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Schnabel plädiert für tokenisierte Zentralbankreserven

EZB-Direktorin spricht sich in Jackson Hole für Notenbank-Ledger aus – BIZ-Chef legt Fokus auf programmierbare Bankeinlagen im bestehenden System

Börsen-Zeitung, 31.8.2026 mpi Frankfurt – EZB-Direktorin Isabel Schnabel plädiert für eine Revolution des Geldsystems im Euroraum. Beim Jackson Hole-Symposium der Fed sprach sie sich für tokenisiertes Zentralbankgeld aus. Es reiche nicht, bestehende Zahlungssysteme lediglich an Plattformen der Distributed Ledger-Technologie (DLT) anzubinden. Notenbanken sollten die Technologie stattdessen selbst aktiv nutzen und Zentralbankreserven direkt darauf ausgeben.

Konkret wird Schnabels Vision im langfristig angelegten Projekt Appia des Eurosystems, das derzeit verschiedene Architekturmodelle für ein tokenisiertes europäisches Finanzsystem auslotet. Zur Debatte stehen ein einheitliches europäisches Ledger, auf dem Zentralbankgeld, Geschäftsbankgeld und Finanzanlagen gemeinsam abgebildet würden, ebenso wie ein eigenes EZB-Ledger mit Anbindung an private DLT-Netzwerke oder ein System mehrerer miteinander verbundener Ledger. Schnabel selbst lässt in ihrer Rede offen, welche dieser Varianten sich durchsetzen sollte. Sie verweist auf den Zielkonflikt zwischen einer möglichst einheitlichen Infrastruktur, die Atomarität und Programmierbarkeit maximiert, und den damit verbundenen Risiken für Governance, Wettbewerb und Widerstandsfähigkeit des Systems. Atomarität bedeutet, dass Zahlung und Lieferung eines Vermögenswerts nur gemeinsam oder gar nicht vollzogen werden. Ein Abwicklungsrisiko, wie es heute bei Transaktionen entstehen kann, entfällt damit.

Kurzfristiger und bereits sehr konkret ist das zweite EZB-Projekt in diesem Bereich, Pontes. Es soll im September an den Start gehen und verbindet zunächst bestehende Zahlungssysteme wie TARGET2 mit privaten DLT-Plattformen. Doch Schnabel betont, dass Pontes trotz seines Namens weit über eine reine Brückenlösung hinausgehe. Perspektivisch soll auch die rechtliche Abwicklungsfinalität auf die eigene DLT-Plattform des Eurosystems wandern, ergänzt um Smart Contracts und einen durchgehenden Betrieb rund um die Uhr.

Während Schnabel die Notenbank auch bei tokenisierter Infrastruktur selbst als Betreiberin sieht, setzt Pablo Hernandez de Cos bei seinem Auftritt in Jackson Hole einen anderen Schwerpunkt. Beim Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stehen tokenisierte Einlagen der Geschäftsbanken im Zentrum. Ausschlaggebend sind für ihn zwei Eigenschaften funktionierenden Geldes. Erstens müssen alle Geldformen zum Nennwert in Zentralbankgeld einlösbar sein. Zweitens muss sich die Liquidität im System bei Bedarf elastisch ausweiten lassen. Beides sei bei tokenisierten Einlagen gewährleistet, da die Verrechnung zwischen Banken weiterhin klassisch über Notenbankkonten laufen könne. Eine eigene Tokenisierung der Reserven hält de Cos für möglich, aber nicht für zwingend. Offene Fragen sieht er vor allem bei der Interoperabilität zwischen Bank-Plattformen sowie beim Wettbewerb zwischen großen und kleinen Instituten.

Mit Blick auf Stablecoins sind sich de Cos und Schnabel einig, dass sie keinen möglichen Ersatz für Zentralbankgeld seien. Schnabel begründet das vor allem mit fehlender Elastizität: Private Emittenten könnten die Liquidität ihrer Coins anders als Notenbanken nicht beliebig aus weiten, wenn es in Stressphasen darauf ankomme.

De Cos benennt einen anderen Punkt: Stablecoins verletzten die „Einheitlichkeit“ von Geld, da unterschiedliche Coins nicht garantiert zum Nennwert ineinander tauschbar seien – wer etwa Tether gegen Circle tauschen wolle, sei auf den Sekundärmarkt angewiesen, wo Abweichungen vom Nennwert gerade in Stressphasen keine Seltenheit seien. Hinzu komme ein Integritätsproblem: Ein Großteil der Stablecoin-Bestände liege in anonymen Wallets ohne Identitätsprüfung, was Geldwäsche-Kontrollen erschwere. Beide Notenbanker sehen für Stablecoins daher bestenfalls eine ergänzende Rolle – etwa in dezentralen Kreditmärkten –, nicht aber als eigenständiges Fundament des Geldsystems.

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