Beiträge

Stichtag 31. Dezember – Das Ende der Brexit-Übergangsfrist rückt näher

Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 verlassen viele Briten das Vereinigte Königreich, emigrieren aufs europäische Festland und beantragen die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes. Das zeigen die Zahlen des Europäischen Statistikamts Eurostat und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Weiterlesen

Vier Jahre nach dem Brexit-Votum – Frankfurt größter Gewinner

Morgen jährt sich der Tag des Brexit-Votums zum vierten Mal. Großbritannien ist nicht mehr Mitglied der Europäischen Union, der Streit um die Bedingungen des Austritts dauert an und könnte sogar noch in die Verlängerung gehen. Weiterlesen

Webinare der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer

Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer lädt zu einer Webinar-Reihe sowie zu Online-Diskussionen ein.

 

Am Freitag, den 15. Mai 2020, um 8.00am UK time starten sie mit dem Webinar zum Thema „UK – Die Corona-Krise und die Auswirkungen auf den Brexit„. Weiterlesen

Deutschland nach dem Brexit: Jetzt braucht es Macher – Gastbeitrag von Hubertus Väth in der Zeitschrift „die bank“

Auf den Amtssitz des britischen Premierministers in 10 Downing Street wurde der Countdown projiziert, bis am 31. Januar 2020, Mitternacht Brüsseler Zeit, der Brexit vollzogen war. Die Verhandlungen zu den künftigen Beziehungen sind angelaufen. Weitgehend ungeklärt sind allerdings die Regelungen zum Finanzsektor. London wird – auch im wohlverstandenen Interesse der EU – noch lange der führende Finanzplatz Europas bleiben. Das bedeutet aber nicht, dass der Austritt ohne Konsequenzen bliebe. Der Kuchen wird neu verteilt, und Deutschland sollte konsequent die Chancen nutzen, Frankfurt als führenden Finanzplatz der EU zu etablieren und gleichzeitig eine konstruktive Zusammenarbeit mit London und Paris anzustreben.

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CFS-Umfrage: Deutsche Finanzbranche rechnet nun klar mit einem „harten Brexit“

Die neue britische Regierung unter Premierminister Boris Johnson bereitet sich darauf vor, die EU am 31. Oktober ohne Abkommen zu verlassen. Auch die deutsche Finanzindustrie rechnet nun größtenteils mit einem harten Brexit. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies. Dabei halten 55% der Befragten einen ungeordneten Austritt Großbritanniens für wahrscheinlich, 31% halten ihn sogar für sehr wahrscheinlich. Lediglich 11% sind in dieser Hinsicht optimistischer.

Die Mehrheit der Befragten (63%) erachtet den deutschen Finanzsektor im Falle eines harten Brexits als ausreichend vorbereitet, während 36% die Meinung vertreten, dass hier noch mehr Handlungsbedarf besteht.

„Wenn man die inzwischen hohe Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit berücksichtigt, sind die Umfrageergebnisse eher besorgniserregend. Denn viel Zeit für Anpassungsmaßnahmen bleibt den Marktteilnehmern nicht mehr“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die EU hat Nachverhandlungen des Brexit-Deals ausgeschlossen und sollte nun auch keine neuen Kompromisse anbieten, um einen harten Brexit eventuell noch zu vermeiden. Diese Meinung wird mehrheitlich (70%) von der deutschen Finanzbranche vertreten. Dennoch sind sich die Befragten ebenso einig (61%), dass die Finanzmärkte das Szenario eines harten Brexit noch nicht vollständig antizipiert haben und es demzufolge auch zu Marktverwerfungen kommen könnte.

„Die Umfrage verdeutlicht, dass man mögliche Nachteile eines harten Brexit in Kauf nimmt, um endlich Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen zu haben“, erläutert Brühl weiter.

Bei den Befragten besteht auch geschlossen Einigkeit (88%) darin, dass es im Falle eines ungeordneten EU-Austritts der Briten zu vermehrten Verlagerungen von Geschäftsaktivitäten und Beschäftigten nach Kontinentaleuropa kommen wird.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, und die Mehrheit der Befragten geht offensichtlich davon aus, wird es darauf ankommen, dass die Finanzplätze in Kontinentaleuropa ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Gelänge es dann noch länderübergreifend zu kooperieren, könnte Europa gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.“

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Hessen bündelt Brexit-Wissen im Internet

