Differenziertes Bild der DVFA Investment Professionals zur Zukunft nachhaltiger Geldanlage

DVFA – der Verband der Investment Professionals in Deutschland – hat seine Mitglieder befragt, wie sie die zukünftige Entwicklung nachhaltiger Geldanlage einschätzen. Grundsätzlich wird eine ESG-konforme Geldanlage nahezu einmütig befürwortet, und die Sicht auf das Potenzial ist von Optimismus geprägt. In den Kommentaren zeigt sich jedoch ein differenzierter Blick der Investment Professionals auf die Details und die noch existierenden Unschärfen bei der Festlegung dessen, was unter nachhaltiger Geldanlage zu verstehen sei.

Große Übereinstimmung im Grundsätzlichen

Zunächst halten fast 98 Prozent der DVFA Mitglieder nachhaltige Unternehmensführung für erstrebenswert. Diese eindeutige Mehrheit wurde weiter nach Gründen für ihre Einschätzung befragt. Dabei wurden drei Antworten vorgegeben, warum mit Ja geantwortet wurde, und die Möglichkeit einer freien Eingabe gegeben. 26 Prozent der Befragten sind der Ansicht, nachhaltige Unternehmensführung verstetigte den Unternehmenserfolg. Für 52 Prozent war der Grund für ein Ja, dass das Handeln des Unternehmens auch die Folgen für die kommenden Generationen bedenkt. Bei 12 Prozent gab den Ausschlag, dass sie der Auffassung sind, nachhaltige Unternehmensführung erschwere Fehlentscheidungen. In der freien Eingabe überwog die Ansicht, alle drei angebotenen Antwortoptionen seien zutreffend.

Weiter wurde die Frage gestellt, wie sich der Anteil nachhaltiger Geldanlage am Anlagevolumen in Deutschland von derzeit etwas mehr als fünf Prozent in den kommenden fünf Jahren entwickeln dürfte. Dabei verteilten sich die Einschätzungen auf die vorgegebenen Prozentanteile wie folgt: Für die Antwort „bis zu 15 Prozent Marktanteil“ entschieden sich 23 Prozent der Befragten. 28 Prozent sehen den Marktanteil bei „bis zu 25 Prozent“, 19 Prozent der Mitglieder sehen den Anteil am Gesamtvolumen bei „bis zu 35 Prozent“. „Bis zu 50 Prozent“ erwarten 16 Prozent der Befragten und „mehr als 50 Prozent“ halten immerhin noch 8 Prozent für realistisch. Allerdings stellen viele der Investment Professionals ihre Einschätzung unter den Vorbehalt, dass eine genaue Definition, was unter nachhaltiger Geldanlage zu verstehen sei, an etlichen Stellen lediglich in Umrissen feststehe.

Bild: Demiahl/Pixabay

Mehrheit erwartet besseres Abschneiden

Geteilter Meinung sind die DVFA Mitglieder wenn es um die Frage nach der Performance nachhaltiger Geldanlage geht. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) erwarten mittelfristig eine höhere Performance, 44 Prozent eine geringere. Aufschlussreich sind auch die Kommentare. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass schon allein die höhere Nachfrage nach nachhaltigen Produkten deren Performance treibe. Ebenso wiesen mehrere Befragte darauf hin, dass neben der unmittelbar messbaren preislichen Entwicklung der Produkte, diese einen zusätzlichen Nutzen für die Gesellschaft stifteten und daher selbst bei gleicher Preisentwicklung eine höhere Performance in einer weiter gefassten Perspektive lieferten.

Befragt, wann die Kapitalanlage ihres Arbeitgebers vollständig nachhaltig sein dürfte, meinte mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Investment Professionals, dies werde nie der Fall sein. 21 Prozent sind der Auffassung in zehn Jahren werde die Kapitalanlage des Arbeitgebers ausnahmslos nachhaltig sein. 15 Prozent erwarten dies bereits in fünf, 11 Prozent schon in zwei Jahren. Rund 17 Prozent der Arbeitgeber legen kein Geld an.

Hinsichtlich ihrer persönlichen Kapitalanlage in nachhaltige Investments sind die DVFA Mitglieder auf den ersten Blick skeptischer. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) erwartet, dass ihre Geldanlage niemals vollständig nachhaltig sein werde. In zehn Jahren sehen das 18 Prozent der Befragten, in fünf Jahren 14 Prozent und bereits in zwei Jahren zwölf Prozent. Die Kommentare geben Aufschluss, wie es zu diesem zunächst überraschenden Meinungsbild kommt.

