulierungen der letzten zehn Jahre seit der Finanzkrise viel Gutes bewirkt haben, dass sie unsere Märkte sicherer und unsere Banken robuster gemacht haben. Und das sage ich zwar als Vorstandsvorsitzender der Börse, der sich aber noch sehr gut an seine rund neun Jahre an der Spitze einer großen Bank erinnert. Ich kenne Banken, und ich kenne – immer besser – die Börse. Regulierungen und ihre unbeabsichtigten Folgen gehören stets auf den Prüfstand, die Regulierung selber ist aber eine Erfolgsgeschichte.

Es ist mir wichtig, das festzustellen. Das ist ein Standpunkt, von dem aus wir als Deutsche Börse uns in die Debatte einbringen. Wir legen zugleich Lösungen vor, die unseren Kunden den Umgang mit Regulierungen erleichtern und helfen, die Meldepflichten zielgenau abzuarbeiten. Damit sind wir auch technologisch führend und ein Taktgeber für die gesamte Branche. Diese Kompetenz ist ein Vorteil im Wettbewerb, hier werden wir uns mit neuen Initiativen an der Spitze behaupten.

Frankfurt ist also ein Regulierungszentrum, hier haben wichtige Akteure ihren Sitz. Allen voran die Europäische Zentralbank und die Bundesbank, auch eine Vertretung der BaFin. Dazu kommen die wichtigsten und größten deutschen und – aus meiner Sicht ein echter Standortvorteil – viele internationale Banken. Und wir als Deutsche Börse. Wir stärken uns mit Angeboten, die aus den buchstäblich fingerdicken Regularien und den zugehörigen Handbüchern funktionierende, effiziente Systeme machen. Das ist auch nötig! Dieses Jahr sind drei sehr wichtige Verordnungen in Kraft getreten, MiFID II, die Benchmark-Verordnung, die CSD-Regulierung. Und alleine MiFID II bringt es auf 25.000 Seiten Text.

Frankfurt braucht die Deutsche Börse, um Chancen zu nutzen. Drittes Beispiel: Börsengänge. Wir stehen in dieser Hinsicht sicher vor einem guten, vielleicht vor einem herausragenden Jahr. Das ist gut für die Realwirtschaft, gut für den Standort, gut für die Deutsche Börse.

Wir wollen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Und wir tun einiges, dass der Standort Frankfurt auch für Börsengänge attraktiv ist. Dazu tragen unsere diversen Initiativen bei, die sich schon lange vor einem Börsengang um Unternehmen kümmern. Die Startups und kreativen Menschen, die wir in Deutschland so dringend benötigen, ihnen machen wir Angebote: zum Standort, zur Finanzierung, zum geschäftlichen Umfeld. Frankfurt hat hier deutlich aufgeholt, aber wir müssen noch besser werden. Unser Segment Scale und das Venture Network werden allerdings dazu beitragen, dass Frankfurt hier europaweit deutlich sichtbarer wird.

Jetzt nehmen wir viel Geld in die Hand, um das Börsengebäude in der Innenstadt Frankfurts entschieden aufzuwerten. Drei Aspekte sollen dazu beitragen.

Erstens ein Besucherzentrum, das gerade jungen Menschen das Börsengeschehen und die Funktionen der Finanzmärkte näherbringt. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass die nachwachsende Generation weiß und versteht, worum es in unserer Branche geht. Börse zum Anfassen, Börse konkret. Dieses Wissen – die sogenannte „financial literacy“ – erleichtert vieles, von der privaten Altersvorsorge bis zu einer breiten öffentlichen Diskussion über wirtschaftliche Zusammenhänge. Ich glaube, dass dieses Jahrhundert von diesen Fragen bestimmt werden wird.

Zentrum für Börsengänge

Zweitens bauen wir ein Konferenzzentrum, das wir auch für andere öffnen werden. Die Börse ist ein sehr geeigneter Raum für Debatten und Kontroversen. Die Architektur unseres Börsengebäudes in Frankfurt zitiert sogar den Marktplatz, die Agora, der alten Griechen. Ein Konferenzzentrum in einer Börse ist also nichts Fremdes, das wir uns nur ausgedacht haben. Es gehört einfach dazu.

Drittens bauen wir ein neues Zentrum für Börsengänge. Hier können und wollen wir mehr für unsere Kunden tun, und wir tun das wo immer möglich natürlich ab sofort. Im Zuge des Umbaus schaffen wir jetzt noch zusätzlich eine angemessene räumliche Umgebung. Börsengänge dienen in erster Linie der Kapitalaufnahme. Aber sie haben immer auch eine kommunikative Funktion. Mehr Aufmerksamkeit – das betrifft gerade die Mittelständler. Aufmerksamkeit für die richtigen Botschaften – das betrifft alle Unternehmen, auch die großen. Denn ein Börsengang ist eine beinahe einmalige Chance, sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Das wird – so der Plan – in unserem neuen IPO-Zentrum noch besser gelingen. Wir wollen „Listed in Frankfurt“ zu einem Gütesiegel machen.