In Kürze wird Großbritannien aus der EU ausscheiden. Um Menschen über den Brexit zu informieren, stellt Europaministerin Lucia Puttrich das Informationsangebot des Landes in einer Pressemeldung vor: „Wir informieren Bürger, Unternehmen und Institutionen, was auf sie zukommen kann“

Die Hessische Landesregierung fasst Informationen für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Institutionen rund um das Thema Brexit im Internet zusammen. Die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich hat am Mittwoch ein umfangreiches Angebot auf der Webseite des Landes (www.hessen.de) vorgestellt. „Wer sucht, findet im Internet ganz viele Informationen an ganz vielen Stellen. Für uns ist aber wichtig, dass die Menschen in Hessen sich möglichst schnell und einfach informieren können. Dafür haben wir jetzt ein umfangreiches Paket geschnürt“, sagt Ministerin Puttrich. Die Hinweise sind insbesondere bei einem harten Brexit wichtig. In diesem Fall scheidet das Vereinigte Königreich ohne Übergangsregelung aus der Europäischen Union aus.

Das Angebot enthält zahlreiche Verweise auf Informationen des Europäischen Union, der Bundesregierung und weiterer Einrichtungen sowie Rechtsvorschriften. „Alle Ressorts der Landesregierung haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder eng darüber abgestimmt, welche Lebensbereiche vom Brexit besonders betroffen sein werden“, sagt Lucia Puttrich weiter. Das Informationsangebot im Internet ist ein Ergebnis dieser Abstimmungsgespräche und wird zeitnah noch erweitert.

„Wir wissen, dass viele Unternehmen seit langem mit dem harten Brexit planen und so gut wie möglich vorbereitet sind“, sagt die Ministerin weiter. Neben Unternehmen und Universitäten seien aber zum Beispiel auch Schulen und Vereine, die Austausche oder sportliche Begegnungen planten, vom Brexit betroffen. Der einzelne Bürger müsse zum Beispiel wissen, dass sich die Bestimmungen für die Einreise von Haustieren oder die Grenzen der Freimengen ändern, wenn Großbritannien die EU verlässt. Auch der Onlinehandel ist ein Thema: Wenn Kunden bei einem Anbieter in Großbritannien shoppen, wird ab einem gewissen Warenwert künftig Einfuhrumsatzsteuer fällig.

„Wir können die gesetzlichen Regeln nicht ändern, wenn der Brexit kommt“, fasst Europaministerin Lucia Puttrich zusammen. „Wir können die Menschen aber darüber aufklären, was er für sie bedeuten kann.“

Brexit Folgen für Frankfurt. Bild: Union Jack flag and EU flag combined over iconic London landmarks - UK leavs the EU

Business in London nach dem Brexit – Was lässt sich absehen

Der Brexit kommt näher. Bislang herrscht aber weiter Unklarheit, was der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) genau bedeutet und wie die künftigen Beziehungen zwischen der EU27 und Großbritannien ausgestaltet werden. Verfolgt man die deutschen Medien so liegt der Fokus der Berichterstattung, insbesonder zur Finanzindustrie, nicht selten darauf, wie sich die Geschäftsbeziehungen für britische Unternehmen in der EU ändern. Die internationale Rechtsanwaltskanzlei Norton Rose Fulbright hat die Perspektive einmal umgekehrt und untersucht, unter welchen Bedingungen deutsche bzw. EU-Unternehmen in Zukunft Geschäfte auf der Insel machen können. „Doing business in the UK after Brexit: Impact on the German financial services industry“, war der Titel einer Veranstaltung des Frankfurt Main Finance-Mitglieds Norton Rose Fulbright in der Niederlassung am Finanzplatz.

Nach einer kurzen Darstellung des Status Quo, der sich in erster Linie daran orientierte, wie bereits seit vielen Jahren Unternehmen aus Drittländern, wie etwa die USA oder Australien, ihren Geschäften in Großbritannien nachgehen, widmeten sich die folgenden Vorträge den jüngsten Entwicklungen der Austrittsverhandlungen und ihren möglichen Auswirkungen auf das künftige Verhältnis von EU und UK. Bei aller Offenheit des Ausgangs der Verhandlungen lassen sich doch einige Grundprinzipien herausarbeiten, auf deren Basis nach dem 29. März 2019 oder gegebenenfalls nach einer Übergangsperiode gearbeitet werden könnte. Für Unternehmen aus der Finanzindustrie, die an der Fortführung ihrer Aktivitäten in Großbritannien interessiert sind, sollten sich rechtzeitig mit diesen Leitlinien oder Grundprinzipien, aber auch mit Meldefristen und Terminen auseinandersetzen, die gerade im Falle eines harten Brexit die britische Politik bestimmen dürften. Es gilt, sich vorzubereiten und Entscheidungen zu treffen, auch wenn die Entscheidungsgrundlage noch viele offene Fragen beinhaltet. Es gilt der Grundsatz prepare for the worst, hope for the best.

