FinTech Forum on Tour. Frankfurt Main Finance Managing Director Hubertus Väth

FinTech-Brücken zwischen London und Frankfurt

Das FinTech Forum on Tour macht Halt am Finanzplatz Frankfurt

Die vielversprechendsten Startups, Investoren, Medien, Finanzinstitute und andere am Thema FinTech Interessierte versammelten sich in Frankfurt zum FinTech Forum On Tour. Die engere zukünftige Zusammenarbeit zwischen FinTechs und Banken sowie Großbritannien und Deutschland stand im Mittelpunkt der Veranstaltung am 22. März. Zum ersten Mal präsentierten sich junge FinTechs aus Großbritannien organisiert am Standort Frankfurt und sondierten die Gegebenheiten und Chancen in der Rhein-Main-Region. Verschneites deutsches Wetter, Earl Grey Tee und Startup-Pitches sorgten für viel Gesprächsstoff.

Der Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz, Herr Rafe Courage und der britische Botschafter in Deutschland Sir Sebastian Wood KCMG begrüßten die Teilnehmer und unterstrichen die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit im Bereich Fintech zwischen Deutschland und Großbritannien, insbesondere in den kommenden Jahren im Hinblick auf die wachsenden Brexit Nachwirkungen: „Die Wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit nimmt zu, es gibt keine politische Diskussion darüber“, sagte der Botschafter. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, ging näher auf die Rolle Frankfurts als bevorzugter Zielort für Geschäftsverlagerungen nach dem Brexit ein: „Frankfurt baut gerade für Finanzinstitute und Fintech eine Brücke nach London.“

Ein großer Teil des Forums war den Startup-Pitches gewidmet: 10 FinTechs präsentierten ihre Lösungen für das Banking der Zukunft. Viel Aufmerksamkeit wurde dabei auf die Verbesserung des digitalen Rechte- und Einwilligungsmanagements zum Schutz der Kundendaten gelenkt. Die Integration von Analysesystemen für Vermögensverwalter, datenschutzfreundliche Datenoperationen, die Rolle künstlicher Intelligenz im Bankwesen sind nur einige Beispiele für den Fortschritt, den FinTech-Startups für den Finanzmarkt sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland bieten können.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Martin Deckert (niiio finance group), diskutierten Lucie Haß (Landesbank Hessen-Thüringen), Steffen Seeger (digitalplus), Christian Nehk (Barclays Bank) und Nektarios Liolios (Startupbootcamp FinTech) Fragen zu Kosten, Wettbewerb, Compliance und Wachstum von FinTech und Banking. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Digitalisierung des Bankwesens und die Zusammenarbeit mit FinTechs in den letzten fünf Jahren rasant zugenommen habe. Dennoch gebe es sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland noch viel Raum für neue Lösungen und innovative Ideen. „Vor fünf Jahren war Deutschland weit zurück, aber jetzt ist es ein Ort, an dem man vertreten sein sollte. Es ist ein Erfolg für alle“, sagte Fintech-Pionier N. Liolios.

Die Diskussionsteilnehmer und etliche Zuhörer, die dem Podium zugehört hatten, stimmten in den sich anschließenden Gesprächen darin überein, dass die Regulierung in verschiedenen Ländern unterschiedlich sein könnte, dennoch gelte der allgemeine Trend, dass große Finanzunternehmen und Banken mehr Zeit benötigten, um intelligente technologische Lösungen zu implementieren. Die Dringlichkeit zu digitalisieren könne heute nicht mehr ignoriert werden.

Der britische Botschafter in Deutschland sagte, der Brexit bringe neue Migrations- und Handelspolitik, das Vereinigte Königreich sei jedoch weiterhin bereit mit Europa vor allem in den Sektoren IT und Technologie zu kooperieren: „Wir müssen Freunde bleiben“, sagte der Botschafter auf Deutsch. Diese Schlussbemerkung der Keynote stimmte gut mit der These Hubertus Väths von Frankfurt Main Finance überein, dass Deutschland und insbesondere Frankfurt die neue Brücke zwischen London und Europa werden könnte.

Weitere Informationen zum FinTech Forum finden Sie hier.

CEo Theodor Weimer

Dr. Theodor Weimer: Warum wir uns für Frankfurt starkmachen

Die Deutsche Börse macht sich stark für Frankfurt – das hilft dem Finanzplatz. Und das hilft auch der Börse – denn mit diesen Initiativen stärken wir uns auch selbst als börsennotiertes Unternehmen im globalen Wettbewerb. Umgekehrt gilt aber auch: Der Finanzplatz Frankfurt braucht eine starke Deutsche Börse, um die Chancen, die sich derzeit am europäischen Finanzmarkt auftun, für sich zu nutzen.

Beispiel Euro-Clearing. Nach dem bevorstehenden Brexit würde die bislang wichtigste und vom Volumen her dominierende Verrechnungsstelle für Zinsswaps in der Gemeinschaftswährung außerhalb der EU liegen. Die EU muss – ohne die Briten und ohne den Finanzplatz London – aber so stark sein, dass sie die für ihre Versorgung lebenswichtigen Systeme unter ihrer eigenen Jurisdiktion behält.

