CFS-Umfrage zum Thema Green Finance

Angesichts der zunehmenden Diskussionen über den Klimawandel und seine Folgen nimmt auch die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzbereich zu. Unter den Schlagworten „Sustainable“ oder „Green“ Finance gibt es inzwischen zahlreiche Initiativen, die sich mit dem Beitrag des Finanzsektors zur Erreichung der Klimaziele beschäftigen. Eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies ergab, dass die deutsche Finanzbranche mehrheitlich (64%) die Meinung vertritt, dass der Finanzsektor bei der Erreichung der Klimaziele eine unterstützende Rolle einnehmen könnte. 17% der Befragten ordnen dem Finanzsektor sogar eine tragende Rolle zu. Hingegen sehen 18% der Befragten hier keine Relevanz.

„Ich sehe große Chancen für den Finanzplatz Frankfurt, von dem wachsenden Trend zu nachhaltigen Finanzprodukten oder auch vom Handel mit Emissionsrechten zu profitieren“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentprodukten (z.B. Green Bonds) nimmt zu. Die Finanzbranche glaubt mehrheitlich (70%), dass der Nachhaltigkeitsaspekt künftig für Investoren eine wichtige Rolle bei ihren Anlageentscheidungen spielen wird. Hingegen nehmen 26% der Befragten an, dass der Nachhaltigkeitsaspekt die Anlageentscheidungen nicht beeinflussen wird.

Bei dem Thema, inwieweit es zu staatlichen Einflussnahmen kommen sollte, ist sich die deutsche Finanzbranche geschlossen einig (70%), dass es weder staatliche Anreize (z.B. steuerliche Entlastungen) für Green Bonds geben sollte, noch sollten regulatorische Erleichterungen (z.B. bei der Eigenkapitalbelastung) für Banken geschaffen werden, die weniger oder keine Geschäfte mit umweltbelastenden Unternehmen machen.

„Die Bankenregulierung sollte nicht mit klimapolitischen Zielen überfrachtet werden. Zum einen ist die Regulierungsdichte im Finanzsektor ohnehin schon sehr hoch. Zum anderen können Kapitalerleichterungen für umweltfreundliche Finanzierungen zu Fehlanreizen führen, die die Finanzstabilität gefährden“, erläutert Brühl weiter.

Wenn es um die Frage geht, ob das Umweltverhalten von Firmenkunden bei der Kreditentscheidung von Banken (z.B. im Rating) berücksichtigt werden sollte, ist die Meinung der Finanzbranche eher zweigeteilt. Während 52% der Befragten diesen Aspekt befürworten, sprechen sich 45% dagegen aus.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Umfrageergebnisse zeigen klar, die Zeit ist reif und nachhaltige Produkte sind gesucht. Dazu braucht es keine weiteren staatlichen Anreize. Das ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich nachhaltige Produkte bereits heute im Wettbewerb durchsetzen können.“

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Die Bedeutung eines integrierten europäischen Finanzmarktes hervorheben

Jacqueline Mills, Geschäftsführerin und Leiterin des AFME-Büros in Frankfurt

Jacqueline Mills, Geschäftsführerin und Leiterin des AFME-Büros in Frankfurt

Im Mai veranstaltet die Association for Financial Markets in Europe (AFME) ihre erste Konferenz zum Thema Aufsicht und Finanzintegration in Frankfurt – hier erklärt Jacqueline Mills, Geschäftsführerin und Leiterin des AFME-Büros in Frankfurt, warum AFME sich entschieden hat, die Präsenz in Frankfurt zu erweitern und welche Themen auf der Tagesordnung der Konferenz stehen werden.

Im Februar 2017 haben Sie ein Büro am Finanzplatz Frankfurt eröffnet, um die europäische Präsenz von AFME auszubauen. Warum haben Sie sich für Frankfurt entschieden?

AFME beschloss vor zwei Jahren, die europäische Präsenz auf Frankfurt auszudehnen, um die Beziehungen zu einigen der wichtigsten EU-Institutionen – darunter SSM, EZB und ESRB – zu vertiefen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Bankenaufsicht der EZB. Viele unserer Mitglieder werden in erster Linie von der EZB beaufsichtigt. Außerdem hat die EZB eine direkte Aufsichtsfunktion für eine wachsende Zahl unserer Mitgliedsunternehmen, die ihren Sitz außerhalb der Eurozone haben. Als Herzstück der deutschen Finanzwirtschaft bietet uns Frankfurt zudem die Möglichkeit, mit lokalen Aufsichtsbehörden wie der BaFIN und der Bundesbank sowie anderen europäischen Organisationen wie EIOPA zusammenzuarbeiten.

Was sind die Ziele der AFME, insbesondere in Bezug auf Brexit?

Als paneuropäische Handelsorganisation engagieren wir uns für die Förderung liquider europäischer Kapitalmärkte. Wir haben gut etablierte Beziehungen in der EU27 und im Vereinigten Königreich. AFME möchte als Brücke zwischen den Marktteilnehmern und politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa fungieren und dabei auf unsere starken und langjährigen Beziehungen, unser technisches Wissen und unsere faktenbasierte Arbeit zurückgreifen. Insbesondere unsere Brexit-Arbeit stützt sich auf diesen Ansatz. Vor allem haben wir uns darauf konzentriert, sicherzustellen, dass sich die Entscheidungsgemeinschaft des potenziellen Cliff-Edge-oder No-Deal-Szenarios bewusst ist. Unsere Arbeit hat dazu beigetragen, dass die EU27 und einzelne Mitgliedstaaten, einschließlich des Vereinigten Königreichs, viele, wenn nicht sogar alle dieser Themen angegangen sind. Natürlich bleibt die Unsicherheit bestehen und wir sind bestrebt, unseren Mitgliedern bei der Orientierung zu helfen. Wenn und sobald der Ausstieg des Vereinigten Königreichs besser definiert ist, werden wir – im Namen unserer Mitglieder – dazu beitragen, die zukünftigen Beziehungen für Finanzdienstleistungen zwischen der EU27 und dem Vereinigten Königreich zu gestalten.

