Tarek Al-Wazir: „Die Finanzwirtschaft von morgen ist digital“

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, im Interview zum Thema FinTech in Frankfurt

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Frankfurt Main Finance hat Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, drei Fragen zum Thema Fintech gestellt. Unter anderem erfahren wir im Interview, welche FinTech-Highlights uns in Frankfurt 2019 erwarten.

FinTech – Warum ist das Thema für Sie persönlich wichtig? Warum für die Region?

Der Finanzplatz Frankfurt ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor für die Rhein-Main-Region. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt braucht ein entsprechendes Bankenzentrum. Und deshalb braucht Frankfurt innovative Finanztechnologie-Unternehmen – oder kurz: FinTechs. Denn die Finanzwirtschaft von morgen ist digital; FinTechs drängen in den Markt, konkurrieren mit traditionellen Dienstleistern oder schaffen völlig neue Geschäftsfelder. Damit Frankfurt in diesem Innovationswettbewerb konkurrenzfähig bleibt, müssen wir hochqualifizierten Fachkräften ein attraktives Arbeitsumfeld und zukunftsorientierte Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Und ich bin überzeugt, dass die Innovationskraft, die von FinTechs ausgeht, auch anderen Branchen zugutekommt.

Welche FinTech-Highlights erwarten uns 2019 aus Ihrer Sicht?

Eins unserer Ziele ist ja, dass Frankfurt als FinTech-Standort überregional sichtbar wird. Dazu werden einige Events beitragen, zum Beispiel die Global Insurtech Roadshow (GIR 2019) mit dem Partnerland Israel im März, die ExecFintech im April, die nach zwei Jahren in Berlin nach Frankfurt zurückkehrt, und die Growth Con im Mai. Der KI-Hub wird sich weiter etablieren und seine ersten finanzwirtschaftlichen Programme starten. Es wird Ansiedlungen und Finanzierungsrunden geben. Ich bin sicher, dass sich viele Anlässe bieten, um über die Erfolge von Frankfurt als Top-FinTech-Standort zu berichten.

Die Region Frankfurt Rhein-Main soll sich innerhalb von fünf Jahren zum führenden FinTech-Hub in Kontinentaleuropa sowie einer international anerkannten Tech-Region entwickeln. Was ist noch nötig, um DAS PERFEKTE Gründerklima zu etablieren und dies zu erreichen?

DAS perfekte Gründerklima für alle wird es nicht geben – weder hier noch im Silicon Valley. Dafür sind die Bedürfnisse einfach zu unterschiedlich. Wir müssen deshalb von unseren Stärken ausgehen, und die sind FinTechs, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz. Den Weg weist unser Masterplan für die Start-up-Region Frankfurt-Rhein-Main. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wollen gemeinsam erreichen, dass aus guten Ideen marktreife und erfolgreiche Produkte werden. Zentrale Maßnahmen sind schon umgesetzt oder angestoßen. Die Plattform TechObserver ist online, das FinTech Acelerator Programm des TechQuartier läuft. Aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns. Wir arbeiten kräftig weiter, aber ich freue mich über jede Anstrengung weiterer Akteure.

„Wir sollten die Stärken des Standorts betonen“: Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman in Frankfurt, im Interview zum FinTechGermany Award 2019

Matthias Hübner ist Partner bei Oliver Wyman und Jurymitglied des FinTechGermany Awards 2019, der führende investorenseitige FinTech-Award in Deutschland. Wir haben Matthias Hübner gefragt, worauf er bei der Beurteilung der FinTech-Bewerber besonders großen Wert legt.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Für mich sind zwei Punkte entscheidend: Erstens, der Bedarf für ein Produkt oder eine Dienstleistung muss klar sein, das heißt das Produkt sollte ein tatsächliches Problem für Kunden lösen. Zweitens muss es innovativ sein. Leider sehen wir in letzter Zeit viele „copy cat“-Modelle ohne echte Differenzierung, von denen die meisten meiner Meinung nach keine dauerhafte Überlebenschance haben.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die größte Schwierigkeit bei Start-ups, nicht nur im FinTech-Bereich, ist sicherlich die Skalierung, also das Erreichen der kritischen und langfristig profitablen Größe. Hier kann der FinTech Germany Award eindeutig helfen: direkt durch den Kontakt zu Investoren für die Finanzierung des Wachstums, wie auch indirekt über einen Beitrag zur Steigerung der Markenbekanntheit der Preisträger.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Deutschland ist bei FinTech ein Nachzügler, entwickelt sich aber dynamisch und holt gegenüber anderen Ländern auf. Diese Entwicklung sollte sich 2019 fortsetzen, zumal einige FinTechs der ersten Stunde mittlerweile auch über deutlich ausgereiftere Geschäftsmodelle verfügen und somit zunehmend aus der Nische herauswachsen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech-Hubs in Deutschland beziehungsweise in Europa zu werden?

