Financial Centre Frankfurt

Spahn fordert mehr Elan für Frankfurt

Bereits 24 Banken wollen ihr Frankfurt-Geschäft vor dem anstehenden Brexit ausbauen – aber ausruhen können sich die Akteure nicht, mahnt CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Vor allem gegenüber Paris müssten sich Hessen und Berlin anstrengen. Am Main seien noch viele Hausaufgaben zu erledigen.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für besondere Aufgaben, Jens Spahn, hat am Mittwoch auf einer Veranstaltung der hessischen CDU betont, wie wichtig die Fortentwicklung des Finanzplatzes Frankfurt für die Berliner Regierung sei. Die Politik müsse noch härter dafür arbeiten, dass die gute Stellung der Metropole erhalten bleibe, sagte er. Spahn verwies auf den gescheiterten Versuch Deutschlands, die EU-Bankenaufsicht EBA von London nach Frankfurt zu holen. Stattdessen erhielt im November Paris den Zuschlag. Mit Blick auf den Brexit und eine daraus möglicherweise folgende Verlagerung des Euro-Clearing müsse Frankfurt „erfolgreicher abschließen als bei der EBA“, sagte der bis Oktober noch als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium agierende 37-Jährige.

Um den Finanzplatz Frankfurt attraktiver zu machen, müssten aber auch „einige Dinge vor Ort erledigt werden“, sagte er und erinnerte dabei an den Wohnungsbau und arbeitsrechtliche Anpassungen insbesondere für Investmentbanker. Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten sei der Bundesregierung weiter daran gelegen, dass das künftige Verhältnis zu den Briten eng bleibe. Allerdings sei noch nicht klar, für welchen Zugang zum Finanzmarkt sich die Briten entscheiden: London könne wie Singapur ein Finanzplatz werden, der mit geringer Regulierung locke, oder aber an die Regeln des EU-Raums andocken.

Geld für Glühbirne

Bei der Digitalisierung des Finanzsektors sei die Phase der Konfrontation vorbei: Fintechs hätten erzwungenermaßen auf Kooperation mit etablierten Adressen eingeschwenkt – wofür Spahn selbst einige Initiativen losgetreten hat und dazu beitrug, die Banken in den Dialog mit Fintechs zu bringen. Sein Motto: „Miteinander reden ist die halbe Miete.“ Mehrfach angesprochen auf das Thema Blockchain, ließ Spahn erkennen, dass er durch die Technik, die Transaktionen nachvollziehbar und ohne zentrale Instanz festhält, weitreichende Umwälzungen für möglich hält. „Die Blockchain kann das Geschäftsmodell von Intermediären komplett überflüssig machen.“ Dank digitalem Identitätsmanagement könne ein Investor dann auch Geld „an eine Glühbirne in Malaysia“ überweisen, sagte Spahn schmunzelnd. Handlungsbedarf sieht er bei der Ansiedelung von Blockchain-Gesellschaften in Deutschland. Zwar seien sehr viele Software-Entwickler in Berlin zu Hause, die Gesellschaften selbst dann aber (in der Regel über Stiftungskonstruktionen) in der Schweiz – dort gibt es das sogenannte „Cryptovalley“ in Zug.

Nach der Finanzplatz-Veranstaltung machte Spahn Station beim erstmals stattfindenden Portfoliotag der Deutschen Bundesbank. Die Bundesregierung steht seiner Ansicht nach beim nachhaltigen Investieren („Sustainable Finance“) noch am Anfang. „Es ist alles noch sehr zaghaft im Vergleich zu den Anforderungen und Wünschen“, sagte er. „Mit aller Kraft Richtung Green Finance ist sicherlich nicht unser Motto.“ Bei den Jamaika-Sondierungen sei Green Finance ein Thema gewesen, allerdings im Wirtschafts- und nicht im Finanzressort. „Es ging aber nur um ein allgemeines Bekenntnis dazu.“

Spahn zeigte drei Felder auf, in denen sich der Bund bereits für nachhaltige Anlagen starkmache: So soll der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, in den die Kernkraftbetreiber rund 24 Mrd. Euro eingezahlt haben, nach ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) gemanagt werden. Zweitens sei Nachhaltigkeit für die von Bund und Ländern gehaltene KfW ein Thema: „2016 flossen 44 % des KfW-Fördervolumens in Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen.“ Außerdem sei die KfW deutschlandweit größter und weltweit zweitgrößter Emittent von grünen Anleihen sowie wichtiger Investor. Drittens habe Deutschland in seiner Zeit der gerade zu Ende gegangenen G 20-Präsidentschaft dafür gekämpft, das Thema nachhaltiges Investieren verstärkt in den Blick zu nehmen.