Was werden die Hauptthemen der Konferenz am 23. Mai 2019 sein? Für welche Zielgruppe ist es geeignet?

Die Geschäfte der AFME-Mitglieder erstrecken sich über mehrere Regionen und verbinden so die Endverbraucher mit Kapital- und Liquiditätsquellen. Allerdings ist der globale Bankensektor zunehmend mit einer Fragmentierung nach nationalen und regionalen Gesichtspunkten konfrontiert, die unnötige Starrheit und Kosten verursacht. Auf europäischer Ebene sind die wirtschaftlichen Vorteile eines vollkommen integrierten Marktes für Finanzdienstleistungen gut verstanden, aber die Fortschritte entwickeln sich langsam.

Die Konferenz, die unsere erste in Frankfurt ist, wird sich daher mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Projekte der EU im Bereich Banken und Kapitalmarktunion befassen. Auf der Konferenz werden auch praktische Vorschläge zur Verwirklichung des europäischen Aufsichtsrahmens erarbeitet, der erforderlich ist, um diese sich gegenseitig verstärkenden Ziele zu unterstützen. Und es wird geprüft, wie eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Aufsicht ermöglicht werden kann. Wir hoffen, dass die Veranstaltung Anlass zum Nachdenken für die nächste Amtszeit der Kommission geben wird.

Zu den Höhepunkten der Tagesordnung gehören Grundsatzreden von Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen und von dem Vizepräsidenten der EZB, Luis de Guindos. Wir haben auch eine breite Palette von Rednern, darunter Vertreter von FSB, EBA, EZB, UK PRA und dem US Federal Reserve Board sowie Branchenführer aus einer Vielzahl von Kapitalmarktunternehmen in ganz Europa.

Über diesen Link können Sie sich für die Teilnahme an der Konferenz anmelden.

 

Der FintechGermany Award ist eine Plattform für aktiven Wissenstransfer

Interview mit Philipp Sandner zum FinTechGermany Award 2019

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland“, sagt Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Wie der FinTechGermany Award jungen FinTechs dabei helfen kann, die Hürden der Regulierung zu überwinden, lesen Sie im Frankfurt Main Finance Interview.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Das Hauptaugenmerk liegt grundsätzlich auf dem Business Model des zu beurteilenden Unternehmens. Gerade im Bereich der FinTechs ist der Innovationsgrad der Idee von besonderer Bedeutung. Die Umsetzung, die einhergehende Kosteneffiezienz und besonders die Integration neuer Technologien, wie Blockchain und Artificial Intelligence sind entscheidende Faktoren dafür, ob ein FinTech auf dem Markt bestehen kann – ober eben nicht. Gerade das Frankfurt School Blockchain Center hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, junge und hochinnovative Unternehmen, die sich dieser neuen Technologien bedienen, zu beraten und bei der Umsetzung sowie Kommerzialisierung zu unterstützen. Wir gehen fest davon aus, dass gerade der Einsatz der Blockchain-Technologie starken Einfluss auf die Finanzindustrie haben wird und damit selbstverständlich auch auf die Erfolgsaussichten der sich bewerbenden FinTechs.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland. Durch die Interaktion mit dem Finanzmarkt müssen oftmals strenge Regularien seitens der BaFin befolgt werden, welche durch Kostendruck und fehlendes Personal für FinTechs schwerer zu erreichen sind, als für große Finanzinstitute. Daher ist es wichtig, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern Wissen zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie sie beispielsweise ihr Geschäftsmodell anpassen, sodass die Notwendigkeit einer BaFin-Regulierung reduziert oder gar obsolet wird. Plattformen wie der FinTechGermany Award können als Grundlage für diesen Wissenstransfer genutzt werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ein gleichbleibender oder sich gar ausweitender Grad der Regulierung von FinTechs durch die BaFin während des Verlaufs des kommenden Jahres könnte zu einer Konsolidierung des Marktes führen und einige FinTechs zum Aufgeben zwingen. Trotz einer eventuell bevorstehenden Konsolidierung wird die Bedeutung von FinTechs meines Erachtens kontinuierlich zunehmen, da diese, anders als Banken oder andere große Finanzinstitutionen, Innovationen und den Einsatz neuer Technologien agiler und gezielter einsetzen können. Banken werden sich darauf einstellen müssen, ernsthafte Konkurrenz kleinerer Unternehmen zu erhalten, wodurch deren Monopolstellung schwinden könnte. Deshalb kann man Banken ermutigen, die Nähe zu FinTechs zu suchen, um zum einen Innovation aktiv zu fördern und zum anderen nicht den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Aus diesem Grund ist in den kommenden Jahren eine steigende Zahl von Kooperationen großer Finanzinstitutionen mit FinTechs zu erwarten. Mittelfristig werden Themen wie Artificial Intelligence, Machine Learning und Crypto Assets zentrale Bedeutung erlangen und darüber entscheiden, ob ein Geschäftsmodell auf dem Markt bestehen kann.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Zu allererst müssen Orte geschaffen werden, an denen sich junge Unternehmen gemeinsam kreativ versuchen und Beratung erhalten können. Eine solche Plattform dient nicht nur zum Austausch untereinander, sondern auch zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Investoren und Partnern. Am Finanzplatz Frankfurt gibt es leider bisher noch viel zu wenige Möglichkeiten. Diese Infrastruktur ist in anderen Ländern Europas und der restlichen Welt wesentlich besser ausgeprägt. Hier ist die Landes- sowie die Bundespolitik gefragt und aufgefordert, genügend Fördermittel zur Verfügung zu stellen, um eine ausreichende Zahl an Einrichtungen für junge Unternehmen zu Verfügung stellen zu können. Dabei ist auch der Wissenstransfer unabdingbar. Noch immer haben sich viele Entscheidungsträger nicht auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel in der Finanzindustrie eingestellt. Dies ist bedauerlich, da so deren Geschäftsmodell bedroht ist und zum anderen die gewachsene Finanzstärke genutzt werden könnte, um partnerschaftlich mit FinTechs Innovation voranzutreiben. Das Frankfurt School Blockchain Center möchte zu diesem Wissenstransfer beitragen und veranstaltet so regelmäßig Seminare, Veranstaltungen und große Konferenzen, um auf neue Entwicklungen aufmerksam zu machen und das Management für Themen wie Blockchain zu sensibilisieren.

