Felix Hufelds Ansprache an den Verband der Auslandsbanken in Deutschland

Felix Hufeld, Präsident der BaFin, thematisiert in dem Auszug seiner Rede anlässlich des Jubiläums „35 Jahre Verband der Auslandsbanken in Deutschland“ am 30. August 2017 in Frankfurt am Main u.a. den Brexit und den damit einhergehenden Umzug von Finanzdienstleistungen. Die komplette Rede finden Sie hier.

Meine Damen und Herren,

die Entscheidung für den Brexit ist jetzt etwas mehr als ein Jahr alt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber ich habe den Brexit als eine Zäsur erlebt, als den vielleicht größten Rückschlag bei der europäischen Einigung seit der Gründung der Montanunion im Jahr 1951. Lange Zeit sah es ja so aus, als habe der frühere Kommissionspräsident Jacques Delors mit seinem Satz „Europa ist wie ein Fahrrad. Hält man es an, fällt es um“ die politische Richtung quasi unumkehrbar vorgegeben. Immer mehr Staaten traten der Europäischen Union bei, immer mehr Kompetenzen fielen in die Zuständigkeit des Europäischen Parlaments und der Kommission.

Und das nicht aus Plaisir oder weil den politischen Entscheidern danach war, sondern weil eine stärker vernetzte Welt nach europäischen, wenn nicht sogar globalen Antworten verlangt hat. Das galt besonders für die Finanzregulierung, die ohne jeden Zweifel inzwischen zu den am dichtesten und stärksten europäisierten Rechtsmaterien überhaupt gehört. Auch das nicht ohne Grund. In einem Umfeld mit komplexen und global aufgestellten Märkten ist Finanzregulierung auf starke europäische Akteure angewiesen. Das Gleiche gilt für die Mitgliedstaaten der EU, die ein Höchstmaß an Harmonisierung sowie Schutz in einem einheitlichen Wirtschaftsraum benötigen. Außerdem braucht Europa eine starke, gemeinsame Stimme im Konzert der globalen Standardsetzung – denken Sie nur an das Stichwort Basel. Erst recht, wenn die USA tatsächlich einen Weg gehen sollten, der da lautet: mehr Deregulierung und weniger internationale Zusammenarbeit.

So notwendig die Europäisierung in der Sache ist, sie erzeugt auch Friktionen. Es hat nicht erst des Brexits bedurft, um vielerorts anschwellende Klagelieder über eine vermeintliche Dominanz internationaler Gremien über die nationalen Interessen wahrzunehmen.
Es wäre falsch, dabei nur auf andere Länder oder andere Kontinente zu schauen – oder bloß die Filterblasen bei Twitter zu betrachten. Ähnliche politische Willens- und Unmutsbekundungen gibt es auch in Deutschland, und das sowohl online als auch analog. Aus meiner Sicht ist das auch nicht verwunderlich. Was in manchen Reden „Zusammenwachsendes Europa“ und „Europäische Harmonisierung“ genannt wird, bedeutet im nationalen Alltag schlicht Souveränitätsverlust.

Dies wird dann besonders relevant, wenn einzelne europäische Regulierungen und ihre nationale Umsetzung zu öffentlichen Debatten führen, wie es kürzlich beispielsweise bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie zu sehen war. Hier tritt eine europäische Richtlinie, deren wesentliche Intention die Sicherung der Finanzstabilität ist, in ein deutliches Spannungsverhältnis mit den Wünschen, Ängsten und Sorgen einzelner Bürger, beispielsweise junger Familien, die eben diese Sorgen gegenüber ihren Abgeordneten des nationalen Parlaments, sprich des Deutschen Bundestages, zum Ausdruck bringen.

Soll heißen: Auch das Zusammenwachsen Europas verlangt nach einer ständigen Kalibrierung zwischen zu viel und zu wenig, zwischen kühner Vision, Machbarkeit und Folgenabschätzung, vor allem mit Blick auf die unterschiedlichen Grade der Betroffenheit verschiedener Interessensgruppen. Und vielleicht muss die Haltung, im Streben nach größtmöglicher Einheitlichkeit, jedes Detail ausbuchstabieren zu wollen, einer neuen europäischen Überzeugung weichen, sich stärker auf Prinzipien zu fokussieren. Um es in der Radsportsprache zu sagen: Die Tour d´ Europe muss weiter vorankommen. Kurs und Tempo müssen aber so gewählt werden, dass das Peloton nicht Gefahr läuft, den Anschluss zu verlieren. Oder schlimmer noch, dass einige den Anschluss verpassen wollen.

Meine Damen und Herren,

so sehr ich den Brexit bedauere, so wenig hilft es, verpassten Chancen nachzutrauern oder Briten-Bashing zu betreiben. Wir sollten nach vorne denken und ein Fundament für die Zeit nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union legen. Das wird natürlich keine einfache Aufgabe sein. Über allem schwebt die Frage nach dem künftigen gegenseitigen Marktzugang im Verhältnis von Vereinigtem Königreich und den EU 27-Staaten. Derzeit müssen wir davon ausgehen, dass UK nach dem Brexit zum Drittstaat wird. Und genau das wird eine extrem spannende Herausforderung werden, für die Politiker ebenso wie für die Finanzregulierer und -aufseher.

Es ist klar, dass die bestehenden Bausteine für einen Marktzugang auf der Basis von Äquivalenz, wie wir sie etwa aus dem Verhältnis zur Schweiz oder den Bermuda-Inseln kennen, nicht auf die Trennung des Vereinigten Königreichs angewendet werden können. Dagegen sprechen alleine schon die Größe des dortigen Finanzmarkts und die enorme wechselseitige wirtschaftliche Abhängigkeit, die sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat.

Mit knapp der Hälfte der Gesamtexporte ist die Europäische Union der weltweit größte Absatzmarkt des Vereinigten Königreichs. Bei den Importen sieht es ähnlich aus. Im Finanzsektor ist die Angelegenheit noch komplexer, weil historisch bedingte Skalen- und Größenvorteile London zu dem Hub für Kapitalflüsse in Richtung EU gemacht haben. Mit einer Situation wie dem Brexit angemessen umzugehen, stellt eine Branche, die derart grenzüberschreitend verflochten ist und in der virtuell Billionen bewegt werden, nun vor einen echten Kraftakt. Und es gibt weder Masterplan noch Notfallhandbuch, die Unternehmen oder Regulierer einfach aus der Tasche ziehen können. Wir alle betreten Neuland und müssen den Weg, der zu gehen ist, pflastern, während wir voranschreiten.

