Corona-Schutzschild in Deutschland: Finanzwirtschaft als Partner der Realwirtschaft

Einen milliardenschweren Schutzschild haben Bundesregierung und Bundesländer in ganz kurzer Zeit errichtet, zu dem eine Vielzahl von Kreditprogrammen für Unternehmen und Selbständige zählen. Für die erfolgreiche Implementierung und effiziente Auszahlung kann die Politik auf eine leistungsfähige Infrastruktur mit einem Vierklang aus Staat, Förderbank, Hausbank und Kreditnehmer zurückgreifen.

Kurzarbeitergeld, Stundung von Steuerzahlungen, Sozialabgaben und Mieten, steuerfreie Einmalzahlungen für Beschäftigte und Liquiditätshilfen für Selbständige zählen zum milliardenschweren „Corona-Schutzschild für Deutschland“, den die Bundesregierung und die Bundesländer in wenigen Tagen errichtet haben.

Bezogen auf die Volumina und die Einsatzmöglichkeiten stehen jedoch Kredite an Unternehmen und Selbständige an erster Stelle bei der Sicherung der wirtschaftlichen Tätigkeit. Angesichts der Vielfalt der Programme sollten insbesondere Selbständige sowie kleine und mittlere Unternehmen die jeweiligen Anforderungen und Konditionen eingehend vergleichen und analysieren, bevor sie konkret ein bestimmtes Hilfsprogramm in Anspruch nehmen.

Ein jahrzehntealtes Konzept bewährt sich in der Krise

Bei der schnellen, effizienten und tatkräftigen Auszahlung der maßgeblichen Programme bildet der Vierklang aus Staat, Förderbank, Hausbank und Kreditnehmer den Akkord für ein harmonisches Zusammenspiel. Die Politik greift auf eine leistungsfähige Infrastruktur innerhalb der Finanzwirtschaft zurück, die seit Jahrzehnten in Deutschland erfolgreich genutzt wird:

    • Der Kreditnehmer hat in der Regel Zugriff auf die Corona-Kredite über seine bestehende Bankverbindung, die natürlich bereits über umfassende Informationen zu ihrem Kunden verfügt. Damit entfällt der Kontakt zu einer neuen Institution und zusätzliche Überprüfung von Berechtigungen, Identität und Bonität.
    • Nach der Prüfung der Voraussetzungen für die Kreditaufnahme kann die Hausbank die Mittel von der zuständigen Förderbank abrufen und zugleich – je nach Art des Kredites – eine Haftungsfreistellung i.d.R. zwischen 80 und 100 % in Anspruch nehmen.
    • Die Förderbanken verlassen sich ihrerseits auf die Vorprüfung durch die Hausbank. Zudem können sie sich günstig refinanzieren, weil sie nicht nur im Eigentum staatlicher Stellen stehen, sondern aufgrund des – spezifisch deutschen und international weitgehend unbekannten – Rechtsinstituts der Anstaltslast und der Gewährträgerhaftung faktisch über eine Art „Staatsgarantie“ verfügen.
    • Die Regierungen legen als Eigentümer der Förderbanken wiederum die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen fest, zu denen die Förderbanken die Kredite zur Förderung und Unterstützung der Wirtschaft in der Corona-Krise ausreichen können.

Internationale Vorreiterrolle Deutschlands bei Förderbanken

Dieser Vierklang erklärt auch, warum der Schutzschild aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kreditmöglichkeiten besteht. Aufgrund der Eilbedürftigkeit wurden meist keine neuen Programme entwickelt, sondern der Zugang zu bestehenden Konzepten erleichtert. Zudem bestehen in Deutschland mit der KfW Bankengruppe und der Landwirtschaftlichen Rentenbank zwei bundeseigene Förderbanken und darüber hinaus eigene Investitions- bzw. Förderbanken in den 16 Bundesländern.

Mit diesem Konzept ist Deutschland einer der Vorreiter in Europa zur Abfederung schwieriger Wirtschaftslagen und der langfristigen Finanzierung zum Beispiel von kleinen und mittleren Unternehmen. Als die KfW im Jahr 1948 gegründet wurde, gab es nur in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Polen vergleichbare Institutionen. Erst ab 1989 – zunächst in den Ländern Mittel- und Osteuropas, danach ab 2008 verstärkt auch in anderen Ländern der Europäischen Union – wurden vergleichbare Konzepte umgesetzt und entsprechende Banken gegründet.

Lange Zeit nannte die KfW ihren Unternehmensziel übrigens bereits im Namen: sie hieß „Kreditanstalt für Wiederaufbau“. Im Jahr 2018 war sie die drittgrößte Bank Deutschlands, ausgezeichnet mit einem AAA-Rating. Auch mehrere landeseigene Förderbanken zählen zu den größten Banken Deutschlands.

Das Kreditangebot der KfW

Das Kreditangebot der KfW reicht von einem KfW-Schnellkredit, über Kredite für junge Unternehmen, Kredite für Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, bis zum Sonderprogramm für Konsortialfinanzierungen.