Klingt kompliziert? Lassen Sie es mich einfacher sagen: Nur eine zentrale Clearingstelle für Euro-Zinsswaps ist nicht gut und nicht marktgerecht. Nur eine solche zentrale Clearingstelle und die auch noch außerhalb der EU, das ist ausgeschlossen. Die Deutsche Börse hat mit ihrem Angebot an die Clearingkunden bislang sehr guten Erfolg erzielen können. Die Kunden sehen das Thema ebenso wie wir als zentraler Dienstleister in der Finanzwelt. Wir stehen bereit, und aus meiner Sicht sollte das Clearing der Euro-Produkte nach Frankfurt kommen. Der Finanzplatz und wir können gemeinsam gewinnen. Dass die EBA, die europäische Bankenaufsicht, nach Paris vergeben wurde, sollte uns ein Warnsignal sein. Wir alle müssen uns jetzt anstrengen, und ich bin mir sicher: Wir werden uns anstrengen.

Unser Angebot für das Euro-Clearing, dem mittlerweile praktisch alle großen Banken und Händler beigetreten sind, ist gut für uns und es stärkt zugleich den Finanzplatz. Indem wir einen konkurrenzfähigen, äußerst effizienten zweiten Handelspunkt aufbauen, fördern wir zugleich die Transparenz und die Robustheit der internationalen Finanzmärkte. Es geht um riesige Volumina: Unser Partnerschaftsprogramm hat im Januar 2018 ein durchschnittliches tägliches Volumen von 35 Milliarden Euro im außerbörslichen Zinssegment erreicht. Wer Frankfurt stärkt, der stärkt effiziente und sichere Märkte. Das ist unser Ziel als Deutsche Börse.

Frankfurt braucht die Deutsche Börse als starken Partner, um Chancen zu nutzen. Zweites Beispiel: Regulierung. Auch hier haben wir uns wesentlich breiter aufgestellt und Angebote entwickelt, die Regulierungen effizient umsetzen.

Regulierungen sind in gewisser Hinsicht ein zweischneidiges Schwert, denn sie sollen Sicherheit schaffen, ohne Leistungswille und Kreativität abzuwürgen. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass die Regulierungen der letzten zehn Jahre seit der Finanzkrise viel Gutes bewirkt haben, dass sie unsere Märkte sicherer und unsere Banken robuster gemacht haben. Und das sage ich zwar als Vorstandsvorsitzender der Börse, der sich aber noch sehr gut an seine rund neun Jahre an der Spitze einer großen Bank erinnert. Ich kenne Banken, und ich kenne – immer besser – die Börse. Regulierungen und ihre unbeabsichtigten Folgen gehören stets auf den Prüfstand, die Regulierung selber ist aber eine Erfolgsgeschichte.

Es ist mir wichtig, das festzustellen. Das ist ein Standpunkt, von dem aus wir als Deutsche Börse uns in die Debatte einbringen. Wir legen zugleich Lösungen vor, die unseren Kunden den Umgang mit Regulierungen erleichtern und helfen, die Meldepflichten zielgenau abzuarbeiten. Damit sind wir auch technologisch führend und ein Taktgeber für die gesamte Branche. Diese Kompetenz ist ein Vorteil im Wettbewerb, hier werden wir uns mit neuen Initiativen an der Spitze behaupten.

Frankfurt ist also ein Regulierungszentrum, hier haben wichtige Akteure ihren Sitz. Allen voran die Europäische Zentralbank und die Bundesbank, auch eine Vertretung der BaFin. Dazu kommen die wichtigsten und größten deutschen und – aus meiner Sicht ein echter Standortvorteil – viele internationale Banken. Und wir als Deutsche Börse. Wir stärken uns mit Angeboten, die aus den buchstäblich fingerdicken Regularien und den zugehörigen Handbüchern funktionierende, effiziente Systeme machen. Das ist auch nötig! Dieses Jahr sind drei sehr wichtige Verordnungen in Kraft getreten, MiFID II, die Benchmark-Verordnung, die CSD-Regulierung. Und alleine MiFID II bringt es auf 25.000 Seiten Text.

Frankfurt braucht die Deutsche Börse, um Chancen zu nutzen. Drittes Beispiel: Börsengänge. Wir stehen in dieser Hinsicht sicher vor einem guten, vielleicht vor einem herausragenden Jahr. Das ist gut für die Realwirtschaft, gut für den Standort, gut für die Deutsche Börse.

Wir wollen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Und wir tun einiges, dass der Standort Frankfurt auch für Börsengänge attraktiv ist. Dazu tragen unsere diversen Initiativen bei, die sich schon lange vor einem Börsengang um Unternehmen kümmern. Die Startups und kreativen Menschen, die wir in Deutschland so dringend benötigen, ihnen machen wir Angebote: zum Standort, zur Finanzierung, zum geschäftlichen Umfeld. Frankfurt hat hier deutlich aufgeholt, aber wir müssen noch besser werden. Unser Segment Scale und das Venture Network werden allerdings dazu beitragen, dass Frankfurt hier europaweit deutlich sichtbarer wird.

Jetzt nehmen wir viel Geld in die Hand, um das Börsengebäude in der Innenstadt Frankfurts entschieden aufzuwerten. Drei Aspekte sollen dazu beitragen.