Ich denke, dass die dezentrale Struktur in Deutschland für die Etablierung eines international führenden FinTech-Hubs nicht gerade hilfreich ist. Aber wir sollten wegkommen von der traditionellen Diskussion „Frankfurt vs. Berlin“, und stattdessen klar die Stärken des jeweiligen Standorts betonen. Für Frankfurt spricht aus meiner Sicht die Nähe zu führenden Partnern wie Banken, Börse oder auch die Infrastruktur an Beratungsleistungen. Gerade für FinTechs mit Fokus auf B2B ist das ein wichtiger Vorteil.

Fintech Interview with Compendor

“Es ist fast ein kleiner Kulturwandel erforderlich“

Elmo Olieslagers | Compendor GmbH

Elmo Olieslagers | Compendor GmbH

RegTech (kurz für Regulatory Technologies) zielt darauf ab, zeiteffiziente, konfigurierbare und zuverlässige regulatorische Lösungen für Unternehmen anzubieten. Waren vor wenigen Jahren beispielsweise noch komplexe Excel-Tabellen zur Bearbeitung von Compliance-Fragen nötig, bieten nun junge und aufstrebende RegTech-Unternehmen Software-Lösungen an, die regulatorische Anforderungen einsichtig und verständlich darstellen und die Umsetzung dieser unterstützen und dokumentieren. Vor allem nach in Kraft treten der MiFID II / MiFIR-Regelungen sind RegTech-Unternehmen daher in den Fokus der Aufmerksamkeit der Finanzwelt gerückt. Eines dieser Unternehmen ist das Frankfurt Main Finance-Mitglied Compendor: Elmo Olieslagers, Gründungsmitglied von Compendor, gibt uns im Interview einen exklusiven Einblick in die Arbeitsweilt eines jungen RegTech-Unternehmens!

Wie ist die Idee, die zur Gründung von Compendor führte, entstanden? Gab es bestimmte Auslöser, die dazu veranlasst haben, das Unternehmen ins Leben zu rufen?

MiFID II / MiFIR ist ein am 3. Januar 2018 in Kraft getretenes Gesetz, welches mit allen seinen Ergänzungen insgesamt fast 7.000, für Nicht-Juristen oftmals schwer verständliche, Seiten umfasst.

Mit der Umsetzung der Anforderungen von MiFID II / MiFIR, benötigte ein Kunde einen strukturierten, detaillierten und pragmatischen Gap Assessment-Ansatz. Anwaltskanzleien boten zu der Zeit lediglich auf Excel-Tabellen basierende Lösungen zur Gap-Analyse an. Da diese Lösungen sehr komplex und juristisch geschrieben waren, war für unseren Kunden nicht eindeutig klar, was die genauen Anforderungen sind und was praktisch zu tun ist.  Es wäre also notwendig gewesen, einen externen Rechtsberater zu engagieren. Dies war der Grund, warum der Kunde uns beauftragte, eine weniger komplexe Lösung zu erarbeiten. Unsere Lösung vereint die Expertise von Anwälten und das Wissen von Compliance-Spezialisten mit Bankfachwissen in einer Online-Applikation. Die Basis ist dabei eine strukturierte Entscheidungsbaumsoftware, mit der wir in einer innovativen Art und Weise regulatorische Anforderungen einsichtig und verständlich machen und die Umsetzung dieser unterstützen und dokumentieren.

Seitdem haben wir unsere Lösung auch auf andere Verordnungen erweitert und unterstützen unsere Kunden bei den wichtigsten Anforderungen bezüglich Anlegerschutz und bei der DSGVO für Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Vermögensverwalter.

Wo ist Compendor im Spektrum der verschiedenartigen RegTech-Lösungen angesiedelt?

Um diese Frage genau zu antworten, betrachten wir die typischen Akteure und typischen Lösungen entlang eines generischen Regulatory Response Prozesses.

