FinTechGermany Awards 2017: Fintech-Gründer mit Golden Garage ausgezeichnet

FinTechGermany Awards zum zweiten Mal für sechs vielversprechende Geschäftsmodelle verliehen – Ökosystem in Frankfurt wächst

Im Rahmen des Frankfurt Finance Summit sind am Mittwochabend zum zweiten Mal die FintechGermany Awards verliehen worden. Dabei wurden Start-ups aus sechs Kategorien ausgezeichnet: Im Segment Seed/Early Stage machte Catana Capital das Rennen, Liqid Asset Management hatte im Bereich Late Stage die Nase vorn, und als Gewinner im Growth Stage wurde Raisin mit ihrer Marke Weltsparen ausgezeichnet. Bestes ausländisches Fintech wurde die in Zürich ansässige Centralway Numbrs, den Sonderpreis im Bereich Blockchain erhielt die Berliner Bitbond. In der Kategorie Insurtech wurde Lokalmatador Clark mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Dieser Preis wurde in diesem Jahr wieder von den Business Angels Frankfurt/Rhein-Main, Frankfurt Main Finance und der WM Gruppe, die auch die Börsen-Zeitung herausgibt, vergeben. Alle Start-ups waren mit Gründer und/oder Vorstand im Deutschen Filmmuseum auf der Bühne, um die Preise aus den Händen von Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der WM Gruppe, in Empfang zu nehmen.

Die FintechGermany Awards wurden erstmals im November 2016 anlässlich der Eröffnung des TechQuartiers vergeben. Dieses soll als zentrales Drehkreuz für die Ansiedelung von innovativen Unternehmen in der Region Rhein-Main dienen und hat sich bereits als Treffpunkt für deutsche und internationale Fintechs etabliert. Die damaligen Preisträger waren Scalable Capital, CRX Markets, WebID Solutions und Quantoz. Mit den diesjährigen FinTechGermany Awards wurde die Palette um die Sonderpreise für Insurtech und Blockchain erweitert.

Das von der Bundesregierung als einer von deutschlandweit fünf Knotenpunkten der Digitalisierung („Digital Hubs“) benannte Frankfurt hat in den vergangenen Monaten weiter an Reife und Strahlkraft als wichtiger Bestandteil des Fintech-Ökosystems von Flensburg bis Berchtesgaden gewonnen. Denn während anfangs viele Fintechs von Berlin aus mit auf Privatkunden (B2C) zielenden Geschäftsmodellen ins Rennen gingen, sind inzwischen viele junge Unternehmen auf einen B2B-Kurs umgeschwenkt und suchen verstärkt Kooperationen als Dienstleister von Banken. Damit einhergehend gewinnt die Mainmetropole als Bankenplatz an Attraktivität für Fintechs – selbst aus London wollen sich nun Brexit-bedingt Fintechs in Deutschland ansiedeln, blicken dabei aber in der Regel zuerst nach Berlin.

Skalierbar und exitfähig

Den Gewinnern der FintechGermany Awards soll die Auszeichnung Schwung verleihen bei der weiteren Geschäftsentwicklung. Das Augenmerk bei der Auswahl der Preisträger lag für die Juroren insbesondere darauf, wie gut sich das junge Unternehmen finanzieren lässt, wie leicht das Geschäft skalierbar ist und wie die Perspektiven für einen Exit sind, also für einen Börsengang oder einen Verkauf.

Noch aber sind alle in der „Golden Garage“ damit beschäftigt, zusätzliches Kapital für weiteres Wachstum zu akquirieren. Die im Growth Stage ausgezeichnete Raisin hat seit Gründung 60 Mill. Euro an Eigenkapital eingeworben. Die letzte Finanzierungsrunde der Berliner fand im Januar statt und brachte 30 Mill. Euro ein – eine für deutsche Verhältnisse beachtliche Dimension. Raisin hat als größter deutscher Anbieter in der Depositenvermittlung mehr als 2 Mrd. Euro an Einlagen vermittelt, wobei die Zinsanlagen in der Regel aus dem Ausland stammen.

