Interview zum 1. DVFA Geldpolitik Forum mit Ingo R. Mainert, stv. Vorstandsvorsitzender DVFA e.V.

Mit dem anstehenden Wechsel an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) beginnt zumindest personell eine neue Zeitrechnung in der europäischen Geldpolitik. Am 1. November 2019 folgt Christine Lagarde als Präsidentin der EZB auf Mario Draghi.

Einen Tag davor, am 31. Oktober, findet im House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt das 1. DVFA Forum Geldpolitik zum Thema „Die zukünftige Geldpolitik im Euroraum: Neubeginn oder weiter wie gehabt“ statt. Die Agenda der Veranstaltung umfasst die Bereiche

  • Geldpolitik im Spannungsfeld von Strategie und Taktik
  • Finanzstabilität
  • Unabhängigkeit der supranationalen EZB als institutionelle Versuchung sowie
  • Herausforderungen der gegenwärtigen Geldpolitik und zukünftige monetäre Optionen.

Wir haben mit Ingo R. Mainert, CIO Multi Asset Europe von Allianz Global Investors, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA und stellvertretender Leiter der DVFA Kommission Geldpolitik, über die Veranstaltung gesprochen.

Herr Mainert, mit welcher Zielsetzung hat sich die DVFA des Themas Geldpolitik angenommen?

Wenn Geld der Schmierstoff für die Wirtschaft ist, dann ist die Zentralbank die Ölpumpe. Der Einfluss der Geldpolitik auf die Finanzmärkte ist enorm – und zuletzt sogar noch gestiegen! Das sieht man nicht zuletzt an den aktuell negativen Renditen an den Anleihemärkten. Darüber hinaus hat die EZB als supranationale Zentralbank noch eine weitere, nicht zu unterschätzende politisch-soziale Bedeutung: Ihre Geldpolitik hat weitreichende Folgen für das Projekt Europa und damit auch über die Länder des Euroraums hinaus.

Frankfurt ist eine der wichtigsten Städte weltweit, wenn es um Geldpolitik geht. Wie spiegelt sich das innerhalb der DVFA Kommission zur Geldpolitik und konkret auf dem anstehenden Forum wider?

Stimmt. Mit der EZB und der Bundesbank haben gleich zwei institutionelle Schwergewichte am Finanzplatz Frankfurt ihren Sitz. Dies hat naturgemäß auch eine sehr internationale Geschäftsbankenlandschaft zur Folge, wovon wir in der DVFA profitieren. Darüber hinaus lehrt und forscht die Goethe-Universität mit dem House of Finance auf höchstem akademischem Niveau. Frankfurt ist damit ein europäischer Magnet für Finanzmarktexperten, und die hochkarätige Besetzung des 1. DVFA Forums Geldpolitik, auf die wir auch ein bisschen stolz sind, spiegelt dies wider. Mit dieser Expertise und der Themenbreite der Veranstaltung möchten wir der aktuellen geldpolitischen Diskussion Impulse geben. 

Welche Gründe haben Sie bewogen, gerade jetzt das erste Forum zur Geldpolitik ins Leben zu rufen?

Die Zeit war reif. Über die letzten Jahre haben wir eine Zeitenwende bei der Geldpolitik gesehen, und selten zuvor lagen die Meinungen hinsichtlich des richtigen geldpolitischen Kurses derart weit auseinander wie heute. Es wird zunehmend deutlich, dass die Geldpolitik nicht nur finanzielle und ökonomische, sondern auch soziale und verteilungspolitische Folgen hat. In Zeiten eines zunehmenden Populismus kann dies schwerwiegende Folgen haben.

Wenn Sie ein paar Jahre in die Zukunft schauen, was würden Sie mit dem Forum Geldpolitik und der DVFA Kommission Geldpolitik erreichen wollen?

Wir möchten diese Veranstaltung dauerhaft als Branchengipfel etablieren und würden uns freuen, wenn sie für alle an Fragen der Geldpolitik Interessierten zum Pflichttermin würde. Die DVFA Kommission Geldpolitik wollen wir als gewichtige Stimme in der Diskussion um Fragen der Geldpolitik positioniert sehen. Seit ihrer Gründung Ende letzten Jahres sind wir hierbei auf einem guten Weg.

 


Die DVFA Kommission Geldpolitik beschäftigt sich insbesondere mit folgenden Themen:

Die Rolle der Zentralbank

  • Geraten die Zentralbanken unter zunehmenden Einfluss der Politik?
  • Bankenaufsicht in der EZB – Führt die Doppelrolle zu einem Bias in der Geldpolitik?
  • Ist das Inflationsziel noch das richtige Steuerungsinstrument der Geldpolitik?
  • Wie kann die Kapitalmarkt- und Bankenunion den Transfermechanismus zwischen Geldpolitik und Unternehmensfinanzierung verbessern?

Makroökonomische Entwicklungen und langfristige Auswirkungen

  • Gibt es im Ökonomen-Streit um das europäische Zahlungsverkehrssystem „Target2“ konstruktive Lösungen für den Umgang mit dem negativen Saldo zu Lasten der Deutschen Bundesbank
  • Verstärkt die Niedrigzinspolitik die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen?
  • Werden durch die lockeren Finanzierungsbedingungen Unternehmens-„Zombies“ am Leben gehalten?

Einflüsse neuer Technologien

  • Central Bank Digital Currencies (CBDC) – Wie wirkt das Aufkommen digitaler Währungen auf das Monopol der Zentralbanken und die bestehende Währungsordnung?

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der der DVFA Kommission Geldpolitik.

 

DVFA e.V.: Die Standesorganisation der Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten mit über 1.400 persönlichen Mitgliedern. Der Verband engagiert sich für die Professionalisierung des Investment-Berufsstandes, erarbeitet Standards und fördert den Finance-Nachwuchs. Der Verband ist international verankert. Er ist Mitglied von EFFAS – European Federation of Financial Analysts Societies mit über 17.000 Investment Professionals europaweit und auch Mitglied bei der ACIIA – Association of Certified International Investment Analysts, einem Netzwerk mit 100.000 Investment Professionals weltweit. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der DVFA.