Interview mit Andreas Lukic zum FinTechGermany Award 2019

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH und Jury-Koordinator des FinTechGermany Awards (FTGA), gibt im Interview mit Frankfurt Main Finance einen Einblick in die Entwicklung des Preises. Warum es den FinTechGermany Award eigentlich jeden Monat geben sollte, erfahren wir auch.

Was hat Sie inspiriert, den FinTechGermany Award als eine Reihe jährlicher Veranstaltungen ins Leben zu rufen?

Ich habe in den 90ern und um die Jahrtausendwende in den USA und England gearbeitet. Bei meiner Rückkehr fiel mir auf, dass es im Rhein-Main-Gebiet nur ein sehr kleines Startup-Ökosystemen gab. Es mangelte an Privatinvestorennetzwerken oder andere Initiativen, die Startups, Investoren und Auftraggeber zusammenbringen. Deshalb bin ich 2002 Mitglied in einem kleinen Business Angel Club geworden, seit 2006 bin ich Vorsitzender der Business Angels Frankfurt Rhein Main. Wir schauen uns jedes Jahr rund 900 Startups an und machen dann ca. 20 bis 30 Investments – auf privater Basis. Der Beitrag zum Startup-Ökosystem steht dabei im Fokus.

Mit dem Ausklang der Finanzkrise haben Wirtschaft und Politik begonnen, sich stärker für Gründer zu interessieren. Es bildeten sich Initiativen wie das Dialogforum FinTech, aus der auch das TechQuartier und der FinTechGermany Award, die „Golden Garage“, entstanden. Mit dem Award zeigen wir, dass Frankfurt als Finanzzentrum von Weltrang im Bereich Startups Flagge zeigen muss, um attraktiv für Gründer zu sein. Wir können zwar nicht sagen „Wir sind die Coolsten, die Kreativsten und die, die am längsten im Markt sind“. Aber wir können sagen, „Wir sind ein Finanzplatz – inklusive Kapital- und Finanzmarktkompetenz“. Und das auch schon 100 Jahre Plus. Der investorenseitige Award ist ein Beleg dafür, dass wir beurteilen können, ob Startups finanzierbar, skalierbar und Exit-fähig sind.

Wie hat sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?

Inzwischen haben wir etwa 180 Startups, die jedes Jahr – wie bei den „Oskars“ – für den FTGA nominiert werden. Startups können sich natürlich auch extern bewerben. Mit diesen knapp 200 Unternehmen haben wir jedes Jahr den Markt gut abgebildet. Mittlerweile sind wir groß genug, dass wir eine eigene Preisverleihung haben. Diese findet dieses Jahr im Eurotheum, also im Zentrum der Stadt, statt. Eine offene Jurysitzung hat zudem im Rahmen des Finanzplatztages stattgefunden.

Was waren zu Beginn des FinTechGermany Awards die Herausforderungen für FinTechs in Deutschland?

FinTech ist zunächst einmal nichts Neues. Neu ist die breite öffentliche Wahrnehmung. Wir hätten im Jahr 2005 so einen Award nicht machen können. Es gab kein Zentrum, wo man gebündelt Ressourcen finden konnte. Mittlerweile ist das Thema FinTech doch recht etabliert. Es ist selbstverständlich geworden, neue Technologien im Finanzbereich einzusetzen.

Während es vor einigen Jahren darum ging, erste Ideen und Marktbereiche zu besetzen und sich richtig zu positionieren, liegt der Fokus heute darauf, sich richtig zu etablieren. Heutzutage müssen Startups viel tiefer eindringen und einen Mehrklang aus Endkunden, Wettbewerbslandschaft und Profit hinkriegen. Daher gibt es heute weniger Gründungen, dafür aber sehr viel „an- und durchfinanzierte“ FinTechs. Das ist der Wandel.

Sie haben die Entwicklungen der Gewinner-Unternehmen bis heute verfolgt. Haben die Gründer und ihre Unternehmen nach dem Gewinn des FinTechGermany Awards eine erhöhte Aufmerksamkeit von Investoren erfahren?

Ja, Gründer und Unternehmer haben nach dem Award erhöhte Aufmerksamkeit von der relevanten Öffentlichkeit. Diese Aufmerksamkeit wächst proportional mit der Bedeutung des FinTechGermany Award.

FinTechgermany Award Verleihung 2018

FinTechgermany Award Verleihung 2018

Als Startup – egal ob Seed/Early Stage, Late Stage oder Growth Stage – brauchen Sie immer Alleinstellungsmerkmale. Jeder macht viel Lärm. Jeder Wettbewerb, jeder Preis und jeder Zugang zu Partnern und Netzwerken sind für ein Startup daher sehr wichtig. Dieser Effekt gilt aber immer auch andersrum: Auch der Finanzplatz und die Spieler hier profitieren davon – beispielsweise in Form von Kooperationen und Aufträgen.

Was die Investoren angeht: Wir müssen zeigen, dass es sich lohnt nach Frankfurt zu kommen. Nicht nur wegen des herkömmlichen Netzwerkens, sondern eben auch wegen der Startups. Wir bräuchten so etwas wie den FintechGermany Award eigentlich jeden Monat (lacht).

Der Name „Goldene Garage“ bezieht sich auf die frühen Anfänge von Technologiepionieren wie Bill Gates, Steve Jobs und Larry Page. Sehen wir Karrieren wie diese heute auch noch? Oder sind aufstrebende FinTechs bereits auf dem Weg von ihren Garagen und Schlafzimmern zu den FinTech Hubs und Büros dieser Welt?

Die Garage ist das Symbol der unkonventionellen Gründung. Hewlett-Packard ist dabei die Urform. Im Silicon Valley gibt es ja sogar ein Museum, „die alte Garage“. Und ja, dieses unkonventionelle Gründen hält an.