„Nachhaltige Geldanlage ist angesagt. Das wissen wir alle. Das Momentum aber dieser Entwicklung lässt sich an den Antworten der befragten Investment Professionals gut ablesen“, sagt Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA. „Und wieder einmal  machen die Antworten und die Kommentare sehr deutlich, wie problembewusst unsere Mitglieder ihre Antworten abwägen und wie informiert die Community mit diesem für die Zukunft wichtigen Thema nachhaltige Geldanlage umgeht.“


Die DVFA Monatsfrage wendet sich an die 1.400 Mitglieder des Verbandes und widmet sich Themen, die in der Finanzbranche diskutiert werden. Die Ergebnisse der Umfrage werden regelmäßig an jedem 2. Dienstag im Monat veröffentlicht.

 

DVFA Stellungnahme zur EU Renewed Sustainable Finance Strategy

Die DVFA Kommission Sustainable Investing hat sich an der jüngsten Konsultation zur EU Renewed Sustainable Finance Strategy beteiligt. Zwar sind bereits viele wichtige Impulse gesetzt worden, aber zusätzliche inkrementelle Maßnahmen in gezielten Bereichen sind dennoch erforderlich, um den Aktionsplan erfolgreich umzusetzen. Die DVFA Kommission hat verschiedene Schwerpunkte herausgearbeitet. Weiterlesen

Bain & Company: Virtueller Recruiting-Event BAINWORKS

Internationale Talente entwickeln Strategie zur Förderung nachhaltiger Verpackungen

Immer mehr Menschen möchten den eigenen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten. Und auch bei Unternehmen steht Nachhaltigkeit inzwischen ganz oben auf der Agenda. Doch insbesondere im Lebensmittelsektor gibt es noch viel zu tun – dort nimmt die Menge an Plastikabfall seit Jahren zu. Im Rahmen des Recruiting-Events BAINWORKS der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company, der vom 16. bis 17. Oktober 2020 stattfindet und erstmals digital abgehalten wird, bearbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zwölf Ländern eine Fallstudie zum Thema „Ending plastic waste“. Angesprochen sind Universitätsstudierende ab dem vierten Semester, Promovierende aller Fachrichtungen sowie Young Professionals.

Ziel der Fallstudie ist es, für ein Non-Profit-Unternehmen eine Strategie zu entwickeln, die Investitionen in Recyclingtechnologien fördert.

„Um diese Aufgabe zu meistern, müssen die Kandidatinnen und Kandidaten aus klassischen Denkmustern ausbrechen“, erklärt Bain-Partner Nikolaus Zacher, zuständig für das Recruiting im deutschsprachigen Raum. „Denn die bestmöglichen Ergebnisse lassen sich nur dann erzielen, wenn Lösungsansätze inhaltlich überzeugen und in der Praxis umsetzbar sind. Das ist auch die Grundlage unserer Arbeitsweise als Unternehmensberatung.“

Bewerbungen noch bis zum 6. September 2020 möglich

Interaktive Workshopmodule helfen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, nachhaltige Technologien zu identifizieren und zu bewerten und zugleich eine Strategie zur Plastikvermeidung zu entwerfen, die weltweit angewendet werden kann. Gefragt sind dabei nicht nur innovative Ideen und analytisches Denkvermögen, sondern auch die Fähigkeit, im Team zu arbeiten und die Ergebnisse angemessen zu präsentieren.

„Im Rahmen unseres Events können die Studierenden, Promovierenden und Young Professionals den Beratungsalltag hautnah erleben“, betont Claudia Kobler, Associate Partner und BAINWORKS-Mentorin. „Abgesehen von neuen Impulsen zum Thema Nachhaltigkeit erhalten die jungen Talente die Möglichkeit, Kompetenzen zu erwerben, die ihnen beruflich wie persönlich zugutekommen werden.“

Zudem steht dem internationalen Teilnehmerkreis ausreichend Zeit zur Verfügung, um sich mit den Bain-Consultants unterschiedlichster Fachbereiche austauschen und Kontakte knüpfen zu können.

