Es ist, wie in eine andere Welt abzutauchen

Ein Interview mit Sascha Ruehlow

 

Sascha Ruehlow

„Offenbach und Frankfurt sind sich manchmal ähnlicher als man landläufig denkt“, sagt Sascha Ruehlow. Der Frankfurter Stadtführer mit Offenbacher Wurzeln verrät uns im Interview, wo die Nachbarstädte am Main zusammenwachsen.

Was hat Sie dazu bewegt, den Beruf des Stadtführers zu wählen?

Ich habe in meinem Leben schon eine ganze Menge gemacht: eine Ausbildung und ein Studium, Zivildienst. Während des Studiums habe ich viel recherchieren und dies in Form von Seminararbeiten oder Referaten wiedergeben müssen. Nach der Universität habe ich versucht, Fuß zu fassen. Dann wurde ich zufälligerweise auf den Beruf des Stadtführers aufmerksam, was ich recht interessant fand. So hat es angefangen. Dieses Jahr feiere ich mein 10-jähriges Jubiläum.

Es ist oft nicht leicht einen Frankfurter von der Nachbarstadt Offenbach zu überzeugen. Wie meistern Sie diese Herausforderung in Ihren Stadttouren?

Ich denke, dass den Frankfurtern in den vergangenen Jahren bewusst geworden ist, wie schön Offenbach sein kann. Die Stadt hat sich sehr verändert und man hat eine gute Anbindung für den öffentlichen Nahverkehr in die Bankenmetropole in der Nachbarschaft. Vieles hat sich im Bereich Freizeit und Gastronomie getan, aber auch was die Lebensqualität angeht. Am Kaiserlei kann man beobachten, wie beide Städte zusammenwachsen.

Bei Führungen ist es nicht immer ganz leicht, meine Zuhörer von den positiven Seiten Offenbachs zu überzeugen, weil diese häufig Negativklischees im Kopf haben.

Offenbach hat eben seinen ganz eigenen Charme. Man muss nur offen sein, um ihn zu entdecken.

Was zeichnet für Sie Frankfurt besonders aus? Was findet man in Offenbach, was man in Frankfurt vergeblich sucht?

Offenbach und Frankfurt sind sich manchmal ähnlicher als man landläufig denkt. Es sind Städte, in denen Migration eine wichtige Rolle spielt, in der die Ferne immer durch die Messe lokal präsent war. Das hat sich nicht geändert. Frankfurt ist jedoch durch seinen Großstadtcharakter recht anonym. In Offenbach trifft man sich auf dem Wochenmarkt oder begegnet sich bei einem Mainspaziergang. Offenbach wirkt in vielen Bereichen sehr entschleunigt, denn hier haben die Leute noch Zeit. In Frankfurt lebt man in einer dynamischen, zum Teil sehr turbulenten Stadt. Frankfurt bietet meiner Meinung nach mehr Freizeitmöglichkeiten, gerade, was Jugendliche angeht.

Was sind die Highlights Ihrer Touren durch Offenbach? Können Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre Touren geben?

Ich spiele gerne mit den Kontrasten und den Klischees, die es schon seit Omas Zeiten gibt. Die Leute sind dann immer überrascht, dass Offenbach so eine lange Geschichte hat und man Spuren berühmter Leute wie Mozart hier antrifft. Ein besonderes Highlight sind die türkischen Bäckereien und italienischen Käsemacher in den Offenbacher Hinterhöfen, oder dass Goethe hier seine Lili lieben lernte. Der Wochenmarkt am Wilhelmsplatz begeistert immer und ein Gang über die „Offenbacher Zeil“, die Frankfurter Straße, sind gerne angenommene Punkte beim Stadtrundgang. Besonderes Staunen erregt jedes Mal aufs Neue das „Krieh die Kränk Denkmal“ am Aliceplatz, auf dem ein Frankfurter von Offenbacher Hunden verfolgt wird.

Wo wohnen Sie derzeit?

Ich bin durch die letzten Studienjahre nach Frankfurt gekommen und wohne derzeit im Gallus. Immer wenn ich in meiner alten Heimatstadt eine Führung habe oder Freunde besuche, ist es eine besondere Gelegenheit, mal wieder mit sich selbst auf Tuchfühlung zu gehen. An bestimmten Ecken werden dann alte Kindheitserinnerungen wieder wach. Ein schönes Gefühl, wenn die Heimat so nahe ist und man jederzeit „in eine andere Welt abtauchen kann“.

Gästeführer und Foto-Guide Sascha Ruehlow führt nicht nur Frankfurter durch die Ecken und Winkel von Frankfurt und Offenbach – er erzählt auch die vielen kleinen Geschichten, die diese Städte so lebendig und atemberaubend machen. Frankfurter Lebenshunger, Offenbacher Mentalität, hessischer Kopp und viel schwarzer Humor – das zeichnet ihn und seine Touren aus. Informationen zu den Touren gibt’s auf www.dark-frankfurt.de.