Der Regulatory Response Prozess besteht typischerweise aus drei Schritten:

  1. „Signalisierung“ neuer regulatorischer Anforderungen durch die Software, ggf. mit einem ersten Schnellscan auf mögliche Auswirkungen
  2. „Umsetzung“ mittels einer detaillierten Gap-Analyse, der Definition von Lösungsansätzen und derer Umsetzung
  3. „Monitoring“, also kontinuierliche und detaillierte Überwachung der Einhaltung bereits eingeführter regulatorischer Anforderungen

Verschiedene deutsche Bankenverbände und Anwaltskanzleien bieten bereits Lösungen zur „Signalisierung“- an.

Compendor bietet darüber hinaus Lösungen zur Umsetzung sowie zur Überwachung regulatorischer Anforderungen. Dazu ist es notwendig, die Anforderungen und deren Auswirkungen auf einer viel detaillierteren Ebene zu verstehen und zu beschreiben, und praktische Lösungsansätze mitzuliefern.

Warum sollten Vermögensverwalter und Banken Ihre Lösungen nutzen?

Wir sehen, dass viele Vermögensverwalter und kleinere Banken oft nicht über die Ressourcen oder das detaillierte Fachwissen verfügen, um mit allen neuen Anforderungen Schritt halten zu können. Und sogar, wenn für eine bestimmte Regulatorik doch Ressourcen bereitgestellt werden (d.h.: freigesetzt und ausgebildet), so ist dies beispielsweise oft nicht genug. Daraus ergeben sich Bedenken in Bezug auf Kontinuität und inhaltlichem Abdeckungsgrad der verschiedenen regulatorischen Anforderungen.

Unsere Lösungen bieten da Abhilfe. Durch den Einsatz unserer RegTech-Lösungen ist kontinuierliche Verfügbarkeit von aktuellem Wissen garantiert. So können verfügbare Ressourcen effizienter eingesetzt werden, um die Belastung durch neue und bestehende Regulatorik zu bewältigen.

Compendor in 3 Punkten: Was macht den Erfolg von Compendors Compliance Monitoring Solutions aus?

  1. Kontinuität und Beständigkeit von regulatorischem Fachwissen und Expertise: Sowohl die regulatorischen Anforderungen wie auch die Interpretationen während des Umsetzungsprozesses sind immer in einer zentralen Lagerstelle vorhanden, unabhängig von der Verfügbarkeit individueller Personen (Full Audit Trail).
  2. Aktualität: Die rechtliche Basis ist immer auf dem neuesten Stand der regulatorischen Anforderungen.
  3. Effizienz: Der Einsatz von innovativer Technologie ermöglicht den effizienten und effektiven Einsatz von oft knappen Ressourcen.

Was sind derzeit die größten Hürden für die RegTech in der Finanzindustrie?

Um die Vorteile, die RegTech bieten kann, vollständig zu nutzen, ist in vielen Finanzinstituten fast ein kleiner Kulturwandel erforderlich. Einige Punkte, die oft eine Hürde darstellen, sind:

  • Die fehlende Einsicht und Akzeptanz, dass die Einhaltung regulatorischer Anforderungen ein Hygienefaktor ist, und kein strategischer Wettbewerbsvorteil.
  • Der Wiederstand in manchen Rechts- und Compliance-Abteilungen gegen den Einsatz von Technologie, um die stetig zunehmende Menge und Komplexität der Regulatorik zu bewältigen.
  • Kosten- und zeitintensive Eigenentwicklung von Interpretationen und Lösungen anstatt Einsatz von Best Practice-Lösungen mit gebündeltem Fachwissen aus der Finanzindustrie.
  • Fragmentierte Einführung regulatorischer Anforderungen durch individuelle Tochtergesellschaften, Geschäftsbereiche und Abteilungen, anstatt einer einheitlichen Interpretation und Umsetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Warum ist Frankfurt der ideale Standort für (FinTech-) Startups?

Frankfurt gewinnt in der europäischen Finanzlandschaft immer mehr an Bedeutung, immer mehr Banken und andere Finanzinstitute siedeln sich in Frankfurt an. Dies führt zu einem großen Bedarf an Finanz- und Aufsichtskompetenz und demnach auch zu Engpässen bei den verfügbaren Ressourcen. FinTech / RegTech kann Abhilfe schaffen mit alternativen Lösungen für effizientere Prozesse und für den effizienteren Einsatz der ohnehin knappen Ressourcen.