Noch bis zum 6. September 2020 können sich Interessierte für die Onlineveranstaltung bewerben. Alle Informationen zum Programm, zum Bewerbungsprozess und zu den Ansprechpersonen gibt es unter: www.joinbain.de/bainworks.

 

Text & Bild: © 1996-2020 Bain & Company, Inc.

Berlin gibt Startschuss für grüne Bundesanleihen

Debüt mit Zehnjähriger im September 2020 bis zu 11 Mrd. Euro Volumen

Die grünen Bundesanleihen werden in Kürze das Licht der Welt erblicken: Die Debüt-Emission soll bereits im September als Zwillingsanleihe mit einem Mindestvolumen von 4 Mrd. Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren erfolgen, kündigte Finanzstaatssekretär Jörg Kukies vor der Presse in Berlin an. Dem Vernehmen nach kann dies sogar sehr kurzfristig sein. Die Anleihe kommt über ein Bankensyndikat an den Markt. Im vierten Quartal soll es ein weiteres grünes Bundespapier geben. Geplant ist eine fünfjährige Fälligkeit. Kukies zufolge wird der Bund damit in diesem Jahr bis zu 11 Mrd. Euro über grüne Bunds emittieren können.

,,Der Bund wird von nun an jedes Jahr grüne Bundeswertpapiere emittieren‘‘, kündigte Kukies an. ,,Damit setzen wir einen starken Impuls zur Stärkung des Sustainable-Finance-Marktes.‘‘

Dem geplanten Emissionsvolumen können dem Staatssekretär zufolge tatsächliche grüne Ausgaben aus dem Bundeshaushalt 2019 von bis zu 12,7 Mrd. Euro zugeordnet werden. Kukies nannte die Bereiche Verkehr, Umwelt, Internationale Zusammenarbeit, Forschung, Energie und Industrie sowie Forstwirtschaft, Naturlandschaft und Biologische Vielfalt. Dies biete Sicherheit für die Investoren: ,,Da ist auch grün drin‘‘, unterstrich er.

Die neuen grünen Bundeswertpapiere werden nach Angaben der Finanzagentur stets mit den identischen Merkmalen eines bestehenden konventionellen Bundeswertpapieres ausgestattet (d. h. gleiche Laufzeit und gleicher Kupon). Mit dem Konzept dieser Zwillingsanleihen verfolgt der Bund das Ziel, für Standardlaufzeiten der konventionellen Kurve grüne Zwillinge zu begeben und einen Mehrwert für den Sustainable-Finance-Markt in Europa zu schaffen. So kann der Bund in Zukunft Investoren verschiedene Laufzeiten anbieten und perspektivisch mit einer grünen Euro-Zinsbenchmark einen zusätzlichen Mehrwert für den Sustainable- Finance-Markt schaffen.

,,Das Zwillingskonzept bietet die Chance, grüne Anleihen aus der Nische zu holen, da einem breiten Investorenkreis die Möglichkeit zum Engagement im grünen Anleihemarkt gegeben wird‘‘, sagte Tammo Diemer Co-Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur.

 

Quelle: Börsen-Zeitung, 25. August 2020, Kai Johannsen, Angela Wefers, © Alle Rechte vorbehalten.

Bild: Gerd Altmann/Pixabay

Deutsche Bank Research: Globaler Gegenwind macht kontinentale Wertschöpfungsketten attraktiver

Die deutsche Exportindustrie kämpfte die letzten Jahre mit vielen Herausforderungen. Sowohl der Automobilsektor und die Neuausrichtung der US-Handelspolitik als auch die immer stärker in den Vordergrund rückende Klimakrise implizierten massive Veränderungen. Entsprechend war die langfristige Ausrichtung vieler Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes mit etlichen Fragezeichen versehen. Die Corona-Krise erhöht die Unsicherheit nun um ein Vielfaches. Eine Reihe von Entwicklungen stützen jedoch die These von Deutsche Bank Research, dass kontinentale Wertschöpfungsketten an Bedeutung gewinnen.

ESG-Debatte hinterfragt globale Wertschöpfungsketten.

Humanitäre, soziale und ökologische Fragen stehen immer mehr im Fokus und es herrscht ein großer gesellschaftlicher Konsens über den hohen Stellenwert des Klimaschutzes in den aktuellen Konjunkturpaketen. Trotz des tiefsten Wirtschaftseinbruchs seit dem 2. Weltkrieg hinterfragen Verbraucher zunehmend ihre Konsummuster und das aktuell von der Regierung beratene Lieferkettengesetz unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz.