Wenn man das regulatorische Große und Ganze auf seine Einzelaspekte herunterbricht, dann schaut die Lage auf den ersten Blick beherrschbarer aus. In Wahrheit steckt aber an vielen Stellen der Teufel im Detail. Zahlreiche Banken beabsichtigen, ihren Standort unter anderem nach Deutschland zu verlagern, weil sie infolge des Brexits ihren Europäischen Pass verlieren, mit dem sie in den EU-Staaten Geschäfte betreiben können.
Da es einer in der EU zugelassenen Bank bedarf, um den Pass nutzen zu können, werden sicher einige Zweigstellen in den EU 27-Ländern in Tochtergesellschaften umgewandelt. Hinzu kommen Neuansiedlungen. Unser Ziel ist es, diesen Banken Hilfestellungen bei ihren Vorhaben in Deutschland zu geben, Rechtssicherheit zu bieten und zugleich die Stabilität des deutschen Finanzplatzes zu wahren. Außerdem müssen wir sicherstellen, dass die Institute überall im Euro-Währungsgebiet nach denselben Standards beaufsichtigt und reguliert werden. Allerdings ist auch klar: Was wir tun, das tun wir als Aufsichtsbehörden, nicht als Agentur für Standortpolitik. Was wir daher definitiv nicht akzeptieren werden, sind leere Hüllen, in denen es nur einen Briefkasten und ein Telefon mit Rufumleitung nach London gibt.

Zwischen Briefkasten und Komplettumzug sind allerdings viele Möglichkeiten denkbar. Wir schauen uns daher jedes Geschäftsmodell genau an und wägen jede rechtlich mögliche Option ab. Wir schauen auch genau hin, wie es mit dem Vorschlag der EU-Kommission weitergeht, „Intermediate EU Parent Undertakings (IPU)“ zu schaffen, also einheitliche Muttergesellschaften, in denen Banken aus Drittstaaten künftig ihre EU-Töchter bündeln sollen.

Diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Zunächst ist der europäische Gesetzgeber gefordert, bei der Überprüfung der Eigenkapitalrichtlinie CRD die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen auf den Weg zu bringen. Als Aufsicht würden wir es zudem begrüßen, in diesem Zusammenhang auch die bislang rein nationalen Regelungen über Drittstaatenzweigstellen EU-weit zu harmonisieren.

Dient es der Finanzstabilität, im Frühjahr 2019 möglicherweise auftretende Klippeneffekte wirksam zu minimieren? Ich meine ja! Deshalb sind wir beispielsweise bereit, Banken bei kurzfristig kaum leistbarem Aufwand zu entlasten. So haben wir uns – im Einklang mit der EZB – dazu entschieden, für eine begrenzte Zeit auch die internen Modelle zur Kapitalberechnung bei Schwesterinstituten zuzulassen, die bereits von der britischen Aufsicht, der Prudential Regulation Authority (PRA), genehmigt wurden – sofern bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Allerdings müssen die Institute ihre hierfür erforderlichen Anträge, inklusive Aktionsplan, erst einmal bei uns einreichen. Und selbstverständlich muss es verbindliche Absprachen über konkrete, weiterführende Aktivitäten geben.

In der Regel sind mehrere Aufsichtsgespräche und Workshops nötig, in denen Schritt für Schritt geklärt wird, welche Modelle die Institute bisher verwendet haben und wie mögliche Übergangsprozesse aussehen. Erst nach mehreren Checks kann die Bank ihr internes Modell in der Praxis anwenden. Sie bleibt aber auf dem Radar der laufenden Modelleaufsicht mit dem Ziel, – innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens – eine unsererseits geprüfte Modellwelt zu etablieren.

Mit einigen Instituten haben wir bereits erste Workshops durchgeführt und dabei sehr positive Erfahrungen gemacht. Andere lassen sich mehr Zeit damit, uns ihre Absichten mitzuteilen. Sie alle kennen den Spruch, dass diejenigen, die zu spät kommen, das Leben bestraft. Die Aufsicht ist da nicht ganz so gnadenlos. Ich möchte aber schon darauf hinweisen, dass auch unsere Ressourcen begrenzt sind. Institute tun gut daran, Zulassungserweiterungs- oder Lizenzanträge eher früher als später zu stellen – und möglicherweise fehlende Details im Rahmen eines dialogorientierten Antragsverfahrens nachzuarbeiten. Ansonsten laufen sie Gefahr, an das Ende der Schlange zu geraten.

Meine Damen und Herren,

ein anderes Hot Topic sind die Back-to-back-Modelle. Unter Back-to-back verstehen wir, dass EU-Unternehmen ein Geschäft in Finanzinstrumenten abschließen – und gleichzeitig entgegengesetzte Handelsgeschäfte mit einer in London ansässigen Gesellschaft eingehen, um die Marktpreisrisiken zu transferieren. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wir erwarten aber, dass die Institute für solche Geschäfte ausreichend geschultes Personal vorhalten, das auch beurteilen kann, wie viele und welche Risiken – auch Marktrisiken – tatsächlich nach Großbritannien abgegeben werden – bzw. anders herum, wie viele in der EU verbleiben sollen. Die Banken müssen in der Lage sein, die verbleibenden Risiken jederzeit sinnvoll zu managen – auch dann, wenn ein Back-to-back plötzlich nicht mehr möglich sein sollte oder Störungen ausgesetzt ist. Eine Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Mentalität wäre gefährlich.

Vielen Instituten ist auch daran gelegen, Back-office-Tätigkeiten und interne Kontrollfunktionen wie Risikocontrolling, Compliance oder Interne Revision weitestgehend von einer in London ansässigen Gesellschaft ausüben zu lassen. Auch hier gilt: Grundsätzlich, wie auch in vielen anderen Fällen, sind Auslagerungen möglich.

