CFS-Index stabil

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, verweilt auf einem stabilen Niveau von 109,9 Punkten. Der im Ergebnis unveränderte Stand ist auf die konstante bis positive Entwicklung des Wachstums der Umsätze, Erträge und des Investitionsvolumens der Finanzbranche zurückzuführen. Diesen positiven Meldungen steht jedoch ein verschärfter Stellenabbau bei den Finanzinstituten und ein rückläufiges Mitarbeiterwachstum der Dienstleister gegenüber.
„Die Teilindizes zusammengenommen signalisieren eine vorsichtige Aufwärtsbewegung der Produktivität – und damit längerfristig auch der Ertragskraft, sollte sich dieser Trend verstetigen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Bei der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland liegt die Einschätzung der Finanzinstitute und Dienstleister nach der abwartenden Haltung im Vorquartal nun weit auseinander. Der Index-Wert der Finanzinstitute sinkt um -10 Punkte auf 107,6 Punkte. Hingegen steigt der Wert bei den Dienstleistern um 7,9 Punkte. Insgesamt befindet sich der Index-Wert mit einem leichten Rückgang um -1,0 Punkte auf 118,7 Punkte noch auf einem guten Niveau.
Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., erläutert: „Bislang haben lediglich die Dienstleister profitiert. Alleine 2018 floss über eine Mrd. Euro in den Dienstleistungssektor für die Vorbereitung der Banken auf den Brexit. Bei den Banken selbst waren dies bislang Kosten, denen noch zu wenige Erträge aus der Verlagerung von Assets entgegenstehen. Die erwartete Verlagerung in Höhe von 750-800 Mrd. Euro ist lediglich zu rund 1/3 erfolgt. Die meisten Banken zögern die Verlagerung bis zum Augenblick der Klarheit hinaus. Nicht zuletzt um ihr Eigenkapital zu schonen.“

Steigendes Umsatzwachstum der Finanzbranche

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister können ihre Umsätze bzw. ihr Geschäftsvolumen entgegen der schwachen Zuwächse des vorangegangenen Quartals wieder etwas mehr ausbauen. Der entsprechende Sub-Index steigt im dritten Quartal bei den Finanzinstituten um 2,7 Punkte auf 114,7 Punkte. Die Dienstleister steigern ihre Umsätze um 1,8 Punkte auf 112,7 Punkte. Für das laufende Quartal ist die Finanzbranche optimistisch, die Umsätze weiter steigern zu können.

Ertragszuwächse der Finanzinstitute kaum gesunken / Steigende Ertragszuwächse der Dienstleister / Positive Erwartungen für das laufende Quartal

Die Ertragszuwächse der Finanzinstitute haben sich im dritten Quartal deutlich weniger rückläufig entwickelt als zuvor erwartet wurde. Der Sub-Index sinkt nur leicht um -0,9 Punkte auf 103,5 Punkte. Nach den rückläufigen Ertragszuwächsen der Vorquartale können die Dienstleister ihre positiven Erwartungen nun auch realisieren. Der entsprechende Sub-Index steigt um 4,9 Punkte auf 108,3 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten Finanzinstitute und Dienstleister einen weiteren Anstieg.

Wachstum des Investitionsvolumens konstant bis positiv

Ebenso wie bei den Erträgen, melden die Finanzinstitute ein kaum verändertes Wachstum ihres Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt nur leicht -0,4 Punkte auf 105,8 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen, wie zuvor erwartet wurde, einen stärkeren Anstieg um 4,2 Punkte auf 114,1 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten die Finanzinstitute einen leichten Anstieg, die Dienstleister sind weniger optimistisch.

Massiver Stellenabbau der Finanzinstitute / Mitarbeiterwachstum der Dienstleister abgeschwächt

Der Stellenabbau bei den Finanzinstituten fällt deutlich stärker aus, als im Vorquartal erwartet wurde. Der Mitarbeiter-Sub-Index sinkt entsprechend um -8,2 Punkte auf 90,5 Punkte. Für das laufende Quartal wird auch nur mit einer leichten Abschwächung des Stellenabbaus gerechnet. Auch die Dienstleister stellen weniger Mitarbeiter ein als in den Vorquartalen. Der entsprechende Sub-Index sinkt um -3,7 Punkte auf 108,7 Punkte. Für das laufende Quartal wird erwartet, dieses Niveau zu halten.

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.