Mit künstlicher Intelligenz

Die ebenfalls in Berlin ansässige Liqid ist auf digitales Wealth Management spezialisiert, zählt also zu den in Deutschland zahlreichen Robo-Advisern. Allerdings greift das Start-up um Geschäftsführer Christian Schneider-Sickert auf das Vermögensmanagement der Familie Harald Quandt zurück. Zur automatisierten Portfoliosteuerung ist ein zusammen mit den Universitäten in Zürich und St. Gallen entwickelter Algorithmus im Betrieb. Rund 10 Mill. Euro wurden bislang bei Investoren eingesammelt, zuletzt im Februar 4,5 Mill. Euro.

Die im Frankfurter Westend unweit des Palmengartens ansässige Catana Capital sorgte erstmals Mitte 2016 für Aufsehen, als bekannt wurde, dass das Start-up den weltweit ersten Publikumsfonds auflegte, der komplett auf Big Data und künstliche Intelligenz setzt. Eine zweistellige jährliche Rendite unabhängig von den Bewegungen am Aktienmarkt will Geschäftsführer Holger Knauer erzielen. Bei Dax-Produkten kommen dabei Long- und Short-Strategien zum Einsatz.

Mit Centralway Numbrs hat sich im Segment bestes ausländisches Fintech ein Plattformbetreiber für eine Multi-Banking-App durchgesetzt. Norisbank und Postbank zählen zu den Partnern, die ihre Produkte auf Numbrs vertreiben. Bei einer im Februar abgeschlossenen Finanzierungsrunde wurde angeblich eine Bewertung im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erzielt. Gezeichnet wurden Anteile im Wert von 50 Mill. Euro, Investor ist der Staatsfonds aus Dubai, Investment Corporation of Dubai. Im Gegensatz zur Smartphone-Bank N 26 will Numbrs als Partner und Vertriebsplattform der Banken agieren.

In der Kategorie Blockchain wurde mit Bitbond ein Spezialist für P2P-Kredite ausgezeichnet. Bereits Mitte 2013 gegründet, hatte Bitbond im Herbst 2016 als erstes deutsches Blockchain-Unternehmen eine Lizenz von der BaFin erhalten. Das Besondere: Ausgezahlt werden Kredite in Bitcoin. Knapp 80 000 Nutzer sind registriert, im Februar erhielt Bitbond ein Funding von 1,2 Mill. Euro. Die Jury für den Sonderpreis Blockchain bildeten Philipp Sandner (Frankfurt School of Finance & Management Blockchain Center) und Johannes Clauss (Unternehmer/Investor, CEO, Excon Services).

Blockchain und Insurtech

Der digitale Versicherungsmakler Clark verfügt über eine breite Investorenbasis, zuletzt wurden im Rahmen einer Serie-A-Finanzierung im vergangenen August 13,2 Mill. Euro eingeworben. Da die klassische Assekuranz ihre eigene Digitalisierung nun entschlossen vorantreibt, ist in den vergangenen Monaten reichlich Corporate Venture Capital in den deutschen Insurtech-Sektor geflossen. Marktkenner trauen der von Finleap auf den Weg gebrachten Clark als einem der ersten deutschen Fintechs den Börsengang im neuen Wachstumssegment Scale der Frankfurter Wertpapierbörse zu. Die Jury für den Sonderpreis Insurtech bildeten Markus Petry (Insurance and Finance, Hochschule RheinMain/Wiesbaden Business School), Simon Nörtersheuser (Insurtech-Investor, Co-CEO, Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH), Mehrdad Piroozram (Unternehmer/Investor, Partner, InsurTech.vc Management GmbH) und Christopher Schmitz (Partner EMEIA Financial Services, EY).

Dieser Artikel wurde am 27. April 2017 auf Seite fünf der Börsen-Zeitung sowie auf deren Webseite veröffentlicht. Der Author ist Björn Godenrath.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone