Neuer Report beziffert Brexit-Kosten auf 69 Milliarden Euro

Neuer Oliver Wyman-Report beziffert direkte Kosten des Brexit auf 69 Milliarden Euro pro Jahr für Unternehmen in der EU27 und UK und zeigt, dass die deutsche Industrie besonders betroffen ist.

Brüssel/München, 12. März 2018 – Die direkten Kosten des Brexit werden sich für Unternehmen in der EU27 auf 37 Milliarden Euro und für Unternehmen im Vereinigten Königreich (UK) auf 32 Milliarden Euro belaufen – auch nachdem erste Schritte zur Kostensenkung unternommen wurden. In der EU entfallen allein neun Milliarden Euro auf deutsche Unternehmen, 80 Prozent davon auf die Branchen Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/Getränke und Konsumgüter. 70 Prozent der in Deutschland anfallenden Kosten entstehen in nur vier der 16 Bundesländer – Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Das zeigt eine gemeinsame Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman und der Anwaltssozietät Clifford Chance.

Für die Analyse wurden die Auswirkungen von Zöllen und regulatorischen Barrieren berechnet, falls die EU27 und die UK zu einer Handelsbeziehung nach Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zu-rückkehren. Der Report beziffert die direkten Kosten für Unternehmen in der EU auf 37 Milliarden Euro und in der UK auf 32 Milliarden Euro pro Jahr – unter Berücksichtigung erster Schritte zur Kostensenkung. Der größte Kostenanteil entsteht durch regulatorische Handelsbarrieren; dazu zählen etwa Kosten für Zulassungen oder durch erhöhten Zeitaufwand an der Grenze. Auf deutsche Unternehmen kommt mit neun Milliarden Euro über ein Viertel der in der EU27 anfallenden Kosten zu.

Automobilindustrie besonders betroffen

Die direkten Kosten des Brexit sind in Deutschland auf fünf Branchen konzentriert: Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/Getränke und Konsumgüter werden mit sieben Milliarden Euro 80 Prozent der anfallenden Kosten tragen. Am stärksten wird in Deutschland die Automobilbranche mit zusätzlichen Kosten von über drei Milliarden Euro betroffen sein. In UK wird allein die Finanzdienstleistungsbranche ein Drittel der direkten Kosten tragen müssen.

Aufgrund der regionalen Wirtschaftsstruktur in Deutschland werden die Auswirkungen des Brexit besonders in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen  spürbar sein. Dort sind die meisten Automobil- und Fertigungsunternehmen ansässig. Die Unternehmen in den vier Bundesländern müssen 70 Prozent der direkten auf Deutschland entfallenden Kosten des Brexits schultern.

Finja Carolin Kütz, Deutschlandchefin von Oliver Wyman, sagt: „Über 50 Prozent der deutschen Exporte nach UK sind auf die Automobilindustrie, sonstige Fertigungsindustrie und die Chemiebranche zurückzuführen. Mit ihrer starken Integration in europäische Supply Chains werden sie die Auswirkungen des Brexit besonders stark zu spüren bekommen und ihre Wertschöpfungsketten umstrukturieren müssen.“

Auf unsichere Zeiten einstellen

Die Fähigkeit, die Auswirkungen des Brexit abzufangen, hängt neben der Industrie auch von der Unternehmensgröße ab. Größeren Unternehmen mit Erfahrung im Handel außerhalb der EU wird es leichter fallen, die neue Komplexität zu managen. Für die kleinen wird es schwieriger, weiß Kütz: „Über 60 Prozent der exportierenden kleinen und Kleinstunternehmen in Deutschland handeln nur innerhalb der EU und haben keine Prozesse für den außereuropäischen Handel. Gerade diejenigen, für die UK ein wichtiger Handelspartner ist, müssen ganz neue Kompetenzen aufbauen.“

Unabhängig von Branche und Größe gilt es für alle Unternehmen, sich auf unsichere Zeiten vorzubereiten. Denn auch für die großen Hersteller kann es problematisch werden, wenn plötzlich ein Sub-Zulieferer aufgrund der zunehmenden Komplexität ein wichtiges Teil nicht liefern kann. Transparentere Lieferketten können dabei helfen, Engpässen vorzubeugen. Kütz: „Unternehmen müssen sowohl die Kosten des Brexits managen als auch die Chancen nutzen, die sich durch die Neugestaltung von Lieferketten und die Überprüfung der Standortstrategie ergeben. Darauf sind sie zurzeit jedoch noch unterschiedlich gut vorbereitet.“

