DVFA Stellungnahme zum Zwischenbericht des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung

Die DVFA Kommission Governance & Stewardship begrüßt den Zwischenbericht des Sustainable Finance Beirats, der eine gute Ausgangsbasis bietet, „Sustainable Finance“ in Deutschland ambitioniert weiterzuentwickeln. Im Interesse der fiduziarischen Aufgaben von Vermögensverwaltern sollten für die Empfehlungen des Schlussberichts jedoch noch Anpassungen und Konkretisierungen Eingang in die Diskussion des Beirates finden.

Die Kommission nimmt Stellung zu den Themenpunkten:

  • Stewardship: Umsetzung treuhänderischer Verantwortung von Investoren
  • Erleichterung von „Collaborative Engagement“ in Deutschland durch gesetzliche Klarstellung der Abgrenzungen zu „Acting-in-Concert“
  • Schaffung einer Engagementplattform in Deutschland (Vorbild z.B. Eumedion  in den Niederlanden)

A) Stewardship: Umsetzung treuhänderischer Verantwortung von Investoren

Wir empfehlen eine explizite Verankerung von „Stewardship“ im Bericht des Beirates: Institutionelle Investoren und Asset Manager haben als Vermögenstreuhänder die Verantwortung, im besten Interesse ihrer Kunden auf die Unternehmen, in die sie investieren, zum Wohle aller Stakeholder einzuwirken. Mit der Verfolgung des von der EU propagierten Bekenntnisses zu Sustainable Finance tragen sie dazu bei, positive Effekte für Umwelt und Gesellschaft zu erzielen. Ein fundierter Investorendialog und aktiver Einsatz von Stimmrechten sind dabei wesentliche Mitwirkungselemente („Engagement“). Zudem zeigen empirische wissenschaftliche Untersuchungen, dass das Engagement von Investoren zu besseren ESG Verhältnissen der Unternehmen führt. International hat sich für dieses erweiterte Verständnis von treuhänderischer Verantwortung schon länger der Begriff „Stewardship“ etabliert.In vielen Ländern sind Stewardship Codes als Orientierungsrahmen für institutionelle Investoren und Asset Manager zum Standard geworden. In Deutschland konkretisiert die Ende 2019 durch das ARUG II in deutsches Recht umgesetzte zweite Aktionärsrechterichtlinie der EU (2. ARRL) diese Anforderungen an in Deutschland tätige Vermögenstreuhänder. Eine Umsetzung von „Sustainable Finance“ ist ohne eine aktive Rolle von Eigentümern undenkbar.

Ziel sollte die Entwicklung eines anspruchsvollen Stewardship-Standards für alle professionellen Finanzmarktakteure sein. Dieser Standard sollte auch nachhaltige Elemente beinhalten. Die Integration von Nachhaltigkeit in die Stewardship-Aufgaben verstärkt die Lenkungsfunktion von Investoren für die vom Beirat angestrebte Transformation der Wirtschaft. Dies erfordert die verantwortungsvolle Allokation und aktive Betreuung ihrer Investments durch Berücksichtigung der relevanten ESG-Faktoren zur nachhaltigen, langfristigen Wertschöpfung für die Kunden. Wie in den beigefügten DVFA Stewardship-Leitlinien festgehalten, beinhaltet dies den aktiven Dialog mit den Portfoliogesellschaften, die zielgerichtete Ausübung von Aktionärsrechten sowie den gesetzlich möglichen Austausch mit anderen Asset Managern.

B) Erleichterung von „Collaborative Engagement“ in Deutschland durchgesetzliche Klarstellung der Abgrenzungen zu „Acting-in-Concert“

Das auf europäischer Ebene zuletzt in der 2. ARRL verstärkt geforderte Engagement wird in anderen Rechtskreisen und von dort beheimateten institutionellen Investoren auch in der Form des „Collaborative Engagements“ gefordert. Im Gegensatz zu anderen Ländern, insbesondere anderen Mitgliedstaaten der EU, besteht in Deutschland keine klare Abgrenzung zwischen „Collaborative oder Collective Engagement“ und „abgestimmtem Verhalten“ („Acting-in-Concert“). Die mangelnde Rechtssicherheit für die Zusammenarbeit von Vermögensverwaltern bei generellen, aber unternehmensspezifischen Anliegen behindert sinnvolles Collaborative Engagement massiv. Doch gerade für die nötige Transformation der Wirtschaft kann Engagement eine beschleunigende Rolle spielen.

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) hat 2019 eine aktualisierte White List publiziert, um Möglichkeiten der Kooperation unter Aktionären zu konkretisieren, die nicht zu einer Zusammenrechnung der Stimmrechte führen sollen. Dadurch soll erreicht werden, dass Investoren nicht aus Sorge vor einer Stimmrechtszurechnung durch „Acting-in-Concert“ ein ungewolltes Pflichtangebot auslösen und dann von einem aktiven Engagement in börsennotierten Gesellschaften absehen. Da die White List der ESMA nur als exemplarisch anzusehen ist und im deutschen Rechtsrahmen auch die Entscheidung des BGH vom 25.9.2018 keine vollumfängliche Rechtssicherheit bietet, ist hier erheblicher Entwicklungsbedarf gegeben. Auch die Änderung der Verwaltungspraxis der BaFin bietet hier keine ausreichende Klarheit.

C) Schaffung einer Engagementplattform in Deutschland (Vorbild z.B. Eumedionin den Niederlanden)

Die Schaffung einer Engagementplattform bringt eine wesentliche Erleichterung für das Engagement, auch für kleinere institutionelle Anleger und Asset Manager, die bisher kostenbedingt kein aktives Engagement betreiben. Damit können sie ihre Aktivitäten bündeln, mehr Engagements eingehen und sich inhaltlich umfassender aufstellen. Eine solche Plattform bietet Skaleneffekte, beseitigt Informationsasymmetrien und fördert die Verbreiterung von Engagementaktivitäten in Deutschland. Stärkeres Engagement bedeutet auch bessere Transformation durch den so zukunftsrelevanten Sustainable-Finance-Gedanken.


