Helaba-Finanzplatzstudie „In der Pole-Position für Brexit-Banker“

Wie die heute vorgestellte Finanzplatzstudie des Helaba-Bereichs Volkswirtschaft/Research zeigt, ist das deutsche Finanzzentrum im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position. So haben sich bereits zahlreiche Banken dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlagern, was sich in den Beschäftigtenzahlen niederschlagen wird: „Wir erwarten, dass mindestens die Hälfte der aus London abwandernden Finanzjobs nach Frankfurt verlegt wird. Dies entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern. Bis Ende 2019 sehen wir deshalb einen Beschäftigungsanstieg um 4 Prozent auf rund 65.000 Mitarbeiter in den Frankfurter Bankentürmen (Ende 2016: 62.400). Und das, obwohl parallel die Konsolidierung am heimischen Bankenmarkt anhält“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Ein Novum des langjährigen Finanzplatz-Researchs der Helaba ist in der vorliegenden Studie das eigens kreierte regionale Beschäftigungsaggregat: die Zahl der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft in „BIG FFM“. Hierzu wurde die räumliche Abgrenzung von Greater London auf das Gebiet rund um Frankfurt übertragen. Dieser Vergleich ergibt folgendes Bild: Ende letzten Jahres arbeiteten in BIG FFM rund 118.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, in Greater London knapp 360.000. Mit Blick auf die Beschäftigungsdichte (bezogen auf die Bevölkerungszahl) liegen allerdings beide Großräume mit jeweils gut 4 Prozent auf gleichem Niveau.

Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas. Hinsichtlich der Arbeitsplatzverlagerungen von der Themse an den Main kommen insbesondere folgende Standortqualitäten zum Tragen: die Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB mit ihrer Doppelfunktion Aufsichtsbehörde und Notenbank, das Rhein-Main-Gebiet als Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, die relativ günstigen Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland.

„Seit unserem Finanzplatz-Ranking Mitte 2016 hat sich die relative Attraktivität Frankfurts weiter erhöht“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Dagegen ist eine Schwächung der Londoner City schon jetzt unübersehbar. Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien lassen die Stadt in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist die abgesagte Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange positiv für Frankfurt, da die starke Frankfurter Börse nun erhobenen Hauptes ihren eigenen Weg weitergehen kann. Darüber hinaus könnte die Main-Metropole in ihrer Rolle als europäische Aufsichtsmetropole weiter gestärkt werden, sollte die länderübergreifende Bankenaufsichtsbehörde EBA nach Frankfurt verlegt werden.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt rückt insbesondere den regionalen Immobilienmarkt und die Bildungsinfrastruktur der Stadt in den Fokus. „Am Büromarkt dürfte die Zusatznachfrage angesichts des noch immer reichlichen Leerstands und einer Reihe von Projektentwicklungen problemlos zu bewältigen sein“, erwartet Helaba-Immobilienanalyst Dr. Stefan Mitropoulos. Am Wohnungsmarkt besteht dagegen kein nennenswerter Leerstand. Die deutlich erhöhte Neubauaktivität, die Planungen für die nächsten Jahre sowie die umfangreichen Flächenreserven im Umland sprechen aber gegen eine deutliche Verschärfung der Lage am Frankfurter Wohnungsmarkt durch den Brexit. Neben dem Immobilienmarkt ist auch das Schulangebot ist ein zentrales Standortkriterium. Die Frankfurter Finanzplatz-Region bietet bereits ein breites Spektrum internationaler Bildungseinrichtungen, das in den vergangenen Jahren sichtlich gewachsen ist. Angesichts der hohen Nachfrage nach Bildungsangeboten bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungsarchitektur für Kinder jeden Alters, der alle Schulformen umfasst und über den Brexit-bedingten Bedarf hinausgeht.

Traud zieht ein positives Fazit: „Trotz der Herausforderungen durch den bevorstehenden Mitarbeiterzustrom von der Themse an den Main ist der Brexit für den Finanzstandort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb.“

Die komplette Studie von Helaba können Sie hier herunterladen.

 

Studie beziffert Jobwachstum in Frankfurt durch Brexit

Wie hoch ist das gesamte, durch den Brexit ausgelöste Jobwachstum in Frankfurt und Umgebung? Diese und weitere Fragen diskutierten Journalisten mit Vertretern der WHU, der Wirtschaftsförderung Frankfurt und Frankfurt Main Finance. Anlass war die Veröffentlichung der Studie „Winning Frankfurt: Brexit Bankers Bring More Welfare To Frankfurt Than Just Their Jobs“.