Wie überall kommt es aber auf das richtige Maß an. Übertreibt es ein Institut mit der Auslagerung sensibler Bereiche, dann könnten die Kontrollsysteme vor Ort soweit ausgedünnt werden, dass sich eine unverhältnismäßig große Abhängigkeit von Partnern in UK oder anderswo entwickelt. Ein ausschließliches Andocken an Gruppenstrukturen wird es daher nicht geben können. Entsprechende Kontrolleinheiten müssen innerhalb der EU-Unternehmen vorgehalten werden. Alle Unternehmen, die sich neu in der EU ansiedeln wollen, sollten sich deshalb darauf einstellen, dass diese Funktionen in einem Institut in den EU 27-Ländern zu verbleiben haben. Dies entspricht der Linie des Einheitlichen Europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM), der sich hierzu bereits grundsätzlich positioniert hat – und wir teilen diese Einschätzung natürlich. Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings bei solchen Tochterunternehmen denkbar, die unter Risikogesichtspunkten als unwesentlich gelten.

Auslagerungen werden vor allem dort Grenzen gesetzt, wo es um Kernbereiche des Bankings sowie Kontrollfunktionen geht. Und wenn wir bei den Kernbereichen und Kontrollfunktionen genau hinschauen, dann tun wir das bei den Geschäftsleitern erst recht. Die Aufgaben eines Geschäftsleiters kann man nicht erfüllen, indem man „mal vorbeischaut“.
Es muss sichergestellt sein, dass auch die Führungskräfte ihren Aufgaben vor Ort in vollem Umfang nachkommen können. Fly & Drive mag hierbei in Einzelfällen und für eine Übergangszeit akzeptabel sein, auf Dauer erwarten wir aber auch vom Spitzenmanagement, dass es mit mehr als nur einem Türschild in den EU 27-Staaten präsent ist.

Nicht ohne Grund steht aktuell das Euro-Clearing im Fokus. Immerhin werden mehr als 95 % aller Zinsswaps in Euro bislang über London abgewickelt. Läuft dabei etwas schief, könnten schnell Hilferufe an die Notenbanken laut werden, Liquidität beizusteuern. Vor wenigen Wochen hat deshalb die EU-Kommission ihre Vorstellungen für eine strengere Aufsicht über Zentrale Gegenparteien mit Sitz außerhalb der Europäischen Union veröffentlicht. Klar ist, dass Clearing-Aktivitäten in Euro außerhalb der Europäischen Union nicht einfach mit einem Achselzucken begegnet werden kann, sondern EU-Maßstäben der Finanzregulierung und -aufsicht in der einen oder anderen Weise Geltung verschafft werden muss.

Die spannende Frage lautet aber: Wie genau? Die EU-Kommission hat dies im Ergebnis offen gelassen und dafür allerdings ein abgestuftes Verfahren vorgeschlagen. Ich halte das grundsätzlich für richtig. Vor einer Entscheidung sollten wir uns allerdings die Zeit nehmen, um systemische Risiken umfassend zu analysieren und mögliche Reaktionen und Konsequenzen abzuwägen, inklusive möglicher Reaktionen von dritter Seite.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass heutzutage nahezu alle Geschäftsprozesse im Finanzsektor von funktionierenden IT-Infrastrukturen abhängen. Und so liegt es in der Natur der Sache, dass gerade die Banken, die eine intensive Arbeitsteilung zwischen Betriebseinheiten in Großbritannien und der EU planen, ein besonderes Augenmerk auf ihre IT-Systeme legen müssen. Hier geht es um hochkomplexe Plattformen, und Plattform heißt nicht nur IT. Wir reden über Know-how, Prozesse und Menschen, die über viele Jahre, quasi als Gesamtkunstwerk, zusammengefunden haben – und nun aufgespalten werden müssen.

Die Aufsicht weiß um die Bedeutung dieses Themas und ist bereit, alte IT-Ökosysteme zunächst temporär weiterlaufen zu lassen, bevor völlig neue Strukturen aufgebaut werden können und diese sich als ausreichend stabil erwiesen haben. In der Vergangenheit mussten wir des Öfteren erleben, dass es bei großen IT-Migrationsprojekten zu Verzögerungen und unerwarteten Problemen kam. Einfach, weil die Komplexität unterschätzt wurde. Theoretisch wäre es denkbar, solche Plattformen ganz am alten Standort zu belassen. Ob dies in der Praxis tatsächlich etwas bringt, daran habe ich meine Zweifel. Neue Standorte müssen so oder so an existierende Infrastrukturen angeschlossen werden, deshalb dürften Umstellungsprozesse unvermeidbar bleiben.

Die Institute müssen also sorgfältig abwägen, welche Strategie sie verfolgen wollen: Teil- oder Komplettumzug. Jeder, der schon privat umgezogen ist, weiß, dass das zwar lästig ist, gleichzeitig aber Chancen zum Entrümpeln bietet. So wie sich Privatleute dann vielleicht von Oma Ernas Transistorradio trennen, können Banken den Anlass nutzen, um veraltete und heterogen gewachsene IT-Systeme und Prozesse zu modernisieren.

Aus der Perspektive einer beispielsweise New Yorker Zentrale könnte entrümpeln aber auch bedeuten, sich bei allzu langwierigen Streitigkeiten zwischen UK und den EU 27-Staaten gleich ganz in Richtung USA oder Fernost zu orientieren.

Brexit-Banker bringen mehr Wohlfahrtseffekte für Stadt und Region als die eigenen Jobs

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Gut begründete Schätzungen sprechen von rund Zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen innerhalb der nächsten vier Jahre. Das insgesamt mit dem Brexit verbundene Jobwachstum liegt wesentlich höher, weil Multiplikatoreffekte Wachstum auch in anderen Branchen hervorrufen, so die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance.