Erstens ein Besucherzentrum, das gerade jungen Menschen das Börsengeschehen und die Funktionen der Finanzmärkte näherbringt. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass die nachwachsende Generation weiß und versteht, worum es in unserer Branche geht. Börse zum Anfassen, Börse konkret. Dieses Wissen – die sogenannte „financial literacy“ – erleichtert vieles, von der privaten Altersvorsorge bis zu einer breiten öffentlichen Diskussion über wirtschaftliche Zusammenhänge. Ich glaube, dass dieses Jahrhundert von diesen Fragen bestimmt werden wird.

Zentrum für Börsengänge

Zweitens bauen wir ein Konferenzzentrum, das wir auch für andere öffnen werden. Die Börse ist ein sehr geeigneter Raum für Debatten und Kontroversen. Die Architektur unseres Börsengebäudes in Frankfurt zitiert sogar den Marktplatz, die Agora, der alten Griechen. Ein Konferenzzentrum in einer Börse ist also nichts Fremdes, das wir uns nur ausgedacht haben. Es gehört einfach dazu.

Drittens bauen wir ein neues Zentrum für Börsengänge. Hier können und wollen wir mehr für unsere Kunden tun, und wir tun das wo immer möglich natürlich ab sofort. Im Zuge des Umbaus schaffen wir jetzt noch zusätzlich eine angemessene räumliche Umgebung. Börsengänge dienen in erster Linie der Kapitalaufnahme. Aber sie haben immer auch eine kommunikative Funktion. Mehr Aufmerksamkeit – das betrifft gerade die Mittelständler. Aufmerksamkeit für die richtigen Botschaften – das betrifft alle Unternehmen, auch die großen. Denn ein Börsengang ist eine beinahe einmalige Chance, sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Das wird – so der Plan – in unserem neuen IPO-Zentrum noch besser gelingen. Wir wollen „Listed in Frankfurt“ zu einem Gütesiegel machen.

Der Umbau der Börse – im Gebäude der IHK, mit der wir einen langen Mietvertrag geschlossen haben – stärkt den Finanzplatz Frankfurt und damit auch den Wirtschaftsstandort Deutschland. Unsere Industrie benötigt eine starke Deutsche Börse, die gute Angebote für die Kapitalaufnahme machen kann. Und die ein lebendiges System kleinerer und junger Unternehmen fördert, die – vielleicht, hoffentlich! – aufzeigen, wie wir in 20 oder 30 Jahren unseren Wohlstand erwirtschaften wollen.

Warum also stärkt die Deutsche Börse den Finanzplatz Frankfurt? Weil wir ein kräftiges europäisches Finanzzentrum brauchen, das die für unsere Branche lebenswichtigen Geschäfte – wie das Euro-Clearing – effizient leisten kann. Weil Frankfurt das Zentrum einer klugen Regulierung mit Augenmaß ist und Regulierer und Kunden ein Interesse an einer marktnahen Umsetzung der Verordnungen haben. Weil Frankfurt der wichtigste deutsche Börsenstandort ist und damit die Leitbörse der größten europäischen Volkswirtschaft.

Nach dem Brexit wird Frankfurt in allen diesen Aspekten wichtiger. Tragen wir gemeinsam dazu bei, dass es seine Stärken ausspielen kann.

Von Dr. Theodor Weimer. Der Artikel ist zuerst in der Börsen-Zeitung in der Beilage „Finanzplatz Frankfurt“ erschienen.

Financial Centre Frankfurt

Ungebrochenes Interesse der Brexit-Banken am Finanzplatz Deutschland

  • Deutschland ist ein attraktiver Standort für die internationale Finanzindustrie
  • Die neue Bundesregierung kann die Attraktivität aber noch steigern
  • International abgestimmte und harmonisierte Regelwerke sind der Garant für die internationale Finanzstabilität

„Wir sehen bei den Banken, die Brexit-bedingt über Verlagerungen nachdenken, ein ungebrochenes Interesse am deutschen Finanzplatz. Aufsicht und Politik haben in den letzten 18 Monaten schon viel geleistet und sich gut aufgestellt, wir müssen aber weiter-arbeiten“, fordert Stefan Winter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V. (VAB) auf der heutigen Pressekonferenz. Handlungsbedarf bestehe unter anderem bei der Begrenzung der Abfindungen bei Höchstverdienern im Bankbereich und bei der Interna-tionalisierung des Rechts. So werde deutsches Recht international oft nicht in Rahmenverträgen vereinbart, weil Gerichte diese auch im kaufmännischen Verkehr genauso wie allgemeine Geschäfts-bedingungen für Verbraucher prüften. „Wir rechnen infolge des Brexit mit rund 20 Instituten, die ihre Präsenz hier ausbauen werden. Damit verbunden sind in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 5.000 neue Stellen, die in weiten Teilen lokal besetzt werden. Viel wird natürlich davon abhängen, ob es Übergangsfristen geben wird. Eigentlich sind sich ja alle einig, dass es Übergangsregelungen geben muss. Niemand kann aber heute mit Sicherheit sagen, ob es welche geben wird. Unsere Mitglieder planen daher nach wie vor, am 29. März 2019 voll operative Einheiten in Deutschland zu haben, um für ihre Kunden auch weiterhin Finanzdienstleistungen erbringen zu können“, so Winter.

