Mit welchen Standortvorteilen kann der Finanzplatz punkten? Ein Interview mit Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen-Agentur

Was ist Unternehmen wichtig, die sich im Zuge des Brexit mit Umzugsgedanken ins Rhein-Main-Gebiet beschäftigen und mit welchen Standortvorteilen kann der Finanzplatz punkten? Diese Frage steht im Fokus unseres Interviews mit Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen-Agentur.

Der vermutlich anstehende Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union rückt immer mehr in greifbare Nähe und noch sind alle Brexit-Szenarien denkbar. Die konkreten Auswirkungen sind bis heute ungewiss. Laut der Bankenaufsicht Bafin verfolgen aber bereits 30 Banken/Finanzdienstleister den Plan, ihre Europazentrale an den Finanzplatz zu verlagern. Weitere 60 Unternehmen warten noch auf die Standortlizenz der Bafin. Was ist für Unternehmen wichtig, die sich mit Umzugsgedanken beschäftigen?

In erster Linie suchen Unternehmen selbstverständlich einen soliden Standort mitten in Europa, der ökonomisch zu ihrer Branche passt und ihnen einen nachhaltigen, langfristigen Erfolg sichert. Dabei sind Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet führend in Deutschland und in der EU. Gleichzeitig sind für Unternehmen aber auch „weiche“ Faktoren wichtig, also ein lebenswertes Umfeld, mit dem sie ihren hochqualifizierten Mitarbeitern einen Umzug schmackhaft machen können.

Womit kann der Finanzplatz Frankfurt da ganz besonders punkten?

Hessen und das Rhein-Main-Gebiet gelten international als hochattraktives Investitionsziel. Gerade bei Unternehmen aus Großbritannien verzeichnen wir in den vergangenen Jahren einen deutlichen Zuwachs. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat es unlängst auf den Punkt gebracht: Hessen profitiert von der zentralen Lage im Herzen Europas, einer starken Infrastruktur, einem einzigartigen Pool an hochspezialisierten Fachkräften sowie von einem exzellenten universitären Umfeld. Die ausgezeichnete Lebensqualität und kosmopolitische Atmosphäre sind da noch das Sahnehäubchen. Museen, Musik und Theater auf hohem Niveau sowie schnell erreichbare grüne Regionen wie Rheingau, Taunus und Bergstraße sind ganz wichtige Argumente, mit denen Frankfurt sich von anderen Regionen absetzt.

Wie wird sich der Finanzplatz Frankfurt im Brexit-Kontext zukünftig entwickeln?

Wir gehen davon aus, dass sich Frankfurt – unabhängig von den letztendlichen Details des Brexit – als europäisches Zentrum der Finanzbranche weiter etablieren wird. Wir bedauern zwar den Austritt Großbritanniens aus der EU, beobachten aber einen merklichen Wachstumsschub für die Rhein-Main-Region und Hessen, den wir durch unsere gezielte Wirtschaftsförderung weiter optimieren wollen.

Beschreiben Sie den Finanzplatz Frankfurt in drei Worten

Zentral – international – erfolgreich

 

Foto: Christof Mattes.