Es gibt drei Merkmale, die ein Gründerzentrum ausmachen:

1. Gründer-Landschaft

Wenn man das Silicon Valley betrachtet, fällt auf, dass dort nur wenige Gründer geboren wurden.  Es gibt also nicht dieses eine Gründergen, das eine Region hat – oder nicht. Wir müssen daher eine attraktive Gründer-Landschaft selbst schaffen.
Dieser Faktor bleibt konstant und wir haben im Rhein-Main-Gebiet über die Jahre deutlich aufgeholt.

2. Ausbildungslandschaft

Dazu zählen Universitäten, das Handwerk, aber auch Kulturangebote wie Museen. Das Rhein-Main-Gebiet hat sich in dieser Hinsicht deutlich auf das Gründen spezialisiert.

3. Finanzierungskette

Es muss eine Finanzierungslandschaft geschaffen werden, in der Startups alle Investmentformen – von 1000 über 10.00 bis 100.000 Euro – bekommen können. Deswegen betone ich auch immer den investorenseitigen Award und die Kapitalmarktkompetenz der Jury. Finanzierung ist unser Zukunftsthema. Die Goldene Garage lebt davon, dass ich mich dort niederlassen kann und mein Unternehmen auch finanziert bekomme. Wenn man mal an Facebook und Co. denkt: Irgendjemand hat denen ja mal zwischen einhundert- und fünfhunderttausend Dollar in die Hand gedrückt. Gleichzeitig hatte dieser Business Angel im Hinterkopf eine Idee, wo es mit diesem Startup einmal hingehen wird. Im Fintech-Bereich sind wir da heute auf einem guten Weg.

 

 

Andreas Lukic ist Gründer und Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH, einer im Jahr 2000 gegründeten privaten Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft, die Beteiligungen, Finanzierungen sowie M&A-Transaktionen bei Management-Buy-outs/Buy-ins sowie Unternehmensnachfolgen durchführt, sich fallweise an wachstumsorientierten Unternehmen aus dem Konzern-, Mittelstands- sowie Startup-Bereich beteiligt sowie deren Unternehmensentwicklung unterstützt und daneben in ausgewählte Immobilien investiert. Herr Lukic ist Mitglied mehrerer Beiräte, Vorstandsvorsitzender der Business-Angels FrankfurtRheinMain e.V. und seit 1999 als Business-Angel aktiv. Daneben unterstützt er renommierte, aufstrebende Künstler im Rahmen der Schirn Zeitgenossen, Frankfurt. Weitere Informationen zur Person finden Sie hier.

Verschwendung von Ressourcen: Nachhaltigkeitsberichterstattung und andere Governance Themen

Ein buntes Puzzle voll Details, in denen bisweilen der Teufel steckt, präsentierte das Deutsche Aktieninstitut Anfang April in Frankfurt am Main den etwa 120 Teilnehmern seiner Konferenz zu Corporate Governance und Gesellschaftsrecht. Die Themenvielfalt war vor allem dem Umstand geschuldet, dass Gesellschaftspolitik zunehmend auf das Gesellschaftsrecht übergreift und sich somit Unternehmen mit immer neuen Fragestellungen konfrontiert sehen. Die bisherige Nachhaltigkeitsberichterstattung fiel als Verschwendung von Ressourcen durch.

Im Grunde genommen drehte sich die Konferenz um die einfache Frage: Reicht es, dass Unternehmen Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen oder stehen sie darüber hinaus auch in weiterer sozialer Verantwortung? Nachdem das Thema Nachhaltigkeit an sich gar nicht mehr zur Debatte steht, wirft jedoch seine Ausgestaltung auf allen Seiten immer noch viele Unsicherheiten auf. Zum Beispiel bei Investoren, die nicht einschätzen können, ob die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen auf lange Sicht angelegt oder eher kurzfristiger Natur sind. Letztlich sollte die regelmäßige sorgfältige Prüfung des wirtschaftlichen Handelns auf Menschenrechts- und Umweltaspekte ein integraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und guter Corporate Governance und damit selbstverständlich sein. Nur – wer bestimmt nach welchen Kriterien, was gut, richtig und nachhaltig ist?

EU-Taxonomie als Orientierung für Anleger

Um die steigende Nachfrage institutioneller und privater Anleger nach nachhaltigen Finanzprodukten zu unterstützen und ihnen Orientierung zu geben, hat die EU eine Taxonomie erarbeitet. Damit beabsichtigt sie, ein Klassifikationssystem zur Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Handelns zur Verfügung zu stellen. Zudem überträgt sie institutionellen Anlegern die Aufgabe, einen Nachweis über ihre ESG-Ziele zu erbringen sowie einen Nachweis darüber, inwieweit sich ihre Investitionen an diesen Zielen messen lassen. Letzten Endes kann die Politik auf diese Weise eine positive gesellschaftspolitische Wirkung dadurch erzeugen, indem sie nicht nachhaltig tätigen Unternehmen auf längere Sicht die Kapitalkosten verteuert.

Problematisch für institutionelle Anleger ist allerdings die Bipolarität ihres eigenen Geschäftsmodells, auch wenn sie der Nachhaltigkeit eine hohe Bedeutung beimessen: Die oberste Priorität kommt immer der finanziellen Ertragskraft zu – auch im Sinne ihrer nachhaltigkeitsorientierten Anleger. Zwar lässt sich die positive Auswirkung von Nachhaltigkeit auf die Rendite zu 48 Prozent nachweisen. Das heißt jedoch im Umkehrschluss, dass sich in über 50 Prozent der Fälle gar kein, ein gemischter oder sogar ein negativer Effekt ergibt. Schließlich ist auch die generelle Rolle der Geschäftsmodelle von Anlagezielen noch nicht abschließend geklärt: Wie zum Beispiel umgehen mit einem Tabakkonzern, der in Bezug auf Menschenrechte, Umwelt und Corporate Governance hervorragend aufgestellt ist, dessen Geschäftsmodell nichtsdestoweniger schwere gesundheitliche Schäden und den frühzeitigen Tod seiner Konsumenten in Kauf nimmt?