Nach einer zusammenfassenden Betrachtung der Auswirkungen speziell auf die deutsche Finanz-Branche verwies Norton Rose Fulbright noch auf ihr Internet-Service-Angebot, den Brexit Pathfinder, der Orientierung bei Fragen zu den regulatorischen Anforderungen und Auswirkungen bieten wird.

Helaba Finanzplatzstudie: Koffer packen bei Brexit-Banken

Der Brexit rückt näher und viele Banken treffen Vorbereitungen, um ihre Geschäftsaktivitäten von London an andere Standorte zu verlagern. Frankfurt ist dabei der Favorit, und die Liste von Zuzüglern an das deutsche Bankenzentrum wird zusehends länger. „Nach und nach werden die Koffer bei Brexit-Banken gepackt und viele davon gehen künftig in Richtung Rhein-Main. So haben bisher 25 Brexit-Banken den Finanzplatz Frankfurt auserkoren, darunter viele namhafte Institute. Erst mit Abstand folgen Paris und dahinter Luxemburg, Dublin sowie Amsterdam. Dies ist das Ergebnis unserer aktuellen Brexit-Map“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Einige große Konzerne haben die Main-Metropole als ihren in Zukunft wichtigsten EU-Hub benannt und damit eine strategische Grundsatzentscheidung pro Frankfurt getroffen. Diese wird sich auch in der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen niederschlagen. Teilweise wird es Jobverlagerungen geben, die bei den betroffenen Mitarbeitern entweder mit einem privaten Umzug oder einem Pendeln zwischen den beiden Finanzmetropolen einhergehen. Teilweise werden Rekrutierungen in Frankfurt stattfinden, oder es werden deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei Banken im Ausland tätig waren, für die neuen Jobs in Frankfurt gewonnen. Seit Jahresbeginn konkretisieren sich die Geschäftsverlagerungen bei immer mehr Brexit-Banken. Weitere Institute befinden sich noch im Dialog mit den hiesigen Aufsichtsbehörden. Insgesamt ist in Frankfurt eine Akkumulation von Brexit-Banken zu beobachten, die in Europa ihresgleichen sucht.

„Unser Ranking der großen europäischen Finanzzentren gilt grundsätzlich weiterhin: London vor Frankfurt vor Paris“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Lediglich die Abstände dieser relativen Standortattraktivität haben sich mittlerweile verringert. Dabei konnte Frankfurt seine Wettbewerbsposition stärker verbessern als Paris. Mit Blick auf die zuweilen sehr offensive Vermarktung anderer Standorte ist ein selbstbewusstes, konzertiertes Auftreten des deutschen Finanzzentrums wichtig. So begleitet die hessische Landesregierung den Brexit-Prozess seit dem Referendum mit vielen Aktivitäten. Darüber hinaus gibt es ein Netzwerk der verschiedenen Akteure in der Region. Auch seitens der Bundesregierung erfährt Frankfurt zunehmend verbale Rückendeckung. Jetzt gilt es, angesichts der knappen Zeit bis zum Brexit beispielsweise die angekündigte Lockerung des Kündigungsschutzes für Top-Banker zügig umzusetzen.

Der Frankfurter Büromarkt präsentiert sich kurz vor Abschluss der Brexit-Verhandlungen in guter Verfassung. Der Leerstand ist deutlich gesunken und die Mieten nähern sich früheren Höchstständen – sie liegen aber noch deutlich unter dem Niveau konkurrierender Finanzplätze. Die zusätzliche Nachfrage durch Brexit-Zuzügler und das Stellenwachstum in anderen Branchen dürften dank einer Reihe von Projektentwicklungen nicht zu Engpässen führen. Dagegen bleibt die Lage am Wohnungsmarkt trotz erhöhter Bautätigkeit angespannt. Die Wohnungsknappheit kann daher nur gemeinsam mit dem Umland überwunden werden.