Marc Benzler, Partner bei Clifford Chance, sagt: „Wer sich nicht richtig vorbereitet, wird scheitern. Angesichts der Unvorhersehbarkeit der anstehenden Turbulenzen setzen sich viele Unternehmen nicht ausreichend mit dem Thema Brexit auseinander. Doch Unternehmen, die verstehen, wo die Risiken und Chancen des Brexits liegen, können entsprechend planen und die negativen Auswirkungen minimieren.“

Weitere Informationen finden Sie im Report The „Red Tape“ Cost of Brexit.

Quelle: Oliver Wyman

the Financial Centre Frankfurt

Lucia Puttrich: Hessen ist gut vorbereitet, doch viele wichtige Fragen sind noch offen

Die Hessische Europaministerin zieht zur Halbzeit der Austrittsverhandlungen Zwischenbilanz: Die Zeit für einen geordneten Brexit wird knapp

Der Finanzplatz Frankfurt wird nach derzeitigen Entwicklungen von dem bevorstehenden Brexit deutlich stärker profitieren als andere Finanzstandorte in Europa. Das zeigen nach Einschätzung der Hessischen Europaministerin Lucia Puttrich die aktuell bekannten Planungen von Banken und anderen Finanzinstituten. „Gut ein Jahr vor dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU haben 18 in London ansässige Finanzinstitute öffentlich angekündigt, dass sie Teile ihres Geschäfts nach Frankfurt verlegen oder bestehende Einheiten ausbauen wollen. Damit liegt Frankfurt klar vor anderen Finanzplätzen in Kontinentaleuropa“, sagte Puttrich am Donnerstag. Das sei ein Beweis für die exzellente Qualität des Finanzplatzes Frankfurt und die Effektivität der gemeinsamen Bemühungen der Hessischen Landesregierung mit ihren regionalen Partnern.

Bei der Frage nach der Arbeitsplätze, die durch den Brexit entstehen könnten, verweist Puttrich auf eine Analyse von Helaba Research. Deren Experten halten in den kommenden Jahren ein Plus 8000 Stellen im Frankfurter Bankensektor für möglich. Das würde bedeuten, dass der Höchststand von 65.000 Bankbeschäftigten aus dem Jahr 2008 erreicht würde. „Auch Multiplikator-Effekte auf andere Branchen dürfen wir nicht vergessen. Trotzdem bin ich mit konkreten personellen Prognosen nach wie vor sehr zurückhaltend, weil alle Unternehmen natürlich auch für Umstrukturierungen nutzen und Mitarbeiter vor Ort rekrutieren“, betont die Ministerin.

Mit Skepsis blickt Lucia Puttrich auf den Stand der Gespräche zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Zur Halbzeit der zweijährigen Verhandlungen über den Austritt seien ganz zentrale Themen völlig ungeklärt. „In der Irlandfrage zum Beispiel ist eine praktikable Lösung, die eine harte Grenze verhindert und für alle Seiten akzeptabel ist, nicht mal in Sicht.“ Puttrich macht die britische Regierung für diese Situation verantwortlich, die zerstritten sei und nach wie vor keine realistische Brexit-Strategie habe.

Die Hessische Landesregierung bereitet sich deshalb sowohl auf einen ungeordneten, harten als auch auf einen geregelten, weichen Brexit vor. „Wir können allen Unternehmen und Institutionen nur dringend raten, ebenso zu handeln“, appelliert die Europaministerin nachdrücklich. Nur bei einem Austrittsabkommen sei auch eine zeitlich begrenzte Übergangsphase und in naher Zukunft ein Beziehungsabkommen möglich. Angesichts der engen Beziehungen zwischen Großbritannien und Hessen werde der Brexit Auswirkungen in ganz vielen und ganz unterschiedlichen Bereichen haben. Lucia Puttrich: „Rund 11.000 britische Staatsbürger leben derzeit in Hessen. Für sie ist die Frage, wie die künftigen Beziehungen aussehen werden, ebenso wichtig wie für die Unternehmen, die nach Großbritannien liefern oder von dort einkaufen.“ Mit einem Gesamtvolumen von 7,8 Milliarden Euro (Stand 2015) ist Großbritannien Hessens fünftwichtigster Handelspartner. Die Europaministerin geht davon aus, dass es wegen des Brexits zu Standortverlagerungen nach Hessen kommen wird. Hessen unterstütze umsiedlungswillige Unternehmen bei seinen Planungen.