PIC Galper, Josh Finadium_neu

„Collaterals sind eine ungewöhnliche Anlageklasse“

Am 21. Februar findet in Frankfurt die Konferenz „Business of Collateral Trading“ statt. Frankfurt Main Finance sprach mit Josh Galper, Managing Principal des Organisators Finadium, einem der weltweit führenden Spezialisten für Wertpapierfinanzierung, Sicherheiten und Derivate, über die Idee der Konferenz und warum er sich entschied, sie in Frankfurt durchzuführen. Weiterlesen

Frankfurt Main Finance beim Toronto Global Forum: „Fintech and the Future of Money“

Der Finanzplatz Frankfurt über ein dynamisches FinTech-Ökosystem. Mit einer ausgeprägten Start-up-Kultur, einem weltweit führenden Fintech-Cluster, der Nähe zu etablierten Banken und damit Zugang zu potenziellen Kunden und Finanzierungsmöglichkeiten, hat Frankfurt alles, was es für eine lebendige FinTech-Szene braucht. Daher wurde Hubertus Väth, Managing Director von Frankfurt Main Finance (FMF), eingeladen, die Perspektive des Finanzplatzes Frankfurt beim Toronto Global Forum zum Thema Fintech and the Future of Money einzubringen.

Das Toronto Global Forum ist eine internationale Konferenz, die unter der Schirmherrschaft des International Economic Forum of Americas ausgetragen wird. Mit dem Ziel, den weltweiten Dialog zu den aktuellen Fragen der Finanzwelt voranzutreiben, kamen zur jüngsten Konferenz nationale und internationale Entscheidungsträger aus Politik, Zentralbanken, Ministerien und Weltwirtschaft unter dem Motto Navigating a World in Disruption zusammen. Das Event, an dem 3.000 Besucher und 170 Referenten teilnahmen, bietet allen Stakeholdern eine gute Gelegenheit, wirtschaftliche Synergien zu nutzen und mit hochkarätigen Wirtschaftsakteuren ins Gespräch zu kommen.

Wie sich rasant entwickelnde technologische Innovationen auf Finanzdienstleistungen und das traditionelle Bankgeschäft auswirken, diskutierten die Panelisten Hubertus Väth, Managing Director von FMF, Al Goldstein, Chairman und Chief Executive Officer von Avant, Shuman Ghosemajumder, Chief Technology Officer von Shape Security und Rafael Funes, Vorstandsvorsitzender von LOVIS. Das Panel Fintech and the Future of Money wurde von Alexandra Posadzki, Journalistin für Finanzdienstleistungen bei The Globe and Mail, moderierten.

Dabei wurde debattiert, wie der Finanzsektor in einigen Jahren aussehen, wie sich die Finanzindustrie durch neue Technologien transformieren und wie Regulierungen Innovation fördern sowie das Vertrauen zwischen Verbrauchern und Finanzinstituten stärken könnte. In der Diskussion betonte Väth, dass Technologie zwar einige Formen traditioneller Finanzdienstleistungen verändert oder sogar abgelöst habe, etablierte Finanzinstitute jedoch manchmal potenziell industrieverändernde Trends, wie künstliche Intelligenz, Big Data, Blockchain, Cloud-Speicher, aus den Augen verlieren bzw. nicht ausreichen durch Investitionen fördern. Allerdings seien genau dies disruptive Technologien, die zukünftige Preis, Handels-, Clearing- und Abwicklungsprozesse revolutionieren könnten.

Stärkung der Partnerschaft mit der Stadt Toronto

Während des Besuchs in Toronto traf sich Frankfurt Main Finance mit Thomas Schultze, Generalkonsul des Konsulates der Bundesrepublik Deutschland in Toronto und Michael Thompson, stellvertretender Bürgermeister von Toronto, um die Zusammenarbeit der beiden Finanzplätze weiter voranzutreiben und den Bereich künstliche Intelligenz in die Kooperation aufzunehmen.

 

Frankfurt Main Finance International

Frankfurt Main Finance ist Teil eines starken internationalen Netzwerks

Frankfurt Main Finance (FMF) arbeitet intensiv daran, den Finanzplatz noch stärker international zu vernetzen und Dialogplattformen zu bieten. Ein wichtiges Instrument dafür sind hochkarätige Delegationsreisen in bedeutende Partnerstädte. Anfang Dezember ist daher ein FMF-Team nach Katar und Kuwait gereist, um sich mit Vertretern der jeweiligen Regionen über Best Practices finanzplatzübergreifend auszutauschen und den Diskurs auf internationaler Ebene weiter voranzutreiben.