Die Frankfurter Brexit-Banken stammen aus zehn Ländern. Die meisten haben bereits eine Zweigstelle in der Main-Metropole oder sind über Tochtergesellschaften vor Ort präsent. Darüber hinaus möchten sich etliche Banken in Frankfurt neu ansiedeln. Zusammen hatten die Frankfurter Brexit-Banken ausländischer Herkunft Ende 2017 hier schätzungsweise rund 2.500 Mitarbeiter. Im Rahmen ihrer Brexit-bedingten Anpassungen dürften sie diesen Bestand bis Ende 2020 nahezu verdoppeln.

Dr. Traud weist darauf hin, dass die Helaba seit dem Referendum an ihrer Brexit-Prognose festhält: „Im Laufe der nächsten Jahre werden mindestens 8.000 Finanzjobs in Frankfurt geschaffen.“ Bis Ende 2020 sollte sich dieser Effekt deutlich positiv in der hiesigen Beschäftigung bemerkbar machen und die konsolidierungsbedingten Stellenstreichungen im deutschen Bankwesen schließlich überkompensieren. Insgesamt lässt dies dann einen Stand von rund 65.000 Bankbeschäftigten in der Main-Metropole erwarten – ein Zuwachs von 3 Prozent bzw. fast 1.800 Bankern.

Die komplette Studie finden Sie hier als Download.

Brexit

Deutsches Aktieninstitut – Brexit: es ist fünf vor zwölf!

Das Deutsche Aktieninstitut appelliert an die europäischen und britischen Verhandlungspartner, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich endlich auf eine neue tragfähige Grundlage zu stellen. In seinem dritten Positionspapier zu den Brexit-Verhandlungen wird an den Beispielen Zölle und Produktzulassungen sowie Derivate und Datenschutz gezeigt, dass die Unternehmen nicht alle durch den Brexit auftretenden Probleme durch eigene Maßnahmen lösen können.

„Die aktuelle Hängepartie zwischen der EU und dem Vereinigtem Königreich bei der Ausarbeitung eines Handelsabkommens ist ein Trauerspiel. Die Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals stehen vor der unzumutbaren Aufgabe, Lösungen für ihre Geschäftsbeziehungen zu finden, ohne zu wissen, welche Regeln am Tage des Austritts gelten werden,“ betont Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Nach wie vor sind wichtige Themen ungeklärt, und ein harter, ungeordneter Brexit im März nächsten Jahres scheint kaum noch abwendbar. „Den Unternehmen bleibt nur, sich auf das schlechteste Szenario, einen harten Brexit, vorzubereiten. Aber auch für diesen Fall bedarf es dringend der Unterstützung durch den Gesetzgeber und die Aufsicht,“ so Bortenlänger.

In seinem dritten Positionspapier zum Brexit nimmt das Deutsche Aktieninstitut zu den bei einem harten Brexit drohenden Problemen bei den Themen Zölle und Produktzulassungen sowie Datenschutz und Derivate Stellung. Das Aktieninstitut zeigt anhand dieser Beispiele, was die Unternehmen zur Lösung der Probleme selbst tun können. Es stellt allerdings klar, dass insbesondere im Falle eines harten Brexit die Unternehmen auf die Unterstützung seitens des europäischen bzw. deutschen Gesetzgebers sowie der Aufsicht angewiesen sind. Ohne staatliche Begleitmaßnahmen wird der Übergang in die Nach-Brexit-Ära nicht reibungsfrei zu schaffen sein.

Beispielsweise müssen praktikable Lösungen für die Zollabwicklung und Grenzkontrollen gefunden werden, die der Dimension der EU-UK-Handelsströme Rechnung tragen. So betont Dr. Ralf Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG, „Siemens unterstützt fairen und offenen Handel weltweit. Dies gilt auch im Falle eines Brexit. Die Frage, zu welchen Zöllen und Abfertigungsverfahren es an den Grenzen kommen könnte, muss so schnell wie möglich beantwortet werden. Nur wenn Unternehmen Planungssicherheit haben, werden sie auch das Vertrauen haben zu investieren.“

Um Marktverwerfungen und Nachteile für europäische Marktteilnehmer im Derivatebereich zu vermeiden, bedarf es einer Übergangszeit mit Bestandsschutzregelung für bestehende Derivategeschäfte. „Wichtig ist, dass bestehende Absicherungsgeschäfte mit britischen Handelspartnern wahlweise (i) fortgeführt oder (ii) auf deren kontinentaleuropäische Konzerngesellschaften übertragen werden können, ohne dass das Hedge Accounting unter IFRS gefährdet wird,“ unterstreicht Dr. Wolfgang Bohner, Leiter Finanzen und Treasury bei der Deutschen Bahn.