Öffentliche Träger haben laut Spahn oft unterschiedliche Vorstellungen davon, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. „Dass in Unternehmen, die auf Kinderarbeit setzen, nicht investiert werden sollte, ist sicherlich Konsens. Schwieriger wird es bei Klimathemen wie Kernkraft oder Kohle.“ Er selbst hält Kernkraft für eine wichtige Brückentechnologie. „Sollte man die Frage, wie der Staat anlegt, tatsächlich politisieren?“ Er hält mehr von einer Regulierung des Marktes: Der Staat müsse etwa für Transparenz sorgen. „Das wäre vergleichbar mit dem Strombereich: Da kann sich auch nur Ökostrom nennen, was Ökostrom ist.“

Spahn machte außerdem deutlich, dass für ihn nachhaltiges Investieren nicht nur aus der grünen Kapitalanlage und ESG-Kriterien bestehe. Auch die Sicherheit der Anlage und die Finanzmarktstabilität zählten dazu. „So waren die eigenheimfördernden Maßnahmen der Regierung George W. Bush als soziale Maßnahme gedacht, haben aber letztlich mit zur Finanzkrise beigetragen.“ Auch die Rendite sei ein wichtiger Aspekt. Spahn plädiert schon länger für einen höheren Aktienanteil bei vom Bund verantworteten Mitteln wie dem Pflegevorsorgefonds.

Quelle: Börsen-Zeitung, Ausgabe 235 vom 07.12.2017.

Brexit

Deutsche Wirtschaftsverbände veröffentlichen Brexit-Kompendium

Um die Anliegen der deutschen Wirtschaft für die Brexit-Verhandlungen zu bündeln, haben namhafte deutsche Wirtschaftsverbände heute branchen-übergreifend ein digitales „Brexit-Kompendium“ veröffentlicht. Auf der zugehörigen Webseite www.brexit-kompendium.de können die Positionspapiere der teilnehmenden Wirtschaftsverbände zum Brexit nach relevanten Themen-bereichen sortiert eingesehen werden.

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wird zu weitreichenden Folgen für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft führen. Die konkreten Auswirkungen hängen vom Ausgang der Verhandlungen ab.

Ziel des Brexit-Kompendiums ist es, die aus Sicht der Wirtschaft relevanten Themenbereiche in einem Nachschlagewerk zusammenzufassen. Hierfür werden die Positionspapiere der teilnehmenden Wirtschaftsverbände an einem Ort zusammengeführt. Den Verhandlungsführern und der interessierten Öffentlichkeit steht damit ein einfacher Zugang zu Problemanalysen und Lösungs-vorschlägen zur Verfügung.

Die Verbände bringen jeweils ihre fachspezifischen Themen und ihre Expertise in das Projekt ein. Sie bleiben dabei inhaltlich unabhängig und sind für ihre je-weiligen Themenbereiche und Veröffentlichungen selbst verantwortlich.

Die Webseite des Brexit-Kompendiums finden Sie hier.

Brexit bringt bis zu 88 Tausend neue Stellen in der Rhein-Main-Region

Studie der WHU beziffert die Brexiteffekte auf den Arbeitsmarkt.

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Schon am 24. Juni 2016, am Tag nach dem Referendum, hat Frankfurt Main Finance das Potenzial eines Brexit auf bis zu zehn Tausend neue Arbeitsplätze für Frankfurt im Finanz- und unmittelbar zugehörigen Dienstleistungssektor geschätzt. Heute scheint die Zahl manchen sogar zu konservativ. Das Jobwachstum wartet aber auch an anderer Stelle, so die Ergebnisse einer Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance. „Es sind die Multiplikatoreffekte auf viele Bereiche des täglichen Lebens, die zu einem signifikanten Stellenzuwachs vor allem in der Rhein-Main-Region führen werden“, erklärt Professor Lutz Johanning, der die Studie zusammen mit Moritz C. Noll vom Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung durchgeführt hat. Im Interview geben beide tiefere Einblicke in die zugrundeliegenden Berechnungen.

Herr Prof. Johanning, was genau wird in Ihrer Studie untersucht?

Lutz Johanning: Wir haben erhoben, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet. Dabei lag unser Fokus auf den Multiplikatoreffekten, also welches Wachstum für andere Branchen zieht ein Plus an Bankarbeitsplätzen nach sich. Und die Studie zeigt: Dieser Effekt ist – je nach Betrachtungsraum – 2,1 bis 8,8 Mal so hoch. Wenn wir also von zehn Tausend neuen Bankstellen ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Stellen entstehen.

Professor Lutz Joahnning: „Die Verlegung von Arbeitsplätzen geschieht nicht isoliert. Menschen verlagern ihr Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört.“

Eine gigantische Zahl. Wie kommen Sie zu dem Ergebnis?

Moritz Noll: Wir haben die bestehenden statistischen Daten zum Arbeitsmarkt in Frankfurt und der Region mittels eines empirischen Modells in die Zukunft fortgeschrieben und dabei die Brexiteffekte berücksichtigt. Um für die weitere Planung aussagekräftige Zahlen zu erheben, haben wir auf zwei Faktoren großen Wert gelegt: Zum einen war uns eine valide Datengrundlage sehr wichtig. So basiert unsere Studie auf Arbeitsmarkt-Daten der Bundesagentur für Arbeit der vergangenen neun Jahre. Zum anderen haben wir nach statistischen Modellen gesucht, die in der Wissenschaft bereits eingesetzt wurden.

Moritz C. Noll: „Auch wenn der Brexit ein neues Ereignis ist, gibt es wissenschaftlich etablierte Modelle, mit denen sich die Folgen auf den Arbeitsmarkt schätzen lassen.“

Wo sind Sie fündig geworden? Der Brexit ist ja ein bislang beispielloses Ereignis.