Daneben arbeitet die Hessische Landesregierung an einer Reihe weiterer Themen. „Wir machen zum Beispiel unsere eigenen Hausaufgaben und bereiten uns darauf vor, jene Rechtsvorschriften anzupassen, die wegen des Brexits im Landesrecht geändert werden müssen. Dazu stehen alle Ministerien im engen Austausch“, sagt Lucia Puttrich. Eine Analyse des Europäischen Parlaments hat 2017 ergeben, dass mit dem Brexit 21.000 EU-Regeln angepasst werden müssen. Allein die Schlagwortsuche im Hessenrecht ergibt mehr als 300 Rechtsvorschriften mit Bezug auf die EU oder die Mitgliedstaaten der EU. Als Beispiele für Handlungsbedarf nennt die Ministerin verbeamtete britische Staatsbürger im Landesdienst oder die Regelungen der Studienplatzvergabe.

Wegen seiner Bedeutung für Hessen nimmt der Finanzplatz Frankfurt in den Aktivitäten der Landesregierung weiter breiten Raum ein. Andere Finanzstandorte in Europa hätten ihre Werbebemühungen verstärkt und arbeiteten mit Lockangeboten. Zugleich tue die britische Regierung alles, um die Banken in London glauben zu machen, der Brexit werde keine Auswirkungen haben. Lucia Puttrich dazu: „Darauf reagieren wir selbstbewusst. Gegen Mythen über Frankfurt und den Brexit setzen wir auf Fakten und die Qualitäten, die wir zu bieten haben.“

Auf EU-Ebene muss entschieden werden, ob das sogenannte Euroclearing weiter hauptsächlich in London und damit nach dem Brexit außerhalb der EU stattfinden kann. Sofern die Europäische Union sich aus Gründen der Finanzmarktstabilität und Aufsichtsbefugnisse für eine Verlagerung des Euroclearings in die EU-27 entscheidet, kann davon nach Einschätzung von Lucia Puttrich auch der Finanzstandort Frankfurt profitieren.

Die Europaministerin verweist abschließend auf die Aktivitäten der Landesregierung mit Blick auf Wohnungsbau und Infrastruktur in der Region Rhein-Main. „Frankfurt allein wächst jedes Jahr um etwa 15.000 Menschen. Deshalb arbeitet die Landesregierung mit anderen ihren Partnern intensiv daran, die wichtigen Herausforderungen für den Ballungsraum beispielsweise durch Wohnungsbauprogramme zu bewältigen“, betont Puttrich. Sie verweist darauf, dass zum Beispiel allein aus dem Erlös, der durch den Verkauf des Alten Polizeipräsidiums in Frankfurt erzielt wird, 100 Millionen Euro für bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt und Umgebung zur Verfügung stehen. Insgesamt werden die Mittel für den Masterplan Wohnen auf die Rekordsumme von 1,7 Milliarden Euro aufgestockt.

„Das verbleibende Jahr bis zum Brexit wird sehr entscheidend sein. Die Zeit ist knapp“, betont Europaministerin Lucia Puttrich. Deshalb sei es sehr wichtig für alle Beteiligten, nun die wichtigen und richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Frankfurt Main Finance wächst: Drei neue Mitglieder treten der Finanzplatzinitiative bei

Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance e.V. begrüßt neue Mitglieder. Mit SDG Investments GmbH, niiio finance group AG und Vendôme Associés wächst die Standortinitiative auf gut 50 Mitglieder. Die jungen Unternehmen niiio finance group und SDG Investments sind dem Verein als FinTech-Mitglieder beigetreten, Vendôme Associés als Fördermitglied. Weiterlesen

Frankfurt Rhein-Main entwickelt sich zum führenden FinTech-Hub

Die Region Frankfurt Rhein-Main soll sich innerhalb von fünf Jahren zum führenden FinTech-Hub in Kontinentaleuropa sowie einer international anerkannten Tech-Region entwickeln. Auf dieses gemeinsame Ziel haben sich am Donnerstag das hessische Wirtschaftsministerium, Unternehmen und Hochschulen der Region verpflichtet.

