Der FintechGermany Award ist eine Plattform für aktiven Wissenstransfer

Interview mit Philipp Sandner zum FinTechGermany Award 2019

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland“, sagt Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Wie der FinTechGermany Award jungen FinTechs dabei helfen kann, die Hürden der Regulierung zu überwinden, lesen Sie im Frankfurt Main Finance Interview.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Das Hauptaugenmerk liegt grundsätzlich auf dem Business Model des zu beurteilenden Unternehmens. Gerade im Bereich der FinTechs ist der Innovationsgrad der Idee von besonderer Bedeutung. Die Umsetzung, die einhergehende Kosteneffiezienz und besonders die Integration neuer Technologien, wie Blockchain und Artificial Intelligence sind entscheidende Faktoren dafür, ob ein FinTech auf dem Markt bestehen kann – ober eben nicht. Gerade das Frankfurt School Blockchain Center hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, junge und hochinnovative Unternehmen, die sich dieser neuen Technologien bedienen, zu beraten und bei der Umsetzung sowie Kommerzialisierung zu unterstützen. Wir gehen fest davon aus, dass gerade der Einsatz der Blockchain-Technologie starken Einfluss auf die Finanzindustrie haben wird und damit selbstverständlich auch auf die Erfolgsaussichten der sich bewerbenden FinTechs.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland. Durch die Interaktion mit dem Finanzmarkt müssen oftmals strenge Regularien seitens der BaFin befolgt werden, welche durch Kostendruck und fehlendes Personal für FinTechs schwerer zu erreichen sind, als für große Finanzinstitute. Daher ist es wichtig, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern Wissen zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie sie beispielsweise ihr Geschäftsmodell anpassen, sodass die Notwendigkeit einer BaFin-Regulierung reduziert oder gar obsolet wird. Plattformen wie der FinTechGermany Award können als Grundlage für diesen Wissenstransfer genutzt werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ein gleichbleibender oder sich gar ausweitender Grad der Regulierung von FinTechs durch die BaFin während des Verlaufs des kommenden Jahres könnte zu einer Konsolidierung des Marktes führen und einige FinTechs zum Aufgeben zwingen. Trotz einer eventuell bevorstehenden Konsolidierung wird die Bedeutung von FinTechs meines Erachtens kontinuierlich zunehmen, da diese, anders als Banken oder andere große Finanzinstitutionen, Innovationen und den Einsatz neuer Technologien agiler und gezielter einsetzen können. Banken werden sich darauf einstellen müssen, ernsthafte Konkurrenz kleinerer Unternehmen zu erhalten, wodurch deren Monopolstellung schwinden könnte. Deshalb kann man Banken ermutigen, die Nähe zu FinTechs zu suchen, um zum einen Innovation aktiv zu fördern und zum anderen nicht den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Aus diesem Grund ist in den kommenden Jahren eine steigende Zahl von Kooperationen großer Finanzinstitutionen mit FinTechs zu erwarten. Mittelfristig werden Themen wie Artificial Intelligence, Machine Learning und Crypto Assets zentrale Bedeutung erlangen und darüber entscheiden, ob ein Geschäftsmodell auf dem Markt bestehen kann.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Zu allererst müssen Orte geschaffen werden, an denen sich junge Unternehmen gemeinsam kreativ versuchen und Beratung erhalten können. Eine solche Plattform dient nicht nur zum Austausch untereinander, sondern auch zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Investoren und Partnern. Am Finanzplatz Frankfurt gibt es leider bisher noch viel zu wenige Möglichkeiten. Diese Infrastruktur ist in anderen Ländern Europas und der restlichen Welt wesentlich besser ausgeprägt. Hier ist die Landes- sowie die Bundespolitik gefragt und aufgefordert, genügend Fördermittel zur Verfügung zu stellen, um eine ausreichende Zahl an Einrichtungen für junge Unternehmen zu Verfügung stellen zu können. Dabei ist auch der Wissenstransfer unabdingbar. Noch immer haben sich viele Entscheidungsträger nicht auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel in der Finanzindustrie eingestellt. Dies ist bedauerlich, da so deren Geschäftsmodell bedroht ist und zum anderen die gewachsene Finanzstärke genutzt werden könnte, um partnerschaftlich mit FinTechs Innovation voranzutreiben. Das Frankfurt School Blockchain Center möchte zu diesem Wissenstransfer beitragen und veranstaltet so regelmäßig Seminare, Veranstaltungen und große Konferenzen, um auf neue Entwicklungen aufmerksam zu machen und das Management für Themen wie Blockchain zu sensibilisieren.