Links:

Stellungnahme als PDF-Datei herunterladen: https://www.dvfa.de/fileadmin/downloads/Verband/Kommissionen/Governance_Stewardship/DVFA-Stellungnahme-SFB-Zwischenbericht.pdf

DVFA Kommission Governance & Stewardship: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/governance-stewardship.html oder https://www.dvfa.de/der-berufsverband/aktuelles.html

 

DVFA veröffentlicht Tool zur ganzheitlichen Beurteilung verantwortungsvoller Geldanlagen (PRISC)

Die DVFA Kommission Sustainable Investing legt den nächsten wichtigen Baustein für nachhaltige Geldanlagen vor. Mit dem DVFA PRISC – Policy for Responsible Investment Scoring – will die Kommission die Entwicklung und Beurteilung verschiedener Ausprägungen verantwortungsvoller Investments vereinfachen. Der DVFA hat zu diesem Zweck ein Instrument zur ganzheitlichen Entwicklung und Messung von verantwortungsvoller Geldanlagepolitik von Investoren und Investmentportfolios entwickelt.

Das Instrument umfasst acht Beurteilungsdimensionen mit je drei Ausprägungen und ermöglicht deren Aggregation zu einem umfassenden Urteil. Zu den Dimensionen gehören Ausschlüsse aus Portfolios, der Anteil „guter“ sogenannter Impact-Investments, die Härte und Analysefrequenz von Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsbeurteilungen (ESG) und ob und in welchem Umfang Stimmrechte ausgeübt werden bzw. aktives Engagement für Verbesserungen von Unternehmen erfolgt.

Nutzer des Tools können die Gewichtungen ändern, Kategorien hinzufügen und weitere Änderungen vornehmen. Das bedeutet auch, dass Portfolios, je nach Ausgestaltung des Tools und der genutzten Daten, sehr unterschiedlich bewertet werden können.


Links:

Hier geht es zum DVFA PRISC Tool: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/prisc-webanwendung.html

Informationen zur DVFA Kommission Sustainable Investing: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/sustainable-investing.html

Helaba-Finanzplatzfokus: Frankfurt auf nachhaltigem Weg

Nachhaltige Finanzierung ist unerlässlich beim Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Weltwirtschaftssystem und wird damit zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor für Finanzplätze. Wo Deutschland mit Frankfurt als Finanzhauptstadt beim Trend Nachhaltigkeit steht, hat Helaba Volkswirtschaft/Research nun in einer Studie untersucht. Als zentrale Faktoren werden die Marktdynamik bei Green Bonds sowie das Engagement des Finanzplatzes herangezogen. Die Ergebnisse der Analyse werden im Folgenden zusammengefasst.

Makrotrend „Green Bonds“

Für Ulrike Bischoff, Autorin der Studie steht fest: „Nachhaltige Finanzprodukte gewinnen immer mehr an Bedeutung, wobei Green Bonds eine zentrale Rolle spielen.“ Die Zahlen bestätigen den Aufwärtstrend der sogenannten grünen Anleihen, die zur Finanzierung umweltfreundlicher Projekte dienen. 2019 stieg das jährliche Neuemissionsvolumen von Green Bonds um mehr als 50 Prozent auf fast 258 Milliarden US-Dollar an. Davon entfielen ca. 19 Milliarden US-Dollar auf den deutschen Markt. Der hiesige Finanzplatz belegt damit im internationalen Vergleich den vierten Platz im Emissionsländer-Rating. Innerhalb Europas hat lediglich Frankreich bei der Ausgabe neuer Green Bonds die Nase vorn. Großbritannien hingegen liegt mit Neuemissionen in Höhe von 2 Milliarden weit zurück.

Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren global immer mehr Green Bonds ausgegeben werden. In Deutschland wird dieser Trend unterstützt durch die hohe Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeit und den daraus resultierenden Druck auf die Emittenten. „Für weiteres Emissionspotential hierzulande spricht zudem die gute Wettbewerbs- und Innovationsposition vieler deutscher Unternehmen hinsichtlich nachhaltiger Produkte und Prozesse“, schreibt Bischoff.

Nachhaltigkeit – neuer Wettbewerbsfaktor für Finanzstandorte

Finanzplätze sind durch die Konzentration verschiedener Finanzakteure gekennzeichnet. Solche Standorte können mittels politischem und regulatorischem Engagement geeignete Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Ausrichtung der Finanzbranche schaffen. Inwiefern das den Standorten gelingt, entscheidet über ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Finanzplatzgefüge. Finanzzentren wie Paris oder London haben schon früh spezielle Initiativgruppen ins Leben gerufen und gingen gemeinsam mit Luxemburg und den Niederlanden beim Thema Nachhaltigkeit voran. Inzwischen zeichnet sich auch Deutschland mit Frankfurt als Finanzhauptstadt durch vielfältiges Engagement aus. Das Ziel der Bundesregierung lautet: Deutschland zum führenden Standort für Sustainable Finance etablieren.

Zentral für dieses Vorhaben ist die geplante erstmalige Emission einer grünen Bundesanleihe in der zweiten Jahreshälfte 2020. Auch die Bildung verschiedener Initiativen und Netzwerke tragen dem Ziel Rechnung.

Seit Mitte 2019 unterstützen mehr als 40 Experten im Sustainable Finance-Beirat (SFB) offiziell die Bundesregierung bei der Erarbeitung und Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Bereits im Jahr zuvor wurde in Frankfurt das Green and Sustainability Finance Cluster Germany (GSECG), eine Plattform zur Bündelung nachhaltigkeitsbezogener Finanzexpertise, geschaffen. Die jährliche Ausrichtung der hochrangigen Veranstaltung Sustainable Finance-Gipfel ist nur eine Tätigkeit des Clusters. Austausch zu dem Thema findet zudem auf den jährlichen Veranstaltungen Green Finance Forum und der Fair Finance Week statt. Deutschland bringt sich auch in internationalen Bündnissen wie dem Financial Centres for Sustainability (FC4S) ein. Mit gutem Grund. „Schließlich sind global gemeinsame Aktivitäten unerlässlich zur Erreichung der Klimaziele“, erklärt Bischoff in der Studie.

Um die Position Deutschlands im europäischen Finanzplatz-Wettbewerbs noch weiter zu stärken, rät Bischoff mit vereinten Kräften am Thema Nachhaltigkeit kontinuierlich dran zu bleiben. Wird die bereits gut funktionierende Zusammenarbeit von Aufsichtsbehörden, Hochschulen und den zahlreichen Initiativen betrachtet, kann das Vorhaben, Deutschland zum führenden Finanzstandort zu machen, durchaus gelingen.