Geopolitische Spannungen verringern die Attraktivität globaler Wertschöpfungsketten.

Diese geopolitischen Tendenzen und die zunehmende Bedeutung von ESG-Themen deuteten zumindest langfristig schon vor der Corona-Krise eine massive Veränderung der Lieferketten an. Die durch die Corona-Krise ausgelösten Lieferengpässe steigern nun das Sicherheitsbedürfnis erheblich. Es gibt folglich große Anreize, die auf Effizienz getrimmten globalen Lieferketten zurückzubauen und in Zukunft stärker regional auszurichten.

Den vollständigen Kommentar finden Sie unter: Deutsche Bank Research: Globaler Gegenwind macht kontinentale Wertschöpfungsketten attraktiver


© Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten.

Bild: PIRO4D/Pixabay

Clean Energy League Tables 2020: Taylor Wessing zweimal in den Top Ten vertreten

Das zurückliegende Jahr war für das internationale Energy-Team von Taylor Wessing höchst erfolgreich. Nach Anzahl der Transaktionen belegte das Team in der Kategorie Projekt Finance den sechsten Platz, bei den M&A-Deals sicherte es sich die achte Platzierung (und zudem den elften Rang hinsichtlich M&A Deal Value).

Die Clean Energy League Tables ist eine Übersicht der Branchenplattform Clean Energy Pipeline über die aktivsten Anwaltskanzleien im globalen Sektor für saubere Energie. Im Jahr 2018 war Taylor Wessing bereits in die Top-20 in den genannten Kategorien aufgestiegen. Die nochmals deutlich verbesserten Rankings dokumentieren die erfolgreiche Zusammenarbeit der jüngsten Vergangenheit mit hochkarätigen Mandanten über Jurisdiktionen hinweg. Die Clean Energy-Projekte wurden nicht nur innerhalb von Kerneuropa über Grenzen hinweg beraten, sondern auch Deals in Australien, den USA und in Afrika.

„Der Energiemarkt und insbesondere das Thema ‚Saubere Energien‘ kann nur international gedacht und bearbeitet werden. Mit unserem internationalen Energy-Team haben wir daher von Beginn an ein Team mit Experten aus Deutschland, England und Frankreich als Kern aufgestellt und uns als engagierter Partner für eine saubere Energieindustrie positioniert. Dies waren richtige Weichenstellungen, wie die von Jahr zu Jahr stetig besseren Platzierungen bei den Clean Energy League Tables zeigen“, so Carsten Bartholl, Leiter der internationalen Industriegruppe Energy bei Taylor Wessing.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie unter: Taylor Wessing: Clean Energy League Tables 2020


Erfahren Sie mehr über Taylor Wessings: Schwerpunkte im Energiebereich.

 

Text: © Taylor Wessing

Foto von Jason Black Eye auf Unsplash

Deutsche Banken geben Klima-Selbstverpflichtung ab

Der deutsche Finanzsektor hat eine Initiative für den Klimaschutz gestartet und will CO2-Emissionen reduzieren.

16 Akteure des deutschen Finanzsektors, darunter die Frankfurt Main Finance Mitglieder BNP Paribas, Deutsche Bank und ING, haben eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, ihre Kredit- und Investmentportfolios im Einklang mit den Zielen des Pariser Klima-Abkommens auszurichten. Die Unterzeichner halten insgesamt eine Aktiva von mehr als 5,5 Billionen Euro und über 46 Millionen Kundenverbindungen in Deutschland.

Durch die vereinbarte Messung, Veröffentlichung und Zielsetzung zur Reduzierung der mit den Kredit- und Investmentportfolios verbundenen Emissionen, will der Finanzsektor einen Klimaschutzbeitrag leisten und eine nachhaltige und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Wirtschaft unterstützen. Damit kommt der deutsche Finanzplatz dem von der Bundesregierung Anfang 2019 gesetzten Ziel einen Schritt näher, Deutschland zu einem der führenden Standorte für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance) zu machen.

Bis Ende September könnten laut Angaben der Triodos Bank noch bis zu zehn weitere Institute dazustoßen.