Insgesamt 13 Journalisten kamen in den Räumlichkeiten von Frankfurt Main Finance zusammen, wo Professor Lutz Johanning und Moritz C. Noll vom Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung der WHU – Otto Beisheim School of Management, Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt sowie Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance am 24. August die aktuelle Studie „Winning Frankfurt: Brexit Bankers Bring More Welfare To Frankfurt Than Just Their Jobs“ vorstellten.

Bereits im Vorfeld war klar, dass der Brexit zu Verlagerungen von Arbeitsplätzen in der Finanzbranche von London nach Frankfurt führen würde. Gut begründete Schätzungen gingen von rund zehn Tausend Jobs innerhalb der nächsten vier Jahre aus. Doch das gesamte, durch den Brexit ausgelöste Jobwachstum ist viel höher, so das Ergebnis der Studie. Der Fokus der Untersuchung lag auf den Multiplikatoreffekten und damit auf der Frage, welches Wachstum für andere Branchen ein Plus an Bankarbeitsplätzen nach sich zieht. Das Ergebnis zeigt, dass dieser Effekt – je nach Betrachtungsraum – 2,1 bis 8,8 Mal so hoch liegt. Geht man von zehn Tausend neuen Bankstellen aus, können folglich in den folgenden vier Jahren in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Stellen entstehen.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers’ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs [Herunterladen]

Finanzplatz Fokus: „Brexit – Let’s go Frankfurt“

Finanzplatz Frankfurt ist bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen

Unter den europäischen Finanzplätzen ist Frankfurt die klare Nr. 2 hinter London. Mit zahlreichen Standortqualitäten ist die Main-Metropole ein attraktiver Finanzplatz für in- und ausländische Player und kann die bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen werden. Folgende Assets sind dabei besonders hervorzuheben: Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität. Zu diesem Ergebnis kommen die Helaba-Volkswirte in ihrer Finanzplatz Studie „Brexit – Let’s go Frankfurt“. Doch mit Paris, Dublin, Luxemburg oder auch Amsterdam gibt es ernstzunehmende Konkurrenten.

Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleiterin Volkswirtschaft/Research, betont: „Damit Frankfurt tatsächlich zum vorrangigen Brexit-Gewinner wird, bedarf es neben mehr Selbstbewusstsein auch einem konzertierten Eintreten auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.“

Prognose Bankbeschäftigung Ende 2018: stabil bei rund 62.000 Stellen

Darüber hinaus ist eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen wesentlich für den Erfolg. Angesichts der in mehreren Studien belegten herausragenden Positionierung Frankfurts im europäischen Finanzplatzgefüge stehen nach Ansicht der Helaba-Volkswirte die Chancen gut, dass mindestens die Hälfte der zur Disposition stehenden Finanzjobs in einem mehrjährigen Umstrukturierungsprozess von der Themse an den Main verschoben wird. Frankfurt steht damit vor der Aufgabe, die notwendigen Voraussetzungen z.B. auf dem Wohnungsmarkt zu schaffen. Unter sehr vorsichtigen Annahmen kämen über einen Zeitraum von mehreren Jahren insgesamt mindestens 8.000 Mitarbeiter nach Frankfurt. Da die Unternehmen nicht den Ausgang der Verhandlungen abwarten können, ist schon bis Ende 2018 mit einem Zuwachs von mehr als 2.000 Stellen zu rechnen.

„Dieser Brexit-induzierte Arbeitsmarkteffekt wirkt der Konsolidierung in den hiesigen Bankentürmen entgegen“, sagt die Autorin der Studie Ulrike Bischoff. Beide Effekte dürften sich innerhalb des Prognosehorizontes mehr oder minder aufheben. Am deutschen Finanzzentrum sind zum Jahresende 2018 gut 62.000 Bankbeschäftigte zu erwarten.

Die komplette Studie von Helaba können Sie hier herunterladen.

Finanzplatz-Studie: Finanzplatz Frankfurt – aufwärts mit China

  • Langfristig Chancen für Frankfurt als Renminbi-Hub
  • Helaba-Umfrage unter chinesischen Banken bestätigt Standortqualitäten
  • Deutsch-chinesische Finanzplatz-Beziehung weiter gemeinsam fördern

Die Ernennung des deutschen Finanzzentrums zum ersten Offshore-Clearingplatz außerhalb Asiens ist ein starkes Signal an die Finanzwelt. „Bis zu einem richtigen Renminbi-Hub in Frankfurt ist es allerdings noch ein langer Weg“, erläutert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. „Derzeit handelt es sich eher um einen schicken Akzent im China-Outfit der Main-Metropole.“ Ziehen die Finanzplatz-Akteure weiter konsequent an einem Strang, hat das deutsche Finanzzentrum gute Chancen, nachhaltig eine besondere Bedeutung für die chinesische Währung zu erlangen.  Weiterlesen

Finanzplatz-Fokus: Bankbeschäftigung Frankfurt – Konsolidierung bleibt überschaubar

  • Frankfurts Position im internationalen Finanzplatz-Wettbewerb gestärkt
  • Krisenbedingte Konsolidierung noch nicht abgeschlossen
  • Leichter Beschäftigungsrückgang im Bankensektor bis Ende 2016

Die Ansiedlung der europäischen Bankenaufsicht und die Einrichtung des ersten Renminbi-Handelszentrums in der Eurozone haben die Position des Finanzplatzes Frankfurt nachhaltig gestärkt. Weiterlesen

Finanzplatz-Fokus: Frankfurt: Finanz- und Aufsichtsmetropole

Die Beschäftigungssituation im Bankensektor am Finanzplatz Frankfurt ist trotz Finanz- und Staatsschuldenkrise vergleichsweise stabil. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Helaba-Finanzplatz-Studie.  Weiterlesen

Finanzplatz-Fokus: Die größten Banken am Finanzplatz Frankfurt

  • Neuartige Rangliste der größten Banken in Frankfurt
  • Regulierung wirkt Personalabbau am deutschen Finanzzentrum entgegen

Mit ihrer neuen Studie legt die Helaba erstmals ein Ranking der nach Mitarbeiterstärke größten Banken am Finanzplatz Frankfurt vor. Diese neuartige, umfragebasierte Rangliste umfasst die zwölf größten Kreditinstitute sowie drei zentrale Finanzinstitutionen. „All diese Akteure zusammen machen über drei Viertel der hiesigen Bankbeschäftigung aus – eine breite Basis für unsere Beschäftigungsprognose“, erläutert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba.  Weiterlesen

Finanzplatz-Fokus: Bankbeschäftigung Frankfurt – Panik unbegründet

Die Beschäftigungssituation im Bankensektor am Finanzplatz Frankfurt ist trotz Finanz- und Staatsschuldenkrise vergleichsweise stabil. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Helaba-Finanzplatz-Studie, die heute veröffentlicht wird. „Der Finanzplatz Frankfurt dürfte sich zwar den krisenbedingten Belastungen nicht vollständig widersetzen können. Jedoch wirken zahlreiche Faktoren einem starken Beschäftigungsabbau in der Finanzbranche entgegen“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. Gemildert wird der Stellenabbau in Frankfurt unter anderem durch Personalaufbau im Risikomanagement. Beschäftigungsfördernd wird vor allem auch die künftige Aufsichtsrolle der Europäischen Zentralbank wirken. Darüber hinaus wird die Konsolidierung im Bankensektor mit einer verstärkten Konzentration der Geschäftsaktivitäten auf das führende deutsche Finanzzentrum einhergehen und damit die Beschäftigungssituation in Frankfurt begünstigen.  Weiterlesen

Helaba Finanzplatzstudie: Finanzplatz Frankfurt – Magnet für Auslandsbanken

Der Finanzplatz Frankfurt ist ein höchst attraktiver Standort für Auslandsbanken. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Helaba-Finanzplatzstudie, die am 18. Januar vorgestellt wurde. „Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den nachhaltigen Erfolg eines Finanzplatzes ist Internationalität. Die Tatsache, dass rund 200 Auslandsbanken aus 40 Nationen hier angesiedelt sind, zeigt, wie gut Frankfurt aufgestellt ist. Dennoch müssen wir das Profil des Standortes weiter schärfen. Für uns als führende Regionalbank im Wirtschaftsraum Hessen ist die Förderung des Finanzplatzes deshalb auch in Zukunft ein zentrales Anliegen – sei es durch spezifisches Finanzplatz-Research, durch die Unterstützung des vom Center for Financial Studies ermittelten Finanzplatz-Indikators oder durch die Förderung der Initiative Frankfurt Main Finance“, so Hans-Dieter Brenner, Vorsitzender des Vorstandes der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen.  Weiterlesen

Finanzplatz-Fokus: Moderater Personalabbau dank relativer Stärke des Finanzplatzes

Die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen hat Ende Mai ihre neue Finanzplatz-Studie veröffentlicht, die den Fokus auf die Beschäftigungsperspektiven am deutschen Bankenzentrum legt. „Die Zahl der Kreditinstitute ist in Folge der Finanzkrise bislang nur leicht gesunken, und die Main-Metropole hat sich als attraktiver Standort für ausländische „player“ bewährt“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. Weiterlesen