Nachhaltigkeitsratings sind besser standardisiert, als man denkt (DVFA Gastbeitrag in der Börsen-Zeitung)

Autoren: Henrik Pontzen und Gunnar Friede, beide Leiter der DVFA Kommission Sustainable Investing

 

Stellen Sie sich vor, ein Analyst empfiehlt ein Wertpapier als Kauf, ein anderer rät zum Verkauf. Skandal? Nein? Ist es denn nicht durchaus normal, dass zwei gleichermaßen gut ausgebildete und anerkannte Experten nach eingehender Fundamentalanalyse bei ein und demselben Unternehmen zu entgegengesetzten Ergebnissen kommen können? Wie kann es dann aber sein, dass immer wieder öffentlichkeitswirksam reklamiert wird, Ratings zu ESG (Environment, Social und Governance) taugten nichts, weil auch sie beim ein oder anderen Einzelwert zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen?

Die Forderung, Ratingagenturen müssten bei der Bewertung der ESG-Konformität zu einem übereinstimmenden Urteil kommen, entspringt falschen Erwartungen. Das Nachhaltigkeitsrating eines Unternehmens ist hinsichtlich der Komplexität kaum seriös mit einem Kreditrating zu vergleichen. Letztere messen lediglich eine Facette: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kupon und die Rückzahlung einer Anleihe ausfallen?

Sowohl der Beobachtungshorizont als auch die Anzahl zu berücksichtigender Kriterien sind bei der ESG-Bewertung ungleich größer, und es bedarf nicht allein quantitativer, sondern auch qualitativer Gewichtung. Insofern ist per se mit einer höheren Spreizung der Ergebnisse zu rechnen.

Die Varianz hat ihre Ursache aber nicht allein in der Vielschichtigkeit ihres Gegenstandes. Sie liegt auch in der Natur der Sache. So kann beispielsweise die Antwort auf die Frage, ob Elektromobilität nachhaltig ist, je nach Bewertung durch die Ratingagentur unterschiedlich ausfallen. Einerseits ist E-Mobilität mit dem Ziel der Klimaneutralität kompatibel, andererseits werden bei der Herstellung von Batterien Seltene Erden verwendet, deren Abbau unter Sozial- und Umweltgesichtspunkten mitunter fragwürdig ist.

Die Antwort auf die Frage, ob etwa ein Autobauer ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen ist, kann daher mit guten Gründen durchaus unterschiedlich ausfallen. Welche Geschäftsaktivitäten nachhaltig sind und welche nicht, entscheidet sich final erst in der Zukunft. Die voneinander abweichenden Ratingergebnisse spiegeln diese Offenheit der Entscheidung und geben Raum für unterschiedliche Einschätzungen.

Unterschiedliche Ergebnisse sind daher kein Argument gegen Nachhaltigkeitsratings oder gegen das Ziel, nachhaltig zu investieren. Auch die Fundamentalanalyse der Aktie eines Unternehmens liefert nicht immer eindeutige Ergebnisse im Hinblick auf ihre tatsächliche Wertentwicklung. Die Tatsache, dass verschiedene Analysten, in redlichem Bemühen und bester Absicht, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen – der eine zum Kauf, ein anderer zum Verkauf desselben Wertpapiers rät -, wird gemeinhin auch nicht als hinreichender Grund gesehen, auf Fundamentalanalysen zu verzichten. Ähnlich entspannt, aber mit dem steten Willen, besser zu analysieren, sollte mit der ESG-Bewertung umgegangen werden.

Darüber hinaus muss die Behauptung, Nachhaltigkeitsratings seien sich nicht ansatzweise einig, wie das Nachhaltigkeitsrisiko eines Unternehmens zu messen sei, mit einem deutlichen Fragezeichen versehen werden. Denn so berechtigt das Argument für eine geringe Korrelation bei einzelnen Titeln sein mag, stimmt es für den Durchschnitt der Unternehmen und ESG-Ratingfirmen nicht. Das zeigt neben anderen Untersuchungen auch die in letzter Zeit häufiger bemühte Studie vom MIT Sloan, der Wirtschaftshochschule des Massachusetts Institute of Technology. Die Autoren Florian Berg, Julian Koelbel und Roberto Rigobon haben die ESG-Bewertungen der führenden Ratinganbieter Asset4, RobecoSam, Sustainalytics und Vigeo Eiris für ein Universum von mehr als 800 der größten Unternehmen weltweit untersucht und eine durchschnittliche paarweise Korrelation von 0,7 nachgewiesen.

E- und S-Ratings konsistent

Die Konsistenz der Ratings ist vor allem im E-Bereich und größtenteils im S-Bereich hoch. Größere Abweichungen gibt es hingegen im G-Bereich und wenn man die Ratings von KLD/MSCI hinzunimmt. Zum Vergleich: Die führenden Bond-Ratings weisen für das Universum des MSCI AC World zwischen Moody’s, S&P und Fitch eine paarweise Korrelation von etwa 0,9 auf. Mit anderen Worten: Die Streuung der Korrelation zwischen den Anbietern von ESG-Ratings ist im Durchschnitt recht akzeptabel, was umso erstaunlicher ist, da die Provider unterschiedliche Ratingphilosophien und bei ihren Messungen zwischen 38 und 238 Indikatoren berücksichtigen, also allein quantitativ in ihrer Methodik stark voneinander abweichen. Es stimmt zwar, dass die großen Anbieter von Bond-Ratings in ihren Bewertungen höhere Übereinstimmungen erzielen. Die Korrelation bei den ESG-Ratings aber ist gemessen an ihrer Komplexität erstaunlich hoch.

Die Bewertung von Unternehmen nach ESG-Kriterien ist schon heute besser standardisiert als ihr Ruf. Die informierte, kritische Nutzung mehrerer ESG-Ratings und die qualitative, abschließende Gesamtbewertung durch den Analysten bleiben jedoch beim nachhaltigen Investieren unverzichtbar und stellen die Stärke des Assetmanagers heraus. Unklarheiten und teilweise geringe Datengüte stellen das Konzept nachhaltigen Investierens nicht grundsätzlich in Frage. Die DVFA Kommission Sustainable Investing versteht diese Befunde vielmehr als Auftrag an die Investoren, Vielfalt bei Ratingagenturen zu unterstützen und gleichzeitig bessere Messmethoden und im Dialog mit den Unternehmen ausreichend belastbare und aktuelle Daten einzufordern.


