Written by 8:00 Frankfurt Life

Die Welt unter einem Dach

Darmstadt ist jetzt Weltkulturerbestätte. Neben der Mathildenhöhe lohnt jedoch auch das Hessische Landesmuseum in Darmstadt einen Besuch. Das Museum lädt dazu ein, eine Vielfalt von international bedeutenden Schätzen aus den Bereichen Natur, Kunst und Kunsthandwerk zu entdecken.

Fürstliche Schatzkammer

Der riesige, schlossartige Bau im Zentrum von Darmstadt beherbergt eines der bedeutendsten Universalmuseen Europas mit Sammlungen von nahezu enzyklopädischem Charakter. Wertvolle Ausstellungsstücke aus den Bereichen Natur und Kultur, aus allen Phasen der Erd-, Lebens- und Menschheitsgeschichte und zugleich aus allen Teilen der Welt laden zu spannenden Entdeckungsreisen ein.

Eltern in Begleitung von Kindern können sich auf die zoologische Abteilung mit Glasvitrinen voller Tierpräparate, Skelette und den über 100 Jahre alten Dioramen konzentrieren. Kunstinteressierte können sich in die Betrachtung mittelalterlicher Elfenbeinarbeiten, flämischer Malerei und den modernen Wald der Skulpturen vertiefen. Oder man entscheidet sich, einfach durch das Haus zu bummeln und sich überraschen zu lassen: Vielfalt, Kontraste und Gegensätze lassen den Besuch zu einem visuellen Abenteuer werden und vermitteln Verständnis, Zusammenhänge und Mechanismen zu Kultur und Natur.

Ein Mensch inmitten einer Skelettherde

So marschiert ein Mensch als Skelett inmitten einer Skelettherde von Flußpferd, Kamel, Elefant, Giraffe, Wal und Wasserbüffel. Wenige Meter entfernt erlauben die Rekonstruktionen von zehn Hominidenbüsten, die Entwicklung unserer Vorfahren zum heutigen homo sapiens nachzuvollziehen. 1006 verschiedene asiatische Marienkäfer dokumentieren in einem kleinen Schaukasten in der zoologischen Abteilung, wie sich Individuen genetisch bedingt unterscheiden, während 1024 rechteckige Farbflächen auf einem wandfüllenden Gemälde von Gerhard Richter in der Sammlung der modernen Kunst Farbvielfalt zeigen.

In der rund fünfzehn Meter langen Mineralienvitrine glitzern und funkeln Edelsteine und Mineralien in allen Formen und Farben – aus dem Odenwald ebenso wie aus Afghanistan oder Madagaskar. Ebenso glitzert und funkelt es in der fürstlichen Schatzkammer, in der manch edle Kuriositäten vergangener Jahrhunderte, wie ein Kreiselschneckenpokal, ein Schildkrötenautomat oder ein Narwalstab ebenso zu bestaunen sind wie kostbare Gold- und Silberschmiedearbeiten. Eine holzvertäfelte Stube aus Oberitalien mit einem leuchtend grünen Kachelofen und einer mächtigen Globusuhr aus dem 16. und 18. Jahrhundert kontrastiert mit farbigen Vasen von Tiffany oder Lalique und einer zierlichen Orchideenbrosche aus der Zeit des Jugendstils, der Darmstadt seinen Welterbestatus verdankt.

Grube Messel, Dürer, Rembrandt und Beuys

Die Spannweite des Museums wird in den Höhepunkten deutlich: weltweit einzigartige Fossilien aus der Weltnaturerbestätte Grube Messel, zehn historisch wertvolle Dioramen mit Tieren aus allen Erdteilen aus dem Jahr 1906, die weltweit umfassendste druckgraphische Sammlung von Dürer und Rembrandt, die Jugendstilabteilung mit ihrer Schmucksammlung sowie der mit 290 Werken weltweit größte Werkkomplex von Joseph Beuys, der „Block Beuys“. Natürlich zeigt das Museum Gemälde – mit über 440 Werken vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Lucas Cranach, Pieter Brueghel und Peter Paul Rubens sind ebenso vertreten wie Arnold Böcklin, August Macke, Sigmar Polcke und Gerhard Richter.

Urpferde und Paarhufer aus der Grube Messel
Urpferde und Paarhufer aus der Grube Messel

Sammelleidenschaft eines Großherzogs

Entstanden ist das Museum aus der Sammelleidenschaft von Großherzog Ludewig I, der von 1790 bis 1830 regierte. 1820 übergab er seine Kunst- und Naturaliensammlung in Form einer Stiftung in das Eigentum des Staates. So wurde sie der Öffentlichkeit zugänglich. 1906 wurde das heutige Museum eröffnet, 1984 ein Erweiterungsbau. Konsequent wurden im Zeitverlauf die Bestände erweitert – durch Ankäufe, Schenkungen, Leihgaben und eigene Forschungen. Nur in der Zeit des Nationalsozialismus erlitt die Gemäldegalerie Verluste.

Mehr Informationen zum Museum, zu Öffnungszeiten und Sonderausstellungen finden sich unter www.hlmd.de. Originale graphischer Werke können sich Interessierte auf Anfrage in einem Studiensaal vorlegen lassen, da sie aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit nur selten ausgestellt werden.

Text und Fotos: Dr. Wolfgang Gerhardt. Foto Block Beuys: Wolfgang Fuhrmannek, Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Joseph Beuys, FOND III, 1969/Grauballermann, 1952/Filzanzug 1970, Block Beuys, Raum 2, (c) VG Bild-Kunst, Bonn, 2021).

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