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Der Brückenbauer zwischen Japan und Deutschland

Gastbeitrag von Yasuo Fukuda, Premierminister von Japan a. D., zum 60. Geburtstag von Gerhard Wiesheu.

Es gibt viele Gemeinsamkeiten, die Japan und Deutschland verbinden: Beide Länder sind bevölkerungsreich (etwa 120 Millionen Menschen in Japan und 80 Millionen in Deutschland), aber arm an natürlichen Ressourcen wie Öl. Beide Länder wurden im Zweiten Weltkrieg besiegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie es geschafft, aus der Asche aufzuerstehen und durch starkes Wirtschaftswachstum zu einer der größten Volkswirtschaften der Welt zu werden. Japan wie Deutschland sind Mitglied der G7-Gruppe der Industrienationen und Verfechter der liberalen Demokratie. Vor allem die Fertigungsindustrie beider Länder hat sich bemerkenswert entwickelt. Dank ausgeprägtem Know-how für die Herstellung von Gütern, in Japan bekannt als „Shokunin kishutsu” (zu Deutsch: „Handwerkskunst”), in Deutschland bekannt als Meister-Qualifikation, sind Produkte mit „Made in Germany”- und „Made in Japan”-Aufschriften zum Qualitätssiegel geworden.

Obwohl Japan und Deutschland viele Gemeinsamkeiten haben und ihr nationales Temperament als „kompatibel“ gilt, sind die Unterschiede in Sprache und kulturellen Gewohnheiten groß. Geografisch trennen sie tausende Kilometer. Die Vertiefung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern erfolgt also nicht automatisch oder gar zwangsläufig. Ein Mann, der seit vielen Jahren die Brücke zwischen den beiden Ländern schlägt, ist Gerhard Wiesheu, Vorstandsmitglied des Bankhauses Metzler, einer renommierten Privatbank mit Sitz in Frankfurt am Main.

Die erste Begegnung mit Gerhard Wiesheu, einem deutschen Geschäftsmann, und mir, einem japanischen Politiker, war interessanterweise nicht beruflicher Natur: Im Juli 2007 kam der Sohn von Wiesheu, Hiroki, damals Student, im Rahmen eines Praktikums nach Japan und half uns als Mitglied meiner Wahlkampagne bei den Gouverneurswahlen meiner Heimatpräfektur Gunma (wo ich einen Parteikollegen unterstützte) und bei den Unterhauswahlen in Tokio, für die ich selbst kandidierte. Durch Hiroki lernte ich später Gerhard Wiesheu und seine bezaubernde Ehefrau Yumiko kennen, und es entstand eine enge Freundschaft zwischen unseren Familien.

Im August 2007 wurde ich Premierminister von Japan. Im Jahr darauf, 2008, leitete ich den G8-Gipfel in Hokkaido (Toyako). Eines der Hauptthemen des Gipfels war die globale Erderwärmung und damit verbunden die Verringerung der CO2-Emissionen, wobei sich die Vereinigten Staaten von Amerika gegen das (für die damalige Zeit) ehrgeizige Ziel einer 50-prozentigen Verringerung der Emissionen bis 2030 sträubten, und so hatten wir selbst am Vortag des Gipfels noch keine Einigung über den Entwurf eines Abkommens erzielt. Am Morgen des Gipfeltreffens hatte ich schließlich ein persönliches Treffen mit US-Präsident Bush, und nach längerer Verhandlung konnten wir mit seinem Einverständnis den Entwurf doch noch rechtzeitig finalisieren. Ich erinnere mich noch gut daran, dass Bundeskanzlerin Merkel sehr erfreut über das Abkommen war, großes Lob aussprach und froh war, dass sie nun „stolz nach Deutschland zurückkehren kann”. Von allen Staatsoberhäuptern, mit denen ich zu tun hatte, hinterließ Bundeskanzlerin Merkels Lächeln auf dem G8-Gipfel den stärksten Eindruck bei mir. Sie zählte zu den aufrichtigsten, ehrlichsten und vertrauenswürdigsten unter den Regierungschefs.

Gerhard Wiesheu, der lange Zeit in Tokio gelebt und gearbeitet hat, spricht fließend Japanisch und hat viele persönliche Kontakte in der japanischen Geschäftswelt. Er hielt bereits zahlreiche Vorträge bei japanischen Wirtschaftsverbänden und Universitäten und setzt sich als Geschäftsmann kontinuierlich für den wirtschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Japan ein. Im Jahr 2015 erhielt er vom japanischen Außenminister für seinen Beitrag zur Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan eine Auszeichnung. Als repräsentatives Mitglied der deutschen Wirtschaft hat er sich immer wieder gemeinsam mit deutschen Politikern für die Stärkung der Partnerschaft zwischen beiden Ländern eingesetzt und unter anderem Bundeskanzlerin Merkel bei ihren Besuchen in Japan 2015 und 2019 beratend begleitet.

Auch durch seine Ehrenämter als Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreises, Stiftungsratsvorsitzender des Japanisch-Deutschen Zentrum Berlins, Mitglied der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Frankfurts, Präsident von Frankfurt Main Finance und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth hat Gerhard Wiesheu zur wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verflechtung beider Länder beigetragen. Übrigens sind die Bayreuther Festspiele in Japan sehr berühmt und bei Musikliebhabern bestens bekannt. Ich hoffe, dass ich eines Tages zusammen mit der Familie Wiesheu die Musik Richard Wagners in einer entspannten Atmosphäre genießen kann.

Gerhard Wiesheu ist am 12. Februar dieses Jahres 60 Jahre alt geworden. In Japan gibt es ein Konzept, was als „Eto” (chinesischer astrologischer Kalender) bezeichnet wird. Und das besagt, dass das Schicksal eines Menschen durch die Kombination von zwei Zyklen – zehn und zwölf Jahren –, die sich wie die Räder eines Autos drehen, bestimmt wird. Das kleinste gemeinsame Vielfache von 10 und 12 ist 60. Das Alter von 60 Jahren wird als ein wichtiger Meilenstein im Leben gefeiert, da die beiden Zyklen des chinesischen Kalenders – nach mehrfachem Drehen – nach der Geburt nun wieder aufeinandertreffen und somit genau zum Ausgangspunkt der Geburt zurückkehren, was in Japan als „die Rückkehr nach Hause” bezeichnet wird. Jedes der zwölf Jahre im chinesischen Kalender hat sein eigenes Tiersymbol, und das Symbol für Gerhard Wiesheu, der 1962 geboren wurde, ist der Tiger.

Möge Gerhard Wiesheu so mutig, entschlossen und stark wie der Tiger durch sein Leben gehen. Wir freuen uns, in ihm einen Partner zu haben, der weiterhin seinen Beitrag zur Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan als Brückenbauer zwischen den beiden Ländern leisten wird. Im Namen Japans möchte ich mich bei Gerhard Wiesheu für seinen Einsatz bedanken und wünsche meinem Freund alles Gute zu seinem 60. Geburtstag.

Text: Yasuo Fukuda, Premierminister von Japan a. D.

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