Links:

Informationen zur DVFA Kommission Sustainable Investing: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/sustainable-investing.html

DVFA Studie zu Sustainable Development Goals: Anbieter, Methoden, Daten und Output im Überblick

Die Ausrichtung an den „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Vereinten Nationen ist nicht so einfach, wie es den Anschein hat, und erfolgt bis heute sehr uneinheitlich. Eine aktuelle Studie der DVFA Kommission Sustainable Investing zur SDG-Auswirkungsmessung bietet einen Marktüberblick über die derzeit verfügbaren Messungen, Analysetools sowie Anbieter und hält einige Einschätzungen und Empfehlungen bereit. Weiterlesen

Am Beginn eines Kulturwandels

Die Regulierung, der Wandel vom Shareholder Value zum Stakeholder Value und die wirksame Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in Produktlösungen standen im Mittelpunkt bei der 12. Jahreskonferenz Nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School.

Nachhaltige Geldanlage ist kein Modethema mehr

Auf der 12. Jahreskonferenz nachhaltige Geldanlage der Frankfurt School of Finance and Management diskutierten am 18. September wieder hochrangige Vertreter aus Politik und (Finanz)Wirtschaft über die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Geldanlage. Dass das Thema heute längst kein Modethema mehr sei, zeige nicht zuletzt die von Jahr zu Jahr zunehmende Teilnehmerzahl, die 2019 erneut einen Höhepunkt erreicht hat, so Prof. Dr. Nils Stieglitz, Präsident und Geschäftsführer der Frankfurt School in seiner Begrüßungsrede. Und in der Tat war das Audimax der Hochschule bis auf den letzten Platz besetzt. Dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, beweise zudem nicht nur die „Fridays for Future“-Bewegung sondern auch der zunehmende Bewusstseinswandel in führenden Unternehmen, weg vom reinen Shareholder-Value hin zum Stakeholder-Value – dies sollte im weiteren Verlauf immer wieder zu einem zentralen Thema der Konferenz werden. Die zwölfte Auflage der Veranstaltung in diesem Jahr weise zudem die Hochschule als Pionier im Bereich „Sustainable Finance“ aus, so Claudia Tober, Geschäftsführerin des Kooperationspartners Forum Nachhaltige Geldanlage e.V., in ihrer Begrüßung und zeige darüber hinaus, dass die Investoren (institutionelle wie private) neben der Regulierung ein zentraler Treiber beim Thema seien.

Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft

Mit seiner Keynote zum Thema „Leitbild für eine nachhaltige Finanzwirtschaft“ eröffnete Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, die Diskussion zum zweiten großen Themenfeld, der Rolle der Politik für eine nachhaltige Finanzwirtschaft. Dem Finanzmarkt komme bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Wirtschaft eine zentrale Rolle zu, da dieser aufgrund seiner Geschwindigkeit und Transparenz hierfür geradezu prädestiniert sei. Aufgabe der Politik sei dabei, die Leitplanken zu setzen. Allerdings herrsche unter den Bundesländern bislang noch keine klare Einigkeit wo im Spannungsfeld zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft die Rolle des Staates angesiedelt sei. Klar sei aber, dass es um einen Wandel in der Wirtschaft vom kurzfristigen auf den langfristigen Blickwinkel und damit das Einleiten eines Kulturwandels gehen müsse.

Bedeutung für den Kapitalmarkt

Die zweite Keynote des Tages von Dr. Frank Czichowski, Senior Vice President der KfW Bankengruppe, thematisierte dann den dritten zentralen Aspekt der Diskussion: die konkrete Umsetzung von Sustainable Finance in Produktlösungen. Er skizzierte die jüngste Entwicklung von Green Bonds und wies darauf hin, dass trotz der deutlichen Zuwächse in den vergangenen Jahren das Marktvolumen derzeit immernoch nur 0,5% des Gesamtmarktes ausmache. Lücken, die es zeitnah zu schließen gelte, seien der Mangel sowohl an Kriterien als auch eines klar definierten Ziels für Green Bonds. Auch in diesem Vortrag stellte der Wandel weg von Milton Friedmans Diktum der reinen „Gewinnmaximierung“ einen der zentralen Aspekte dar.

Umsetzung von Nachhaltigkeit

Auf den notwendigen Kulturwandel wurde folgerichtig in den anschließenden Vorträgen zu „Impact Investing und wirkungsorientierten Investitionen“ immer wieder Schlaglichter aus unterschiedlichen Blickwinkeln geworfen: Nachdem zunächst Dr. Lars Röh, Partner der Anwaltskanzlei lindenpartners, einen Blick auf den regulatorischen Rahmen und die Herausforderungen für Produktentwicklung und Intermediäre geworfen hatte, stellte Jan-Menko Grummer, Partner bei EY, die Bedeutung der neuen Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft im Rahmen der Unternehmehnsberatung ins Zentrum seines Vortrags. Es gehe künftig um eine Steigerung des Long Term Value der Unternehmen. Beachtenswert hierbei: Die Gründung der „Value Balancing Alliance“ im Mai 2019, der sich alle vier großen internationalen Unternehmensberatungen (neben EY auch Deloitte, KPMG und PwC) angeschlossen haben. Auf Unternehmensseite finden sich von deutscher Seite unter anderem BASF, die Deutsche Bank und Bosch bei den Mitgliedern. Die Mission der Allianz ist die Integration eines auf Langfristigkeit ausgerichteten Modells der Wirkungsbewertung auf Basis einer integrierten Gewinn- und Verlustmethodik. Wie die Integration einer Systematik der Wirkungsmessung in der Praxis aussehen kann stellte im Anschluss Daniel Peter, Responsible Investment Analyst bei NN Investment Partners, dar.