Unter anderem fand hierbei ein Treffen mit Repräsentanten der Qatar Financial Centre (QFC) Authority statt. Die Organisation verwaltet und pflegt das rechtliche und steuerliche Umfeld des Finanzzentrums Katar und lizenziert Unternehmen, Geschäfte im oder vom Finanzplatz aus zu tätigen. Außerdem baut sie, wie auch Frankfurt Main Finance, Beziehungen zur globalen Finanzwelt und zu anderen wichtigen Institutionen innerhalb und außerhalb Katars auf.

Ein weiteres Highlight der Reise stellte ein exklusives Interview mit dem Fernsehsender Al Jazeera English dar, welches die Folgen des britischen EU-Austritts thematisierte. „London wird einer der führenden Finanzplätze der Welt bleiben“, kommentierte FMF-Geschäftsführer Hubertus Väth, allerdings werde Großbritanien seine Passporting-Rechte verlieren, die dem vereinten Königreich bislang Finanzgeschäfte in den EU27 ermöglichen. Außerdem betonte Väth den Standpunkt der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance: „Der Brexit ist weder gut für Europa, noch für Großbritannien.“

Quelle: Al Jazeera English

Diese Reise steht exemplarisch für die Anstrengungen von FMF, ein großes  internationales Finanzplatznetz auzubauen, welches immer weiter wächst und indem Frankfurt Main Finance die Interessen des Finanzplatzes Frankfurt vertritt. Beispielsweise führte eine weitere Delegationsreise im Juli 2018 die FMF-Vertreter in die kasachische Hauptstadt Astana. Experten für den Finanzplatz Frankfurt diskutierten dort auf dem Global Finance Forum zusammen mit hochrangigen internationalen Finanz- und Politikvertretern die Veränderungen einer global vernetzten Finanzindustrie sowie Entwicklungstendenzen.

Frankfurt Main Finance ist Gründungsmitgliede der World Alliance of International Financial Centers (WAIFC)

In einer Zeit rapider technologischer Entwicklung und sozialen Wandels sind Finanzplätze ein Schlüsselfaktor für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Ziel der Word Alliance of International Financial Centres ist es daher, ein transparentes Netzwerk zu schaffen und das Verständnis für die Bedeutung internationaler Finanzplätze für die nationale und internationale Wirtschaft sowie die soziale Entwicklung zu fördern.

 

Stock market breakfast

Börsenfrühstück auf dem Parkett mit Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Das Börsenfrühstück auf dem Parkett der Frankfurter Börse hat sich zu einer besonderen Kommunikationsplattform für Finanzmarktakteure etabliert. Ein Ziel der Veranstaltungsreihe ist die Stärkung der Beziehungen zwischen allen Beteiligten durch einen informellen Austausch. Dieses Ziel betonte Redner Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, auch in seiner Keynote beim Börsenfrühstück zum Thema „Ökonomische Bildung – Herausforderung und Aufgabe für alle am Finanzplatz“ am Donnerstagmorgen. Ein regelmäßiger Austausch der Akteure am Finanzplatz sei erforderlich, um den Erfolg von Maßnahmen in diesem Bereich zu steigern.

Obwohl der Dezember die Zeit der Jahresrückblicke ist, fokussierte sich das Börsenfrühstück auf die Zukunft: Keynote Speaker Burkhard Balz betonte die Wichtigkeit der verstärkten Förderung von ökonomischer Bildung. Die Bundesbank informiere bereits durch zahlreiche Vorträge und stelle Materialien online zur Verfügung. Auch das Geldmuseum ist mit insgesamt rund 400 gehaltenen Vorträgen, vor allem für Schüler und Studierende, ein wichtiger Bestandteil der Bildungsarbeit. Das Positionspapier der Bundesbank „Zentralbankwissen vermitteln – die ökonomische Bildungsarbeit der Deutschen Bundesbank“ fasst den Kerngedanken des Bildungsprogramms der Bundesbank zusammen. Das Ziel des Programms ist der „mündige Wirtschaftsbürger“, der über Kenntnisse, Fähigkeiten, Möglichkeiten und Einstellungen verfügt, um ökonomisch geprägte Lebenssituationen bewältigen zu können und sich mit Fragen kompetent auseinanderzusetzen. Das gilt für private Belange ebenso wie für die betriebliche, volkswirtschaftliche und weltwirtschaftliche Ebene. Zudem sei es Auftrag der Medien, ökonomische Themen zu vermitteln, sagte Burkhard Balz in seiner Rede.