Die aktuelle Übersicht der Unterzeichner sowie die komplette Selbstverpflichtung finden Sie unter: www.klima-selbstverpflichtung-finanzsektor.de.

DVFA Stellungnahme zum Zwischenbericht des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung

Die DVFA Kommission Governance & Stewardship begrüßt den Zwischenbericht des Sustainable Finance Beirats, der eine gute Ausgangsbasis bietet, „Sustainable Finance“ in Deutschland ambitioniert weiterzuentwickeln. Im Interesse der fiduziarischen Aufgaben von Vermögensverwaltern sollten für die Empfehlungen des Schlussberichts jedoch noch Anpassungen und Konkretisierungen Eingang in die Diskussion des Beirates finden.

Die Kommission nimmt Stellung zu den Themenpunkten:

  • Stewardship: Umsetzung treuhänderischer Verantwortung von Investoren
  • Erleichterung von „Collaborative Engagement“ in Deutschland durch gesetzliche Klarstellung der Abgrenzungen zu „Acting-in-Concert“
  • Schaffung einer Engagementplattform in Deutschland (Vorbild z.B. Eumedion  in den Niederlanden)

A) Stewardship: Umsetzung treuhänderischer Verantwortung von Investoren

Wir empfehlen eine explizite Verankerung von „Stewardship“ im Bericht des Beirates: Institutionelle Investoren und Asset Manager haben als Vermögenstreuhänder die Verantwortung, im besten Interesse ihrer Kunden auf die Unternehmen, in die sie investieren, zum Wohle aller Stakeholder einzuwirken. Mit der Verfolgung des von der EU propagierten Bekenntnisses zu Sustainable Finance tragen sie dazu bei, positive Effekte für Umwelt und Gesellschaft zu erzielen. Ein fundierter Investorendialog und aktiver Einsatz von Stimmrechten sind dabei wesentliche Mitwirkungselemente („Engagement“). Zudem zeigen empirische wissenschaftliche Untersuchungen, dass das Engagement von Investoren zu besseren ESG Verhältnissen der Unternehmen führt. International hat sich für dieses erweiterte Verständnis von treuhänderischer Verantwortung schon länger der Begriff „Stewardship“ etabliert.In vielen Ländern sind Stewardship Codes als Orientierungsrahmen für institutionelle Investoren und Asset Manager zum Standard geworden. In Deutschland konkretisiert die Ende 2019 durch das ARUG II in deutsches Recht umgesetzte zweite Aktionärsrechterichtlinie der EU (2. ARRL) diese Anforderungen an in Deutschland tätige Vermögenstreuhänder. Eine Umsetzung von „Sustainable Finance“ ist ohne eine aktive Rolle von Eigentümern undenkbar.

Ziel sollte die Entwicklung eines anspruchsvollen Stewardship-Standards für alle professionellen Finanzmarktakteure sein. Dieser Standard sollte auch nachhaltige Elemente beinhalten. Die Integration von Nachhaltigkeit in die Stewardship-Aufgaben verstärkt die Lenkungsfunktion von Investoren für die vom Beirat angestrebte Transformation der Wirtschaft. Dies erfordert die verantwortungsvolle Allokation und aktive Betreuung ihrer Investments durch Berücksichtigung der relevanten ESG-Faktoren zur nachhaltigen, langfristigen Wertschöpfung für die Kunden. Wie in den beigefügten DVFA Stewardship-Leitlinien festgehalten, beinhaltet dies den aktiven Dialog mit den Portfoliogesellschaften, die zielgerichtete Ausübung von Aktionärsrechten sowie den gesetzlich möglichen Austausch mit anderen Asset Managern.

B) Erleichterung von „Collaborative Engagement“ in Deutschland durchgesetzliche Klarstellung der Abgrenzungen zu „Acting-in-Concert“

Das auf europäischer Ebene zuletzt in der 2. ARRL verstärkt geforderte Engagement wird in anderen Rechtskreisen und von dort beheimateten institutionellen Investoren auch in der Form des „Collaborative Engagements“ gefordert. Im Gegensatz zu anderen Ländern, insbesondere anderen Mitgliedstaaten der EU, besteht in Deutschland keine klare Abgrenzung zwischen „Collaborative oder Collective Engagement“ und „abgestimmtem Verhalten“ („Acting-in-Concert“). Die mangelnde Rechtssicherheit für die Zusammenarbeit von Vermögensverwaltern bei generellen, aber unternehmensspezifischen Anliegen behindert sinnvolles Collaborative Engagement massiv. Doch gerade für die nötige Transformation der Wirtschaft kann Engagement eine beschleunigende Rolle spielen.