„Wir haben untersucht, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Prof. Dr. Lutz Johanning, einer der Autoren der Studie. „Unsere Untersuchung zeigt: Der Multiplikatoreffekt liegt – je nach Betrachtungsraum und Region – bei 2,1 bis 8,8. Wenn wir von zehn Tausend neuen Arbeitsplätzen im Bankgewerbe ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in Frankfurt City bei vorsichtiger Schätzung weitere 21 Tausend und in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu weiteren 88 Tausend neue Stellen entstehen.“

Moritz C. Noll, Co-Autor der Studie, sagt: „Mit unseren Modellen haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt: „Der Stellenzuwachs bringt das wirtschaftlich starke Frankfurt und die Region weiter voran. Ein echter Erfolg für alle Beteiligten. Wichtig ist nun, dieses Wachstum positiv aufzunehmen und zu gestalten. Das ist eine Herausforderung. Die zusätzlichen Arbeitsplätze bringen aber auch die Mittel zu investieren und die Herausforderung zu meistern.“

Ausgehend von der Annahme, dass Zehntausend Stellen in Frankfurts Finanzbereich durch den Brexit nach Frankfurt verlagert werden, ergeben sich auch zusätzliche Steuereinnahmen für die Stadt Frankfurt. Im konservativen Szenario beläuft sich das Plus aus Einkommens-, Umsatz- und Gewerbesteuer auf rund 136 Millionen Euro jährlich, im optimistischen Szenario auf circa 191 Millionen Euro.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

 

Kommt die EBA nach Frankfurt?

Im Zuge des Brexit muss die Europäische Bankenaufsicht umziehen.

Lange wurde über den Brexit gesprochen – jetzt folgen Fakten. Immer mehr Banken entscheiden sich, Aktivitäten von London nach Frankfurt zu verlagern. Deutsche Bank und Citigroup sind zwei prominente Beispiele. Aber auch bei den großen Institutionen wie der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) steht die Wahl eines neuen Standorts unmittelbar bevor. Schließlich muss sie ihren Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben.

Der Bewerbungsprozess um die EBA hat längst begonnen und seit Ende Juli stehen auch fest, wer seinen Hut in den Ring geworfen hat: Acht Städte, Frankfurt und Paris, sowie Brüssel, Dublin, Prag, Luxemburg, Wien und Warschau, wollen die neue Heimat der Behörde werden. Denn eine solch bedeutende Institution hat für einen Standort eine enorme Strahlkraft.

Acht Kandidaten im Rennen

Entsprechend engagiert präsentieren sich die acht Kandidaten: mit vielen Fakten rund um den Standort wie Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Arbeitsbedingung und Schulen. Zum Teil aber auch mit konkreten Versprechungen. So bieten Luxemburg und Wien etwa mietfreie Büroflächen.

Frankfurt will mit harten Fakten überzeugen und nicht nur Ministerpräsident Volker Bouffier ist sicher: „Trotz vielzähliger Konkurrenz haben wir gute Karten.“ Warum das so ist, hat die Landesregierung in einem umfangreichen Dossier zusammengestellt. Hier werden alle Aspekte beleuchtet, die bei einer Standortauswahl von Bedeutung sind. Weil sich viele der atmosphärischen Besonderheiten rund um die Main-Metropole auf Papier aber schlecht transportieren lassen, präsentiert sich Frankfurt mit einem Film, der zeigt, was es heißt, ein Frankfurter zu sein.

Frankfurt kann in jeder Hinsicht punkten

Entscheidend ist die Kombination der vielen unterschiedlichen Elemente, da ist sich auch Ministerpräsident Bouffier sicher. Schließlich könne Frankfurt mit sehr guter Infrastruktur und vielen internationalen Banken und Versicherungen aufwarten und sei deshalb das bedeutendste Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Die bestehende Aufsichtstruktur aus der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht EIOPA sowie der Deutschen Bundesbank, der BaFin, dem Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und dem europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) runde das einzigartige Netzwerk der relevanten Akteure an einem Ort ab.

Dass die Ansiedelung der EBA ein logischer nächster Schritt wäre und Synergien schaffen würde, steht für Bouffier außer Frage. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betont zudem, dass es bei all den Unsicherheiten und Risiken, mit denen die Europäische Union im Zuge des Brexits konfrontiert wird, jetzt wichtig sei, rechtzeitig für Planungssicherzeit zu sorgen: „Dies gilt auch im Hinblick auf die Frage des künftigen Sitzes der EBA. Es ist meine feste Überzeugung, dass Frankfurt am Main aus vielen Gründen die beste Lösung hierfür wäre.“

Attraktives Angebot für Unternehmen und Institutionen

Die Bewerbung Frankfurts wurde von zahlreichen Experten intensiv vorbereitet. Einer von ihnen ist Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI). Er kennt Frankfurt und die Region wie kaum ein zweiter und weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen und politischen Entscheidern in London, was die brennenden Fragen sind, die bei einer Standortverlagerung aufkommen.

Nicht laut trommeln, sondern mit substanziellen Fakten überzeugen, das ist nach seiner Erfahrung der beste Weg, um den Entscheidungsprozess zu unterstützen. „Viele Unternehmen suchen nach der Brexit-Entscheidung einen sicheren Hafen in der EU. Ihnen wollen wir ein attraktives Angebot machen. Wir bieten ihnen ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure“, so Waldschmidt.

Gemeinsam mit vielen weiteren Vertretern aus Stadt und Land wirbt er für Hessen als einem ausgezeichneten Standort in der EU – nicht zuletzt für eine der zentralen Behörden wie die EBA.
Seit 1. August sind alle Bewerbungen für die künftigen Standorte der EBA auf der Website des Europäischen Rats veröffentlicht. Die Bewerbung der Bundesregierung für die Bundesrepublik Deutschland und den Standort Frankfurt am Main kann auf der Website des Bundesfinanzministeriums eingesehen werden.

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Frankfurt Main Finance begrüßt Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um Sitz der EBA in Frankfurt

Das Bundesfinanzministerium bewirbt sich um die Ansiedlung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) am Finanzzentrum Frankfurt. Nach der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die Europäische Union zu verlassen, braucht die EBA, die bislang ihren Sitz in London hat, einen neuen Standort innerhalb der EU. Bis zum 31. Juli mussten Bewerbungen vorgelegt werden. Eine Entscheidung über den künftigen Sitz der Behörde wird voraussichtlich im November 2017 fallen.