Die Diskussionen und Anregungen des Börsenfrühstücks werden über das Börsenparkett hinaus thematisiert

Marc Richter, Senior Trader Equities Frankfurt bei Baader Bank AG, kommentierte einen Frankfurt Main Finance Tweet zum Börsenfrühstück und verstärkte so einen weiteren Gesichtspunkt der Debatte zur ökonomischen Bildung: „Ebenfalls muss aber auch die ökonomische Bildung in den Schulen weiter fokussiert werden.“ Diese Feststellung bestätigt Sven Schumann, Director – Head of Section Community Relations & Initiatives der Deutschen Börse,  mit einem Like – das Börsenfrühstück garantiert also neben einem morgentlichen Gedankenaustausch eine weitreichende (digitale) Anschlussdiskussion.

Hier finden Sie weitere Nachberichte zur Veranstaltungsreihe:

CFS-Index geht deutlich zurück

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt im dritten Quartal 2018 um 4,5 Punkte auf 113,9 Punkte. Der deutliche Rückgang ist vor allem auf ein schwächeres Wachstum der Erträge und der Mitarbeiterzahlen der Dienstleister sowie auf einen verminderten Anstieg der Umsätze und des Investitionsvolumens der gesamten Finanzbranche zurückzuführen. Bei den Finanzinstituten steht dem gesunkenen Umsatzwachstum bei neutraler Lage der Mitarbeiterzahlen jedoch ein steigendes Ertragswachstum entgegen.

„Die entgegengesetzte Entwicklung der Erträge bei Banken und Dienstleistern – hier aufwärts, dort abwärts – wirft die Frage nach den Gründen für das gleichförmige Investitionsverhalten auf: Hier wirken sich makroökonomische und politische Unsicherheiten (Brexit, Italien, USA, China) offenbar in erster Linie dämpfend aus“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird weiterhin, wenn auch abgeschwächt, positiv beurteilt.

Die Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland hatte seit dem Brexit-Votum 2016 historische Höchststände erreicht. Im dritten Quartal 2018 befindet sich der entsprechende Wert mit 126 Punkten zwar noch auf einem guten Niveau, wenn auch deutlich abgeschwächt um -5,3 Punkte.

„Die rückläufige Entwicklung bei der Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland sieht das Glas halb leer. Tatsächlich konnten in den letzten Monaten auch andere Finanzplätze in der Europäischen Union vom Brexit profitieren. Das scheint die positive Entwicklung in Frankfurt zu relativieren“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse. „Aber genau betrachtet sprechen die Entscheidungen von mehr als 30 Finanzinstituten, ihren Europasitz nach Frankfurt zu verlegen eine klare Sprache: Der Finanzplatz in Frankfurt wird 2019 erheblich an internationaler Bedeutung gewinnen.“

Umsätze der Finanzbranche rückläufig / Ertragswachstum positiv bei den Finanzinstituten und rückläufig bei den Dienstleistern

Wie von den Finanzinstituten im vorangegangen Quartal erwartet wurde, hat sich das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens im dritten Quartal rückläufig entwickelt. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt um 6,1 Punkte auf 112,7 Punkte. Die Umsätze der Dienstleister liegen mit 123,7 Punkten 5,3 Punkte niedriger als im Vorquartal. Beide Gruppen rechnen mit einem weiteren leichten Rückgang für das laufende Quartal.

Das Ertragswachstum der beiden Gruppen entwickelt sich stark gegenläufig. Die Finanzinstitute befinden sich nach einem schwachen zweiten Quartal wieder auf einem guten Stand. Der entsprechende Sub-Index steigt um 9,8 Punkte auf 111,6 Punkte. Die Dienstleister andererseits verzeichnen einen starken Rückgang um 11,3 Punkte auf 116,3 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten beide Gruppen wieder einen leichten Rückgang ihres Ertragswachstums.

Investitionsvolumen gesunken

Entgegen den Erwartungen sinkt bei den Finanzinstituten das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen um 5,3 Punkte auf 110,8 Punkte. Es wird erwartet, das niedrige Niveau im laufenden Quartal beizubehalten. Auch bei den Dienstleistern sinkt der Sub-Index um 3,4 Punkte, befindet sich aber mit 118,9 Punkten immer noch auf dem dritthöchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007. Es wird allerdings für das laufende Quartal mit einer weiteren Abschwächung gerechnet.