Silvia Schmitten-Walgenbach und Guido Zoeller, die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, heben die stabilen Mitarbeiterzahlen in den Mitgliedsinstituten hervor, die auch auf die guten Rahmenbedingungen und die nach wie vor prosperierende deutsche Volkswirtschaft zurückzuführen sind. Neben der wirtschaftlich stabilen Lage habe die ausländische Finanzindustrie in den letzten Jahren aber auch sehr von der internationalen Harmonisierung profitiert, die für die Aufsicht international ebenfalls von Vorteil ist. Die EZB habe hier eine wichtige Rolle übernommen und ein Level-Playing Field in der Euro-Zone weiterentwickelt. „Auf nationale Rückbesinnungen und eine Aufweichung der international harmonisierten Finanzmarkregulierung sollte daher im Interesse der internationalen Finanzstabilität verzichtet werden“, fügt Schmitten-Walgenbach hinzu.

Da der Finanzplatz internationaler wird, weist Zoeller auf die Auswirkungen auf die Verbandsarbeit hin: „Wir werden noch mehr Informationen in englischer Sprache zur Verfügung stellen und englischsprachige Arbeitsgruppen gründen.“ Wenn die internationale Bedeutung des Finanzplatzes in den nächsten Jahren wachse und Institute zunehmend den Platz als Ausgangspunkt für ihre Finanzdienstleistungen in andere EU-Staaten wählten, müsse auch der Verband sich mit neuen Fragestellungen befassen. „Bislang haben wir eher die Inbound-Sichtweise gehabt, dies wird sich aber ändern. Hierauf werden wir uns einstellen. Wir freuen uns darauf“, fasst Winter zusammen.

Die vollständige Rede des Vorstandsvorsitzenden finden Sie im Internet unter www.vab.de.

Neuer Report beziffert Brexit-Kosten auf 69 Milliarden Euro

Neuer Oliver Wyman-Report beziffert direkte Kosten des Brexit auf 69 Milliarden Euro pro Jahr für Unternehmen in der EU27 und UK und zeigt, dass die deutsche Industrie besonders betroffen ist.

Brüssel/München, 12. März 2018 – Die direkten Kosten des Brexit werden sich für Unternehmen in der EU27 auf 37 Milliarden Euro und für Unternehmen im Vereinigten Königreich (UK) auf 32 Milliarden Euro belaufen – auch nachdem erste Schritte zur Kostensenkung unternommen wurden. In der EU entfallen allein neun Milliarden Euro auf deutsche Unternehmen, 80 Prozent davon auf die Branchen Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/Getränke und Konsumgüter. 70 Prozent der in Deutschland anfallenden Kosten entstehen in nur vier der 16 Bundesländer – Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Das zeigt eine gemeinsame Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman und der Anwaltssozietät Clifford Chance.

Für die Analyse wurden die Auswirkungen von Zöllen und regulatorischen Barrieren berechnet, falls die EU27 und die UK zu einer Handelsbeziehung nach Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zu-rückkehren. Der Report beziffert die direkten Kosten für Unternehmen in der EU auf 37 Milliarden Euro und in der UK auf 32 Milliarden Euro pro Jahr – unter Berücksichtigung erster Schritte zur Kostensenkung. Der größte Kostenanteil entsteht durch regulatorische Handelsbarrieren; dazu zählen etwa Kosten für Zulassungen oder durch erhöhten Zeitaufwand an der Grenze. Auf deutsche Unternehmen kommt mit neun Milliarden Euro über ein Viertel der in der EU27 anfallenden Kosten zu.

Automobilindustrie besonders betroffen

Die direkten Kosten des Brexit sind in Deutschland auf fünf Branchen konzentriert: Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/Getränke und Konsumgüter werden mit sieben Milliarden Euro 80 Prozent der anfallenden Kosten tragen. Am stärksten wird in Deutschland die Automobilbranche mit zusätzlichen Kosten von über drei Milliarden Euro betroffen sein. In UK wird allein die Finanzdienstleistungsbranche ein Drittel der direkten Kosten tragen müssen.

Aufgrund der regionalen Wirtschaftsstruktur in Deutschland werden die Auswirkungen des Brexit besonders in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen  spürbar sein. Dort sind die meisten Automobil- und Fertigungsunternehmen ansässig. Die Unternehmen in den vier Bundesländern müssen 70 Prozent der direkten auf Deutschland entfallenden Kosten des Brexits schultern.

Finja Carolin Kütz, Deutschlandchefin von Oliver Wyman, sagt: „Über 50 Prozent der deutschen Exporte nach UK sind auf die Automobilindustrie, sonstige Fertigungsindustrie und die Chemiebranche zurückzuführen. Mit ihrer starken Integration in europäische Supply Chains werden sie die Auswirkungen des Brexit besonders stark zu spüren bekommen und ihre Wertschöpfungsketten umstrukturieren müssen.“

Auf unsichere Zeiten einstellen

Die Fähigkeit, die Auswirkungen des Brexit abzufangen, hängt neben der Industrie auch von der Unternehmensgröße ab. Größeren Unternehmen mit Erfahrung im Handel außerhalb der EU wird es leichter fallen, die neue Komplexität zu managen. Für die kleinen wird es schwieriger, weiß Kütz: „Über 60 Prozent der exportierenden kleinen und Kleinstunternehmen in Deutschland handeln nur innerhalb der EU und haben keine Prozesse für den außereuropäischen Handel. Gerade diejenigen, für die UK ein wichtiger Handelspartner ist, müssen ganz neue Kompetenzen aufbauen.“

