DVFA Talk

Investmentprofessionals diskutieren Neuerungen bei Corporate Governance

Der Verband der Investment Professionals DVFA hatte am Donnerstag, den 17.01., in Frankfurt  sein erste Veranstaltung 2019 der Reihe „DVFA Mitglieder Talk“ aktuellen Themen zur Corporate Governance – “Stewardship und Governance – Aktionäre  und Unternehmen in der Pflicht” gewidmet.

Nicht ohne Grund: Im Jahr 2019 stehen diverse Weichenstellung beim Thema Corporate Governance an: Ende Januar geht die Konsultationsphase zur Neufassung des Deutschen Corporate Governance Kodex zu Ende. Das ARUG II (Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechte Richtlinie) muss nach den europäischen Umsetzungsvorgaben bis spätestens am 10. Juni 2019 in Kraft treten. Die DVFA Kommission Corporate Governance hatte bereits im November eine Stellungnahme zu ARUG II und am 10.01.2019 eine Stellungnahme zum DCGK veröffentlicht.

Die deutschen Investment Professionals sehen eine klare Notwendig zur Anpassung der Vorstandsvergütung, wie die jährlich durchgeführte Umfrage der DVFA unter Leitung der Prof. Dr. Markus C. Arnold von der Universität Bern und Prof. Dr. Martin Artz von der Universität Münster zur „Vergütung der DAX 30 CEOs“ Ende 2018 ergeben hat.

So hatten die anwesenden Mitglieder der DVFA Gelegenheit, sich umfassend über Hintergründe und Auswirkungen der anstehenden Veränderungen zu informieren und im Diskurs mit den anwesenden Experten auszutauschen.

Zentrale Themen des Abends waren die Darlegung und Diskussion der Veränderungen bei zentralen Regelungen für Unternehmen und Investoren in Deutschland hinsichtlich Corporate Governance und Stimmrechtsausübung – u.a. der Vorstandsvergütung und der Unabhängigkeit von Aufsichtsräten. Im Fokus stand dabei die Frage: Was bringen die Neuregelungen, und wie müssen sich die Treuhänder („Stewardship“) und Unternehmen („Governance“) im neuen Umfeld positionieren.

Hierzu waren hochkarätige Referenten geladen, die zunächst in Impulsvorträgen tiefgreifende Einblicke in den Entstehungs- und Umsetzungsprozess sowie in die Ziele der Neuregelungen gaben:

  • Prof. Dr. iur. Tim Florstedt, EBS Universität für Wirtschaft und Recht Wiesbaden und Mitglied der Expertenkommission des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) zur Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie
  • Prof. Dr. Dirk Andreas Zetzsche, Université du Luxembourg und Mitglied der Expertenkommission des BMJV zur Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie
  • Prof. Dr. Wulf von Schimmelmann, Multi-Aufsichtsrat und Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex
  • Michael Schmidt, DVFA Vorstandsmitglied, sowie weitere Mitglieder der DVFA Kommission Corporate Governance

Vor allem die Themen Know-Your-Shareholder, Related Party Transactions und Say-on-Pay sowie die Neufassung des Deutschen Corporate Governance Codex wurden im Anschluss intensiv diskutiert. Bei der Umsetzung von ARUG II in nationales Recht zeigte sich schnell, dass sich dabei viele Fragen auftun: Führt die konsequente Umsetzung des Know-Your-Shareholder-Rechts zu einer de facto Abschaffung der Inhaberaktie? Wo liegt ein sinnvoller Schwellenwert für die Offenlegung von Related Party Transactions, die zu einer deutlichen Erhöhung der Ad-hoc-Pflichten führt? Kommt Say-on-Pay einer Entmachtung des Aufsichtsrats gleich?

Mehr Zustimmung gab es im Grundsatz zum Entwurf zur Änderung des Deutschen Coporate Governance Kodex: Trotz unterschiedlicher Ansichten zu den Details einer möglichen Umsetzung stelle dieser einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu mehr Transparenz und einer leistungsgerechten Vergütung von Vorständen deutscher Aktiengesellschaften dar.

Weitere Informationen zur DVFA Kommission Corporate Governance und die Stellungnahmen finden Sie hier.