Hessische Delegation auf Brexit-Tour in London – ein Reisebericht

Die Vertreter des hessischen Wirtschaftsministeriums sind seit Monaten im Brexit-Modus. Kommunikation über alle Kanäle und am liebsten im persönlichen Gespräch – wenn es darum geht, für die Vorteile Frankfurts als Finanzzentrum der EU zu werben, wird jeder Anlass genutzt. So auch die Delegationsreise des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir nach London. Die im Ursprung für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft initiierte Reise war der ideale Rahmen für eine kleine Finanzdelegation des Ministeriums. Armin Winterhoff, Referatsleiter Finanzplatz Frankfurt, war Teil dieses Teams und kennt die Details und Hintergründe der dreitägigen London-Tour.

Zehn Banken, zwei Verbände, drei Tage. Das Programm der Finanzdelegation um Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir war vollgepackt, als es vom 9. bis 11. Mai nach London ging. Da liegt es auf der Hand, dass schon im Vorfeld im Detail festgelegt wurde, wer mit welchem Schwerpunkt an welchem Termin teilnimmt. „Wir suchen das persönliche Gespräch zu den Verantwortlichen in den Banken und bei den Verbänden. Wir wollen für Frankfurt werben, indem wir informieren und Austausch mit Spezialisten anbieten. Der Finanzplatz Frankfurt soll zum ‚Gateway to the EU‘ werden.“, erklärt Armin Winterhoff die grundlegende Zielsetzung. Fakten sprächen für die Vorteile der Mainmetropole und deshalb wird er nicht müde zu betonen, wie wichtig es sei, fundierte Informationen an der richtigen Stelle zu hinterlegen – also insbesondere bei den großen international tätigen Banken, die aufgrund des Brexit aller Voraussicht nach ihren Zugang zum EU-Finanzmarkt verlieren werden.

Informationen an der richtigen Stelle hinterlegen: Die Finanzdelegation besuchte 10 Banken und zwei Verbände in London. (Canary Wharf, Quelle: fotolia)

Die Tage sind durchgetaktet, Working Lunches und Hessen Abend inklusive. Umso wichtiger, dass das kleine Kernteam – bis zu 10 Spezialisten aus dem Wirtschaftsministerium, der Stabsstelle Brexit bei der hessischen Staatskanzlei, dem hessischen Finanzministerium, der Bundesbank sowie Einrichtungen wie dem Verband der Auslandsbanken in Deutschland e. V., Frankfurt Rhein Main GmbH und Frankfurt Main Finance e. V. – gut eingespielt ist. „Mit den meisten Adressen waren wir auch vor der Reise schon in engem Kontakt“, erläutert Winterhoff. Es sei aber unverzichtbar, vor Ort und im persönlichen Gespräch aufzuzeigen, was den Finanzplatz Frankfurt besonders ausmache.

Hessen Abend: Auf Einladung des Landes Hessen trafen sich rund 150 Teilnehmer im 100 Wardor St im Herzen von Soho. Minister Tarek Al-Wazir wirbt für Frankfurt. Quelle: twitter.com/hmwevl

Auch Vorbehalte müssten aus der Welt geschafft werden: „Wer mit globaler Perspektive auf Frankfurt schaut, wird oft schon bei der Einwohnerzahl von 700.000 stutzig. Dass im Einzugsgebiet Frankfurt Rhein Main 5,6 Mio. Menschen leben, viele davon hochqualifiziert mit internationalem Background, muss erklärt werden.“ Winterhoff kann zahlreiche solcher Beispiele nennen – weil sich letztlich alle mit den gleichen Fragen beschäftigen. Deshalb gehört auf solchen Reisen die „Welcome to the Financial Centre Frankfurt“-Broschüre zum Handgepäck. Diese bringt  „10 Punkte für Frankfurt“ auf den Punkt.

Download Broschüre Welcome to the Financial Centre

Auffallend ist nach Winterhoffs Beobachtung, wie offen und konstruktiv die Delegation aus Frankfurt allerorten empfangen wurde: „Für uns ist das ein Indiz, dass in dieser Phase alle internationalen Häuser größtes Interesse an einer inhaltlich tiefgehenden Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Finanzplätzen in der EU haben.“ Sicher hätte jede Bank eigene Analysen, aber diese zu unterfüttern mit Informationen aus erster Hand habe offensichtlich hohen Stellenwert. „Da sind wir als die offiziellen Vertreter des Landes durchaus gefragte Gesprächspartner“, so der Referatsleiter.

Auch wenn das Informieren über und das Werben für den Standort an erster Stelle stehen – auf Seiten der hessischen Vertreter ist eine solche Reise ebenso immer wieder ein Erkenntnisgewinn. „So bekommen wir hautnah mit, worüber in London diskutiert wird und wo die Knackpunkte für die Unternehmen liegen“, sagt Winterhoff. Das seien im Übrigen nicht nur die harten Fakten vor allem mit Blick auf bestehende Regulatorik. Großes Interesse fänden auch Softskills wie das Vorhandensein von Ressourcen in der Region sowie Freizeitangebote und Kulturprogramm. Denn wer erwäge, mit seinem Unternehmen und seiner Familie von der Themse an den Main zu ziehen, wolle wissen, was ihn erwartet. „Wir messen diesen Fakten einen hohen Stellenwert bei, weil letztlich nicht nur Steuern und Arbeitsrecht darüber entscheiden, wo Menschen sich wohl fühlen“, ist Winterhoff sicher. Im persönlichen Gespräch falle es leichter zu erzählen, wie es sich in und um Frankfurt lebt. Deshalb werden die hessischen Vertreter weiter jede Gelegenheit suchen, die Mainmetropole zu präsentieren.

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