CFS Index Sonderfragen

CFS-Umfrage zur von Facebook geplanten Digitalwährung Libra

Deutsche Finanzbranche rechnet nicht mit einer Einführung von Libra im kommenden Jahr. Große Bedenken wegen möglicher Gefahren für die Finanzstabilität

Facebook plant zusammen mit weiteren Partnern die Einführung einer weltweit verwendbaren Digitalwährung, die Libra Coin. Kurz vor dem offiziellen Startschuss sind wichtige Unterstützer wie Mastercard, Visa oder Paypal abgesprungen. Dennoch hält Facebook an der geplanten Einführung von Libra im kommenden Jahr fest. Am 15. Oktober 2019 wurde die Satzung der Libra Association von insgesamt 21 Gründungsmitgliedern unterzeichnet.

Seit der Ankündigung des Projekts im Juni 2019 haben zahlreiche Politiker und Vertreter von Aufsichtsbehörden ihre Bedenken gegen das Projekt artikuliert. Auch Notenbankgouverneure und Finanzminister der führenden Wirtschaftsnationen (G20) lehnen Libra wegen möglicher Risiken für die globale Finanzstabilität ab.

Die CFS-Umfrage zu Libra verdeutlicht, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten die Bedenken der Notenbanken und Aufsichtsbehörden für berechtigt hält. 76,8% der Befragten erwarten, dass Libra die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen vermindern würde. 61,4% der Befragten halten Libra sogar für eine Gefahr für die globale Finanzstabilität.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Mehrheit der Befragten (57,1%) nicht damit, dass Libra tatsächlich im kommenden Jahr eingeführt wird, nur 38% gehen von einer Einführung aus.

„Es ist nicht überraschend, dass es erhebliche Bedenken gegenüber Libra gibt. Diese werden auch dadurch gestärkt, dass Facebook sich nicht zu den langfristigen Ausbauplänen von Libra äußert“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse. „Außerdem ist die angesichts der vergangenen Datenschutz-Skandale angeschlagene Reputation von Facebook nicht gerade förderlich für ein solches Vorhaben“, so Brühl weiter.

Trotz aller Bedenken spricht sich eine Mehrheit der Befragten (61,1%) gegen ein pauschales Verbot von Libra aus und unterstützt eine konstruktive Begleitung des Vorhabens, um Innovationen im Finanzsektor zu fördern. „Die Stimmung im Finanzsektor zu Libra ist durchaus ambivalent. Einerseits fasziniert die Idee einer globalen Abwicklungsplattform für Zahlungen, andererseits fürchtet man sich vor unkalkulierbaren Risiken.“, erläutert Volker Brühl.

„Die Umfrage belegt einmal mehr, dass die Finanzbranche Innovationen gegenüber einerseits offen ist, andererseits aber die Risiken genau im Blick behält“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., und unterstreicht: „Die Idee einer einheitlichen, weltweit gültigen Digitalwährung ist grundsätzlich reizvoll und bietet erhebliche Potenziale. Aber auf große Fragezeichen, gab es keine überzeugenden Antworten.“

 

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.