Haftungsdachlösung für kleinere Finanzdienstleister

Ein Interview mit Frank A. Rothauge, Geschäftsführender Gesellschafter der AHP Capital Management GmbH

Vor welchen Herausforderungen stehen vor allem kleinere ausländische Finanzdienstleister, die sich am Finanzplatz Frankfurt am Main niederlassen möchten? Diese Frage steht im Fokus unseres Interviews mit Frank A. Rothauge, Geschäftsführender Gesellschafter der AHP Capital Management GmbH in Frankfurt.

 

 

Vor welchen Herausforderungen stehen ausländische Finanzdienstleistungsunternehmen, die sich am Finanzplatz Frankfurt Rhein-Main ansiedeln möchten?

 

Sofern die Finanzdienstleister aus der EU kommen, sind die Probleme überschaubar. Interessant wird es, wenn Unternehmen von außerhalb des EU-Raumes kommen. Dann benötigen diese zuerst eine Zulassung, um überhaupt Finanzdienstleistungen anbieten zu können. Der Zulassungsprozess ist eine langwierige und komplexe Angelegenheit, die eine hohe Hürde darstellt.

Welche Probleme drohen Unternehmen aus London, die in Frankfurt Finanzprodukte anbieten / vertreiben, nach dem Brexit?

Bisher können in London angesiedelte Finanzdienstleister im Rahmen der Regeln des EU-Binnenmarktes Ihre Produkte von Großbritannien aus, mittels eines sogenannten Passportings, auch in allen anderen Ländern der EU anbieten. Im Falle eines Hard-Brexit würde diese Möglichkeit von einem Tag auf den anderen wegfallen. Große Banken bereiten sich auf diese Situation vor in dem sie Aktivitäten in den verbleibenden EU-Raum verlagern, ggf. eine Lizenz im EU-Raum beantragen oder EU-Institute übernehmen. Für kleine Finanzdienstleister ist das in der Regel viel zu aufwendig.

Warum ist eine klassische Lizenzbeantragung nicht immer eine Lösung?

Für große Institute ist die klassische Lizenzbeantragung sicherlich sinnvoll, aber kleine Finanzdienstleister scheuen das langwierige Verfahren (6-12 Monate) und die hohen Kosten einer vollen lokalen Präsenz. Dazu kommt, dass Mitarbeiter mit Know-How im Bereich Compliance mittlerweile schwer zu finden sind. Sofern ein Finanzdienstleister nur Wertpapiere vermitteln will, gibt es eine viel einfachere Lösung. Er gründet eine Vertriebsgesellschaft unter der Lizenz eines bereits nach KWG zugelassen Finanzdienstleisters, einem sogenannten Haftungsdach, wie der AHP Capital Management. Dabei kann der ausländische Finanzdienstleister zusätzlich vom Netzwerk der AHP mit weiteren Vertriebspartnern und Kontakten profitieren.

Wie funktioniert diese alternative Haftungsdach-Lösung?

Die Vertriebsgesellschaft wird als sogenannter vertraglich gebundener Vermittler nach §2 Abs. 10 KWG an das nach §32 KWG zugelassene Institut angebunden und arbeitet unter Haftung dieses Instituts, daher der Begriff Haftungsdach. Das Haftungsdach prüft die Eignung der Mitarbeiter und stellt sicher, dass alle Regulierungen für Finanzdienstleister, wie beispielsweise Kundeneinstufung, Angemessenheitsprüfung, Geldwäscheprüfung und Produktfreigabeprozesse ordentlich umgesetzt werden. Damit erspart sich ein ausländischer Finanzdienstleister einen erheblichen Teil des sonst notwendigen Compliance-Setups. Wichtig ist allerdings, dass die Haftungsdachlösung nur im Bereich der Anlageberatung und Anlagevermittlung umsetzbar ist. Für darüber hinaus gehende Angebote, wie Kontoführung oder Kreditvergabe ist eine eigene Lizenz unabdingbar.

Welche Vorteile birgt der Standort Frankfurt für die Unternehmen, die ihre Geschäfte auf diese Weise in die EU verlagern wollen?

Frankfurt ist der wichtigste Finanzplatz in Deutschland, dem größten Einzelmarkt in der EU nach einem ausscheiden Großbritanniens. Durch seine zentrale Lage ist es ein idealer Platz, um auch den Rest der EU vor hier aus zu bedienen. Besonders interessant ist Frankfurt auch durch die hohe Dichte an qualifiziertem Personal, die hier zur Verfügung steht, auch bedingt durch die andauernde Restrukturierungsprozesse der deutschen Großbanken. Personal ist und bleibt nun mal die wichtigste Ressource eines Finanzdienstleisters.