Bewegung Fridays for Future zeigt Vertrauensverlust an

Die Tatsache, dass die Gesellschaft mehr von den Unternehmen verlangt, als dass sie pünktlich ihre Steuern bezahlen, ist nicht erst seit den Schülerstreiks und der Bewegung „Fridays for Future“ unbestritten. Wie aber soll kaufmännisches SRI-Engagement glaubwürdig transportiert werden? Die bisher üblichen Nachhaltigkeitsberichte, die seit zwei Jahren für bestimmte große Unternehmen gar zur Pflichtberichterstattung gehören, fielen bei allen Panelisten – die immerhin zu den Kernzielgruppen Aufsichtsrat und Investoren gehören – als nutzlos und Verschwendung von Ressourcen durch. Insbesondere dicke Reports böten zu viel Raum, um die wirklich ausschlaggebenden Informationen darin zu verstecken.

Aufsichtsratsmitglieder, die dem Vorstand auch in puncto Nachhaltigkeit beratend zur Seite stehen, wünschen sich die Definition verlässlicher KPIs, die die Entwicklung eines Unternehmens innerhalb der Peergroup – aber auch über die eigene Industrie hinweg vergleichbar machen. Die Idee, die ESG-Zuständigkeit einem einzelnen Aufsichtsratsmitglied zuzuordnen, sei hingegen nicht zielführen. Zu groß ist das Risiko, damit eine Feigenblattstrategie zu befördern, bei der sich alle anderen Organmitglieder der Nachhaltigkeitsverantwortung enthoben fühlten. Eine glaubhafte Alternative dazu böte eine Vergütungspolitik, die die Organvergütungen stärker an die nachhaltige Strategie und Entwicklung des Unternehmens koppeln würde.

Bei Themen um die Hauptversammlung bleibt es spannend

Wie tückisch sich Details bei der Umsetzung lobenswerter Ideen erweisen können, stellte sich beim Bericht über den aktuellen Stand von ARUG II heraus. Der gute gesetzgeberische Wille, den Informationsfluss zwischen Gesellschaft und Aktionär zukünftig transparenzsteigernd und kostensenkend auf den elektronischen Weg zu verlagern, scheiterte an mangelnder Infrastruktur: Bis zu 80 Prozent der privaten Anleger verfügen nicht über die dazu nötigen online-Banking-Anwendungen. Am teuren Postversand von Hauptversammlungseinladungen wird deshalb wohl noch länger festgehalten werden.

Anlass zur Sorge bereitet auch großen institutionellen Anlegern die Kumulation von Einfluss bei den großen Stimmrechtsberatern. Hier hat sich das Machtverhältnis zwischen reinem Dienstleister und seinen Anwendern ins Gegenteil verkehrt. Wenn ein Vermögensverwalter den Abstimmungsempfehlungen der großen Stimmrechtsberater erklärtermaßen nicht folgt, so sei das keine Frage des Selbstverständnisses mehr. Sondern er habe seinen Kunden seine abweichende Meinung darzulegen. Andererseits kann dem Wirken der Stimmrechtsberater der ökonomische Nutzen nicht abgesprochen werden. Der Gesetzgeber hat sich mit ihrer Rolle und der Vermeidung von Interessenskonflikten beschäftigt, wenn sie ein Beratungsmandat zur Corporate Governance bei einem Unternehmen ausüben. ARUG II verpflichtet Stimmrechtsberater zur Erklärung über die Einhaltung von Vorgaben eines Verhaltenskodexes. Der Trend bei institutionellen Investoren geht mittlerweile dahin, dass sie selbst auf der Hauptversammlung Präsenz zeigen.

Corporate Governance als Chance zur Selbstregulierung

Eine Möglichkeit, das Wirken von Stimmrechtsberatern und aktivistischen Investoren in klare Leitplanken zu verweisen, läge in der Selbstregulierung der Unternehmensführungen durch den Corporate Governance Kodex – so die auf der Konferenz vertretene These. Die Existenz eines entsprechenden Kodex ist von der EU vorgeschrieben. Sofern kein freiwilliger Kodex angenommen wird, erfolgen gesetzliche Vorschriften und Definitionen über die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Unternehmen. Die Konferenz betonte die in der Anwendung des freiwilligen Kodex liegenden Chancen zu Vertrauensaufbau und Reputationssteigerung. Aktive institutionelle Investoren wie auch die Verwalter passiver Indexfonds üben zunehmend Einfluss auf Aufsichtsratswahlen aus. Die Abwehr jedweder Steuerungsmechanismen, wie sie in einem Teil der etwa 120 Stellungnahmen zum überarbeiteten Corporate Governance Kodex zum Ausdruck kommt, spiele diesen in die Hände.

Wünschenswert wäre, und hier schloss das End-Panel an die Ausgangsdiskussion an, ein aktiver, beratender Aufsichtsrat, der zum einen rückwärtsgewandt kontrolliert, aber mit mindestens ebenso hoher Gewichtung vorwärtsgewandt überwacht. Die Rolle des aktiven Aufsichtsrats solle viel stärker hervorgehoben werden. Sie liegt in ihrem Kern – je nach Risikoprofil sowie personeller und materieller Ausstattung – in der Kontrolle, der Hinterfragung, Beratung und Unterstützung des Vorstands in der sachgerechten Unternehmensführung. Mit der Idee von einem Berufsaufsichtsrats mochten sich in Frankfurt am Main allerdings nur wenige Konferenzteilnehmer anfreunden.

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß

Frankfurt ist der Finanzplatz der kurzen Wege

Welche Trends werden das FinTech-Jahr 2019 auszeichnen und vor welchen Herausforderungen steht das Frankfurter FinTech-Ökosystem? Im Interview gibt Björn Godenrath, Redakteur bei der Börsenzeitung und FinTech-Experte, einen Ausblick auf das Frankfurter FinTech-Jahr 2019.

Das Frankfurter Fintech-Ökosystem zeichnet sich durch seine Nähe zu den großen und ‚etablierten‘ Banken aus. Inwiefern profitieren aufstrebende FinTechs sowie die Banken von der räumlichen Nähe?