Frankfurt Main Finance begrüßt die Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt. „Schon heute ist Frankfurt das Zuhause von drei der fünf Säulen der Europäischen Finanzaufsicht. Die EBA nach Frankfurt zu holen, wäre der nächste logische Schritt und wurde schon vor vielen Jahren von den europäischen Abgeordneten unterstützt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Etliche Banken haben bereits angekündigt als Reaktion auf den Brexit Geschäft in Frankfurt anzusiedeln oder Geschäftsbereiche auszuweiten: die Silicon Valley Bank, Standard Chartered, Daiwa, Nomura, Sumitomo Mitsui Financial Group, Mizuho Bank, Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Deutsche Bank. „Die Banken haben mit den Füßen für Frankfurt votiert, nun ist es an Europa, sich für die Finanzmarktstabilität und für Frankfurt zu entscheiden“, sagt Väth. Frankfurt Main Finance erwartet, dass sich 2017 mindestens 12, möglicherweise sogar 20 Banken für Frankfurt entscheiden werden.

Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität.

Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

„Besser vorbereitet“ – Brexit-Verantwortliche der Rhein-Main-Region im Gespräch

Vor einem Jahr ist der Startschuss gefallen: Am 23. Juni 2016 hat sich das britische Volk in einem Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union entschieden und damit einen Prozess in Gang gesetzt, den man schon jetzt als historisch bezeichnen kann. Die Folgen sind so weitreichend, dass selbst versierte Experten kaum abschätzen können, wie sich das Zusammenspiel zwischen der Insel und den Ländern in der EU verändern wird. Klar ist nur: Vieles, was bislang als sicher galt, wird auf den Prüfstand gestellt werden.

Dies gilt nicht zuletzt für die Frage, wo in Zukunft das Finanzzentrum der Europäischen Union zu finden sein wird. Place to be ist bislang London. Das Rennen um die Nachfolge ist längst eröffnet und die Konkurrenz ist hart: Amsterdam, Brüssel, Dublin, Frankfurt, Luxemburg, Paris und Warschau geben – jede Stadt auf ihre Weise – ihr Bestes, um zum Hotspot der internationalen Finanzindustrie zu werden.

Lange bevor die Entscheidung der Briten gefallen ist, hat Frankfurt erste Vorbereitungen getroffen: Sprachfähig sein, Interessenten fundierte Antworten bieten, den Dialog suchen – so lässt sich umschreiben, was Vertreter der Hessischen Landesregierung und der Hessen Agentur / Hessen Trade & Invest sowie von Frankfurt Rhein Main und Frankfurt Main Finance von Beginn an erreichen wollten. Mit Erfolg, wie das Gespräch mit deren Vertretern zeigt: Wolf-Dieter Adlhoch, Leiter der Stabsstelle Brexit in der Wiesbadener Staatskanzlei, Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer von Hessen Agentur/Hessen Trade & Invest, Eric Menges, Geschäftsführer der Frankfurt Rhein Main GmbH, und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Nach einem Jahr intensiver Diskussionen über den Brexit: Wie hat sich Frankfurt aufgestellt, um im Wettbewerb der europäischen Finanzplätze zu punkten?

Dr. Rainer Waldschmidt: Kommunikation war von Beginn an das Entscheidende. Wir haben schon während der Diskussionen über das Referendum begonnen, die wichtigen Vertreter von Stadt und Land zu Round Table-Gesprächen zusammenzubringen, damit wir uns sehr frühzeitig auf ein konzertiertes Vorgehen einigen.  Ein wichtiger Punkt war beispielsweise, dass wir uns nicht auf Frankfurt als Stadt fokussieren, sondern über die Rhein-Main-Region sprechen, weil sich viele Aspekte zu den Themen Talente, Infrastruktur, Lebensqualität aus den Gegebenheiten in dieser Region erschließen.

Eric Menges: Sehr geholfen hat uns, dass wir schon vor der Brexit-Entscheidung eine komplette Website programmiert hatten, die wir am Morgen der Ergebnisverkündung live schalten konnten. Das war ein gewisses Risiko, der Aufwand hätte auch vergebens sein können. Aber so haben wir auf das richtige Pferd gesetzt, auch wenn wir uns ein anderes Votum gewünscht hätten. Das Interesse an aktuellen Informationen war – wie Sie sich vorstellen können – von diesem Punkt an massiv. Für unser schnelles Handeln gab es vor allem in den sozialen Medien viel positive Resonanz. Der schönste Kommentar: Da gibt es eine Region, die scheint besser vorbereitet, als der Rest von England. Da haben wir schon geschmunzelt.

Hubertus Väth: Neben der Webseite gab es auch eine Twitter- und eine LinkedIn-Kampagne mit einer klaren und knappen Botschaft: Willkommen. Bereits um 6.20 Uhr waren die Medien am Telefon, die wissen wollten, ob und wie Frankfurt vorbereitet ist. Seither gab es rund 500 Anfragen von Journalisten aus über 40 Ländern. Selbst jetzt noch vergeht keine Woche ohne zwei bis drei Anfragen.

Was sind die zentralen Botschaften? Was haben Frankfurt und die Region zu bieten?

Wolf-Dieter Adlhoch: Zweifellos gibt es viele harte Fakten, die für die Rhein-Main-Region sprechen. Wir sind ja schon heute eines der weltweit wichtigsten Finanzzentren. Alle deutschen Großbanken, mehr als 150 Auslandsbanken sind in und um Frankfurt präsent. Die wichtigsten Regulierungsbehörden und allen voran die EZB sind hier zuhause. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine starke Wirtschaft und – in diesen Zeiten wichtiger denn je – eine hohe politische Stabilität vorweisen können. Die Steuern sind hierzulande nicht so hoch, wie mitunter angenommen; durchschnittlich 30 Prozent für Unternehmen, da sind wir wettbewerbsfähig. Das Arbeitsrecht ist flexibel, fair und vor allem effizient. In Sachen Infrastruktur sind wir durch unseren Flughafen unschlagbar…

Menges: Ich sage immer gerne, der ist so nah wie der City Airport in London und so leistungsfähig wie Heathrow.

Adlhoch: Wichtig ist uns aber: Wir wollen nicht laut trommeln, sondern sachlich argumentieren.

