Frankfurt Finance Summit 2019: Navigieren in unsicheren Gewässern

Seit 2011 wird der Frankfurt Finance Summit jährlich am Finanzplatz Frankfurt abgehalten. Unter dem diesjährigen Motto Navigating in uncertain waters kamen am 18. Juni 2019 mehr als 200 hochkarätige Persönlichkeiten der nationalen und internationalen Finanzwelt zusammen und diskutierten die Themen:

  • Finanzplatz Deutschland: Strategien für den Erfolg in rauen Zeiten
  • Künstliche Intelligenz (KI) in der Finanzindustrie: Supermacht vs. Superrisiko, Revolution vs. Phrase
  • Werte verbinden: eine digitale Finanzdrehscheibe für Europa
  • Europa nach der Wahl und vor dem Brexit: Stabilität für funktionierende Märkte sichern

Die Teilnehmer waren Repräsentanten aus einem breiten Spektrum der Finanzdienstleistungsbranche – vorwiegend Entscheider aus Zentralbanken, Börsen, Aufsichtsbehörden, Banken, Versicherungen, Politik, Unternehmen und Wissenschaft.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance, eröffnete den Frankfurt Finance Summit mit einer herzlichen Begrüßung aller Teilnehmenden sowie Referentinnen und Referenten. Nach der anschließenden Willkommensrede durch Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, übernahm Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, das Wort. Dr. Kukies verwies auf die Notwendigkeit, sich bestmöglich auf alle Brexit-Eventualitäten vorzubereiten. Zwar seien bereits große Erfolge bei der Umsetzung wichtiger Maßnahmen erzielt worden, jedoch sei Europa bisher an einer gemeinsamen Taxonomie gescheitert. Eine europäische Einigung bleibe aber äußerst wichtig für ein nachhaltiges Finanzwesen.

Finanzplatz Deutschland: Strategien für den Erfolg in rauen Zeiten

Während der ersten Podiumsdiskussion wurde bei einer Umfrage an das Auditorium ersichtlich, dass laut Mehrheit der Summit-Teilnehmer die Zukunft des deutschen Bankensektors in Europa liegt. Diese Auffassung teilte auch der Deutschland-Chef von BNP Paribas Paribas Lutz Diederichs. Seiner Meinung nach sei die deutsche Bankenbranche nicht vom Inlandsmarkt abhängig, sondern stark internationalisiert. Auch Prof. Dr. Isabel Schnabel, Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, bestätigte diese Tendenz. Sie hob die Schwächen der Euro-Struktur hervor und bekräftigte, dass Deutschland in dieser Hinsicht mehr Reformen benötige. Co-Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, Cornelius Riese, sprach sich für eine umfassendere Strategie aus. Neben der Marktkapitalisierung seien auch Faktoren wie Kultur und Stakeholder-Interessen wesentliche Metriken zur Beurteilung des Finanzsystems oder eines Finanzinstituts.

Künstliche Intelligenz (KI) in der Finanzindustrie: Supermacht vs. Superrisiko, Revolution oder Phrase

Weiter ging es mit einer Diskussion über den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Finanzindustrie, an der Prof. Dr. Martin Hellmich, Partner bei Deloitte, Carsten Mürl, Director Product Management bei Mastercard, Dr. Holger Rommel, Head Research and Digital Transformation bei ti&m, Vahe Andonians, Senior Lecturer bei der Frankfurt School of Finance & Management, und Chris Boos, Gründer von Arago, teilnahmen. In erster Linie räumte Chris Boos, KI-Pionier aus Deutschland, mit Vorurteilen rund um das Thema auf. Die allgemeine Angst vor der KI sei vollkommen unbegründet. Zwar hätte sich die KI in den letzten fünf Jahren noch rasanter entwickelt als die letzten 50 Jahre zusammen, jedoch würde der Mensch auch in Zukunft nicht von der Maschine dominiert werden. Demnach seien Verständnis und Vertrauen der entscheidende Schlüssel für den Einsatz von KI in der Finanzindustrie.