Noll: Der Brexit ja, nicht aber die Tatsache, dass aufgrund veränderter Rahmenbedingungen Arbeitsplätze an einen neuen Standort verlagert werden. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen gibt es beispielsweise für den Energiesektor in den USA – Stichwort Fracking. In diesem Kontext ist das Umsiedeln von Arbeitsplätzen an neue Standorte durchaus geläufig. Welche Effekte sich daraus nicht nur für den primär betroffenen Sektor ergeben, sondern wie sich eine Region dadurch insgesamt verändert, wurde in den vergangenen Jahren häufig untersucht. Aus diesen Modellen lassen sich Annahmen ableiten, die wir unserer Untersuchung zugrunde gelegt haben.

Johanning: Mit diesem Ansatz lassen sich die indirekten Effekte quantifizieren. Wenn ein Arbeitsplatz bei Bank X von London nach Frankfurt verlegt wird, dann geschieht das ja nicht isoliert. Vielmehr verlagert der Mensch, der diesen Arbeitsplatz füllt, sein Leben in eine neue Stadt – mit allem, was dazu gehört. Er oder sie kommen meist mit Familie; folglich müssen alle dazugehörenden Bedarfe erfüllt werden. Das fängt bei den ganz einfachen Themen wie Wohnen, Schule, Ausbildung, Konsum an. Es hat aber auch strukturelle Folgen. Infrastruktur, Bildungssystem, Häuser- und Wohnungsmarkt sind hier Stichworte.

Professor Lutz Johanning: „Vor allem die Rhein-Main-Region wird vom Stellenzuwachs profitieren. Die meisten zusätzlichen Jobs außerhalb der Finanzindustrie entstehen eher im Umland Frankfurts.“

Was macht Sie so sicher, dass die betroffenen Banker ihren Lebensmittelpunkt nach Frankfurt verlagern? Schließlich ist London ja nicht so weit weg.

Johanning: Die gleiche Diskussion gab es vor einigen Jahren für Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank. Auch hier war die Frage: Kommen die Menschen wirklich in die Rhein-Main-Region, oder sind sie nur hier, um zu arbeiten. Die Erfahrung zeigt: Sie kommen, um hier zu arbeiten und zu leben. Daher gibt es aus diesem Kontext seit vielen Jahren ein Best-Practice-Beispiel, und daran haben wir uns in der Studie orientiert.

Sie haben in der Studie differenziert – Frankfurt, direktes Umland und Region. Was zeigt diese Differenzierung?

Johanning: Frankfurt profitiert unmittelbar von den neuen Stellen im Bankensektor. Das ist kein regionales Thema. Die zentralen Büroflächen werden in der Innenstadt zu finden sein. Deshalb ist der Effekt auf andere Branchen hier auch überschaubar, liegt etwa beim 2,1 bis 3,4-fachen. Dienstleistungen rund um die Banken werden im Zuge des Aufbaus ebenfalls profitieren; diese haben ihren Standort oft aber nicht unmittelbar in der City, sondern im direkten Umland wie Eschborn, Offenbach oder anderen benachbarten Städten. Hinzu kommt, dass viele Menschen ihren Wohnort etwas außerhalb Frankfurts suchen. Davon profitieren wiederum die benachbarten Städte wie auch die gesamte Region. Je größer der Radius gezogen wird, umso differenzierter sind die Auswirkungen, und umso größer wird der Multiplikatoreffekt. Zehn Tausend neue Bankjobs in der City können im  optimistischen Fall bis zu 88 Tausend neue Jobs in der Rhein-Main-Region mit sich bringen.

Die Studie spricht von zwei Modellen. Was steckt im Detail dahinter?

Noll: Wir haben zwei Modelle eingesetzt, um die Auswirkungen der zehn Tausend neuen Stellen im Finanzbereich auf alle anderen Branchen zu schätzen. In Modell eins ist ein Faktor berücksichtigt, der den Wachstumseffekt stärker abdämpft. Modell zwei hingegen ist dieser Faktor nicht enthalten, dadurch wird das Wachstum insgesamt höher geschätzt. Uns war es wichtig, die Bandbreite der möglichen Ergebnisse in der Studie darzustellen.

Sie kennen die Statistiken im Detail. Auf welche Branche wirken sich die Effekte am stärksten aus?

Johanning: Zunächst muss man sagen: Frankfurt ist insgesamt eine sehr wachstumsstarke Region – auch ohne Brexit. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten wir in den vergangenen Jahren in den Sektoren Logistik, Immobilien und wirtschaftliche Dienstleistungen. Diese Wachstumsbranchen werden durch den Brexiteffekt zusätzliche Impulse erfahren. Was sich aus unserem quantitativen Modell aber nicht ableiten lässt, ist, welche strukturellen Veränderungen innerhalb der einzelnen Branchen in den nächsten Jahren zu mehr oder weniger Wachstum führen werden.

Noll: Mit unseren Modellen haben wir in einem weiteren Schritt untersucht, wie sich die langfristigen Job-Wachstumsraten im Fall mit und ohne Brexit unterscheiden. Damit haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Das heißt, dass das Job-Wachstum im gesamten Arbeitsmarkt in der langen Frist im Brexit-Fall wesentlich höher liegen kann als in einem Fall ohne zusätzliche Brexit-Jobs. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.