Väth: Drei Botschaften sind klar angekommen: Europa braucht weiter die internationale Strahlkraft des Finanzplatzes London, daher wollen wir dem Finanzplatz London nicht schaden. Wir wollen Brücken bauen und nicht abreißen. Und wir wollen auch in Zukunft gut zusammenarbeiten können.

Menges: Ja, wir machen keine oberflächliche Werbekampagne, wie dies andere Finanzplätze tun. Wir gehen mit den Entscheidern in den Unternehmen ins Gespräch. Und da kommen viele, sehr konkrete Fragen auf, die wir zunächst gar nicht so im Fokus hatten. Ein Beispiel: internationale Schulen. Sie können sich vorstellen, dass dies für die Mitarbeiter, die künftig mit ihren Familien nach Frankfurt kommen sollen, ein wichtiges Thema ist. Also haben wir alle in der Region ansässigen internationalen Schulen – über 30 in und um Frankfurt – an einen Tisch geholt und mit ihnen diskutiert, ob sie in ihrer Struktur, in ihrer Kapazitätsplanung darauf eingestellt sind, eine größere Menge neuer Schüler aufzunehmen. Die Antwort: ja. Auch die Vielfalt des schulischen Angebots ist beachtlich. Mit diesen Informationen gehen wir dann wieder auf unsere Gesprächspartner zu, können deren Fragen in aller Regel im Detail beantworten.

Waldschmidt: Verfügbarer Büroraum ist auch so ein Thema, das in Gesprächen immer wieder aufkommt. Deshalb haben wir bei den ansässigen Maklern die Verfügbarkeit und Qualität der Flächen erhoben. Konkret: Wir haben im bevorzugten Innenstadtbereich 750 Tausend Quadratmeter freie Bürofläche auf dem erforderlichen Qualitätslevel. Zudem zeigen die Projektentwicklungspläne einen weiteren Zuwachs dieser A-Flächen. Wir können also alle Menschen aufnehmen, die solide Prognosen der ersten durch den Brexit initiierten Zuwanderung zuschreiben. Wenn wir über solche Veränderungen sprechen, dann passiert das auch nicht von heute auf morgen. Wir gehen vielmehr von drei Wellen aus, die sich regional unterschiedlich auswirken. Die erste wird den Finanzplatz unmittelbar betreffen und damit Frankfurt und die unmittelbare Umgebung im Kern. Bei der zweiten Welle geht es um die Verlagerung europäischer Hauptquartiere, also auch Distribution und Back-Office. Da wird sich der Radius auf den Gürtel um Frankfurt erweitern. Erst in der dritten Welle wird die Industrie betroffen sein, und hier ist ganz Hessen interessant.

Nach einem Jahr, was sind die wichtigsten Erkenntnisse und worauf muss zukünftig das Augenmerk liegen?

Väth: Wir sind zwar in der Poleposition, aber das Rennen ist noch nicht zu Ende.  Es ist zu früh, eine Verschnaufpause einzulegen. Exogene Faktoren, wie eine mögliche US-amerikanische Steuerreform, können noch entscheidende Parameter zu unseren Ungunsten verändern. Auch müssen wir konstatieren, dass die Wettbewerber gute Arbeit machen und Erfolge erzielen. Zum Beispiel im Bereich Versicherungen und Asset Manager. Von großer Bedeutung wird sicher die Frage der Zukunft des Euro Clearings werden, da stehen uns spannende Tage und Wochen bevor. Auch hier haben wir bereits viel Aufklärungsarbeit geleistet. Es ist aber auch die Zeit, einmal Danke zu sagen. Seien es BaFin oder Bundesbank, die Landesregierung oder der Bund. Wenn es darauf ankommt wird hier hervorragende Arbeit geleistet, das bleibt nicht unbemerkt. Bemerkenswert war auch, wie viele unserer Mitglieder uneigennützig angerufen haben und gefragt haben: Können wir etwas für euch tun. Da haben wir natürlich nicht nein gesagt und konnten so vieles anstoßen. Und auch bemerkenswert, wie aktiv neue Mitglieder auf uns zugekommen sind und gesagt haben, jetzt verstehe ich, warum ihr wichtig seid und warum es Sinn macht, mitzumachen.

Adlhoch: Wir nehmen das Feedback aus den vielen Einzelgesprächen, die wir als Vertreter der Landesregierung, von Hessen Agentur, Frankfurt Rhein Main und Frankfurt Main Finance führen, sehr ernst. Was gut ankommt: Der vertrauliche Dialog, und deshalb wird darauf auch künftig unser Schwerpunkt liegen. Was wir verstärkt tun: Den unmittelbaren Austausch mit Experten organisieren. Hier in der Region sitzen ja nicht nur die Banken und Regulierer, sondern all jene Juristen und Beratungsgesellschaften, die für die Finanzindustrie erforderlich sind. Detailfragen zu Arbeitsrecht, zu Steuern, zu regulatorischen Aspekten klären wir, indem wir Kontakte vermitteln und Experten vernetzen. Was wir nicht tun werden: mit kurzfristigen Geschenken – also Vergünstigungen oder Zulagen – für den Standort werben. Wir sind fest überzeugt, dass wir als Region das zu bieten haben, was Unternehmen bei der strategischen Standortentscheidung überzeugen kann. Das gilt nicht zuletzt für die Lebensqualität. Darüber haben wir heute wenig gesprochen. Aber jeder, der das Rhein-Main-Gebiet kennt, weiß, dass das Freizeit- und Kulturangebot sich durchaus sehen lassen kann.

Brexit Frankfurt Finance Summit

Brexit: Finanzzentren steht eine neue Realität bevor

Nur sechs Wochen vor dem Brexit Referendum beschrieb Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen, diese politische Entscheidung auf dem Frankfurt Finance Summit 2016 als die wahrscheinlich schwerwiegendste der vergangenen 30 Jahre. „Ich glaube, dass sowohl die EU, als auch das Vereinigte Königreich mit einem Verbleiben Großbritanniens in der EU besser bedient sind“, so Schäuble. „Großbritanniens Verhältnis zu Europa sollte nicht durch eine Splendid Isolation, sondern eine Splendid Integration gekennzeichnet sein.“ Die schlimmsten Befürchtungen des vergangenen Jahres wurden in diesem Jahr Realität. Artikel 50 wurde am 29. März 2017 ausgelöst, die offiziellen Verhandlungen stehen unmittelbar bevor und die Zeit läuft. Den produktiven Dialog darüber zu fördern, wie Europa nach dem Brexit vorankommen kann, ist Ziel des diesjährigen Summits am 26. April in Frankfurt unter dem Motto Europe Reloaded – Challenges for the Financial Sector.