Frankfurt kann als Finanzplatz der kurzen Wege eine sehr gute Brutstätte für FinTechs sein, die die Nähe zum lokalen Bankensektor suchen. Deshalb siedeln sich am Main vor allem B2B-Fintechs an, die Banken als technologischer Dienstleister bei der vielfältigen Digitalisierung unterstützen. Aktuelle Daten von PwC zeigen zum Beispiel, dass diese Form der Zusammenarbeit bereits weit verbreitet ist. Dabei kann in Frankfurt das TechQuartier als Ankergrund fungieren.

Allerdings sind auch Berliner und Münchener FinTechs mobil genug, um Kontakt und Geschäftsanbahnung in Frankfurt zu vollziehen – zudem lässt sich ja beobachten, dass „Frankfurter Geld“ auch gerne in Berlin vor Ort ist, um dort Investments zu tätigen bzw. Fintech- Kooperationen einzugehen. Das finanzielle Engagement Frankfurt Banken (Corporate VC) im FinTech-Sektor ist leider als enttäuschend einzustufen, was die Frage aufwirft, ob die Institute bei der Digitalisierung nicht immer noch zu wenig beherzt vorgehen – und dabei Chancen liegen lassen. Zudem sind alle Akteure des Finanzplatzes dazu aufgefordert, den Rahmen dafür zu schaffen, dass große internationale VC-Fonds Frankfurt auf der Agenda haben – das TechQuartier ist dafür (derzeit) offenbar nicht das geeignete Drehkreuz.

Welche FinTech-Trends sehen Sie für das Jahr 2019? Welche Trends sind für Sie besonders spannend?

Ich fürchte, es ist absehbar, dass einige FinTechs die Segel streichen müssen, weil zum einen Geschäftsmodelle nicht aufgehen und zum anderen mitunter keine Anschlussfinanzierungen zur Verfügung stehen – was ganz normal ist. Außerdem könnten einige B2B-Kooperationen platzen, da sich Hoffnungen nicht erfüllen lassen – so wie bei Vaamo mit Santander Deutschland. Das mündet dann in eine gewisse Konsolidierung des Sektors, was auch zu grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen führen kann, um vorhandene Kundenbasis und Technologie zu nutzen. Daraus können dann gestärkte FinTech-Player hervorgehen.

Positiv ist, dass zunehmend ausländisches Kapital in deutsche FinTechs fließt, was ambitionierten Geschäftsmodellen zu Gute kommt – die N26-Finanzierung zu einer Bewertung von mehr als zwei Milliarden Euro spricht da Bände. Davon werden wir 2019 hoffentlich noch mehr sehen. Außerdem erwarte ich, dass sich in diesem Jahr der Erfolg von Geschäftsmodellen abzeichnen wird, die auf der Bezahlverordnung PSD2 beziehungsweise dem Open Banking mittels APIs, also der Öffnung von Bankendaten für Drittanbieter, für den Datentransport fußen – dazu zählt für mich auch die Plattform-Strategie der Deutschen Bank. Zudem erwarte ich, dass es in Deutschland zur Jahresmitte einen gewissen gesetzlichen Rahmen für Kryptowährungen  geben wird, sodass Marktakteure nicht mehr schutzlos in die Nachregulierung laufen. Die Börse Stuttgart plant ja die Aufnahme des Krypto-Handels für Frühjahr/Sommer. Darüber hinaus bietet die Tokenisierung von Assets große Möglichkeiten, um Vermögenswerte (wie in Real Estate) liquide zu machen – was dann wiederum Futter ist für unsere Börsenplätze.

Mit Creditshelf ist erstmals ein reines FinTech-Unternehmen an den Kapitalmarkt gegangen. Könnte Creditshelf hier ein Vorbild für andere etablierte Finanztechnologie-Unternehmen sein?

Na klar – sofern sich hier Investoren finden, die zur angestrebten Bewertung Anteile zeichnen. Bislang ist das Motto im FinTech-Sektor ja, möglichst lange über private Funding-Runden Kapital aufzunehmen, um dann erst mit gesteigerter Bewertung und Unternehmensreife an den Markt zu gehen – was auch den grundsätzlichen Kapitalmarkterfordernissen entspricht. Das Beispiel Creditshelf zeigt aber, dass man eine solche Platzierung auch schon in sehr frühem Stadium durchziehen kann, was natürlich die Hoffnung nährt, dass dies Nachahmer animiert, ein Frankfurter Listing zu suchen – im Venture Network der Deutschen Börse befinden sich ja einige Kandidaten, die an die Kapitalmarktfähigkeit herangeführt werden. Als konkreten IPO-Kandidaten vielleicht auch schon für dieses Jahr sehe ich die Solaris Bank aus Berlin.

Von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt

Accelerator Frankfurt wurde 2016 von Ram Shoham und Maria Pennanen gegründet, basierend auf ihren Erfahrungen mit Unternehmen, die Schwierigkeiten hatten, Partnerschaften mit Start-ups aufzubauen. Accelerator Frankfurt begleitet B2B-Software-Startups in den Bereichen Fintech, RegTech, Cybersecurity, Insurtech, Proptech und Blockchain während ihrer Entwicklung. Startups, die in das Accelerator Programm aufgenommen wurden, erhalten Mentorships von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Consulting Services sowie einen Co-Working-Space, um ihren Ideen Raum für Entfaltung zu geben. „Wir wollten unser Programm als Schnittstelle für Unternehmen und Start-ups etablieren“, sagt Ram Shoham, Mitbegründer von Accelerator Frankfurt. Das Programm konzentriert sich aufgrund der Anziehungskraft des Finanzplatzes Frankfurt insbesondere auf FinTechs. Des Weiteren betreibt Accelerator Frankfurt  Blockchain Labs, die Unternehmen den Zugang zu Blockchain-Technologien ermöglichen und über dessen Potential aufklären.

Wir haben Ram Shoham in einem exklusiven Interview gefragt: Wie sieht der Weg von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt aus?

Accelerator Frankfurt in 2 Sätzen: Was macht den Erfolg der Accelerator Frankfurt GmbH aus?

Für Start-ups sind wir das Tor zur deutschen Finanzbranche. Mit unserem dreimonatigen, umsatzorientierten acceleration program helfen wir fortgeschrittenen Start-ups, die bereits zahlende Kunden und Produkte haben, den deutschen Markt zu erschließen.