Moritz C. Noll: „Wenn wir zusätzlich langfristige Effekte berücksichtigen, haben die Ergebnisse noch Luft nach oben.“

Im Ergebnis also noch mehr Wachstum für eine ohnehin prosperierende Region. Haben Sie in der Studie auch quantifiziert, wie sich dadurch das kommunale Steueraufkommen verändert?

Johanning: Mit einer simplen Projektion haben wir versucht, auch diesen Effekt zu schätzen, zumindest für Frankfurt Stadt. Man muss allerdings auch diesen Ergebnissen vorwegnehmen, dass sie mit Vorsicht zu betrachten sind, da sie auf den vorherigen Ergebnissen aus den Arbeitsmarkt-Vorhersagen basieren und somit zusätzliche Ungenauigkeit entsteht. Betrachtet haben wir den kommunalen Anteil an der Einkommensteuer, die Umsatzsteuer sowie die Gewerbesteuer. Verkürzt gesagt schätzen wir, dass die Stadt Frankfurt durch die zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätze in allen Branchen jährlich zwischen 136,2 und 191,9 Millionen Euro an Einnahmen durch die drei genannten Steuerarten erzielen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

Bildnachweis: fritzphilipp photography 

Brexit-Banker bringen mehr Wohlfahrtseffekte für Stadt und Region als die eigenen Jobs

Neue Stellen im Bankensektor – das ist die erwartete Folge der Standortverlagerungen von London nach Frankfurt. Gut begründete Schätzungen sprechen von rund Zehntausend zusätzlichen Arbeitsplätzen innerhalb der nächsten vier Jahre. Das insgesamt mit dem Brexit verbundene Jobwachstum liegt wesentlich höher, weil Multiplikatoreffekte Wachstum auch in anderen Branchen hervorrufen, so die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Frankfurt Main Finance.

„Wir haben untersucht, welche Auswirkungen die Verlagerungen von Bankarbeitsplätzen im Zuge des Brexit auf den Arbeitsmarkt insgesamt haben – und zwar für die Stadt Frankfurt, für die unmittelbar benachbarten Städte und für das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Prof. Dr. Lutz Johanning, einer der Autoren der Studie. „Unsere Untersuchung zeigt: Der Multiplikatoreffekt liegt – je nach Betrachtungsraum und Region – bei 2,1 bis 8,8. Wenn wir von zehn Tausend neuen Arbeitsplätzen im Bankgewerbe ausgehen, dann können in den folgenden vier Jahren in Frankfurt City bei vorsichtiger Schätzung weitere 21 Tausend und in der Rhein-Main-Region im optimistischen Fall bis zu weiteren 88 Tausend neue Stellen entstehen.“

Moritz C. Noll, Co-Autor der Studie, sagt: „Mit unseren Modellen haben wir zeigen können, dass durch einen initialen Schock, also die zusätzlichen Jobs in der Finanzindustrie durch den Brexit, der langfristige Wachstumspfad verändert wird. Man sieht also, dass die Wachstumseffekte auf den Arbeitsmarkt noch deutlich höher sein können, als es der Ersteffekt vermuten lässt. Da ist also noch Luft nach oben.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt: „Der Stellenzuwachs bringt das wirtschaftlich starke Frankfurt und die Region weiter voran. Ein echter Erfolg für alle Beteiligten. Wichtig ist nun, dieses Wachstum positiv aufzunehmen und zu gestalten. Das ist eine Herausforderung. Die zusätzlichen Arbeitsplätze bringen aber auch die Mittel zu investieren und die Herausforderung zu meistern.“

Ausgehend von der Annahme, dass Zehntausend Stellen in Frankfurts Finanzbereich durch den Brexit nach Frankfurt verlagert werden, ergeben sich auch zusätzliche Steuereinnahmen für die Stadt Frankfurt. Im konservativen Szenario beläuft sich das Plus aus Einkommens-, Umsatz- und Gewerbesteuer auf rund 136 Millionen Euro jährlich, im optimistischen Szenario auf circa 191 Millionen Euro.

Winning Frankfurt: Brexit Bankers‘ Welfare Effect Beyond Bringing Their Jobs

 

„Zuzug nach Frankfurt – Chancen für Wirtschaftsstandort, Finanzplatz und Großstadt“

Frankfurt wird vom Umzug vieler Banker von der Themse an den Main profitieren. Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen mit Dr. Rolf E. Stokburger, der als Managing Partner Germany der international tätigen Personalberatung Boyden auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisiert ist.

 

Menschen, die in der Londoner Finanzbranche arbeiten, sind zunehmend zu einem Umzug nach Frankfurt bereit. Was sind die Gründe hierfür?

Dr. Rolf E. Stokburger: Die zunehmende Relevanz der Brexit-Entscheidung und die damit einhergehende Entscheidung einiger Banken, ihren Standort für etwaige Finanzdienstleistungen und -produkte nach Frankfurt zu verlagern, veranlasst vermehrt Londoner Banker über einen Umzug gen Frankfurt nachzudenken. Insbesondere amerikanische und japanische Banken, wie beispielsweise Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citi, Nomura, Daichi oder auch die Schweizer UBS, haben eine Standortverlagerung bereits angekündigt. Wir sehen aktuell vor allem zwei Gruppen von Bankern. Nämlich diejenigen, die eine Standortverlagerung als Karrierechance sehen und daher als „first mover“ mit dabei sein wollen. Und auf der anderen Seite haben wir eine Menge Professionals, die als Teil ihres Geschäftsbereiches nach Frankfurt wechseln sollen – und denen schlicht nichts anderes übrig bleibt als „take it or leave it“.