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) hat 2019 eine aktualisierte White List publiziert, um Möglichkeiten der Kooperation unter Aktionären zu konkretisieren, die nicht zu einer Zusammenrechnung der Stimmrechte führen sollen. Dadurch soll erreicht werden, dass Investoren nicht aus Sorge vor einer Stimmrechtszurechnung durch „Acting-in-Concert“ ein ungewolltes Pflichtangebot auslösen und dann von einem aktiven Engagement in börsennotierten Gesellschaften absehen. Da die White List der ESMA nur als exemplarisch anzusehen ist und im deutschen Rechtsrahmen auch die Entscheidung des BGH vom 25.9.2018 keine vollumfängliche Rechtssicherheit bietet, ist hier erheblicher Entwicklungsbedarf gegeben. Auch die Änderung der Verwaltungspraxis der BaFin bietet hier keine ausreichende Klarheit.

C) Schaffung einer Engagementplattform in Deutschland (Vorbild z.B. Eumedionin den Niederlanden)

Die Schaffung einer Engagementplattform bringt eine wesentliche Erleichterung für das Engagement, auch für kleinere institutionelle Anleger und Asset Manager, die bisher kostenbedingt kein aktives Engagement betreiben. Damit können sie ihre Aktivitäten bündeln, mehr Engagements eingehen und sich inhaltlich umfassender aufstellen. Eine solche Plattform bietet Skaleneffekte, beseitigt Informationsasymmetrien und fördert die Verbreiterung von Engagementaktivitäten in Deutschland. Stärkeres Engagement bedeutet auch bessere Transformation durch den so zukunftsrelevanten Sustainable-Finance-Gedanken.


Links:

Stellungnahme als PDF-Datei herunterladen: https://www.dvfa.de/fileadmin/downloads/Verband/Kommissionen/Governance_Stewardship/DVFA-Stellungnahme-SFB-Zwischenbericht.pdf

DVFA Kommission Governance & Stewardship: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/governance-stewardship.html oder https://www.dvfa.de/der-berufsverband/aktuelles.html

 

DVFA veröffentlicht Tool zur ganzheitlichen Beurteilung verantwortungsvoller Geldanlagen (PRISC)

Die DVFA Kommission Sustainable Investing legt den nächsten wichtigen Baustein für nachhaltige Geldanlagen vor. Mit dem DVFA PRISC – Policy for Responsible Investment Scoring – will die Kommission die Entwicklung und Beurteilung verschiedener Ausprägungen verantwortungsvoller Investments vereinfachen. Der DVFA hat zu diesem Zweck ein Instrument zur ganzheitlichen Entwicklung und Messung von verantwortungsvoller Geldanlagepolitik von Investoren und Investmentportfolios entwickelt.

Das Instrument umfasst acht Beurteilungsdimensionen mit je drei Ausprägungen und ermöglicht deren Aggregation zu einem umfassenden Urteil. Zu den Dimensionen gehören Ausschlüsse aus Portfolios, der Anteil „guter“ sogenannter Impact-Investments, die Härte und Analysefrequenz von Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsbeurteilungen (ESG) und ob und in welchem Umfang Stimmrechte ausgeübt werden bzw. aktives Engagement für Verbesserungen von Unternehmen erfolgt.

Nutzer des Tools können die Gewichtungen ändern, Kategorien hinzufügen und weitere Änderungen vornehmen. Das bedeutet auch, dass Portfolios, je nach Ausgestaltung des Tools und der genutzten Daten, sehr unterschiedlich bewertet werden können.


Links:

Hier geht es zum DVFA PRISC Tool: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/prisc-webanwendung.html

Informationen zur DVFA Kommission Sustainable Investing: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/sustainable-investing.html

Helaba-Finanzplatzfokus: Frankfurt auf nachhaltigem Weg

Nachhaltige Finanzierung ist unerlässlich beim Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Weltwirtschaftssystem und wird damit zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor für Finanzplätze. Wo Deutschland mit Frankfurt als Finanzhauptstadt beim Trend Nachhaltigkeit steht, hat Helaba Volkswirtschaft/Research nun in einer Studie untersucht. Als zentrale Faktoren werden die Marktdynamik bei Green Bonds sowie das Engagement des Finanzplatzes herangezogen. Die Ergebnisse der Analyse werden im Folgenden zusammengefasst.