Engagement, Erwartungen und Lösungen

Unter dem Oberthema „Engagement und wirkungsorientierte Investitionen“ zeigte anschließend Dr. Vanda Heinen, ESG Analystin und Spezialistin für Corporate Governance bei Union Investment, die Einflussmöglichkeiten eines aktiven Investors im Rahmen des Unternehmensdialogs und der Investmentpolitik auf, bevor Dr. Fabian Lander, Head of Corporate Finance and Sustainability der VW Immobilien AG, mit einer Darstellung der Erfahrungen und Erwartungen eines Emittenten von Greenbonds den Vormittag abschloss.

Der Nachmittag stand schließlich ganz im Zeichen von Produktlösungen: Im Rahmen von zwei parallel verlaufenden Vortragsblöcken stellten Investmentspezialisten verschiedener Anbieter, unterschiedlichste Ansätze für nachhaltiges Investieren dar. Ein abschließender Vortrag im Audimax von Michael Schweikart, Co-Founder und Managing Director des Finanz-Start-Ups Tomorrow, zu neuen Ansätzen im Online-Banking unter Integration von Nachhaltigkeits-Aspekten rundete den Blick auf nachhaltige Finanzlösungen ab.

Weiter Bogen und zentrale Themen

Als finaler Höhepunkt gab Sven Giegold, Mitglied des Europa Parlaments und Finanzpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, via Skype einen detaillierten Blick unter die Motorhaube der Regulierungsvorhaben der Europäischen Union. Damit endete in Frankfurt ein Tag tiefgreifender Einblicke und spannender Diskussionen rund um die nachhaltige Geldanlage, der einen „weiten Bogen spannte und immer wieder Schlaglichter auf einige zentrale Themen geworfen hat“, wie Moderator Prof. Dr. Martin Faust vom Finance Department der Frankfurt School in seiner Verabschiedung treffend resümierte.

 

Von Dr. Andreas Jaensch

Sustainable Finance

Nachhaltigkeit im Finanzsektor muss zum Mainstream werden

Der Finanzplatz Deutschland und Europa forcieren einen Wandel zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaft.  Das Bundesfinanzministerium und das Bundesumweltministerium haben Anfang Juni in enger Kooperation mit dem Bundeswirtschaftsministerium und weiteren Ministerien den Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung ins Leben gerufen, um mit der Unterstützung von Akteuren aus der Finanz- und Realwirtschaft, der Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft seine Sustainable-Finance-Strategie zu entwickeln. Nachhaltigkeit biete Chancen, neue Wege der Wertschöpfung zu erschließen, Wirtschaft und Unternehmen modern und zukunftsgerichtet aufzustellen, die notwendige Transformation zu begleiten und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu stärken, so Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

Nachfolgenden finden Sie den ausführlichen Beitrag, der Börsen-Zeitungsausgabe vom 16. August 2019 veröffentlicht wurde und Frankfurt Main Finance zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung gestellt wurde:

Nachhaltigkeit im Finanzsektor muss zum Mainstream werden

Deutschland und Europa bereiten sich auf einen umfassenden Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaft vor. Dieser Prozess ist dringend notwendig, denn es geht dabei auch um die Zukunft unserer Wirtschaft und den gesellschaftlichen Wohlstand. Umwelt- und Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit sind kein Selbstzweck, sondern eine ökologische, ökonomische und soziale Notwendigkeit. In den nächsten Jahren werden in erheblichem Umfang nachhaltige Investitionen nötig sein – in physische Infrastruktur, Anlagen, Technologien, aber auch in die Neuorganisation von Prozessen und in neues Wissen. Investitionsbedarf besteht nicht nur in den Bereichen Klima, Energie oder Verkehr, sondern auch in Ressourceneffizienz, in Kreislaufwirtschaft, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft – und das in globalem Maßstab.

Gewaltiger Investitionsbedarf

Die EU-Kommission geht davon aus, dass allein zur Erreichung der EU-Klimaziele bis 2030 eine Investitionslücke von mindestens 180 Mrd. Euro jährlich innerhalb der EU gefüllt werden muss. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert das jährlich notwendige weltweite Investitionsvolumen sogar auf 6 000 Mrd. Dollar allein für Infrastruktur. Wenn wir bis 2050 die CO2 -Emissionen fast vollständig reduzieren wollen, müssen wir diese Investitionen schon heute im Blick haben. Die öffentlichen Haushalte werden diesen Wandel allein nicht stemmen können. Alle Sektoren werden für diese Transformation gebraucht. Die Umsetzung der Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele wird die Investitionstätigkeit in nahezu allen Sektoren anregen. Unser Ziel ist es, dass sich der Wandel insgesamt positiv auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auswirkt und sozialverträglich gestaltet wird.

Finanzsystem stark gefordert

Das Finanzsystem kann nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Gelingen dieses Strukturwandels leisten. Es liegt auch im Interesse der Finanzmarktakteure selbst, nachhaltige Investments zu berücksichtigen. Nachhaltigkeitsbezogene Risiken, insbesondere Klimarisiken, haben auch einen Einfluss auf Rendite und Sicherheit der Investitionen. Besonders der Wandel der Realwirtschaft birgt Risiken und Chancen für Finanzmarktakteure. Alle Akteure am Kapitalmarkt sollten diese verstehen und in ihrem Handeln berücksichtigen. Dies betrifft übrigens auch den Staat als Anleger am Kapitalmarkt.

Die Finanzindustrie kann somit die Chance ergreifen und zeigen, dass sie mit ihren Dienstleistungen die Realwirtschaft unterstützt und einen Beitrag leistet, indem sie auch Nachhaltigkeit in ihre Entscheidungsprozesse integriert. Daraus ergeben sich drei grundlegende Fragen, die die europäische und auch die nationale Agenda bestimmen: Wie erreichen wir, dass mehr in Nachhaltigkeit und Klimaschutz investiert wird, ohne zugleich Fehlanreize zu setzen? Wie bilden wir systemische und finanzielle Risiken sowie Chancen, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcennutzung, Umwelteinflüssen und sozialen Problemen ergeben, besser in Investitions- und Finanzierungsentscheidungen ab? Wie erhöhen wir Transparenz und das Langfristdenken bei finanz- und realwirtschaftlichen Entscheidungen? Kurzum: Wie wird die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in Entscheidungen der Finanzmarktakteure stärker zum Mainstream? Hier realistische und praktikable Antworten zu finden, ist auch eine Aufgabe des neu eingerichteten Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung.