Worin bestehen die Chancen, wenn diese Menschen künftig in Frankfurt leben und arbeiten? Was sind die Herausforderungen?

Stokburger: Kommt die erste Welle Londoner Banker nach Frankfurt, wird der hiesige Finanzplatz weiter wachsen und die Stadt international an Bedeutung gewinnen. Der Ausbau der bestehenden Präsenzen ausländischer Banken sowie die Gründung von Banken nach deutschem Recht schafft aber auch für heimische Banker neue Stellen, insbesondere in den Bereichen Risikomanagement, Compliance und Verwaltung. Außerdem wird der Ausbau des Finanzplatzes Frankfurt sicher weitere Marktteilnehmer anziehen, wie etwa Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Anwaltssozietäten und Private Equity Fonds. Die derzeit in London ansässigen Banken werden aber sicher nicht umhinkommen, passende Incentive-Pläne für den Standort Frankfurt zu erarbeiten, um ihre Mitarbeiter und Führungskräfte für einen Wechsel und einen Verbleib an der Mainmetropole zu motivieren. Und die Stadt Frankfurt ihrerseits wird sich der Herausforderung stellen müssen, ausreichend Wohnraum sowie internationale Schulen und Kitas anbieten zu können.

Wie kann sich die Rhein-Main-Region am besten auf diesen Zuzug einstellen?

Stokburger: Die aktuell angekündigten Verlagerungen von Kapazitäten nach Frankfurt muss man in einem längeren zeitlichen Kontext sehen. Es ist anzunehmen, dass dem jetzt angekündigten Auf- und Ausbau einzelner Häuser noch einige andere folgen werden – eine große Chance für Frankfurt als Wirtschaftsstandort, Finanzplatz, aber eben auch als Großstadt. Mit Blick auf diesen bevorstehenden Zuzug sowie weiterer Ansiedlungen sollten Stadt und Region geschlossener auftreten und für Frankfurt als Top-Standort offensiv werben. Frankfurt und das Umland mit seinen zahlreichen Städten und Gemeinden haben viele Vorzüge gegenüber einer Millionenstadt wie London. Diese gilt es proaktiv zu bewerben. Ein Blick auf die zahlreichen aktuellen Bauvorhaben in der Stadt Frankfurt zeigt ja bereits, dass zumindest die Immobilienbranche klar auf Wachstum setzt. Um eine bestmögliche Integration der neuen Banker in Stadt- und Sozialleben zu gewährleisten, stehen Stadtmarketing und Entwicklungsplanung nun in der Pflicht, kulturelle Stärken und Vorzüge Frankfurts sowie die lebendige Vielfältigkeit besser zu kommunizieren, um das Image des teilweise als zu provinziell wahrgenommenen Stadtbilds aufzupolieren.

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Bildnachweis: Boyden

Kommt die EBA nach Frankfurt?

Im Zuge des Brexit muss die Europäische Bankenaufsicht umziehen.

Lange wurde über den Brexit gesprochen – jetzt folgen Fakten. Immer mehr Banken entscheiden sich, Aktivitäten von London nach Frankfurt zu verlagern. Deutsche Bank und Citigroup sind zwei prominente Beispiele. Aber auch bei den großen Institutionen wie der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) steht die Wahl eines neuen Standorts unmittelbar bevor. Schließlich muss sie ihren Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben.

Der Bewerbungsprozess um die EBA hat längst begonnen und seit Ende Juli stehen auch fest, wer seinen Hut in den Ring geworfen hat: Acht Städte, Frankfurt und Paris, sowie Brüssel, Dublin, Prag, Luxemburg, Wien und Warschau, wollen die neue Heimat der Behörde werden. Denn eine solch bedeutende Institution hat für einen Standort eine enorme Strahlkraft.

Acht Kandidaten im Rennen

Entsprechend engagiert präsentieren sich die acht Kandidaten: mit vielen Fakten rund um den Standort wie Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Arbeitsbedingung und Schulen. Zum Teil aber auch mit konkreten Versprechungen. So bieten Luxemburg und Wien etwa mietfreie Büroflächen.

Frankfurt will mit harten Fakten überzeugen und nicht nur Ministerpräsident Volker Bouffier ist sicher: „Trotz vielzähliger Konkurrenz haben wir gute Karten.“ Warum das so ist, hat die Landesregierung in einem umfangreichen Dossier zusammengestellt. Hier werden alle Aspekte beleuchtet, die bei einer Standortauswahl von Bedeutung sind. Weil sich viele der atmosphärischen Besonderheiten rund um die Main-Metropole auf Papier aber schlecht transportieren lassen, präsentiert sich Frankfurt mit einem Film, der zeigt, was es heißt, ein Frankfurter zu sein.