Mit der formellen Austrittserklärung der britischen Regierung tritt der Brexit nun in eine neue und entscheidende Phase. „Der Beginn der Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich steht nun unmittelbar bevor. Damit betreten die Verhandlungspartner Neuland. Wir halten es für wichtig, die Maxime zu beherzigen: Stabilität des Finanzsystems kommt vor dem Einzelinteresse. Beide Seiten werden die Balance finden müssen, einen ungeordneten Bruch zu vermeiden und zugleich die Attraktivität der Mitgliedschaft in der EU erkennbar zu belassen“, so Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V.

Frankfurt Main Finance bedauert auch weiterhin den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und rechnet mit dem Wegfall der Rechte unter dem Passporting. „Der Finanzplatz Frankfurt ist hervorragend aufgestellt, um eine Brückenfunktion für London in die EU zu übernehmen. Als Standort der Europäischen Zentralbank, der europäischen Versicherungsaufsicht, der größten europäischen Börse und dem größten Internet-Knoten für Datentransfer bietet Frankfurt die beste Infrastruktur für europaweit tätige Kreditinstitute und Finanzdienstleister. Mit dem TechQuartier und dem dynamischen, wachsenden Fintech-Ökosystem ist Frankfurt von der Bundesregierung auch als Digital Hub für die Finanzindustrie ausgezeichnet worden. Deshalb rechnen wir weiterhin mit einer Verlagerung von rund 10.000 Arbeitsplätzen über die kommenden Jahre“, sagt Geschäftsführer Väth weiter.

Diese Zahlen sind nicht nur vage Schätzungen. Am 20. März berichtete Väth in der Financial Times, dass es starke Anzeichen dafür gibt, dass drei der fünf größten US Banken sowie auch Schweizer, japanische, koreanische und indische Banken bereits entschieden haben, ihre Geschäftstätigkeit nach Frankfurt zu verlagern oder sich im Entscheidungsprozess befinden. Frankfurt liegt unter den Profiteuren des Brexits eindeutig vorne, steht aber auch nicht alleine unter den europäischen Finanzzentren. Jedes Finanzzentrum zeichnen spezifische Merkmale für die Aufnahme der verschiedenen Funktionen und Geschäftsbereiche aus. Luxemburg und Dublin liegen beispielsweise im Asset Management vorne. Warschaus relativ kostengünstige und gut ausgebildete Talente könnten einen Zuzug der Backoffice-Funktionen begünstigen. Es scheint sicher, dass Geschäftsbereiche aus London verlagert, aber über Europas Finanzzentren verstreut werden.

Wichtige Fragen bleiben noch offen. Wie wird die neue Verteilung der Finanzzentren aussehen? Wird das Euro-Clearing unter die Jurisdiktion der EZB fallen? Und wenn, wer wird diesen 500 Milliarden Euro-Markt gewinnen? Wird die neue European Banking Authority den anderen europäischen Regulierungsfunktionen in Frankfurt zugeordnet? Die Zukunft Europas und seiner Finanzzentren wird Thema der ersten Keynote und Panel Diskussion auf dem Frankfurt Finance Summit 2017.

Brexit Negotiations

Frankfurt Main Finance hofft auf konstruktive Brexit Verhandlungen

Mit der formellen Austrittserklärung der britischen Regierung tritt der Brexit nun in eine neue und entscheidende Phase. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V, sagt: „Der Beginn der Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich steht nun unmittelbar bevor. Damit betreten die Verhandlungspartner Neuland. Wir halten es für wichtig, die Maxime zu beherzigen: Stabilität des Finanzsystems kommt vor dem Einzelinteresse. Beide Seiten werden die Balance finden müssen, einen ungeordneten Bruch zu vermeiden und zugleich die Attraktivität der Mitgliedschaft in der EU erkennbar zu belassen.“

Frankfurt Main Finance bedauert auch weiterhin den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und rechnet mit dem Wegfall der Rechte unter dem Passporting. „Der Finanzplatz Frankfurt ist hervorragend aufgestellt, um eine Brückenfunktion für London in die EU zu übernehmen. Als Standort der Europäischen Zentralbank, der europäischen Versicherungsaufsicht, der größten europäischen Börse und dem größten Internet-Knoten für Datentransfer bietet Frankfurt die beste Infrastruktur für europaweit tätige Kreditinstitute und Finanzdienstleister. Mit dem TechQuartier und dem dynamischen, wachsenden Fintech-Ökosystem ist Frankfurt von der Bundesregierung auch als Digital Hub für die Finanzindustrie ausgezeichnet worden. Deshalb rechnen wir weiterhin mit einer Verlagerung von rund 10.000 Arbeitsplätzen über die kommenden Jahre“, sagt Geschäftsführer Väth weiter.

Ansprechpartner für Presseanfragen:
Dr. Ralf Witzler
Frankfurt Main Finance e.V.
Telefon 069 94 41 80 – 50
ralf.witzler[at]fmfinance.de

Brexit-Risiken minimieren und den europäischen Kapitalmarkt stärken

In seinem heute veröffentlichten Positionspapier „Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich: Brexit-Risiken minimieren und den europäischen Kapitalmarkt stärken“ unterbreitet das Deutsche Aktieninstitut Vorschläge an die Verhandlungsführer, wie im Rahmen der anstehenden Austrittsverhandlungen Nachteile für die europäisch-britischen Wirtschaftsbeziehungen abgewendet werden können.