Makrotrend „Green Bonds“

Für Ulrike Bischoff, Autorin der Studie steht fest: „Nachhaltige Finanzprodukte gewinnen immer mehr an Bedeutung, wobei Green Bonds eine zentrale Rolle spielen.“ Die Zahlen bestätigen den Aufwärtstrend der sogenannten grünen Anleihen, die zur Finanzierung umweltfreundlicher Projekte dienen. 2019 stieg das jährliche Neuemissionsvolumen von Green Bonds um mehr als 50 Prozent auf fast 258 Milliarden US-Dollar an. Davon entfielen ca. 19 Milliarden US-Dollar auf den deutschen Markt. Der hiesige Finanzplatz belegt damit im internationalen Vergleich den vierten Platz im Emissionsländer-Rating. Innerhalb Europas hat lediglich Frankreich bei der Ausgabe neuer Green Bonds die Nase vorn. Großbritannien hingegen liegt mit Neuemissionen in Höhe von 2 Milliarden weit zurück.

Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren global immer mehr Green Bonds ausgegeben werden. In Deutschland wird dieser Trend unterstützt durch die hohe Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeit und den daraus resultierenden Druck auf die Emittenten. „Für weiteres Emissionspotential hierzulande spricht zudem die gute Wettbewerbs- und Innovationsposition vieler deutscher Unternehmen hinsichtlich nachhaltiger Produkte und Prozesse“, schreibt Bischoff.

Nachhaltigkeit – neuer Wettbewerbsfaktor für Finanzstandorte

Finanzplätze sind durch die Konzentration verschiedener Finanzakteure gekennzeichnet. Solche Standorte können mittels politischem und regulatorischem Engagement geeignete Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Ausrichtung der Finanzbranche schaffen. Inwiefern das den Standorten gelingt, entscheidet über ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Finanzplatzgefüge. Finanzzentren wie Paris oder London haben schon früh spezielle Initiativgruppen ins Leben gerufen und gingen gemeinsam mit Luxemburg und den Niederlanden beim Thema Nachhaltigkeit voran. Inzwischen zeichnet sich auch Deutschland mit Frankfurt als Finanzhauptstadt durch vielfältiges Engagement aus. Das Ziel der Bundesregierung lautet: Deutschland zum führenden Standort für Sustainable Finance etablieren.

Zentral für dieses Vorhaben ist die geplante erstmalige Emission einer grünen Bundesanleihe in der zweiten Jahreshälfte 2020. Auch die Bildung verschiedener Initiativen und Netzwerke tragen dem Ziel Rechnung.

Seit Mitte 2019 unterstützen mehr als 40 Experten im Sustainable Finance-Beirat (SFB) offiziell die Bundesregierung bei der Erarbeitung und Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Bereits im Jahr zuvor wurde in Frankfurt das Green and Sustainability Finance Cluster Germany (GSECG), eine Plattform zur Bündelung nachhaltigkeitsbezogener Finanzexpertise, geschaffen. Die jährliche Ausrichtung der hochrangigen Veranstaltung Sustainable Finance-Gipfel ist nur eine Tätigkeit des Clusters. Austausch zu dem Thema findet zudem auf den jährlichen Veranstaltungen Green Finance Forum und der Fair Finance Week statt. Deutschland bringt sich auch in internationalen Bündnissen wie dem Financial Centres for Sustainability (FC4S) ein. Mit gutem Grund. „Schließlich sind global gemeinsame Aktivitäten unerlässlich zur Erreichung der Klimaziele“, erklärt Bischoff in der Studie.

Um die Position Deutschlands im europäischen Finanzplatz-Wettbewerbs noch weiter zu stärken, rät Bischoff mit vereinten Kräften am Thema Nachhaltigkeit kontinuierlich dran zu bleiben. Wird die bereits gut funktionierende Zusammenarbeit von Aufsichtsbehörden, Hochschulen und den zahlreichen Initiativen betrachtet, kann das Vorhaben, Deutschland zum führenden Finanzstandort zu machen, durchaus gelingen.