„Frankfurt Rhein-Main ist die wichtigste Verkehrsdrehscheibe Deutschlands, der bedeutendste Finanzplatz in Kontinentaleuropa und der größte Internetknoten der Welt“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir im TechQuartier in Frankfurt. „Wir haben damit alles, was ein gutes Gründerökosystem benötigt: Perfekte Erreichbarkeit, finanzkräftige Kunden und Highspeed-Internet-Verbindungen.“  Das Frankfurter TechQuartier hat dazu einen Masterplan für die Startup-Region entwickelt und konkrete Maßnahmen erarbeitet, wie dieses Ziel erreicht werden kann.

„Um als Region auch langfristig attraktiv und ökonomisch leistungsfähig zu bleiben, bedarf es nicht nur einer finanziellen Kraftanstrengung aller Beteiligten, sondern auch einem Bekenntnis zu Unternehmertum und einem gemeinsamen Verständnis für die Dynamiken einer digitalen Gesellschaft“, so Dr. Sebastian Schäfer, Managing Director des TechQuartier. Dr. Thomas Funke, Co-Direktor des TechQuartier: „Ausgangspunkt der Initiative war eine internationale Vergleichsstudie mit 50 anderen Gründerökosystemen, aus der in den letzten Monaten Maßnahmen abgeleitet und für die Region konkretisiert wurden. Die Empirie zeigt, dass sich erfolgreiche Gründerökosysteme nicht über Nacht entwickeln, sondern über viele Jahre entstehen und häufig auf einer gemeinsamen Vision unterschiedlicher Stakeholder aufbauen.“

Der Masterplan umfasst derzeit 20 Maßnahmen aus vier zentralen Bereichen:

BereichKonkrete Maßnahmen
Talentaktivierungbspw. Praxisangebote an Hochschulen, internationale Austauschprogramme, Mentoren-Programme für Gründer
Förderung von Kooperationenbspw. Netzwerkevents, Startup-Investorenkonferenzen
Zugang zu Finanzkapitalbspw. Acceleratoren, Investorenmarketing, staatliche Investitionsfonds
Standortmarketingbspw. neues Webportal Rhein-Main Community, Welcome Package, Ökosystem-Analysen.

Maßnahmen des Masterplans mit einem Gesamtvolumen bis 20 Millionen Euro

Insgesamt umfasst der Masterplan Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 15 bis 20 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre. Al-Wazir: „Mit der Umsetzung des Masterplans liegt eine große Aufgabe vor uns, die über das Thema FinTech hinausgeht und nur durch breite Unterstützung und enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erfolgreich bewältigt werden kann. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen – niemand wird allein gelassen.“ Mit der Veröffentlichung des Masterplanes gehen auch bereits erste Maßnahmen in die Umsetzungsphase.

  • Startup-Accelerator: Das TechQuartier schließt eine mehrjährige Kooperation mit Plug and Play, dem weltweit größten Startup-Accelerator aus dem Silicon Valley. Mit diesem starken Partner soll die größte Multi-Corporate Innovationsplattform in Europa entstehen. Das Ziel ist es, zahlreiche Banken und Finanzdienstleister für das gemeinsame Programm zu begeistern, vielversprechende Technologien nach Frankfurt zu holen und mit der Finanzbranche zu verschmelzen. Startups erhalten damit die einmalige Möglichkeit, ihre Geschäftsidee mit Unterstützung namhafter Unternehmen und Partner zu marktreifen Produkten weiterzuentwickeln.
  • Investorenmarketing: Vermarktung der Erfolgsgeschichten der Region mit gezielter Ausrichtung auf Investoren sowie direkte Vernetzung der hiesigen Startups mit nationalen und internationalen Investoren.
  • Ökosystem-Profiling: Die Goethe Universität führt gemeinsam mit dem TechQuartier eine globale Wettbewerbsanalyse durch, um die Erfolgsfaktoren für die Startup-Region zu identifizieren und den Masterplan passgenau weiterzuentwickeln. Passenderweise wurde die sechsstellige Summe für die Studie vom Goethe Alumnus Yi Shi bereitgestellt, der heute als erfolgreicher Unternehmer zwischen Shanghai und San Francisco pendelt.
  • Web-Portal: Aufbau einer Website, die als zentrale Online-Plattform für die FinTech- und Startup-Wirtschaft der Region dient. Aufgabe der Plattform ist es, Informationen über Aktivitäten der Akteure und Möglichkeiten im Ökosystem zugänglich zu machen. Dies umfasst den Zugang zu Kapital, Netzwerken und Talenten, CoWorking Spaces, Forschungsinfrastruktur und anderen Standortangeboten.
  • Mehr Kapital für Startups: Mit der Beteiligungsgesellschaft Hessen Kapital III unterstützt das Land Hessen kleine und mittlere Unternehmen in der Start- und Wachstumsphase, insbesondere Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Hessen Kapital III (EFRE) stellt 33,5 Mio. Euro zur Verfügung, die je zur Hälfte aus dem Landeshaushalt und aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammen.