Der Schnellkredit kann für Anschaffungen und laufende Kosten verwendet werden. Antragsberechtigt sind Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitenden, die zudem einen Gewinn im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 oder im Jahr 2019 erzielt haben. Der Maximalbetrag beläuft sich auf 800.000 Euro bei einer Laufzeit bis zu zehn Jahren bei bis zu zwei tilgungsfreien Jahren. Der Kredit muss zwar bei einer Bank beantragt werden, die KfW übernimmt jedoch auf der Grundlage einer Garantie des Bundes 100% des Risikos.

Demgegenüber beträgt der Maximalbetrag bei den Krediten an etablierte Unternehmen bis zu einer Milliarde Euro. Er ist unter anderem begrenzt auf den aktuellen Finanzierungsbedarf für die kommenden 18 Monate bzw. 25 % der Jahresumsatzes 2019. Die Laufzeit beträgt bis zu sechs beziehungsweise zehn Jahre bei bis zu zwei tilgungsfreien Jahren. Bei kleineren und mittleren Unternehmen liegt die Haftungsfreistellung der Hausbank bzw. Sparkasse bei 90%, der Zinssatz zwischen 1,00 und 1,46 % p.a. Bei großen Unternehmen liegt die Haftungsfreistellung bei 80%, der Zinssatz zwischen 2,00 und 2,12 % p.a.

Sollte die Hausbank nicht bereit sein, ihren Teil der Haftung zu übernehmen, so besteht die Möglichkeit, eine Bürgschaftsbank einzuschalten. Für Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz erfolge eine Unterstützung wie bisher nach Einzelfallprüfung.

Hinweis: Für die jeweils aktuellen Bedingungen und Details: siehe Übersicht mit Links am Ende dieses Beitrags.

Das Kreditangebot der Förderbanken der Bundesländer

Die Regierungen der 16 Bundesländer haben über ihre Förderbanken zusätzliche Kreditprogramme aufgelegt, die sich voneinander unterscheiden. Manche Kredite können ergänzend, manche auch nur alternativ zu sonstigen Kreditprogrammen, zum Beispiel der KfW, in Anspruch genommen werden.

Unternehmen und Selbständige sollten sich dabei sowohl mit dem Programm im Bundesland ihres rechtlichen Sitzes als auch mit den in den Ländern, in denen sie über Betriebsstätten verfügen, beschäftigen, weil die Kredite häufig entweder an den Sitz oder eine Betriebsstätte geknüpft sind.

Das Kreditangebot der WI Bank

Ein Beispiel für die konkreten Angebote der Bundesländer ist die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI Bank), eine rechtlich unselbständige Anstalt in der Helaba.

„Hessen-Mikroliquidität“ nennt sich ein Darlehen für Unternehmen mit bis zu 50 Vollzeitstellen und Soloselbständige. Finanziert werden alle Betriebsmittel zur Fortführung der unternehmerischen Tätigkeit bis maximal 35.000 Euro, wobei das Darlehen bei einer Laufzeit von sieben Jahren und zwei tilgungsfreien Jahren mit 0,75% p.a. zu verzinsen ist. Die Auszahlungen von „Mikroliquidität“ erfolgen übrigens ohne Einschaltung der Hausbanken nach einer Plausibilitätsprüfung; der Antrag wird direkt online gestellt.

Mit „Liquiditätshilfe für kleine und mittlere Unternehmen in Hessen“ wird demgegenüber ein Kredit bis maximal 200.000 Euro bezeichnet. Für dieses Förderdarlehen sind zwar keine banküblichen Sicherheiten notwendig. Allerdings sind eine Bonitätseinstufung sowie eine Ko-Finanzierung durch die Hausbank in Höhe von mindestens 20% des WI Bank-Darlehens vorgesehen. Die Laufzeit beträgt zwei oder fünf Jahre mit Zinssätzen von 1,25 % bzw. 1,40 % p.a.

Die Finanzwirtschaft als unverzichtbarer Partner der Realwirtschaft

Die Bundesregierung beschränkt sich allerdings nicht nur auf aktuelle Hilfen, sondern plant auch schon für die nachhaltige Erholung nach Überwinden der Corona-Krise. So soll ein Wirtschaftsstabilisierungsfonds ins Leben gerufen werden. Der geplante Umfang von 600 Mrd. Euro teilt sich auf 100 Mrd. Euro Kapitalmaßnahmen, 400 Mrd. Euro Bürgschaften und 100 Mrd. Euro Beteiligung an der Refinanzierung der KfW-Programme aufteilen.

Deutschland hat mit diesem Maßnahmenpaket – das im Übrigen nach Bedarf tagesaktuell angepasst wird – die Voraussetzungen geschaffen, um der Realwirtschaft die Überbrückung des behördlich angeordneten Stillstands und eine Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Zugleich wird – wie selten zuvor – klar, welche zentrale Rolle und welches Potential die Finanzwirtschaft als Transmissionsmechanismus für die Realwirtschaft innehat. Es erweist sich, wie sehr Realwirtschaft und Finanzwirtschaft gemeinsam zu wirtschaftlicher Prosperität beitragen.

Weiterführende Informationen zum Corona-Schutzschild