Werte verbinden: eine digitale Finanzdrehscheibe für Europa

Bei dem anschließenden Powertalk zwischen Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, wurde der Frankfurter Finanzplatz unter die Lupe genommen. Prof. Wuermeling führte an, dass nach dem Brexit-Referendum ein Wettbewerb zwischen den europäischen Finanzzentren, im Werben um Geschäft, Stellen und Mitarbeiter aus London, ausgelöst wurde. Dabei ging es nicht nur darum, wer ein Stück vom Kuchen bekam, sondern wie groß das sei. Der Finanzplatz Frankfurt müsse entscheiden, ob er eine kooperative oder eine wettbewerbsorientierte Führung übernehmen wolle. Sein Rat wäre, den kooperativen Ansatz zu verfolgen, da durch eine Zusammenarbeit ein größeres Stück vom Kuchen gewonnen werden könne. Außerdem gab sich Wuermeling zuversichtlich, dass Frankfurt fünf Jahre nach dem Brexit die Führung im europäischen Finanzwesen übernehmen werde.

Europa nach der Wahl und vor dem Brexit: Stabilität für funktionierende Märkte sichern

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion befürwortete John Berrigan, stellvertretender Generaldirektor der EU-Kommission, in ähnlicher Weise eine Bankenunion. Dadurch könne die EU auf globaler Ebene an Gewicht zunehmen. Im Hinblick auf den Brexit sollten alle Beteiligten laut Herr Berrigan alles in ihrer Macht Stehende veranlassen, um die Risiken möglichst zu minimieren. Hierzu führte Matthias Graulich, Vorstandsmitglied der Eurex Clearing AG, die Unverzichtbarkeit von Anreizen an, sodass jeder Einzelne motiviert werde, zur Stabilität beizutragen. Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), machte auf die allgemeine Müdigkeit rund um das Thema Brexit aufmerksam. Zwar sei der Brexit sehr komplex und unberechenbar, aber er warnte ebenfalls davor, die Welt nur ausschließlich durch die Linse des Brexit zu betrachten. Es ginge schließlich nicht um London gegen den Rest der Welt. Rückblickend auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre, dürfe laut Felix Hufeld nicht vergessen werden, dass im Finanzsektor auf europäischer Ebene viele wichtige Verbesserungen in einer sehr kurzen Zeit vorgenommen wurden.

Der 9. Frankfurt Finance Summit endete mit einer Zusammenfassung der Kerninhalte des Tages sowie mit dem Schlusswort durch Michael Speth, Mitglied des Vorstands der DZ Bank.

  • Dr. Lutz R. Raettig, Chairman of the Executive Committee, Frankfurt Main Finance e.V

  • Dr. PhilippNimmermann, State Secretary, Hessen Ministry of Economics, Energy, Transport and Housing

  • Dr. Jörg Kukies, State Secretary, Federal Ministry of Finance

  • Prof. Dr. Uwe StegemannSenior Partner, McKinsey & Company, Lutz Diederichs, CEO, BNP Paribas Germany

  • Prof. Dr. Isabel Schnabel, Member of the German Council of Economic Experts, Professor of Financial Economics, University of Bonn

  • Frank Strauß, Member of the Management Board, Head of Private & Commercial Bank, Deutsche Bank

  • Dr. Cornelius Riese, Co-Chief Executive Officer, DZ BANK AG

  • Inken Schönauer, Editor-in-Chief, EURO FINANCE magazin, Chris Boos, CEO & Founder, arago

  • Vahe Andonians, Senior Lecturer, Frankfurt School of Finance & Management, Chris Boos, CEO & Founder, arago, Prof. Dr. Martin Hellmich, Partner, Deloitte, Carsten Mürl, Director Product Management, Mastercard, Dr. Holger Rommel, Head Research & Digital Transformation, ti&m

  • Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Member of the Executive Board, Deutsche Bundesbank, Hubertus Väth, Managing Director, Frankfurt Main Finance e.V.

  • Stephan Lutz, Partner, Capital Markets Leader, PwC Germany, John Berrigan, Deputy Director General Directorates B, C, D and E, DG Financial Stability, Financial Services and Capital Markets Union, European Commission, Maria Demertzis, PhD, Deputy Director, Bruegel, Matthias Graulich Member of the Executive Board, Eurex Clearing; Global Head of Fixed Income, Funding and Financing Strategy and Development, Deutsche Börse Group, Felix Hufeld, President, Federal Financial Supervisory Authority (BaFin), Boštjan Jazbec, PhD, Member of the Board and Director of Resolution Planning and Decisions, Single Resolution Board

  • Ram Shoham, Founder of Accelerator Frankfurt and Andreas Glänzel, Managing Director of Frankfurt Main Finance

  • Michael Speth, Member of the Executive Board, FIRM; Member of the Executive Board, DZ BANK