Unabhängig von Branche und Größe gilt es für alle Unternehmen, sich auf unsichere Zeiten vorzubereiten. Denn auch für die großen Hersteller kann es problematisch werden, wenn plötzlich ein Sub-Zulieferer aufgrund der zunehmenden Komplexität ein wichtiges Teil nicht liefern kann. Transparentere Lieferketten können dabei helfen, Engpässen vorzubeugen. Kütz: „Unternehmen müssen sowohl die Kosten des Brexits managen als auch die Chancen nutzen, die sich durch die Neugestaltung von Lieferketten und die Überprüfung der Standortstrategie ergeben. Darauf sind sie zurzeit jedoch noch unterschiedlich gut vorbereitet.“

Marc Benzler, Partner bei Clifford Chance, sagt: „Wer sich nicht richtig vorbereitet, wird scheitern. Angesichts der Unvorhersehbarkeit der anstehenden Turbulenzen setzen sich viele Unternehmen nicht ausreichend mit dem Thema Brexit auseinander. Doch Unternehmen, die verstehen, wo die Risiken und Chancen des Brexits liegen, können entsprechend planen und die negativen Auswirkungen minimieren.“

Weitere Informationen finden Sie im Report The „Red Tape“ Cost of Brexit.

Quelle: Oliver Wyman

the Financial Centre Frankfurt

Lucia Puttrich: Hessen ist gut vorbereitet, doch viele wichtige Fragen sind noch offen

Die Hessische Europaministerin zieht zur Halbzeit der Austrittsverhandlungen Zwischenbilanz: Die Zeit für einen geordneten Brexit wird knapp

Der Finanzplatz Frankfurt wird nach derzeitigen Entwicklungen von dem bevorstehenden Brexit deutlich stärker profitieren als andere Finanzstandorte in Europa. Das zeigen nach Einschätzung der Hessischen Europaministerin Lucia Puttrich die aktuell bekannten Planungen von Banken und anderen Finanzinstituten. „Gut ein Jahr vor dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU haben 18 in London ansässige Finanzinstitute öffentlich angekündigt, dass sie Teile ihres Geschäfts nach Frankfurt verlegen oder bestehende Einheiten ausbauen wollen. Damit liegt Frankfurt klar vor anderen Finanzplätzen in Kontinentaleuropa“, sagte Puttrich am Donnerstag. Das sei ein Beweis für die exzellente Qualität des Finanzplatzes Frankfurt und die Effektivität der gemeinsamen Bemühungen der Hessischen Landesregierung mit ihren regionalen Partnern.

Bei der Frage nach der Arbeitsplätze, die durch den Brexit entstehen könnten, verweist Puttrich auf eine Analyse von Helaba Research. Deren Experten halten in den kommenden Jahren ein Plus 8000 Stellen im Frankfurter Bankensektor für möglich. Das würde bedeuten, dass der Höchststand von 65.000 Bankbeschäftigten aus dem Jahr 2008 erreicht würde. „Auch Multiplikator-Effekte auf andere Branchen dürfen wir nicht vergessen. Trotzdem bin ich mit konkreten personellen Prognosen nach wie vor sehr zurückhaltend, weil alle Unternehmen natürlich auch für Umstrukturierungen nutzen und Mitarbeiter vor Ort rekrutieren“, betont die Ministerin.

Mit Skepsis blickt Lucia Puttrich auf den Stand der Gespräche zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Zur Halbzeit der zweijährigen Verhandlungen über den Austritt seien ganz zentrale Themen völlig ungeklärt. „In der Irlandfrage zum Beispiel ist eine praktikable Lösung, die eine harte Grenze verhindert und für alle Seiten akzeptabel ist, nicht mal in Sicht.“ Puttrich macht die britische Regierung für diese Situation verantwortlich, die zerstritten sei und nach wie vor keine realistische Brexit-Strategie habe.

Die Hessische Landesregierung bereitet sich deshalb sowohl auf einen ungeordneten, harten als auch auf einen geregelten, weichen Brexit vor. „Wir können allen Unternehmen und Institutionen nur dringend raten, ebenso zu handeln“, appelliert die Europaministerin nachdrücklich. Nur bei einem Austrittsabkommen sei auch eine zeitlich begrenzte Übergangsphase und in naher Zukunft ein Beziehungsabkommen möglich. Angesichts der engen Beziehungen zwischen Großbritannien und Hessen werde der Brexit Auswirkungen in ganz vielen und ganz unterschiedlichen Bereichen haben. Lucia Puttrich: „Rund 11.000 britische Staatsbürger leben derzeit in Hessen. Für sie ist die Frage, wie die künftigen Beziehungen aussehen werden, ebenso wichtig wie für die Unternehmen, die nach Großbritannien liefern oder von dort einkaufen.“ Mit einem Gesamtvolumen von 7,8 Milliarden Euro (Stand 2015) ist Großbritannien Hessens fünftwichtigster Handelspartner. Die Europaministerin geht davon aus, dass es wegen des Brexits zu Standortverlagerungen nach Hessen kommen wird. Hessen unterstütze umsiedlungswillige Unternehmen bei seinen Planungen.

