Deutsches Aktieninstitut

Die schöne neue Welt der Abschlussprüfer

Ein Happening der Abschlussprüfer – geht das überhaupt? Ja! Das bewies die lebhafte Konferenz zum neuen Abschlussprüfungsreformgesetz (AreG) des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt. Den Groove erzeugte das mannigfaltige Optimierungspotenzial der neuen Verordnung. Den Beat steuerten diverse Unternehmensvertreter mit ersten Erfahrungsberichten bei.

Alles, was in Deutschland Rang und Namen in der Abschlussprüfer-Szene hat, traf sich am 26. April in Frankfurt. Eingeladen hatte das Deutsche Aktieninstitut, um sich über das AReG und das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz in der Praxis auszutauschen. Über die Rolle der Abschlussprüfung als zentrales Funktionselement der Wirtschaft referierte eingangs Prof. Dr. Peter Hommelhoff, Em. Ordinarius für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Rechtsvergleichung der Universität Heidelberg. Ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren des Kapitalmarkts ist das Vertrauen der Teilnehmer in die Rechnungslegung von Unternehmen. Dieses Vertrauen ist im Zuge der Finanzkrise 2008 erschüttert worden, wobei den Abschlussprüfern mit zum Teil unzuverlässigen Testaten eine Schlüsselrolle zukam.

Wiederherstellung des Vertrauens

Die europäische Abschlussprüferreform soll ihren Teil dazu beitragen, dieses Vertrauen wiederherzustellen, indem es den Schwerpunkt auf den Ausbau der Prüfer-Unabhängigkeit wie auch die Rolle des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrats legt. Wobei dem Prüfungsausschuss die Mitverantwortung für die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers zukommt durch die Überwachung etwaiger vom jeweils in Frage kommenden Wirtschaftsprüfungsunternehmen erbrachten Nichtprüfungsleistungen im Konzern.

Hier machten Vertreter der Deutschen Telekom, von Volkswagen und Daimler eindrucksvoll deutlich, dass das AReG aus Unternehmenssicht durchaus Wünsche offenlässt. Nicht nur, dass nun alle Beratungsleistungen in sämtlichen Tochtergesellschaften zentral freigegeben werden müssen – ab einer bestimmten Honorarhöhe direkt vom Prüfungsausschuss. Auch muss jedes dem Konzern zugehörige Unternehmen von öffentlichem Interesse (Public Interest Entity, PIE) den Abschlussprüfer durch den eigenen Prüfungsausschuss unabhängig auswählen lassen, was bei der Konzernkonsolidierung erheblichen Koordinierungsaufwand bedeuten kann, wenn unterschiedliche Prüfungsgesellschaften beauftragt werden. Nur, um eine Vorstellung zu bekommen: Der Volkswagenkonzern umfasst 28 PIEs in 12 Ländern.

Eigene Software erleichtert die Kontrolle

Besonders aufwendig gestaltet sich für Konzerne mit vielen Tochtergesellschaften und Beteiligungen die Dokumentation der relevanten Nicht-Abschlussprüfungsleistungen des aktuellen und – mit Hinblick auf die erforderliche Rotation – des zukünftigen Abschlussprüfers. Bisher lag die Verantwortung dafür bei der jeweiligen Wirtschaftsprüfergesellschaft, nun steht die Konzernmutter selbst dafür in der Pflicht. Problematisch dabei ist, dass innerhalb der EU das Sitzstaatprinzip gilt, also die Regelungen des Sitzstaates des einzelnen Tochterunternehmens ausschlaggebend sind. Und hier lässt die EU erhebliche Unterschiede bei der lokalen Definition von verbotenen Nicht-Abschlussprüfungsleistungen wie auch von Rotationszyklen bei den PIEs zu. Um dies alles zu koordinieren und mit dem Prüfungsausschuss beziehungsweise den -ausschüssen abzustimmen, haben Unternehmen mittlerweile eigene Software-Lösungen erstellt.

Verantwortung des Aufsichtsrats nimmt zu

Im Zuge der CSR-Berichtspflicht hat der Aufsichtsrat die neue Pflicht, die Rechtmäßigkeit, Ordnungsmäßigkeit und Zweckmäßigkeit der Berichterstattung zu prüfen. Der Abschlussprüfer prüft zunächst nur das Vorhandensein der Berichterstattung. Der CSR-Bericht kann, muss aber nicht, gleichzeitig mit dem Finanzgeschäftsbericht veröffentlicht werden. Wird er jedoch nicht innerhalb von vier Monaten nach Geschäftsjahresende veröffentlicht, hat das rückwirkende Auswirkungen auf das Testat. Zudem kann der Aufsichtsrat einen Wirtschaftsprüfer beauftragen, den CSR-Bericht einer freiwilligen Prüfung nach § 111 Abs. 2 Satz 4 AktG zu unterziehen. Dabei hat der Wirtschaftsprüfer den CSR-Bericht jedoch nur kritisch zu lesen, und es kann zu Prüfungslücken kommen. Letztlich haben die Daten nicht dieselbe Qualität wie die aus der Finanzberichterstattung. Aufgewertet wird die Verlässlichkeit der Informationen durch den Wirtschaftsprüfer, und es ist wohl eine Frage der Zeit bis zur Testierung nichtfinanzieller Leistungsindikatoren.

Der Bestätigungsvermerk wird neu strukturiert

Für vermehrten Austausch zwischen Konzern und Abschlussprüfer sorgt die Ausweisung von besonders wichtigen Prüfungssachverhalten (Key Audit Matters, KAM) im Testat. Die gesetzgeberische Intuition war es, dem Bestätigungsvermerk durch vermehrte Transparenz, Individualität und Relevanz eine erhöhte Aussagekraft zu verleihen. Laut Erfahrungsbericht von Thyssenkrupp hält sich die Relevanz bei der Zielgruppe Aktionäre/Investoren jedoch in Grenzen. Angesichts intensivierter Abstimmungen mit den Abschlussprüfern ist der Effekt überschaubar und die KAM werden vor allem als „Executive Summary“ wahrgenommen. Was die Qualität der Abschlussprüfung angeht, so lassen die KAM nicht automatisch Rückschlüsse darauf zu. Allgemeingültige Qualitätskriterien für die Abschlussprüfung gibt es nicht, sie sollten jeweils vom Prüfungsausschuss festgelegt werden. Für die Qualität der Abschlussprüfung haftet der gesamte Aufsichtsrat, der Prüfungsausschuss ist hier nur ein Überwachungsinstrument. Er hat keine eigene Funktion.

Von Dr. Charlotte Brigitte Looß.