Innovative Unternehmensgründungen in ganz Hessen vorantreiben

Al-Wazir: „Die Entwicklung der FinTech- und Startup-Region ist auch von hohem öffentlichen Interesse. Maßnahmen wie Talententwicklung, Vermarktung der Region sowie die Projektkoordination und -steuerung des Masterplans sind Aufgaben, bei denen sich die öffentliche Hand und auch die Hochschulen einbringen müssen und wollen.“ Neben der finanziellen Förderung des zentralen Infoportales „Rhein-Main Community“ beabsichtigt das Hessische Wirtschaftsministerium, sich auch an der Finanzierung des Projektmanagement-Teams zur Umsetzung des Masterplanes zu beteiligen. „Darüber hinaus wollen wir als Land aber auch die Entwicklung innovativer Unternehmensgründungen in ganz Hessen vorantreiben. Der Masterplan wird uns auch bei dieser Aufgabe von enormem Nutzen sein“, so Al-Wazir.

Den Masterplan können Sie hier herunterladen.

Bewerbungsfrist für den FinTechGermany Award „Golden Garage“ gestartet

Der führende investorenseitige Gründerpreis Deutschlands für FinTech- und InsurTech-Unternehmen wird 2018 zum vierten Mal verliehen. Interessierte Startups können sich ab jetzt bis zum 16. April 2018 für die Auszeichnungen bewerben.

Die Organisatoren des Preises – Börsen-Zeitung, Business Angels FrankfurtRheinMain, Frankfurt Main Finance und TechFluence – führen das bewährte Konzept der Vorjahre fort und vergeben den „Golden Garage“ genannten Award in den Kategorien Seed-/Early Stage, Late Stage, Growth Stage sowie „Best Foreign New Entrant to Germany“. Darüber hinaus werden Preisträger in den Sonderkategorien InsurTech und Proptech ermittelt.

Die öffentliche Verleihung der Awards, zu der wieder rund 200 Teilnehmer erwartet werden, findet am 14. Juni 2018 im Frankfurter TechQuartier statt. Die Veranstaltung bietet den anwesenden Gründern die Möglichkeit, ihre persönlichen Netzwerke auszubauen und den Bekanntheitsgrad unter den anwesenden Investoren zu steigern. Die Berichterstattung über die Veranstaltung verbessert zudem die Wahrnehmung der beteiligten Unternehmen in der breiten Öffentlichkeit.

Bereits vor dem Termin im Juni werden sich ausgewählte Bewerber während des Finanzplatztages der WM Gruppe am 7. März 2018 im Rahmen einer offenen Jurysitzung präsentieren. „Die offene Jurysitzung bietet den Bewerbern, aber auch interessierten Zuschauern einen Einblick in die Bewertung junger Unternehmen durch potenzielle Investoren“, erläutert Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung, das neue Veranstaltungsformat. Unterstützt wird der Fintech Germany Award u.a. durch das Bankhaus Metzler, Baker McKenzie, Ernst & Young, Oliver Wyman sowie durch die IHK Frankfurt am Main.