Daneben arbeitet die Hessische Landesregierung an einer Reihe weiterer Themen. „Wir machen zum Beispiel unsere eigenen Hausaufgaben und bereiten uns darauf vor, jene Rechtsvorschriften anzupassen, die wegen des Brexits im Landesrecht geändert werden müssen. Dazu stehen alle Ministerien im engen Austausch“, sagt Lucia Puttrich. Eine Analyse des Europäischen Parlaments hat 2017 ergeben, dass mit dem Brexit 21.000 EU-Regeln angepasst werden müssen. Allein die Schlagwortsuche im Hessenrecht ergibt mehr als 300 Rechtsvorschriften mit Bezug auf die EU oder die Mitgliedstaaten der EU. Als Beispiele für Handlungsbedarf nennt die Ministerin verbeamtete britische Staatsbürger im Landesdienst oder die Regelungen der Studienplatzvergabe.

Wegen seiner Bedeutung für Hessen nimmt der Finanzplatz Frankfurt in den Aktivitäten der Landesregierung weiter breiten Raum ein. Andere Finanzstandorte in Europa hätten ihre Werbebemühungen verstärkt und arbeiteten mit Lockangeboten. Zugleich tue die britische Regierung alles, um die Banken in London glauben zu machen, der Brexit werde keine Auswirkungen haben. Lucia Puttrich dazu: „Darauf reagieren wir selbstbewusst. Gegen Mythen über Frankfurt und den Brexit setzen wir auf Fakten und die Qualitäten, die wir zu bieten haben.“

Auf EU-Ebene muss entschieden werden, ob das sogenannte Euroclearing weiter hauptsächlich in London und damit nach dem Brexit außerhalb der EU stattfinden kann. Sofern die Europäische Union sich aus Gründen der Finanzmarktstabilität und Aufsichtsbefugnisse für eine Verlagerung des Euroclearings in die EU-27 entscheidet, kann davon nach Einschätzung von Lucia Puttrich auch der Finanzstandort Frankfurt profitieren.

Die Europaministerin verweist abschließend auf die Aktivitäten der Landesregierung mit Blick auf Wohnungsbau und Infrastruktur in der Region Rhein-Main. „Frankfurt allein wächst jedes Jahr um etwa 15.000 Menschen. Deshalb arbeitet die Landesregierung mit anderen ihren Partnern intensiv daran, die wichtigen Herausforderungen für den Ballungsraum beispielsweise durch Wohnungsbauprogramme zu bewältigen“, betont Puttrich. Sie verweist darauf, dass zum Beispiel allein aus dem Erlös, der durch den Verkauf des Alten Polizeipräsidiums in Frankfurt erzielt wird, 100 Millionen Euro für bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt und Umgebung zur Verfügung stehen. Insgesamt werden die Mittel für den Masterplan Wohnen auf die Rekordsumme von 1,7 Milliarden Euro aufgestockt.

„Das verbleibende Jahr bis zum Brexit wird sehr entscheidend sein. Die Zeit ist knapp“, betont Europaministerin Lucia Puttrich. Deshalb sei es sehr wichtig für alle Beteiligten, nun die wichtigen und richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Frankfurt Main Finance wächst: Drei neue Mitglieder treten der Finanzplatzinitiative bei

Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance e.V. begrüßt neue Mitglieder. Mit SDG Investments GmbH, niiio finance group AG und Vendôme Associés wächst die Standortinitiative auf gut 50 Mitglieder. Die jungen Unternehmen niiio finance group und SDG Investments sind dem Verein als FinTech-Mitglieder beigetreten, Vendôme Associés als Fördermitglied. Weiterlesen

Frankfurt Rhein-Main entwickelt sich zum führenden FinTech-Hub

Die Region Frankfurt Rhein-Main soll sich innerhalb von fünf Jahren zum führenden FinTech-Hub in Kontinentaleuropa sowie einer international anerkannten Tech-Region entwickeln. Auf dieses gemeinsame Ziel haben sich am Donnerstag das hessische Wirtschaftsministerium, Unternehmen und Hochschulen der Region verpflichtet.

„Frankfurt Rhein-Main ist die wichtigste Verkehrsdrehscheibe Deutschlands, der bedeutendste Finanzplatz in Kontinentaleuropa und der größte Internetknoten der Welt“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir im TechQuartier in Frankfurt. „Wir haben damit alles, was ein gutes Gründerökosystem benötigt: Perfekte Erreichbarkeit, finanzkräftige Kunden und Highspeed-Internet-Verbindungen.“  Das Frankfurter TechQuartier hat dazu einen Masterplan für die Startup-Region entwickelt und konkrete Maßnahmen erarbeitet, wie dieses Ziel erreicht werden kann.

„Um als Region auch langfristig attraktiv und ökonomisch leistungsfähig zu bleiben, bedarf es nicht nur einer finanziellen Kraftanstrengung aller Beteiligten, sondern auch einem Bekenntnis zu Unternehmertum und einem gemeinsamen Verständnis für die Dynamiken einer digitalen Gesellschaft“, so Dr. Sebastian Schäfer, Managing Director des TechQuartier. Dr. Thomas Funke, Co-Direktor des TechQuartier: „Ausgangspunkt der Initiative war eine internationale Vergleichsstudie mit 50 anderen Gründerökosystemen, aus der in den letzten Monaten Maßnahmen abgeleitet und für die Region konkretisiert wurden. Die Empirie zeigt, dass sich erfolgreiche Gründerökosysteme nicht über Nacht entwickeln, sondern über viele Jahre entstehen und häufig auf einer gemeinsamen Vision unterschiedlicher Stakeholder aufbauen.“

Der Masterplan umfasst derzeit 20 Maßnahmen aus vier zentralen Bereichen:

BereichKonkrete Maßnahmen
Talentaktivierungbspw. Praxisangebote an Hochschulen, internationale Austauschprogramme, Mentoren-Programme für Gründer
Förderung von Kooperationenbspw. Netzwerkevents, Startup-Investorenkonferenzen
Zugang zu Finanzkapitalbspw. Acceleratoren, Investorenmarketing, staatliche Investitionsfonds
Standortmarketingbspw. neues Webportal Rhein-Main Community, Welcome Package, Ökosystem-Analysen.

