Written by 15:22 Finanzplatz

DVFA Monatsfrage: Die Hauptversammlung als unverzichtbares Element direkter Aktionärsdemokratie

Die zukünftige Ausgestaltung des Formats von Hauptversammlungen war Thema der aktuellen DVFA Monatsfrage. Hauptversammlungen haben traditionell einen besonderen Stellenwert in Deutschland. Vor der Corona-Krise waren sie nicht nur Ort formaler Abstimmungen, sondern auch das Forum intensiver Aussprache zwischen Aktionären und Management einer Aktiengesellschaft.

Nahaufnahme einer Hand. Die Person, die sich meldet, um während einer Veranstaltung eine Frage zu stellen, ist nicht erkennbar. Im Hintergrund sieht man verschwommen zwei Redner auf einer Art Bühne.

Zum dritten Mal in Folge steht die Hauptversammlungssaison auch in diesem Jahr noch unter den Vorzeichen von pandemiebedingten Beschränkungen. Eine gesetzliche Reform des Formats der Hauptversammlung wird derzeit intensiv diskutiert, daneben drängen immer mehr Fragen zur Nachhaltigkeitsstrategie in die Hauptversammlungen von Unternehmen.

Eine erste Frage zielte auf die Bedeutung der Hauptversammlung für die Aktienkultur an sich. Die Hälfte der befragten Investment Professionals misst der Hauptversammlung eine hohe Bedeutung für die Aktienkultur bei, 29 % sogar eine sehr hohe. Lediglich 19 % halten die Rolle der HV für gering und nur 1 % für sehr gering.

Aktionärsrechte leiden unter der aktuellen Regelung

Während der letzten zwei Jahre wurden Hauptversammlungen – bedingt durch die Covid-Gesetzgebung – nur online durchgeführt. Der DVFA fragte: Wie bewerten Sie die Hauptversammlungen im Corona-Format der letzten zwei Jahre gegenüber dem davor üblichen Präsenzformat als Beitrag zu einer guten Corporate Governance von Unternehmen? Die deutliche Mehrheit der Befragten, 62 %, bewertet das neue Format als schlechter. Als unverändert stufen es 24 % ein und 14 % gehen davon aus, dass es einen besseren Beitrag zu einer guten Corporate Governance gibt.

Hybride Hauptversammlungen sinnvollste Lösung

Gelebte Aktionärsdemokratie ist ein hohes Gut im Hinblick auf die Mitspracherechte der Anteilseigner. Gefragt, welches Format der Hauptversammlung dauerhaft für das sinnvollste für eine gelebte Aktionärsdemokratie gehalten wird, waren die Antworten eindeutig. 85 % sprechen sich für eine hybride Durchführung aus, 13 % für Präsenzveranstaltungen und lediglich 2 % für rein online durchgeführte Hauptversammlungen.

Bei der Frage, welches Organ einer Aktiengesellschaft über das Format der Hauptversammlung entscheiden soll – Vorstand, Aufsichtsrat oder Hauptversammlung – gab es eine ebenso überwältigende Mehrheit. Für die Hauptversammlung als Entscheidungsorgan stimmen 82 %, für den Aufsichtsrat 11 % und für eine Vorstandsentscheidung 7 %.

Nachhaltigkeitsthemen durch direkten Aktionärseinfluss gewünscht

Impulse für eine nachhaltige Unternehmensführung dürfen gerne auch über den direkten Draht von den Aktionären kommen. So zielen ,Say-on-Climate-Beschlüsse‘ darauf ab, das Management zu ambitionierten Klimaschutzaktivitäten anzuhalten. Eine Mehrzahl von 52 % der Befragten würde es begrüßen, wenn auch in Deutschland mehr direkte Anträge von Aktionären zu Nachhaltigkeitsaspekten möglich wären. 18 % halten das nicht für richtig. Keine dezidierte Meinung zu diesem Thema haben 30 %.

„Die klare Haltung unserer Mitglieder ist ein deutlicher Fingerzeig an Unternehmen und Gesetzgeber: Die Rechte der Aktionäre müssen auf der Hauptversammlung der Zukunft weiterhin voll zur Geltung kommen – zur Stärkung der Aktienkultur in Deutschland“, kommentiert Michael Schmidt, Vorstandsmitglied des DVFA e.V. und Leiter der DVFA Kommission Governance & Stewardship, die Ergebnisse der Umfrage.

 

Die DVFA Monatsfrage wendet sich an die 1.400 Mitglieder des Verbandes und widmet sich Themen, die in der Finanzbranche diskutiert werden. Die Ergebnisse der Umfrage werden regelmäßig an jedem 2. Dienstag im Monat veröffentlicht.

 

Quelle: Pressemeldung der DVFA vom 14. Juni 2022
Foto via Unsplash

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