Frankfurt kann in jeder Hinsicht punkten

Entscheidend ist die Kombination der vielen unterschiedlichen Elemente, da ist sich auch Ministerpräsident Bouffier sicher. Schließlich könne Frankfurt mit sehr guter Infrastruktur und vielen internationalen Banken und Versicherungen aufwarten und sei deshalb das bedeutendste Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Die bestehende Aufsichtstruktur aus der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht EIOPA sowie der Deutschen Bundesbank, der BaFin, dem Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und dem europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) runde das einzigartige Netzwerk der relevanten Akteure an einem Ort ab.

Dass die Ansiedelung der EBA ein logischer nächster Schritt wäre und Synergien schaffen würde, steht für Bouffier außer Frage. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betont zudem, dass es bei all den Unsicherheiten und Risiken, mit denen die Europäische Union im Zuge des Brexits konfrontiert wird, jetzt wichtig sei, rechtzeitig für Planungssicherzeit zu sorgen: „Dies gilt auch im Hinblick auf die Frage des künftigen Sitzes der EBA. Es ist meine feste Überzeugung, dass Frankfurt am Main aus vielen Gründen die beste Lösung hierfür wäre.“

Attraktives Angebot für Unternehmen und Institutionen

Die Bewerbung Frankfurts wurde von zahlreichen Experten intensiv vorbereitet. Einer von ihnen ist Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI). Er kennt Frankfurt und die Region wie kaum ein zweiter und weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen und politischen Entscheidern in London, was die brennenden Fragen sind, die bei einer Standortverlagerung aufkommen.

Nicht laut trommeln, sondern mit substanziellen Fakten überzeugen, das ist nach seiner Erfahrung der beste Weg, um den Entscheidungsprozess zu unterstützen. „Viele Unternehmen suchen nach der Brexit-Entscheidung einen sicheren Hafen in der EU. Ihnen wollen wir ein attraktives Angebot machen. Wir bieten ihnen ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure“, so Waldschmidt.

Gemeinsam mit vielen weiteren Vertretern aus Stadt und Land wirbt er für Hessen als einem ausgezeichneten Standort in der EU – nicht zuletzt für eine der zentralen Behörden wie die EBA.
Seit 1. August sind alle Bewerbungen für die künftigen Standorte der EBA auf der Website des Europäischen Rats veröffentlicht. Die Bewerbung der Bundesregierung für die Bundesrepublik Deutschland und den Standort Frankfurt am Main kann auf der Website des Bundesfinanzministeriums eingesehen werden.

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Frankfurt Main Finance begrüßt Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um Sitz der EBA in Frankfurt

Das Bundesfinanzministerium bewirbt sich um die Ansiedlung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) am Finanzzentrum Frankfurt. Nach der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die Europäische Union zu verlassen, braucht die EBA, die bislang ihren Sitz in London hat, einen neuen Standort innerhalb der EU. Bis zum 31. Juli mussten Bewerbungen vorgelegt werden. Eine Entscheidung über den künftigen Sitz der Behörde wird voraussichtlich im November 2017 fallen.

Frankfurt Main Finance begrüßt die Bewerbung des Bundesministeriums der Finanzen um den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt. „Schon heute ist Frankfurt das Zuhause von drei der fünf Säulen der Europäischen Finanzaufsicht. Die EBA nach Frankfurt zu holen, wäre der nächste logische Schritt und wurde schon vor vielen Jahren von den europäischen Abgeordneten unterstützt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Etliche Banken haben bereits angekündigt als Reaktion auf den Brexit Geschäft in Frankfurt anzusiedeln oder Geschäftsbereiche auszuweiten: die Silicon Valley Bank, Standard Chartered, Daiwa, Nomura, Sumitomo Mitsui Financial Group, Mizuho Bank, Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Deutsche Bank. „Die Banken haben mit den Füßen für Frankfurt votiert, nun ist es an Europa, sich für die Finanzmarktstabilität und für Frankfurt zu entscheiden“, sagt Väth. Frankfurt Main Finance erwartet, dass sich 2017 mindestens 12, möglicherweise sogar 20 Banken für Frankfurt entscheiden werden.

Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität.

Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Frankfurt wird Ziel internationaler Bewerber – Personalberater sehen deutlichen Anstieg des Interesses

Der Brexit nimmt Fahrt auf. Zeitgleich mit den ersten offiziellen Ankündigungen von Finanzinstituten, Geschäftseinheiten von der Themse an den Main zu verlegen, kommt Bewegung in den Arbeitsmarkt. „Wir erleben gerade einen nie gesehenen Ansturm von Initiativbewerbungen aus London für Frankfurt“, sagt Christopher Schmitz, Partner, EMEIA Financial Services von EY. „Das gilt sowohl für Bewerbungen von Consultants aus dem eigenen Haus aber, auch von außen und verstärkt von Personen mit indischen Wurzeln. Das Interesse an Frankfurt ist groß.“

Ähnliches beobachtet Dr. Rolf E. Stokburger, Managing Partner Germany der international tätigen Personalberatung Boyden mit Spezialisierung auf Führungskräfte: „Unter den vermehrt proaktiven Bewerbern sind es gerade Senior Banker, die die Erfolgsgeschichte in Frankfurt von Anfang mitgestalten und dazu die Chancen des frühen Einstiegs nutzen wollen.“

Thomas Deininger, Geschäftsführer von Deininger Consulting, der ebenfalls global tätigen Beratungsgesellschaft mit Hauptsitz in Frankfurt und Büros u.a. in London, Dehli, Mumbai und Pune sagt: „In London agieren die Banken zunehmend zögerlich. Unsere Aufträge dort gehen dramatisch zurück. Die Rekrutierungen dort sind um 30 bis 50 Prozent rückläufig. Umgekehrt verzeichnen wir in Frankfurt verstärktes Interesse. Die Zahl der uns unaufgefordert zugesandten Lebensläufe hat um bestimmt ein Fünftel zugelegt. Viele Akteure in der Finanzbranche gehen derzeit mit uns in Sondierungsgespräche.