„Aufgrund des hohen Zeitdrucks sowie der vielen offenen Fragen haben wir uns von Anfang an für Übergangsregelungen eingesetzt, um die durch den Brexit drohenden dramatischen Schäden für die europäische Volkswirtschaft abzuwenden,“ so Bortenlänger. Das Deutsche Aktieninstitut fordert die Verhandlungspartner deshalb einmal mehr auf, konstruktive und praxisnahe Lösungen anzustreben, um die negativen Auswirkungen des Brexit zu minimieren.

Die vorliegenden Ergebnisse wurden im Rahmen des Brexit-Projekts des Deutschen Aktieninstituts erarbeitet. Die interdisziplinär besetzte Brexit-Projektgruppe beschäftigt sich mit den wesentlichen finanz- und kapital­marktbezogenen sowie weiteren hochrelevanten Themen, die im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen ein besonderes Augenmerk erfordern. Das aktuelle Positionspapier ergänzt die ersten beiden Positionspapiere aus dem Jahr 2017. Die Projektgruppe wird die Austrittsverhandlungen weiter kritisch begleiten und gegebenenfalls erneut Stellung nehmen.

Das dritte Positionspapier zu den Brexit-Verhandlungen finden Sie hier, die englische Version hier.

Brexit

Das Risiko eines „harten Brexit“ bringt Unternehmen unter Zugzwang – Heißer Herbst steht bevor

Die Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals erhoffen sich bis zum EU Gipfel im Oktober, allerspätestens zum möglichen Sondergipfel im November, Klarheit über die Ausprägung des Brexit und die Auswirkungen auf ihr Geschäft. Ob im Herbst klar sein wird, inwieweit es zu einer Übergangsregelung kommen wird, die den Status-Quo bis Ende Dezember 2020 festschreibt, bleibt bislang offen. Zwar ist diese Übergangsfrist grundsätzlich vorgesehen, aber an noch unerfüllte Bedingungen geknüpft. Diese Bedingungen stellen sich als erhebliche Hürden dar. Das gilt vor allem für die Frage des Umgangs mit der Grenze in Irland.

Ob es also bald Klarheit dann geben wird, ist nicht ausgemacht. Ab September erwartet die Geschäftsführung von Frankfurt Main Finance daher einen heißen Herbst. Banken werden in den nächsten Wochen wesentliche Entscheidungen über Ihren Set-Up treffen müssen, denn die Zeit zur Vorbereitung auf den Brexit Ende März 2019 wird sonst zu knapp. Wenige Monate vor dem Termin für den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union ist das Risiko eines relativ harten Brexit noch immer nicht gebannt. Das bringt Handel, Industrie und Finanzdienstleister gleichermaßen unter Zeitdruck und Zugzwang.

Finanzinstitute rechnen in den nächsten Wochen nicht nur mit vermehrten Anfragen ihrer Kunden, sondern müssen auch für sich selbst konkret entscheiden, auf welches der Szenarien sie sich nun vorbereiten. „Die Zeit wird knapp“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „Wir erwarten einen heißen Herbst: Industrie- und Handelsunternehmen, aber auch die Asset Management-Branche müssen unbedingt jetzt das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern suchen, um die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Es gilt, die Finanzierung und Anlagen Brexit-fest zu machen. Das geht nicht auf Knopfdruck. Wir laufen auf einen Massenstart zu, der bei verspätetem Beginn zu einem Nadelöhr führen kann.“

Daher rät Frankfurt Main Finance den Unternehmen aus Handel und Industrie, aber auch den Asset Managern jetzt aktiv das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern zu suchen, um ihre Finanzierung Brexit-fest zu machen. Das gilt gerade auch für das Clearing für in Euro denominierte Zinsderivate. „Die Unternehmen müssen selbst aktiv werden und auf die Banken zugehen“, sagt Väth. „Es ist in ihrem eigenen Interesse, beispielsweise ihre Finanzierungen und die Absicherung Ihrer Zinsrisiken selbst für einen harten Brexit abzusichern. Leider ist dieser Fall noch immer nicht auszuschließen. Je früher sie mit ihren Banken sprechen, umso besser wird die Vorbereitung sein, denn die Unternehmen werden im Zweifel die Hauptleidtragenden sein.“

Frankfurt Main Finance sieht den Finanzplatz Frankfurt als logische erste Wahl bei der Neuordnung und -orientierung der Finanzbranche nach dem Brexit. Diese Chancen unter zunehmend stärkerem internationalen Wettbewerb zu nutzen, bedarf es aber weiterer erheblicher Kraftanstrengung.