Viele Finanzmarktakteure haben bereits erkannt, dass Sustainable Finance ein wichtiges Thema ist. Die Bundesregierung will aktiv dazu beitragen, dass sich dies fortsetzt und noch mehr Akteure die Bedeutung von Sustainable Finance erkennen. Das Bundesfinanzministerium und das Bundesumweltministerium haben deshalb Anfang Juni in enger Kooperation mit dem Bundeswirtschaftsministerium und weiteren Ministerien den Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung ins Leben gerufen. Akteure aus der Finanz- und Realwirtschaft, aus Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft sollen die Bundesregierung besonders darin unterstützen, eine Sustainable-Finance-Strategie zu entwickeln. Dabei werden europäische und internationale Initiativen ebenso berücksichtigt wie die laufenden Arbeiten in der Bundesregierung zur Anlagestrategie des Bundes. Ein erster Entwurf der Strategie soll bereits beim 3. Sustainable-Finance-Gipfel am 16. Oktober öffentlich vorgestellt und diskutiert werden.

Alle Akteure eint das gemeinsame Verständnis, dass nachhaltige Investitionen unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und bei Investitionen das klassische „Zieldreieck“ der Investitionsentscheidung – Risiko, Rendite und Liquidität – gültig bleibt, wenn Nachhaltigkeitsaspekte bei der Einschätzung der Risiken und Renditechancen berücksichtigt werden.

Transformation flankieren

Unsere gemeinsame Botschaft ist: Nachhaltigkeit bietet Chancen, neue Wege der Wertschöpfung zu erschließen, Wirtschaft und Unternehmen modern und zukunftsgerichtet aufzustellen, die notwendige Transformation zu begleiten und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu stärken.

Die deutsche Volkswirtschaft verfügt über erhebliche Potenziale, diesen Markt für sich weiter zu erschließen. Dies sollte uns motivieren, die Weichen weiter in Richtung Zukunft zu stellen und entsprechende Rahmenbedingungen z. B. durch eine gemeinsame europäische Taxonomie zu schaffen. Die Sustainable-Finance-Strategie für Deutschland wird hieran einen wichtigen Anteil haben. Wir sehen mit großer Erwartung und Zuversicht den Arbeiten im neuen Beirat entgegen.

Von Jochen Flasbarth und Dr. Jörg Kukies

Sustainable Finance bietet Chancen für den Finanzsektor und Wettbewerbsvorteile für Deutschland.

Paris Europlace International Financial Forum: New Frontiers in Finance

Expertenvorträge, Panel-Diskussionen und Networking: Auf dem International Financial Forum in Paris wurden Mitte Juli 2019 die Chancen und Herausforderungen der globalen Finanzindustrie – unter anderem die Themen Digitalisierung und Sustainable Finance – diskutiert und Markttrends von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen analysiert. In einem von Arnaud de Bresson, Chief Executive Officer von Paris Europlace und Chairman of the World Alliance of Interntational Financial Centers, moderierten Workshop, an dem neben Repräsentanten der internationalen Finanzplätze Toronto, Astana, Tokyo und Abu Dhabi auch FMF Geschäftsführer Hubertus Väth teilnahm, stand zudem die Zusammenarbeit internationaler Finanzzentren sowie das globale Wirtschaftswachstum im Mittelpunkt.

Digitalisierung der Finanzindustrie und Sustainable Finance

Vom 9. bis zum 10. Juli tagten Wirtschaftsexperten und -expertinnen, CFOs, CIOs, Senior Executives, Investierende sowie Vertreter und Vertreterinnen von Finanzdienstleistern, Regulatoren und Politik, begleitet von der Presse, nahe der berühmten Champs-Élysées in Paris. Im Fokus des diesjährigen International Financial Forums standen vor allem die Themen:

  • Sustainable Finance,
  • Europäische Perspektiven in einer sich global verändernden Welt
  • Digitale Finanztrends
  • Wachsende Kapitalmärkte

Zwei dieser Themen – Digitalisierung und Green Finance – sprach Francois Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, in seiner Rede am ersten Veranstaltungstag an: The theme of this Forum – ‘New Frontiers in Finance’ – prompts us to look towards new territories that we have to explore and conquer. Regarding finance, I will focus on two of them: digitalisation and green finance. (…) Digitalisation is shaking up the way we live and consume, opening up a world of possibilities for corporates and customers alike. Worldwide, it clearly represents both an opportunity and a challenge for banks, as well as for supervisors. (…) We are currently witnessing a growing awareness from central banks, supervisors and financial institutions about climate-related risks. Clearly, green finance and climate risks management have gone from the ‘nice to have’ to the ‘must have’, from emotion to reason.

International Financial Centers: Cooperation for Economic Growth

In einem von Arnaud de Bresson moderierten Workshop diskutierte FMF-Geschäftsführer Hubertus Vaeth neben Keiichi Aritomo, Executive Director von FinCity Tokyo, Kairat Kelimbetov, Gouverneur des Astana International Financial Centre, Jennifer Reynolds, President & CEO von Toronto Financial International, und Philippe Richard, Director of the Financial Services Regulatory Authority, Abu Dhabi Global Market, die Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzzentren und das globale Wirtschaftswachstum.

De Bresson betonte die Wichtigkeit neuer Finanztechnologien, der Globalisierung und Sustainable Finance-Themen für internationale Finanzplätze. Zudem gehöre die Information der Öffentlichkeit über die Relevanz der Finanzzentren zu den aktuellen Schwerpunkten der globalen Finance-Hubs. Kelimbetov schloss sich an und hob zudem hervor, dass sich internationale Finanzzentren nicht ausschließlich auf die Banken konzentrieren dürften – sie müssten vielmehr die Förderung der Gesamtwirtschaft im Blick haben. Philippe Richard informierte die Workshop-Teilnehmer über aktuelle Solarenergie – und Green City Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Abu Dhabi. Auch die Bedeutung von FinTechs für internationale Finanzzentren stand im Fokus der Diskussion: Hubertus Väth betonte die Rolle junger, innovativer und agiler Gründungsunternehmen, die den Brückenschlag von agiler Technik in die Finanzszene realisieren, als zentralen Wettbewerbsfaktor für alle Finanzinstitutionen.

Impressionen des International Financial Forums 2019 finden Sie auf der Homepage von Paris Europlace.