„Wir erleben gerade die Frühphase einer sich entwickelnden, einschneidenden Verschiebung am Arbeitsmarkt in Frankfurt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „In den Banken werden jetzt Gespräche mit den Teams geführt, wie die Verlagerungen nach Frankfurt umgesetzt werden kann“, so Väth weiter. „Diese muss man abwarten und die dort getroffenen Entscheidungen von langer Hand vorbereiten. Davon sind nicht nur die Arbeitnehmer selbst betroffen, sondern auch deren Familien.“

Bemerkenswert, aber keine Überraschung ist das große Interesse an Frankfurt aus Indien. Nach Zahlen der Stadt Frankfurt lebt die mit weitem Abstand größte indische Community innerhalb Deutschlands in der Rhein-Main-Region, die Orbis Datenbank verzeichnet 2017 mehr als 130 indische Unternehmen in der Region. Sie ist damit das bevorzugte Investitionsziel Indiens im Schengen-Raum. Und nicht zuletzt haben mehr als 40 indische IT-Unternehmen, neun davon aus den Top 20 der indischen IT-Companies, hier ihren Sitz. „In unseren Büros in Delhi, Mumbai und Pune steigt das Interesse an einem Arbeitsplatz in Frankfurt“, sagt Thomas Deininger. „Der Global Innovation Index 2016 sieht Frankfurt als führendes deutsches Innovationscluster auf Platz 12 weltweit, es führt deutlich vor London (21) und Berlin (30). Für innovative Unternehmen ist der Standort Frankfurt daher besonders attraktiv“, ergänzt Hubertus Väth.

Mizuho bestätigt als vierte japanische Bank ihren Umzug nach Frankfurt

Die japanische Investmentbank Mizuho Securities Co. Ltd, eine Hauptgruppe der Mizuho Financial Group, Inc. bewirbt sich für eine Lizenz, um seine Präsenz am Finanzplatz Frankfurt auszubauen. Neben Daiwa, Nomura, and Sumitomo Mitsui Financial Group hat nun die vierte japanische Großbank entschieden, ihren Standort in Frankfurt am Main auszubauen.

„Frankfurt e yokoso, herzlich willkommen in Frankfurt Mizuho! Die Wahl Mizuhos sehen wir als großen Vertrauensbeweis für den Finanzplatz“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „Die Vorteile des Standorts überzeugen als Gesamtpaket. Jetzt haben vier der fünf führenden japanischen Banken und Kapitalgesellschaften nach umfangreicher und sorgfältiger Prüfung Frankfurt als ihren europäischen Standort gewählt. Wir freuen uns, die Banken in der Ansiedlung ihrer Geschäftseinheiten unterstützen zu können.“

„Die Entscheidungen der Banken für die Verlagerung von Geschäftseinheiten von der Themse an den Main in den vergangenen Tagen stärken Frankfurt als wichtiges Finanzzentrum in Europa und weltweit“, erklärt Väth weiter. Frankfurt Main Finance erwartet, dass mindestens 12 Banken ihren Umzug nach Frankfurt in diesem Jahr verkünden werden. „Wir sind einen Schritt näher an unserem Ziel, dass sich in diesem Jahr bis zu 20 Banken für den Finanzplatz Frankfurt entscheiden. Die vergangenen Wochen sollten alle Zweifel gegenüber Frankfurts Attraktivität für global agierende Investmentbanken zerstört haben“, sagt Väth.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität. Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Zur Pressemitteilung der Mizuho Financial Group.

 

 

Do you have any questions?

Im Zuge des Brexit werden einige Banken ihren Standort verlagern. Da kommen viele Fragen auf – politische und auch ganz praktische.

Die Suche nach der Standortalternative zu London treibt derzeit die global agierenden Banken um. Einige haben sich schon für Frankfurt entschieden und siedeln derzeit um. Andere wägen die Vor- und Nachteile der Alternativen in der Europäischen Union (EU) noch ab. Frankfurt hat in diesen Vergleichen einige Pluspunkte.

Als internationales Finanzzentrum hat Frankfurt vieles zu bieten. Allein schon der Sitz der europäischen Zentralbank verleiht dem Standort eine Sonderstellung. Aber es gibt noch mehr handfeste Argumente. Deshalb wird – nicht erst seit der finalen Brexit-Entscheidung – von Stadt und Land, von Politikern und Interessensvertretungen mit größtem Engagement daran gearbeitet, die Entscheider in den Banken mit fundierten Informationen zu versorgen.