Neutrale Stimmungslage der Finanzinstitute bei der Anzahl der Mitarbeiter

Nach dem kurzfristigen Stellenabbau der Finanzinstitute im zweiten Quartal steigt der Mitarbeiter-Sub-Index aktuell um 3,6 Punkte und signalisiert mit 100,1 Punkten nun eine neutrale Stimmungslage. Bei den Dienstleistern hat sich, wie zuvor erwartet, das Mitarbeiterwachstum verlangsamt. Der entsprechende Sub-Index befindet sich mit -8,4 Punkten auf 117,9 Punkte aber immer noch auf einem guten Level. Für das laufende Quartal rechnen die Dienstleister mit einem weiteren Rückgang des Mitarbeiterwachstums und die Finanzinstitute mit einem Stellenabbau.

 

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

 

CFS-Umfrage: Künstliche Intelligenz wird zukünftig zu den Kernthemen der Finanzindustrie zählen

Künstliche Intelligenz wird zukünftig zu den Kernthemen der Finanzindustrie zählen – Mehr Initiative zur Information und Aufklärung der Bevölkerung sinnvoll

Die Bundesregierung hat beschlossen, bis zum Jahr 2025 drei Milliarden Euro in die Förderung der Künstlichen Intelligenz (KI) zu investieren. Darüber hinaus sind Gespräche mit den Ländern und der Wirtschaft geplant, um weitere Investitionen anzustoßen. Ziel ist es u.a., Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für KI-Technologien zu machen und die künftige Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Ungeachtet der positiven Signale seitens der Bundesregierung ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies, dass das Gros der deutschen Finanzbranche (84% der Befragten) bezweifelt, dass die meisten Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz präzise kennen. Die Begriffe Digitalisierung im Allgemeinen und Künstliche Intelligenz im Besonderen werden in zahlreichen öffentlichen Diskussionen verwendet, obwohl viele Menschen nur eine vage Vorstellung von diesen Themen haben. Angesichts der Bedeutung dieser Trends spricht sich die deutsche Finanzbranche deutlich (86%) für eine Initiative zur Information und Aufklärung der Bevölkerung aus.

„Wir befinden uns in einer Zeit dramatischer Veränderungen der Wirtschaft und der Arbeitswelt. Daher ist es essentiell, die Menschen altersgerecht zu informieren und aufzuklären. Ich würde mir wünschen, dass wir uns nicht nur auf die Schulen konzentrieren, sondern auch Formate für die Erwachsenenbildung für diese zentralen Zukunftsfragen entwickeln.“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Künstliche Intelligenz wird in den kommenden 10 Jahren sehr wahrscheinlich etliche Branchen revolutionieren. Davon sind 83% der Befragten überzeugt. Lediglich 17% sind der Meinung, dass die Bedeutung von KI-Technologien überschätzt wird.

Der Finanzsektor wird bereits stark von der Künstlichen Intelligenz geprägt, wobei die neue Technologie das Potenzial besitzt, Finanzprozesse verändern zu können. Entsprechend eindeutig (90%) erwartet die deutsche Finanzbranche, dass KI-Technologien zukünftig zu einem der Kernthemen der Finanzindustrie zählen werden.

„Die deutschen Banken müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um im Bereich der Künstlichen Intelligenz nicht den Anschluss zu verlieren. Nur wenige Banken verfügen heute über eine echte KI-Strategie“, erläutert Brühl weiter.

Auf die Frage, was die wichtigsten Anwendungsgebiete von KI zukünftig im Banking sind, werden an erster Stelle die Zentralfunktionen (Risikomanagement, Controlling etc.) von 77% der Befragten genannt, unmittelbar gefolgt vom Bereich Asset Management (76%) und dem Privatkundengeschäft (73%). Des Weiteren nennen 53% das Kapitalmarktgeschäft. Der Einsatz von KI im Firmenkundengeschäft halten lediglich 36% der Befragten für relevant.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Der Rückstand im internationalen Vergleich in Sachen KI ist enorm. So gibt es laut einer Erhebung der Unternehmensberatungen Asgard und Roland Berger in ganz Deutschland nur 106 KI-Startups im Vergleich zu 383 in China oder rund 1.400 in den USA. Das Programm der Bundesregierung kommt spät, aber nicht zu spät. Um aufzuholen, gilt es nun, intelligent mit Start-ups zu kooperieren und so die Kräfte am Finanzplatz zu bündeln.“

Alle Ergebnisse der CFS-Sonderfragen herunterladen.

