FinTechGermany Award

Jahrbuch 2016: Hessen fördert FinTechs

Welchen Beitrag leistet das Land Hessen, ein lebendiges FinTech-Ökosystem in der Region zu schaffen? Dazu äußert sich Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im neuen Jahrbuch von Frankfurt Main Finance.

Die Digitalisierung erfasst zunehmend auch den Finanzsektor und stellt insbesondere Banken, Börsen und Versicherungen in immer kürzer werdenden Zeiträumen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig verändern sich durch die neuen technologischen Möglichkeiten auch die Bedürfnisse und das Verhalten von Kunden grundlegend. Damit muss die Finanzbranche Schritt halten und in neue Produkte, Prozesse, Technologien sowie Sicherheit investieren. Eine große Anzahl junger Finanztechnologie-Unternehmen, FinTechs, hat sich gebildet. Sie können in der nächsten Dekade bis zu 60 Prozent des Gewinns traditioneller Banken im Privatkundengeschäft sowie 40 Prozent ihres Umsatzes übernehmen.

Diesen Veränderungen stellen sich sowohl der Finanzplatz Frankfurt als auch die Hessische Landesregierung. Sie wollen dazu beitragen, dass sich der Finanzplatz zu einem international führenden FinTech-Hub weiterentwickelt.

Dazu bietet die Metropolregion Frankfurt ideale Voraussetzungen. Keine andere Region Deutschlands oder Europas bietet eine ähnliche geografische Verknüpfung von Informations- und Kommunikationstechnologie mit Finanzdienstleistungen. So gibt es renommierte und international anerkannte wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten wie die Goethe-Universität und die Frankfurt School of Finance & Management sowie herausragende Adressen für IT.

Dabei ist der Finanzplatz weit mehr als ein potenzieller Geldgeber und Wachstumsförderer der FinTechs. Vielmehr trifft deren Innovationskraft auf die Finanzkraft und das Know-how des wichtigsten Finanzplatzes der Eurozone und Kontinentaleuropas.

Alle Standortvorteile bieten gerade für neue Finanztechnologien enorme Chancen, die bereits heute umfassend genutzt werden. Denn im Unterschied zu den typischen Gründerstädten waren es in Frankfurt bisher weniger Start-up-Unternehmen, sondern vielfach etablierte Finanz- oder IT-Dienstleister, die innovative Finanztechnologien entwickelt haben.

Im Interesse der Fortentwicklung des Finanzplatzes Frankfurt muss und will die Hessische Landesregierung noch stärker dazu beitragen, den Start-up-Bereich und die Gründerszene zu fördern, um auch die Talente aus Hochschulen sowie die hochkompetenten Mitarbeiter der Finanzindustrie mit eigener Geschäftsidee zu halten. Dank der Vielzahl hochengagierter Akteure hat sich das Ökosystem in den letzten Jahren erheblich entwickelt.

Das Land Hessen kann wesentlich dazu beitragen, die Vielzahl bestehender Aktivitäten zu koordinieren und zu bündeln, um das sich dynamisch entwickelnde FinTech-Ökosystem weiter voranzubringen. In den bisherigen Gesprächen hat sich ein Punkt besonders herauskristallisiert: Die Einrichtung und Etablierung eines zentralen Ortes, der FinTechs unter anderem günstigen und attraktiven Büroraum, Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch sowie Zugang zu Beratung und Investoren bietet. Darüber hinaus fördert das Land durch zinsvergünstigte Darlehen, Gründerfonds, Beteiligungen und Bürgschaften. Auch der Aufbau und Betrieb eines FinTech-Clusters werden unterstützt.

Insgesamt soll ein lebendiges Ökosystem entstehen, das verschiedene von Finanzplatzakteuren betriebene Start-up-Zentren beinhaltet, die unterschiedliche Ausrichtungen und Profile vorweisen und sich gegenseitig Anregung geben können. Zudem wird das Land seinen Anteil dazu leisten, die vorhandenen Stärken und Vorteile, die die Region bereits schon heute bietet, auf nationaler und internationaler Ebene besser zu vermarkten.