Knackpunkt Arbeitsrecht

Einer der Knackpunkte, der in Gesprächen immer wieder aufkommt, ist der Kündigungsschutz im deutschen Arbeitsrecht. Dieser fordert, dass Alternativbeschäftigungen ausgelotet werden müssen. Verliert ein Händler Geld für seinen Arbeitgeber, will der ihn nicht anderweitig beschäftigen müssen. Denn in den Handelsräumen läuft das Spiel anders. Dort finden die Händler zwar weniger Sicherheit, werden dafür aber weit besser bezahlt. Rund 80 Prozent der Einkommensmillionäre aus den Banken der EU sitzen in London. Die meisten davon sind im Handel beschäftigt. Dieser Deal geht für beide auf: Will ein Arbeitgeber sich von einem Mitarbeiter trennen, bekommt der eine einfach zu bestimmende Abfindung.

Wie wichtig dieser Aspekt ist, weiß auch die Politik. Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer hat sich dem Thema schon länger verschrieben: „An unserer Zielsetzung, den Kündigungsschutz bei Mitarbeitern von Kredit- und Finanzdienstleistungsunternehmen mit sehr hohem Einkommen zu lockern, hat sich nichts geändert“, betonte er dieser Tage erneut. Er weiß sich mit der Mehrzahl der Menschen einig, dass ein Händler mit hohem Gehalt weniger schutzbedürftig ist, als der normale Bankangestellte. Und damit trifft er bei den Standortentscheidern in den Großbanken auch ins Schwarze.

Pauschal am Einkommen könne eine Lösung aber nicht festgemacht werden, ist sich der Finanzminister sicher: „Es hat sich gezeigt, dass eine passgenau auf die Kredit- und Finanzierungsunternehmen zugeschnittene Lösung im Arbeitsrecht deutlich größere Unterstützung findet.“ Gemeint ist damit, einen eng definierten Personenkreis der Risikoträger vom rigiden Kündigungsschutz auszunehmen – und damit einem der Hauptkritikpunkte am Standort die Grundlage zu entziehen. Die hessische Landesregierung hält diese gesetzliche Änderung für realisierbar und rechnet nach der Bundestagswahl – im Herbst 2018 – mit einer Vorlage.

Dr. Thomas Schäfer, Finanzminister Hessen: „Wir wollen den Kündigungsschutz für den Personenkreis der Risikoträger in Kredit- und Finanzdienstleistungsunternehmen lockern.“

Go Frankfurt Tax

Fragen gibt es auf der Insel aber auch zum erklärungsbedürftigen deutschen Steuerrecht. Eine große Hürde ist dabei nicht nur die Auslegung des Gesetzes, sondern auch die deutsche Sprache. Um all jenen zu helfen, die als Brexit-Zuzügler nach Frankfurt kommen wollen, hat das hessische Finanzministerium deshalb eine englischsprachige Homepage und Hotline eingerichtet. Es ist ein Angebot für die ganz praktischen Fragen, die aufkommen, wenn Mitarbeiter und ihre Familien in ein anderes Land, eine neue Stadt mit einer fremden Sprache ziehen. Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland hat den Service Mitte Juni freigeschaltet: „Rufen Sie uns an, schreiben Sie eine Mail oder besuchen Sie uns online. Wir helfen gerne auf Englisch weiter.“

Dr. Bernadette Weyland, Hessens Finanzstaatssekretärin: „Bürgerservice hat bei uns eine lange Tradition. Diesen Service bieten wir nun auch auf Englisch an.“

Frankfurt findet Gehör

Von der großen politischen Entscheidung bis zur kleinen Hilfe in alltäglichen Fragen – es ist derzeit vieles in Bewegung, um Frankfurt zu einem attraktiven und auch sympathischen Standort für Mitarbeiter der Banken aus aller Welt zu machen. Das Richtige tun ist in einem solchen Standortwettbewerb die unabdingbare Voraussetzung. Darüber zu reden, die unverzichtbare Kür. Das ist auch das Motto von Hubertus Väth, der als Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance seit dem Brexit-Entscheid über 600 Gespräche mit Journalisten aus aller Welt geführt hat: „Wir haben erreicht, dass die Welt über Frankfurt spricht. Wir sind in der Poleposition für die Ansiedlung von Europazentralen von großen Banken nach dem Brexit und können schon zahlreiche Erfolge verbuchen.“ Deshalb trifft er sich nicht nur mit den Vertretern großer, renommierter Medien, sondern beispielsweise auch mit der japanischen Yomiuri Shimbun, mit dem neuseeländischen Sender Newstalk ZB und auch mit der russischen Online-Plattform Vestnik Kavkaza. So gelingt es, die Botschaften von Frankfurt Main Finance in die entlegensten Ecken der Welt zu transportieren. Dass er damit Gehör findet, zeigt die große Medienresonanz: Seit dem Brexit-Entscheid wurde von über 200 Medien aus 31 Ländern in 525 Artikeln berichtet, was einer Reichweite von über 2,6 Mrd. Lesern entspricht.

Hubertus Väth, Geschäftsführer Frankfurt Main Finance: „Wir sind in der Poleposition für die Ansiedlung von Europazentralen von großen Banken nach dem Brexit.“

Bildnachweise: bilder-bibliothek.blogspot.de / Skyline – Frankfurt am Main, HMdF / Sabrina Feige