Was beeindruckt Sie am meisten, wenn Sie mit jungen Gründern sprechen?

Wir haben seit 2016 bereits dreißig Start-ups geholfen sowie Tausende von Gründern überprüft, bevor wir einige von Ihnen in das Programm aufgenommen haben. Die Gründer, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alle eines gemeinsam: Leidenschaft. Wir wählen nur Gründer aus, die das, was sie tun, lieben. Die Unternehmensgründung ist sehr stressig und intensiv. Du musst lieben, was du tust, wenn du Großes erreichen willst.

Wie sieht der typische Weg von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt aus? Gibt es einen einzelnen Pfad? Welche Hürden müssen Start-ups nehmen?

Es gibt keinen typischen Weg. Einige Start-ups sind disruptiv, andere komplementär. Wir konzentrieren uns vor allem auf Business-to-Business (B2B) Lösungen. Das bedeutet, dass für den Erfolg unserer Start-ups, Partnerschaften mit den Banken aufgebaut werden müssen. Dafür braucht man Ausdauer, denn die Verkaufszyklen können recht langwierig sein, dafür sind aber auch die Belohnungen ziemlich groß.

Frankfurt hat sich vor allem durch die Nähe zu etablierten Banken zu einem FinTech-Hub entwickelt. Wie würden Sie das aktuelle FinTech-Ökosystem in Frankfurt beschreiben?

Als wir den Accelerator Frankfurt gegründet haben, gab es in der Stadt kaum ein Start-up-Ökosystem. Wir waren der erste Accelerator in Frankfurt und sicherlich der erste, der internationale Start-ups in die Stadt lockte. Heute freuen wir uns sehr über die Auswirkungen unseres Netzwerkes auf die Stadt. Es gibt sicherlich mehr Bewegungen, mehr ergänzende Programme und hoffentlich in naher Zukunft auch mehr Risikokapitalfonds, die in die Frankfurter Start-ups investieren.

Welche zukünftigen Herausforderungen stehen dem Frankfurter FinTech-Ökosystem bevor? Und welche Chancen ergeben sich daraus?

Die größte Herausforderung für Frankfurt besteht darin, dass die Banken immer offener für neue Innovationen werden. FinTech gewinnt in der Finanzwelt an Bedeutung, insbesondere bei Blockchain-Lösungen. Dennoch bleibt ein enormes Potenzial für Banken, um diese innovativen Start-ups zu unterstützen.

Haben Sie ein Lieblings-Startup? 😉

Ich habe keine Lieblings-Start-ups. Ich habe Lieblingsunternehmer, und das sind die Menschen, die mich jeden Tag inspirieren. Die bisher größte Lektion in meiner Karriere ist, dass harte Arbeit einen dorthin bringt, wo das Glück einen finden kann. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hilft dabei sicherlich.

Warum ist Frankfurt der ideale Standort für (FinTech) Start-ups?

Über 240 Banken. Guter Flughafen. Reichhaltige Umgebung. Gute Universitäten und Talente.

 

 

Über Ram Shoham

Ram Shoham ist für Fintechs was George Martin für die Beatles ist. Er ist der Gründer von Accelerator Frankfurt, mit 16 Jahren internationaler Unternehmenserfahrung in den Bereichen Finanzen und General Management. Ram ist auch Gründer des Blockchain Labs, der sich auf den Aufbau eines Ökosystems zur Förderung von Blockchain-Technologien und die Bildung in diesem Sektor konzentriert.

 

Photo: Jonas Ratermann

„Welcome to the German Capital Market“ – neue Videovorlesung für Kapitalmarktprofis aus dem Ausland

Die Capital Markets Academy der Deutschen Börse stellt in einer Pressemeldung eine neue Videovorlesung für Banker und weitere Kapitalmarktprofis aus dem Ausland  vor. In 150 Minuten werden die Teilnehmer darin mit den Marktstrukturen sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen des deutschen Kapitalmarkts vertraut gemacht.

Die internationalen Märkte teilen viele Gemeinsamkeiten – und dennoch hat jeder Inlandsmarkt seine besonderen Eigenheiten. Das neue E-Learning-Programm der Capital Markets Academy knüpft hier an: Es richtet sich an Kapitalmarktprofis, die zwar in ihrem Heimatland erfahren, aber nicht mit den spezifischen deutschen Rahmenbedingungen und Regularien vertraut sind.

„Bankern, die neu in Deutschland sind und die sich einen guten Überblick über die Marktstruktur und das Regelwerk verschaffen wollen, bietet unsere Videovorlesung eine kompakte aber gleichzeitig präzise Einführung“, erklärt Ulf Mayer, Leiter der Capital Markets Academy bei der Deutschen Börse.

Die englischsprachige Videovorlesung kann flexibel und unabhängig von Ort und Zeit angesehen werden. Sie ist inhaltlich in zwei Teile untergliedert: 1) Markstruktur in Deutschland und 2) Kapitalmarktrecht und Regulierung. Die Vorlesung dauert rund zweieinhalb Stunden und besteht aus zehn Kapiteln. Die zugehörigen Handouts können heruntergeladen werden. Am Ende gibt es eine Teilnahmebescheinigung.

Weitere Informationen zur Videovorlesung gibt es unter www.academy.deutsche-boerse.com/e01.

Die Capital Markets Academy ist der Trainingsanbieter der Gruppe Deutsche Börse. In interaktiven Präsenzveranstaltungen mit hohem Praxisbezug sowie digitalen Lernformaten bietet die Capital Markets Academy Börsenwissen aus erster Hand. Mit den Schwerpunkten Handel, Clearing und Settlement orientiert sie sich am Produkt- und Serviceangebot der Gruppe Deutsche Börse. Weitere Finanzmarktthemen, wie die Funktionsweise von Kapitalmärkten und neue Technologien wie Blockchain, runden das Angebot ab.

„Frankfurt bietet für viele große Unternehmen ein beträchtliches Potential.“

Kirsty Sharp, Schulleiterin des King’s College – The British School Frankfurt

Zu Beginn des Jahres durften wir das King’s College – The British School of Frankfurt als eines unserer neusten Frankfurt Main Finance-Mitglieder begrüßen. Im Interview erzählt uns Schulleiterin Kirsty Sharp, warum die Bildungsorganisation der Finanzplatzinitiative beigetreten ist und welche Standortvorteile der Finanzplatz Frankfurt vorzuweisen hat.

