CFS-Index geht deutlich zurück

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt im dritten Quartal 2018 um 4,5 Punkte auf 113,9 Punkte. Der deutliche Rückgang ist vor allem auf ein schwächeres Wachstum der Erträge und der Mitarbeiterzahlen der Dienstleister sowie auf einen verminderten Anstieg der Umsätze und des Investitionsvolumens der gesamten Finanzbranche zurückzuführen. Bei den Finanzinstituten steht dem gesunkenen Umsatzwachstum bei neutraler Lage der Mitarbeiterzahlen jedoch ein steigendes Ertragswachstum entgegen.

„Die entgegengesetzte Entwicklung der Erträge bei Banken und Dienstleistern – hier aufwärts, dort abwärts – wirft die Frage nach den Gründen für das gleichförmige Investitionsverhalten auf: Hier wirken sich makroökonomische und politische Unsicherheiten (Brexit, Italien, USA, China) offenbar in erster Linie dämpfend aus“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird weiterhin, wenn auch abgeschwächt, positiv beurteilt.

Die Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland hatte seit dem Brexit-Votum 2016 historische Höchststände erreicht. Im dritten Quartal 2018 befindet sich der entsprechende Wert mit 126 Punkten zwar noch auf einem guten Niveau, wenn auch deutlich abgeschwächt um -5,3 Punkte.

„Die rückläufige Entwicklung bei der Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland sieht das Glas halb leer. Tatsächlich konnten in den letzten Monaten auch andere Finanzplätze in der Europäischen Union vom Brexit profitieren. Das scheint die positive Entwicklung in Frankfurt zu relativieren“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse. „Aber genau betrachtet sprechen die Entscheidungen von mehr als 30 Finanzinstituten, ihren Europasitz nach Frankfurt zu verlegen eine klare Sprache: Der Finanzplatz in Frankfurt wird 2019 erheblich an internationaler Bedeutung gewinnen.“

Umsätze der Finanzbranche rückläufig / Ertragswachstum positiv bei den Finanzinstituten und rückläufig bei den Dienstleistern

Wie von den Finanzinstituten im vorangegangen Quartal erwartet wurde, hat sich das Wachstum der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens im dritten Quartal rückläufig entwickelt. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt um 6,1 Punkte auf 112,7 Punkte. Die Umsätze der Dienstleister liegen mit 123,7 Punkten 5,3 Punkte niedriger als im Vorquartal. Beide Gruppen rechnen mit einem weiteren leichten Rückgang für das laufende Quartal.

Das Ertragswachstum der beiden Gruppen entwickelt sich stark gegenläufig. Die Finanzinstitute befinden sich nach einem schwachen zweiten Quartal wieder auf einem guten Stand. Der entsprechende Sub-Index steigt um 9,8 Punkte auf 111,6 Punkte. Die Dienstleister andererseits verzeichnen einen starken Rückgang um 11,3 Punkte auf 116,3 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten beide Gruppen wieder einen leichten Rückgang ihres Ertragswachstums.

Investitionsvolumen gesunken

Entgegen den Erwartungen sinkt bei den Finanzinstituten das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen um 5,3 Punkte auf 110,8 Punkte. Es wird erwartet, das niedrige Niveau im laufenden Quartal beizubehalten. Auch bei den Dienstleistern sinkt der Sub-Index um 3,4 Punkte, befindet sich aber mit 118,9 Punkten immer noch auf dem dritthöchsten Stand seit Beginn der Befragungen im Jahr 2007. Es wird allerdings für das laufende Quartal mit einer weiteren Abschwächung gerechnet.

Neutrale Stimmungslage der Finanzinstitute bei der Anzahl der Mitarbeiter

Nach dem kurzfristigen Stellenabbau der Finanzinstitute im zweiten Quartal steigt der Mitarbeiter-Sub-Index aktuell um 3,6 Punkte und signalisiert mit 100,1 Punkten nun eine neutrale Stimmungslage. Bei den Dienstleistern hat sich, wie zuvor erwartet, das Mitarbeiterwachstum verlangsamt. Der entsprechende Sub-Index befindet sich mit -8,4 Punkten auf 117,9 Punkte aber immer noch auf einem guten Level. Für das laufende Quartal rechnen die Dienstleister mit einem weiteren Rückgang des Mitarbeiterwachstums und die Finanzinstitute mit einem Stellenabbau.

 

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.