Detaillierte Informationen und Kontaktmöglichkeiten für Startups, Sponsoren und Interessenten an der Veranstaltung sind auf der Internetseite www.fintechgermanyaward.de verfügbar. Bewerber können sie auch direkt per E-Mail an bewerbung@fintechgermanyaward.de an die Organisatoren wenden. Aktuelle Informationen gibt es auch bei Twitter unter @FinTechGermany und #GoldenGarage.

Primärmarktkonferenz 2018 des Deutschen Aktieninstituts. Im Bild Christoph Heuer, Head of Equity Capital Markets Goldman Sachs International

Der IPO im Fadenkreuz: Rückblick auf die Primärmarktkonferenz 2018 des Deutschen Aktieninstituts

2018 soll das stärkste IPO-Jahr seit Langem werden. So hat das Deutsche Aktieninsitut den Schwerpunkt seiner diesjährigen Primärmarktkonferenz auf aktuelle Fragen und Entwicklungen rund um das Thema Börsengang gelegt. Am 30. Januar trafen sich über 60 Teilnehmer aus Unternehmen, Banken, Kanzleien sowie Beratungsunternehmen zum intensiven Austausch.

Das Themenspektrum reichte von der neuen Prospektverordnung (ProspektVO), welche ab Juni 2019 in den Ländern der Europäischen Union (EU) gelten wird, bis hin zu Erlebnisberichten von VARTA und Uniper. Drängten in den Boom-Jahren ab Mitte der 90er vor allem junge Unternehmen mit neuartigen Geschäftsmodellen an die Börse, prägen in jüngster Zeit zunehmend Spin-offs, alteingesessene Gesellschaften oder zumindest gereifte Geschäftsmodelle die IPO-Szene.

Für diese kann die recht trocken anmutende Rechtsform der KGaA eine maßgeschneiderte Lösung darstellen – insbesondere, wenn die Altgesellschafter weiterhin die Kontrolle behalten wollen. Ein Beispiel für den anstehenden Börsengang einer GmbH & Co. KGaA ist die DWS (Deutsche Asset Management) mit der Deutschen Bank als Kommanditistin. Durch einen „Joint Comittee“ genannten Ausschuss soll der Aufsichtsrat ein größeres Mitspracherecht bekommen als dies in der Rechtsform der KGaA normalerweise üblich ist. Hier zeigt sich die enorme Flexibilität der Ausgestaltung des KGaA-Systems.

Etwas aus dem Blick geraten ist das Börsen-Listing deutscher Gesellschaften in den USA. Waren ab Mitte der 90er Jahre in Spitzenzeiten rund 30 deutsche Emittenten in den USA gelistet, kam es nach dem Sarbanes-Oxley Act von 2002 zu Delisting und Deregistrierung bei mehr als zwei Dritteln davon.

Der „Jumpstart Our Business Startups Act” (JOBS Act) macht seit 2012 das Listing an einer US-Börse vor allem für kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 1,070 Mrd. USD attraktiv. Deutsche Gesellschaften, die dies in Erwägung ziehen, sollten vor allem drei Aspekte beachten: 1. Mit der BaFIN ist die Abstimmung verlässlicher Zeitpläne möglich, was mit der SEC nicht immer gegeben ist. 2. Financial Statements müssen in den USA nach US GAAP oder nach originalen IFRS eingereicht werden, nicht in der für die EU übernommenen Fassung. 3. Wesentliche Verträge müssen als Anlagen zum Registration Statement offengelegt werden. So musste trivago den Mietvertrag seines neuen Hauptquartiers in Düsseldorf übersetzen und veröffentlichen. Welche Anregungen der europäische Gesetzgeber aus dem JOBS Act ziehen könnte, blieb auf der Konferenz offen. Das Listing in den USA bietet eine Lösung für Unternehmen mit sehr spezifischen Gegebenheiten.

Von Charlotte Brigitte Looß

„Mister Finanzplatz wird 75“

Gäbe es Lutz Raettig nicht, Frankfurt müsste ihn erfinden. Der Finanzplatz am Main und die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance verdanken Lutz Raettig viel. Seit 2005 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG in Frankfurt, ab 1995 wirkte er als deren Vorstandsvorsitzender. Weiterlesen

Deutsche Börse geht in Frankfurt Schritt Richtung Zukunft

Die Deutsche Börse baut das historische Börsen-Gebäude im Herzen Frankfurts noch stärker zum Kommunikationszentrum des Finanzplatzes und als Anlaufstelle für die breite Öffentlichkeit aus. Das denkmalgeschützte Gebäude, in dem sich auch der bekannte Börsensaal und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt befinden, wird Repräsentationsstelle für die Deutsche Börse in Frankfurt und den Finanzplatz.