„Es liegt an den Verhandlungsführern, die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich so zu gestalten, dass die negativen Auswirkungen des Brexits für beide Seiten minimiert werden“, betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Mit unserem Positionspapier und den darin enthaltenen Handlungsempfehlungen tragen wir unseren Teil dazu bei, dass die Austrittsverhandlungen auf einer soliden kapitalmarktrechtlichen Grundlage beginnen können und letztlich zu guten Ergebnissen führen werden.“

Luka Mucic, Finanzvorstand der SAP SE und Mitglied des Vorstands des Deutschen Aktieninstituts, hebt die Bedeutung des Positionspapiers für die anstehenden Verhandlungen hervor. „Die Sicht des Deutschen Aktieninstituts und seiner Mitgliedsunternehmen wird in diesem Positionspapier sehr deutlich“, unterstreicht er. „Die Verhandlungsführer müssen alles daransetzen, Wettbewerbsverzerrungen durch Steuerdumping und einen Deregulierungswettlauf zwischen den britischen und EU-Märkten abzuwenden“, so Mucic.

Die zentralen Forderungen des Deutschen Aktieninstituts sind:

  • Die Nachteile für alle Beteiligten auf ein Minimum zu reduzieren und die Attraktivität der Märkte in Europa sicherzustellen;
  • Mit Übergangsregelungen Zeit zu gewinnen und den Fortbestand der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich zu sichern;
  • Mit Blick auf die Kapital- und Finanzmarktrechtssetzung die Drittstaatenregelungen zu erweitern, vereinheitlichen und effizienter auszugestalten;
  • Hinsichtlich der gesellschaftsrechtlichen Grundstrukturen die Funktionsfähigkeit bewährter und notwendiger Rechtsinstitute sicherzustellen.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet, das mit Blick auf die umfassenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich die relevanten Themen identifizierte, die bei den Austrittsverhandlungen eine Rolle spielen.

Die interdisziplinär besetzte Projektgruppe, der Vertreter von Mitgliedsunternehmen des Deutschen Aktieninstituts angehören, wird die Austrittsverhandlungen inhaltlich begleiten und zum jeweiligen Verhandlungsstand gegebenenfalls Stellung nehmen.

Krümel oder Kuchen? Wie stark profitiert Frankfurts Immobilienmarkt vom Brexit?

Eine aktuelle Studie von Deutschen Bank Research analysiert potenzielle Auswirkungen des Brexits auf den Frankfurter Immobilienmarkt. Im Rahmen der Analyse werden der Büro- und Wohnimmobilienmarkt im Finanzzentrum Frankfurt im Hinblick auf aktuelle und zukünftige Preistrends ebenso wie Nachfrage- und Verfügbarkeitstrends untersucht. Außerdem vergleicht die Studie der Deutschen Bank verschiedene europäische Finanzplätze und zeigt auf, dass Frankfurt in mehrerlei Hinsicht eine naheliegende und finanziell tragbare Wahl für die Verlegung finanzieller Dienstleistungen aus Großbritannien darstellt.

Executive Summary

„Angesichts der hohen politischen Unsicherheit rund um das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union wird auch die Größe des Brexit- Kuchens, also der Abwanderung von Unternehmen und Arbeitnehmern, erst in einigen Jahren bestimmt werden können. Unabhängig von dem endgültigen Verhandlungsergebnis zwischen Großbritannien und der EU dürfte die Stadt Frankfurt einer der Profiteure sein.

Frankfurt ist bereits heute der Hauptfinanzplatz Kontinentaleuropas und kann dabei gegenüber anderen europäischen Städten auf eine Reihe weiterer Vorzüge verweisen: niedrige Mieten und Wohnungspreise, gute Infrastruktur, hohe wirtschaftliche Dynamik. Angesichts der Stärke der europäischen und auch außereuropäischen Wettbewerber wird Frankfurt aber wohl nur einen Teil des Brexit-Kuchens verbuchen.

Frankfurts Immobilienmarkt würde schon durch relativ wenige abwandernde britische Unternehmer und Arbeitnehmer deutlich an Dynamik gewinnen. Ein Beschäftigungsaufbau im Zuge des Brexits dürfte die Büronachfrage ankurbeln und zu einem Abbau des Leerstands und Mietsteigerungen im Büroimmobilienmarkt in erster Linie in innenstadtnahen Lagen beitragen. Nach dem Brexit-Referendum haben wir unsere erwarteten durchschnittlichen Mieterhöhungen im Spitzensegment auf über 2% pro Jahr bis zum Jahr 2020 angehoben (ein doppelt so starker Anstieg wie bisher in den Jahren 2018-2020).

Im Wohnungsmarkt gibt es bereits seit einigen Jahren Engpässe. Ein großer Nachfrageüberhang, es fehlen mehrere 10.000 Wohnungen, und zu wenig Bauland sind die Hauptursachen für die Preissteigerungen von rund 25% seit dem Jahr 2009. Ein zusätzlicher Brexit-Effekt könnte die Preise kräftig erhöhen. Als Daumenregel gilt dabei: 1.000 fehlende Wohnungen erhöhen die Quadratmeterpreise um 25 Euro. Unterstellt man eine zusätzliche Nachfrage von 5.000 Wohnungen, steigen die Wohnungspreise um 125 Euro oder rund 4% relativ zu aktuellen Niveaus.“

Die komplette Studie von Deutsche Bank Research können Sie hier herunterladen.

 

Frankfurt Main Finance

Brexit Fieber – FMF bei FINANCE-TV

Großbritannien hat sich entschieden die Europäische Union zu verlassen. Wie wird sich diese Entscheidung auf den Finanzplatz Frankfurt auswirken? Der Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., Hubertus Väth, war zu Gast bei FINANCE-TV, um über die Folgen eines Brexit für die europäischen Finanzzentren und die Möglichkeiten für Frankfurt zu sprechen. Wie einige Experten vorhersagen, könnten tausende von Jobs aus Londons Finanzdistrikt abgezogen werden und für diesen Fall war Frankfurt schon direkt nach der Verkündung des Referendums vorbereitet. In Kooperation mit Partnern, der FrankfurtRheinMain GmbH, Frankfurt Main Finance e.V. und der Frankfurt Economic Development wurde die Website welcometofrm.com gestartet, eine Informations-Hotline eingerichtet und eine Social Media Kampagne auf LinkedIn und Twitter, welche direkt auf Entscheidungsträger im Londoner Finanzdistrikt abgestimmt war, gestartet. Das vollständige Interview mit Hubertus Väth finden Sie unten angeführt.

 

Source: www.finance-magazin.de/finance-tv