Brexit

Das Risiko eines „harten Brexit“ bringt Unternehmen unter Zugzwang – Heißer Herbst steht bevor

Die Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals erhoffen sich bis zum EU Gipfel im Oktober, allerspätestens zum möglichen Sondergipfel im November, Klarheit über die Ausprägung des Brexit und die Auswirkungen auf ihr Geschäft. Ob im Herbst klar sein wird, inwieweit es zu einer Übergangsregelung kommen wird, die den Status-Quo bis Ende Dezember 2020 festschreibt, bleibt bislang offen. Zwar ist diese Übergangsfrist grundsätzlich vorgesehen, aber an noch unerfüllte Bedingungen geknüpft. Diese Bedingungen stellen sich als erhebliche Hürden dar. Das gilt vor allem für die Frage des Umgangs mit der Grenze in Irland.

Ob es also bald Klarheit dann geben wird, ist nicht ausgemacht. Ab September erwartet die Geschäftsführung von Frankfurt Main Finance daher einen heißen Herbst. Banken werden in den nächsten Wochen wesentliche Entscheidungen über Ihren Set-Up treffen müssen, denn die Zeit zur Vorbereitung auf den Brexit Ende März 2019 wird sonst zu knapp. Wenige Monate vor dem Termin für den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union ist das Risiko eines relativ harten Brexit noch immer nicht gebannt. Das bringt Handel, Industrie und Finanzdienstleister gleichermaßen unter Zeitdruck und Zugzwang.

Finanzinstitute rechnen in den nächsten Wochen nicht nur mit vermehrten Anfragen ihrer Kunden, sondern müssen auch für sich selbst konkret entscheiden, auf welches der Szenarien sie sich nun vorbereiten. „Die Zeit wird knapp“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „Wir erwarten einen heißen Herbst: Industrie- und Handelsunternehmen, aber auch die Asset Management-Branche müssen unbedingt jetzt das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern suchen, um die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Es gilt, die Finanzierung und Anlagen Brexit-fest zu machen. Das geht nicht auf Knopfdruck. Wir laufen auf einen Massenstart zu, der bei verspätetem Beginn zu einem Nadelöhr führen kann.“

Daher rät Frankfurt Main Finance den Unternehmen aus Handel und Industrie, aber auch den Asset Managern jetzt aktiv das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern zu suchen, um ihre Finanzierung Brexit-fest zu machen. Das gilt gerade auch für das Clearing für in Euro denominierte Zinsderivate. „Die Unternehmen müssen selbst aktiv werden und auf die Banken zugehen“, sagt Väth. „Es ist in ihrem eigenen Interesse, beispielsweise ihre Finanzierungen und die Absicherung Ihrer Zinsrisiken selbst für einen harten Brexit abzusichern. Leider ist dieser Fall noch immer nicht auszuschließen. Je früher sie mit ihren Banken sprechen, umso besser wird die Vorbereitung sein, denn die Unternehmen werden im Zweifel die Hauptleidtragenden sein.“

Frankfurt Main Finance sieht den Finanzplatz Frankfurt als logische erste Wahl bei der Neuordnung und -orientierung der Finanzbranche nach dem Brexit. Diese Chancen unter zunehmend stärkerem internationalen Wettbewerb zu nutzen, bedarf es aber weiterer erheblicher Kraftanstrengung.