“Wir freuen uns außerordentlich über dieses Engagement der Deutschen Börse. Frankfurt erhält ein zeitgemäßes Zentrum und sichtbares Symbol für die zunehmende Bedeutung der Stadt und der Region als wichtigster kontinentaleuropäischer Finanzplatz”, sagt Dr. Lutz Raettig, Präsident der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „Die Entscheidung konnte zu keinem besseren Zeitpunkt getroffen werden. Die Deutsche Börse zeigt Flagge in Frankfurt, jetzt, wo der Brexit dazu führt, die Architektur der europäischen Finanzindustrie neu aufzustellen.“

Bis Anfang 2020 investiert die Deutsche Börse 18,5 Millionen Euro in den Ausbau und schließt einen Mietvertrag mit der IHK Frankfurt, der Eigentümerin des Gebäudes, bis zum Jahr 2048. Nach dem Umbau wird sich die Deutsche Börse vom Besucher-Center aus verstärkt an interessierte Besucher wenden, um auf moderne Weise über die Funktionsweise der Börse zu informieren und den Nutzen der Börse für Industrie und Handel und damit für die Wohlfahrt der Gesellschaft zu vermitteln.

Die Mitteilung der Deutschen Börse Group zum Thema finden Sie hier.

Foto: Deutsche Börse AG

CFS-Umfrage: Finanzbranche hält Bitcoin-Kursentwicklung nicht für nachvollziehbar / Eine stärkere Regulierung wird klar befürwortet

Seit Beginn des Jahres 2017 hat sich der Bitcoin-Kurs von 1.000 USD auf nahezu 20.000 USD im Dezember erhöht. Seitdem hat der Bitcoin nach wiederholtem Auf und Ab bis Mitte Januar rund 40% an Wert verloren. Nach einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies ist diese Kursentwicklung für die deutsche Finanzbranche mehrheitlich nicht nachvollziehbar. Darin sind sich 81% der Befragten einig.

Mögliche Risiken, die durch diese Entwicklung für das Finanzsystem entstehen können, sind schwer absehbar. Über die Hälfte der Befragten (54%) schätzt die Entwicklung kritisch ein. Hingegen sind laut 41% der Umfrageteilnehmer die Risiken eher zu vernachlässigen. Jedoch unabhängig davon, wie die Befragten mögliche Risiken einschätzen, sind sie sich größtenteils darüber einig (78%), dass der Markt für Kryptowährungen stärker reguliert werden sollte.

„Die Umfrage verdeutlicht, dass die Sorgen der Finanzmarktteilnehmer angesichts der Intransparenz und der unberechenbaren Kursentwicklungen des Bitcoin zunehmen“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Auch wenn die Bedeutung der Kryptowährungen wächst, wird der Bitcoin dennoch auf lange Sicht unser klassisches Geldsystem nicht ersetzen können. Darin ist sich die Finanzbranche geschlossen einig (93%). Generell wird der Bitcoin von 79% der Befragten auch nicht für ein interessantes Anlageinstrument gehalten.

„In der jetzigen Form stellt der Bitcoin ein fragwürdiges Konstrukt dar, das keinen erkennbaren Mehrwert bietet. Daher sollten klare regulatorische Rahmenbedingungen und eine konsequente Aufsicht dafür sorgen, dass der Anlegerschutz auch bei Kryptowährungen greift und zudem mögliche Systemrisiken im Keim erstickt werden.“, so Brühl weiter.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Trotz aller berechtigten Skepsis bleibt die Faszination der Technik und ihrer Potentiale. Regulierung sollte nicht das Experimentieren unterbinden.“

CFS-Index erreicht höchsten Stand seit Beginn der Finanzkrise in 2007

Die Finanzbranche meldet: Starke Umsatz- und Ertragszuwächse / Mitarbeiterzahlen im Aufwärtstrend / Investitionsvolumen leicht rückläufig, aber nach wie vor auf hohem Niveau

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, steigt um 5,9 Punkte auf 120,1 Punkte. Diese enorm positive Entwicklung ist primär auf die hohen Umsätze und Erträge der Finanzbranche im vierten Quartal 2017 zurückzuführen. Des Weiteren reduzieren die Finanzinstitute nun ihren Stellenabbau und erwarten, dass sich diese Entwicklung im laufenden Quartal weiter verstärkt. Auch bei den Dienstleistern ist die personelle Entwicklung positiv. Es werden verstärkt Mitarbeiter eingestellt. Allerdings meldet die Finanzbranche ein leicht rückläufiges Investitionsvolumen, welches sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau befindet.