Der Umbau der Börse – im Gebäude der IHK, mit der wir einen langen Mietvertrag geschlossen haben – stärkt den Finanzplatz Frankfurt und damit auch den Wirtschaftsstandort Deutschland. Unsere Industrie benötigt eine starke Deutsche Börse, die gute Angebote für die Kapitalaufnahme machen kann. Und die ein lebendiges System kleinerer und junger Unternehmen fördert, die – vielleicht, hoffentlich! – aufzeigen, wie wir in 20 oder 30 Jahren unseren Wohlstand erwirtschaften wollen.

Warum also stärkt die Deutsche Börse den Finanzplatz Frankfurt? Weil wir ein kräftiges europäisches Finanzzentrum brauchen, das die für unsere Branche lebenswichtigen Geschäfte – wie das Euro-Clearing – effizient leisten kann. Weil Frankfurt das Zentrum einer klugen Regulierung mit Augenmaß ist und Regulierer und Kunden ein Interesse an einer marktnahen Umsetzung der Verordnungen haben. Weil Frankfurt der wichtigste deutsche Börsenstandort ist und damit die Leitbörse der größten europäischen Volkswirtschaft.

Nach dem Brexit wird Frankfurt in allen diesen Aspekten wichtiger. Tragen wir gemeinsam dazu bei, dass es seine Stärken ausspielen kann.

Von Dr. Theodor Weimer. Der Artikel ist zuerst in der Börsen-Zeitung in der Beilage „Finanzplatz Frankfurt“ erschienen.

Financial Centre Frankfurt

Ungebrochenes Interesse der Brexit-Banken am Finanzplatz Deutschland

  • Deutschland ist ein attraktiver Standort für die internationale Finanzindustrie
  • Die neue Bundesregierung kann die Attraktivität aber noch steigern
  • International abgestimmte und harmonisierte Regelwerke sind der Garant für die internationale Finanzstabilität

„Wir sehen bei den Banken, die Brexit-bedingt über Verlagerungen nachdenken, ein ungebrochenes Interesse am deutschen Finanzplatz. Aufsicht und Politik haben in den letzten 18 Monaten schon viel geleistet und sich gut aufgestellt, wir müssen aber weiter-arbeiten“, fordert Stefan Winter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V. (VAB) auf der heutigen Pressekonferenz. Handlungsbedarf bestehe unter anderem bei der Begrenzung der Abfindungen bei Höchstverdienern im Bankbereich und bei der Interna-tionalisierung des Rechts. So werde deutsches Recht international oft nicht in Rahmenverträgen vereinbart, weil Gerichte diese auch im kaufmännischen Verkehr genauso wie allgemeine Geschäfts-bedingungen für Verbraucher prüften. „Wir rechnen infolge des Brexit mit rund 20 Instituten, die ihre Präsenz hier ausbauen werden. Damit verbunden sind in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 5.000 neue Stellen, die in weiten Teilen lokal besetzt werden. Viel wird natürlich davon abhängen, ob es Übergangsfristen geben wird. Eigentlich sind sich ja alle einig, dass es Übergangsregelungen geben muss. Niemand kann aber heute mit Sicherheit sagen, ob es welche geben wird. Unsere Mitglieder planen daher nach wie vor, am 29. März 2019 voll operative Einheiten in Deutschland zu haben, um für ihre Kunden auch weiterhin Finanzdienstleistungen erbringen zu können“, so Winter.

Silvia Schmitten-Walgenbach und Guido Zoeller, die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, heben die stabilen Mitarbeiterzahlen in den Mitgliedsinstituten hervor, die auch auf die guten Rahmenbedingungen und die nach wie vor prosperierende deutsche Volkswirtschaft zurückzuführen sind. Neben der wirtschaftlich stabilen Lage habe die ausländische Finanzindustrie in den letzten Jahren aber auch sehr von der internationalen Harmonisierung profitiert, die für die Aufsicht international ebenfalls von Vorteil ist. Die EZB habe hier eine wichtige Rolle übernommen und ein Level-Playing Field in der Euro-Zone weiterentwickelt. „Auf nationale Rückbesinnungen und eine Aufweichung der international harmonisierten Finanzmarkregulierung sollte daher im Interesse der internationalen Finanzstabilität verzichtet werden“, fügt Schmitten-Walgenbach hinzu.

Da der Finanzplatz internationaler wird, weist Zoeller auf die Auswirkungen auf die Verbandsarbeit hin: „Wir werden noch mehr Informationen in englischer Sprache zur Verfügung stellen und englischsprachige Arbeitsgruppen gründen.“ Wenn die internationale Bedeutung des Finanzplatzes in den nächsten Jahren wachse und Institute zunehmend den Platz als Ausgangspunkt für ihre Finanzdienstleistungen in andere EU-Staaten wählten, müsse auch der Verband sich mit neuen Fragestellungen befassen. „Bislang haben wir eher die Inbound-Sichtweise gehabt, dies wird sich aber ändern. Hierauf werden wir uns einstellen. Wir freuen uns darauf“, fasst Winter zusammen.

Die vollständige Rede des Vorstandsvorsitzenden finden Sie im Internet unter www.vab.de.