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

FMF begrüßt Brexit-Einigung – Verlagerung von 750 – 800 Milliarden Euro Bilanzvolumen nach Frankfurt erwartet

Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance (FMF) begrüßt die am vergangenen Wochenende getroffene Vereinbarung zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien. Denn sie schafft sehr viel mehr
Klarheit, wenn auch noch keine endgültige. FMF hofft zudem im Interesse aller Betroffenen, dass dieser Vertrag nun am 11. Dezember vom britischen Parlament ratifiziert wird. Als sicher kann das aber nicht gelten, und ein harter Brexit ist noch nicht abgewendet. Zudem steht bei Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Entscheidung dazu an, ob der Artikel 50 noch einmal vor dem Ende der Laufzeit widerrufen werden kann. Somit besteht auch noch die Hoffnung auf einen Verbleib Großbritanniens, wenn das Urteil des EuGH dies bestätigen sollte. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering.

„Damit ist für die Finanzinstitute klar: Der Brexit kommt, die extreme Variante eines Austritts ohne Austrittsabkommen kann aufgrund der unsicheren Mehrheitsverhältnisse im britischen Parlament weiterhin nicht ausgeschlossen werden, auch wenn sie etwas unwahrscheinlicher geworden ist. Dagegen kann ein Verbleib Großbritanniens in der EU zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, darf aber als sehr unwahrscheinlich gelten. Nun ist der Pfad für die Finanzinstitute abgesteckt. Die Brexit-Pläne werden umgesetzt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Aus einer Rede von Danièle Nouy, Vorsitzende des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus der Europäischen Zentralbank (EZB), wissen wir, dass 37 Finanzinstitute, Banken und Wertpapierhandelsbanken, neue Lizenzen bei der EZB beantragt oder existierende ausgeweitet haben und diese bereits erhalten haben oder sie nach aller Voraussicht in Kürze erhalten werden.

30 dieser Institute haben sich für Frankfurt als ihrem Europäischen Sitz entschieden. Da sich etliche der Banken an mehreren Standorten niederlassen werden, wird es nach Ansicht von FMF viele Zahlen geben, die sich auf mehr als die von Frau Nouy genannten 37 addieren werden. Von dieser Verteilung profitiert der Standort Frankfurt aber auch, denn rund ein halbes Dutzend Finanzinstitute, die sich für Standorte in anderen EU Ländern entschieden haben, bauen ihre Präsenz dennoch maßgeblich in Frankfurt aus.

„In Gänze rechnen wir daher mit einer Verlagerung von 750 – 800 Milliarden Euro Bilanzvolumen von London nach Frankfurt, der Großteil davon dürfte im ersten Quartal 2019 verlagert werden“, sagt Väth. „Dabei wird es nicht bleiben.“

„Angesichts der aktuellen Situation stehen die Banken vor der Wahl, nun entweder nur das Nötigste zu verlagern oder sich auf die Verlagerung des gesamten Geschäftes vorzubereiten“, so Väth weiter. Die Institute haben auf diese Frage unterschiedliche Antworten gefunden. „Solange noch Unsicherheit besteht, dürften die meisten Institute die Minimallösung präferieren. In jedem Fall ist klar: Danach wird es erhebliche Zweitrundeneffekte geben.“

Als wichtiges Zeichen an die Finanzinstitute wertet Frankfurt Main Finance den Gesetzentwurf zur Lockerung des Kündigungsschutzes für Risikoträger mit hohen Einkommen. „Hier hat die Politik versprochen und geliefert. Das wird international sehr genau beobachtet, weil es zeigt, dass der Finanzplatz unterstützt wird.“

„Entsprechend werden die Zweitrundeneffekte nach Ansicht von Frankfurt Main Finance signifikant sein. Wir halten an dem von uns am Tag 1 nach dem BrexitReferendum geschätzten Potential von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen für Frankfurt fest. Allerdings zeichnet sich eine zweite Übergangsphase, die voraussichtlich bis Ende 2022 andauern wird, und damit eine weitere Verzögerung ab. Aus den ursprünglich erwarteten 5 Jahren für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ab dem Zeitpunkt des Referendums im Juni 2016 werden daher nun 8 Jahre.“

Ein gewichtiges Argument für die Entscheidung der Finanzinstitute, Geschäft nach Frankfurt zu verlagern, war die von der deutschen Politik signalisierte Bereitschaft, das Thema Arbeitsschutz für Risikoträger zu überdenken. Nach der Aufnahme in die Koalitionsvereinbarungen, liegt der speziell auf Risikoträger hin maßgeschneiderte Gesetzentwurf nun zur Abstimmung in den Ressorts vor. „Die Politik hat zugehört, hat versprochen und liefert“, sagt Väth. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Bankenverlagerung nach Deutschland gewollt ist. Es ist ein Zeichen, das gesehen und geschätzt wird.“