„Das bedeutet Strom für 16.000 Menschen“

In Mali haben nur 17 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom. Doch günstige Solarenergie und innovative Geschäftsmodelle legen momentan die Grundsteine für einen Anstieg dieser Prozentzahl. Africa GreenTec, ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hainburg (Hessen), baut und betreibt mobile, skalierbare Solarkraftwerke in Süd-Mali. Geplant sind 50 sogenannte Solartainer® mit denen der Zugang zu Energie für bis zu 250.000 Menschen durch CO2 freien Solarstrom verbessert wird. Die Erfahrungen aus den ersten installierten Anlagen in 14 Dörfern zeigen, dass sich das Leben der Menschen grundlegend verändert und neue Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Lars Hunsche, SDG INVESTMENTS GmbH

„Das Projekt Africa GreenTec ist ein hervorragendes Beispiel, wie ganz konkret Maßnahmen gegen den Klimawandel und zur Fluchtursachenbekämpfung an der Basis umgesetzt werden können. Eine in Deutschland emittierte Anleihe bietet professionellen Investoren zudem eine sehr gute Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten und dabei auch noch die Chance auf eine faire Rendite wahrzunehmen“, sagt Lars Hunsche von SDG INVESTMENTS®, die von Africa GreenTec mit der Platzierung einer Anleihe beauftragt wurden. Die hessische Kooperation zwischen SDG INVESTMENTS aus Frankfurt und dem Start-Up und Träger des Hessischen Staatspreises Energie Africa GreenTec ist ein hervorragendes Beispiel für die Innovationsfähigkeit des Sustainable Finance Standorts Frankfurt am Main.

Die im Dezember 2017 emittierte nicht nachrangige teilbesicherte Anleihe der Africa GreenTec Asset GmbH mit einem Zinskupon von 6,5 Prozent p.a., hat eine Laufzeit bis zum 1.Dezember 2027. Im Rahmen der Emission werden bis zu 10 Millionen Euro platziert. Da mit der Republik Mali bereits seit den 70er Jahren ein Investitionsschutzabkommen besteht, ist die Investition durch die Bundesrepublik Deutschland gegen politische Risiken abgesichert. Die Anleihe wird mit einer Stückelung von 1.000 Euro und einem Mindestordervolumen von 100.000 Euro an den Börsenplätzen Frankfurt und Düsseldorf gehandelt.

Kürzlich hat der KFM-Mittelstandsanleihenfonds, der auf die Analyse und die Auswahl von Investments in festverzinsliche Wertpapiere mittelständischer Unternehmen spezialisiert ist, eine Millionen Euro in die Anleihe der Africa GreenTec Asset GmbH investiert. Die Analysten von KFM kommen im renommierten KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer zu folgendem Urteil:

„Die Africa GreenTec Asset GmbH bietet als nachhaltiges Investment, das durch die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen u.a. zur Fluchtursachenbekämpfung und zum Klimaschutz beiträgt, und durch die ergänzende deutsche staatliche Förderung des im Zusammenhang mit der Aufstellung von Solartainern® erforderlichen Netzausbaus eine attraktive Renditechance. Aufgrund der Planzahlen bis 2026/2027 kann von einem stabilen langfristigen Geschäftsmodell ausgegangen werden. Die Anleihe wird in den kommenden Jahren sukzessive getilgt. In Verbindung mit der Rendite von 6,50 Prozent p.a. (auf Kursbasis von 100,00 Prozent am 2.Juli 2019) wird die 6,50Prozent-Africa GreenTec Asset GmbH-Anleihe als ‚durchschnittlich attraktiv (positiver Ausblick)‘ (3,5 von 5 möglichen Sternen) eingeschätzt.“ Die Komplette Analyse können Sie hier nachlesen.

Mit dem Investment des Deutschen Mittelstandsanleihenfonds wird die Erfolgsgeschichte von Africa GreenTec weitergeschrieben. Es können vier weitere Dörfer mit einem Solartainer® ausgestattet werden. Das bedeutet Strom für 16.000 Menschen.

 

Kontakt: info@sdg-investments.com 

 

Titelbild: © Africa Green Tech AG

Foto Lars Hunsche: © SDG INVESTMENTS GmbH

Titelbild Sustainable Finance Konferenz

Der EU Action Plan on Sustainable Finance: Notwendige Standardisierung oder Überregulierung?

Das Deutsche Aktieninstitut präsentierte Mitte Mai im Rahmen seiner Konferenzen mit hochkarätigen Referenten und Podiumsteilnehmern eine vielfältige Sicht auf den EU Sustainable Finance Action Plan und die damit verbundenen „Anforderungen und Chancen für Unternehmen und institutionelle Investoren“.

Die EU-Kommission will mit ihrem Aktionsplan Financing Sustainable Growth das nachhaltige Finanzwesen stärken und eine nachhaltige Unternehmensführung unterstützen. Zentrale Punkte der europäischen Gesetzgebungsinitiative sind dabei eine Nachhaltigkeits-Taxonomie, Standards für Grüne Anleihen und die Weiterentwicklung der Klimaberichterstattung von Unternehmen. Diese Aspekte standen auch im Mittelpunkt der Konferenz, die am 13. Mai unter Beteiligung hochrangiger Experten aus Industrie und Finanzwirtschaft, Wissenschaft und dem Bereich der NGOs sowie der Politik über Ziele, Wege, Chancen und Risiken diskutierten.

Auf dem Weg in eine Nachhaltige Finanzwelt

Bereits in der von Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, moderierten Einstiegsdiskussion von Thomas Kusterer, Finanzvorstand der ENBW, und Michael Schütze, Managing Director bei Allianz Global Investors wurde deutlich, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ sowohl in der Real- wie in der Finanzwirtschaft angekommen ist. So bestätigte Schütze, dass gerade institutionelle Investoren mehr und mehr für die Implementierung von ESG-Kriterien ein echtes Interesse zeigten. Und auch der Realwirtschaft sei bewusst, dass nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen die Beachtung von ESG-Kriterien beim unternehmerischen Handeln in den Fokus rücken müssen, so Kusterer. Von der neuen EU-Regulierung, allen voran der Taxonomie, erwarten sich beide Seiten vor allem mehr Transparenz und Klarheit. Risiken sieht man in der Gefahr einer Überregulierung.