Warum treten Sie als Mitglied bei FMF als Unterstützer des Finanzplatzes auf?

Das King’s College – The British School of Frankfurt wurde im August 2018 als 10. Schule der King’s Group in Friedrichsdorf, 20 km nördlich der Innenstadt, eröffnet. Seit jeher arbeiten unsere Schulen eng mit internationalen Unternehmen, diplomatischen Auslandsvertretungen und Institutionen zusammen, um mehr über den Bildungsbedarf vor Ort zu erfahren. Insgesamt besuchen Schüler aus über 80 Nationen die Schulen der King’s Group. Dadurch konnten wir uns einen reichen Erfahrungsschatz im Unterricht von Schülern verschiedener Kulturen und Herkunftsländer aneignen. Als FMF-Mitglied möchten wir im Hinblick auf den bevorstehenden Brexit die Familien, die an einem britischen Bildungsangebot interessiert sind, unterstützen.

Wie trägt das King’s College zur Entwicklung des Finanzplatzes bei?

Britische Schulen sind in den meisten Großstädten präsent und stellen einen wesentlichen Bestandteil einer internationalen Bildungskultur dar. Ein breit gefächertes Angebot an international ausgerichteten Schulen ist für die Attraktivität einer Metropole entscheidend und Teil einer Infrastruktur, die globale Unternehmen, ihre Mitarbeiter und deren Familien überzeugt. Mit dem King’s College Frankfurt verfügt der Finanzplatz Frankfurt über eine international angesehene britische Schule, ausreichenden Kapazitäten für bis zu 600 Schülern und einem hochmodernen Campus, der aus dem Stadtzentrum und umliegenden Wohngebieten leicht zu erreichen ist.

Wo sehen Sie die Stärken des Finanzplatzes?

Frankfurt – starker Wirtschaftsraum und Zentrum europäischer Geldpolitik – ist ein sehr attraktiver Standort für internationale Unternehmen, insbesondere Banken. Aufgrund des internationalen Flughafens, der geografischen Lage als kosmopolitisches Herz Europas sowie der Naturnähe, hat Frankfurt für zahlreiche Großunternehmen ein enormes Standortpotenzial.

Als spanisch-britisches Unternehmen, welches sich vor Kurzem in Deutschland niedergelassen hat, nimmt die King’s Group die häufig zitierte „deutsche Gründlichkeit“ sowie den Umgang mit öffentlichen, steuerlichen und infrastrukturellen Behörden als sehr positiv und transparent war – Anforderungen sind schnell und einfach implementierbar. Von allen Seiten haben wir eine hervorragende Unterstützung in sämtlichen Bereichen erfahren, sodass sich unser Institut sowie unsere Mitarbeiter in kürzester Zeit im Rhein-Main-Gebiet willkommen und als Teil der Gemeinschaft fühlten.

Das Alleinstellungsmerkmal der Startups ist wichtig

Welche Herausforderungen wird es für junge FinTechs in der Zukunft geben und wie kann der FinTechGermany Award dabei helfen, diese zu überwinden? Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital und Jury-Mitglied des FinTechGermany Awards 2019, beantwortet diese und weitere Fragen im Interview mit Frankfurt Main Finance.

Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital und Jury-Mitglied des FinTechGermany Award 2019; © Stefan Krutsch Photographie

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Ich hinterfrage als erstes, ob die Idee des Start-ups ein tatsächliches Problem löst und ob es skalierbar ist. Darüber hinaus schaue ich, ob wir die Gründer kennen und ihnen zutrauen, die Idee umzusetzen und etwaig auftretende Hindernisse zu überwinden.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Im B2C-FinTech-Bereich gibt es mittlerweile sehr viele Lösungen am Markt. Schwierig ist dabei, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und zu zeigen, was der eigene USP ist. Im B2B-Bereich ist das Angebot deutlich geringer. Aus meiner Sicht ist hier die größte Herausforderung Partner zu finden, die das Potenzial der Lösung erkennen und bereit sind, die Lösung im eigenen Unternehmen einzusetzen. Insbesondere, wenn die B2B.FinTechs nicht nur an der Oberfläche „kratzen“, sondern sich auf Kernprozesse von Banken fokussieren, ist der Widerstand noch deutlich spürbar. Dies zu überwinden, braucht einen langen Atem und Partner, die an einen glauben. Plattformen, wie der FinTechGermany Award unterstützen dabei, besondere FinTechs hervorzuheben, diese mit Unternehmen zusammenzuführen und damit die ersten Hürden einer Kooperation zu nehmen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ich erwarte, dass sich mehr im B2B-FinTech-Markt tut. Zudem sehen wir, dass immer mehr Investments von deutschen VCs und Unternehmen in Start-ups fließen. Dennoch sehen wir nach wie vor zu wenig Kooperationen zwischen FinTechs und Unternehmen und Banken. Meine Hoffnung ist, dass Unternehmen und Banken in den kommenden Jahren noch stärker das Potenzial von Start-Ups erkennen, sich von Vorbehalten trennen und wir hier noch mehr Zusammenarbeit sehen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Da gibt es ganz unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten. Das TechQuartier, dessen Sponsor wir sind, hat zusammen mit dem Land Hessen einen Maßnahmenplan entwickelt. Dieser umfasst das gesamte Spektrum an Maßnahmen, die es für den Aufbau eines Ökosystems braucht. Darüber hinaus sind auch die Banken stark gefordert. Je offener sie gegenüber Neuem sind, desto mehr Neues wird sich in ihrer Nähe ansiedeln. Sowohl Finanzexpertise als auch Kapital ist geballt in Frankfurt. Wir müssen es also gemeinsam schaffen, dass diese Stadt und die Kooperationen attraktiv sind für Gründer innerhalb und außerhalb von Deutschland. Und aus meiner Sicht geht das am besten, wenn wir Gutes tun und über Grenzen hinweg darüber sprechen.