Kommt die EBA nach Frankfurt?

Im Zuge des Brexit muss die Europäische Bankenaufsicht umziehen.

Lange wurde über den Brexit gesprochen – jetzt folgen Fakten. Immer mehr Banken entscheiden sich, Aktivitäten von London nach Frankfurt zu verlagern. Deutsche Bank und Citigroup sind zwei prominente Beispiele. Aber auch bei den großen Institutionen wie der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) steht die Wahl eines neuen Standorts unmittelbar bevor. Schließlich muss sie ihren Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben.

Der Bewerbungsprozess um die EBA hat längst begonnen und seit Ende Juli stehen auch fest, wer seinen Hut in den Ring geworfen hat: Acht Städte, Frankfurt und Paris, sowie Brüssel, Dublin, Prag, Luxemburg, Wien und Warschau, wollen die neue Heimat der Behörde werden. Denn eine solch bedeutende Institution hat für einen Standort eine enorme Strahlkraft.

Acht Kandidaten im Rennen

Entsprechend engagiert präsentieren sich die acht Kandidaten: mit vielen Fakten rund um den Standort wie Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Arbeitsbedingung und Schulen. Zum Teil aber auch mit konkreten Versprechungen. So bieten Luxemburg und Wien etwa mietfreie Büroflächen.

Frankfurt will mit harten Fakten überzeugen und nicht nur Ministerpräsident Volker Bouffier ist sicher: „Trotz vielzähliger Konkurrenz haben wir gute Karten.“ Warum das so ist, hat die Landesregierung in einem umfangreichen Dossier zusammengestellt. Hier werden alle Aspekte beleuchtet, die bei einer Standortauswahl von Bedeutung sind. Weil sich viele der atmosphärischen Besonderheiten rund um die Main-Metropole auf Papier aber schlecht transportieren lassen, präsentiert sich Frankfurt mit einem Film, der zeigt, was es heißt, ein Frankfurter zu sein.

Frankfurt kann in jeder Hinsicht punkten

Entscheidend ist die Kombination der vielen unterschiedlichen Elemente, da ist sich auch Ministerpräsident Bouffier sicher. Schließlich könne Frankfurt mit sehr guter Infrastruktur und vielen internationalen Banken und Versicherungen aufwarten und sei deshalb das bedeutendste Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Die bestehende Aufsichtstruktur aus der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht EIOPA sowie der Deutschen Bundesbank, der BaFin, dem Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und dem europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) runde das einzigartige Netzwerk der relevanten Akteure an einem Ort ab.

Dass die Ansiedelung der EBA ein logischer nächster Schritt wäre und Synergien schaffen würde, steht für Bouffier außer Frage. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betont zudem, dass es bei all den Unsicherheiten und Risiken, mit denen die Europäische Union im Zuge des Brexits konfrontiert wird, jetzt wichtig sei, rechtzeitig für Planungssicherzeit zu sorgen: „Dies gilt auch im Hinblick auf die Frage des künftigen Sitzes der EBA. Es ist meine feste Überzeugung, dass Frankfurt am Main aus vielen Gründen die beste Lösung hierfür wäre.“

Attraktives Angebot für Unternehmen und Institutionen

Die Bewerbung Frankfurts wurde von zahlreichen Experten intensiv vorbereitet. Einer von ihnen ist Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI). Er kennt Frankfurt und die Region wie kaum ein zweiter und weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen und politischen Entscheidern in London, was die brennenden Fragen sind, die bei einer Standortverlagerung aufkommen.

Nicht laut trommeln, sondern mit substanziellen Fakten überzeugen, das ist nach seiner Erfahrung der beste Weg, um den Entscheidungsprozess zu unterstützen. „Viele Unternehmen suchen nach der Brexit-Entscheidung einen sicheren Hafen in der EU. Ihnen wollen wir ein attraktives Angebot machen. Wir bieten ihnen ein einzigartiges Netzwerk aller relevanten Akteure“, so Waldschmidt.

Gemeinsam mit vielen weiteren Vertretern aus Stadt und Land wirbt er für Hessen als einem ausgezeichneten Standort in der EU – nicht zuletzt für eine der zentralen Behörden wie die EBA.
Seit 1. August sind alle Bewerbungen für die künftigen Standorte der EBA auf der Website des Europäischen Rats veröffentlicht. Die Bewerbung der Bundesregierung für die Bundesrepublik Deutschland und den Standort Frankfurt am Main kann auf der Website des Bundesfinanzministeriums eingesehen werden.

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