Maßnahmen des Masterplans mit einem Gesamtvolumen bis 20 Millionen Euro

Insgesamt umfasst der Masterplan Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 15 bis 20 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre. Al-Wazir: „Mit der Umsetzung des Masterplans liegt eine große Aufgabe vor uns, die über das Thema FinTech hinausgeht und nur durch breite Unterstützung und enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erfolgreich bewältigt werden kann. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen – niemand wird allein gelassen.“ Mit der Veröffentlichung des Masterplanes gehen auch bereits erste Maßnahmen in die Umsetzungsphase.

  • Startup-Accelerator: Das TechQuartier schließt eine mehrjährige Kooperation mit Plug and Play, dem weltweit größten Startup-Accelerator aus dem Silicon Valley. Mit diesem starken Partner soll die größte Multi-Corporate Innovationsplattform in Europa entstehen. Das Ziel ist es, zahlreiche Banken und Finanzdienstleister für das gemeinsame Programm zu begeistern, vielversprechende Technologien nach Frankfurt zu holen und mit der Finanzbranche zu verschmelzen. Startups erhalten damit die einmalige Möglichkeit, ihre Geschäftsidee mit Unterstützung namhafter Unternehmen und Partner zu marktreifen Produkten weiterzuentwickeln.
  • Investorenmarketing: Vermarktung der Erfolgsgeschichten der Region mit gezielter Ausrichtung auf Investoren sowie direkte Vernetzung der hiesigen Startups mit nationalen und internationalen Investoren.
  • Ökosystem-Profiling: Die Goethe Universität führt gemeinsam mit dem TechQuartier eine globale Wettbewerbsanalyse durch, um die Erfolgsfaktoren für die Startup-Region zu identifizieren und den Masterplan passgenau weiterzuentwickeln. Passenderweise wurde die sechsstellige Summe für die Studie vom Goethe Alumnus Yi Shi bereitgestellt, der heute als erfolgreicher Unternehmer zwischen Shanghai und San Francisco pendelt.
  • Web-Portal: Aufbau einer Website, die als zentrale Online-Plattform für die FinTech- und Startup-Wirtschaft der Region dient. Aufgabe der Plattform ist es, Informationen über Aktivitäten der Akteure und Möglichkeiten im Ökosystem zugänglich zu machen. Dies umfasst den Zugang zu Kapital, Netzwerken und Talenten, CoWorking Spaces, Forschungsinfrastruktur und anderen Standortangeboten.
  • Mehr Kapital für Startups: Mit der Beteiligungsgesellschaft Hessen Kapital III unterstützt das Land Hessen kleine und mittlere Unternehmen in der Start- und Wachstumsphase, insbesondere Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Hessen Kapital III (EFRE) stellt 33,5 Mio. Euro zur Verfügung, die je zur Hälfte aus dem Landeshaushalt und aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammen.

Innovative Unternehmensgründungen in ganz Hessen vorantreiben

Al-Wazir: „Die Entwicklung der FinTech- und Startup-Region ist auch von hohem öffentlichen Interesse. Maßnahmen wie Talententwicklung, Vermarktung der Region sowie die Projektkoordination und -steuerung des Masterplans sind Aufgaben, bei denen sich die öffentliche Hand und auch die Hochschulen einbringen müssen und wollen.“ Neben der finanziellen Förderung des zentralen Infoportales „Rhein-Main Community“ beabsichtigt das Hessische Wirtschaftsministerium, sich auch an der Finanzierung des Projektmanagement-Teams zur Umsetzung des Masterplanes zu beteiligen. „Darüber hinaus wollen wir als Land aber auch die Entwicklung innovativer Unternehmensgründungen in ganz Hessen vorantreiben. Der Masterplan wird uns auch bei dieser Aufgabe von enormem Nutzen sein“, so Al-Wazir.

Den Masterplan können Sie hier herunterladen.

Bewerbungsfrist für den FinTechGermany Award „Golden Garage“ gestartet

Der führende investorenseitige Gründerpreis Deutschlands für FinTech- und InsurTech-Unternehmen wird 2018 zum vierten Mal verliehen. Interessierte Startups können sich ab jetzt bis zum 16. April 2018 für die Auszeichnungen bewerben.

Die Organisatoren des Preises – Börsen-Zeitung, Business Angels FrankfurtRheinMain, Frankfurt Main Finance und TechFluence – führen das bewährte Konzept der Vorjahre fort und vergeben den „Golden Garage“ genannten Award in den Kategorien Seed-/Early Stage, Late Stage, Growth Stage sowie „Best Foreign New Entrant to Germany“. Darüber hinaus werden Preisträger in den Sonderkategorien InsurTech und Proptech ermittelt.

