CFS-Index sinkt deutlich – Finanzinstitute haben Stimmungstief erreicht

Finanzbranche verzeichnet starken Rückgang der Umsatz- und Ertragszuwächse

FRANKFURT, 26. April 2016. Der CFS-Index, der dreimonatlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, fällt im ersten Quartal 2016 deutlich um 4,2 Punkte auf 108,7 Punkte. Der Rückgang lässt sich insbesondere auf eine schwächere Entwicklung der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens sowie auf eine verminderte Ertragskraft bei den Finanzinstituten und Dienstleistern zurückführen. Diese Entwicklung bestätigt somit die Erwartungen der Unternehmen, welche bereits im vorangegangenen Quartal rückläufige Zuwächse prognostiziert haben. Speziell die Finanzinstitute befinden sich aktuell in einem Ertragsstimmungstief mit 97,9 Punkten, erwarten aber für das laufende Quartal, dass sich die Erträge wieder positiv entwickeln. Das Investitionsvolumen der Finanzinstitute hat sich im ersten Quartal erhöht, wobei die Anzahl der Mitarbeiter auf niedrigem Niveau stabil gehalten wird.

„Die Erwartungen der Finanzinstitute über die künftige Ertragsentwicklung im laufenden Jahr sind nach wie vor verhalten und verdeutlichen die Unsicherheiten am Kapitalmarkt“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse. Dr. Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht weiter: „Das steigende Investitionsvolumen und die stabilen Mitarbeiterzahlen der Finanzinstitute sind ein positives Signal für den Finanzplatz Frankfurt.“

Wie von der Finanzbranche im vorangegangenen Quartal erwartet wurde, haben sich die Umsätze bzw. das Geschäftsvolumen im ersten Quartal rückläufig entwickelt. Der entsprechende Sub-Index der Finanzbranche sinkt um 11,4 Punkte auf 110,5 Punkte. Somit liegen die Umsätze der Finanzinstitute mit 104,5 Punkten deutlich unter dem Niveau des ersten Quartals (-12,9 Punkte). Die Umsätze der Dienstleister liegen mit 116,5 Punkten 9,9 Punkte niedriger als im Vorquartal, und es wird mit anhaltend rückläufigen Zuwächsen für das laufende Quartal gerechnet. Die Finanzinstitute hingegen erwarten eine leicht positive Entwicklung.

Auch die Ertragszuwächse entwickeln sich im ersten Quartal, wie zuvor von den Befragten prognostiziert wurde, rückläufig. Speziell die Finanzinstitute befinden sich mit dem Rückgang des Sub-Index um 10,3 Punkte auf nun 97,9 Punkte in einem Ertragsstimmungstief, erwarten aber für das laufende Quartal wieder eine positive Entwicklung. Der Sub-Index der Dienstleister liegt mit 112,8 Punkten 8,5 Punkte unter dem Niveau des ersten Quartals. Es wird erwartet, dass ein leichter Abwärtstrend für das laufende Quartal anhält.

Finanzinstitute erhöhen Investitionsvolumen und halten die Mitarbeiteranzahl auf niedrigem Niveau stabil

Das Investitionsvolumen in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute wurde im ersten Quartal 2016 erhöht, und sie planen diese positive Entwicklung im laufenden Quartal fortzusetzen. Der entsprechende Sub-Index steigt um 3,9 Punkte auf 112,5 Punkte. Hingegen verzeichnen die Dienstleister einen leicht rückläufigen Zuwachs an Investitionen um 1,6 Punkte auf 113,6 Punkte. Es wird erwartet, dass sich dieser Rückgang verstärkt.

Die Finanzinstitute halten ihren Mitarbeiterstab nahezu unverändert stabil auf niedrigem Niveau. Der Sub-Index in dieser Gruppe sinkt um lediglich 1,0 Punkte auf 99,0 Punkte. Die Dienstleister stellen im ersten Quartal 2016 weniger neue Mitarbeiter ein als im Vorquartal. Der entsprechende Sub-Index sinkt um 4,2 Punkte auf 111 Punkte. Während bei den Finanzinstituten der Ausblick auf das laufende Quartal nahezu unverändert bleibt, rechnen die Dienstleister mit einem verstärkten Rückgang der Neueinstellungen im zweiten Quartal 2016.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird rückläufig eingeschätzt. Der entsprechende Wert sinkt um 3,8 Punkte auf 116,1 Punkte. Dieser Rückgang liegt in der Einschätzung der Finanzinstitute begründet. Der entsprechende Index-Wert dieser Gruppe liegt mit 113,5 Punkten 7,2 Punkte unter dem Niveau des vorangegangen Quartals. Die Beurteilung der Dienstleister bleibt mit -0,4 Punkten nahezu unverändert bei 118,6 Punkten.

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung unter rund 400 Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

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