„Die exzellente Zielerreichung der Banken bei Umsatz und Ertrag hilft ihnen bei der Bewältigung der nächsten großen Herausforderung, der digitalen Transformation. Dies spiegelt sich auch in den sehr positiven Erwartungszahlen für den Dienstleistungssektor der Finanzindustrie wider, wozu insbesondere Beratungs- und Prüfungsunternehmen zählen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird unverändert sehr positiv eingeschätzt

Mit einem Anstieg um 0,4 Punkte liegt der Unternehmensstandort-Index, der die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland bewertet, mit 135,9 Punkten nur leicht unter dem bisherigen Höchststand, der im Zuge des Brexit-Votums in 2017 erreicht wurde.

„Die stabil hohe Bewertung des Index zeigt: Dem Finanzplatz Deutschland wird mehr zugetraut. Das sollte für alle Beteiligten Ansporn sein, die Zukunft der Branche hierzulande mit Optimismus und Selbstvertrauen zu gestalten“, kommentiert Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Umsätze und Erträge der Finanzbranche steigen. Nur im Jahr 2007, dem ersten Jahr der Befragungen, hatten die Dienstleister noch höhere Werte.

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister können entgegen den eher verhaltenen Erwartungen aus dem Vorquartal ihre Umsätze bzw. ihr Geschäftsvolumen im letzten Quartal 2017 stark ausbauen. Der entsprechende Sub-Index steigt bei den Finanzinstituten um 11,2 Punkte auf 122,7 Punkte und bei den Dienstleistern sogar um 20,3 Punkte auf 137,5 Punkte. Für das laufende Quartal rechnen die Finanzinstitute nur mit einem minimalen Rückgang. Die Dienstleister erwarten einen Rückgang auf das Niveau der Vorquartale.

Auch die Erträge beider Gruppen entwickeln sich im vierten Quartal 2017 besonders positiv. Der entsprechende Sub-Index erreicht bei den Finanzinstituten mit einem Anstieg um 6,5 Punkte einen Wert von 113,9 Punkten. Auch die Dienstleister verzeichnen ein enormes Ertragswachstum um 26,9 Punkte, welches die bereits positiven Erwartungen aus dem Vorquartal noch deutlich übertrifft. Der Sub-Index Erträge steigt damit für diese Gruppe auf 133,6 Punkte.

Investitionsvolumen leicht rückläufig, aber nach wie vor auf einem hohen Niveau

Nachdem der Sub-Index Investitionen der Dienstleister Mitte 2017 den höchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007 erreicht hatte, befindet er sich wie schon im Vorquartal mit -2,8 Punkten leicht im Abwärtstrend. Mit 113,9 Punkten ist dieser jedoch nach wie vor auf einem hohen Niveau. Auch der Sub-Index der Finanzinstitute sinkt um 5,1 Punkte auf 113,8 Punkte, wobei ein weiterer Rückgang erwartet wird. Hingegen rechnen die Dienstleister wieder mit einem Anstieg für das laufende Quartal.

Mitarbeiterzahlen der Finanzbranche im Aufwärtstrend / Stellenabbau der Finanzinstitute abgeschwächt

Nach dem erhöhten Stellenabbau des Vorquartals schwächt sich dieser bei den Finanzinstituten nun ab. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt um 3,3 Punkte auf 98,6. Auch die Entwicklung bei den Dienstleistern ist positiv. Hier werden verstärkt Mitarbeiter eingestellt. Der Sub-Index steigt um 3,5 Punkte auf 116,8 Punkte. Beide Gruppen rechnen mit einer Fortsetzung dieses Aufwärtstrends, wobei die Erwartung der Dienstleister noch höher als die der Finanzinstitute ist.