Frankfurt Finance Summit 2015

Frankfurt Finance Summit diskutiert Wege zu neuem Wachstum in Europa

Unter dem Motto „Reality Check – How to Foster Growth in the New Regulatory Environment“ kommen Notenbank­gouverneure, Regulierer, Vertreter der Aufsichtsbehörden, Finanzpolitiker, Wissenschaftler und Praktiker heute bereits zum fünften Mal am Finanzplatz Frankfurt zusammen, um Fragen der Finanzmarktregulierung und ihre Auswirkungen zu diskutieren. 

Nach Jahren, in denen die politische und regulatorische Aufarbeitung der Finanzkrise im Mittelpunkt der Diskussion stand, ist sie jetzt an einen neuen Punkt gekommen: Die Herausforderung 2015 ist es, Europa wieder auf Wachstumskurs zu bringen – „How to Foster Growth“ ist deshalb der fünfte Frankfurt Finance Summit überschrieben.

Welchen Beitrag die Finanzwirtschaft zu diesem Wachstum leisten kann, ist einer der Schwerpunkte auf dem Summit. Der Anteil der langfristigen Kredite am gesamten Kreditvolumen in Deutschland liegt bei über zwei Dritteln. Aus der Wirtschaft ist dieses Instrument vor diesem Hintergrund kaum wegzudenken. Dr. Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums bei Frankfurt Main Finance, sagt: „Langfristfinanzierung gestaltet sich im derzeitigen Regulierungsumfeld zunehmend schwierig. Das grenzt den Spielraum der Finanzwirtschaft ein, ihre Rolle bei der Finanzierung von Wachstum angemessen auszufüllen.

Wolfgang Hartmann, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM), ergänzt: „Derzeit erschwert Regulierung die Angebotsbedingungen des langfristigen Kredits, das für private Wachstumsinvestitionen überall in Europa entscheidende Finanzierungsinstrument. So steigt für Aktivpositionen die geforderte Eigenkapitalunterlegung und verteuert die Refinanzierung. Weitere Stichwörter geben die Net Stable Funding Ratio, die Leverage Ratio und auch ein erhöhter Rückstellungsbedarf nach IFRS 9.“

Dr. Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, sagt: „Um der Realwirtschaft zu dienen und Wachstum zu ermöglichen, müssen Banken ebenso stabil wie profitabel sein. Während die Profitabilität in den Händen der Banken selbst liegt, können Regulatoren die Stabilität verbessern, indem sie ein vernünftiges regulatorisches Rahmenwerk etablieren.“

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sieht keinen Widerspruch zwischen Regulierung und Wachstum: „Für eine nachhaltige Entwicklung muss beides in Einklang gebracht werden. Die Politik muss deshalb weiter konsequent an einer Regulierung der Finanzmärkte arbeiten, die gleichzeitig einfacher und härter ist. Dabei muss sie aber immer die Auswirkungen auf die Realwirtschaft berücksichtigen, zum Beispiel durch lange Übergangszeiträume. Nur solide kapitalisierte Banken können ein langfristig nachhaltiges Wachstum gewährleisten – an diesem Grundsatz muss sich jede kluge Regulierungspolitik orientieren.“

Jonathan Hill, Kommissar für Finanzmarktstabilität in der EU-Kommission, weist darauf hin, dass in einigen EU-Ländern, in denen die Banken kaum Kredite vergeben, gerade kleine und mittlere Unternehmen kämpfen. Deshalb müssten alternative Finanzierungswege freigemacht werden. Die Kapitalmarktunion sei deshalb das Leuchtturmprojekt der Kommission, um von Grund auf einen Binnenmarkt für Kapital aufzubauen. Dieser werde helfen, Finanzmittel frei zu machen, die zwar ausreichend vorhanden, aber zurzeit gebunden seien, und sie in den Dienst der europäischen Unternehmen zu stellen. Hill: „Die Kapitalmarktunion soll die Rolle der Banken ergänzen, nicht ersetzen. Es geht darum, europäische Lösungen zu schaffen, nicht amerikanische nachzuahmen. Europas Banken werden natürlich weiter eine entscheidende Rolle spielen. Ich bin sicher, dass viele Unternehmen weiter den Großteil ihrer Finanzierung über Bankkredite bekommen. Aber es gibt auch andere, die andere Möglichkeiten zur Finanzierung begrüßen würden.”

Der Frankfurt Finance Summit hat sich in seinem fünften Jahr als Forum etabliert, das sich mit der Exklusivität und Expertise seiner Teilnehmer auszeichnet. Die Konferenz kann per Stream im Internet live verfolgt werden.

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