Die öffentliche Verleihung der Awards, zu der wieder rund 200 Teilnehmer erwartet werden, findet am 14. Juni 2018 im Frankfurter TechQuartier statt. Die Veranstaltung bietet den anwesenden Gründern die Möglichkeit, ihre persönlichen Netzwerke auszubauen und den Bekanntheitsgrad unter den anwesenden Investoren zu steigern. Die Berichterstattung über die Veranstaltung verbessert zudem die Wahrnehmung der beteiligten Unternehmen in der breiten Öffentlichkeit.

Bereits vor dem Termin im Juni werden sich ausgewählte Bewerber während des Finanzplatztages der WM Gruppe am 7. März 2018 im Rahmen einer offenen Jurysitzung präsentieren. „Die offene Jurysitzung bietet den Bewerbern, aber auch interessierten Zuschauern einen Einblick in die Bewertung junger Unternehmen durch potenzielle Investoren“, erläutert Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung, das neue Veranstaltungsformat. Unterstützt wird der Fintech Germany Award u.a. durch das Bankhaus Metzler, Baker McKenzie, Ernst & Young, Oliver Wyman sowie durch die IHK Frankfurt am Main.

Detaillierte Informationen und Kontaktmöglichkeiten für Startups, Sponsoren und Interessenten an der Veranstaltung sind auf der Internetseite www.fintechgermanyaward.de verfügbar. Bewerber können sie auch direkt per E-Mail an bewerbung@fintechgermanyaward.de an die Organisatoren wenden. Aktuelle Informationen gibt es auch bei Twitter unter @FinTechGermany und #GoldenGarage.

Primärmarktkonferenz 2018 des Deutschen Aktieninstituts. Im Bild Christoph Heuer, Head of Equity Capital Markets Goldman Sachs International

Der IPO im Fadenkreuz: Rückblick auf die Primärmarktkonferenz 2018 des Deutschen Aktieninstituts

2018 soll das stärkste IPO-Jahr seit Langem werden. So hat das Deutsche Aktieninsitut den Schwerpunkt seiner diesjährigen Primärmarktkonferenz auf aktuelle Fragen und Entwicklungen rund um das Thema Börsengang gelegt. Am 30. Januar trafen sich über 60 Teilnehmer aus Unternehmen, Banken, Kanzleien sowie Beratungsunternehmen zum intensiven Austausch.

Das Themenspektrum reichte von der neuen Prospektverordnung (ProspektVO), welche ab Juni 2019 in den Ländern der Europäischen Union (EU) gelten wird, bis hin zu Erlebnisberichten von VARTA und Uniper. Drängten in den Boom-Jahren ab Mitte der 90er vor allem junge Unternehmen mit neuartigen Geschäftsmodellen an die Börse, prägen in jüngster Zeit zunehmend Spin-offs, alteingesessene Gesellschaften oder zumindest gereifte Geschäftsmodelle die IPO-Szene.

Für diese kann die recht trocken anmutende Rechtsform der KGaA eine maßgeschneiderte Lösung darstellen – insbesondere, wenn die Altgesellschafter weiterhin die Kontrolle behalten wollen. Ein Beispiel für den anstehenden Börsengang einer GmbH & Co. KGaA ist die DWS (Deutsche Asset Management) mit der Deutschen Bank als Kommanditistin. Durch einen „Joint Comittee“ genannten Ausschuss soll der Aufsichtsrat ein größeres Mitspracherecht bekommen als dies in der Rechtsform der KGaA normalerweise üblich ist. Hier zeigt sich die enorme Flexibilität der Ausgestaltung des KGaA-Systems.

Etwas aus dem Blick geraten ist das Börsen-Listing deutscher Gesellschaften in den USA. Waren ab Mitte der 90er Jahre in Spitzenzeiten rund 30 deutsche Emittenten in den USA gelistet, kam es nach dem Sarbanes-Oxley Act von 2002 zu Delisting und Deregistrierung bei mehr als zwei Dritteln davon.

Der „Jumpstart Our Business Startups Act” (JOBS Act) macht seit 2012 das Listing an einer US-Börse vor allem für kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 1,070 Mrd. USD attraktiv. Deutsche Gesellschaften, die dies in Erwägung ziehen, sollten vor allem drei Aspekte beachten: 1. Mit der BaFIN ist die Abstimmung verlässlicher Zeitpläne möglich, was mit der SEC nicht immer gegeben ist. 2. Financial Statements müssen in den USA nach US GAAP oder nach originalen IFRS eingereicht werden, nicht in der für die EU übernommenen Fassung. 3. Wesentliche Verträge müssen als Anlagen zum Registration Statement offengelegt werden. So musste trivago den Mietvertrag seines neuen Hauptquartiers in Düsseldorf übersetzen und veröffentlichen. Welche Anregungen der europäische Gesetzgeber aus dem JOBS Act ziehen könnte, blieb auf der Konferenz offen. Das Listing in den USA bietet eine Lösung für Unternehmen mit sehr spezifischen Gegebenheiten.

Von Charlotte Brigitte Looß

„Mister Finanzplatz wird 75“

Gäbe es Lutz Raettig nicht, Frankfurt müsste ihn erfinden. Der Finanzplatz am Main und die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance verdanken Lutz Raettig viel. Seit 2005 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG in Frankfurt, ab 1995 wirkte er als deren Vorstandsvorsitzender. Weiterlesen