Unterschiedliche Ambitionen bei EU und Bundespolitik

Mit viel Engagement und Leidenschaft für das Thema, berichtete im Anschluss Martin Spolc, Head of Unit Sustainable Finance der Europäischen Kommission, über den Stand des Action Plan, die Ziele sowie die nächsten Schritte. Er hob dabei drei zentrale Ziele hervor: 1. Die Lenkung von Kapitalströmen, 2. Nachhaltigkeit in den Mainstream des Risikomanagements zu befördern und 3. Die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in der Kapitalanlage. Bis Mitte Juni 2019 soll der finale Report der Technical Expert Group vorliegen und bis Ende des Jahres die Implementierung einer rechtlich verbindlichen Taxonomie starten. Alles Weitere liege dann in den Händen der neuen Kommission. Die Vertreterinnen der Bundespolitik äußersten sich dagegen in Bezug auf die geplante Taxonomie deutlich zurückhaltender. So betonte Dr. Eva Wimmer, Leiterin Finanzmarktregulierung im Bundesfinanzministerium unter der Fragestellung „Deutscher Aktionsplan zu Sustainable Finance?“, dass es v.a. auf Ausgewogenheit ankomme – simples Schwarz-Weiß denken sei nicht zielführend – und man sich Zeit lassen müsse, damit die Regelungen auch nachhaltig wirken könnten. Bettina Stark-Watzinger, MdB und Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags, betonte im folgenden Panel zur Frage nach der Klassifizierbarkeit nachhaltiger Wirtschaftstätigkeit, dass es sich um ein „sehr komplexes Thema“ handle und die Finanzmärkte hier nur dienende Funktion einnehmen könnten: „Die Umweltpolitik gehört ins Umweltministerium.“ Zudem favorisiere sie eine Konsolidierung der bereits vorhandenen Lösungen gegenüber einer neu auszuhandelnden Taxonomie auf europäischer Ebene.

Möglichkeiten der Klassifizierung, Offenlegung und Green Bonds

Einig war man sich auf dem Panel zur Taxonomie, dass von Karsten Löffler, Co-Head des Climate Finance Centre der Frankfurt School of Finance & Management geleitet und durch Stefan Haver, Head of Corporate Responsibility Evonik Industries, und Dr. Matthias Schmidt, Head of ESG beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland komplettiert wurde, dass es in erster Linie auf die Anwendbarkeit der Taxonomie ankomme. Hierzu müssten auch die vorhandenen Erfahrungen der Industrie miteinbezogen werden, hob Haver hervor. Ein möglicher Weg Nachhaltigkeit zu klassifizieren und messbar zu machen, wäre eine wie auch immer geartete CO2-Bepreisung, die dann über den Eingang in die GuV auch transparent gemacht würde, so der Vorschlag des Wirtschaftsprüfers.

Nach der Mittagspause diskutierten Nico Fettes, Head of Climetrics Ratings CDP Europe, Dr. Klaus Hufschlag, Senior Vice President Finance Business Intelligence & Analytics Deutsche Post DHL Group, und Dr. Thomas Schmotz, Technical Director des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee, über die Offenlegung klimabezogener Aspekte. Nico Fettes berichtete, dass Großanleger zunehmend bei ihrem Abstimmungsverhalten auf ESG-Aspekte achten und die Bedeutung dieser an den Kapitalmärkten wachse. Als Hemmnisse bei der Nutzung von ESG-Information gelten nach einer Umfrage des CFA-Institute mangelnde Quantifizierbarkeit, Vergleichbarkeit, Glaubwürdigkeit und Wesentlichkeit. Einigkeit herrschte darüber, dass die Empfehlungen der im Auftrag der G20-Finanzminister eingesetzten Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hier eine gute Orientierung bei der Reglung der Offenlegung geben könne und diese in die EU-Vorschläge integriert werden sollten.

Auch auf dem Panel zu den Markterwartungen an die Green Bond-Regelungen, das von Jochen Krimphoff, Deputy Director Green Finance beim WWF moderiert wurde („Wohl das erste Panel zu Sustainable Finance, dass von einem NGO-Vertreter moderiert wird,“ wie Kriphoff hervorhob), herrschte weitgehende Einigkeit: Sowohl Julien Bras, Portfoliomanager bei Allianz Global Investors, als auch Thomas Liesch, Senior Manager Climate Integration Allianz SE und Ingo-Peter Voigt, Senior Vice President / Head of Finance bei EnBW, betonten die Notwendigkeit einer Standardisierung. „Transparenz über den Investitionszweck ist essentiell,“ so Voigt. Darüber hinaus erhöhe eine Standardisierung das Ambitionsniveau der Emittenten, wie Liesch hervorhob. Portfoliomanager Bras verspricht sich vom neuen Standard, dass dieser die Emissionstätigkeit von Unternehmen fördern werde, die bislang noch nicht aktiv seien. Allerdings bedürfe es auch pragmatischer Lösungen, um potentielle Emittenten nicht abzuschrecken.

Modewelle oder Must Do?

„Modewelle oder Must Do?“: v.l. Dr. Bert Flossbach (Flossbach von Storch), Dr. Steffen Hörter (Allianz Global Investors), Andreas Hilka (Pensionskasse Hoechst) und Moderator Dr. Lothar Rieth (EnBW).

Uneinigkeit herrschte dagegen auf dem abschließenden Panel unter Beteiligung von Dr. Bert Folssbach, Mitbegründer und Vorstand von Flossbach von Storch, Andreas Hilka, Mitglied des Vorstands der Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe, sowie Dr. Steffen Hörter, Global Head of ESG-Strategy bei Allianz Global Investors darüber, ob Nachhaltigkeit nun ein Must-Do oder doch nur eine Modewelle sei. Die große Resonanz der Veranstaltung – der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – als auch das Momentum, welches das Thema nicht zuletzt durch die Initiative der Europäischen Kommission in Politik, Real- und Finanzwirtschaft ausgelöst hat, zeigen ebenso wie die rasant gestiegene gesellschaftliche Einsicht in die Notwendigkeit zu handeln, dass sich die Finanzindustrie inzwischen intensiv mit dem Thema beschäftigt und letztlich auch ernsthaft auseinandersetzen muss.

Von: Dr. Andreas Jaensch